Bauer Willi
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Besuch auf der Alm – einmal anders gesehen

Im September ist in den Bergen Almabtrieb. Für viele unserer Mitbürger ein sehenswertes Schauspiel. Doch hinter der Arbeit auf der Alm steckt viel Arbeit. Und wegen gedankenloser Mitmenschen oft auch echte Gefahr. Was sonst noch hinter der Idylle steckt, beschreibt hier Bäuerin Maria aus Österreich, die jetzt in der Schweiz lebt. Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie sich das „Schauspiel“ in diesem Herbst wieder ansehen.

Besuch auf der Alm – einmal anders gesehen

Bei uns zu Hause ist jedes Jahr Mitte Juni Alpauftrieb: Das heisst für unsere Familie in einem mehrstündigem Fussmarsch mit Kühen und Jungtieren hoch auf die Alp. Die meisten Tiere wissen schon wohin es geht, kennen den Weg und sie freuen sich auf die frischen Alpkräuter und Gräser. Aber auch nur, solange sie in Ruhe gelassen werden und nicht vom Eindringling Mensch belästigt, gestresst oder in Gefahr gebracht werden. Der Alpauftrieb ist für uns ein freudiges Erlebnis.

Der Weg zur Alp

Beim Alpauftrieb müssen wir nur darauf achten, dass unsere Tiere nicht in unwegsames Gelände kommen, wo Sie sich verletzen oder abstürzen könnten. Es passiert aber leider jeden Sommer ein bis zweimal, das wir vom Feld nach Hause kommen und alle Kühe wieder im Stall stehen. Kühe sind wirklich schlau. Sie finden ihren Stall immer wieder. Wo die Leitkuh hin geht, geht der Rest hinterher. Für die Familie ist zwar erfreulich, dass alle Tiere wohlbehalten den Stall gefunden haben, da der Heimweg von der Alp für die Tiere ohne Begleitung grosse Gefahren mit sich bringt. Aber trotzdem müssen wir Sie wieder auf die Alp treiben. Oft passierte es allerdings, dass eine Kuh oder ein Jungrind fehlte. Dann ging die stundenlange und mühsame Suche los. Gefunden haben wir unsere Tiere – Gott sei Dank – immer wieder, aber leider in gefährlichem Gelände. Die Tiere konnten oft weder vor noch zurück, sonst wären Sie abgestürzt! Die Tiere aus Ihrer hilflosen Situation zu retten bringt auch uns Menschen in Gefahr. Wer die Berge kennt, weiss wovon ich spreche. Wir müssen die Tiere teilweise bergen, so wie die Bergrettung Menschen rettet.

Bergrettung

Wir müssen erst einmal unter Gefahr zu den Tieren gelangen, dann die Tiere beruhigen und ihnen Sicherheit vermitteln. Das gelingt nur weil die Tiere uns und unsere Stimmen kennen und uns blind vertrauen. Die Tiere müssen gesichert und mit nervenzehrendem Aufwand geborgen werden, teilweise sogar mit zeit- und kostenintensiven Helikoptereinsätzen. Aber das ist uns in solchen Momenten egal, da unsere Tiere für uns das wichtigste sind und uns ihr Leben am Herzen liegt.

Leider gibt es auch die traurigen Momente, wo ein Tier nur noch tot geborgen werden kann oder schwer verletzt. Ein Kalb fanden wir nur noch tot in einer Schlucht, es ist zu Tode gestürzt, 150 Meter in die Tiefe. Eine Kuh stürzte in einen abgebrochenen Ast. Der Ast musste abgesägt werden und bis nach der Bergung im Bauch verbleiben. Sie musste nach der Bergung notoperiert werden. Durch die OP konnte Sie gerettet werden und lebte mit einer grossen Narbe, die uns täglich an das Erlebnis erinnerte, bis zu Ihrem 18. Lebensjahr glücklich auf unserem Hof und brachte 14 Kälber auf die Welt.

