Bauer Willi
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Das Leben ist (k)ein Spiel …

Der aktuelle Landwirtschaft-Simulator 2018 ist in 10 Tagen 1 Million Mal verkauft worden. Schön. Da stellt sich die Frage, wieso sich so viele Menschen dem Leben als Landwirt in Spielform widmen?

Die Frage ist berechtigt. Während in den Hauptvertriebsländer der Landwirtschaftssimulation (D, A, CH, aber auch Frankreich und Großbritannien) die Anzahl der Simulations-Landwirte steigt, geht in den gleichen Ländern der Anteil der Echtform-Bauern mehr oder weniger rapide in Richtung Erinnerungswerte von 1-2% der Bevölkerung.

Eine mögliche Erklärung liefert der deutsche Psychologe Benjamin Strobel, der sich beim Grimme-Institut mit digitalen Spielen und ihrer kulturellen und medienpädagogischen Bedeutung auseinandersetzt. „In digitalen Spielen können wir uns gefahrlos ausprobieren und neue Rollen einnehmen. Die Komplexität und die Risiken des echten Lebens gelten dabei nicht. Wir können unsere Neugier, Träume und Wünsche im Spiel ausleben. Wenn uns das nicht gefällt oder etwas schiefgeht, müssen wir keine Konsequenzen fürchten. Das wiederum reduziert Spannung und Stress, denen wir im realen Arbeitsleben oft ausgesetzt sind“. ….

Da dem Spieler selbst bei „realistischen“ Games wie dem Landwirtschafts-Simulator nur ein sehr eingeschränkter und beschönigter Teil eines harten Jobs serviert wird, sagt Strobel, dass man bei dem Spiel nur einen „groben Eindruck von der Arbeit gewinnen kann. Hinter den putzigen Simulatoren stehen komplexe Tätigkeiten und Ausbildungsberufe, die in den Spielen stark vereinfacht werden. Das darf man auch bei hohen Detailgraden nicht vergessen“, so der Psychologe. (Quelle: https://derstandard.at/2000096185592/Landwirtschafts-Simulator-Warum-so-viele-Menschen-gerne-Traktor-fahren)

Die Frage, die sich also aufdrängt:

Wenn die Spieler es demnach so toll finden, sich in der vereinfachten Spiel-Agrarwelt “ausprobieren” zu können, wo sie keinen Komplexitäten, keinen Risiken, keinen Konsequenzen und keiner Verantwortung oder ähnlicher Unbill ausgesetzt sind, warum halten so viele dann jene „unsimulated farmer“, die in der realen Agrar-Welt ohne diese “Vereinfachungen” leben müssen für zu blöd, zu stur oder zu faul, daß die ihre Betriebe nicht einfach auf Knopfdruck mal eben nach dem neuesten oder (im doppelten Sinn) allerletzten Forderungs-Zweizeiler agrarwenden ?

Es darf vermutet werden, daß der Landwirtschafts-Simulant – nachdem er tolle Traktore gekauft hat, nebenbei noch schnell ein paar Hallen und Ställe gebaut hat, wo er die neuesten Maschinen und Geräte reinstellt, die er auch noch im Vorübergehen gekauft hat – nach der Ernte feststellt, daß kein Geld mehr da ist. Dann schaltet man halt des Spiel ab und fängt am nächsten Tag ein neues an – Punkt. Ein wenig schwierig in der mit Konsequenzen behafteten Nicht-Spiele-Welt …

Und es darf wohl davon ausgegangen werden, daß man im Spiel von sowas wie Witterung und Klimawandel auch weitestgehend verschont bleibt – wer weiß ob es den im Spiel überhaupt gibt. Kann man ja in 50 Jahren mal updaten ….

Ich nehme also an, daß der Verweis des Psychologen im letzten Absatz doch nicht befolgt wird. Eher wird die Scheinwelt auch nach Ausschalten des PC weiter”gespielt”. Das würde die vielen Forderungen an die Landwirtschaft gleichsam aus einer Scheinwelt erklären – was weder die Forderungen, die Scheinwelt und schon gar nicht die Landwirtschaft besser macht. Daher stelle ich hier den Spielmachern ein paar Vorschläge zu Verfügung um den Landwirtschafts-Simulator „less virtual but more real“ zu machen. Je nach Level und Schwierigkeitsgrad könnten folgende Adaptionen an die Wirklichkeit eingebaut werden:

Anpassung an die Realität – nur als Vorschlag

*) Traktore, Maschinen und Geräte müssen gewartet, gepflegt und repariert werden. Das ganze Zeug geruht ja meist dann zu brechen, kaputt zu gehen oder gänzlich den Dienst zu verweigern, wenn man es am dringendsten braucht. Als „Stressbewältigungslevel“ könnte simuliert werden, wie der Spiel-Bauer damit zurecht kommt.

