57 Kommentare

  1. Christian sagt

    hallo Willi,
    fair trade ist gut, aber warum braucht man es? Ich mach jetzt mal den Umkehrschluss: überall wo es nicht draufsteht, werden Leute ausgebeutet.

    Das eigentliche Problem heißt freier Handel mit unterschiedlichen ökologischen und sozialen Standards.
    Wenn in Südamerika das Beladen des Düngerstreuers mit der Hand billiger ist als ein Frontlader (Jahr 2005), dann kann es sich nur um eine Form von Ausbeutung handeln.

    Also abgekürzt: ttip, freier handel etc. funktioniert nur dann, wenn man ein identes Regelwerk für Sozialstandars und Umweltstandards als teil des freien Handels hat (neg. Externalitäten müssen internalisiert werden, damit es zu keinen Verzerrungen am Markt kommt – hat mir unser Prof. in Volkswirtschaft gelernt). Dann brauchen wir auch keine Förderungen mehr – und die Bauern auf anderen Kontinenten auch nicht mehr.
    Der, der die Macht über Lebensmittel hat, kann auch die Menschen leiten – und deshalb wird Landwirtschaft gerne subventioniert, da man billiges Essen bereitstellt, die Bauern im Griff hat und Länder in Abhängigkeit bringen kann. Dies ist Interesse von Regierungen und Staaten.
    Dies stimmt mich nachdenklich, auch weil unser Wirtschaftssystem immer nur auf mehr, mehr, mehr getrimmt ist. Weniger ist oft mehr.

    schönen Abend.

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  2. Friedrich sagt

    Fair Trade sind doch nichts anderes als Mindestpreise zum Überleben für die Bauern auf der Südhalbkugel.Das finde ich gut. Wenn hier in EU-Europa Mindespreise für die Agrar-
    produkte eingeführt würden , wäre das auch gut , aber hier ist auch der Verkauf unter Einkaufspreis verboten. Und wer kontrollierts ?? Niemand ! Alles verlogen. Solange wir die
    EU-Politik der Marktwirtschaft und der Effizienz nicht ändern , wird auch die Lage für die
    Landwirtschaft sich nicht ändern. Auslaufen der Milch- und Rübenquote ist ein klares Signal
    für ein weiter so. Deshalb Wahltag ist Zahltag !!

