Bauer Willi
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Insektensterben – und jetzt?

Vor ein paar Tagen war es in allen Zeitungen zu lesen und in allen Nachrichten zu hören: Insektensterben. Jeder weiß, wovon ich rede und wenn nicht, hat er wohl geschlafen oder war im Ausland.

Mich hat die Nachricht auch gepackt. Auch deshalb, weil ich von einer Kommentatorin, die ich sehr schätze, eine Mail mit einem Zeitungsartikel bekam, in der sinngemäß drin stand: „Willi, aus dieser Nummer kommt ihr jetzt nicht mehr raus. Das Thema wird euch noch lange beschäftigen“. So was geht unter die Haut.

Mich hat die Studie auch deshalb betroffen gemacht, weil wohl kein Beruf mehr von Insekten abhängig ist als Bauern. Egal ob Ackerbauer, Obstbauer oder Weinbauer. Ohne Insekten geht es uns auf Dauer dreckig. Jedem anderen könnte es eigentlich egal sein, denn seine Existenz hängt nicht davon ab, ob es viel oder wenig Insekten gibt. Ich schon, und deshalb ist es mir nicht egal.

Jetzt will ich auch nicht darüber spekulieren, ob die Datenerhebung statistisch richtig gemacht worden ist. Das liegt in der Verantwortung der Wissenschaftler und da vertraue ich darauf, dass sie diese Zahlen nicht leichtfertig in die Welt gesetzt haben. So wie es aussieht, gibt es weniger Insekten, zumindest in Nordrhein-Westfalen, wo die mit großem Abstand meisten Erhebungen gemacht wurden. Und da bin ich zuhause. Und damit betrifft es mich. Habe ich etwas falsch gemacht und wenn ja, was? Und vor allen Dingen, was kann ich tun, damit es sich wieder ändert?

Mit dieser Frage könnte ich jetzt eigentlich aufhören und euch auffordern, mir die Antworten zu geben. Was würdet ihr mir vorschlagen? Damit ihr nicht selbst denken müsst, habe ich versucht, mir die Antworten schon mal selbst zu geben.

Kann es an der Fruchtfolge liegen? Vor über 40 Jahren haben wir die Kühe abgeschafft und seitdem kein Kleegras oder Luzerne als Futter mehr angebaut. Vor rund 10 Jahren haben wir aber Raps in die Fruchtfolge mit aufgenommen. Getreide, Zuckerrüben oder die Kartoffeln des Nachbarn haben wir seit Jahrzehnten im Anbau, auch immer im ungefähr gleichen Verhältnis. Mit dem Raps habe ich eigentlich den Bienen was Gutes getan. Und Zwischenfrüchte mit blühendem Senf oder Ölrettich machen wir auch schon seit Jahrzehnten. Eher mehr als weniger und eher vielfältiger als nur eine Sorte oder Art. Da fällt mir jetzt nichts besseres ein.

Feldgröße und Landschaft: Auch die hat sich nicht geändert, weil die seit Jahrzehnten gleich ist. Wir haben keine Hecken gerodet, die Feldränder sind gleich geblieben, Bäume haben wir auch keine gefällt. Im Gegenteil, wir haben kleine Ecken und Parzellen aufgeforstet. Mit eigenem Geld und Arbeitseinsatz. Und viele meiner Kollegen machen Lerchenfenster, Blühstreifen oder Bienenweiden. Wir auch, zum Beispiel an Feldecken, die sonst nur umständlich bewirtschaftet werden können. Kann man da noch was besser machen?

Düngung: Anhand meiner Aufzeichnungen kann ich belegen, dass sich das Düngungsniveau bei Stickstoff nicht geändert hat. Trotz steigender Erträge. Wir düngen wohl immer mehr mit organischen Düngern statt mineralisch. Den organischen Dünger müssen wir aber innerhalb Stunden einarbeiten, wegen des Geruchs und der Verflüchtigung von Stickstoff in die Luft. Mache ich auch deshalb, weil ich den Stickstoff ja bezahlt habe und möglichst viel davon nutzen möchte. Früher lag der Stallmist allerdings oft tagelang auf dem Feld und Fliegen haben dort ihre Eier gelegt. Das konnte man auch daran erkennen, dass ein paar Tage später die Schwalben dort zu´sehen waren und im Tiefflug die geschlüpften Jungfliegen „einsammelten“ für ihre Brut. Die sieht man heute nicht mehr, weil wir den Dünger eingearbeitet haben. Ein Zielkonflikt, den ich aber nicht auflösen kann. Vorschrift ist Vorschrift.

Pflanzenschutz: So, jetzt wird’s ernst! Darauf habt ihr doch gewartet! Glyphosat, Neonicotinoide und und und. Jetzt könnt ihr euer gesammeltes Halbwissen von Google und Co. loswerden. Eines ist aber klar: Insektizide töten Insekten, darum gibt es die. Nun hat sich aber die Zulassungssituation in den letzten Jahrzehnten gewaltig verändert. Die Auflagen sind immer höher geworden und immer mehr toxische Substanzen sind vom Markt genommen worden. Gut so. Wenn ich mich daran erinnere, mit welchen Wirkstoffen mein Vater noch gearbeitet hat (ich sage nur DDT oder E 605) dann sind die heutigen Mittel wesentlich selektiver geworden. Davon redet aber kein Mensch. Nun könnte ich ja darauf verzichten. Stimmt. Wenn ich aus dem Fenster meines Büros schaue, steht da Gerste. Auf der Gerste sitzen Tausende von Blattläusen. Und diese Blattläuse übertragen ein Virus, dass die Gerste befällt und sie im Frühjahr kümmern lässt. So sehr, dass die Gerste keine Ähren mehr ausbildet. Ohne Ähren kein Ertrag. Was mache ich nun? Spritzen oder nicht spritzen? Wie würdet ihr entscheiden? Muss ich aber bald wissen, sonst ist der Schaden schon da. Sehen tu ich den erst im Frühjahr und dann ist es zu spät.

So, jetzt habe ich mit euch überlegt, was ich machen könnte, um dem Insektensterben zu begegnen. Mir fallen noch mehr Dinge ein, wie zum Beispiel die Umstellung auf Bio, Flächen aus der Produktion zu nehmen, Hecken pflanzen oder Aufforstung. Alles machbar, allerdings auch mit etlichen Konsequenzen. Ich will die hier nicht weiter ausführen, sonst wird es zu lang  und wir haben ja auch noch die Kommentare.

Zum Schluss noch eine Frage an euch: Was tut ihr? Ich meine jeder von euch persönlich! Weil der Klimawandel, die Versiegelung der Flächen, die individuelle Mobilität wie Autofahren und Flugreisen und andere Parameter auch mit schuld sind am Insektensterben. Und sagt mir jetzt bloß nicht „ich habe ein Insektenhotel aufgehängt“. Ob wir damit das Problem lösen???

Euer Bauer Willi

 

 

 

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113 Kommentare

  1. Reinhold Bopp sagt

    Hallo bauer Willi
    Gestern abend hab ich spät noch eine Fernsehsendung gesehen wo wieder über die Giftspritzende Landwirtschaft hergezogen wurde und zwar war Thema das Insektensterben.
    Ich frage mich auch schon länger wo das Insektensterben herkommt.Ich habe vor ein paar Jahren noch selbst Landwirtschaft betrieben mit Schweinehaltung.
    Ich möchte mal ein paar Gedanken von mir mitteilen.
    Ich sehe das auch so das nicht vor all zulanger Zeit noch viele Misten(Dunglegen) im ganzen Land verteilt wurden die eben auch Vermehrungsfläche für Insekten waren.
    Letztes Jahr zum Beispiel waren auf einmal viele Schwalben auf dem Hofgelände dann
    hab ich die Stalltüre meines leeren Stalles geöffnet kein Vieh mehr vorhanden.
    Auf jeden Fall die Schwalben sind auch ein paar Tage in den Stall gekommen und wollten da Fliegen fangen aber es waren wahrscheinlich zu wenig Fliegen zum fangen da.
    Auf jedenfall sind den ganzen Sommer lang keine Schwalben mehr in den Stall gekommen.
    Dann stelle ich fest das in der Landschaft auf Straßenböschungen,Weiden,teilweiße Wiesen
    und sogar in Städten aus Pflasterstein Ritzen und allen möglichen Stadtflächen schöne gelb blühende Pflanzen sprießen diese schönen Blumen habe ich früher nicht gesehen.
    Ich hab mich dann mal schlau gemacht was das für Blumen sind, das ist dann das Kreuzkraut gewesen jetzt ist in aller Munde vom giftigen Jakobskreuzkraut jetzt ist es aber auch noch so das es mehrere Arten von Kreuzkraut gibt und ich bis jetzt weis das alle Kreuzkräuter giftig sind . Das Gift ist besonders giftig für Pferde und Rinder und das gefährliche an dem Gift ist auch noch das sich das Gift in der Leber der Tiere anreichert
    also nicht irgendwann abgebaut wird das Pferd stirbt dann wenn die tötende Dosis an
    Kreuzkraut aufgenommen ist.
    Ich habe im letzten Jahr mal in einem Bericht gelesen das ein Imker mal seinen Honig auf das Kreuzkrautgift untersuchen lies. in der Untersuchung kam wohl heraus das im Honig
    spuren des Kreuzkraut-Gifts vorhanden sind (ich weis nicht ob das stimmt) aber in anbetracht der tötenden Wirkung für Großtiere wäre es doch möglich das diese Pflanzen
    auch etwas mit dem Insektensterben zu tun haben.
    Ich möchte noch sagen ich habe im letzten Jahr aus meiner Wiese das Kreuzkraut ausgestochen und habe auch feste Handschuhe angehabt allerdings Stoffhandschuhe und die Pflanzen waren noch etwas feucht auf jedenfall kam etwas Feuchtigkeit auf meine Handflächen am nächsten Tag und 2 Tage darauf hatte ich sehr starken Durchfall ich konnte mir zuerst nicht erklären wo der Durchfall herkam ich hab dann für mich gedacht ob es eventuell vom Kreuzkraut ausreißen kommt auf jedenfall nehme ich jetzt zum Kreuzkraut rupfen stabile Gummihandschuhe und schmeiße sie dann nach jedem Gebrauch in die Restmülltonne.
    Ich bin gespannt auf Kommentare
    ich denke auch das Insektensterben noch viel Forschungsarbeit bedarf hat.
    Viele Grüße
    Reinhold

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  2. Heute im Sonntagsstammtisch des BR-Fernsehens Ärger der Woche:
    Grünenabgeordnete Bause: „75%aller Insekten sind ausgestorben…“, darauf Prof. Heckl :“ja die industrielle Landwirtschaft…“, darauf D.Hanitzsch: „Monsanto und Bayer…“
    https://www.br.de/mediathek/video/der-sonntags-stammtisch-bayerisch-bissig-bunt-av:59b9034a43cb5f00120c5549?t=14s (Letzte 5 min)
    Vielleicht können wir die 75% noch auf 71% drücken, dann wärs nicht ganz so schlimm……:-(

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  3. Bin ich denn in Punxsutawney, Pennsylvania? So viele Déjà-vu-Erlebnisse: das muss Groundhog Day oder sonst eine Zeitschleife sein. Eine Frage an die über 50jährigen unter euch: Kommen euch diese Diskussionen hier nicht auch wie eine Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung vor? Wie der 27. Aufguss eines längst ausgelutschten Teebeutels? Oder habt ihr euch früher in eurer Jugend für Öko-Themen so gar nicht interessiert?