*) Der „natural input“: An Witterungseinflüssen sollte überlegt werden Regen in den Stufen 1-10 (Niesel bis Hagel) in den Intensitäten 1-10 (1mm pro Stunde bis 50 mm pro Stunde) ebenso anzubieten wie Sonnenbestrahlung im Faktor 1-10 (Tagestemperaturen 5° bis 40° Celsius) oder Windgeschwindigkeiten mit 10 bis 120 km/h. Alle Faktoren können über längere oder kürzere Zeiträume (Tage, Wochen, Monate) erstreckt werden. Siehe 2018.  Dadurch ergeben sich eine spielberauschende Fülle an Auswirkungen auf Boden und Feldkulturen, auf Gebäude und Gerätschaften, auf die möglichen oder eben nicht möglichen sowie auf dadurch verbotene oder kontraproduktive Tätigkeiten oder Maschinennutzungen. Es sollten je nach Spielerlevel die Ereignisse wechselweise, kumulativ und per Zufallsgenerator in den verschiedenen Vegetationsphasen auftreten.

*) Ab einer gewissen Betriebsgröße ist auch unbedingt auf gesetzliche Realitätsnähe zu achten. Daher sollte ein „Boringfaktor“ implementiert werden, in dem der Spieler (je nach Level) bestimmte Zeiten mit Bürokratie zu verbringen hat, bevor er weiterspielen darf. Zudem sollten Kontrollen und Schulungen mit steigender Häufigkeit und Dauer erschwerend eingebaut werden – Quizfragen zu Landwirtschaft (ohne Publikumsjoker).

*) Mittels Zufallsgenerator sollten als „Eingebundenheitsfaktor“ nicht vorhersehbare Preisschwankungen bei Betriebsmitteln oder Erntewaren, bei Tieren und deren Erzeugnissen auf keinen Fall fehlen.

*) Als „Bewährungsproben“ mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden könnten auch Kreditverhandlungen mit Banken, Verkaufsgespräche mit Kunden und Händlern eingebaut werden. So ab und an ein Besuch einer NGO, ein nicht erklärbarer Brand oder Stromausfall sollten ebenso wenig in einem aufgemotzten Release fehlen, wie Krankheiten oder Verletzungen in unterschiedlicher Schwere und Dauer. Auch hier lassen sich wunderbar Konsequenzen und Folgen simulieren oder wie der Spieler reagiert, wenn diese Bewährungen zu wichtigen Vegetationszeiten auftreten oder Notwendiges nicht erledigt werden kann.

*) Das „Autonomieerlebnis“ sollte bei Spielern mit Tierhaltung unbedingt das Tool „Nettigkeiten von Außerhalb“ aktivieren, wo etwa durch amtliche Seuchenwarnungen, mediale (Falsch-)Meldungen oder internationale Vorfälle Quarantäne, Stallpflicht oder Keulung, zumindest aber Preisverfall ausgelöst wird. Gleiches gilt für Demos gegen Stallbauten, Bewilligungs-Marathon u.a.m.

*) Für Nerds und Hardcore-Gamer sollte sich ab einem gewissen Level das Heavy-Modul „Kompetenz oder Konsequenz“ automatisch aktivieren, das dann über mindestens 30 Spieltage beibehalten werden muß. Eine besondere Challenge für alle, die noch nie mit Folgeabschätzungen oder Weitblick, mit Planung, Risikobewertung oder existenzbedrohenden Beeinträchtigungen zu tun hatten. Als Bonus dürfen Spieler die diesen Level „überlebt“ haben, bei „Bauer Willi“ mitdiskutieren oder einen Beitrag über ihre Erlebnisse und Gedanken schreiben. Oder sie dürfen bei echten Referenzbauern einen Hofbesuch machen oder mit einem echten Traktor fahren oder echte Tiere betreuen.

