Bauer Willi
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Agrarbranche in der Filterblase?

Sehr gerne möchte ich auf das Ergebnis einer Tagung in Vechta hinweisen, auf dem es nicht um landwirtschaftliche Fachthemen, sondern um Kommunikation mit modernen Medien ging. Hier der Link zur Tagung. (dann auf den Reiter: „Tagungsbericht“ klicken)

Das Agrar­system in der Filter­blase

Jedem der Referenten und dann auch den Zuhörern wurde klar, dass sich auch die Agrarbranche – wie übrigens viele andere Bereiche der Gesellschaft – in einer Filterblase (auch Echokammer genannt) befindet. Dies wird durch Social Media eher befördert, weil die Betreiber der verschiedenen Kommunikationskanäle auf die Bedürfnisse des „Users“ hin selektieren. Somit wird es schwierig, auch an andere Meinungen zu gelangen und man bekommt eher die eigene Ansicht bestätigt.

Ähnliche Themen findet ihr auch im Agri-Food-Blog, der zur Zeit aufgebaut wird.

Agri-Food-Blog

 

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19 Kommentare

  1. brouss sagt

    Den Filter im Ernährungssektor bilden die NGO`s:

    Der Staat lässt nichts nach Außen und muss (eigentlich sinnvoll) die Probleme unter der Hand bearbeiten.
    Wenn Journalisten Informationen brauchen, rufen sie bei Greenpeace, Foodwatch, Verbraucherzentrale, ….an.
    Die ganzen NGO`s haben aber keine wirklich validen Informationen, denn diese hat nur der Staat.
    Da die NGO`s auf Spenden angewiesen sind, präsentieren sie sich aggressiv – mit populistischem Teil-Wissen- in der Presse. Wenn diese Aktivitäten dann Wirkung zeigen (z.B. 20% beim Bienen-Volksbegehren) sind die Parteien gezwungen nachzurücken.
    Mittlerweile bin ich auch der Meinung von Höcke:

    Der Wahn in unserer Gesellschaft ist schlimmer, als der in der braune Zeit.

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    • Ackerbauer sagt

      Ja leider.
      Die Doppelmoral ist immer und überall!
      Aber wie konnte es nur soweit kommen?

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  2. Obstbäuerin sagt

    Hier mal ein Beispiel für die Hartnäckigkeit und Langlebigkeit von Filterblasen. Ich konnte nicht ergründen, ob der Beitrag aus 2001 stammt oder schon aus 1986.

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  3. Mark sagt

    Filterblasen gibt es natürlich auf allen Seiten, nicht nur bei den Bauern. Hier ein schönes Beispiel für Filterblasen. Während die Bauern meinen, die Städter mit so etwas wie Regionalität überzeugen zu können, reagieren die Städter ganz anders:

    „Wir Städter kümmern uns wenig um das Hinterland – Hauptsache es kommt alle Nahrung und alles was man zum Leben braucht aus diesem Hinterland, wobei das Hinterland auch das Ausland sein kann. Und genau das zusammen mit fortschreitender Technologie bietet die Chance, die Umwelt massiv zu entlasten, denn wenn es den Menschen egal ist ,woher etwas kommt (Hauptsache es kommt) kann man die Produkte zunehmend umweltschonend und gar im Kreislauf erzeugen: Anstatt Tierpelz Kunstpelz, anstatt Fleisch vom Tier, fleischähnliche Produkte auf pflanzlicher Basis, anstatt kristallklares Bach- oder Gletscherwasser, wieder aufbereitetes Wasser aus der Kläranlage, anstatt benzingetriebene Vehikel E-Vehikel, anstatt kerosinbetriebene Flugzeuge der Hyperloop oder synthetischer Treibstoff gewonnen aus CO2 und Wasser. Zudem: da die Menschen ja zufrieden sind mit ihrer städtischen Umwelt kann man das Land außerhalb der Städte vollkommen renaturieren – zumindest dann wenn man es geschafft hat Nahrung direkt in einer Fabrik zu erzeugen und man keine endlosen Anbaugebiete für Getreide mehr braucht. Die Chancen sind da. Nutzen wir sie!“