    Vielleicht waren es damals nicht Neonicotinoide, sondern andere Insektizide, aber was industrielle Landwirtschaft, zu aufgeräumte Landschaften, zu Tode gepflegte Privatgärten, Fichtenwälder und deren Vernachlässigung, Massentierhaltung, Bienensterben, Vogelsterben usw. usw. usw. angeht, fühle ich mich hier echt in die 80er Jahre und damit in meine Jugendzeit zurückversetzt. Dieselben Diskussionen und dieselben Was-muss-man-tun-Geschichten mitsamt denselben Rechtfertigungen, Selbstdarstellungen und Eigenlob (bis hin zu Fledermäusen) wurden damals schon und seitdem immer und immer und immer wieder gemacht.

    Ja, und dann gibt es ein bisschen Renaturierung, ein paar Blühstreifen, ein bisschen mehr Misch- und Plenterwald, ein paar Filteranlagen, ein bisschen Mülltrennung, ein paar Bio-Läden und hier eine Vorschrift und da ein Gesetz mehr, während gleichzeitig die Landschaft immer noch mehr verbaut, die Gewerbegebiete immer noch ausufernder und hässlicher, die Straßen immer noch breiter und verstopfter, die Flughäfen immer noch größer, die Bankentürme immer noch höher, die Ackerflächen immer größer, die Massentierhaltung immer intensiver, die Kühe auf den Weiden immer weniger und die Menschen immer dicker werden.

    Zur Erinnerung: „Die Grenzen des Wachstums“ sind 1972 erschienen. Von diesem Zeitpunkt an ist der Energieverbrauch mit all seinen negativen Folgen förmlich explodiert

    Und wirklich ändern tut sich – gar nichts. Die Wirtschaft wächst und die Wirtschaft boomt, und das muss auch so sein, weil ja sonst unser ganzer heiß geliebter Wohlstand gefährdet wäre.

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    • bauerhans sagt

      „Die Wirtschaft wächst und die Wirtschaft boomt,…… weil ja sonst unser ganzer heiß geliebter Wohlstand gefährdet wäre.“

      deshalb ja die „bauernbeschimpfung“!
      für die einen geschäftsmodell,für die anderen gewissensberuhigung.

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    • Bauer Willi sagt

      Interessante Analyse. Interessant ist aber auch, dass auf meine Frage kurz vor Schluss, was ich denn jetzt mit meiner Gerste machen soll, nur ein einziger Kommentator geantwortet hat. Einer. Von bisher über 200 Kommentaren.
      Meine Analyse: niemand will die Verantwortung übernehmen, an meiner Entscheidung mitwirken. Und: meine wirklich ernsthafte Frage interessiert keine Sau!
      Schönen Sonntag allerseits
      Bauer Willi

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        • Bauer Willi sagt

          🙂 Das weiß ich schon auch. Aber die Frage war ja, ob ich spritzen soll oder nicht. Ist das im Sinne der Gesellschaft. Denn wenn „die Gesellschaft“ sagt: „besser nicht“, ist sie dann auch bereit, sich an dem Schaden zu beteiligen?
          Wahrscheinliche Antwort „eher nicht“. Und damit habe ich dann wieder die A…-Karte.
          Bauer Willi

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          • @ Bauerwilli

            Du kannst doch deine Verantwortung nicht auf die Gesellschaft abwälzen. Bringst du etwa jemand auf Verlangen der Gesellschaft um, wenn die Gesellschaft für dich dann ins Gefängnis geht?

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      • Sabine sagt

        Das stimmt so nicht. Ich hab mir echt Gedanken gemacht, was man so gegen Blattläuse tun kann. Ich hab das Problem so nicht im Garten. Ich hab ja Zwerge. Ich würde Dir allerdings nicht empfehlen diese Herrschaften zu dieser Jahreszeit auf junges Grün loszulassen. Falls die sich überhaupt aufs offene Feld trauen, sind dann nämlich nicht nur die Läuse weg. Alles was höher als 30 cm über der Erde von Blattläusen befallen wird, wird von den Möschen abgeräumt, die als Mitesser häufig mein Grundstück besuchen. Die allseits beliebte Schmierseife wird in den Mengen in denen Du sie benötigst wohl schädlicher sein, als das was Du als Profi an Mitteln hast. Auf Marienkäferlarven kann man bei dem Wetter wohl lange warten. …. Kieselgur ist wohl auch nix. Viel zu teuer und bei Regenwetter auch nicht so hitverdächtig. Also alles was ich so im Kleinen als Möglichkeiten habe, fällt weg. Da bleibt nur die Spritze. Dennoch. Vllt. gibt es ja doch die ein oder andere Stellschraube, wie Du in Zukunft blattlausfressende Nützlinge anlocken kannst, damit Massenvermehrungen ausbleiben. Du hast ja den großen Garten, wo man erstmal Versuchsballons starten kann.

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      • Josef sagt

        Spritzen, aber für die nächsten Jahre informieren, wie sich das Blattlausproblem vermeiden lässt. Blattläuse auf Getreide sind ja nicht die Regel und im Ökolandbau geht es auch ohne Insektizideinsatz.

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        • Das stimmt doch nicht. Schon mal was von NeemAzal-T/S gehört, Wirkstoff Azadirachtin, biologisches Insektizid gegen Saugende und Beißende Insekten?? Oder Micula,oder Naturalis, oderNeudosan Neu, oder Novodor FC. Alles Insektizide aus dem heiligen Ökolandbau. Mann mann, die heile Welt der Ökomärchenerzähler!!

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      • Andreas Schmid sagt

        Also Willi, ich habe in meinem Gewächshaus Nützlinge. Aber ich glaube nicht, dass sich das auf deine Gerste übertragen lässt.

        Der Marienkäfer, der sie tötet, vermehrt sich auch nicht von Heute auf Morgen. Wenn du Sie züchten würdest und nachher aussetzen würdest würden die nachher an Hunger sterben. Insektensterben halt.

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      • @ Bauerwilli

        Ich nehme mal an, dein Kommentar ist versehentlich unter meinen gerutscht. Hätte ich als Nicht-Bauer deine bäuerliche Frage beantwortet, wäre mir sicher vorgeworfen worden, die Bauern belehren zu wollen. Und das liegt mir fern.

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  4. Thea S sagt

    Das fiel mir heute zum Thema in die Hände:
    Was in der Zeitung steht – Reinhard Mey https://www.youtube.com/watch?v=KM2G7HY6_Ys

    Bisher eine methodisch zweifelhafte Studie, viele Zeitungsartikel und daraus abgeleitete Meinungen, viele Erfahrungsberichte (von sowohl, als auch), aber wenig bis keine belastbaren wissenschaftlichen Berichte.
    Wie schrieb da jemand „es ist doch klar …“ – weil’s in der Zeitung steht!

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  5. Lieber Willi,

    das Argument Raps und Senf kommt leider immer wieder. Aber wann und wie lange blüht es dort denn? Raps ab Ende April 2-3 Wochen, Senf fängt dieses Jahr gerade erst an! Grünland, das für Silagebergung genutzt wird, wird mittlerweile so oft gemäht, dass dort nichts mehr blühen kann.
    Und bei uns? Die Hälfte des Grünlands sind sogenannten FFH-Wiesen, die ich nicht vor Mitte Juni mähen darf. Dort darf es zumindest etwas blühen, auch außerhalb der Obstbaumblüte). Ab Ende Juni blüht die Durchwachsene Silphie (für böses Biogas genutzt) bis Ende August (!) und ab Ende August blüht die erste Zwischenfrucht (die mehr zu bieten hat als nur Senf, weil sie auch im Boden etwas liefert!) bis zum ersten stärkeren Frost. Somit ist zumindest auf unserem Betrieb das ganze Jahr etwas geboten für die (Wild-)Bienen, aber auch für andere Insekten. Ich will das ja nicht auf die Bienen reduzieren.
    Was wir vergessen haben, sind Rückzugsräume für die Natur. Da hat sich sicher die letzten Jahre sehr viel bewegt zum Positiven. Aber ich finde, dass wir Landwirte selbst auch mehr tun müssen, auch ohne den ständigen Ruf nach Ausgleichszahlungen.
    Die Reaktion des DBV war beschämend in meinen Augen. Was machen wir Bauern selbst?
    Gruß Michl aus Hohenlohe

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    • bauerhans sagt

      „Aber ich finde, dass wir Landwirte selbst auch mehr tun müssen, auch ohne den ständigen Ruf nach Ausgleichszahlungen.“

      die einkommen in der landwirtschaft sind nicht besonders hoch und wie sollen wir dann zusätzliche leistungen für die allgemeinheit erbringen??