Sollten die Entwickler von Giants-Software sich des einen oder anderen Vorschlags annehmen, sei noch ein Vermerk gestattet. Ein einfaches Danke ist immer schön. Nachdem ich aber damit schon den Keller voll habe, verweise ich gegebenenfalls auf andere Möglichkeiten der Anerkennung hier auf der Seite „Impressum“. Kann gerne auch als Support der „Total Reality“ von jedermann gehypt werden

Habt ihr noch andere Verbesserungsvorschläge zur Angleichung der Virtual Reality an die Total Reality oder umgekehrt?

Bauer Willi (mit maßgeblicher Unterstützung von Bauer Fritz)

(Aufrufe 1.186 gesamt, 1 heute)

17 Kommentare

  1. Altbauer Jochen sagt

    Das größte für viele Kinder im Dorf, -ob die eigenen vom Hof –
    oder vieler anderer ist doch, wenn auf dem Hof das Häckseln
    „losgeht“. Mitfahren auf den Abfahrschleppern oder dem Walzschlepper
    ist ein Erlebnis ! Klar die Maschinen sind ja auch imposant ,
    Technik begeistert.(Nur zur Vorsicht: sie sitzen sicher in den Kabinen)
    Aber, -Kinder und auch mal erwachsene Besucher ! in den Melkstand,
    und zu den Kälbern mitzunehmen ist für viele auch ein Aha-Erlebnis.
    Witzig war es einem Ehepaar zu erklären warum die Euter bei den
    Kühen nach dem Melken trotzdem unterschiedlich groß sein können.
    Mir fiel nichts besseres ein als zu sagen: Die haben eben unterschiedliche
    Körbchengrösse .Das haben sie verstanden !

    6+
    • Inga sagt

      Warum haben die Bücherläden so viel Erfolg beim Verkauf von Bilderbüchern vom Bauernhof?
      Warum handeln so viele Weihnachts- und Adventsbilderbücher vom Bauernhof und Wald?
      Genau so wird das Phänoem bei den Gesellschaftsspielen funktionieren, denke ich!

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  2. Vereinfachung ist ein gutes Stichwort. Die gesamte Mathematik basiert auf Vereinfachung. Wohin das führt, sieht man ja beim Thema Klimawandel, äh, Klimaerwärmung. Aktuell hocken weltweit Experten vor ihren Bildschirmen und spielen KLIMA, von dem sich sogar inzwischen die Kinder begeistern lassen und deshalb die Schule schwänzen. Warm ist, wenn es trotzdem kalt ist. Und 1 plus 1 ist 2, obwohl es nicht zwei exakt gleiche Dinge an einem Ort geben kann. Je größer die Zahlen und je mehr davon benötigt werden, um weiter “KLIMA“ spielen zu können, desto mehr wird vereinfacht, was, erst einmal verallgemeinert, zu Missverständnissen und den eigentlichen Katastrophen führt.

    Was das “Spiel“ KLIMA vom Klima unterscheidet, steht anbei verlinkt:
    https://pjmedia.com/trending/record-cold-forces-rethink-on-global-warming/

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    • Mark sagt

      Es sind eine ganze Menge Klimaspieler:
      „Im vergangenen Jahr wurden zwanzigtausend begutachtete Fachpublikationen zum Thema “climate change” (“Klimawandel”) veröffentlicht.“ Quelle: Stephan Rahmsdorf (PIK) in KlimaLounge

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      • Diese Inflation an simulierten Spielzügen, deren Brauchbarkeit durch Studien bewiesen werden soll, erinnert mich an die Teilcheninflation am CERN. Auch so ein “Spiel“ für Große. Ist auch reichlich Mathematik und Zahlenwerk im Spiel.

        https://www.infosperber.ch/Gesellschaft/Cern-Spiegel-kritisch-CH-Medien-ehrfurchtig

        Und je mehr Vereinfachungen verallgemeinert werden, desto mehr Energie wird komischerweise benötigt. Im gleichen Maß nimmt die Annahme von Komplexität zu, die aber ein künstlich aufgeblähtes Gebilde von Vereinfachungen ist, denen die eigentlichen Zusammenhänge mit viel Energie ausgetrieben wurden. Tolles Spiel. Da dürften selbst “Ballerspiele“ weniger Schaden anrichten …

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          • Noch ein Nachtrag.
            Anbei verlinkt noch ein interessanter Text, der aufzeigt, wo das Problem von Computercode liegt. Egal, ob damit ein Spiel programmiert oder eine Vorhersage getroffen werden soll:

            https://www.eike-klima-energie.eu/2019/01/31/globale-energiebilanz-ist-ausgeglichen-ausser-wenn-sie-es-nicht-ist/

