Bauer Willi
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Subventionen – abschaffen !?

Ein – zugegebermaßen – nicht ganz einfaches Thema. Aber ein hochbrisantes, weil es auch zu den typischen Schlagworten gehört, mit denen Landwirte immer wieder konfrontiert werden. Was sind Subventionen, warum bekommen wir Landwirte die überhaupt und wäre es nicht besser, sie abzuschaffen? (Wer sich nur für die Abschaffung interessiert, kann gleich zum letzten Kapitel springen, doch der Text davor ist auch nicht uninteressant)

Von der Preisstützung zur Flächenförderung

Seit 1992 hat die EU, angefangen mit dem Getreide und den Ölsaaten, bis hin zu Rindfleisch (und ab 2017 auch bei Zucker), nahezu alle Preissteuerungsmaßnahmen zurückgefahren. 1999 entkoppelte die EU die Agrarförderung von der Produktionsmenge und band sie an die landwirtschaftliche Fläche. Die Überproduktion endete, die erwartete Marktbereinigung blieb jedoch aus. Es gibt immer noch viele kleine Höfe, die aufgrund ihrer Produktionsmenge auf dem freien Markt keine Chance hätten. Die zahlenmäßig meisten Höfe in Deutschland sind nach wie vor Kleinbetriebe mit weniger als 15 Hektar Fläche – um effizient zu produzieren, müssten sie mit 0,45 Beschäftigten auskommen. Deshalb werden viele Betriebe auch im Nebenerwerb bewirtschaftet. Der Bauer klebt halt an der Scholle, so lange es noch irgendwie geht. Und es sind gerade die Kleinbauernhöfe, die die europäische Kulturlandschaft bewahren. Kuhweiden im Alpenvorland, Schafherden in der Lüneburger Heide, kleinbäuerliche Strukturen in den Balkanstaaten – mit dem Ende der Subventionen und einer vollständigen Ausrichtung auf den freien Markt würden dies Landschaften wahrscheinlich schnell anders aussehen. Beim Erhalt der Kulturlandschaft sind wir Landwirte sogar mit den Umweltaktivisten einig. Wir Bauern kämpfen ums Überleben, die anderen um Biotope. Und da kann man sich irgendwie arrangieren.

Betriebsprämie

europe-636985_640Die 2005 eingeführte EU-Betriebsprämie ist nicht mehr an die Produktion gebunden, sondern an die ordentliche Bewirtschaftung der Flächen und an die Einhaltung der hohen europäischen Standards im Tier-, Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz. Die Landwirte werden nach EU-weiten Vorgaben auf die Einhaltung der Standards geprüft (Cross Compliance). Bei Verstößen erfolgen Kürzungen der EU-Direktzahlungen.

Zweite Säule

Ebenfalls 2005 haben sich Europas Staaten darauf geeinigt, neben den Direktzahlungen pro Fläche an die Landwirte auch Geld aus einem Topf für „ländliche Entwicklung“ auszuschütten, die sogenannte Zweite Säule. Das vorrangige Ziel ist hierbei die Sicherung der Zukunft des ländlichen Raums, der insbesondere darauf beruht, dass die Landwirte über die bloße Lebensmittelerzeugung hinaus eine Vielzahl von Gemeinwohldienstleistungen erbringen. Die gezahlten Gelder sollen die Kultur und die Umwelt des ländlichen Raums bewahren. Hierzu zählen eine separate Förderung des Bio-Landbau, Hilfestellung bei der Umstrukturierung von Kleinbetrieben und kostengünstige Darlehen für Junglandwirte. Auch Maßnahmen zur Erforschung und dem Wissenstransfer von klimaschonenden und emissionsarmen Produktionsverfahren sollen gefördert werden.

Welche Direktzahlungen gibt es?  

Basisprämie – um die Kostennachteile gegenüber der Konkurrenz in Billigländern auszugleichen. All unsere schönen Bestimmungen zum Umwelt- und Tierschutz verteuern die Produktion in Deutschland. Das soll ausgeglichen werden, um Wettbewerbsfähigkeit überhaupt zu ermöglichen.

Greening-Prämie – für Anbaudiversifizierung, ökologische Vorrangflächen, Brache und noch einiges mehr. Biobetriebe bekommen die Greening-Prämie automatisch, ohne Nachweis und einen Ökoaufschlag noch dazu.

Umverteilungsprämie – als verstärkte Förderung für kleinere, flächenarme Betriebe. Das ist ein Zuschlag für die ersten Hektare (50 € für die ersten 30 ha und 30 € für die nächsten 16 ha). So bekommen kleinere Betriebe auf den Hektar gerechnet mehr als größere. Und schließlich noch die

Junglandwirteprämie, die für Hofnachfolger gezahlt wird. Aber das ist glatte Bestechung.

euro-871019_640Diese ganzen Ausgleichszahlungen machen meist zwischen 10% und 40% des Betriebseinkommens aus. Gerade bei kleineren Betrieben ist der Anteil höher als bei den Großen, und je extensiver ein Betrieb wirtschaftet, umso größer ist der Anteil der Zahlungen am Betriebseinkommen. Bei etlichen Biobetrieben überschreiten die Zahlungen sogar den Betriebsgewinn. Ohne Förderung würden sie einfach Miese machen. Und das ist auch ein Grund, warum ich bisher nicht auf Bio umgestellt habe: ich würde finanziell noch abhängiger von staatlichen Transferleistungen. Und das will ich aus vielerlei Gründen nicht.

Auf die Direktzahlungen zu verzichten ist heute für mich schwierig. Man hat uns ja mit diesen Zahlungen gefügig gemacht, quasi angefüttert und das über Jahrzehnte. In meinem relativ kleinen Betrieb von 40 ha machen diese Zahlungen rund 30% meines landwirtschaftlichen Einkommens aus. Vor Steuern. Denn es wird ja gerne vergessen, dass diese Einkommen aus Transferzahlungen ja auch versteuert werden müssen. Von daher sind die im Internet veröffentlichten Zahlungen ja brutto und, je nach Steuersatz, gehen die fast vollständig wieder in die Staatskasse zurück.

Subventionen abschaffen

Das ist ein Vorschlag, der immer wieder gerne genannt wird. Ich bin sofort dafür, wenn alle Subventionen abgeschafft würden. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Alle Subventionen abschaffen bedeutet in Deutschland, dass 1 Mrd. € für den Steinkohlebergbau, 1 Mrd. € Förderungen zur energetischen Gebäudesanierung, staatliche Förderungen von erneuerbaren Energien wie Photovoltaik, Solarthermie und Windkraft wegfallen würden. Die nehmen Sie als Bürger ja auch gerne mit, oder etwa nicht? Sämtliche Förderungen des Bio-Landbau und die Umstellungsprämien würden ersatzlos gestrichen. Und staatliche Filmförderung, Unterstützung von kulturellen Stätten wie Theater und Museen etc. gäbe es auch nicht mehr. Brauchen wir ja auch alles nicht. Die Schweiz müsste ihre Förderung zum Erhalt der Almen natürlich auch streichen. Und die Liste kann man noch fortsetzen:  Ethanol in Brasilien, Baumwolle in den USA oder staatliche Stützungen in Indien oder China, alles weg. Wenn, dann gleiche Bedingungen für alle.

tax-468440_640Was würde passieren, wenn alle Zahlungen morgen eingestellt würden? Ich habe mal versucht, mir dies vorzustellen. Bisher sind die staatlichen Transferzahlungen mit einer Unmenge an Regelungen verbunden, die ich einzuhalten habe. Diese Regelungen hätten ja mit dem Wegfall der Zahlungen ihre Berechtigung verloren und würden ebenso abgeschafft. So mein Plan, denn bisher gilt ja der Grundsatz: Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird.

Dies hätte für mich den Vorteil, dass ich eine Unmenge an Formularen und Anträgen morgen nicht mehr auszufüllen bräuchte. Also Bürokratieabbau pur, wunderbar! Tausende von Beamten wären sofort ohne Arbeit. Sämtliche staatlichen Eingriffe in meine Produktionsweise fielen fort. Jedenfalls wäre das logisch. Ich könnte wieder das machen, was mir in den Kram passt, ohne auf irgendwelche Einschränkungen Rücksicht nehmen zu müssen. Keine gesetzliche verordnete Brache, keine Blühstreifen oder sonstige ökologische Vorrangflächen, keine Agrarumweltmaßnahmen, kein Greening, kein Cross-Compliance, alles weg! Landwirtschaft nur für den Markt.

Der Weltmarkt und die Konsequenzen

Doch dieser Markt ist jetzt der Weltmarkt, ohne Wenn und Aber. Global herrschen ganz andere Bedingungen als bei uns: geringeres Lohnniveau, die Land- und Pachtpreise sind niedriger, Beiträge zur Sozial- und Rentenversicherung existieren nur selten.  forest-fire-396186_640Und was die Umwelt angeht, sehen das viele Staaten wesentlich „lockerer“ als bei uns. Erzählen Sie einem Brasilianer, Inder oder Chinesen mal was vom Greening oder Cross-Compliance! Das sind zwar englische Begriffe, aber verstehen werden die das trotzdem nicht. Doch die sind dann unsere Wettbewerber! Und zu glauben, dass ich den Wegfall der Subventionen über einen höheren Produktpreis wieder ausgleichen könnte, ist mehr als blauäugig. Das interessiert an den internationalen Börsen in Paris, Chicago oder Kuala Lumpur sprichwörtlich keine Sau!

Die Streichung der Subventionen würde folglich das Gegenteil von dem bewirken, was politisch und gesellschaftlich gewollt ist. Die vielen kleinen Betriebe geben auf, die größeren werden noch größer. Größere Betriebe bedeuten noch größere Flächenstrukturen, noch intensivere Tierhaltung, weniger Biotope und weniger Vielfalt. Und die Bio-Betriebe wären auch mit einem Schlag tot. Ob das die Gesellschaft will? Was wollen Sie?

Ich weiß es: Sie wollen Bio zum Schnäppchenpreis. Vom bäuerlichen Familienbetrieb. Und das geht nicht!

Ich wollte Ihnen das nur mal zum Nachdenken geben, aus meiner persönlichen Sicht. Und wenn Sie jetzt der Meinung sind, dass ich meinen Laden doch zumachen soll, können Sie mir das auch schreiben. Das halte ich aus.

Euer Bauer Willi

 

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129 Kommentare

  1. Maximilian sagt

    Naja, mit der Umwelt sehe ich das anders. Ich hatte in Frankreich gerade mal einen alpinen Naturpark gesehen. Sowas hatte ich in Deutschland und der Schweiz noch nie erlebt. Dagegen ist die Almwirtschaft eine Monokultur (das ist sie ja!). Wenn jetzt unrentable Bauern aufgeben müssen, dann geschieht das insbesondere auf den schwierig zu bewirtschaftenden Flächen, die dann Brach liegen würden und nach einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder in ihren natürlichen Urzustand zurück kehren würden.