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  6. Jan-Klaus Gerken sagt

    Wir hatte im letzten Monat auf unserem Hof eine Fledermaus-Führung mit dem örtlichen Fledermausbeauftragten. Er erklärte den über 30 Interessierten, dass gerade so Flächen mitten auf dem Hof (wo der Milchwagen drum herum fährt) auf denen dann eine Zeitlang nicht gemäht wird und wo evtl. auch noch eine Pfütze sich hält ein wertvoller kleiner Beitrag sind, die Nahrung der Schwalben und Fledermäuse zu mehren. Da war ich doch froh, dass Papa nicht zum Mähen gekommen ist.

    Mal ironisch andersherum: sind Schwalben und Fledermäuse mit beteiligt am Insektenschwund?

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    • Zenzi sagt

      Nein, umgekehrt. Je nach Ort gibt weniger Fledermäuse wegen der fehlenden Insekten oder geschlossenener Überwinterungsmöglichkeiten. Insektenfressende Vögel nehmen auch mancherorts ab, weil sie in der Aufzuchtzeit zuwenig Nahrung finden. Das mag bei dir durchaus anders beobachtet werden. Gut so.

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  7. Dieter Heiligenhaus sagt

    Sehr geehrter Herr Wohlfahrt,
    lieber Bauer Willi,
    ich bin nicht Landwirt, habe aber im letzten Jahr die Pflege eines ehemaligen Ackers übertragen bekommen. Dort wurde in den letzten zehn Jahren ausschließlich Mais angebaut – angeblich kein guter Boden. Jedes Jahr Gülle, Mais, Totalherbizid, Gülle, Mais, Totalherbizid…
    Aus hier nicht weiter interessanten Gründen, habe ich den gesamten Acker vor ziemlich genau einem Jahr mit einem Einachser von Hand aufgefräst. Will heißen mit dem Auge ganz nah an der Krume.
    Außer den Maisreste. befand sich – logisch – kein sichtbares organisches Material im Boden. Und noch viel eindrucksvoller, auf dem Hektar habe ich keinen einzigen Regenwurm gesehen. Deshalb nahm ich mir den Spaten und grub an einigen Stellen auf einen halben Meter Tiefe um meine Beobachtung zu überprüfen. Ergebnis: Der Boden war tot.
    Was ich damit sagen möchte: Es werden keine Insektizide benötigt, um sämtliches Leben aus einem Acker auszulöschen. Intensiv-Monokultur genügt vollkommen.
    Der ehemalige Acker ist jetzt ein Ausgleichsfläche, auf der in diesem Jahr viele Blühpflanzen und Gräser gezielt ausgesäht wurden. Mit Hilfe eines Pferdewirts konnte ich einige große Frontladerschaufeln Strohmist mit Regenwürmern ausbringen. Jetzt im Herbst war der Boden wieder sichtbar lebendiger. Es wird aber sicher noch zwei Jahre dauern, bis der Frevel des vergangenen Jahrzehnts behoben ist.
    Wie gesagt, ich bin kein Landwirt, und ich erlaube mir nicht, Landwirten gute Ratschläge zu erteilen. Vielleicht lässt meine Beobachtung aber trotzdem hilfreiche Schlüsse zu.
    Mit freundlichem Gruß
    und bestem Dank für Ihren Bericht

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    • bauerhans sagt

      „Ergebnis: Der Boden war tot.“

      der boden kann nicht tot sein,sonst wäre da kein mais gewachsen.

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      • Zenzi sagt

        Pflanzen wachsen auch in einer „Nährlösung“ wie „Almeria“ eindrucksvoll darlegt.
        1 Handvoll Erde hat etwa soviel „Leben“ darin wie es Menschen auf der Erde gibt.
        Wenn H. Heiligenhaus mit dem bloßen Auge nichts mehr entdecken konnte und auch beim Graben mit der Schaufel keine Regenwürmer mehr fand, liegt er wahrscheinlich nicht ganz falsch. Man kann schon am Geruch und der Krümeligkeit feststellen, wie gut die Erde ist.

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  8. dialogbereiter Verbraucher sagt

    Vielleicht auch interessant (wenn auch eine Meldung von Februar):

    „Aus der Wissenschaft ist jetzt ein ganz anderer Befund zu vernehmen. Wie französische Agrarökologen im Fachblatt Nature Plants schreiben, hat ein teilweiser Verzicht auf Unkraut-, Pilz- und Insektenvernichter nur selten negative Folgen für die Ernte.

    Das Team um Nicolas Munier-Jolain vom Institut Nationale de la Recherche Agronomique (INRA) in Dijon hatte Daten aus den Jahren 2009 bis 2011 analysiert. Fast 1000 französische Bauernhöfe wurden berücksichtigt. Das Fazit: Knapp 60 Prozent der Betriebe könnten ihren Pestizidverbrauch um durchschnittlich 42 Prozent senken – ohne Abstriche im Ertrag.“

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/landwirtschaft-viele-pestizide-sind-ueberfluessig-1.3398299

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Mir ist nicht bekannt, wie viel PSM die Kollegen um Dijon ausbringen, es kommt immer auf das Wetter in der entsprechenden Gegend an.
      Ein Beispiel:

      Ich wohne im Oberrheingraben, gleich hinter uns fangen die Berge an.
      Während wir jede Menge an PSM für Brennkirschen verbrauchten, rühmten sich die Nebenerwerbsbauern in einer Betriebshöhe von 400 Meter NN, dass sie Kirschen ohne PSM anbauen.
      Mit der Klimaerwärmung bekamen die Besuch von Läusen und Pilzkrankheiten, da der Einsatz von Pflanzenschutzgeräten problematisch ist, wurde der Anbau aufgegeben.
      Fazit: 100% Ersparnis.

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  9. Sabine sagt

    Ich denke ja, dass man da schon was machen kann. Nämlich mitmachen. Es gibt den Krabbelviehcher-Experten ja als Hobby und als Beruf. Beide könnte man einladen und vllt. sogar eine Langzeitstudie mit ihnen durchführen. … und manchmal ist es ja auch nicht ganz unnütz, wenn ein Biologe seinen Senf dazu gibt. Alois hatte das ja schon bei der Neuanlage von Hecken herausgefunden.
    Wieso nicht mal eine Hof- und Feldbegehung mit einem Entomologen und einem Ornithologen machen und möglichst noch die Kreisgruppe des jeweiligen Naturschutzbundes mitschleppen? Das wird sicherlich anstrengend, aber vllt. gewinnt man ja auch mal eine andere Perspektive auf seinen Betrieb. Und vllt. entdeckt man sogar zusammen ganz spannende „Untermieter“ von denen man bisher nichts wusste.

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  10. Paulus sagt

    Zitat Willi „Jetzt könnt ihr euer gesammeltes Halbwissen von Google und Co. loswerden.“ Zitat Ende. Der Spruch ist schon heftig aber ein Volltreffer!

    Ich gestatte mir, aus nicht gegoogeltem Halbwissen sondern allein aufgrund eigener unwissenschaftlicher Erfahrungen zu berichten.

    Südwestfalen: Stramme Fichten in Monokultur, aus Sicht eines Waldbesitzers durchaus schön anzusehen, braune Nadelstreu ca. 5cm hoch, Insektenleben so gut wie nicht wahrnehmbar.
    Nach Kyrill und Abräumen des Nutzholzes, liegengebliebenes Totholz, Gräser, Kräuter und Pionierpflanzen. Dann sukzessive wieder aufgeforstet (Nadelhölzer) und weder mit dem Freischneider noch mit der Spritze durchgegangen. Im Sommer summte und brummte und krabbelte es wie ich es zuvor nur auf Kahlschlägen erlebt hatte. Nachdem es genügend Beschattung gab, haben wir es mit „Natursaat“ von Buchen und Eichen versucht, die ist auch ganz gut aufgegangen. Die Art und Weise der Bewirtschaftung bzw. des Waldbaus dürfte unter biologischen Aspekten vorbildlich sein, selbst wenn der Vertreter von Forst NRW an meinem Verstand gezweifelt hat. Aber – selbst wenn dort ein artenreicher Mischwald entsteht wird die Insektenvielfalt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dramatisch zurückgehen. Um das zu prognostizieren benötige ich weder den Nabu noch den Bund noch die HHU. Da reichen allein die vielen Stunden der Beobachtung die ich seit meiner Kindheit in unterschiedlichen Wäldern verbracht habe.
    OK, ich könnte den Insektenbestand ab jetzt ermitteln und in 20 oder 30 Jahren anhand einer empirischen Studie nachweisen, dass sich der Insektenbestand so ca. um 80-90% verringert hat. Das hätte in etwa die gleiche Qualität wie Krefeld.

    Ostbelgien: Ich fahre seit ca. 30 Jahren sehr häufig die Strecke zwischen Eupen und St. Vith hin und her. Die führt durchs hohe Venn und durch Wald. Dort werden garantiert weder Glyphosat noch andere Spritzmittel eingesetzt. Während das Auto vor einigen Jahren noch bekleckert war, bleibt es heute sauber.

    In St. Vith halten wir Hochlandrinder ganzjährig im Freiland und es gibt einen Misthaufen neben dem Offenstall der im Frühjahr ausgebracht wird. Im Sommer müssen wir uns im Haus der Fliegen erwehren indem wir diese klebrigen altmodischen Fliegenfänger aufhängen. Es gibt Insekten, Schwalben und Singvögel in großer Zahl und ich kann dort keine Artenarmut erkennen. Interessant ist, dass auf den umliegenden Ackerflächen selbstverständlich PSM eingesetzt werden.

    Das mit dem Wald und der Rinderhaltung ist mir schon klar. Aber aus welchem Grund es in einem riesigen Naturschutzgebiet kaum noch Insekten gibt erschließt sich mir nicht. Da mögen mich die Erfinder der „Glyphosat ist an allem Schuld-Theorie“ doch bitte aufklären.

    Zu Willis abschließender etwas provokanter Frage „was tut Ihr?“
    Was mich betrifft ist es in der Tat verdammt wenig. Immerhin habe ich ganz einfache und primitive Methoden gefunden um Insekten das Leben zu erleichtern. Die brauchen kein Hotel mit Dach und Terrasse sondern sind mit viel weniger zufrieden.