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  4. Mark sagt

    Wenn sich einzelne oder eine Gruppe mit einer Filterblase umgeben, so ist das deren Problem. Wenn jedoch eine gezielte Meinungsbildung durch verschiedene Akteure im Netz dazu führt, dass fundierte, neutrale Fakten und sachliche Argumente nicht mehr die Hauptrolle in der öffentlichen Diskussion zu verschiedenen Themenbereichen spielen, kann dies zu erheblichen gesellschaftspolitischen Verwerfungen führen. Soziale Medien können in diesem Rahmen zu einer unkontrollierbaren Dynamik in der Verbreitung und Zuspitzung von einseitigen Meinungsbildern führen, wobei die Landwirtschaft ein prominentes Beispiel für dieses Phänomen ist. Prof. Spiller von der Universität Göttingen sagt: „Studien zeigen, dass gerade in der Landwirtschaft 80 Prozent der Berichterstattung negativ ist.“.

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  5. Thomas Apfel sagt

    Ich würde persönlich dem Ansatz des Mathematikers folgen: Menschen und Menschengruppen mit ähnlichem Umfeld neigen dazu nach Informationen zu suchen, die ihre Sicht bestätigen. Daher befindet sich die Agrarwirtschaft nur soweit in einer Filterblase wie andere Gruppierungen auch. Was ich beobachte (auch an mir selbst), ist die Tatsache, dass mit fortschreitendem Alter die Lebenserfahrungen das Einordnen von Themen zu Ungunsten von spontaner Begeisterung für eine Ansicht, Idee oder Erkenntnis Anderer überlagert. Die zunehmende Erkenntnis, dass Dinge komplexer sind, als man es in „jugendlicher Begeisterung“ angenommen hat, mündet in Abstumpfung („interessiere mich nicht für Politik“ als Beispiel) oder mehr Gelassenheit.
    Die Behauptung, vor allem die jeweilige Gegenseite des aktuellen Diskurses befände sich in einer Filterblase, ist in erster Linie eine Schutzbehauptung.
    In einer Filterblase befinde ich mich tatsächlich, wenn ich nicht mehr diskutiere. Ansonsten würde ich die Tatsache, dass unterschiedliche Gruppen unterschiedliche „Wahrheiten“ sehen, eher dem jeweiligen Deutungsframe für Begriffe und Zusammenhänge zuordnen, was ich aber für völlig normal (wenn nicht sogar als objektiv notwendig) ist.
    Schwierig wird es an zwei Stellen: Erstens, wenn die Debatte hitzig wird. Hier sind Moderation durch möglichst neutrale Personen-(soweit es die gibt) und Höflichkeits- und Umgangsregeln in den Foren hilfreich. Zweitens, wenn eine der Interessengruppen einen besseren Medienzugang hat und denselben diffamierend nutzt.
    Aktuell gerade bei der unterschiedlichen Bewertung der in Brandenburg konkurrierenden Volksabstimmungen der Landnutzerverbände einerseits und der Naturschutzverbände andererseits. Die Landnutzer sind (bewertend!) „die Agrarlobby“ die die Initiative der Naturschutzverbände (neutrale Begriffsverwendung) stören (bewertend) wollen.

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    • Ackerbauer sagt

      @Thomas Apfel

      Selbst wenn sie sich darüber bewusst sind, die allumfassende grün-linke System-Krake hat im Griff.
      https://youtu.be/_JrohdBYPqw

      Es ist geradezu alternativlos.

      Viele kleine, auf ersten Blick vielleicht sehr unterschiedliche, sogar sich widersprechende Kreise können auch gezielte Aktionen sein, um den großen Kreis entgültig zu realisieren, der später alle in sich aufsaugen und vereinigen wird. Im Klartext: wer nicht freiwillig mitmacht oder sich dagegen stellt, wird mit etwas für ihn Maßgeschneidertes in einen neuen kleinen Kreis geholt und wird sich ein wenig später genau dort befinden, wohin er eigentlich nicht wollte. Im großen Sammelbecken.

