Bauer Willi
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„Alle Agrarsubventionen und Sonderregelungen abschaffen“..

Ich habe mich hier im Blog schon häufiger mit dem Thema „Agrar-Subventionen“ auseinandergesetzt. Mein erster Artikel dazu ist 2015 erschienen und er hat (fast) nichts an Aktualität verloren. Der Hinweis dazu am Ende dieses Artikels.

Die obige Meldung zur Abschaffung aller Agrar-Subventionen war in der FAZ, im Spiegel und natürlich auch in top agrar zu lesen. Ich habe mir die Meldung der FAZ einmal vorgenommen und kommentiert, was die Ökonomen, die diese Vorschläge machen, vorhaben. (Blau: Zitate aus der FAZ)

  • Die Ökonomen des marktliberalen Kronberger Kreises plädieren für einen grundlegenden Kurswechsel in der Agrarpolitik: Die Subventionen für die Landwirtschaft sollten „allesamt“ abgeschafft werden, beginnend mit den Förderprogrammen von Bund und Ländern. Auf europäischer Ebene biete die Neuordnung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab dem Jahr 2028 die Gelegenheit, die Zahlungen der EU auslaufen zu lassen. 
Es ist mir nicht ganz klar, ob die Ökonomen nur für die Bundesrepublik reden oder für die gesamte EU. Im weiteren Verlauf muss man annehmen, dass sie nur Deutschland meinen. Die Agrarsubventionen nur in Deutschland zu streichen würde aber dem Grundgedanken der EU widersprechen und wäre nicht umsetzbar.
  • Auch alle kartellrechtlichen Sonderregelungen für die Landwirtschaft sollten abgeschafft werden, fordern die Ökonomen des Kronberger Kreises. Die Ausnahmen führten nur zu erhöhtem Kontrollaufwand und mehr Bürokratie. Aus Sicht des Kronberger Kreises hätte es eine „befreiende Wirkung“ für die Landwirtschaft, wenn die Bauern „nicht länger als Transferempfänger vom Geld der Steuerzahler leben“.

Mir ist nicht klar, was mit kartellrechtlichen Sonderregelungen gemeint ist. Weniger Kontrollen und weniger Bürokratie wären aus meiner Sicht allerdings wünschenswert. Aber auf „weniger Bürokratie“ warten wir ja alle schon lange.

Und ja, ich persönlich würde gerne vom Verkauf meiner Produkte leben und nicht von Steuergeldern. Das würde aber bedeuten, dass ich für meine Produkte mehr erlöse und Lebensmittel so für den Steuerzahler teurer werden. Subventionen sorgen nämlich für billige Lebensmittel. Das Geld ist also so oder so weg. Wie sich teure Lebensmittel auf die Stimmung im Land auswirkt können wir uns gerade in Frankreich ansehen. 

  • Wie groß der Reformbedarf sei, sehe man daran, dass sich die Agrarsubventionen auf mehr als zehn Milliarden Euro jährlich summierten.

Absolute Zahlen sollen beeindrucken, bedeuten aber erst einmal nichts. Das ist lediglich Stimmungsmache. Der Betrag gilt für Deutschland. Wieder ein Beleg, dass die Professoren nur für die Bundesrepublik reden.

  • Direktzahlungen und Zuschüsse hätten in den vergangenen fünf Wirtschaftsjahren durchschnittlich 42 Prozent des landwirtschaftlichen Einkommens entsprochen.

Dass das so ist, bedeutet doch, dass die Gewinnsituation in der Landwirtschaft extrem gering ist, denn sonst hätten die Subventionen nicht einen so hohen Anteil am Einkommen. Übrigens werden die Zahlungen ja auch versteuert und somit kommt ein Teil wieder zurück in die Staatskasse.

  • Die Landwirtschaft trage jedoch weniger als ein Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung Deutschlands bei, heißt es in der Studie. 

Diesen Satz empfinde ich als zynisch. Wir produzieren preiswerte Lebensmittel, müssen – im Gegensatz zu Lebensmitteleinzelhandel – auf hohe Gewinne verzichten und bekommen dann genau das als „geringe gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung“ aufs  Brot geschmiert. Danke für den Tritt in den Allerwertesten.

  • Erschwerend komme hinzu, dass die „subventionsverwöhnte Interessenvertretung der Landwirte“ eines der größten Hemmnisse für Freihandelsabkommen sei – zum Schaden für die europäische Industrie und die Verbraucher. Deren Interessen würden geopfert, um die wirtschaftlich wenig konkurrenzfähige und ökonomisch unbedeutende Landwirtschaft zu protegieren, beklagen die Ökonomen. 

Wenn die Landwirtschaft (deutsche oder europäische?) wenig konkurrenzfähig und ökonomisch unbedeutend ist, dann ist die logische Konsequenz, dass wir die Landwirtschaft abwickeln sollten. So wie die Textilindustrie, die Stahlindustrie, die Solarindustrie und andere Branchen auch abgewickelt wurden. Die waren ja auch nicht konkurrenzfähig.