    Die Ortshygiene spielt nach meiner Auffassung eine wesentliche Rolle.
    Versuch es doch mal mit einem Misthaufen außerhalb Deines geschlossenen Hofes in Rommerskirchen oder in Delhoven oder in so einem Golddorf im Sauerland. Viel Spaß 😉

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    • Bauer Willi sagt

      @Paulus
      ja, mit der eigenen Beobachtung ist das so eine Sache. Seit 5 Jahren haben wir wieder Fledermäuse auf dem Hof. Wovon leben die? Richtig, Insekten. Wenn ich das jemandem erzähle, ist das ein Einzelfall. Weil ja nicht empirisch belegt. Außerdem könnte es ja auch sein, dass ich das nur frei erfunden habe, um die böse konventionelle Landwirtschaft zu entschuldigen. Medial ist also eine solche Beobachtung wirkungslos. Das gleiche mit Eichhörnchen, die seit drei Jahren bei uns im Garten zu beobachten sind. Hat jetzt nichts mit Insekten zu tun, aber bei uns ist die Artenvielfalt mehr geworden.
      Mit der Hygiene triffst Du voll ins Schwarze. Wir Deutsche sind zu sauber und zu hygienisch geworden. Übrigens sagen dies auch anerkannte Wissenschaftler. Das mit dem Misthaufen neben dem Hof bringt mich wahrscheinlich in den Knast…Kannst Du doch nicht wollen, oder?
      Bauer Willi

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wegen einem Misthaufen neben den Hof kommst du nicht in den Knast, du wirst aber zum „beliebsten“ Bürger von Rommelskirchen. 😉

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  11. Berthold Lauer sagt

    In dem Zeitraum, der dieser „Studie“ zugrunde liegt, hat sich die Zahl der konventionell wirtschaftenden Betriebe mindestens halbiert. Andererseits hat sich die Zahl der Biobetriebe mindestens verdreifacht! Wenn das mal nicht die Ursache für das Insektensterben ist!
    Entschuldigung, aber diese Schlussfolgerung ist mindstens genau so wissenschaftlich, wie alles andere, was selbst ernannte Experten dieser Tage zu diesem Thema von sich gegeben haben!

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  12. Bei uns ist das Insektensterben seit einigen Jahren deutlich zu spüren. Wir merken es am direktesten bei Schmetterlingen, Bienen und Hummeln. Vor 10 Jahren habe ich gern mal Makroaufnahmen von diesen gemacht, dafür sind es jetzt zu wenige (bin schon froh, wenn ich mal einen Schmetterling aus der Ferne sehe).

    An anderen Orten im Bundesland kann es dagegen noch deutlich besser aussehen, daher verwundert es mich nicht, wenn einige sagen, dass sie selbst nichts merken von einem Insektenschwund.

    Ich denke auch, dass alle etwas tun müssten, nicht nur die Bauern. Aber viele Leute hegen keine großen Sympathien für Insekten (=Schädlinge). Und schon gar nicht für „unordentliche“ Gärten. Wir selbst kaufen möglichst viel Bio und gestalten unseren Garten so, dass er für Wildtiere Nahrung und Nistplätze bietet. Es ist frustrierend, dass es trotzdem immer stiller wird.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Sara,
      meine Frau hat einen 200 qm großen Kräutergarten,
      da schwirren jede Menge Schmetterling und Bienen herum,
      das Problem ist, da wird kein Geld zum überleben verdient.

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  13. Altbauer Jochen sagt

    Vor 10 Jahren hab ich eine Streuobstwiese angelegt,
    ein dankbarer Imker stellt seine Bienenvölker ein. Von dort können
    sie nach der Obstbaumblüte in den Raps fliegen.
    Nebenan sind Knicks, Feldraine voller Brombeeren, Gräben ,Wassertümpel
    (die ehm. Mergelkuhlen) Feldgehölze (leider durchwachsen mit
    der Traubenkirsche) von Bauern u.Jägern angelegte Biotope.
    Alles im Verbund miteinander für jegliches „Kleingetier“ zu
    durchleben. Allerdings ja, in der Fläche stehen die Kulturpflanzen
    Getreide, Mais ,Raps ,Rüben sowie Grasland.
    Ich kann den Bestand von Insekten nicht einschätzen,
    mag sein das sie weniger geworden sind (oder nur von Jahr zu Jahr Schwanken ? )
    Die 150- 200 jungen Schwalben die jedes Jahr in unseren
    Stallungen ausfliegen scheinen noch genügend Futter zu finden,
    -Vielleicht mehrheitlich Fliegen-
    Wer weiß wirklich die Ursachen wenn sich Veränderungen
    ergeben ?

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  14. Friedrich sagt

    Nach meinen Beobachtungen hat man in feuchten Jahren mehr und in trockenen Jahren weniger Insekten. In diesem Jahr haben wir in unserer Not überall Fliegengase vor die Fenster gemacht , weil es eben viele Mücken usw. gibt. Habe noch nie hier auf unserem Hof Libellen gesehen . Erstmal in diesem Jahr. Ohne Wasserpfützen und Regen gibts eben auch keine Vermehrung. Anfang der 1990 er Jahre habe ich mich mit Wetterdaten für die zu investierende Beregnung aus einander gesetzt. Dabei kam heraus , daß seit den 1980er Jahren die Verdunstung bei gleich bleibenden Regenmengen gestiegen ist. Überall sind bei uns die über Jahrhunderte vorhandenen Wassertümpel in Feld und Wald ausgetrocknet und zugewachsen. Die Grundwasserstände sind um über einen Meter abgesackt , weil die Grundwasserneubildung auch zurückgegangen ist. Sicherlich hat auch die Wasserentnahme der Trinkwasserwerke da mitgeholfen , aber fest steht , daß durch die Verdunstung die Grundlagen für die Kleinlebewesen schlechter geworden sind. In den Regenwassergräben steht in diesem Jahr immer Wasser , aber in den letzten dreißig Jahren war es eher so , daß die Gräben in den Sommermonaten ausgetrocknet waren. Wo soll da das abgelegte Ei der Kleinlebewesen sich entwickeln können. Wir dürfen auch nicht vergessen , daß der anfallende Mist der Nutztiere immer abgedeckt werden muß und damit auch die Lebensgrundlagen entzogen werden. Wir haben immer mehr Naturschutzgebiete,Blühstreifen,Gewässerrandstreifen, Biotope usw. geschaffen und trotzdem ist die Kleinlebewesenpopulation zurückgegangen. Auch die Gülle/Mist müßen sofort eingearbeitet werden. Haben wir vielleicht zuviel des Guten getan ? Die Kleinlebewesen leben doch im Dreck. In jedem Kuhfladen sitzen doch Kleintiere ohne Ende. Müßen unsere Umweltschützer mit städtischen Denken mal ihr Denken und Handeln in Frage stellen ? Ohne die Grünen hatten wir mehr Insekten !!

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  15. Thea S sagt

    Viele der bisherigen Beiträge scheinen bereits die Gründe für den Rückgang in der Biomasse der fliegenden Insekten in Naturschutzgebieten zu kennen: natürlich die (benachbarte!) Landwirtschaft und deren Pflanzenschutzmittel.
    Doch auch die Autoren der Studie spekulieren (!) hier nur:
    “Agricultural intensification [17, 20] (e.g. pesticide usage, year-round tillage, increased use of fertilizers and frequency of agronomic measures) that we could not incorporate in our analyses, may form a plausible cause. The reserves in which the traps were placed are of limited size in this typical fragmented West-European landscape, and almost all locations (94%) are enclosed by agricultural fields. Part of the explanation could therefore be that the protected areas (serving as insect sources) are affected and drained by the agricultural fields in the broader surroundings (serving as sinks or even as ecological traps) [1, 63–65]. Increased agricultural intensification may have aggravated this reduction in insect abundance in the protected areas over the last few decades.”

    Die Autoren sagen aber auch:
    “… our analysis renders two of the prime suspects, i.e. landscape [9, 18, 20] and climate change [15, 18, 21, 37], as unlikely explanatory factors for this major decline in aerial insect biomass in the investigated protected areas.”

    “Given the major decline in insect biomass of about 80%, much stronger relationships would have been expected if changes in habitat and land use were the driving forces, even with the somewhat crude parameters that were at our disposal.”

    “There is an urgent need to uncover the causes of this decline, its geographical extent, and to understand the ramifications of the decline for ecosystems and ecosystem services.”

    Auch die Autoren dieser Langzeitstudie wissen also nicht wirklich woher der Rückgang der Biomasse an fliegenden Insekten kommt. Aber ein Teil der Willi-Gemeinde und der Presse ist da viel schlauer. Ökologie ist halt leicht.

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  16. Eckehard Niemann sagt

    AbL: Ursachen des Insektenschwunds klären und beenden – aber keine Instrumentalisierung durch Lobby-Ideologien!

    AbL fordert angesichts des Insektenschwunds eine klare Bestimmung und Beseitigung der Ursachen – statt vordergründiger Lobby-Behauptungen

    Angesichts der besorgniserregenden Hinweise auf ein Insektensterben mit Folgen für Bestäubung, Biodiversität und ökologische Systeme fordert der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) alle Seiten dazu auf, diese ersten Forschungsergebnisse sehr ernst zu nehmen, sorgfältig und ehrlich weiter zu untersuchen und diese nicht zur vordergründigen Rechtfertigung allgemeiner agrarpolitischer Zielvorstellungen zu instrumentalisieren. Dies gelte gleichermaßen für die Agrarchemie-Lobby und für Naturschutzverbände.

    AbL-Vertreter Eckehard Niemann betont, dass die Hinweise auf Insekten- und Vogelschwund – trotz methodischer Mängel – zweifellos eine kritisch-/selbstkritische Analyse der bisherigen Agrarentwicklung erforderten – und dies sowohl hinsichtlich des Einsatzes von bestimmten Insektiziden (Neonicotinoiden), der regional einseitigen Mais-Dominanz als auch der agrarstrukturellen Beseitigung von Natur- und Randstrukturen abseits der Felder.

