Bauer Willi
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“Wenn unsere Welt eine andere ist…

dann muss auch unsere Politik eine andere sein.

Dieser Satz stammt von Annalena Baerbock und sie äußerte ihn während ihrer Rede in der Sondersitzung des Bundestages am Sonntag, 27. Februar 2022.

Sie bezog ihre Worte vor allem auf all die Maßnahmen, die im Bezug auf den Krieg in der Ukraine ergriffen wurden. Viele davon wurden bislang von den jetzigen Regierungsparteien abgelehnt.

Vor dem Hintergrund des Krieges werden nun viele neue Anforderungen an die Landwirtschaft gestellt. So soll die Abhängigkeit von russischer Energie (Erdgas, Erdöl) verringert werden, der Klimawandel soll aufgehalten werden und natürlich soll die Versorgung mit Lebensmitteln so klappen wie bisher. Das Wirtschaftsministerium unter Robert Habeck möchte mehr Flächen für Windkraft, Photovoltaik soll auf Ackerflächen aufgestellt werden, Frau Prof. Claudia Kemfert twittert, dass Biogas deutlich mehr Bedeutung zugewiesen werden sollte. Die Rede ist von 30 Gigawatt.

 

 

 

 

 

Sie bezieht sich dabei auf folgende Veröffentlichung: https://www.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/biomasse/der-ungenutzte-gasspeicher/

Gleichzeitig wird mit der Strategie “Farm to Fork” die Selbstversorgung in Europa massiv in Frage gestellt. 50% weniger Pflanzenschutz und 30% Bio werden ohne jeden Zweifel dazu führen, dass die Erträge sinken. Und so hat auch die Staatssekretärin Ophelia Nick im BMEL erkannt, dass es notwendig werden wird, die Selbstversorgung zu verbessern.

Leider verrät sie nicht, wie und bei welchen Produkten das erreicht werden soll. Sie schreibt sehr richtig, dass es “derzeit” keine Engpässe geben wird. Das kann aber im Herbst schon ganz anders sein. Dann stellt sich nämlich die große Frage, wie es mit der physischen Verfügbarkeit von Dünger und Pflanzenschutzmitteln aussieht. Der Preis wäre dann schon fast sekundär.

Als am Sonntag in der Sendung Berlin Direkt Minister Habeck gefragt wurde, ob man an eine Verlängerung der Laufzeiten bei Kohlekraftwerken denken würde, sagte er sinngemäß: “Alles muss auf den Prüfstand, es gibt keine Denkverbote”. Das muss auch für die Versorgung mit Lebensmittel erfolgen, und zwar schnell.

Noch können wir Landwirte in kleinem Rahmen für den Anbau 2022 reagieren. Das Zeitfenster wird aber immer kleiner.

Für den Herbst brauchen wir Signale, ob die in der neuen GAP festgelegten Maßnahmen tatsächlich auch in dieser neuen Situation zum Tragen kommen sollen.

Die Anlage von Blühstreifen und die Stilllegung von Flächen, ein bewusstes Zurückfahren der Düngung unter den Bedarf und Einschränkungen beim Pflanzenschutz haben dann die politischen Entscheidungsträger zu verantworten. Wir haben früh genug darauf hingewiesen.

Es soll dann niemand sagen “Wir haben das nicht für möglich gehalten, wir waren einfach zu naiv”. Das hilft dann auch nicht mehr.

Nachtrag: Nachdem ich den Artikel geschrieben hatte, kam aktuell noch dieses Video von Gero Hocker, FDP.

XPRM0125[1]

Die ist ja bekanntlich einer der Regierungsparteien. Man darf gespannt sein.

 

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41 Kommentare

    • Reinhard Seevers sagt

      Zitat:”„Und wenn wir schon bei Rechenspielen sind: Wie ausgeprägt wäre die Unterversorgung im Obst- und Gemüsebereich denn noch, wenn wir mit den Futter- und Düngemitteln, mit denen wir aktuell in anderen Bereichen Überschüsse produzieren, regionales und saisonales Obst und Gemüse anbauen“, stellt Mann in Frage.”