    Wieso sollen wir es subventionieren dass Kühe (ursprünglich mal Steppentiere) unsere Berge kahl fressen and dafür noch ein riesiger Aufwand betrieben wird? Das ist weder ökologisch sinnvoll noch gewährleistet es unsere Milchversorgung. Sinn würde es doch machen, durch Subventionen oder Vorschriften bessere Haltungsbedingungen für Vieh durchzusetzen. Oder man kann dass teure Lohnniveau von Erntehelfern subventionieren um Wertschöpfung hochwertiger Lebensmittel im Land zu halten. Oder man kann eine strategische Versorgungssicherheit bei Grundnahrungsmitteln sichern.

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  2. FarmersMädel sagt

    Moin 🙂

    Ich schreibe zurzeit meine Facharbeit zum Thema EU-Agrarsubventionen – Ein Verstoß gegen den freien Wettbewerb?

    Wie sehen Sie das? Ihre Meinung würde mich sehr Interessieren!

    Gruß
    Theresa

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  3. Landwirtlehrling Victor sagt

    Zunächst möchte ich sagen, dass ich den Ansatz die Subventionen der ersten Säule auf die Zweite zu verlagern interessant fand, auch wenn ich die genauen Verhältnisse noch nicht ganz verstehe.

    Davon abgesehen würde mich allerdings interessieren, ob es denn nicht möglich wäre, gerade für Kleinbetriebe, sich vom Weltmarkt langsam abzukoppeln, indem man (in Schritten) versucht, sich selbst wieder als Versorger des direkten Umfelds zu etablieren unter Berücksichtigung des lokalen Bedarfs? Ich meine, als Lehrling ohne eigenen Hof, fällt mir doch stark auf, dass die Produktpalette der Landwirte in meinem Umkreis relativ klein ist und daher, um genügend Umsatz machen zu können, große Mengen eines Produktes oder wenige verschiedene Produkte auf dem Markt abgegeben werden müssen, da sonst kein alternativer Markt besteht.
    Nun wissen wir alle, wie die Preise auf dem Markt entstehen und so weiter, allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass es ein Interesse gibt, direkt an Lebensmittel des täglichen Bedarfs zu kommen, welche regional, nachvollziehbar und nach bestimmten Bedingungen produziert werden, für die es Verbraucher gibt, die für genau solche Produkte bereit sind, mehr Geld zu bezahlen.
    Zum Teil sind die „Bedingungen“, welche sich der Verbraucher vorstellt, zwar nicht immer durchführbar oder sinnvoll, diese Problematik könnte aber sicherlich leicht durch Transparenz und den Dialog geklärt werden, gerade auch dann, wenn der Verbraucher die Möglichkeit hat, direkt mit dem Produzenten in Kontakt zu treten (was ja durch die großen Handelsketten praktisch nicht wirklich durchführbar ist).
    Könnte nicht auch eine Diversifizierung der Produktpalette, z.B. durch die Kombination von Landwirtschaft und Gartenbau, nicht nur den Absatzmark erhöhen, sondern auch letztlich das Einkommen stabilisieren, da Schwankungen auf dem Markt, sich geringer auf den Umsatz auswirken würden?

    Nun ja, vielleicht mögen meine Gedanken etwas naiv sein, doch durchdenken möchte ich das schon gerne, gerade jetzt, wo ich mir während der Ausbildung diese Naivität noch leisten kann.

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Victor,
      schau Dich mal auf unsere Seite http://www.regioday.com um. Da gibt es sehr viele Betriebe, die sich auf den Weg machen, näher an den Verbraucher zu rücken. Und es gibt viele Verbraucher, die es zu schätzen wissen, wenn Sie erfahren können, wie die Produkte hergestellt werden und wer der Mensch dahinter ist. Deine Gedanken sind absolut nicht naiv, es gehört lediglich etwas Mut zum unternehmerischen Risiko dazu. Und da scheint es bei einigen dran zu hapern…
      Bauer Willi

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        @ Bauer Willi

        War am Sonntag auf einer Betriebsbesichtigung in Baden-Baden, der Betrieb hatte vor 20 Jahren 600 Mastschweine und kaum eigene Flächen.

        Der Betrieb pachtete Flächen und wurde zu einem Spargel und Obstbaubetrieb mit bis zu 200 Beschäftigten umgestellt, die Erzeugnisse werden zum größten Teil im Hofladen und 10 mobilen Marktständen verkauft. Dazu kommt ein Hofcafé und eine Gaststätte mit voller Konzession. Die Zahl der Besucher der Gaststätte, gaben dem Rezept des Betriebsinhabers Recht.

        Mal davon abgesehen, dass nicht jeder Betrieb das machen kann, frage ich mich, ob der Stress der Familie, der wahre Sinn des Lebens ist.

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        • Bauer Willi sagt

          Von diesen Beispielen gibt es reichlich. Jeder muss für sich entscheiden, ob er Unternehmer sein möchte. Das gilt auch für die Arbeitsbelastung, die aber nicht immer negativer Stress sein muss. Wir bringen in den nächsten Tagen ein Video von einem Charolais-Züchter, der mit seinem Sohn eine erfolgreiche Vermarktung aufgezogen hat. Es müssen nicht immer 200 Mitarbeiter sein. Aber nur mit einer reinen Abliefer-Mentalität ist die Zukunft nicht zu meistern.
          Bauer Willi

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      • Landwirtlehrling Victor sagt

        Danke für die Antwort und den Link, Willi. Ich werde es mir mal ansehen und auch deine Seite weiter durchstöbern. Beste Grüße, Victor

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    • Der Brandenburgbauer sagt

      Moin, eine sehr interresante Beschreibung Deiner Gefühlswelt. Naiv, sind Deine Gedanken aus meiner Sicht überhaupt nicht. Du bist auf dem richtigem Weg.
      Du,darfs nur nicht ,in die Hände „Falscher Freunde“ kommen!
      Das ist meine größte Sorge. An sonsden , Daumen hoch , ich wünsche Dir viel Glück.

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  4. Fred Aven sagt

    Lieber Willi, lieber Alois,

    liebe Berufskolleginnen und Kollegen,

    Ich habe zu diesem Thema eine unpopuläre und sicher diskutierbare Meinung:

    Die Zahlungen der ersten Säule müssen weg! Sie schaden uns und unserem Beruf mehr als fast alles andere, was zurzeit passiert. Die Gelder müssen in die zweite Säule umgeschichtet werden. Öffentliche Gelder im Austausch für konkrete öffentliche Leistungen, das ist die Zukunft für Agrarsubventionen, wenn diese noch eine Zukunft haben sollen.

    Wie lange wollen wir uns noch erpressbar machen, wie lange wollen wir uns noch als „selbstständige Unternehmer“ blamieren? Zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis gehören einige Selbstständige, und die lachen sich halb tot über die Direktzahlungen. Sie müssten sich auch am Rest der Welt messen lassen, und sie bekämen keine Prämie dafür, dass sie sich an die in Deutschland geltenden Regeln und Gesetze halten. Wenn die Gewerbeaufsicht bei Ihnen Verstöße feststellt, dann gibt es keine Prämienkürzung, sondern ein Bußgeld. Und die Gewerbeaufsicht kommt öfter rum als bei unsereins der CC-Kontrolleur.

    Wir sind auf dem Weltmarkt benachteiligt, ohne Frage. Aber wir sind im Welt-Vergleich auch unglaublich privilegiert! Nirgendwo findet man ein so unglaublich gutes Rundumpaket aus sozialer Sicherung, Krankenversicherung, Schulen, etc. wie in Deutschland. Von Rechtssicherheit und allgemeiner Sicherheit ganz zu schweigen. Dazu eine Anekdote: Ein Mitstudent von der Agrar-Uni konnte es damals kaum erwarten, endlich dem überregulierten Deutschland den Rücken zu kehren. Als Zweitgeborener wollte er sich sein Erbteil auszahlen lassen und dann in der Ukraine neu anfangen. In der Ost-Ukraine. Kaum einen Monat dort, kamen zwei schwarze Geländewagen auf seine Hofstelle. Die Insassen stellten sich als „der Landhandel“ vor, sie würden ihm einen guten Preis für seine Ernte machen. Als er antwortete, er suche sich seine Handelspartner schon noch selber aus, lachten die Fahrer. Sie erwiderten, sie seien nicht nur der Landhandel, sondern auch die Feuerversicherung, und fuhren wieder vom Hof. Glücklicherweise war das alles 2008, der Kollege ist mittlerweile wohlbehalten wieder hier. Denn mittlerweile ist sein ehemaliger Hof dort Bürgerkriegsgebiet.

    Ja, die rechtliche Sicherheit in Deutschland hat gerade mächtig Schlagseite – dank NGOs und Tierrechtlern. Aber im Vergleich zu den Problemen in 95% der Restwelt ist das immer noch Luxus! Es gibt nur ein paar Inseln der Glückseligkeit, wo es vielleicht besser sein könnte als hier – das vollkommen subventionsfreie Neuseeland zum Beispiel.

    In der Summe müssen wir unendlich dankbar sein, in Deutschland leben und arbeiten zu dürfen. Noch viel dankbarer müssen wir sein, dass wir diese Prämie für Selbstverständlichkeiten erhalten. Wenn wir aber als selbstbewusste, selbstbestimmte Unternehmer auftreten wollen, dann müssen wir uns für die Abschaffung der ersten Säule einsetzen. Wir haben hier in Deutschland unendlich viele Vorteile gegenüber unseren Konkurrenten in den „Billigländern“. Zum Beispiel, dass wir abends ohne Hunger oder Angst um Leib und Leben ins Bett gehen können. Wir machen uns nur lächerlich, wenn wir noch auf einer „Ausgleichszahlung“ bestehen, weil die Bauern in den Schwellenländern (!) ja so viel bessere Bedingungen hätten.

    Gruß

    Fred

    (Solange es die Prämie aber noch gibt, fülle ich brav weiter meinen Antrag aus, mache mein Greening und leite die Prämie brav an meine Verpächter weiter. Ich bin ja kein Idiot.)