    Die AbL fordert anderseits dazu auf, den Begriff von „Monokulturen“ nicht weiter zu missbrauchen. Wer darunter verstehe, dass auf Äckern keine Mischkulturen mehrerer Pflanzenarten angebaut würden, der verkenne, dass dies von Bauern aus guten Gründen seit Jahrhunderten so praktiziert werde. Insofern könne dieses Anbau-Prinzip nicht der Grund für den Artenschwund sein. Viele Ackerbau-Früchte wie Getreide, Rüben oder Kartoffeln würden zudem früher wie auch heute den Insekten kaum eine Nahrungsgrundlage bieten.

    Auch der – aus ganz anderen Gründen zu hinterfragende – Einsatz des Totalherbizid-Wirkstoffs Glyphosat zur Beseitigung von Unkräutern oder Vorfrucht-Rückständen vor der Aussaat neuer Kulturen könne schwerlich als wesentliche Ursache für den Verlust von Blühpflanzen und Insektenschwund herangezogen werden. Auch die Beeinträchtigung von insekten-fördernden Unkräutern oder Randstrukturen durch Düngung oder Überdüngung könne nach Einschätzung der AbL das Insektensterben nicht wirklich erklären.

    Die AbL sieht einen ganz wesentlichen Grund für den Insektenschwund im Vordringen zu großräumiger ackerbaulicher Strukturen mit immer weniger vielfältigen Anbausystemen: Damit verbunden sei der Rückgang von wichtigen Rand- und Vernetzungsstrukturen an Wegeseitenräumen und Ackerrändern.

    Umso wichtiger sei bei der anstehenden Neu-Justierung der EU-Agrarpolitik die Honorierung bäuerlicher mittel- und kleinstrukturierter Betriebe und Ackerflächen. Ein mögliches Verbot von Insektiziden (wie den Neo-Nicotinoiden) müsse begleitet werden durch eine EU-weite Förderung vielfältiger Fruchtfolgen, kleinerer Strukturen und einer längst gesetzlich gebotenen „guten ackerbaulichen Praxis“ – bei der ein Chemieeinsatz nur dann erlaubt sei, wenn Fruchtfolge oder mechanische Unkrautregulierung ausgereizt seien.

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  17. Was sich in den letzten 30 Jahren gravierend verändert hat, ist die Zunahme der Datenübertragung und damit der Ausbau der Mobilfunknetze und Sendeanlagen und damit der hochfrequenten Strahlung. Vielleicht mögen Insekten keine Smartphones.

    In dieser Hinsicht wird vermutlich jedoch keine Ursachenforschung betrieben werden, weil niemand auf sein Smartphone verzichten oder sich deswegen ein schlechtes Gewissen machen will. Da suchen wir die Ursache fürs Insektensterben doch lieber bei Bauer Willi. Schließlich wollen wir es ja alle bequem und billig. 🙂

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    • rebecca sagt

      Stimmt nicht.

      „Eine aktuelle Arbeit (Lee et al., 2007) hat eine Anlage mit gut definierter Exposition verwendet und bei 4 W/kg nach 12 Stunden eine verringerte Überlebensrate gefunden. Bei 1,6 W/kg war dieser Effekt auch nach 30 Stunden nicht vorhanden. Expositionen dieser Intensität treten nur in unmittelbarer Nähe der Endgeräte auf, in der Umwelt kommen sie nur in der unmittelbaren Umgebung von Basisstationen vor. Daher ist eine Schädigung von Insektenpopulationen infolge von elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks nicht zu erwarten.“

      http://www.ralf-woelfle.de/elektrosmog/redir.htm?http://www.ralf-woelfle.de/elektrosmog/biologie/umwelt.htm

      Vielleicht liegts ja an einer bisher nicht bemerkten Invasion von Marsianern. Den Bogen um daraus eine Verantwortlichkeit der pösen Städter abzuleiten müssten Sie allerdings selber schlagen. Aber ich bin optimistisch das Sie das schaffen.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wer spricht von bösen Städtern,
        böse sind nur diejenige, die ihre Hände ökologisch in Unschuld waschen.

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      • Interessanter Link. Besonders, was da über das Orientierungsverhalten von Bienen steht. Eine Studie zeigt einen signifikanten Verlust der zurückkehrenden Bienen von 70%, die nächste nur noch 60% und damit ist der Verlust nicht mehr signifikant genug.

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    • Thea S sagt

      Oder die „Chemtrails“ Kondensstreifen von Flugzeugen. Wir wissen ja, daß damit chemische oder biologische Substanzen zur gezielten Bevölkerungsreduktion versprüht werden …

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      • Flugbenzin enthält Tetraethylblei.

        Hauptartikel: Bleivergiftung

        Tetraethylblei ist giftig (MAK 0,05 ppm) und wirkt auf das Zentralnervensystem. Die Toxizität wird auf Ethyl-Radikale zurückgeführt, die beim Abbau der Verbindung entstehen. So wird TEL im Menschen in das Nervengift Triethylblei umgewandelt. Mehrere Studien in den 1990ern und 2000ern ergaben, dass durch verbleite Treibstoffe ins Blut gelangtes Blei aggressives und antisoziales Verhalten fördere.
        TEL ist zudem möglicherweise krebserregend
        Quelle: Wikipedia

        So dumm ist das mit den „Chemtrails“ also gar nicht.

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    • Thea S sagt

      Danke für diesen Link, der sich kritisch mit der wissenschaftlichen Belastbarkeit der Aussagen befaßt.

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  18. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einige Pseudo-Maßnahmen wie Insekten-Hotels, Blühstreifen oder ein Blumenbeet vor der Haustür das Problem lösen. Das ist eine ähnlich verlogene Maßnahme wie das Recyclen von Plastikmüll, während sich die Plastikproduktion weiterhin alle elf Jahre verdoppelt. Das sind Maßnahmen, die den Prozess der Zerstörung vielleicht etwas verlangsamen, ohne dass sich Grundlegendes ändert.

    Das Insektensterben ist ebenso nur ein Symptom wie das Aussterben der Seevögel aufgrund von Plastikabfällen im Magen oder das Artensterben allgemein.

    Wenn wir wirklich was Grundlegendes ändern wollten, müssten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wieviel Fremdenergie der Mensch nutzen kann, ohne dass er das Ökosystem, also das Miteinander aller sonstigen Lebensformen, zerstört. Die Antwort auf diese Frage ist frustrierend, weil sie unser ganzes Menschsein in Frage stellt.

    Zivilisation besteht darin, die Natur abzuschaffen. Technisierung besteht darin, die Natur durch Technosphäre zu ersetzen. In einer Technosphäre spielen weder Vögel noch Insekten eine Rolle. Auf unsere Zivilisation und die Technisierung stolz zu sein und gleichzeitig das Verschwinden von Natur zu bedauern, ist ein Widerspruch in sich, denn das Eine bedingt das Andere. Nicht nur die Industrialisierung der Landwirtschaft ist ein Problem, sondern die Industrialisierung generell – d.h. die wahnwitzige Nutzung von Fremdenergie – ist das Problem.

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  19. BerndK sagt

    Ich habe in den letzten 30 Jahren ähnliche Beobachtungen gemacht wie Willi. Es ist ein Paradoxon: je mehr auf die Umwelt geachtet und die ökologischen Folgen von Spritzmitteleinsatz, Flurbereinigung, Bauaktivitäten usw. beachtet werden, umso mehr gehen Insektenpopulationen zurück. Es kann ein systematischer Fehler in der Datenerhebung sein, oder ein bisher noch nicht identifizierter Killerfaktor treibt sein Unwesen.
    Willi hatte beim letzten Insektenblog den link von Prof. Kunz http://www.kunz.hhu.de/ genannt. Seine Schlussfolgerungen und Ausführungen sind sehr interessant. Biotope, speziell für Insekten, sehen nicht immer so aus, wie wir uns eine „intakte“ Umwelt vorstellen.
    Da die jetzt immer wieder zitierte Datensammlung ausschließlich in Naturschutzgebieten erhoben wurde, drängt sich Zusammen mit den Beobachtungen von Prof Kunz die Frage auf, ob diese Biotope in Hinblick auf Artenvielfalt richtig gemanaget werden? Wie sahen diese Flächen denn vor dreißig Jahren aus? Waren es damals bessere Biotope für Insekten?
    Gestern hat Willi die Zunahme von Waldgebieten als Positivum dargestellt….hmm, für das Insektenvolk ( lassen wir den Borkenkäfer mal außen vor) ist der Zuwachs an Waldfläche wohl doch eher als negativ anzusehen.

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    • Bauer Willi sagt

      Ja, das mit der Zunahme von Wald überlege ich auch schon die ganze Zeit. Wo ist mehr Artenvielfalt? Kunz sagt es sehr deutlich: wir alle müssen wieder „unordentlicher“ werden.
      Bauer Willi

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  20. Johannes sagt

    Ich glaube es ist tatsächlich das Insektenhotel. Was hat sich in den letzten 30 Jahren in der Landwirtschaft wirklich geändert? Das ist die Betriebsgröße (und deren Anzahl) und die Bauweise. In die alten offenen Korn- und Strohböden sind Wohnungen gekommen und die offenen Schuppen wurden durch Stahlhallen ersetzt. Wo soll man als Insekt denn da noch siedeln. Ich sehe das als gesamtgesellschaftliches Phänomen. In der Industrie und der Wohnbebauung ist es ja genauso. Die Gebäude sind alle hygienisch und dicht – Kein Wohnraum und keine Nahrung für Insekten. Man muss bedenken, dass so ein Insekt sehr klein ist und nicht viel Platz und Nahrung braucht. Ich gehe sogar so weit, den Hausgärten einen Einfluss zuzuschreiben. Denn nicht nur die Komposthaufen sind weniger geworden, auch gibt es heute weniger Blumen- und Gemüsebeete. Dafür mehr Mulch. Aber eine einzelne Vogemiere kann ja schon einen Schwung Wildbienen satt machen. Zweites Argument: In der Landwirtschaft gibt es nur wenige kurzfristige Trachten. Eine durchgängige attraktive Blüte hat es vor 30 Jahren nicht gegeben, zumal der Raps damals im Rheinland sehr selten war.