            Der Text endet wie folgt: “Weil trotz der hunderttausenden Programmzeilen und trotz der Super-Computer und trotz aufgeblähter Behauptungen die Computermodelle noch nicht einmal berechnen können, wie viel Sonnenschein die Erdoberfläche erreicht … und die Leute glauben ihnen immer noch.“

            Ergo, je mehr Programmcode benötigt wird, desto unzuverlässiger wird das Ergebnis dessen, was das Programm für die Zukunft zu leisten vermag – während das Ergebnis zugleich immer mehr dem entspricht, was man sich davon beim Programmieren erwartet hat. Deshalb erscheinen Spiele immer realer zu werden und Klimamodelle gehen immer mehr an der Realität vorbei.

            Wofür der Mensch immer mehr Energie benötigt? Dafür, die Realität an seine programmgenerierten Modelle anzupassen.

            PS: Den Link habe ich EIKE entnommen, weil dort die Übersetzung des englischen Originals verfügbar ist. Nur für den Fall, dass wieder entsprechende Kommentare bezüglich EIKE kommen.

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    • Bergbäuerin sagt

      Zum Klima: Grundsätzlich finde ich es plausibel, wenn die Wissenschaft sagt: Von all den das Klima beeinflussenden Faktoren, die wir kennen (Frage, die offen bleibt: welche kennt die Wissenschaft noch nicht?) kommt für die gegenwärtige Erwärmung (und an der zweifle ich persönlich ehrlich gesagt nicht) nur der vom Menschen erzeugte Treibhauseffekt in Frage.
      Das heißt natürlich im Umkehrschluss noch lange nicht, dass wir mit all den Maßnahmen, die nun gefordert werden, unser Wunschklima erzeugen können (z.B. jenes, welches uns bisher vertraut war), denn das Klima wird nun einmal nicht nur von uns beeinflusst, sondern möglicherweise auch von Faktoren, von denen wir keine Ahnung haben.
      Also den ganzen Hype ignorieren? Nein, vor allem deshalb nicht, weil es für all das, was uns da zugemutet werden müsste, auch noch andere, viel gewichtigere Argumente gibt: Dass – vor allem tierische – Nahrungsmittel viel zu billig sind und in unverantwortlichem Ausmaß verschwendet werden, dass wir viel Unnötiges produzieren und damit die Ressourcen des Planeten sinnlos überfordern, dass fossile Energien nicht unendlich sind, dass der gegenwärtige Brutalkapitalismus eine himmelschreiende Ungerechtigkeit generiert, die uns Flüchtlingsströme beschert usw. Bei uns gibt es eine Sage aus dem 15. Jahrhundert, als man mit der Kleinen Eiszeit kämpfte: da wurde das Vorrücken der Gletscher am Hochkönig so begründet: weil die hedonistischen Sennerinnen immer in Milch gebadet haben, wurde die Alm zur Strafe mit Milch (Gletschereis) übergossen.
      Die Kleine Eiszeit wurde im wissenschaftlichen Sinn wohl kaum vom Menschen verursacht. Aber das schlechte Gewissen war trotzdem berechtigt.
      Unser Bildungssystem ist deshalb so ineffizient, weil es immer 10 bis 15 Jahre hinter der Realität einher hinkt. Um die Jahrtauendwende hätten sich SchülerInnen im Zeitalter der grenzenlosen chaotischen Informationsflut nichts sehnlicher gewünscht als Bildungsstandards als Orientierung, auch wegen der steigenden Jugendarbeitslosigkeit – die jungen Leute wollten wissen, wer sie wofür brauchen kann und mit welchen Kompetenzen. Aber die Wirtschaft war am Automatisieren und Arbeit Auslagern und konnte sie nicht brauchen. Also wurden die Lehrer zu Infotainment („Bildung“ genannt) verpflichtet, mit dem man es diesen Unbrauchbaren in den Ghettos, die man Schule nannte, so angenehm wie möglich machen sollte. Irgendwann kam man drauf, dass die so Unterhaltenen für nichts gut waren, wenn man sie dann doch einmal brauchte. Und jetzt gibt es plötzlich diese Bildungsstandards, die auf nichts anderes vorbereiten, als auf dieses Wirtschaftssystem, das längst auf den Abgrund zurast – keineswegs nur wegen seines Effektes aufs Klima. Was so toll sein soll an dieser Zukunft, auf die man da vorbereitet wird, das kann die Schule tatsächlich nicht erklären. Und so musste es doch kommen, dass irgendwann eine Symbolfigur auf den Bildschirmen erscheint, die diese Wahrheit ausspricht.
      Lassen wir doch in Gottes Namen „die Klimakatastrophe“ (die meteorologische, die menschliche, die geistige) jene Chiffre sein, die Menschen motiviert, umzukehren – wenn sie das denn tut.