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Fred
      da ich selbst mehrfach in der Ukraine und Russland war, kann ich deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Ich glaube sogar, dass Deine Idee, Umschichtung in die zweite Säule, von vielen Berufskollegen geteilt würde. Weil dann den Zahlungen sehr konkrete Leistungen gegenüberstehen würden. Wäre auch für den „Normal“bürger nachvollziehbarer. Ich habe einen Hektar Ackerland an unsere Gemeinde für ein Naherholungsgebiet verpachtet, in dem ich auch die Pflege (2x im Jahr mulchen) übernommen habe. Der Pachtpreis ist so, dass selbst Erdbeeren und Spargelanbau davon noch getoppt werden. Mehr will ich nicht verraten, um niemand neidisch zu machen. Und noch was: die Hunde scheißen jetzt nicht mehr auf meinen Rasen, sondern dort. Was ich sagen will: Geld gegen sichtbare Leistung. Die Gemeinde ist froh, die Spaziergänger auch und ich sowieso.
      Bauer Willi

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    • Bauer Christian sagt

      hallo Fred,
      deine Umschichtung von der ersten in die zweite Säule ist grundsätzlich zu beführworten. Aber so viel ich im Kopf habe, sind dort neben Umweltleistungen auch die Ländliche Entwicklung geregelt. Und ländliche Entwicklung bedeutet auch, dass da sehr viel in nicht Agrarsektor (regionale Industrie, Sozial, etc.) abfließen kann. Dies ist ja soweit kein Problem, so lange KLAR kommuniziert wird, dass es sich um kein Agrarbudget/subvention etc. handelt. Aber so wie es jetzt schon der Fall ist, nimmt es der Verbraucher als Agrargeld für die Bauern war, weil es irgendwo im Detail schon hervor geht, damit es sich eigentlich um Geld für den nicht Agrar Sektor handelt, obwohl unter dem Großtopf Agrar angesiedelt.
      Der Verwaltungsaufwand nimmt in der zweiten Säule sicher zu.

      @Willi:
      Ob die Gemeinde wirklich immer sofort bereit ist extra für „Naherholung“ bezahlt bezweifle ich bei der derzeitigen Finanzgebarung. In Tourismusgebieten ist es sicherlich vorstellbar.

      2+
  5. Eva-Maria sagt

    In einem Beitrag auf facebook habe ich gelesen, dass die armen afrikanischen Bauern dadurch zum Aufgeben gezwungen würden, weil ihre Bevölkerung mit den Agrarprodukten von unseren hoch subventionierten Bauern überschüttet wird.

    In einem anderen Beitrag habe ich gelesen, dass sich eine südamerikanische Bäuerin darüber beklagt, dass sie ihre Flächen für unseren billigen Zucker opfern müssen.

    Bei uns werden die Preise ebenso durch Importe gedrückt.

    Seien wir uns ehrlich, man karrt unsere Produkte ausschließlich deshalb auf dem Globus kreuz und quer, um weltweit die Lebensmittelpreise niedrigst zu halten. Künstlich werden die Bauern weltweit im harten Konkurrenzkampf gehalten.

    4+
    • Schweinebauer Piet sagt

      Was für ein Bericht war denn das auf Facebook? Die Produkte bei uns werden nicht subventioniert und ob dadurch etwas günstiger wird ist die große Frage. Die Subventionen geht es auf die Fläche. Auf schwächeren Standorten wird noch produziert, aber da die Prämie in der Pachtpreiskalkulation mit berücksichtigt wird, würde dort auch ohne Prämie produziert und es hat somit keine Auswirkungen auf das Angebot und damit den Preis.

      1+
  6. Ralph Schoeller sagt

    Trotz der über 6 Mrd. teuren Agrarsubventionen für Deutschlands Bauern pro Jahr findet seit einiger Zeit das größte Bauernsterben (flächenmäßig gesehen) in der Geschichte unseres Landes statt. Über die EU-Direktzahlungen (Gießkanne-Subventionen) führt Frau Merkel die großen Gutsbetriebe/ LPG‘s (wie früher in Preußen, bzw. der DDR) wieder ein und künftig gibt es wieder Junker, die arme Landarbeiter (Proletariat) beschäftigen.
    Ich würde den Bauern die Agrarsubventionen von Herzen vergönnen, wenn sie gerecht verteilt werden würden. Aber dass man damit die Gutsbetriebe mit riesigem Kapital (aus Steuergeldern) ausstattet, um die mittelgroßen und kleinen bäuerlichen Familienbetriebe aufzusaugen, das ist ein Skandal! ohnegleichen.

    3+
    • Heidi Bogendörfer sagt

      Ich persönnlich würde auch den großen Betrieben die Subventionen gönnen, wenn Sie dafür Personal beschäftigen als Voll- oder Teilzeitkräfte, nicht als geringfügig Beschäftigte.
      Für mich ist das immer noch gerechter als jetzt wo es nur um die Fläche geht.
      Wenn ich nämlich in einem Fachmagazin lese, das es in Dänemark einen Bauern gibt der es dank Automatisierung schafft alleine also mit 1 AK, einen Hof mit 300 Kühen zu bewirtschaften, dann frag ich mich schon ob das der Sinn der Sache ist.
      Wäre es da nicht vielleicht doch mal eine Überlegung wert, das wenn von einem Hof 5 Arbeitskräfte leben, auch das in die Subventionen einfließt. Vielleicht würde dann der eine oder andere nicht versuchen Tag und Nacht zu schuften, sondern die Last doch wieder auf mehrere Schultern verteilen.

      2+
      • Andreas Fendt sagt

        daher mein Vorschlag von Flächensubvention, welche die Produktsubvention ablöste, bald umzustellen auf Menschensubventionen, sprich: bedingungsloses Grundeinkommen für alle Landwirte, also auch für Angestellte, so dass die geringen Löhne welche in der LW bezahlt werden können noch „on top“ kommen.

        2+
        • Mr Tom sagt

          Am Ende kannst Du es drehen und wenden wie Du willst, es wird immer einen geben, der mehr profitiert und einen anderen, der das Nachsehen hat…
          Abschaffen den Unsinn, einfach abschaffen!

          2+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Andreas,

          deine Forderung nach einem bedingungsloses Grundeinkommen für alle Landwirte ist ein Hirngespinst, ohne die geringste Chance auf verwirklichung.

          Selbst wenn die Grünen die sogenannte „Agrarwende“ politisch durchsetzen könnten, die unbegrenzte Einfuhr von ausländischen konventionellen Lebensmittel würden für deine 20 Gaisen mit samt der Käserei das wirtschaftliche aus bedeuten.

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  7. Schweinebauer Piet sagt

    Moin, in der Schule habe ich auch nicht immer alles mitbekommen. Was haben denn die Subventionen mit günstigen Lebensmitteln zu tun? ?? Das habe ich hier mehrfach gelesen.

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  8. Walter Parthon sagt

    Von der Preisstützung zur Flächenförderung 1992 hat die EU einen Fehler gemacht.
    Es wurde damit erreicht, das Feldfrüchte um die Hälfte billiger wurden. Es entstanden große Mastanlagen die überwiegend dieses billigere zugekaufte Futter füttern. Das hat eigentlich nichts mehr mit Landwirtschaft zu tun und sollte eigentlich anders behandelt werden. Das Futter muss wieder teuer werden.
    Nach meiner Meinung sollte die Flächenförderung wieder abgeschafft, und die alte Preisstützung für Getreide und Raps mit einigen Änderungen wieder ein geführt werden. Was zu einem zu bestimmenden Preis nicht zu verkaufen ist geht zu Benzin oder Gas.

    In einem Punkt stimme ich dem Biobauer zu. Wer seine Äcker nachweislich überdüngt oder spritzt muss dafür gerade stehen

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    • bauerhans sagt

      „In einem Punkt stimme ich dem Biobauer zu. Wer seine Äcker nachweislich überdüngt oder spritzt muss dafür gerade stehen “

      wir werden doch mittlerweile so überwacht,dass sich das keiner mehr erlauben kann,weil ja die buka zahlungen daran gekoppelt sind.

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      • Entspricht die Bewirtschaftung nicht den eu-regeln, was im Rahmen der sog. CC-Kontrollen geprüft wird, werden die Prämien gekürzt!

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    • Christian sagt

      „In einem Punkt stimme ich dem Biobauer zu. Wer seine Äcker nachweislich überdüngt oder spritzt muss dafür gerade stehen“
      Überdüngen sie doch mal eine Wiese und sehen was passiert sie wurzelt nicht mehr tief weil sie ihre Nährstoffe ja von der Oberfläche erhält, dann kommt der Sommer mit einer langen Hitzeperiode wie jetzt der Fall ist, was passiert? Ja das Wasser geht aus den das Wasser was in der Erde gespeichert ist, ist in tieferen Schichten. So wächst gar nichts mehr! Der Punkt ist es wächst nichts nur weil ich gut Dünge oder Spritze sondern nur weil ich mit dem Einklang der Natur arbeite. Jeder Bauer der das nicht tut der schneidet sich ins eigene Fleisch!

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    • Schweinebauer Piet sagt

      Warum soll der Ackerbau gefördert werden und der Tierhaltung das Leben schwer gemacht werden. Für mich ist das nicht nachvollziehbar.

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    • Der Brandenburgbauer sagt

      Moin Walter Parthon, Ihr heutiger Beitrag irretiert mich etwas.“ Nach meiner Meinung
      sollte die Flächenförderung wieder abgeschafft werden“
      Um in die zweite Säule weiter Geld das uns Landwirten zusteht

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      • Der Brandenburgbauer sagt

        zu investieren , was sehr fragwürdige Projekte unterstütz.
        Moin ,den Rest meiner Meinung konnte ich nicht so schnell unterbringen.

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  9. Rudolf Reisinger sagt

    Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie hoch die Subventionen in der sog. Landwirtschaft DE insgesamt sind?

    Subventionen = Staatliche Kraftnahrung für jene Kinder der Nation, die am lautesten brüllen. Toto (1901-67), eigtl. Fürst Antonio De Curtis, ital. Schauspieler u. Komike

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Könnten sie uns mal erklären, was sie unter einer „sog. Landwirtschaft DE “ verstehen?

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  10. Dein Aufsatz ist insofern wohlfeil, weil du zwar am Stammtisch sofort Zustimmung bekommst, diese im Grunde aber daran liegt, daß sich die Leute alle ertappt fühlen und damit beschäftigt sind, ihre kognitive Dissonanz niederzubrüllen.

    Tatsächlich steht die Landwirtschaft nicht alleine da. Sie ist einer von vielen Wirtschaftsbereichen, in denen in Deutschland „Kleinangelsachsen“ spielen und meinen: Wir investieren, wir halten die Aktien, die Inder und Afrikaner und die Chinesen machen das Drecksgschäft und wir halten die Hand auf für die Dividende.

    Wer einmal eine erschreckend aktuelle Analyse der weltweiten Finanzkrise lesen will, mag sich hier mal an den Pointern langhangeln, das paßt nämlich wie Arsch auf Eimer:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Imperialismus_als_h%C3%B6chstes_Stadium_des_Kapitalismus#III._Finanzkapital_und_Finanzoligarchie

    Rein regiona, das schrieb ich schon mehrfach auf FB, haben wir in der Landwirtschaft ein Überproduktionsproblem, das haben wir in der Steinkohle übrigens auch, das haben wir bei Autos ganz genauso, so etwa ein Drittel bis ein Viertel der Waren, die in Deutschland produziert werden, schmeißen wir ganz einfach weg. Da sind wir längst in der Phase, über die Keynes einmal spottete: (https://en.wikiquote.org/wiki/Talk:John_Maynard_Keynes#.22The_government_should_pay_people_to_dig_holes_in_the_ground_and_then_fill_them_up..22) „“The government should pay people to dig holes in the ground and then fill them up.“

    Nichts anderes ist es nämlich, wenn wir Hochleistungskühe melken und dann ein Viertel der gemolkenen Milch wahlweise in die Nordsee verklappen (ist heute wohl nicht mehr opportun, IIRC u.a. HRH The Prince of Wales klagte über die verschmutzte Nordsee, hat ja auch sonst nichts zu tun außer Camilla auszufüllen) oder daraus Butterberge produzieren, die in Kühlhäusern ranzig werden oder es zu Milchpulver verarbeiten – das die chinesische Regierung dann zweifelhaft streckt, bevor es an die Bauern entsorgt wird. (War vor einigen Jahren mal der Skandal.)

