Bauer Willi
Kommentare 20

Bauerndemo, Berlin, BMEL…

In dieser Woche demonstrieren eine Gruppe von Landwirten in Berlin. Als Organisatoren werden LsV – Das Original sowie Freie Bauern genannt. Andere Gruppierungen distanzieren sich von dieser Demonstration.

Das BMEL hat die Forderungen der Demonstraten mit einem Factsheet beantwortet, das hier nachzulesen ist:

Factsheet zu Forderungen der Bauernproteste(2)

(Aufrufe 1.932 gesamt, 1 heute)
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20 Kommentare

  1. Das BMEL ist in CDU-Hand, was erwartet man?!

    Aber hier mal konstruktiv:

    1. Ja, Mindestpreise können Vorteile für Großbetriebe sein, die günstigere Produktionskosten haben und so höhere Gewinnspannen. Um das zu kompensieren, einfach auch die üblichen Ausgleichszahlungen nach Fläche ergänzen, aber nach Größe abschmelzen lassen.
    Kleinbetriebe bekämen Mindestpreis und Ausgleichszahlung.
    Großbetriebe hätten die höhere Gewinnspanne über den Mindestpreis bei niedrigeren Produktionskosten, dafür keine Ausgleichszahlungen.

    2. Der freie Markt kann nur funktionieren, wenn alle Handelspartner auf Augenhöhe zueinander stehen. Ohne Regularien läuft da nichts. Kleine Dinge wie Wegwerfverbot von Lebensmitteln im LEH oder kein Verkauf unter Einstandspreis (siehe Frankreich). Große Dinge wie keine gentechnischen Erzeugnisse auf dem deutschen Markt (dann bleibt einiges zwangsweise draußen). Um Deutschlands Export mal zu erklären:
    Riesiger Dumpinglohnsektor mitten in Europa (Agenda 2010 etc.).
    Einheitswährung Euro, unser Export kann nicht mehr ausgebremst werden duch die Aufwertung der D-Mark.
    Euro-Dollar-Wechselkurs ist optimal, faktisch sind am Weltmarkt die Kosten (Löhne etc.) so um ein Drittel gefallen.

    Aber wo wir Überschüsse haben, haben andere Defizite. Die können nur noch überleben, wenn sie auch massiv Dumping ausbauen und uns Marktanteile abjagen (unser Nachteil, zumal Dumpinglöhne auch weniger Kaufkraft bedeuten) oder den Import drosseln (auch unser Nachteil). Der Exportfetisch holt uns gerade ein.

    3. Deutschland blockiert selbst einheitliche Standards, siehe die EU-Bodenrahmenrichtlinie. Dreimal raten, wer es da vor allem blockiert! Die Bundesregierung gibt der EU gern die Schuld, blockiert da aber meist selbst. Läuft!

    Hier schon die Antwort vom BMEL zur Anfrage nach der Wertschöpfung, die wissen auch genau, was man tun könnte:
    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/153/1915354.pdf

    Zitat vom BMEL (die Originalantwort enthält noch das BMEL-Logo, liegt mir vor):
    In Frankreich wird mit dem „Gesetz über ausgewogene Handelsbeziehungen im Agrar- und Lebensmittelsektor und gesunde, nachhaltige und zugängliche Lebensmittel für alle“ (EG’AlimG) vom 30. Oktober 2018 durch regulative Eingriffe in Preisverhandlungen das Ziel verfolgt, ein angemessenes Einkommen für die Erzeuger zu sichern. Seit Anfang 2019 sind insgesamt 15 Rechtsakte erlassen worden, bis Ende Oktober 2019 sollten alle notwendigen Durchführungsverordnungen vorliegen. Die Sektor-Branchenverbände haben darauf-hin Produktionskosten- und Marktpreisindikatoren festgelegt, die die künftige Vertragsgestaltung erleichtern sollen. Darüber hinaus wurde u. a. die Stellung von Erzeugerorganisationen in den Preisverhandlungen neu definiert. Weiter hat man das Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis durch Anhebung der Schwelle für den Weiterverkauf mit Verlust auf 110 Prozent des Einkaufsprei-ses verschärft und den Kontrolldruck bei der Überwachung von Werbeaktionen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) erhöht.Wegen der damit verbundenen Eingriffe in die Vertragsgestaltungen bestehen aus deutscher Sicht Zweifel an dem französischen Vorgehen. Konkrete Vorga-ben zur Preisgestaltung sind mit den Grundsätzen der Vertrags- und der Preis-bildungsfreiheit der Unternehmen nicht vereinbar. Die im französischen Gesetz festgelegte weitere Reglementierung von Untereinstandspreisverkäufen und die vorgesehene Rabattbegrenzung bei Sonderaktionen stellen einen Eingriff in die Preissetzungsfreiheit der Unternehmen dar.