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  3. Sabine sagt

    Fair Trade war ja nicht die Idee unserer Händler.
    Die Freundeskreise für Mittelamerika, die mit der Idee den kapitalistischen Unterdrückern eins auswischen wollten, gibt es nun nicht mehr. Die Studenten der Befreiungstheologie, die sich von Ernesto Cardenal und Co. haben beeindrucken lassen, naja, die sind heute Herr Pfarrer und Frau Doktor und mähen samstags den Rasen statt „Cruz del Luz“ singend einen spontanen Sitzstreik gegen Tschiboautomaten (das mal englisch hören und man weiß, dass es da auch immer nur um billig ging) in der Cafeteria abzuhalten.
    Wer der Anwesenden erinnert sich noch an Camilo Torres? (Ich bitte um Handzeichen)
    Nachdem nicht so ganz stillen Grabgang des Kommunismus in seinen mehr oder weniger hässlichen Formen, mag sich wohl niemand mehr so genau an die Teestuben-Zeit erinnern, oder? Aber wer weiß, tot gesagte…
    Zurückgeblieben sind die kirchlichen Eine-Welt-Läden und ein paar Importgesellschaften, die zwar keiner Revolution mehr aufs Podest helfen, aber das kaufmännische Rechnen gelernt und sich in ihre Nische (da is schon wieder eine) behaupten konnten. Zwischen durch ist es auch immer mal wieder chic fair zu handeln und dem entsprechend viele Trittbrettfahrer in der Richtung kann man im Einzelhandel vor Ort immer wieder beobachten. Grinste mich doch beim aktuellen Einkauf in der Rewe ein glücklicher Campesino an… es gab Tomaten (brauch ich nicht), vorgereifte Mangos (irgendwie schmecken die imho immer irgendwie nach Terpentin) und och, Kohlrabi im Angebot.
    – Mist, wieder kein Schnäppchen möglich, bei mir stapeln sich Mairüben, Melde und Radis, wenn das so weiter geht bekomme ich noch Depressionen, weil meine Einkäufe einfach kein Glückshormone erzeugen.
    Hmm, fertig eingelegtes Fleisch in recht merkwürdig gefärbten Marinaden… nee, in der Tiefkühltruhe lauern noch zwei ehemalig blaue Wiener vom Harald und Hähnchen vom letzten Jahr und die neuen randaliere schon wieder im Kükenstall, Finchen setzt sich bestimmt auch noch hin und die schafft aus acht Eiern sieben Hähnchen auszubrüten… ich muss bei Andreas vorbei, wegen der Markeschen und diese zugeflogenen Renntaube muss ich noch melden …. Was?… Wo war ich? Ach so, Revolution und so. –
    Die fehlt, also nicht direkt die Revolution, sondern die, die darüber reden, sie unterstützen und zu viel unverbrauchte Energie und Freizeit haben, kurz Studenten. Das haben wir jetzt von der Hochschulreform, statt Gammelstudies, die erst nach zwoundzwölfzig Semestern ihr Diplom schreiben und ganz nebenbei die Welt und die Parteienlandschaft verändern, Bachelors, die durchs Studium sprinten und ohne Umwege direkt in den leitenden Positionen, in der Vorstadt und beim Rasenmähen enden. Das hätte hier jetzt wahrscheinlich niemand vermutet, oder?
    Auch hätte wohl niemand vermutet, dass der Kohlrabi das Stück 49 Cent und die vorgereifte Mango für 69 frisch aus den Tropen … und noch son bisschen Ethen begast, damit sie essbar ist.
    Dass da irgendwer nicht fair behandelt wird, ist klar. Wer aber fair behandelt werden will, muss wohl mangels gammelnder Studies selber die Revolution ausrufen.
    Ich finde, wir sollten einen Arbeitskreis gründen und uns schon mal einen schönen Namen und einen eingängigen Slogan ausdenken.
    -Grüne Revolution hatten wir ja, is auch irgendwie nicht sexy…. wie wäre es mit Bauernaufstand?
    Hatten wir auch schon, aber hört sich irgendwie ganz gut an…. – oh, nee-…. okay, ich sehe da gibt es Ablehnung wegen des Genders…klar, wir wollen die Landwirtinnen nicht herabsetzen… um das noch ein bisschen Gangsta zu machen könnte man doch auch ….-
    Bevor Du fragst, Willi, es war nur Kükenstaub und Kalkfarbe im Spiel und eine Nach ohne Schlaf.

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    • Stadtmensch sagt

      Hallo Sabine
      Wir sind wohl heute etwas durch den Wind? Columbien, Rewe, Hühnerstall, Vorratskammer, grüne Revolution und zurück? Wusste gar nicht, dass Kückenstaub…naja.
      Zum Thema zeitgenössische Studenten (also keine Landwirtschaftsstudenten) fällt mir nur auf, dass ein kleiner Teil immer noch sehr politisch ist. Das heißt, einige scheinen auch schon in jungen Jahren über den Tellerand zu schauen. Gleichzeitig basteln sie emsig an ihren „Lebensentwürfen“, wobei das Ziel vermutlich der Rasenmäher sein wird.
      Aber seien wir unbesorgt, wenn sie dereinst an den Schalthebeln sitzen, werden sie sicher schlau genug sein, den Karren, also das große Ganze (unser schönes Narrenschiff), nicht in den Dreck zu fahren. Oder warum kümmert sich BASF auf einmal um Biodiversität?
      Unser Kaffee ist tatsächlich x-fach gelabelt (rainforest alliance, bio, EU-biosiegel, bio nach eg-öko.., 4C-Association) Der reinste Irrsinn. Die Rewe BIO-Milch im Kühlschrank mit 3,8% hat ein Naturland-Label. Abgefüllt wurde sie allerdings in 340 km Entfernung).
      Die regionale Milch vom Wochenmarkt hält sich nicht so lange und bis zum nächsten Marktbesuch deckt man sich dann eben zwangsläufig beim LEH ein.