    Du schreibst von Nebenerwerbshöfen, die 0,45 Leute ernähren. Das ist doch genau der Punkt, das ist vielleicht ein nettes Kulturgut, ein nettes Freilichtmuseum. Aber ökonomisch kompletter Schwachsinn. Wir müssen Landwirtschaft so betreiben, daß sie sich wirtschaftlich trägt und die Leute ernährt, das ist möglich, dann aber auch eine angemessene Zahl von Leuten zu angemessenem Lohn beschäftigt. Und da kann heute nicht jeder Nebenerwerbsbauer soviel Gewinn darstellen, daß er zeitgemäße Maschinen etc. kaufen kann. So etwas ist weder lebensfähig noch nötig.

    Die Alternative zur Landwirtschaftssubvention ist nicht der Weltmarkt – da wären hier in D in maximal 2 Wochen alle Bauern pleite und zwar ohne eine einzige Ausnahme. Zumal den Leuten gar nicht klar ist, wo die Subventionen wirklich alle liegen, eine wird z.B. morgen beschlossen, nennt sich „drittes Hilfspaket für Griechenland“, da leiht man nämlich Griechenland dafür Geld, daß sich die Athener im Supermarkt deutsche Butter kaufen. Kein Scherz. Der griechische Olivenbauer nimmt auch kein eigenes Olivenöl, er kauft sich Konkurrenzprodukte aus der EU, die sind im Einkauf billiger als Eigenprodukte in der Herstellung.

    Die Alternative wäre, daß wir die Landwirtschaft so organisieren, daß sie bedarfsgerecht produziert – und die notwendige Arbeit für Landwirte darstellbar ist.

    Und ich rede dabei natürlich von einer Kollektivierung der Landwirtschaft.

    Das gegenwärtige Trauerspiel, bei dem wir hier einen Großteil der Produkte einfach vernichten, um künstlich das Angebot zu verknappen und die Preise zu sichern, und dann immer noch bergeweise einwandreie Nahrungsmittel in die Dritte Welt verklappen, während wir hier Chicken Wings und Chicken Nuggets im Sonderangebot verspachteln, gehen die „Schlachtabfälle“ unserer Hähnchen aus der Massentierhaltung geradewegs nach Nigeria – spottbillig, die Leute haben halt ne Suppe zu fressen und die einheimische Geflügelindustrie geht pleite, dabei werden dann auch schon mal Geflügelzüchter arbeitslos, die machen dann im Mittelmehr „plantschi ist prima plantschi ist ne wucht“ und sagen bei der Flüchtlingsregistrierungsstelle höflich „Grüß Gott“, kann doch wohl kaum so weitergehen.

    Was wir hier haben, ist Kaptialismus im fortgeschrittenen Stadium, das Endstadium können wir in den USA beobachten, und die Landwirte sind eine Gruppe, die dabei gerade aufgerieben wird: Angelsächsisch ist: „Wir Rentier, wir Massa, Ihr Slave“. Und während sich die ganze deutsche Wirtschaft von Marlies Schäffler über Johanna Quandt Erben / Beschenkte zur Gruppe der „Rentiers“ transfomieren will, sind es die Landwirtde, die von der Arbeit nicht lassen können.

    Das war jetzt zynisch, denn wir können nicht die ganze Welt versklaven. Irgendwann lassen sich die Leute das nicht mehr gefallen. (Auf das dröhnende Grüß Gott der vielen Flüchtlinge habe ich schon hingewiesen.)

    Aber wo die Alternative liegt, wissen wir alle ganz genau. Das darf nur keiner laut sagen, denn sonst würden Anja Kohl und Markus Gürne nicht mehr Abend für Abend überm DAX onanieren können, wenn ich das mal so direkt formulieren darf.

    Das beeindruckende ist, daß unsere Nachrichten ein Plagiat sind. Die lesen sich nämlich haargenau so, als hätten die aus den 100 Jahre alten Schriften von Lenin abgeschrieben – und zwar Wort für Wort.

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    • bauerhans sagt

      „Und ich rede dabei natürlich von einer Kollektivierung der Landwirtschaft. “

      hatten wir schon,gabs nur mangel,aber hohe preise.

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    • Bauer Willi sagt

      Sehr geehrter Herr Bosau
      ich bewirtschafte meinen Betrieb seit 45 Jahren in Form einer LPG. Die besteht aus zwei Betrieben, die ihre Flächen gemeinsam bewirtschaften und Aufwand und Erlös teilen. Außer dem Rasenmäher haben wir alle Maschinen in Bruchteilsgemeinschaften mit bis zu vier Landwirten. In Sachen Kollektivierung brauche ich und viele andere Landwirte, die ähnlich handeln, von Ihnen keinen Nachhilfeunterricht.
      Ich weiß nicht, woher Sie ihre Information beziehen, dass wir „einen Großteil der Produkte einfach vernichten, um künstlich das Angebot zu verknappen und die Preise zu sichern“(Zitatende). Nennen Sie mir doch dazu eine belastbare Quelle.
      Bauer Willi

      2+
    • Crux sagt

      Mal wieder die ewiggleichen Verschwörungstheorien von Leuten, die zuviel wissen von Dingen von denen sie nichts verstehen…

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  11. Schweinebauer Piet sagt

    Interrssante Sache mit den Subventionen. Prof. Isermeyer hat mich mal darauf aufmerksam gemacht, dass Deutschland auf diesem Wege viel der gezahlten EU-Gelder zurück bekommt.
    Für mich als Landwirt bedeutet die Prämie ein nettes Betriebseinnahmen. Auf dem Pachtmarkt ist eher störend, da sie sie in voller Höhe die Zahlungsbereitschaft darstellt und damit bei Pacht an den Landbesitzer durchgereicht wird.
    Ich denke der Weltmarkt ändert sich kurzfristig bei Wegfall der Prämie, da auf Grenzsgandorten nicht mehr angebaut wird. Dann wird das Angebot kleiner und der Preis steigt, damit Lohn es sich wieder und der Markt pendelt sich ein.
    Der Schweinemarkt wird sich an den Getreide Preisen und damit an den Futtermittelpreisen orientieren.

    Langfristig werden auch ohne Subventionen klar kommen, aaber der weg dahin ist nicht einfach.

    2+
  12. Fritz Vogtländer sagt

    Bauer Willi, Du hast vollkommen recht. Die kleinen Höfe pflegen durch ihre Vielfalt die Landschaft. Und nicht nur das. Ein intakter bäuerlicher Betrieb belebt die räumliche Wirtschaft. Der Landwirt braucht Leistungen der ansässigen Handwerker. Die Handwerker brauchen wiederum die Erzeugnisse des Bauern. So bildet sich ein lokaler Wirtschaftskreislauf. Wobei die Handwerker bei Leibe nicht die einzigen sind, welche mit dem Landwirt in wirtschaftlichen Beziehungen stehen. Solch eine regionale Wirtschaft erhält sich durch sich selbst und ist sehr stabil. Vorausgesetzt, es erfolgen keine Eingriffe von außen, z.B. durch Banken und Politik. Eine solche Region lebt aus sich selbst heraus und schafft Einkommen und Auskommen für alle Beteiligten. Der regionale Kreislauf der Wirtschaft schafft Beschäftigung und Wohlstand. Und Handel mit überschüssigen Produkten und Leistungen befördert die Blüte regionaler Kreisläufe. Die derzeit geförderte globale Wirtschaft kann dies nicht nur nicht bieten, sondern zerstört gesunde Wirtschaftsstrukturen!

    Fritz Vogtländer

    2+
    • Klar, sag das mal den Ländern, die auf Devisen angewiesen sind. Nigeria fängt gerade an, Fleisch zu exportieren und nicht auf dem afrikanischen. Kontingent, sonder nach China!

      0
  13. c.k. sagt

    Hallo,
    geht doch einmal in Gedanken die letzten 15 Jahre durch. Was sich alles getan hat in Punkto Strukturwandel usw. Da sind beste Betriebe verschwunden die einfach die Schnauze voll hatten und sind wir ehrlich politisch gewollt. Je kleiner die Wählerschaft derer ist, umso leichter kann man sie für Gutmenschenwahlversprechen anderer ausspielen -Lobbyvertretung der LW- ist ja lächerlich. Oder stellt Euch mal vor wie lange würde sich ein Wirtschaftsminister am Sessel halten können wenn er so mit seiner Klientel rumspringt??
    Exemplarisch dazu sagte Prof. Sinn in einem Interview: Freihandelsabkommen mit den Amis brauchen wir um deren günstige LM-Preise zu impotieren.
    BRD ist ein Industriestaat kein Agrarstaat auch kein Bioagrarstaat. Den brauchen wir nur um irgendein Gewissen zu beruhigen.
    Wie sagte schon Ralph Lauren: Bauer ist der schönste Beruf-wenn man nicht davon leben muss!

    2+
  14. Bauer Klaus sagt

    Für mich als Milchviehhalter und Ackerbauer ist es unverständlich, warum ich für meine Arbeit im Stall keine Subventionen erhalte, aber auf dem Acker wird jede Arbeitsstunde mit über 30€ subventioniert. Sowohl in der Tierhaltung als auf dem Feld muss ich die CC-Regeln einhalten. Mit den tierischen und den pflanzlichen Produkten muss ich mich auf dem Weltmarkt behaupten. In der Tierproduktion ohne Subventionen, in der Pflanzenproduktion mit Subventionen! Und Subventionen von über 30€/Stunde müssen erst mal dem Steuerzahler erklärt werden, der als Facharbeiter nicht einmal diesen Stundenlohn hat. Also weg mit dem Unsinn, damit Gerechtigkeit einkehrt.

    5+
    • Alexis Zsipras sagt

      Bauer Klaus! Das stimmt, eigentlich muss man nur viel Land haben und keine Tiere halten. Dann dürfte man am besten zurechtkommen und deshalb ist die Kritik berechtigt an dem jetzigen System.

      Als ein anderer Aufhänger wäre die AK je ha denkbar, ist aber schwierig umzusetzen.