    Soviel zur CDU. Autos wichtiger als Essen.

    No Fun Fact:
    Friedrich Merz mag sogar das Chlorhühnchen:
    https://www.welt.de/wirtschaft/article133240368/Warum-Friedrich-Merz-lieber-das-Chlorhuehnchen-will.html

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  2. Friedrich sagt

    Das Gelabere von der ML Klöckner kann ich nicht mehr hören. Auch das der Verbraucher immer höhere Standards will , stimmt auch nicht. Damit will man uns nur runtermachen , damit mehr Agrarimporte (Mercusurabkommen) usw. ins Land ohne unsere Umwelt- und Sozialstandards kommen. Die NGO-Hilfstruppe der Politik wird mit ordentlich Geld unterstützt, um angeblich die Forderungen der Zivilgesellschaft helfen durchzusetzen. Dabei bleiben immer mehr Mitbürger auf der Strecke. Eins ist mir schon lange klar , daß bis zur Bundestagswahl am 26. September nichts passieren wird, was der Kanzlerin mißfällt. Danach werden wir Bürger die Zeche mit den vielen Fehlentscheidungen bezahlen müßen. Gerade hat der Wirtschaftsminister Altmeier verkündet , daß Steuererhöhungen schlecht für die Wirtschaft sind , aber wir haben gerade am 1. Januar die Dreiprozentige Mehrwertsteuer und die CO2-Steuer erhöht bekommen. Von den Regierenden können wir also bis zur Bundestagswahl nichts mehr erwarten. Ich frage mich sogar , ob man die Coronaimpfstoffe absichtlich hinauszögert , um bis zur Wahl uns im Lockdown zu halten und wir uns nicht mehr über die Verhältnisse austauschen können. Nur das könnte die Regierenden noch retten ? In Berlin ziehen die jedenfalls die Schotten hoch und sind vom Volk nicht mehr ansprechbar, haben vieleicht sogar Angst davor ?

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  3. Smarti sagt

    Dieses Papier ist kein Sheet, nein es ist Gold wert. Endlich haben wir schwarz auf weiss geschrieben auf was wir uns in Zukunft einstellen können. Klar und deutlich ist formuliert, dass wir jedwelche Gängelung durch NGOS ( vertreten durch Politik ) zu ertragen haben, da der gesellschaftliche Druck „die Politik“ dazu zwingt. Unsere Mehrkosten können wir aber leider nicht weitergeben, da eine Bevormundung des Handels ( oder des Verbrauchers ) nicht sinnvoll erscheint. Sorry.
    Gut, dann wird die Produktion unserer Grundnahrungsmittel noch mehr ins Ausland abwandern. Gestern haben wir gelernt, dass auch unsere ausländischen Lieferanten zukünftig durch „unsere Politik“ – sprich dem „Lieferkettengesetz“, in Bedrängnis kommen werden.
    Kompliment ans BMEL: endlich Klartext. Da bleibt mir nur noch das Modell der Schneehasen: der kontrolliert seine Prädatoren, indem er ( bewusst oder unbewusst ) seine (Re)-Produktion vermindert. (geklaut von Stadtmensch).