      Ist der Mann noch im Besitz seiner geistigen Kräfte?😳

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    • Smarti sagt

      BDM-ler waren schon immer …speziell. Der “Bund deutscher Milchviehhalter” ist eine laute Minderheit unter den Milchviehhaltern.

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    • Ulrich Knippenberg sagt

      Das ist so ziemlich das dämlichste was ich seit langem gelesen habe. Ein Eimer “Spülmilch” rettet die Welt vorm Abgrund. Unglaublich.

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  1. Dorfmensch sagt

    Die Verurteilung der modernen Landwirtschaft durch Grüne und deren Trittbrettfahrende in Politik, Umweltverwaltung und NGO wird m. E. nicht gleich verschwinden. Denn dann müssten die grüne Politik auf Wählerstimmen in den großen Städten, die Umweltverwaltungsleute auf ihre Anerkennung sowie die NGO auf Spendengelder von der beängstigten Bevölkerung verzichten. Wie sollen Qualitätsmedien und Teile der Lehrerschaft den Leuten erklären, dass ihre Erzählungen in der Vergangenheit falsch waren und heute etwas anderes gilt. Ich glaube nicht an solche Wandlungen. Dafür ist die Stimmung, die über viele Jahre gegen die moderne Landwirtschaft aufgebaut wurden und teilweise durch regelrechten Hass begleitet wird, zu stark verbreitet.

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  2. Lieschen Müller sagt

    Ich verstehe alle eure Positionen zur Ernährungssicherheit und denke auch, hier liegt die erste Hauptaufgabe. Nur über das “wie” herrschen halt ideologische Meinungsverschiedenheiten. Der Klimawandel wird trotz Krieg nicht anhalten. Damit bleibt die Verfügbarkeit von Trinkwasser ein großes Problem. Wenn das Grundwasser alle ist, ist es alle, und dann kommt auch kein Neues. (oder eben nur sehr langsam). Das betrifft nach meinem GEO-Wissen z.B. den großen Grundwasserspeicher in den USA. Wenn ich das richtig verstehe, ist Mitteleuropa aufgrund seiner klimatischen Bedingungen eigentlich bestens für die Lebensmittelproduktion geeignet. Das führte zu einer großen Bevölkerung und einer starken Industrialisierung. Nun gibt es zu wenig Platz für Landwirtschaft, Naturschutz, Industrie und eine große Bevölkerung.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Genau Lieschen! Zu den Nutzungskonflikten kommen dann noch andere hinzu.
      Wenn man keine Tierhaltung möchte, kann man ja Gemüse anbauen…wenn aber das Klima keine ganzjährige Erzeugung erlaubt, kann man ja ein Gewächshaus bauen…oder eben nicht:
      https://www.br.de/nachrichten/bayern/fuerther-oberbuergermeister-kaempft-gegen-gross-gewaechshaus,StSl13y
      Man kann es drehen wie man möchte, irgendeinen Tod wird man sterben müssen, und wenn es der Hungertod ist.

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      • Im Landkreis Fürth ist es noch schlimmer, wie in der Stadt Fürth. Zwei Gemüsebauprojekte wurden bereits beerdigt, beide neben bestehenden Biogasanlagen. Gegen das dritte regt sich auch starker Widerstand durch Bürgerinitiativen und die Stadt. Auf ca. 1o Hektar sollen Biotomaten angebaut werden. Die Wärme kommt von einer Biogasanlage. Die Biogasanlage wird aus der Kombostierung des Bioabfalls der Biotone betrieben. Der komplette Biodünger für das Gewächshaus käme aus der Anlage, Transportweg unter 500 Meter. Der Wasserverbrauch würde komplett über Regenwasser abgedeckt werden. In 15 km Entfernung sind zwei Zentrallager von Supermärkten. Regionaler und nachhaltiger geht nicht mehr. Aber niemand will Massengemüsehaltung in der Nachbarschaft.

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        • Thomas Bröcker sagt

          Da pinkelt sich die Bio-Propaganda selbst ans Bein. Es wird schließlich über BÖLW, NABU und “Landlust-Bilder-bekloppte Medien” das Bild des idealistischen Kleinbauern gemalt, der alles gemischt anbaut und über Permakultur und SoLaWi als “Letzter Ausweg zur Rettung von Natur und Ernährung” schwafelt.