      0
  15. Uli49 sagt

    Ich finde, die Frage von Bauer Willi ist falsch gestellt.
    Die Alternativen sind nicht „Subventionen abschaffen“ oder „alles so lassen wie es ist“.
    Steuern werden vom Staat immer auch dazu erhoben, um Wohlstand umzuverteilen und um Entwicklungen in der Gesellschaft zu steuern. Die Frage lautet also, in welche Richtung soll sich die LW entwickeln und wie will die Regierung dies mit Subventionen steuern. Wird mit dem heutigen System die richtige Steuerung erreicht oder geht es in die falsche Richtung? Dies ist eine politische Debatte, die der Bürger nicht den Lobbyisten überlassen sollte. Eine schwarz/weiß-Diskussion (Subventionen Ja/Nein) hilft da nicht. Es gibt gesellschaftliche Forderungen nach Umweltschutz, Artenreichtum, Tierwohl und Landschaftspflege. Nur hierfür sollten Steuermittel aufgewendet werden. Die heutigen Zahlungen an Zuckerfabriken, an Fleischfabriken oder Exportsubventionen halte ich für falsch. Eine Reform des Subventionssystems wäre dringend nötig, dafür müßte aber erst einmal Einigkeit über die Ziele bestehen. Mir scheint es aber daß den Politikern die Wahlgeschenke für den Stimmenfang bei ihrem Klientel wichtiger sind.
    Grüße Uli

    15+
    • Alexis Zsipras sagt

      Uli gut formuliert, dazu kommt noch: ist es möglich mit dem gewählten Instrument den entsprechenden Effekt zu erreichen, bei einem entsprechendem Aufwand. Und ist eine Regelung möglich die einigermaßen transparent und gerecht ist….und die eine wirtschaftliche Entwicklung nicht behindert.

      Wenn man das bedenkt, so ist die jetzige Regelung nicht so schlecht.

      Man muss auch bedenken, die Regelungen müssen für Portugal und Estland passen, für Irland und Österreich, für Oberbayern und alles nördlich des Weisswurstäquators.

      Alle zusätzlichen Fördermaßnahmen müssen in Brüssel eingereicht werden und dürfen erst umgesetzt werden wenn, die den allgemeinen europäischen Zielen entsprechen und entsprechend notifiziert werden. Nehmen wir an D hätte ganz ganz viel Geld übrig und wollte seine ganze LW ganz dolle umgestalten, also alle Ställe bekommen goldene Tränken, dann darf D das nur wenn Brüssel nickt.

      Gedankenspiele, wie es wäre, wenn alles wegfiele haben auch ihren „charme“

      Die lw. Subventionen stehen so im Fokus weil

      1+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Uli
      ich habe überhaupt keine Frage gestellt, folglich auch keine falsche.
      Da ich mal für ein Zuckerunternehmen gearbeitet habe, kann ich Dir verlässlich sagen, das mein ehemaliger Arbeitgeber keine Subventionen bekommen hat. Wenn Südzucker die bekommt, dann deshalb, weil dieses Unternehmen eigene landwirtschaftliche Betriebe hat.
      In meiner Nähe, der Trabantenstadt Köln-Chorweiler, wo etwa 30.000 Menschen in Wohnblocks leben, haben ich noch niemanden nach mehr Artenschutz und Tierwohl rufen hören. Das nur zum Thema „gesellschaftliche Forderungen“. Die werden nur von den sogenannten Eliten gestellt.
      Ich bin Bauer, und ich möchte wie jeder andere „Hand“werker auch, mein Geld verdienen. Unser Dachdecker kann das, ohne staatliche Eingriffe und ohne Subventionen. Drum lasst uns mit euren gesellschaftlichen Forderungen in Ruhe oder bezahlt uns die Subventionen. Besser noch: bezahlt uns unsere Arbeit und wir schenken euch die Lebensmittel. Dann ist hoffentlich endlich Ruhe und die NGO´s können mich mal. Langsam werde ich böse!
      Bauer Willi

      7+
      • Alexis Zsipras sagt

        Willi deshalb hat eine LW ohne viel Subventionen sehr viele Vorteile.
        Ein guter Film zum Thema ist „Wilde(r) Mann“ der das sehr subtil darstellt, was in der Gesellschaft so läuft. Was mir zur Zeit mächtig auf den Keks geht ist, das Modethema, das die Dörfer mit dem demografischen Wandel angeblich untergehen, dabei macht der Staat zur Zeit kaum noch was. Fühle mich auf dem Dorf sowieso auf mich allein gestellt und wenn eine Straße gebaut wird, dann wird die mal 2 Monate gesperrt, die Dorfdöddels können doch 10 km Umweg fahren. In der Stadt wäre schon ein Aufstand.

        1+
      • Uli49 sagt

        Hallo Willi,
        warum Du jetzt so ausrastest ist mir schleierhaft. Ich dachte, Du wolltest eine Diskussion.
        Und natürlich hast Du in der Überschrift eine Frage gestellt: „Subventionen-abschaffen-Ausrufungszeichen-Fragezeichen“. Das heißt nach unseren Sprachkonventionen: Subventionen-abschaffen Ja oder Nein.
        Und wenn das Parlament Gesetze über die Vergabe von Subventionen beschließt, dann kann dieses Parlament die Subventionen auch mit Auflagen verknüpfen. Welche Auflagen zum Nutzen der Gesellschaft sind, beschließt das Parlament, nicht die Bewohner von Köln-Chorweiler.

        1+
        • Bauer Christian sagt

          Uli -schlechter Vergleich der hinkt: statistisch gsehen würde die Abstimmung immer 98:2 aus, wenn alle Bauern dafür und die Rest dagegen stimmt.

          0
        • Bauer Willi sagt

          Hallo Uli
          is ja jut. Habe mich ja schon wieder beruhigt. War am Wochenende auf einem Geburtstag mit lauter Nicht-Landwirten. Und als die Leute hörten, dass ich Bauer bin, hatte halt jeder das Recht, mir Monsanto, Gen-Soja, Urwald und Subventionen an den Kopf zu werfen. Keiner hat Ahnung, aber alle reden mit. Da schwillt mir dann auch schon mal der Kamm. Und das hast jetzt Du abbekommen. Passiert mir garantiert wieder! Hoffentlich nicht mehr bei Dir. 🙂
          Bauer Willi

          5+
      • Crux sagt

        Hallo Willi,
        ich glaube, dass du dir einmal Gedanken darüber machen solltest, was Subventionen sind! Subventionen sind nicht nur staatliche Gelder, die umverteilt sind. Gerade mit Blick auf die Zuckerwirtschaft müsstest du wissen, dass sie über Jahrzehnte eine Gelddruckmaschine war, die das Geld den Verbrauchern durch ein regides Quotensystem aus der Tasche gezogen hat. Das EEG basiert heute nach demselben Prinzip. Ärgerlich ist daran vor allem, dass ärmere Verbraucher sogar überproportional bezahlen…
        Viele Grüße

        1+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Uli, Deine Aussagen implizieren, dass Subventionen immer das richtige Mittel des Staates sind um zu steuern, bzw. bei uns sagt man fördern, das hört sich besser an. Letztlich aber bietet man jemandem Geld an, dass er etwas tut, was er ohne die Versuchung Subvention so nicht unbedingt täte. Die Subvention behindert also eindeutig den Geist, den Willen und die Tatkraft der Menschen indem sie die Menschen davon abhält das für sie Sinnvollste zu tun. Du hast in einigen Kommentaren schon mehrmals selbst darauf hingewiesen, dass Bauern zuwenig Unternehmer sind. Aber die Subventionen sind genau ein Grund, warum das so ist. Der Psychologe Martin Seligman hat den Begriff „erlernte Hilflosigkeit“ entwickelt, der ziemlich genau das beschreibt, was viele Bauern fühlen, wenn sie resignieren und eben nicht wie ein engagierter Unternehmer nach selbstbestimmten Wegen suchen um einer Krise zu entkommen. Das ist auch das Ergebnis der jahrzentelangen Subventionserziehung des Staates.
      Wie ich schon in einem anderen Kommentar hier beschrieben habe, halte ich Subventionen (nicht nur für die Landwirtschaft) für eine der effizientesten Werkzeuge der Politik um zu herrschen, also Macht zu erlangen und auszuüben. Insofern halte ich also Deine Forderung nach einer Reform des Subventionssystems für einen Ausdruck der Staatsmachtgläubigkeit. Auch eine Form der erlernten Hilflosigkeit.
      Alois

      3+
      • Andreas Fendt sagt

        Alois, Du hast schon ein seltsames, vor allem negatives Verständnis von Politik und Staat. Was wäre denn, wenn Politik und Subventionen dazu da sind, zu steuern, dass der einzelne das Nichtsinnvolle bleiben lässt?
        Viele Bauern sind, wie Verbraucher, gierig und wollen mehr. Ohne Regeln und Anreize würden die letzten Wiesen zu Äckern umgewandelt, Hecken entfernt, Streuobstwiesen ausgerottet. Das kennen wir alles. Aufgabe des Staates und der Politik ist aber das Gemeinwohl. D.h. sozial auszugleichen und auch für kommende Generationen zu sorgen. Auch ich bin der Meinung dass die Macht die Politik in Versuchung führt dieses zu vergessen.

        Mich hat mal einer gefragt, was ich machen würde, wenn ich was zu sagen hätte. Antwort: Ich würde wie der König von Bhutan die Macht abgeben, aber nicht ohne zuvor das Staatsziel Bruttosozialglück einzuführen und natürlich! 100 % Bioanbau festzulegen.
        http://www.agrarheute.com/bhutan-bio-land

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      • Uli49 sagt

        Hallo Alois, ich sehe keinen Widerspruch zwischen Deinem Posting und meinem.
        Ich stelle fest, daß der Staat mit jedem Cent Steuern, den er eintreibt, in den Markt eingreift und das Handeln der Menschen steuert. Mein Anspruch an den Gesetzgeber geht dahin, daß er Ziele definiert und die Auswirkungen seiner Gesetze zu den Subventionen überprüft. Wenn falsche Anreize geschaffen werden, die z.B. zu einer „erlernten Hilflosigkeit“ führen, dann müssen diese Gesetze angepaßt werden. Wie ich geschrieben habe, wäre mir wichtig, daß Subventionen in der LW nur für die von mir beschriebenen „Dienste an der Gesellschaft“ gezahlt werden und nicht für normale unternehmerische Tätigkeiten. Eben gerade weil ich das unternehmerische Handeln fördern möchte. Ich wäre generell wesentlich restriktiver in der Vergabe von Subventionen. Jedes Jahr über 1 Mrd. Euro an den Bergbau halte ich für einen Skandal, wenn man bedenkt, daß selbst ein Mindestlohnbezieher das über seine gezahlte Mehrwertsteuer mitfinanzieren muß.
        Weiterhin kommt es darauf an, wie man Subventionen definiert. Lt. Subventionsbericht https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Subventionspolitik/2013_08_13_24-subventionsbericht-der-bundesregierung-anlage.pdf?__blob=publicationFile&v=5
        gehören die von Willi angeführten Gelder für Theater und Museen nicht dazu, genau so wenig wie Kindergeld oder Bafög, das ja wohl keiner abschaffen will.
        Grüße Uli

        1+
        • Bauer Christian sagt

          hallo Uli49,
          „…..Ziele definiert und die Auswirkungen …überprüft. ……….müssen diese Gesetze angepaßt werden.“
          Muss eigentlich in jedem Unternehmen so funktionieren um erfolgreich zu sein. Leider ist der Staat bzw. die Politik hier zu träge um rasch zu reagieren.