    +5
    • Ostbauer sagt

      Na ja Smarti, goldwert würd ich das jetzt nicht nennen, eher erwartbar.
      Aber zumindest ist die Richtung glasklar- mit Vollgas gegen die Wand.
      Alle geforderten Punkte: geht nicht, dürfen wir nicht, können wir nicht, wollen wir nicht.
      Für die Landwirtschaft gibt`s beim Vollgaszug dann ein paar kleine Airbags; die werden den Aufprall schon nicht so schlimm machen. Frei nach dem Motto:“ Et is noch immer joot jejangen“. Es werden schon noch genug übrig bleiben die sich weiter quälen, hat ja bisher auch geklappt. Wenn das mal nicht irgendwann schief geht!
      Also doch Modell Schneehaase?

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    • sonnenblume sagt

      Wir sollten die Entwicklung in der Bekleidungsindustrie nicht aus den Augen verlieren. So ähnlich wird es in der Landwirtschaft auch ablaufen. Vielleicht nicht ganz so extrem, aber im Großen und Ganzen schon. Einige Vorzeigehöfe braucht man ja noch, damit man zumindest für die gehobene Klasse etwas anbieten kann. Aber Ottonormalverbraucher wird sich mit Auslandsware eindecken müssen. Vielleicht bemerkt er es nicht einmal. Die Etikettierung kann schnell angepasst werden.

      +2
  4. Thomas Apfel sagt

    Wenn man den Factsheet (ich will jetzt bewußt nicht norddeutsch verballhornen) liest, ist alles bestens geregelt, transparent und supi für Volkswirtschaft, Verbraucher und Bauern geregelt. Also Schwanzwedeln und nicht Bellen (und Beißen schon gar nicht) angesagt ?
    Die Schwachstelle ist insbesondere die eben nicht transparente Herkunftskennzeichnung. Das ist Handel und Verarbeitung „nicht zuzumuten“. Wie bitte, uns wird alles und Kontrolle über jeden Furz von jeder Kuh zugemutet, die Brüder und Schwestern von Ernährungswirtschaft und Handel dürfen aber zunehmend über Hausmarken jegliche Herkunft verschleiern. Irgendwer hat hier mehr Geld für Lobbyarbeit als die angeblich so „mächtige“ Agrarlobby. So wird der Verbraucher ja geradezu angehalten, die Herkunft nicht zu hinterfragen. Letztlich dienen Hausmarken dazu Mehrkosten für den Handel die beim Einkauf von Marken bekannter Herkunft gegeben sind, zu minimieren. Damit verbunden können gleichzeitig die Erzeugerpreise, also die „Restgeldüberweisungen“ der Vermarkter und Verarbeiter an die Landwirte noch weiter gedrückt werden. Den Verbraucher freuts, wenn er das Markenprodukt vom selben Hersteller unter Hausmarke 20 – 40 % billiger bekommt.
    Wenn Ihr das so wollt, und so toll findet, liebe Politiker, dann sorgt dafür, dass es neben allgemein verbindlichem EU Recht keine nationalen Alleingänge mehr gibt. Das gilt für Haltungsformen, Pflanzenschutzanwendungen und (marktverzerrenden) willkürlich zugeordneten Subventionen.
    Ich schlage eine einheitliche „Betriebsprämie“ von 200 €/ ha vor. Darauf aufsatteln kann man 600 €/ha für echte separate und stillgelegte Flächenanteile, sowie landschaftspflegende extensive Weidehaltung. Der Prozentsatz echte stillgelegte ÖVF ist mit 20 % der Betriebsfläche bei intensivem Bio-Anbau und konventioneller moderner Landwirtschaft gleichermaßen gedeckelt. Die reinen Produktionsflächen beider Systeme werden über die Betriebsprämie hinaus nicht gefördert. So einfach könnte das Europa weit gehen, wenn man nationale Egoismen beiseite ließe. Dann müsste auch der Markt und nicht die höhere Subvention über die Bio-Preise entscheiden. Wenn, dann gleiches Unrecht für Alle !