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      • Eckehard Niemann sagt

        @ (anonymer) „Ackerbauer“: die „allumfassende grün-linke System-Krake“ kommt in der Wirklichkeit nicht vor und auch nicht in der „Systematik der Kraken“:
        Systematik der Kraken
        Octopoda (Kraken ohne Flossen und Cirren)

        Amphitretidae
        Amphitretus pelagicus
        Amphitretus thielei
        Familien der Argonautoidea:
        Alloposidae
        Haliphron atlanticus – Siebenarmiger Krake
        Tremoctopodidae
        Tremoctopus violaceus – Löcherkrake
        Tremoctopus gelatus
        Tremoctopus gracilis
        Tremoctopus robsoni
        Argonautidae – Papierboote
        Argonauta argo – Großes Papierboot
        Argonauta hians
        Argonauta boettgeri
        Argonauta nodosa
        Ocythoidae
        Ocythoe tuberculata
        Bolitaenidae
        Bolitaena pygmaea
        Japetella diaphana
        Japetella heathi
        Octopodidae – Echte Kraken
        Abdopus
        Amphioctopus
        Aphrodoctopus
        Bathypolypus
        Bathypurpurata
        Bentheledone
        Benthoctopus
        Callistoctopus
        Cistopus
        Danoctopus
        Eledone
        Enteroctopus (Riesenkraken)
        Euaxoctopus
        Galeoctopus
        Graneledone
        Grimpella
        Hapalochlaena (Blaugeringelte Kraken)
        Histoctopus
        Macrochlaena
        Macroctopus
        Macrotritopus
        Megaleledone
        Microeledone
        Muusoctopus
        Octopus (Oktopusse)
        Pareledone
        Paroctopus
        Praealtus
        Pteroctopus
        Robsonella
        Sasakiopus
        Scaeurgus
        Teretoctopus
        Tetracheledone
        Thaumeledone
        Thaumoctopus
        Velodona
        Vosseledone
        Vulcanoctopus
        Wunderpus

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      • Eckehard Niemann sagt

        Algorithmen:Filterblase?
        Die „filter bubble“ spaltet die Gesellschaft. Das glaubt heute fast jeder. Dabei genügen fünf Minuten im Internet, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.
        Von Tin Fischer
        DIE ZEIT Nr. 34/2017

