Bauer Willi
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Brief eines Metzgermeister

Folgende Mail erhielt ich von einem Metzgermeister im Ruhestand.

Meine Frau und ich haben Ihre Ansichten zu Bio, fair und möglichst billig, zweimal gelesen. Wir stimmen Ihnen in allen Punkten zu. Wie Recht Sie haben.

Wir waren 30 Jahre im mittel-  ständischen Fleischerhandwerk selbstständig und haben alle Höhen und Tiefen erlebt. Unser Betrieb hatte von der DLG die Auszeichnung: “Außergewöhnliche Qualität” erhalten. Unser  Sohn gab den Betrieb schließlich auf, weil die Erlöse den Betrieb nicht mehr halten konnten.  Aus einer rein ländlichen Schlachterei meines Großvaters entstand ein moderner Fleischereibetrieb mit 20 Mitarbeitern. Die in den 70jahren aufs Land gekommenden Supermärkte mit ihre ruinösen Fleischangeboten setzten wir jahrelang noch unsere Qualität entgegen. Es wurde eine Käseabteilung gebaut, auf der Anuga in Köln wurde meine Frau mit dem goldenen Käsemesser ausgezeichnet, danach wurde ein Edelimbiß im eigenen Haus eröffnet. Es half die Lücken im Fleischereiumsatzt zu schließen. Dann kam der Partyservice mit großen Erfolg dazu, es half die Gesamterlöse über Jahre zu stabilisieren, aber der Kunde wollte möglichst wenig bezahlen . Ich habe ein gutes Bespiel immer zur Hand, für ein Kilogramm Kotelett zahlte der Kunde im Markt 4 Euro, für 1 Kg Pansen für den Hund zahlte der gleiche Kunde gern 10 Euro. Das Gleichgewicht stimmte damals schon nicht mehr und es ist trotz größter Anstrengen im Fleischerhandwerk heute noch kaum einer da. Ich habe von der Pike auf 1952-55 in Hildesheim gelernt, in einem Betrieb der nach dem Ladenneubau schon einen Imbiß hatte, auch dieser Betrieb ist schon lange geschlossen. Ich bin 79 Jahre und kaufe jetzt auch im Supermarkt ein. Dort treffe ich ehemalige Kunden die mir sagen: “Schade das es sie nicht mehr gibt. Denen antworte ich dann: “Ihr seid es doch selber Schuld.” Die Antwort: wir waren bis zuletzt treue Stammkunden; aber es waren zu wenige. Heute beobachten  wir mit Sorge den weiteren Niedergang eines ehemals stolzen Berufsstandes.

Mit freundlichem Gruß

(Name)

Fleischermeister im Ruhestand

(Aufrufe 2.273 gesamt, 1 heute)

19 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Seit 15 Jahren werden im Schnellgang “Tierschutzgesetze ” erlassen ,ohne die Tierhalter mitzunehmen. Ständiges Umbauen der Ställe und nicht vorhandene Planungssicherheit machen die Landwirte mürbe . Unsere Rotgrünen Politiker lassen so richtig ihren Frust an der Landwirtschaft aus. Ein Gesetz und Verordnung nach dem anderen. Kein Mensch kann das noch leben oder einhalten . Nicht nur das die Tierhalter weniger werden in Deutschland,
    auch die Stallausrüster gehen so nach und nach in die Insolvenz. Der Strukturbruch auf dem Land ist in vollem Gang. Niedrige Erzeugerpreise , die Stimmung durch die Medien und NGOs tun ihr übriges. Kein Landwirt hat sich kriminell verhalten. Aber was ist mit den Banken , VW und Co. die sich kriminell verhalten haben ? Nichts , die Politik stellt sich schützend davor ! Welch eine Verlogenheit ! Dann wundern sich unsere Altparteien , daß die Leute auch noch AFD wählen . Warum werden keine Banker und Industrieleute nicht eingesperrt und bestraft ? Unsere ganzen sogen. Idole (Beckenbauer , Hoeness +Co)
    werden kaum und wenn nur minimal bestraft . Was für eine Bananenrepublik ! Hier wird das Geld doch nur noch von unten nach oben verlagert (z.B. beim EEG). An die kleinen Leute, Klein-+Mittelbetriebe denkt doch von unseren Verantwortlichen keiner mehr , oder ? Solange wir in einer Tierschutz- und Umweltdiktatur leben , wird sich hier auch nichts ändern . Neue Ideen und Politiker bracht das Land ! Zwei Wahlperioden reichen !
    Rechtsanwälte und “Öffentlicher Dienst” müßen drastisch weniger werden in unseren
    Parlamenten. Arbeiter , Angestellte , Klein-u. Mittelständ. Unternehmer müßen mehr werden. Lobbyisten wie Wissman und Co müßen verschwinden !