    +7
  5. bauerhans sagt

    „Solange der Verbraucher zwar höhere Produktionsstandards für die heimische Produktion fordert“

    der verbraucher kauft gut und günstig,er fordert nichts!
    es sind ngo und politik,die laufend fordern und bedingungen verändern,weil gerade die landwirtschaft mit ihren vielen „einzelkämpfern“ dafür besonders gut geeignet ist.
    lasst uns wie „wallstreetbets“ zusammenschliessen und gebündelt anbieten und nachfragen!
    visionen darf man wohl haben,ohne gleich zum arzt geschickt zu werden.

    +4
  6. Wolfgang sagt

    Die Aussagen zu Mindestpreisen, Quoten, Marktwirtschaft, Wettbewerb im Binnenmarkt, internationalen Wettbewerb hatte ich so und nicht anders erwartet. Da ist seit meiner Ausbildung vor über 30 Jahren nichts Neues entdeckt worden, die Entwicklungen hatten sich damals schon abgezeichnet.

    Ein wesentliches Problem ist, dass ein Betrieb, der die Produktion reduziert oder ganz einstellt, trotzdem weiterhin Kosten verursacht. Folglich wird selbst nach rationalen Kriterien weiterproduziert, solange die Mehrkosten der Produktion nicht höher sind, als der Mehrerlös (Produktionsschwelle). Dabei müssen die Erlöse nicht zwingend die Vollkosten decken (Gewinnschwelle). Eine Produktionseinstellung findet also erst statt, wenn für den Betroffenen abzusehen ist, dass auch auf Dauer nicht einmal die Mehrkosten aufgrund der Produktion durch die Erlöse gedeckt sind. Vollkosten werden selbst bei völliger Transparenz von Kosten und Produktpreisen nur für weitere Entwicklungsschritte des Betriebes in Betracht gezogen.
    Aufgrund der Marktmechanismen sich somit bei ausreichendem Angebot Preise durch, die für eine Vielzahl der Betriebe nicht (voll-)kostendeckend sind.
    Funktionieren würde das Ganze nur, wenn Kosten und Erlöse ausreichend bekannt wären und auch für die anstehenden Produktionsperioden (Lebensdauer einer Kuh, Gültigkeitsdauer von Pachtverträgen, Abschreibedauer von Maschinen und Baumaßnahmen, Länge des Berufslebens dessen, der heute vor der Berufswahl steht) ausreichend genau prognostizierbar wären.

    Tatsächlich kennen aber viele Betriebe selbst ihre tatsächlichen Produktionskosten gar nicht. (V.a. auch viele Nebenerwerbler, die den Betrieb aus außerlandwirtschaftlichen quersubentionieren.) Oder man bringt es nicht übers Herz aus dem Beruf auszusteigen, Gewohnheiten aufzugeben, sich dem Gerede der Leute im Dorf zu stellen, wenn man das von den Vätern Ererbte nicht in deren Sinne fortführt, solange man diese Entscheidung nicht vom Insolvenzgericht abgenommen bekommt.

    Auch die Erkenntnisse des Factssheets zu Binnen- und internationalem Handel sind nicht nicht wirklich neu. Wenn hier die Politik nicht wesentliche Veränderungen zustandebringt, kann man aus dem Papier herauslesen, dass die Ministerin hier gar keine Lösung der Probleme anbieten kann.

    Wenn ich eins und eins zusammenzähle, lese ich aus dem Papier heraus:

    Solange der Verbraucher zwar höhere Produktionsstandards für die heimische Produktion fordert, bis auf Nischen aber nicht bereit ist, die Mehrkosten dafür zu bezahlen, treibt er die Verlagerung der Produktion auf Standorte mit niedrigeren Produktionsstandards allen Beteuerungen zum Trotz selbst voran. Und werden die Nischen überlaufen, fallen auch da die Preise bis zur Unwirtschaftlichkeit. Dabei sind der Politik die Hände gebunden, da der gesellschaftliche Druck einseitige Erhöhungen der Standards erzwingt, sie andererseits aber den Verbraucher bei seinem Einkaufsverhalten nicht bevormunden darf.