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  3. Bergbäuerin sagt

    Beklagst du dich nicht immer wieder darüber, Willi, wie viel Zeit du mit Bürokratie zubringen musst? Viele Leute dürfen den ganzen Tag nichts anderes tun und haben letztlich keine Ahnung, welchen Maschinen sie da dienen, die irgendetwas Unnötiges wie das neueste Handy, den 75. Zierpolster mit dem hippsten Design und jene Computer erzeugen, auf denen man dann Landwirtschaftssimulator spielt; um irgendwelchen unbekannten Menschen zu viel Geld zu verhelfen. Sie dienen widerwillig dem millionenfachen Verkauf dieser Dinge, der möglich wird dadurch, dass du mit deiner Landwirtschaft ständig am Rand der Existenz herumfuhrwerkst. Deine Feinde, Willi, das sind nicht die kleinen Maxis, die dann am Abend entspannt vorm Landwirtschaftssimulator sitzen und endlich das tun dürfen, was du auch lieber tust als alles andere, mit dem du dich herumplagst. Wenn du wissen willst, wer deine wirklichen Feinde sind, dann schau dir den Film „Master of the universe“ an: https://www.youtube.com/watch?v=Msm4i2eqQM4
    Wir sitzen alle im selben Boot.
    Im Jahr 2000 gab es in Wien ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Kulturlandschaft. Man ließ Probanden Landschaftsbilder bewerten. Die meisten Sympathiepunkte bekamen nicht der unberührte Urwald, nicht die majestätischen Berggipfel der Alpen und nicht ferne menschenleere Strände. Noch weniger Sympathie fanden nur die Industrieviertel der Städte, ausgeräumte Agrarsteppen und die Schilderwälder der Einkaufsstraßen. Was die Leute sehen wollten, das war die vom Menschen gestaltete vorindustrielle Kulturlandschaft mit ihrem engräumigen Wechsel von Wiesen, Feldern und Wäldern, mit auf markanten Höhen thronenden Barockbauten und kleinen Dörfern mit der Kirche im Zentrum. Dass die landwirtschaftsferne Bevölkerung dazu „intakte Natur“ sagt, wäre ein eigenes riesiges Thema. Natürlich assoziieren die Leute mit solchen Bildern nicht unbedingt krumm am Stock gehende alte Leute, Knechte, die für Kost und Logis arbeiten und in feuchten Ställen schlafen; nicht die kinderlosen Alten, die dann als Einleger von Haus zu Haus herumgestoßen werden, auch nicht die Kirche, die in solchen Lebenssituationen Trost spendet. Interessant ist aber immerhin, was eine Buchautorin erlebt hat, die die letzten Repräsentanten dieser Zeit in den Altersheimen besucht und interviewt hat. Sie waren allesamt ausdrücklich dankbar für die Errungenschaften des modernen Sozialstaates. Aber das war nie ihr letztes Wort, das letzte Wort war stets: „Und doch: ich denk einfach immer zurück, ich denk so gern zurück.“ (Ich kenn das auch von meiner Großmutter) Es sieht so aus, als ob wir auf dem Weg vom Jäger und Sammler zum modernen Industriebürger irgendwann am Paradies vorbeigelaufen sind. Und das Bild des Paradieses ist im kollektiven Unbewussten so tief verankert, dass man es nicht wird ignorieren können, nicht bei den Spielern des Landwirtschaftssimulators und nicht bei den Demonstranten des WHES. Man kann nur eines tun: ihnen schonungslos den Preis nennen fürs Paradies, den finanziellen und den des Verzichts.

    3+
    • Schmeckt gut sagt

      Liebe Bergbäuerin, da bin ich voll bei dir. Auch weil ich weiß, wieviel mehr Mühe es in den steileren Regionen kostet, diese Urlaubsidylle aufrecht zu erhalten. Wir Bauern sollten tatsächlich das Rückrat haben, vorzurechnen, wie hoch der Preis ist. Nachdem immer deutlicher wird, dass wir in ein paar Jahren nicht mehr in der Lage sein werden, eine flächendeckende Bewirtschaftung zu leisten, weil wir einfach durch den Strukturwandel zu wenige geworden sind, muß die Frage gestattet sein, wie die heutige Kulturlandschaft erhalten werden soll. Durch Bundes-, Landes- oder Gemeindeangestellte? Wird es dann preiswerter für die Gesellschaft?