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  21. Lutz Anton sagt

    Auf einem Weizenfeld sind nun mal weniger Insekten als in einem Komposthaufen. Die Anbaumethoden werden von Wissenschaftlern entwickelt und an Universitäten Tu’s oder Landwirtschaftsschulen an die junge Betriebsleitergeneration weitergegeben. Wenn jetzt plötzlich alles falsch ist, was in den letzten Jahrzehnten gemacht wurde, muss man es ändern. Wir wissen aber auch, dass ohne Pflanzenschutz die Erträge um 50 % sinken werden. Lösungen sind gefragt und keine Zweifelhaften Anschuldigungen, die nur wenigen Gruppierungen dienen. Vielleicht passt das Thema besonders gut zu den laufenden Koalitionsverhandlungen. Übrigens war heuer ein überdurchschnittlich gutes Jahr für Schwalben und Spatzen die für Ihre Aufzucht viele Insekten brauchen. Die Bauern, die ordentlich Wirtschaften sind auf jeden Fall nicht am Weltuntergang schuld.

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  22. UnbekanntVerzogen sagt

    Die Wahrheit liegt warscheinlich darin, das diese Studienarbeiten nicht die hochkomplexe Wirklichkeit abbilden können.

    Letztens las ich – bitte entschuldigt das ich da keinen Link mehr verfügbar habe – einen Beitrag eines Ökologen, der die heutige einseitigen blühenden Landschaften – das viele Grün – mitverantwortlich machte dafür, das es weniger Insekten gäbe. Er betonte, das man nicht eine Vereinheitlichung der Landschaftsgestaltung durchsetzen kann – Grün und Blüte – und dann erwarten das die Vielfalt der Insekten und Tierwelt sich zeige.
    In der heutigen Kulturlandschaft ist das Leben für viele Lebewesen nicht mehr attraktiv. Und wir haben in Deutschland NUR Kulturlandschaft. Mehr ist nicht. Wir kultivierten diese Landschaft schon vor Jahrtausenden und es lebt noch immer. Es gibt keine natürbelassenen Gebiete mehr. Das, was heute in Deutschland als Natur emfunden ist, ist vielmehr nur einem gefühlten Abbild von Natur empfunden. Genauso wie Biowirtschaft kein naturnahes Wirtschaften ist, sondern nur eine andere Form der Kulturlandschaft hervorbringt und damit keine Natur darstellt oder erzeugt.

    Auch in Ihrem Beitrag kommt ja der Punkt hervor: Die klinisch saubere Landschaftspflege ohne Siff und Ekelflächen führt automatisch zu einer Verdrängung von Tier und Insektenleben.

    Es wäre also notwendig ordentliche Arbeiten durchzuführen, die nicht ideologisch verbrämt sind und Kulturlandschaft mit Natur verwechseln.

    Es muss jedes Insekt und jeder Vogel auf seine tatsächliche historische Herkunft als Neozoon und welche Zuwanderungsbedingungen bzw. Umweltbedingungen dazu geführt haben, überprüft werden. Bildungsanstrengungen sind hier vielleicht notwendig. In Zeiten des Internet sollte es dafür Möglichkeiten geben.
    Sollen diese eingewanderten Tierarten überhaupt bei uns heimisch werden dürfen? Geschützt werden? Schaden sie nicht dem ursprünglichen Muster für unser Naturempfinden? Sind diese Veränderungen nicht oft Ursache für Veränderungen, die das Mißempfinden von „Es gab früher soviele von XXX-Tier“ befeuern?
    Es muss klar sein und belegt werden, das es in der Natur wahnsinnige Schwankungsbreiten gibt von der Heuschreckenplage/Mücken/Fliegenplage bis zum Auftreten nur einzelner Tierchen pro Fläche / Zeit.

    Man darf sich einfach nicht durch schlechte Wissenschaft und PR Arbeit der Ökoverbände blenden lassen und ihnen einfach deren Stellungnahmen und PR-Agitation glauben. Man muss diese Behauptungen gegenprüfen. Fach-Wissenschaftler bzw. Institute mit Untersuchungen beauftragen um die Argumente der Ökos zu überprüfen. Das kostet Geld, aber das muss bei der Verbandsarbeit einfach da sein und auch vom Staat bezuschusst werden um faire Antworten zu erhalten. Dafür muss geworben werden.

    Ich will faire Information. Ich habe keine Lust das der sterbende Wald weiter stirbt bis ich ins Gras beiße. Ich will klare Information was wirklich ist! Ganz ohne die ideologischen Scheuklappen der selbsternannten und selbstermächtigten! Öko-Nannys. Sauber aufbereitete Informationen, wie von Georg Keckl z.B. Ich will keine Angst-Apelle interessierter ideologischer Gruppen, die Spenden und Stimmen abgreifen. Aber auch keine Lügenmärchen wirtschaftlich interessierter Gruppen – auch nicht der Biolandwirte und ihrer Handelsnutznießer.

    Ich will nicht bis ans meiner Tage hören müssen, das die Insekten aussterben, während ich jedes Jahr hundert Mückenstiche habe und ständig Stubenfliegenplagen meine Nerven rauben und öfters riesige Nachtfalter bewundern kann.

    Ich will auch nicht hören, das die Vögel aussterben, während hier im Bezirk einer deutschen Großstadt die Grünflächen von hunderten Kanada und Nilgänsen und allerlei Neozoon Vogelarten heimgesucht werden. Es kann nicht sein das die Natur angeblich stirbt, während hier doch das blühende Leben sprießt. Klärt doch diese Widersprüche auf, berichtet über die vorhandene Vielfalt als Antwort auf die Behauptungen in den Medien.

    Lasst euch nicht zum Spießrutenlaufen zwingen. Nehmt nicht auf Grund kurzsichtiger wirtschaftlicher Überlegungen „überreden“ vom Bio-Marken-Fetisch mitzuzehren. Macht gute konventionelle Nahrungsmittel und werbt dafür. Macht nicht mit bei dieser Etikettenlüge und dem angeblichen Essen für die Weltrettung. Lasst euch nicht kaufen! Bezeichnet die, die da mit machen auch wenn es eure Nachbarn sind als Lügner, die mit Markenfetisch und PR ihr Geld verdienen. Hebt die Gefahren und die Lügen der Bio-PR hervor, zeigt auf, das diese nicht so sauber sind wie sie behaupten und zeigt die Grenzen und Verschwendungssucht von Biolandwirtschaft auf.
    Genauso wie die Bio-PR ständig den konventionellen Landwirt bekämpften will und zum Feindbild aufbläst, könnt ihr mit ehrlichen Argumenten euch wehren.
    Ich empfinde das als einen Art Marktkannibalismus – Produkte schlecht reden damit man seine eigenen auf den Markt bringen kann. Eigentlich unlauterer Wettbewerb in Deutschland. Macht nicht mit.

    Ihr leistet gute Arbeit und ich bin sehr sicher, das ihr Landwirte fast ausnahmslos heute euer Handwerk echt versteht. Die Kritiken kann ich nicht teilen.
    Die meisten krakelenden Personen sind nach meinem dafürhalten nicht mehr als simple Stammtischparolenschwinger, die heute halt lauter scheinen. Einfach weil das Netz als Echokammer einen schreiend-lauten vervielfältigenden Nachhall erzeugt und Schreib(b)arone und Wichtigtuer anlockt.
    Oben drauf – dieses wilde PR-Tier reitend – sitzen ideologisch getriebene Weltverbesserer, die gerne mit der Biolandwirtschaft und Ökoplazebos eine neue Art des einstigen kommunistischen Bauernstaats durchsetzen wollen, habe ich oft den Eindruck.
    Das ging bisher immer schief.

    Ich bin dankbar für die mit harter Arbeit erzeugten Lebensmittel der Landwirte und für die Leistung des Handels – auch wenn das ein gegenseitiges Ausspielen und Abhängigkeitsverhältnis ist. Als Konsument sehe ich halt einiges mit anderen Augen als der Landwirt.
    Was ich aber genau wissen will ist, wie die Dinge sich wirklich verhalten. Ich sehe mitlerweile die Panikmache der Ökoverbände als sehr extrem an.

    Ganz grundsätzlich ist es ja so zu verstehen: Desto besser es materiell und ernährungstechnisch unserer Gesellschaft geht, desto mehr dabei jedoch die sozial-ethischen und psycho-emotionalen Haltbedingungen in der Gesellschaft dem Individuum wegbrechen, desto stärker kommt es zur wieder Belebung Quasi-Religiöser Überzeugungssysteme als Gegenmittel, gegen die dadurch aufkeimenden Ängste.
    Eine davon ist die reine Ernährung und eine Andere der religiös motivierte Anbau von Nahrungsmitteln nach Glaubenssätzen zur Rettung der Welt.

    Macht euch immer wieder klar, das es ein Informationskrieg um die Herzen und Köpfe der Menschen ist, der nur mit Ehrlichkeit zu führen ist. Vertrauensverluste müssen beendet werden und ein zum Bio-Anbau wechselnder Landwirt ist auch immer ein Vertrauensverlust in die konventionelle Landwirtschaft. Landwirte, die einfach nur in Bio machen weil es mehr Geld bringt, machen einen Pakt mit den Lügnern und Hetzern. Sie sind auch Profiteure dieser gesellschaftlichen Entwicklung und Destabilisierung. Ist das ethisch vertretbar? Preist das jemand mit ein?

    Lasst nicht zu das aus solchen Gründen unsere Ernährung in die Schieflage kommt. Bekämpft den Aberglauben und die Bauernfängerei mit Information und mit guten sauberen Produkten.

    Ein bischen viel auf Einmal, oder? Ich hoffe klar genug formuliert.