    +13
    • Wolfgang sagt

      Sorry für die Tippfehler und fehlenden / doppelten Worte infolge des mehrfachen Umstellens von Textpassagen im kleinen Editierfenster dieser Webseite. Ich hoffe aber, die Aussagen sind trotzdem nachvollziehbar.

      +3
      • Stadtmensch sagt

        Es ist immer bequem, alle Verantwortung auf den Verbraucher zu schieben. Der hat aber keine Information. Die Marktmodelle, die ja in den Ökonomieschulen vermittelt werden, gehen immer davon aus, dass alle Beteiligten alle benötigten Infos haben. Dem ist aber nicht so. Der Verbraucher kann nur Preise vergleichen und eine Geschichte von irgendeiner Produktqualität, die für ihn ebenfalls eine Black Box ist.

        Hab mal eine Doku über eine „Hähnchenfleischbörse“ (Sitz in NL) gesehen. Da kommen ein paar absolute Insider zusammen, trinken Tee, halten noch ein paar Zeremonien ab und dann wird festgelegt, wer was von wem für welchen Preis von woher kauft. Hier müsste man doch ansetzen, wenn man das Bewusstsein um die Verwerfungen, die Verschwendung und das elende „Alles über einen Kamm scheren“ und Wert von Preis trennen mal in menschliche Köpfe hämmern wollte. Solange nicht auch dort die Spieltheorie in Form von Software übernimmt. Nee, macht mal. Ich kauf weiter mein Hähnchen beim Direktvermarkter für 20 Tacken. Ich kenn ja den Aufwand den so ein plumper Vogel macht.

        +1
        • Wolfgang sagt

          Ich will nicht die ganze Verantwortung auf den Verbraucher abschieben, sondern beschreibe, wie die Sache aus meiner Sicht läuft. Und wo ich keine nennenswerten Ansätze für eine Besserung sehe.

          Zwei große Automobilzulieferer in unserem Landkreis haben auch fast nur noch das Management und die Entwicklungsabteilung bei uns. Die Fertigung erfolgte schon, bevor die beiden Länder der EU beitraen, in Ungarn und Tschechien. Vermutlich kriegen sie die Ware mittlerweite weiter östlich noch günstiger gefertigt. Auf vielen Autos, in denen die Teile verbaut werden, stehen dann teure deutsche Marken wie Audi, BMW, Mercedes, Porsche oder Volkswagen. (Diese alphabetische Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.) Da sieht der Verbraucher auch nicht, was wirklich drin ist. Wie soll er das dann bei Lebensmitteln erkennen, die standardisierte Massenware sind?

          Zumal viele Kunden selbst bei Artikeln, auf denen die Herkunft draufsteht, dann auch nicht automatisch nationaler einkaufen (Irische Butter, internationaler Wein, Fleisch aus südamerikanischen Feedlots…), sondern den Emotionen folgen, die die Werbung transportiert, und nicht den Fakten zu Produktionsbedingungen und Umweltbelastung durch den Transport.

          Nicht zu vergessen die Dosentomaten aus Italien, wo oft chinesisches Tomatenkonzentrat nur umgepackt wurde. Die Dosen werden von den italienischen Nationalfarben geziert, und der Hinweis auf die tatsächliche Herkunft des Ausgangsmaterials steht, wenn mittlerweile nicht mehr anders zulässig, nur in Mindestgröße im Kleingedruckten. Honig „aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ darf dem Hörensagen nach auf dem Glas stehen, wenn 5 % aus EU-Ländern stammen…

          Alle Achtung für die Wenigen, die überhaupt noch ein ganzes Hähnchen und nicht nur sortierte Einzelteile kaufen, und dafür auch bereit sind, beim Erzeuger so viel zu bezahlen wie „Stadtmensch“. Um die ganze deutsche Landwirtschaft, noch dazu in kleinstrukturierten Familienbetrieben, zu retten, fürchte ich, seid ihr leider zu Wenige.