      3+
  4. Annick sagt

    Ein befreundeter Bauunternehmer hat mir erzählt, dass er diesen PS Gamingsimulationen auch Gutes abgewinnen kann. Mittlerweile bewerben sich genügend Leute bei ihm, die zumindest den Umgang mit dem Joystick sehr gut drauf haben, um die grossen Baumaschinen bedienen zu können. Was dadurch allerdings garnicht vermittelt wird , ist der Umgang mit einer banalen Schaufel.

    2+
    • bauerhans sagt

      die gemeinde hier hatte einen jungen baggerfahrer beauftragt,einen seitengraben an meinem acker zu räumen.
      der hatte richtig zugelangt und die grenzsteine mit erfasst.
      hinterher hatte er sie einfach wieder an die böschung gestellt.
      zu viele ballerspiele geschaut.

      1+
      • Annick sagt

        Beim Landwirtschaftssimulator kann man doch auch einfach durch Bäume oder Mauern durchfahren, oder mit Höchstgeschwindigkeit in die Kurve, ohne dass das dem Fahrer oder der Maschine schadet, ist das im richtigen Leben etwa nicht so? 😉
        Die Jungs mit Erfahrung in der Realität, hatten das schon ab der ersten Version zu bemängeln. Trotzdem spielen sie es noch immer mit Freunden und hinterher in Echt.

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  5. bauerhans sagt

    „ballerspiele“ sind ja ziemlich in verruf geraten,sodass die branche was freundliches braucht.
    landwirtschaft mit seiner vielfalt bietet sich da an,werbung spielt auch ne rolle,der weltweit grösste markt ist wohl china.
    tiefergehende überlegungen sehe ich nicht.

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  6. Bergbäuerin sagt

    Aus den Kommentaren der Spieler im Standard:
    „du ziehst dein ding durch. kein stress bzw. wenn stress dann nur wegen gier. das spiel lässt dich einfach dumm da stehen. ich wusste nichts. das war der reiz. weder vom spiel noch in echt. silage?“
    „Wieso eigentlich nicht? Ist doch positiv für den PC Markt, und für die Videospielemarkt an sich – zu sehen daß abseits des Mainstreams auch Nischenprodukte einen millionenfachen Absatz produzieren.“
    „Das ist wie im Artikel beschrieben anders als im Job. Wo man oft Arbeiten erledigt aber kein Ergebnis sieht bzw. noch mehr Arbeit bekommt und wenn man die nicht schnell genug macht, eine vom Chef/Kunden am Deckel ..“
    „Nix Neues, war auch in der Barockzeit so. Schäferromantik. Marie Antoinette hatte in Versailles ihren Streichelzoo, wurde aber nicht zur königlichen Teilzeitbäuerin.“
    „Am meisten freue ich mich trotzdem darauf wenn es bei meinem Bruder (der den Hof vor 2 Jahren übernommen hat) Arbeit gibt und er mich braucht. Am Ende des Tags sehe ich dann das Ergebnis der Arbeit, was sehr befriedigend ist. “
    „Solang die Gamer sich dann nicht als Landwirtschaftsexperten gerieren ist alles in Ordnung.“
    „Das erste Wort meines Sohnes war „dador“, also Traktor. Wir haben weder Felder noch einen Bauernhof, er stand so lange am Feld, bis ihn jemand mitgenommen hat. “
    „Besser dieses spiel um virtuell Leben zu erzeugen
    Als virtuell mit möglichst großen blutspritzeinsatz soviel wie möglich abzuschlachten… Frag mich eh oft was im Hirn solcher Menschen vorgeht…“
    „Ich war zwar beruflich an der Entwicklung diverser landwirtschaftlicher Fahrzeuge beteiligt, aber hinters Steuer echter solcher Fahrzeuge komme ich leider sehr selten. Da ist die Simulation doch willkommen.“

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  7. Hobbygärtner sagt

    Ehhhm Willi, hast du das Spiel mal gespielt?
    Oder bist du demselben Fehler erlegen den du den Spielern unterstellst?

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