          Wenn man sich dann die tatsächliche Produktivität und den sogenannten Kreislauf genauer anschaut, findet man auf der Schiene fast ausschließlich “Projekte” mit niedrigsten Erträgen und hohen Flächenverbräuchen und einer ausgeprägten Selbstausbeutung. Das muss auch mal ganz klar in Zahlen und Erträgen bilanziert werden. Solange sich da keiner rantraut, bestimmt deren Geschwätz das Bild.

          Wenn Bio modern und produktiv arbeitet, also die Methoden und Erkenntnisse aus der modernen Landwirtschaft anwendet, wird dieses Bild gestört. Die Unterschiede zur Klassischen Landwirtschaft im Produktionsprozess sind wohl da, aber der Betrieb sieht nach außen eben nicht anders aus als sein klassisch wirtschaftender Nachbar.

          Um das Bild der Landwirtschaft in den Köpfen der Menschen gerade zu rücken, würde es im Grund genommen reichen, wenn produktive IP-Betriebe und Bio-Betriebe gemeinsam für Produktivität eintreten würden. Die Unterschiede, die letztlich zur Kaufentscheidung für das Produkt der einen oder anderen Schiene führen sollen können da durchaus auch ehrlich gezeigt werden.

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      • Arnold Krämer sagt

        Gut, dass es noch andere Einstellungen/Entscheidungen in der Politik und der Gesellschaft gibt. Der Link führt zu einem ohne staatliche Investitionshilfen gegründeten Betrieb im südlichen Emsland. Gelebte Marktwirtschaft in niederländisch/deutscher “Kooperation”.
        https://www.emsflower.de/de/

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    • Arnold Krämer sagt

      Landwirte sind ehrenwerte Menschen. Sie wollen produzieren, produzieren und die Menschen glücklich und satt machen mit ihrem Fleiß und ihrer wirklich überzeugenden Leistungsbereitschaft. Sie blenden aber immer wieder aus, dass die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe nicht von gesellschaftlicher Wertschätzung, sondern in erster Linie von der relativen Knappheit ihrer Erzeugnisse abhängt. Die ist allerdings in D bei offenen Grenzen, einseitiger Kostenbelastung durch den Staat und der Marktstellung in der Wertschöpfungskette schwer/nicht zu erreichen (abhängig teilweise von den Betriebszweigen).
      Krieg und EU-weite Vorgaben zur Düngung und zum Pflanzenschutz etc. könnten jetzt zu einer Situation führen, die den Produzenten (Landwirt), den Endverbraucher (Bürger) und den Politiker (der auf Wiederwahl hofft) nicht befriedigt, sehr wohl aber den Unternehmer-Landwirt, der auf seine Kontenentwicklung betrachtet. Tragisch, dass bis dahin aber auch viele Landwirte ökonomisch auf der Strecke bleiben, weil……… (viele Gründe, die ich mir aufzuzählen erspare).

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      • Ferkelhebamme sagt

        Ist der Ruf erst ruiniert und gehören Schmähungen zur Tagesordnung, rückt Ehrenhaftigkeit in den Hintergrund. Minister Lauterbach bezichtigt mal eben per se alle Tierhalter der Tierquälerei:

        https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/lauterbach-energiewende-jetzt-wichtiger-als-der-rotmilan-12863192.html

        Fleischverzicht für Energie, die Verbindung muss man erstmal hinkriegen.
        Derweil ist die Verbindung zur europäischen Energie ganz anders gestört: nämlich durch einen Cyberangriff die Satellitenverbindung zu europäischen Windrändern, die nicht mehr angesteuert werden können.
        Herr Lauterbach, unsere Ferkel produzieren nicht nur hochwertige Lebensmittel, sondern auch Dünger, Strom und Wärme.

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        • Reinhard Seevers sagt

          “Die Demonstranten nennen ihre Kampagne “Essen Retten – Leben Retten” und fordern ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung sowie eine sofortige Agrarwende, um Klimagase aus der Landwirtschaft zu mindern. In den vergangenen Wochen blockierten sie mehr als 30 Mal Straßen und Autobahnen.