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  4. Inga sagt

    für mich stellt sich da die Frage:

    Wenn die hießigen Bauern mit dem Fairtradebauern gleichgestelt werden, dann müsen sich aber die Verantwortlichen unserer Volkswirtschaft schämen.

    Wo leben wir denn?

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    • Walter Parthon sagt

      Sauber! Ostsee, Seen und Flüsse top!
      Das war der Osstseezeitung (OZ) eine Schlagzeile wert. Regelmäßige Messwerte geben das her. Alle vier Wochen wird das an 494 Seen, Flüssen und Ostseestränden überprüft. Die OZ: „96 Prozent der Strände im Land locken mit bester Wassergüte“.
      „Ostsee erstickt in Gülleflut!“
      Das war der OZ mit dem Abstand von zwei Tagen (!) eine weitere Schlagzeile wert. Messwerte: Genannt werden zwei Stellen, an denen im Zeitraum 2000 bis 2014 gemessen wurde. „Der Zustand der Gewässer ist alarmierend“, die Ostsee sei eines der am stärksten verschmutzten Gewässer der Welt, freut sich Steffi Lemke von den Bundesgrünen über so viel Resonanz.
      Alarmierend ist wohl eher der Alarmismus der Grünen. Noch mehr aber, dass die Journalisten der OZ die Kritisierten, die eigenen Bauern im Lande, nicht einmal zu Wort kommen lassen und sonderbarerweise die eigene Zeitung nicht lesen.
      Dann hätte einem der gesunde Menschenverstand sagen können, dass hier kein Alarm angesagt ist, sondern dass sich Meldungen widersprechen. Früher war es die vornehmste Aufgabe einer Zeitung, diese Widersprüche durch Recherche aufzulösen. Heute wird Alarm gemacht.
      Probleme sind zum Lösen da. Aber Probleme als Skandale herbeizureden hilft niemanden. Wer befürchtet, dass dies Thema Auswirkung auf den ländlichen Tourismus haben kann, wie es der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes hat, sollte seine Kritik an der richtigen Stelle ansetzen. Unser Tipp: Die OZ bietet sind an…
      Noch eine Frage an die OZ: Wer abonniert wohl die Zeitung? Steffi Lemke? Oder Bauern aus Mecklenburg-Vorpommern?

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  5. Schweinebauer Piet sagt

    Das ist eine gute Überlegung Willi und vor allem die Fragestellung, was fair ist! !!

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  6. RR sagt

    Um heraus zu finden welcher Lebensstandard der afrikanische Fair trade Kaffee-/Baumwollfarmer hat, sollte man mal 4 Wochen die Plätze tauschen.!

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Wer soll mit dem afrikanischen Fairtrade Kaffee- und Baumwollfarmer tauschen?

      Möchten sie damit sagen, dass es der deutschen Bauernfamilie dagegen gut geht.

      Da haben sie sicher Recht, dann sollten sie die deutschen Verbraucher auch am Glück teilhaben lassen, 4 Wochen wie die Menschen in Afrika zu leben.

      Oder in den Nähstuben in Bangladesch, das ginge auch.

      3+
    • Bauer Willi sagt

      Es geht bei dieser Frage darum, ob es einen fairen Handel auch mit unseren Bauern gibt. Und ob der Konsument dies bei seinem Einkauf auch berücksichtigt.. Ich habe da so meine Zweifel.
      Bauer Willi

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