          1+
  16. Schlaumeier sagt

    Die Anzahl der Betriebe unter 100 ha nimmt in Westdeutschland ab darüber nimmt sie zu (Wachstumsschwelle). Die Betriebe über 100 ha haben im Schnitt ca. 70 % ihrer bewirtschafteten Fläche gepachtet und zahlen oft mehr an Pacht als sie je ha an Subventionen bekommen. Diesen Betrieben nutzt die aktuelle Subventionspolitik nicht. Nutzen aus den aktuellen System ziehen Betriebe mit hohen Anteil an Eigentumsfläche hierzu zählen Großgrundbestzer aber auch kleinere Nebenerwerbler, die ihre Prämienansprüche optimieren, oft auf Grenzertragsstandorten, wo es schwierig ist eine Pacht in Höhe der Prämie zu bekommen. Diese Nebenerwerbler oder Betrieb mit älteren Betriebsleitern optimieren oft weiter ihre Einnahmen mit Vertragsnaturschutz und z.T. mit Bio um ohne größere Anstrengung das Einkommen zu optimieren. Man könnte die Agrarsuventionen auch als eine Art Sozialprogramm für ländliche Regionen bezeichenen, um vor allem Älteren Menschen Einnehmen zu sichern, nach Aufgabe des Betriebes. Im Bundesagrarministerium ist der größte Haushaltsposten der Zuschuss zur Landwirtschaftlichen Alterskasse. Ein Abschaffen der Agrarsubventionen würde alte Menschen auf dem Land ins Elend stürzen und jungen Betriebsleitern Chancen bereiten. Allerdings würden nur wenige profitieren und viele Wähler leiden, dass ist vor dem Hintergrund „politscher Ökonómie“ nach Friedmann nicht politisch erstrebenswert.

    4+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Glaubst Du wirklich, eine Abschaffung der Zuschüsse zur Alterskasse würde jungen Hofbesitzern bessere Chancen bereiten?
      Wie Du schon schreibst, die volle, eigene Bezahlung der Beiträge würde die Familie vollens in das Elend stürzen, da es sich um eine SOLIDARGEMEiNSCHAFT handelt, müsste der Gesetzgeber jedem Mitglied die Kosten der Rentner auferlegen, das wäre ca. das zweieinhalbfache des heutigen Beitrages. ( Ca. 600 Euro in den alten Bundesländern)

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      • Schlaumeier sagt

        Mal langsam. Die Zuschüsse zur Alterskasse werden als Agrarsubventionen ausgewiesen und den heutigen Betriebsleitern mal mehr mal weniger als Subventionen angekreidet. Aber die heutigen Betriebsleiter profitieren in keinster Weise von diesen Subventionen, weil auch bei der Alterskasse nicht angespart sondern über eine Art Generationenvertrag die Jüngeren für die Älteren bezahlen. Diese Gelder sollte aus dem Sozialministerium gezahlt werden, weil dort gehören sie gesellschaftspolitisch gesehen hin. Zugegeben man würde damit das Landwirtschaftsministerium geradezu angreifbar machen in seiner Bedeutung, aber es würde ein Stück mehr Ehrlichkeit in die Diskussion kommen, aber ob das jeder will? Abgeschafft werden können diese Zahlungen nicht, dafür hat man zulange versteckte Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft akzeptiert und wirtschaftliche Strukturen verhindert.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Es ist richtig, dass die Zuschüsse zur Alterskasse allen Landwirten als Subventionen angekreidet werden. Heutige Landwirte profitieren davon, wenn sie als Ehepaar weniger als 31.000 Euro brutto verdienen. Ohne diese Zuschüsse müssten sie 446 Euro alleine für die Rente bezahlen.

          Es gibt auch Zuschüsse an die Rentner, sonst müsste jeder Landwirt 2,5 Rentner verhalten, das wäre nicht bezahlbar.

          Die heutigen Zuschüsse sind so eine Art Sozialhilfe für ausscheidende Landwirte, der Vorteil ist, dass sie nicht zum Sozialamt müssen.
          Der Ehrlichkeit wegen, sollten die Medien auch mal erwähnen, dass in die Knappschaftsversicherung auch Gelder fließen, wie in die landwirtschaftliche Sozialversicherung.

          2014 betrug der Beitragszuschuss zur Knappschaftsversicherung 5,3% und der wird nicht kritisiert als Subvention.

          1+
  17. Petra Zacherl sagt

    Ich bin auch der Meinung, dass ausnahmslos alle „Subventionen“ abgeschafft werden müssten. Einfach nur deshalb, weil ja jeder als Subvention ausgegebene Euro zuerst einmal vom Steuerzahler aufgebracht werden muss. D.h. zuerst wird Geld eingesammelt und dann nach Kriterien der Politik verteilt, wobei eine nicht unerhebliche Menge davon auf dem Weg von der linken in die rechte Jackentasche versickert – meist in den Taschen der falschen Leute.
    Die Frage ist, ob es nicht billiger wäre, z.B. die EK-Steuer zu reduzieren und mit dem Geld was so in den Taschen der Verbraucher bleibt, anständige Preise für Lebensmittel zu bezahlen, so dass der Landwirt auch ohne staatliche Transfersummen davon leben kann.
    Zuerst einmal gehören aber A L L E Subventionen, Beihilfen, Transferleistungen von Staaten oder der EU, egal an wen sie gezahlt werden, – nicht nur die Zahlungen aus dem Agrartopf – einmal jährlich veröffentlicht uns zwar zusammen mit einer Begründung, warum sie bezahlt werden bzw. was sie bewirken sollen.
    Zahlungen, die eine Gegenleistung beinhalten – z.B. Erhalt der Landschaft für die Allgemeinheit – ist eigentlich keine Subvention, noch nicht mal ein Entgelt, sondern allenfalls eine Anerkennung einer Leistung.

    3+
    • Bauer Christian sagt

      Petra, da gäbe es eine Menge neuer Arbeitsloser in der Verwaltung. Die wissen schon wie man Jobs sichert. Was dem Verbraucher die Überverwaltung eigentlich kostet ist den wenigsten bewusst. Was Der Bauer ist einer der wenigen der noch wirklich was produziert. Aber wie viele leben vom Bauern, da dieser so viele Vorschriften einhalten muss (der sie erstellt und austüftelt, der die dokumentiert, der berät, der sie kontrolliert, der die Ausgleichszahlungen verwaltet, ….)

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      • Sandra Schobel sagt

        es gäbe nicht nur Arbeitslose in der Verwaltung, sondern auch in den betroffenen Betrieben. Willi hat doch die betroffenen Bereiche mit aufgeführt, Bergbau wird unrentabel (30.000 Personen), erneuerbare-Energie-Sektor (230.000 Personen) auch, Museen und Theater müssen schliessen und auch dort verlieren Menschen ihre Arbeit.
        Womit sollen sie denn dann die gestiegenen Kosten abfangen?

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      • Alexis Zsipras sagt

        Das glaube ich nicht, in der Verwaltung wurde in den letzten 10 Jahren in Größenordnungen abgebaut. Ein gewisses Grundpersonal braucht die Politik immer, um Folgeabschätzungen wahrnehmen zu können und überhaupt handlungsfähig zu sein. Die LW sollten froh sein, das es noch eine gut motivierte Verwaltung gibt, siehe NRW oder SH……
        Das es zuviel Papierkram gibt, ist auch der Verwaltung klar. Die Verwaltung macht nur das was pol. Wille ist bzw. wer sich da artikuliert. Wenn die LW sich lieber selbst zerfleischen machen das eben andere Kräfte. Teilweise ist die Verwaltung schon auf externe Dienstleistungen angewiesen. Macht sich immer gut, wenn der Produktverkäufer gleich das Gutachten schreibt.

        1+
        • Bauer Christian sagt

          Die Verwaltung wurde nicht abgebaut, sondern nur umgeschichtet bzw. in private Gesellschaften des Staates ausgegliedert.
          Bitte um Bsp. wo es jetzt weniger Bearbeiter in der Verwaltung gibt.

          3+
          • Alexis Zsipras sagt

            Ich kenne Bereiche, da sind nur noch ein zehntel übrig. Kann mich jetzt nicht zu erkennen geben. LW und Veterinärbereiche. Ausgelagert ist da nichts. Teilweise werden ein paar Saisonkräfte befristet eingestellt.

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            • Bauer Christian sagt

              Also ich habs auf die gesamte Verwaltung des Staates bezogen. In Ö werden die Leute in der LW Kammer, AMA etc. – also auch was den Agrarbereich betrifft nicht weniger. Obwohl die Betriebe weniger werden… Dies ist jetzt eine Einschätzung, aber da gibt es ja auch einige ausgelagerte Bereiche in Ö, die privat sind, aber die Landeskammern Eigentümer sind.

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    • Eva-Maria sagt

      Wenn man die Agrarsubventionen abschafft, dann muss man wirklich ALLE Subventionen abschaffen.
      Ich empfinde es ohnehin als äußerst ungerecht, ausschließlich die bäuerlichen Ausgleichszahlungen öffentlich zu machen.
      Wieso gibt es eigentlich nur Weltmarktpreise und nicht auch Weltmarktlöhne?

      7+
  18. Bauer Christian sagt

    Wir erhalten Ausgleichszahlungen für Leistungen die wir erbringen. Leider werden gewisse Leistungen irgendwann standard und man bekommt nix mehr davon, muss aber die Zettelwirtschaft weiterhin betreiben.

    Weiters versickert zu viel in der Bürokratie (ist aber ein generelles Problem in dzt. in Ö, bei einer Vereinfachung würde die Arbeitslösigkeit explodieren).

    Wenn wir weltweit unter gleichen Sozialstandards, Umweltstandards produzieren würden, würde der weltweite Förderwahn sich auch eingrenzen.

    Ein weiterer Punkt ist die Souveränität mit der Lebensmittelversorgung – und die wollen wir und brauchen wir – wenn auch nur teilweise. Volkswirtschaftlich gesehen bräuchten wir keine Landwirtschaft im Westen, weil wir zu teuer produzieren.

    Ein weiterer Punkt ist die Subventionierungswut des Staates in manchen „öko“Sektoren, die sich auch auf die Landwirtschaft negativ auswirken – Biogas. Diese treiben Pachtpreise (da hoch subventionierte Stromtarife) und wirken sich negativ auf die Umwelt aus (Maismonokultur). Eigentlich ist die Biogasbranche ein Vorzeigemodell, wie man mit hochsubventioniert die Umwelt zerstören kann. Subventionierter Biogasstrom (va.aus Mais) hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun.