  • Für die Ernährungssicherung brauche es die Subventionen nicht. Notfallreserven für Katastrophenfälle ließen sich ohne subventionierte Produktion und im Grunde sogar vollkommen ohne heimische Produktion anlegen, schreiben die Wissenschaftler.

Prima. Dann beenden wir doch die deutsche Landwirtschaft und holen uns die Lebensmittel aus dem Ausland. Und wir Landwirte gehen dann zur Agentur für Arbeit und holen uns dort die Grundsicherung ab. Das wird bestimmt billiger (Ironie off)

  • Auch den Schutz von Umwelt, Natur und Kulturlandschaft lassen die Ökonomen nicht gelten. Vielmehr sei es so, dass die Landwirtschaft in gewissem Maße Natur und Klima belaste, etwa durch den Ausstoß von Treibhausgasen in der Viehhaltung. 

Tja, die Viehhaltung stößt Treibhausgase aus. Und zwar genau so viel, wie durch das Futter – also die Pflanzen – in die Viecher hineingekommen ist. Es ist ein Kreislauf. Das sollte ein Ökonom, der sich über Landwirtschaft äußert (fast hätte ich „schwadroniert“ geschrieben) eigentlich wissen.

Sie wollen wissen, ob die Ideen der Ökonomen Aussicht auf Realisierung haben? Ich denke schon, denn die derzeitige Bundesregierung will ja den EU-Haushalt drastisch kürzen und wird dabei auch vor der Landwirtschaft nicht Halt machen. Das ist jedenfalls meine persönliche Meinung.

Hier die Link auf meinen Artikel vom August 2015:

https://www.bauerwilli.com/subventionen-abschaffen/

Er ist damals hier im Blog über 20.000mal aufgerufen worden.

(Aufrufe 130 gesamt, 130 heute)

2 Kommentare

  1. Georg Model sagt

    Würde man alle Subventionen Abschaffen gäbe es zwar viele arbeitslose Sachbearbeiter, Beamte, Kontrolleure, Berater welche zum Selbsterhalt immer mehr neue Vorschschriften erfinden . Gerne würde ich auf den ganzen diskriminierenden, zeitfressenden und
    überflüssigen nichts erwirtschaftenden Verwaltungsapparat verzichten.

    Leider ist es schon immer so das an der Landwirtschaft mehr verdient wird als in der Landwirtschaft !

    Der Handel bzw. die big 4 vom LEH werden da mit ihrem Monopol nicht mitspielen.
    Diese profitieren am meisten in der Kette , nach dem gierigem Staat und der Masse an nicht wertschätzenden Verbrauchern.

    Zur unserer eigenen Preisgestaltung auf Basis kostendeckender Gewinne reicht eine alleinige Abschaffung der Subventionen nicht, es braucht dazu auch eine Zerschlagung der Monopole des LEH sowie die Bereitschaft der Verbraucher etwas höhere Preise für Lebenzmittel zu akzeptieren.
    Der Staat wird wohl nicht die dabei eingesparten Personalkosten in anderen Bereiche welche für uns förderlich sein könnten abtreten wollen.
    Es darf auch nicht mit dem eingesparten Geld der Verbraucher mit billigen Lebensmitteln subventioniert werden.
    Das eingesparte Geld mußte so gerecht investiert werden, das möglicht das ganze deutsche Volk davon profitiert und nicht nur einzelne Bereiche oder ausländische Großkonzerne.
    Für die freiwerdenden Arbeitskräfte hätte ich folgen schon einmal geäußerte Idee,
    diese nach Osteuropa zu schicken zu Korruptions- und Subventionsbetrugbekämpfung.
    Schließlich ist es ja auch deutsches Geld welches dort widerrechtlich abgegriffen wird.
    Um den Arbeitsortwechsel zu bewerben schlage ich folgenden Slogan vor:

    Kommt nach Osteuropa , Euer Geld ist schon da ! und
    holt euch das deutsche Geld zurück, der Finanzminister Euch mit Prämien beglückt !

    Und wer kein Ermittler und Inkasso werden will, darf einfach eine Waffe in der Hand halten und entweder dem Staat förderlich Dienen oder ansonsten nur als Zielscheibe
    bzw. Kanonenfutter wie wir für den Handelskrieg innerhalb des LEH eben auch.
    Für die Politik sind wir schon lange kein Spielball mehr, eben nur noch für die Profite der big 4 !
    Darum wird die aktuelle Politik inklusive Kirchen auch niemals etwas zu unseren Gunsten ändern,
    das müssten wir schon selber tun, und wird wohl nur mit zivilen Ungehorsam möglich sein ! ,weil sie an uns verdienen und keiner darauf verzichten will !

  2. Wofür braucht der Früher Frankfurt landw. Subventionen?

    Wofür braucht Nestlé landw. Subventionen?

    Da sollte man streichen, aber nicht in der Landwirtschaft, die auch unsere Umwelt in Ordnung hält.
    Und ein wichtiger Faktor in unserer Volkswirtschaft ist.

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