          +2
          • Stadtmensch sagt

            Danke. Bitte nicht als Vorwurf verstehen. Diese ganze Wirtschaft mit ihren vielen Abhängigkeiten ist einfach immer schwieriger zu pflegen. Wie schlecht geschriebener Code. Ständig fliegt dir der Laden um die Ohren. Du hast keine Zeit mal ein schönes Inversion of Control einzubauen, weil ständig neue Anforderungen kommen. Und kaum bist du so weit und hast dich leidlich auf Stand gebracht, hat irgendwo schon wieder jemand das Rad neu erfunden, das offensichtlich viel besser läuft.
            Also, nicht nur die Landwirtschaft ringt mit Komplexität.
            Man darf wohl keinesfalls Perfektionist sein. Leider…

            +1
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          „Es ist immer bequem, alle Verantwortung auf den Verbraucher zu schieben. Der hat aber keine Information. “

          Wenn der Verbraucher – zumindest die Männer – ein Auto kauft, dann weiß er genau welche Schraube wo verbaut ist.

          Wenn der selbe Verbraucher keine Informationen über Lebensmittel hat, dann interessiert es ihn nicht.

          +2
          • Inga sagt

            Eon Lebensmittel ist eben viel komplizierter als ein Auto, das kann man damit gar nicht vergleichen.

            0
    • Lady sagt

      „Die Aussagen zu Mindestpreisen, Quoten, Marktwirtschaft, Wettbewerb im Binnenmarkt, internationalen Wettbewerb hatte ich so und nicht anders erwartet. “

      Es gibt auch keinen Grund, diese sehr sicher bekannten Zusammenhänge anders darzustellen.
      Das ist die falsche Melodie, liebe Bauern. Und wer immer diese Forderungen aufgestellt hat, hätte sich vielleicht besser beraten lassen sollen.
      Ihr könnt doch nicht Agrarökonomen über Preisbildung und andere ökonomische Beziehungen belehren wollen, das geht schief.
      Der harmlose Satz, den auch Herr Balmann euch hier gelassen hat, hat ganz gravierende Auswirkungen: Mit steigenden Einkommen nehmen die Ausgaben für Lebensmittel unterproportional zu.
      Da ist niemand dran schuld, allein der limitierte Kalorienbedarf – Tendenz eher fallend – würde als Begründung schon reichen.
      Daran hat sich auch in den letzten Jahrzehnten nichts geändert. Und es gab entsprechende Anpassungsprozesse, nennt es Strukturwandel.
      In der letzten Zeit sind aber neue Anforderungen hinsichtlich Umweltschutz/Tierwohl etc. an euch hinzugekommen. Und da und nur da macht es Sinn, Forderungen einzubringen.
      Und da werdet ihr auch Unterstützer finden.

      0
    • Elisabeth Ertl sagt

      Bis in den Nischen die Preise fallen, ist aber sicher ein weiter und unsicherer Weg. Nachdem von der Politik endgültig nichts mehr zu erwarten ist, wäre es nicht lohnenswert, die ganze Energie in die Bewerbung der Direktvermarktung zu investieren? Bei uns bilden sich da bereits regionale Kooperationen. Irgendein Kommunikationstalent ist das Gesicht auf Websites und vor allem in den Social Media, und die Kollegen ringsum verkaufen mit eigenem Stempel über dieses Gesicht. https://www.hofschneider-dirndln.at/?fbclid=IwAR0rD2YAbV0wFkeXk7zKtnDy-2v1xs06XnFw4zLJmVFRxd1lRzmmM11MZCk

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