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  23. Gärten wurden bei der Häusersanierung nicht durch Kies plattgemacht, sondern es werden weiterhin große Blumenbeete gepflegt, auch wenn es teurer ist. Dachte hier gar nicht an Insekten, sondern an das zu vermeidende Kieswüsten-Statement „Hier wohnen oder vermieten faule/geizige Idioten“. Man hat ja auch seinen Stolz. Werde mich nun nach Insektenoptimierung (welche?) erkundigen. Form follows function – das nenne ich Ästhetik und nicht miesepetrig „Ökologismus“, auch wenn es nur im Kleinen etwas bringt und von Beiträgen anderer abhängt. Ich selbst wohne übrigens platz- und wegesparend in Kernstadt, weil mir das Urbane gefällt.

    Ressourcenschonend essen.

    Bei der letzten Bundestagswahl als FDP-Mitglied die Grünen gewählt (Zweitstimme).

    Das Entscheidende sind eine andere Agrar- und Ernährungspolitik. Nur durch entsprechende Rahmenbedingungen können ökologische Effekte skaliert und damit nennenswert gemacht werden. Bauern müssen insoweit stärkere Veränderungen als alle anderen hinnehmen. Ist es nicht so, dass Bauern eine relativ kleine Gruppe bilden, die ökologisch aber einen sehr großen Einfluss hat?

    Wenn ich aus dem Flugzeug (ja ich weiß!) schaue und den riesigen Anteil landwirtschaftlicher Flächen sehe und mir vorstelle, dass ein Großteil davon mehrmals im Jahr gedüngt und gespritzt wird – das wird schon einiges emittiert. Dazwischen die vereinzelten Autos auf den Landstraßen, viele Autos auf den Autobahnen, hier und da Fabrikschlote, wo verhältnismäßig viele Menschen für gutes Geld beschäftigt sind. Hm, Landwirtschaft und Ernährung bieten schon AUCH einige Stellschrauben…

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    • Bauer Willi sagt

      Ich bin sehr gespannt, was Du zu „Insektenoptimierung“ findest. Schau mal auf den Link, den wir im Artikel „Insekten auf der Windschutzscheibe“ genannt haben. Der Professor lehrte an der Uni Düsseldorf!! Ist zwar die falsche Rheinseite, aber ab und zu kommt von da doch was brauchbares 🙂
      Bauer Willi

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      • Danke. Was Prof. Kunz sagt, klingt plausibel. Es liegt nicht auf der Linie eines Ganzheitlichkeits- und Unberührtheitsglaubens, oder wie BfR-Präsident Hensel es nennt, eines Glaubens an die Güte der Natur. (Diesem Glauben unterliegen übrigens viele konservative, religiöse und Menschen sonstiger Couleur – und damit mehr Menschen als es Grüne gibt.)

        Kunz ist für segregativen Naturschutz statt für den derzeit vollzogenen integrativen. Er erkennt Truppenübungsplätze und Industriebrachen als Lebensraum für viele Schmetterlinge an statt Blühstreifen an eintönig bewirtschafteten, stark gedüngten und gespritzten Äckern. Er sieht die Stickstoffdeposition, die ich gestern angesprochen habe, und den Verlust von Magerstandorten als einen Grund des Aussterbens von Schnetterlingsarten an.

        Kunz plädiert für die Anlegung von Sonderflächen für den segregativen Naturschutz als Teil der Berufsausübung von Landwirten, die u.U. durch öffentliche Gelder zu vergüten ist (hierzu ist auf seiner Uniseite ist eine recht junge PPPräsi). Das bringe mehr für den Artenschutz als eine flächendeckende Unstellung auf Bio.

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    • Je mehr der Mensch sich in Naturkreisläufe einmischt, um sie „zu optimieren“, desto mehr geraten diese Kreisläufe durcheinander. Der Mensch löst mit seinen Einmischungen keine Probleme, er verschiebt sie nur von einer Ebene auf die andere, wobei das ursprüngliche Problem in jeweils umfassenderer und kleinteiligerer Form wieder auf ihn zurückfällt.

      Insofern sehe ich einer „Insektenoptimierung“ doch etwas skeptisch entgegen.

      Und außerdem kommt mir das alles wie ein déjà-vu vor. Vor 50 Jahren waren es die Vögel („Der stumme Frühling“), jetzt sind es die Vögel und die Insekten, in weiteren 50 Jahren werden es die Vögel, die Insekten und die Fadenpilze sein.

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  24. Ich seh das so sagt

    Nachdem ja die Landwirt verpflichtet sind mindestens 10% der Flächen außer Ertrag zu stellen um etwa für Blühflächen, Ökologische Vorrangflächen, Lerchenfenster …. bereit zu stellen, ist doch die Frage, welchen Beitrag leisten eigentlich die 95% Mehrheitsbevölkerung zur Insektenvermehrung ? (außer daß sie den Bauern sagen, was die gefälligst zu tun haben).

    Erste Vorschläge wären da:
    *) mindestens 10% der Wohnflächen in jeder Wohnung und in jedem Haus (privat oder öffentlich) müssen für Nist-, Brut- Vermehrungsflächen für Insekten, Vögel u.a. bereit gestellt werden. Es sind darin auch mindestens 1 Bienenvolk anzusiedeln. Das sind gerade mal 5 bis 20 m² (keine Hektar !) pro Wohneinheit.
    *) Der Beruf des Kammerjägers wird ersatzlos verboten
    *) Insektenschutzgitter für Fenster und Türen, Insektensprays (Tus macht Schluß mit LÄSTIGEN Insekten – geht ja gar nicht mehr !!!), Ameisenköder, Mäusefallen u. dgl. sind aus den Regalen von Supermärkten und Baumärkten zu entfernen. (z.B. http://www.insekt.at/wissenswertes)
    *) Pro Nase ist mindestens 1 Wurmkiste (www.wurmkiste.at) nachzuweisen

    Da unvollständig, bitte weitere Vorschläge bitten unten anfügen.

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    • Josef sagt

      Wieder ein typischer Bauernkommentar. 95 % sagen den Bauern, was sie tun sollen. Sollen die doch etwas tun. Wie im Kindergarten.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Die Bewahrung der ökologischen Vielfalt ist eine Aufgabe der gesamten Bevölkerung, die ökologische Vielfalt ist nicht mit einseitiger Schuldzuweisung an Bauern zu erhalten.

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      • bauerhans sagt

        „95 % sagen den Bauern, was sie tun sollen.“

        es wird nachgeplappert was aufgeschnappt wurde,95% der bevölkerung sind das bestimmt nicht.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      *) Höchstens pro Woche einmal sich waschen, da zieht manche Insekten magisch an. 😉

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    • rebecca sagt

      In vielen Gewerbegebieten gibt es Vorgaben wie viel Prozent der Flächen bebaut oder versiegelt werden dürfen. In der Regel um die 80% so das 20 % für Rasen und Grün und Sickerflächen bleiben.

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    • Sabine sagt

      Wenn Du den Beruf des Kammerjägers ersatzlos streichst, muss Du die Leute verpflichten nur noch“ Plumper-Terrier“ in der Stadt zu halten, sonst tragen dir die Ratten die Häuser weg. Das ist doch Unsinn.
      Private Hausbesitzer sind schon verpflichtet, z.B. Bäume zu erhalten und Hecken vogelfreundlich zu pflegen. weil das eine Vorschrift ist, gibt es mehr Leute, die dagegen sind, wie Leute, die einsehen, warum es gemacht werden soll.
      Ich denke da könnte Aufklärung gut tun. Viele Städte beraten Häuslebauer in Punkto Energiesparlösungen, warum nicht auch in Sachen Grundstücksgestaltung. So wie Landwirte auch Bio können, können Landschaftsgärtner auch naturnahe Gärten gestalten und Architekten naturnah bauen, nur lässt man sie oft nicht. Das könnte man ändern in dem man z.B. Hausbesitzern Anreize gibt einen naturnahen Garten anzulegen. Man könnte bei jeder neuen Siedlung so viele Dinge tun, die sich positiv auf das Kleinklima, Vögel und Insekten auswirkt, nur so wie es im Moment ist, ist Unkrautfolie und Lavamulch einfach billiger und praktischer. Wenn man das stoppen kann, klappt’s auch wieder mit den wilden Nachbarn.

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  25. Lothar Jestädt sagt

    Die Ursachen sind sehr vielfältig. Moderne Pflanzenschutzmittel spielen eine große Rolle dabei, diese töten die Insekten nicht sofort sondern storen die Reproduktion. Weiter sind gesetzliche Anforderungen wie genannt ein Problem für Insekten, aber auch die schlichte Reduzierung der Anzahl der Höfe und Misthaufen, das Versiegeln von Deponien, das einsammeln von Biomüll. Auch die frühe Maf von Wiesen für Silo führt systematisch zur Verarmung von Blühpflanzen in den Wiesen.
    Da hilft nur ein grundsätzlicher Umbau der Landwirtschaft an dem nicht mehr der Ertrag an erster Stelle steht sondern auch die ökologische Vielfalt. Dazu gehört auch die Wahrheit das es zu weniger Ertrag führt und durch mehr Aufwand auch höhere Preise für die Produkte erforderlich sind um dies Umsetzen zu können. Hier sind ganz sicher auch Politik und Lebensmittelhandel gefordert die Landwirtschaft bei ihren Bemühungen zu unterstützen. Nur gemeinschaftlich kann hier was erreicht werden und nicht mit Lobbypolitik für Großkonzerne.

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    • Mausschubser sagt

      Rein mengenmäßig betrachtet, leben wir dann auf Kosten anderer Länder und deren Ökologie.

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    • nachtigallfan sagt

      Aber höhere Lebensmittelpreise sind nicht gewollt, weil dadurch nicht mehr genug Geld für sonstigen Konsum übrig bleibt. Und man müsste den Hartz IV-Satz deutlich erhöhen, was auch in der Summe recht teuer wäre.