        Blasen sind böse. Da sind sich eigentlich alle einig. Blasen sind schädlich. Selbst der Justizminister hat jetzt den Kampf gegen sie aufgenommen. Filterblasen, warnte Heiko Maas in einer Grundsatzrede, würden dazu führen, „dass wir oftmals nur noch auf Positionen treffen, die uns in der eigenen Meinung bestärken“. Sie würden, beklagte der Minister, abweichende Meinungen ausblenden, „damit sich der Nutzer in seiner eitlen Selbstbespiegelung und Selbstbejahung sogar noch sonnen kann“.
        Gefangen in der Filterblase, titeln Zeitungen. Oder gleich: Raus aus der Filterblase. Kaum eine andere Theorie ist derzeit so populär wie die von der filter bubble: Menschen bekommen von den Algorithmen der sozialen Netzwerke nur noch Nachrichten vorgesetzt, die ihr Weltbild bestätigen, wodurch sich die Gesellschaft polarisiert. Die Blasen, fordern Politiker und Medien, müssen wir platzen lassen und endlich wieder miteinander reden.
        Und das ist schon ein bisschen erstaunlich, weil man eigentlich nur fünf Minuten im Internet verbringen muss, um zu sehen, dass mit dieser These etwas grundsätzlich nicht stimmt. Besuchen Sie mal eine beliebige Nachrichtenseite, beispielsweise das linksliberale ZEIT ONLINE. Klicken Sie auf den erstbesten Politik-Artikel (Thema ist wahrscheinlich Trump). Lesen Sie die ersten drei Leser-Kommentare. Und? Haben Sie den Eindruck, dass da nur linksliberale Akademiker sich selbst bejahen? Anderes Experiment: Haben Sie schon mal Euro-Rettung oder Flüchtlinge gegoogelt? Ja? Und stimmten Sie wirklich allem zu, was Sie fanden? Oder auch nur der Hälfte?
        Der amerikanische Politaktivist Eli Pariser hat die These vor sechs Jahren mit seinem Bestseller Filter Bubble in die Welt gebracht. Sie passte zum Zeitgeist der polarisierten und Social-Media-verrückten Vereinigten Staaten; und sie verfing in Deutschland, wo der Aufstieg sozialer Netzwerke zufällig mit dem Aufstieg einer rechten Partei zusammenfiel. Seitdem gilt als gesichert: Die AfD ist in einer Filterblase groß geworden.
        Wie kein anderes buzzword zeigt die filter bubble: Die Diskussion über die Macht der Daten hat ein Esoterik-Problem: Man weiß ja nicht genau, was dieses Internet so alles anrichtet, also darf man ruhig alles glauben, was es so anrichten könnte.
        Die Filterblase (jetzt auch im neuen Duden!) war nur der Anfang. Hatten Social Bots den Brexit herbeigeführt? Machte gezielte Online-Werbung Trump zum Präsidenten? Oder waren es gar Fake-News?
        Klar, Algorithmen personalisieren unsere Facebook-Meldungen und unsere Google-Nachrichtenseite. Doch die Anhänger der filter bubble-These blenden einfach aus, dass das Internet das Spektrum an sozialen Kontakten und politischen Meinungen in nie da gewesener Weise erweitert hat. 2011 berechneten Ökonomen der University of Chicago die Wahrscheinlichkeiten, dass sich in den USA zwei Menschen mit gegensätzlichen politischen Meinungen an bestimmten Orten treffen. Unter Freunden betrug sie 35 Prozent. In der Familie etwas mehr. Unter Nachbarn 40 Prozent, unter Arbeitskollegen 42 Prozent. Und auf Nachrichtenseiten? Ganze 45 Prozent.
        Nun mag man einwenden, dass das ein paar Jahre her ist, Facebooks Newsfeed mächtiger wurde und politisch extreme Nachrichtenseiten womöglich zahlreicher. Gegen eine weitere Studie kann man ins Feld führen, dass sie von Facebook finanziert wurde. Ihre Resultate sind aber beachtenswert: Gerade durch soziale Netzwerke erhöht sich die Chance, auf andere politische Meinungen zu treffen. Man hat online einfach mehr Freunde als offline, und etwa 20 Prozent haben eine andere Parteiaffinität als man selbst. Den amerikanischen Elitesoldaten, den ich vor Jahren mal traf, hätte ich längst wieder aus den Augen verloren. Auf Facebook lese ich seine Meinungen noch heute.
        Kein Wunder also, dass Wissenschaftler der Universität Amsterdam 2016 in einer Überblicksstudie zu dem Schluss kommen, „dass es derzeit nur wenige empirische Belege gibt, die Sorgen um Filterblasen rechtfertigen“.
        Letztlich mögen Leser Berichte über Politiker, die sie ablehnen. Sei es aus Informationsinteresse (edler Antrieb), sei es zur Unterhaltung (niedrige Beweggründe, aber immerhin), sei es, um sich aufzuregen (auch gut). Kürzlich untersuchte der Tagesspiegel, welche Parteien auf Twitter welche Medien verlinken – mit überraschendem Resultat. Zwar verwies die Linke vorzugsweise auf das Neue Deutschland und die AfD auf dieJunge Freiheit. Aber selbst die AfD leitete ihre Leser auf ein breites Spektrum an Medien – bis hin zur taz. Und sogar die Linke verlinkte Bild-Artikel.

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    • Thomas Apfel sagt

      ergänzend. Wirklich in einer Filterblase und Echokammer befinden sich die Medienschaffenden (Ökolandbau gut versus „Industrielle Landwirtschaft“ schlecht) !! Und genau das ist wegen der Reichweite der Beeinflussung der Bevölkerung kreuzgefährlich.

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      • Arnold Krämer sagt

        … und genau das hat Herr Grossarth von der FAZ (Moderator auf der Veranstaltung) auf meine Nachfrage hin vehement bestritten.
        So ist das mit dem Unterschied zwischen Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung.

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      • Obstbäuerin sagt

        Wenn die objektive Realität einen Sachverhalt für alle sichtbar erkennen lässt, Mausschubser, dann platzen die Filterblasen, wie wir beim Waldsterben alle miterlebt haben. Beim Insektensterben ist das sehr viel schwieriger, weil die Überprüfbarkeit der Realität schwierig ist. Und dann gibt es Wissenschaftler, die für gutes Geld schon mal die Realität aus den Augen verlieren, wie beim Waldsterben. Und wenn ich den statistischen Karten glauben darf, dann wohnt die Mehrheit der grünen Wähler in den 4 großen Städten (München, Hamburg, Berlin und Stuttgart) geballt in der Mitte, wo die Mieten am höchsten sind und das landwirtschaftliche Umfeld am weitesten entfernt ist.

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