  2. Walter Parthon sagt

    Tierschutz ohne Tierschützer?
    Fast 13 Millionen Schweine und mehr als 240 Millionen Hähnchen und Puten umfasst die Initiative Tierwohl (ITW). Es ist das mit Abstand größte Programm zur Förderung von Tierwohl. Und es ist das erste, das auch das Tierhalterwohl im Blick hat. Denn die Betriebe bekommen Geld für mehr Tierwohl. Die Initiative ist weltweit einmalig. Das europäische Ausland blickt mit Staunen, vielleicht sogar etwas Neid auf das, was hier erreicht wird.
    Aber der Deutsche Tierschutzbund ist ausgestiegen. Präsident Thomas Schröder spricht gar vom größten Verbraucher- und Tierschutzbetrug, den es in Deutschland je gegeben habe. Das ist nicht nur schade, für die Tiere und für die Bauern. Es ist auch falsch. Denn zum einen zieht man sich damit aus einem Projekt zurück, das sich vor allem durch eine einmalige Gemeinsamkeit auszeichnete. Tierschützer, Landwirte – das gab es so noch nie. Und es hätte eine Basis werden können für mehr.
    Nur scheinen sich Kompromisse nicht auszuzahlen – für den Tierschutz. Kritik kam von denjenigen, die das Paradies für jedes Schwein fordern. Von anderen Tierschutzverbänden weiß man, dass eine zu starke Annäherung an die Landwirtschaft mit einem Spendenrückgang quittiert wird. Zieht Schröder hier eine Notbremse? Das wäre kein gutes Zeichen. Denn eine Tierhaltung ohne Kompromisse kann es nicht geben. Auch der Bauernverband muss viel Kritik aushalten. Und bleibt trotzdem dabei.
    Inzwischen liegt der Entwurf für die ITW 2.0 vor. Ab 2018 wird ein weiter entwickeltes Modell an den Start gehen. Das bedeutet zugleich, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Tierhaltern und Lebensmittelhandel verstetigt. Und es gibt mehr Geld für mehr Tierwohl an mehr Tieren.
    Was soll daran falsch sein? Alle anderen Modelle, einschließlich des Tierschutzlabels des Tierschutzbundes, haben keine Reichweite im Markt erzielt. Anfang 2016 machten dort 21 Schweinehalter und 27 Geflügelbetriebe mit: Ein Fehlschlag. Oder setzt der Tierschutzbund jetzt auf die Gesetzeskeule? Eines jedenfalls kann die ITW dann genau beziffern: Was dem einzelnen Bauern verloren geht, wenn Freiwilligkeit durch Verordnung ersetzt wird.
    Ob es tatsächlich hilft, wenn 100 Millionen Euro weniger auf die Betriebe fließt? Herr Schröder überlegen Sie noch einmal, ob es tatsächlich dem Tierwohl und Tierhalterwohl hilft, wenn Sie jetzt aussteigen. Ansonsten machen wir effektiven Tierschutz ohne Tierschützer. Bedauerlich bleibt es aber.

  3. Schweinebauer Piet sagt

    Dann müssen die Verbraucher besser informiert werden, so dass sie für gute Qualität mehr ausgeben und der Erzeuger gut bezahlt wird!