          Die Initiative twitterte: “Wir haben nach wie vor mehr Angst vor dem Verlust unseres Landes & drohendem Hunger in DE als vor der Innenministerin.” Unterstützung erhielt sie von Politikern der Grünen und Linken. Der Berliner Linke-Abgeordnete Ferat Kocak twitterte: “Protest muss manchmal provokant sein, manchmal muss er den sogenannten Normalbetrieb stören, denn sonst bleibt er letztlich unbeachtet und wirkungslos.”

          Der Innenpolitik-Sprecher der Grünen, Vasili Franco, schrieb: “Übrigens: Das wirksamste Mittel im Umgang mit Klimaprotesten ist echter Klimaschutz.”
          https://www.t-online.de/region/berlin/news/id_91647816/erneute-blockaden-der-berliner-autobahn-erboste-autofahrer.html

          Die Berliner Blase ist noch da….Grüne und Linke haben auch noch Luft, um gegen die Nahrungserzeugung zu kämpfen….vielleicht sollten sie gen Osten reisen und dort einen echten Kampf kämpfen?🙄

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        • Bauer Fritz sagt

          Wenn man was Nützlicheres wie den Minister “Ich hab doch gestern noch das Gegenteil behauptet” haben will, ließe sich ein Kropf empfehlen..

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    • Thorens sagt

      “Nun gibt es zu wenig Platz für Landwirtschaft, Naturschutz, Industrie und eine große Bevölkerung.”

      Wir haben zumindest in diesem Land überhaupt kein Platzproblem, wenn wir die verfügbaren Ressourcen sinnvoll nutzen. Um das tun zu können, muss Konsenz darüber bestehen, was wirklich wichtig ist. Bisher hat es sich in der Geschichte gezeigt, dass Frieden und Ernährungssicherheit zwei sehr grundlegende Pfeiler sind dafür, dass eine Gesellschaft überhaupt dauerhaft existieren kann. Wohlstand kommt erst lange danach.

      Beim Frieden erleben wir gerade, dass wir selbst da so ziemlich überhaupt nichts mehr zu dessen Erhalt beitragen können, wenn es einem Aggressor gefällt, diesen infrage zu stellen, weshalb jetzt plötzlich 100 Mrd. aus dem Ärmel zu zaubern sind. Dabei hatten wir doch so gute Absichten mit all den löblichen Friedensinitiativen und Ostermärschen in den 80ern und 90ern. Ein einziger entsprechend veranlagter Mensch mit genügend Macht reicht offenbar aus, um das alles auf den Kopf zu stellen.

      Wollen wir tatsächlich in der Ernährungsfrage dasselbe Experiment wagen, um uns später, wenn wir nur genügend abhängig von Dritten geworden sind, uns auch damit genauso erpressbar zu machen, wie aktuell beim Thema Energie? Oder wäre es vielleicht doch klüger, zweifellos notwendige Veränderungen im Kontext zum Thema Existenzsicherung mit mehr Augenmaß zu betreiben?

      Das, was auch finanziell durch die aktuellen Geschehnisse auf jeden Einzelnen von denen zukommt, die durch ihr Arbeiten und Wirtschaften überhaupt erst die Existenz eines Staatswesens ermöglichen, wird deutlich weniger Spielräume lassen für Experimente mit ungewissem Ausgang. Natürlich findet der Klimawandel weiterhin statt. Natürlich müssen wir uns um Natur- und Umweltschutz bemühen. Aber doch bitte mit hinreichend Augenmaß, um dadurch nicht die eigene Existenz zu gefährden. Denn sonst können wir uns sämtliche Bemühungen sparen und den Löffel auch gleich abgeben.

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        • Thorens sagt

          Die geschilderten Umstände im verlinkten Artikel sind mir durchaus bekannt, Stadtmensch. Das ändert nichts daran, dass Putin heute als Aggressor einen Krieg vom Zaun bricht, der offenbar mit Lügen gerechtfertigt werden soll. Auch halte ich es für einen Unterschied ob, wie im Artikel geschildert, die Nato-Staaten sich durch UCK-Propaganda haben hineinziehen lassen oder ob ein Imperialist bewusst einen Grund für seine militärische Intervention fingiert. Im Falle Putin kann ich keinen Unterschied erkennen zu dem, wie Hitler vorgegangen ist, um den Überfall auf Polen zu rechtfertigen.