    Und wie du Willi schon begonnen hast, soll man mal eine Liste mit Förderungen/Subventionen/Zuschüsse etc. erstellen, die der Staat so verteilt. Und auf ein anderes Blatt schreibt man die Steuern mit allen Sonderregeleungen.
    Fazit: man hat ein System geschaffen, welches viel nimmt, viel gibt, sehr komplex und undurchsichtig ist, viel Verwaltung braucht und ABHÄNGIGKEIT schaft. Damit lässt sich dann leicht Macht ausüben. Großkonzerene bilden dann Oligopole in der „freien Marktwirtschaft“, die sogar Staaten unter druck setzen können.

    2+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Subventionen werden überall in der Politik genau dazu eingesetzt um zu herrschen. Da steht der Landtagsabgeordnete stolz vor die Bauern hin und erzählt, wie er für die Förderung gekämpft hätte und alle applaudieren. „Und führe sie in Versuchung“ ist die bewährte Devise. Aber auch umgekehrt wird es ja auch vom Volk verlangt, „dass der Staat da was tun soll.“ Das was dann dabei herauskommt ist eben Bürokratie und Subvention.
      Die Wirkung ist dann wie in der Medizin, wenn sich ein Patient an ein Medikament gewöhnt hat. Er braucht es immer wieder und am besten noch in höherer Dosis. Dass durch die Subventionen die „Selbstheilungskräfte“ verhindert werden, ist ein weiterer Kollateralschaden der Förderungspolitik.
      Ich glaube nicht daran, dass es überhaupt gelingen wird die Subventionen abzuschaffen. Aber nicht, weil die Subventionsempfänger dann alle verhungern würden, sondern weil die Politik es sich nicht leisten kann ihr stärkstes Werkzeug herzugeben.

      6+
      • Alexis Zsipras sagt

        Genau konkretes Handeln kann die Politik nur mit Geldverteilung machen, Längerfristiges Handeln mit Gesetzen und deren Umsetzung.

        1+
    • Palla sagt

      @Bauer Christian, ich gebe Dir in vielem Recht.
      Aber ich verstehe diese Herumhackerei auf den angeblich den Pachtpreis hochtreibenden Biogasbetrieben nicht:
      1. steht es jedem Betrieb frei in diese Branche einzusteigen, wenn da angeblich durch Subvention so viel verdient ist.
      2. gibt es sehr viele Betriebe, die neben anderen Betriebszweigen auch eine Biogasanlage betreiben.
      Mein Fazit: „Die Biogasunternehmer“ als Pauschalschuldige für hohe Preise und angeblich die Umwelt negativ beeinflussende „Maismonokultur“ gibt es nicht und diese Sündenbockdebatte schafft wieder nur Streit statt Einigkeit innerhalb der Landwirtschaft! Es wär ein erster Schritt mit dieser Art der Debatte aufzuhören! Es täte uns allen gut!

      1+
      • Bauer Christian sagt

        @Palla
        Ja, ich habe die Biogas mal als Bsp. genommen, mein Text ist etwas pauschal, aber betrachten wir es mal näher:

        ad1) bei uns (in Ö) gibt es jetzt schon Biogasruinen, da der Tarif ausgelaufen ist und/oder es sich nicht mehr rechnet. Als diese gebaut wurden, da ging man von max. 150-170euro/t Trockenmais aus im worst case. (war vor 15 Jahren). Die Anlagen wurden auf 13Jahr (=Tarifgarantie) gerechnet.

        ad2) also ursprünglich wollte man ja Gülle besser verwerten/ausnützen. Aber jetzt – ist auch logisch – werden sie ja fast nur mit Mais/Gras betrieben, was ja wegen der Energiedichte des Substrats auch logisch und legitim ist. Gibt es irgendwo eine Aufstellung, wie viel Prozent der Biogasanlagen nur Gülle als Substrat verwenden (wahrscheinlich keiner, da es sich ja nicht rechnet).

        ad Fazit) Preistreiberei, Monokultur, Erosion, Bodenzerstörung trifft aber bei uns in Ö im Maisbaugürtel (Süd-Ost-Steiermark) zu: warum? In der Südoststeiermark gab es schon immer sehr starken Körnermaisanbau, da es eine Gunstlage ist. Erträge sind gut, einfache Kulturführung. Der Maisanteil in der FF war schon immer über 50% (-65%). Die Betriebe+Flächen waren/sind sehr kleinstrukturiert und hatten/haben eine sehr hohe Veredelungsrate (Schweine, Hühner). Pachtpreise waren ok, bis die Biogasbetreiber kamen (Investoren waren meist Bauern). Womit keiner rechnete der Maisanteil ging bis auf ca85-90% in der Fruchtfolge (auf die gesamte Region gerechnet)!!!!!!! Und durch die Abfuhr der ganzen Biomasse+des ganzen Kohlenstoffes, durch die gr. Feldhäcksler + Abschiebewägen auf den kleinen Schlägen (0,5-1,5ha) wurde der Boden massiv beeinträchtigt. Die Bodenstruktur war innerhalb kürzester Zeit zerstört, dort wo Biogasflächen waren (nach ca. 5 Jahren). Und jetzt liegt die ganze Branche fast am Boden in der Region, da der Maiswurzelbohrer den Rest gibt. Dies in einer Gunst-Region, wo locker über 15t Trockenmais geerntet werden, eine Katastrophe. Eben eine kurzfristige Sichtweise (der Politik) und der Bauer löffelt die Suppe wieder aus.
        Dies wollte ich nur erläutern, der Vollständigkeit halber. Natürlich fallen nicht alle Biogasanlagenbetreiber darunter, jedoch war der Trend schon zu erkennen.

        Aber wenn der Stromtarif nicht so hoch subventioniert werden würde, dann wäre es ja kein Thema. Und wie die letzten Jahre gezeigt haben, schwanken die Maispreise von 80-250 euro/t.
        Genauso ist es mit PV-Anlagen am Acker oder auf der Wiese. Dies ist/war in Ö aufgrund der Förderungen nur ganz kurz ein Thema. Aber wenn ich mir CZ oder DE ansehe, da muss es ja lauter Karstflächen geben, oder eben zu viel Förderungen, damit produktivste Flächen mit PV-Anlagen zugebaut werden. Da läuft doch was falsch, oder!
        Eine Agrarfremde Branche bekommt viel Förderungen und kickt die Agrarproduzenten mit Fördergeldern aus dem eigentlichen Auftrag: Lebensmittel zu produzieren.
        Ein weiteres Thema wäre auch die Etanolerzeugung…..
        Alles Themen die bei Überproduktion ok sind, aber die Verarbeitungsindustrie macht dies nur, wenn es dementsprechend gefördert wird. Den Bauern werden neue Absatzmärkte versprochen. Aber diese Anlagen rechnen sich leider erst ab einer bestimmten Größe und die schaffen keine Arbeitsplätze, sondern max. Abhängigkeiten.

        2+
        • Palla sagt

          Vielleicht ist es in deiner Gegend so, kann ich nicht beurteilen, aber ich glaube diese Beschreibungen eines Zweiges der Landwirtschaft lassen sich, wenn man negativ eingestellt ist ebenso auf andere Betriebszweige anwenden.
          -Betriebe die aufgeben gibts in jedem Bereich.
          -zu wieviel Prozent Gülle eingesetzt wird oder nicht kannst du nicht belegen
          -die Maschinen werden größer, das hat aber nichts mit dem Betriebszweig zu tun
          -du schreibst selbst, dass du in einem Maisbaugürtel wohnst, in dem schon immer Körnermais angebaut würde. Glaubst du der Maiswurzelbohrer kommt nur wegen dem Biogasmais?
          Ich bin da kein Experte, aber meines Wissens gibts bei den Biogasanlagen nur den garantierten Strompreis über das EEG, den auch jeder private PV-Anlagenbesitzer kriegt und keine weitere Subvention ( also nichts für den Bau einer Anlage zB).
          Wir sollten uns also doch vor Stammtischparolen, die uns nicht weiterbringen hüten!

          1+
          • Alexis Zsipras sagt

            Palla!

            Noch eine Rolle spielt, das sehr viel Geld in der Gegend rumschwirrt, was keine Rendite erwirtschaften kann. Immoblien und Land sind langfristig sichere Anlagen, in unsicheren Zeiten. In Berlin werden extrem viel Wohnungen gekauft, auch von griechischen Investoren.
            Diese Leute sind auch sehr aktiv auf dem Landmarkt.
            Das treibt auch die Pachtpreise hoch.
            Das ist schon so das Biogas die Preise hochtreibt, das ist auch eine allgemein anerkannte Tatsachen, das bestreitet niemand. Das ist lustig ausgedrückt es gut „nur“ den garantierten Strompreis! Wo gibt es einen garantierten Preis?

            1+
            • Palla sagt

              Vielleicht nicht gut ausgedrückt! Ich hätte auch gerne einen garantierten Milchpreis! 😉

              Oder auch nicht, wenn die Kosten (Futter, Energie, gesetzl. Auflagen;..) für den Betrieb der Biogasanlage mal den garantierten Preis überschreiten, dann gibts auch keine Preisanpassung nach oben…
              Ich glaube es ist eben oft eine reine Neiddiskussion und ich frage mich, warum die Bauern so häufig gegen Biogas schimpfen, obwohl sie es doch selbst machen könnten! Milchviehställe bauen und dafür Junglandwirte- und Stallbauförderung in Anspruch nehmen geht doch auch!

              Würden wir mehr miteinander statt gegeneinander agieren, was wäre da alles möglich…

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            • Alexis Zsipras sagt

              Ja Palla, Biogas ist ja nicht nur schlecht. Es war ja mal so gedacht, das die Wertschöpfung damit auf dem Lande erhöht werden kann. Kann man ja nur noch über Veredlung erhöhen, da sind teilweise aber auch Grenzen. Die Biogasanlagen, die losgelöst von jedweder Lw. Urproduktion sind, haben eben das Potential das lw. Umfeld extrem zu beeinflussen. Da hat man ja auch gegengesteuert. Vielen Schweinehaltern hat z.B. das Biogas, das Leben gerettet.

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          • Bauer Christian sagt

            @Palla

            Bin da nicht negativ eingestellt, sind aber die Erfahrungen aus denen man lernen soll – länderübergreifend. Der Politik fehlt da oft der Weitblick (zeitlich und örtlich)
            Ich hinterfrage nur die Förderpolitik und was der Gesetzgeber damit bewirkt. Ich betreibe auch eine PV-Anlage am Dach. Und ja, weil sie mit dem fixen Tarif nach 13 Jahren abbezahlt ist. Wenn der Fördertarif für PV-Anlagen am Feld vom Gesetzgeber so (hoch) festgelegt wird, dass es besser ist diese dort aufzubauen, als etwas zum Essen zu produzieren, dann braucht Willi hier nicht mehr diskutieren, warum Essen zu teuer ist. Hier wird Produktionsfläche gezielt aus der Produktion genommen, oder wie siehst du es? Auch wenn es schlechter Boden ist, führ eine Ausgleichsfläche wäre es immer gut genug, die man ja meist machen muss, wenn irgendwo Straße oder Bahn gebaut werden.