  4. fleckviehzüchter sagt

    Leider kann ich den Metzger gut verstehen, was er aber bei seinem Beispiel mit dem Pansen vergessen hat zu erwähnen ist, das er den Pansen heute gar nicht mehr als Hundefutter verkaufen dürfte wenn er keine Zulassung als Tierfutterhersteller hat sondern ihn entweder putzen muss um ihn als Lebensmittel für zum Beispiel “Trippa alla romana” zu verkaufen oder den Pansen ins Konviskat schmeisst. Ich wohne in einer wircklich ländlichen Gegend und habe das Glück im Umkreis von 5 km noch 4 Metzgereien zu haben die neben Geschäft und Partyservice sogar noch Hausschlachtungen anbieten aber selbst bei diesen muss ich wenn ich mal Sulze machen will die Schweinefüsse bestellen weil die sonst weggeschmissen werden. Was soll man davon halten?

  5. Friedrich K. sagt

    Ich schreib es gerne nochmals:
    Die Lösung ist doch gaanz einfach: Nicht mehr im Supermarkt einkaufen, einer bleibt zu Hause und schafft Lebensmittel von Erzeugern ran, kocht und gärtnert.
    Das Grundproblem der Landwirtschaft ist der Flaschenhals des Lebensmittelhandels.
    “Der Markt” bedeutet bei Lebensmitteln heute “Der Supermarkt”, sprich die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels EDEKA, Aldi & Co.
    Wer eine andere Landwirtschaft und handwerkliche Lebensmittelqualität will, darf nicht im Supermarkt einkaufen. Ist doch wirklich einfach, oder?

    • Berglens, Peter sagt

      Die Lösung ist soo einfach nicht, weil sich die Supermarkteinkäufer über ihr Tun keine Gedanken machen. Das zu erreichen wäre vielleicht eine Lösung. Aber wie? Mit Aufklärung alleine schafft man das nicht, das sieht man an den Antworten, die man bekommt.

      • bauerhans sagt

        “…weil sich die Supermarkteinkäufer über ihr Tun keine Gedanken machen.”

        DOCH,gut und günstig.

    • bauerhans sagt

      “Das Grundproblem der Landwirtschaft ist der Flaschenhals des Lebensmittelhandels.”

      das grundproblem ist die produktion unflexibler güter,die vielen einzelanbieter,die familienbetriebe(gering bezahlte arbeitskräfte),der hang zum unkrontrollierten wachstum(erst gut,dann gross)

      • rebecca sagt

        Ein weiteres Grundproblem gibts auch. Das ist die Unflexibilität besonders der alteren Betriebe die stur und starr auf ihrem Geschäftsmodell beharren. Das trifft nicht nur Metger und Bäcker. Auch Blumenläden, Weinhändler, den Handel insgesamt und andere Handwerker.

        Die machen stur ihren Stiefel und weigern sich über den Tellerand zu gucken um neue Chancen wahrzunehmen.

        Regionaler Online Verkauf mit schneller Lieferung ist ein beginnender Trend der gerade kleinen regionalen Händlern viele Chancen eröffnet weil sie damit eine Klientel erreichen die weniger aufs Geld guckt, an sich mehr ausgibt und auch Qualitätsbewusster ist.
        Aber Fehlanzeige da wird stundenlang über Kunden gemeckert und gejammert, aber sich kein bischen bewegt.

        Und wer heute als Partyservice verkackt, der hat irgend etwas falsch gemacht. Selbst im Osten wo die Finanzkraft nicht so hoch ist boomt das Geschäft.

    • Alois Wohlfahrt sagt

      So sehe ich das auch. Darum haben wir den REGIO DAY angestossen. Damit Landwirte und Verbraucher aufeinander zugehen – als Anfang. Angebote machen und Angebote suchen. Und dann TUN und MACHEN.
      http://www.regioday.com

      • Andreas Schmidt sagt

        Sehe ich genauso, die Politik wird nichts ändetn, ob völkisch oder nicht, entweder gibt man auf (das ist auch OK) oder sucht nach neuen Wegen.

  6. bauerhans sagt

    der kleine schlachthof,den ich beliefere,versorgt regionale supermärkte mit fleisch.
    diese sind gerade von einer norddeutschen kette übernommen worden und der druck auf die erzeuger wird grösser.
    alternativ könnte ich an den grössten deutschen schlachtbetrieb liefern,der hier in der nähe ist.

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