Und warum das alles?

mountain-bike-594161_640Das ganze Leid, der Stress und die Kosten nur, weil gedankenlose Menschen, Wanderer und Mountainbiker glauben, sie könnten sich alles erlauben und müssten keinen Respekt vor fremdem Grund und Boden haben. Weil sie unerlaubt durch Almen laufen oder biken und die Gatter öffnen aber nicht mehr schliessen. Sie wundern sie sich auch darüber, dass die Kühe auf sie losgehen und es jedes Jahr Todesfälle gibt, nur weil die Kühe ihre Jungtiere beschützen. Das lesen wir jedes Jahr mehrmals im Sommer in den Zeitungen, aber immer mit dem Aufhänger: „ Kühe bösartig geworden, Kühe haben Touristen zu Tode getrampelt, Kühe gingen auf Wanderer los.“ Immer sind die Tiere oder der Bauer schuld. nur nie die Menschen, die ins Territorium der Kühe eindringen um eine Abkürzung zu nehmen! Kühe, Jungtiere und Kälber sind kein Streichelzoo. Ich möchte nicht wissen, was diese Leute sagen würden, wenn wir in ihren Garten eindringen, ihre Hunde streicheln oder Ihre Haustiere freilassen würden.

Diese Gedankenlosigkeit mancher Menschen macht mich echt fassungslos und teilweise sehr wütend.

Eure Bäuerin Maria

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16 Kommentare

  1. Schweinebauer Piet sagt

    Früher hatten wir Bullen. Die Fresser kamen zum teil im Frühjahr auf den Weserdeich. Die Tiere sind schon mal ausgebuchst. Entweder war der Zaun nicht gut oder Mitbürger konnten ihn nicht bedienen, wenn sie für uns nach den Tieren geschaut haben. …

    Viele Bauern erinnern sich noch, als wir vor ca. 20 Jahren alle Tiere gemeinsam eingefangen haben. Tolle Feldmarkgemeinschaft!

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  2. Sandra Harms sagt

    Sagt mal kollegen, wo ist eure kreativität?
    es gibt doch so viele schöne schilder…. ACHTUNG ZECKEN; VORSICHT EICHENPROZESSIONS SPINNER VORSICHT ALLERGIE GEFAHR; ACHTUNG DRÜCKJAGT und viele mehr…. ein tor was rein zufällig mit am elektrozaun hängt… und wenn das die leute noch nicht abschreckt, ein fuder sammelsteine mit faulen karftoffeln drin ,platziert an einer engstelle , schreckt auch hart gesottene ab, weils zum himmel stinkt und man den duft kaum wider von den schuhen weg bekommt….

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  3. Danke für den Einblick! Ich finde jedoch, Tore und Türen, die man öffnet, sollte man auf jeden Fall wieder schliessen – egal ob Glocken zu hören sind oder nicht. Aber das machen Leut‘ mit Hirn und Anstand vermutlich sowieso. In Großbritannien führen viele offizielle Wanderwege über Viehweiden, da sind meist sogar kleine Treppchen oder sog. ‚kissing gates‘ als Türen für die Wanderer. Da kann das Schließen nicht vergessen werden. Die offizielle Anweisung ist: Bei Herden mit Mutter- und Jungtieren wenn möglich außen um die Weide herum gehen oder halt langsam am Rand der Weide mit möglichst viel Abstand zu den Tieren. Aber das ist eigentlich auch gesunder Menschenverstand, der denen, die da angegriffen werden anscheinend fehlt.

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  4. bauerhans sagt

    das ist hier im flachland nicht anders!
    eine meiner ackerflächen liegt neben dem hundeübungsgelände und seitdem ich den hundeleuten gesagt hatte,nicht meine fläche zum üben zu nutzen bzw. die anderen flächenbesitzer erst zu fragen,ob das betreten erlaubt sei,weil ja das jagdrecht verpachtet wäre,sind sie mir nicht mehr wohl gesonnen…….