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  26. Der Bauernbund Brandenburg hat zu diesem Thema eine sehr treffende PM herausgegeben:
    „Der Bauernbund Brandenburg hat die vom NABU aufgrund einer dubiosen Studie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen, die Menge der Fluginsekten sei durch eine angebliche Intensivierung der Landwirtschaft in den vergangenen 25 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen. „Die einzigen landwirtschaftlichen Kulturen, auf denen aus gutem Grund in nennenswertem Umfang Insektenbekämpfungsmittel ausgebracht werden, sind Raps und Kartoffeln, diese machen nichtmal fünf Prozent der Fläche in Deutschland aus“, argumentiert Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel, Ackerbauer aus Barsikow im Ruppiner Land: „Und in den vergangenen 25 Jahren hat hier weder in der Düngung noch beim Pflanzenschutz eine Steigerung der Intensität stattgefunden. „Selbst wenn es einen dramatischen Rückgang der Insektenpopulation gäbe, was der Bauernbund bezweifelt, könne die Landwirtschaft deshalb kaum dafür verantwortlich sein.
    Statt stumpfsinnig immer nur die Bauern für alles Übel verantwortlich zu machen, sollte sich der NABU verstärkt mit Umweltthemen auseinandersetzen, empfiehlt Kiesel: „Für die Insekten war es bestimmt nicht von Vorteil, dass in den vergangenen 25 Jahren fast 800.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche mit Häusern und Straßen zugebaut und unzählige schöne Obst- und Gemüsegärten in englischen Rasen verwandelt wurden. Aber mit solcher Kritik würde der NABU sein eigenes Geschäftsmodell in Frage stellen, das auf Spenden von Autokonzernen und biederen Vorstadtbürgern beruht, die damit ihr ökologisches Gewissen freikaufen.“

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Die PM des Bauernbund Brandenburg ist ein Beipiel dafür, wie sich ein ganzer Berufsstand unnötig in eine Sackgasse manövriert um dann von Politik und Gesellschaft nicht mehr ernst genommen zu werden. Problemlösungen beginnen damit, dass man ein Problem erkennt und nicht verleugnet. Wer mit offenen Augen durch’s Land geht und noch einigermassen ein Erinnerungsvermögen hat, der nimmt den Rückgang der Insekten und auch der Vögel wahr. Das Wahrnehmen bedeuted aber noch nicht automatisch, dass man weiss, wie es dazu kam, bzw. wer Schuld ist. Hier im Oberallgäu wird auf dem Dauergrünland kaum ein nennenswerter Pflanzenschutz betrieben. Unser Landkreis ist sogar eine „Öko-Modellregion“ mit überdurchschnittlich hohem Anteil an Bio-Betrieben und extensiver Kulapbewirtschaftung (bayr. Kulturlandschaftsprogramm). Und trotzdem ist der „summt und brummt“ es keinen Teil mehr so in der freien Natur, wie noch vor 10 Jahren. Dasselbe bei den Vögeln, was mit Sicherheit eine Folge des Insektenrückganges ist. Ich gehe seit 30 Jahre zur Jagd. Wenn ich mich zurückerinnere, welches „Geschrei“ die Vögel bei einem Morgenansitz im Mai und Juni früher gemacht haben, dann ist es jetzt ein gutes Stück leiser. Aber es ist noch nicht stumm. Wenn ich mir das Waldsterben der 80er Jahre ansehe, dann ist dies überwunden worden, weil die Ursachen gefunden wurden. Und weil Politik und Gesellschaft gehandelt haben. Genau solches ist beim Insektensterben gefragt. Aber das ständige Verleugnen und Beschuldigen nützt nichts!

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      • Wer immer schön im Mainstream mitsegelt, ist sicher Everybodys Darling und hats ruhiger. Ob das immer der bessere Weg ist darf bezweifelt werden!

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        • Alois Wohlfahrt sagt

          Sich einem Problem zu stellen hat nichts mit dem Mainstrem segeln zu tun, sondern im Gegenteil. Das würde doch sehr gut zum Unternehmerbild passen, das sich die Landwirtschaft doch eigentlich wünscht.

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Also eine PM macht noch keinen Gesinnungswechsel. 😉 Aber als erstes sollten wir Bauern die Verantwortung holen und uns für Zuständig erklären. Sprich: JA, das Insektensterben geht uns an. So, wie es Willi in dem Artikel auch gemacht hat. Aber auch betonen (was ja jetzt schon viele machen), dass es nicht nur die LW alleine angeht, bzw. die LW kann man mit dem Problem ja wohl schlecht alleine lassen. Man könnte ja sogar soweit gehen, dass man von der Jamaika-Fraktion eine Intensivierung der Forschung darüber fordert und sich als Berufsstand anbietet aktiv hierüber mitzuarbeiten. Das fördert Vertrauen, Transparenz und Glaubwürdigkeit.

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            • Hallo Alois, danke für Deine Antwort, ich habe sie leider jetzt erst bemerkt. Ja, Du hast recht, eine solche Vorgehensweise ist sicherlich angebracht. Allerdings sehe im speziellen Fall keine Notwendigkeit mehr, uns für zuständig zu erklären, die Zuständigkeit wurde uns schon zugewiesen und zwar auf eine unsachliche und unfaire Art. Ich habe mich in dieser Sache kürzlich (zufällig) mit Nichtlandwirten darüber unterhalten. Nahezu einstimmiger Tenor war:warum lasst ihr euch sowas bieten? Vor diesem Hintergrund halte ich die PM durchaus für angebracht, das ist dann kein Bärendienst, sondern auch ein Stück Glaubwürdigkeit.

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        • rebecca sagt

          Gerade aktuell. Vor zwanzig Jahren kippte ein Mercedes beim Elchtest um. Was dann folgte und der Umgang durch die Verantwortlichen war ein Trauerspiel und Mercedes hat einiges Lehrgeld in der Angelegenheit gelassen.

          Die heutige Situation ist ähnlich. Nur kippt heute kein Auto, sondern die Stimmung in Bevölkerung und Politik. Aber wie damals begreifen die involvierten Personen nur sehr langsam was passiert und haben außer wilden Rundumbeißen offenbar keine Strategien um die Probleme zu lösen.
          Die PM ist ein weiterer Beleg.

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    • Bauer Willi sagt

      Statt stumpfsinnig immer nur die Sorgen der Mitbürger zu negieren, die Verfasser der Studie zu diskreditieren, Umweltverbände anzugreifen und die Schuld an andere zu verweisen, wird mit dieser Strategie scheitern. Er erweist den Landwirten damit einen Bärendienst.
      Bauer Willi

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      • Es werden doch nicht die Sorgen der Mitbürger negiert, sondern es werden diejenigen angegangen, die permanent die Mitbürger überwiegend unbegründet in Angst und Schrecken versetzen und gegen die Minderheit „Bauern“ aufbringen. Daher halte ich die PM für angebracht. Im aktuellen Fall: die Studie hat nachweislich enorme methodische Schwächen, die Verfasser sagen selbst, dass sie keinerlei Untersuchungen zur Rolle der Landwirtschaft angestellt haben, stellen aber Vermutungen in den Raum die dann vom NABU als Tatsachen verkauft werden. Sorry, aber wenn das nicht reicht, dann weiss ich auch nicht….

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Bauer Willi,
        im Religionsunterricht habe ich mal gelernt,

        „Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ (Matthäus 5,39).

        Wenn einer seinem Angreifer nur buchstäblich die andere Wange hinhält, fehlt – möglicherweise – der Geist. Der Geist ist da, wenn er, wie Jesus es getan hat, bei seiner Wahrheit bleibt, wenn er diese Angriffsfläche weiterhin bietet, also weder flieht noch zum Gegenangriff übergeht, sondern wenn er sich nicht beirren lässt. Der Geist ist da, wenn er in dieser brisanten Situation den Respekt bewahrt vor sich selbst und vor seinem Angreifer – ebenso wie Jesus es getan hat, als er zu dem Gerichtsdiener sagte: „Habe ich etwas Unrechtes gesagt, so beweise es mir, habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich?“ (Johannes 18,23).
        Landeskirche Hanover

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    • dialogbereiter Verbraucher sagt

      Die Kritik am NABU kann ich so nicht stehenlassen.
      – Das Thema (Acker-)Flächenversiegelung ist dort natürlich auch Thema: https://www.nabu.de/news/2017/02/21998.html
      – Das Thema Obstgärten (im Sinne von Hochstamm-Obstbaumwiesen) ist ein klassisches Thema im NABU, um das sich an vielen Orten im Land gekümmert wird. https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/streuobst/
      – Auch die Gestaltung von Privatgärten ist dem NABU wichtig.
      https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/index.html
      So gab es z.B. im Münsterländischen Kreis Coesfeld über Jahre die NABU-Aktion „Offene Gärten“ mit einem Fokus auf „naturnaher“ Gartengestaltung, bei der es ja insbesondere darum geht, statt englischem Rasen in Gärten einheimische (ungefüllte) Blühpflanzen und weitere Insekten-Nahrungspflanzen zu bringen sowie Nistmöglichkeiten, Blumenwiesen oder -rasen, Komposthaufen, Kleingewässer etc. (lesenwert hierzu übrigens die Bücher von Reinhard Witt). Selbst habe ich übrigens viele dieser Maßnahmen im Privatgarten umgesetzt und kann bestätigen, wie viel das ausmacht, gerade auch im Vergleich zu Nachbargärten, wo dies nicht der Fall ist. Es ist z.B. erstaunlich, welche Vielfalt und Menge von Insekten sich auf einer einzigen (einheimischen) Flockenblumen-Pflanze tummelt (die wächst ansonsten (im besten Fall) an Wegrainen oder in Schnittwiesen).

      Noch ein Gedanke, der in den Kommentaren glaube ich noch geäußert wurde: Feldränder sollten durch Straßenbetriebe bzw. Landwirte nicht zu häufig bzw. zu früh gemäht sowie nicht in die angrenzende Nutzung einbezogen werden.

      Konstruktives Fazit: Landwirte möchte ich nicht pauschal als Buh-Mann an den Pranger stellen. Als Nicht-Landwirt sehe ich auch noch viel Handlungsbedarf in privaten Gärten. Im erwähnten Kreis Coesfeld existiert z.B. ein Naturschutzzentrum, getragen von einer Kooperation von Naturschutz und Landnutzern, das regionale Dialogmöglichkeiten eröffnet (http://www.naturschutzzentrum-coesfeld.de/index.php). Handlungsbedarf scheint es ja zu geben, für den eine aussagekräftige Datenbasis nötig ist.

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