            Ich wollte mit dem Bsp. nur zeigen, dass nicht der gewollte Lenkungseffekt eingetreten ist (zu kurzsichtig seitens des Gesetzgebers und der Vertretung) und dies gewisse Probleme in einer Region nochmals verstärkt hat – Maiswurzelbohrer. Wenn ich sowieso schon lange am Limit mit der FF bin und der Maiswurzelbohrer im Anflug ist, dann schafft man mit solchen „Lenkungseffekten“ einen Crash.

            ad Gülle –Anlagen: war eigentlich als Frage an dich gestellt. AW kriegst, wenn ich eine diese für Ö bekommen habe.
            ad Maschinengröße: ja die nehmen zu, aber solche Giganten (Abschiebewägen) braucht man dort nicht. Ist eben sonst alles kleiner. Und die Kombination mit der Kleinen Struktur ergibt den Rest.
            ad Maisbaugürtel: nein der MWB gibt nur den Rest, er ist mit einer FF am effektivsten zu bekämpfen. 50% Mais wäre auch zu viel.

            0
            • Palla sagt

              Das sind ja die zentralen Fragen: Für was wollen wir im landwirtschaftlichen Bereich unser Geld ausgeben und wo soll es ganz allgemein hingehen? Es wäre toll, wenn wir uns gesellschaftlich auf diese Fragen zügig einigen könnten und wollten.
              Wenn unsere Gesellschaft (die Mehrheit-wir Leben in einer Demokratie!) z.B. ausschließlich die landwirtschaftlichen Ansichten von Biobauer Andreas teilen würde, dann müsste sie das nur klar und deutlich definieren und gerecht bezahlen. Ich bin überzeugt, die Landwirte würden sich darauf einstellen weil sie froh wären definierte Rahmenbedingungen und möglicherweise ein auskömmliches Einkommen zu haben! Nur passiert leider eher das Gegenteil: Die Parteien, die die Rahmenbedingungen vorgeben müssten interessieren sich nicht mehr für Landwirtschaft, mit Ausnahme der Grünen, die weigern sich aber von der Realität der Betriebe auszugehen und daraus gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln. Also richtet es halt der „freie“ Markt mit all seinen Folgen…

              Meine Antwort auf deine Frage, ob da nicht was verkehrt läuft, wenn alle sich vergrößern und damit höhere Pachtpreise zahlen obwohl sie immer weniger verdienen und immer mehr arbeiten müssen kannst du in meinem Bericht „Milch-eine Krise mit Folgen“ in diesem Blog nachlesen: Ich mache da nicht mehr mit! Meines Erachtens ist der ganze Milchsektor völlig krank!

              3+
            • Bauer Christian sagt

              @ Palla
              find ich gut. Selbst denken und sich nicht mehr überall reinreiten lassen.
              Ich bin auch aufn Weg nach dem Motto: weniger ist mehr. weniger Arbeit, weniger Geld, mehr Zeit für einfache Hobbys und Familie. Gilt bei mir auch fürn Ackerbau und läuft im heurigen Dürrejahr jedenfalls optisch besser.

              2+
            • Bauer Christian sagt

              @palla
              ich hab jetzt ein Paar Biogasfakten aus Ö bezüglich Substrat: aufgelistet Substrat -energiebezogen:
              53% Mais, 8%gps, 11% biogene Abfälle, 4%wirtschaftsdünger, 9% nawaro, Grünland, 7% Nebenprodukte der LW

              habe mich da etwas getäucht was Mais angeht, hätte ihn sicher auf 75-80% geschätzt.

              1+
  19. W. Toft sagt

    Willi, das hast Du richtig beschrieben! Viele Subventionen werden auch direkt durchgereicht an unsere Verpächter. Das war zwar nie die Absicht des Erfinders oder der Politik, aber die Praxis zeigt an anderes Bild. Ich weise immer darauf hin, dass die Lebensmittel subventioniert werden, damit der Erzeuger klar kommt. Wenn wir weniger Subventionen bekommen, kann man sich alles schenken, und „frei“ wirtschaften. Trotzdem hat der Markt heute den größten Einfluss auf unser Einkommen. Wir sehen das gerade bei den Milchbetrieben, dort stockt der Export der Produkte, und alles bricht zusammen, obwohl es keine großen Lagerbestände gibt. Die Getreidepreise sollten eigentlich steigen, nach den Erträgen in der BRD durch die Dürre, aber in einigen Regionen auf der Welt gibt es eine Super- Ernte, und schon fällt der Erzeuger- Preis in Deutschland. Die Schweine- und Rindermäster kennen das schon länger, immer am Limit zu produzieren, da helfen die Subventionen über die schlimmste Zeit hinweg.

    4+
  20. bauerhans sagt

    subventionen heisst ja im volksmund:
    es bekommt jemand geld vom staat,weil lobbyisten die politiker beschwatzen und der steuerzahler finanziert das ganze.

    als bauer sehe ich das so,dass ich cross compliance auflagen einhalten muss d.h. wirtschaften nach vorgaben der politik,erbringen einer vorgegebenen leistung für die gesellschaft und bekomme dafür eine zahlung,einen lohn,ein entgelt.
    dieses kann gar nicht plötzlich abgeschafft werden,weil dann alles zusammen brechen würde.
    z.b. sind pachten auch deshalb so hoch,weil es pro ha halt 330€ gibt.

    1+
    • Bauer Willi sagt

      @Hans und @W.Toft
      Die Verbindung Pachtpreise und Subventionen macht mir etwas Bauchschmerzen. Könnt ihr einem Mitbürger erklären, warum trotz schlechter Preise in der Landwirtschaft immer noch sehr hohe Pachtpreise gezahlt werden? Das sind doch alles Landwirte, die die bezahlen. Bei Kaufpreisen könnte man ja noch mit privaten Investoren argumentieren. Ich bitte um Vorschläge…
      Bauer Willi

      3+
      • Biobauer Andreas sagt

        wachsen oder weichen. Die Flächen/Stückkosten auf bisherigen Flächen werden mit grösseren Maschinen/Einheiten günstiger, kommen evtl. so in die Ertragszone, daher kann für Produktionsausweitung bis zum Nullertrag investiert werden. Oder anders: hohe Pachten verdient man durch Kostensenkung auf dem Restbetrieb durch grössere Maschinen.
        Andere Idee: wenn die Flächenprämien die Pacht übersteigen, hast Du auch ohne Bewirtschaftung was verdient. Es gibt sie schon die Bauern, die günstig Grünland pachten und nur runtermulchen, scheint sich zu lohnen.

        0
      • bauerhans sagt

        ganz einfach: HABEN WOLLEN.

        ich kann das nur vom hörensagen beurteilen,selbst beteilige ich mich nicht am pachtmarkt.
        konkretes beispiel: die erben schreiben ne grössere fläche im wochenblatt aus und es meldet sich ein biogasunternehmer,der 1000€ bietet.
        der langjähriger pächter,der wohl um 600€ gezahlt hatte,steigt auf den pachtpreis ein,um das land nicht zu verlieren.

        0
      • Palla sagt

        @Willi.
        Das liegt teilweise daran, dass Betriebe, die einen neuen, größeren Stall bauen wollen auch ausreichend Fläche nachweisen müssen um z.B. nicht gewerblich zu werden oder um im Aussenbereich bauen zu dürfen. Da gibt es Situationen in denen man die angebotene Pachtfläche, vielleicht auch noch in Hofnähe braucht, koste es was es wolle! Betriebswirtschaftlich unsinnig, aber sonst gibts keine Baugenehmigung!

        1+
        • Bauer Christian sagt

          @Palla
          aber da stinkt doch richtig was im System, wenn der Bauer freiwillig gezwungen wird überteuert Flächen zu pachten!!

          0
          • Palla sagt

            Natürlich ist das irre!

            Übrigens habe ich die Novellierung der Düngeverordnung vergessen, die manchen Betrieb zwingen wird mehr Flächen zu pachten, aber das kommt ja erst noch…

            1+
            • Bauer Christian sagt

              Was meinst du Palla, da läuft doch irgendwas verkehrt, oder?

              Wenn alle vergrößern, wird zwangsläufig der Preis für Flächen steigen. Den Flächen sind nicht vermehrbar.
              Geht es bei der Düngeverordnung um die N-Mengen je ha? Geht dies nicht mit Gülleverträge?

              0
      • W. Toft sagt

        Wie bei einigen die Kostenkalkulation aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Flächenfaktor(Viehdichte), Wertschöpfung der Fläche, Veredlung der Erträge ectr., spielt eine große Rolle. Mit Wasser kochen aber alle nur. Man sollte eine Kalkulation nicht auf eine hoffentlich bessere Zukunft ausrichten, das geht meistens schief. Viele meinen, dass sie mithalten müssen, ohne an die Konsequenzen denken. Ich möchte nicht wissen, wie viel Prozent der Landwirte von der Substanz leben, nach solchen „Wachstumsschritten“. Es gilt als Gesichtsverlust, wenn man eine Fläche verliert. Dem Verpächter mache ich keinen Vorwurf, er nimmt eben was er kriegen kann. Kaufmännisch gesehen, sollte man kein Gutes Geld, in schlechte Anlagen investieren. Man sollte auch mal verzichten, wenn keine Aussicht auf Gewinn, auf der Fläche besteht. In unserem Landkreis haben wir die größte Biogasanlagen- dichte in Deutschland, die entstanden ist, aus der letzten Milchkrise(2009). Das Land wurde extrem knapp, und alle stöhnen über die hohen Pachten. Ob Kuhstall oder Biogasanlagen, alle brauchen Fläche, um zu überleben. Der Verpächter hat den Vorteil, egal wie es dem Pächter dabei geht. Erst wenn die guten Betriebe nicht mehr weitermachen wollen, wird man ins grübeln kommen.

        1+
      • Crux sagt

        Drei Gründe:
        – Gerade in den letzten Jahren haben Ackerbauern, und vor allem größere, sehr gut verdient. Entsprechend sind die Erwartungshaltungen gestiegen.
        – Überhaupt haben größere Betriebe im Westen, Osten und Süden in den letzten Jahren sehr rentabel gewirtschaftet. Und diese möchten weiter wachsen und können sich die Preise leisten.
        – Viele Betriebe machen keine Vollkostenrechnung. Sie sagen sich: den Traktor, den Stall, die Arbeitszeit habe ich sowieso und rechnen sie nicht mit ein (und sollten es oft auch nicht).

        1+

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