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    • Andreas Fendt sagt

      von Kuhhörnern aufgespiesste Wanderer hast Du aber auf Deinen Ackerflächen im Flachland noch nicht gefunden 🙂 Klar, wer wandert schon gerne wo es nach Gülle stinkt und man von Pestiziden in der Luft Schädelbrummen bekommt.

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      • Alois Wohlfahrt sagt

        Hallo Andreas, Dein Kommtar jetzt mit den Kuhhörner auf’m Acker ist nur noch polemisch und völlig unnötig. Du hast oft so tolle Argumente und mit sowas machst Du Deine Komptenz wiedeer kaputt. Wollte ich nur mal sagen. Schönen Sonntag. 🙂 Alois

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        • Andreas Fendt sagt

          bei allem Spass, den heute wohl nur bauerhans versteht und Alois nicht: es ist ja bekannt, dass ich mich für den Erhalt behornter Rinder einsetze, die aufgrund der dominanten Vererbung genetisch hornloser Rassen ernsthaft bedroht sind.

          Gerade tragische Unfälle, wo angeblich Wanderer durch Kuhhörner getötet wurden, nehmen Befürworter von hornlos bzw. Kälberverstümmelung als Argument für deren Forderung, was mehr als schäbig ist.

          Die Gefahr auf der Alpe vom Blitz erschlagen zu werden ist um ein Vielfaches grösser, als von einem Rind umgerannt zu werden und das bei weitem gefährlichste an einem Urlaub in den Bergen ist mit Sicherheit die Anreise mit dem Auto.

          Dass sich Hundebesitzer bisweilen überall daneben benehmen, wie es bauerhans schildert ist unbestritten, dennoch sehe ich die Gefahr auf einer Alpe wo Mensch, Hund und Rinder in einem eingezäunten Areal gemeinsam sind, halte ich für grösser und realistisch. Und nur das wollte ich mit meinem Kommentar zum Ausdruck bringen.

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      • bauerhans sagt

        „von Kuhhörnern “

        hatte ja ner junglandwirtin ne wiese für ihre pferde verpachtet und ihr jemanden vermittelt,der nen acker zur verfügung gestellt hatte.
        da hatte ich das erste mal von vergrabenen kuhhörner gehört,allerdings kriegte diese junge dame ihren hintern nicht hoch,sodass das projekt einschlief.

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  5. Andreas Fendt sagt

    Was Maria vergessen hat zu erklären: Der Konflikt zwischen Wanderern und Kühen, die ihre Familie beschützen ist relativ neu und eine Folge des Strukturwandels.

    oder anders: sinnlose Mutterkuhhaltung zu betreiben, bei denen die Kälber bei ihren Kuhmüttern bleiben und alle Milch der Euter leertrinken, hätte sich die ärmeren, weil von je klimatisch benachteiligten, Alpenregionen früher nie erlauben können.

    Heute gibt es die Milch von Talbetrieben auch aus weiter Ferne, von 1000er Ställen in Mecklenburg aus Kühen, die nie ein Stück Gras unter ihren Klauen erleben, auch bei Lidl und Aldi im Allgäu, in der Schweiz und bei den Ösis.

    Früher gab es eine strikte Trennung: die besseren Alpen waren Sennalpen, weil dort der Senn die Kühe, die ohne Kälber da oben waren gemolken hat und aus der Milch wurde dann Käse gemacht. Die mageren oder höheren oder weiter entfernten Alpen waren fürs Jungvieh, die da ohne ihre Mütter nur wachsen sollten. So eine Alpe betreibt Alois heute noch, bei ihm wird keine wildgewordene Kuhmutter ihr Kind gegen den blöden freilaufenden kläffenden Köter idiotischer Wanderer verteidigen, die meinen eine Alpe sei ein idealer Freiluftspielplatz für ihre Stadt Wauwaus.

    mit den Tieren z´Alp musste man, da die guten Flächen im Tal knapp waren und wenn die Kühe das Gras der Talwiesen im Sommer gefressen hätten, wären sie im Winter verhungert. Während sie sommers in den Bergen waren, konnte man im Tal heuen. Heute ist durch mineralischen Dünger und Güllewirtschaft der Grünlandertrag ein Vielfaches. Man siliert, d.h. es wird das Gras nicht mehr am Boden zu Heu getrocknet und daher kann man schon Anfang Mai ganz kurzes Gras mähen, die Folge: die Kräuter können nicht mehr blühen und sich vermehren, die Wiesen werden immer artenärmer, in der Folge sterben Schmetterlinge, Wildbienen und dann wieder die Feldvögel, die von den Insekten leben. Und die Kühe werden von dem Eiweissreichen Futter krank und sind mit 5 Jahren kaputtgemacht. Um eine, wie von Maria zitierete 18 jährige Kuh zu finden, muss man in „modernen“ Ställen lange suchen.

    Die andere Alternative, man globalisiert… Ich sehe sie im Sommer an der Schweizer Grenze, Lastwagen an Lastwagen, die bestes Heu aus dem Schwarzwald in die Schweiz fahren. Warum? Bei unseren Milchpreisen lohnt sich das melken nicht mehr, Milchbauern geben auf und suchen sich (meist in der Schweiz als Grenzgänger) einen guten Job. Die Flächen werden viehlos bewirtschaftet, das Heu zu hohen Preisen in die Schweiz verkauft, da der Schweizer Milchbauer von seinen paar Kühen noch gut (oder sagen wir mal besser) leben kann.

    Ist es nurn der romatische Hang zur hier oft bescholtenen Museumslandwirtschaft, wenn ich fordere, dass man Sennalpen erhalten muss? Aus Gründen der Kulturlandschaften des Alpenraums und zur Wahrung einer wunderschönen Tradition mit regionalen gesunden Produkten?

    Eine Sennalpe passt nicht in die Welt des gloabisierten Milchmarktes mit grossen Übermengen an Milch und ökonomisch könnte man darauf verzichten. Aber jeder, der schon mal auf eine Alpe gewandert ist und dort vor der Hütte ein Stück Bergkäse gevespert hat, würde wohl sagen: wenn es etwas gibt, wo hohe Subventionen sinnvoll sind, dann für diese Alpen.

    Ich bin Mitglied im Verein zur Erhaltung der Allgäuer Kulturlandschaft, war viele Jahre dort auch Vorstand und meine eigene Stiftung hat sich finanziell an einer Demeter Alpe betreiligt, damit sie erhalten werden kann mit einem wunderbar krisensicheren Ertragsmodell: „Käse statt Zinsen“. Wenn ich Willi und Alois mal persönlich treffe, dann am besten dort oben auf der Alpe Sonnhalde und ich weiss: danach werden wir uns besser verstehen.

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    • Andreas Fendt sagt

      Hunde an die Leine, sobald man Kuhglocken in der Ferne hört, jedes Tor, Gatter das man aufmacht, gewissenhaft wieder zu machen und auf den Wegen bleiben!

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      • Alois Wohlfahrt sagt

        Zu den Hunden an der Leine gibt es eine Einschränkung: Wenn Mutterkühe den Hund als Feind ihres Kalbes erkennen, ist es besser den Hund rennen zu lassen. Wenn Herrchen oder Frauchen versucht den Hund vor einer „hochmotiviert verteidigenden Mutterkuh“ zu beschützen, dann kann das übel enden. So kommen nämlich die meisten tödlichen Unfälle mit Wanderern zustande. Grundsätzlich gilt es Abstand zu halten. Wie Maria sagte: So eine Alpweide ist kein Streichelzoo.

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        • Andreas Fendt sagt

          noch präziser: wenn die Mutterkuh Anzeichen macht den Hund anzugreifen, dann die Leine loslassen oder losmachen, erst dann! Der Hund rennt dann weg, die Kuh hinterher, wird ihn aber nicht einholen…

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