          Aber hinterher sind natürlich wieder alle klüger und hätten anders agiert.

          Das Drama ist, dass offenbar niemand dazu in der Lage war, Putin richtig einzuschätzen. Das ist ein Armutszeugnis.

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          • Stadtmensch sagt

            “als Aggressor einen Krieg vom Zaun bricht, der offenbar mit Lügen gerechtfertigt werden soll.”

            Nochmal (Achtung Kindergarten):
            https://www.bauerwilli.com/tyrannenmord-im-raiffeisenmarkt/#comment-220901

            “Aber hinterher sind natürlich wieder alle klüger und hätten anders agiert.”

            Ich war schon immer gegen eine Dämonisierung der Russen. (Lesetip: Feindbild Russland – Geschichte einer Dämonisierung.)
            Wahscheinlich weil sie mich bei den Amis wegen meines Akzentes für einen gehalten haben. (Hab dort mal gearbeitet für eine Weile). Und wer hat mich dort eingeladen? Russen – wie freundlich und herzlich. Und wer wollte, dass wir unsere Rechnungen im Restaurant selber bezahlen, obwohl er eingeladen hatte? Unser Boss. Ist später auch mal Finanzminister von Sachsen gewesen – Passt ja…

            • Reinhard Seevers sagt

              Wer DIE Russen mit DEM Putin gleichsetzt gehört wirklich in den Kindergarten.

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            • Thorens sagt

              Ja, es geht überhaupt nicht um Die Russen. Im Augenblick halte ich tatsächlich nur einen einzigen von ihnen für wirklich problematisch.

              Auch gut möglich, dass die Amis mitgezündelt haben auf dem Maidan, ich traue denen so Einiges zu.

              Aber: Wer oder was hat denn all die neusouveränen Oststaaten in den letzten 30 Jahren und nach reichlich Sovjeterfahrung dazu bewegt, sich lieber den westlichen Modellen anzuschließen als Russland? Was hätte Russland diesen zu bieten gehabt außer Raubtierkapitalismus? Hat nicht auch Russland die Souveränität dieser Staaten einst anerkannt? Kann man es den Ukrainern angesichts dessen verübeln, wenn sie für sich den Weg nach Westen als den anscheinend aussichtsreicheren gewählt haben?

              In der Ukraine hat man es seit der Krimannexion leider versäumt, die Lage in den Separatistengebieten möglichst friedlich zu klären. Wie man liest, waren die allseitigen Bemühungen darum nicht besonders ehrgeizig. Man musste es aber wissen, dass dies P. einen trefflichen Vorwand zu liefern in der Lage war. Ich weiß nicht, ob Einfalt oder Kalkül die Regie dabei führte.

              Aber bitte, was konkret fürchtet Putin so sehr an der Ausdehnung des “Westens”? Etwa Sorge um “sein” Volk? Putin geht es nur um Putin und den Erhalt seiner Macht. Etwas Anderes lässt sein Ego nicht zu. Das und nichts Anderes hat ihn diesen Krieg vom Zaun brechen lassen.

              https://de.wikipedia.org/wiki/Narzisstische_Kr%C3%A4nkung

    • Inga sagt

      Genau richtig,
      und da haben wir auch keine Lust diese Grundwasserreserven irgendwelchen Industriehaien in den Rachen zu werfen.

      Das selbe gilt für Grund, Boden und Luft.
      Warum sollten die Bauern mit ihrem Fachwissen das ausnutzen, nur um die Industrie mit billigen Rohstoffen zu beliefern?

  3. Reinhard Seevers sagt

    Die DLF-Presseschau hat drei Beiträge zum Klimaschutz ausgesucht, u.a. auch den der TAZ. Darin ist die EU-Landwirtschaft weiterhin ein Problem fürs Klima….es wird also noch dauern, bis in der urbanen Hauptstadt – Bevölerung die Situation als eine andere erkannt werden wird.

    Nun zum Weltklimabericht. Die TAZ erläutert: „Noch nie war er so politisch wie heute: Er spricht von globaler Gerechtigkeit, gutem Regieren, von historischer Schuld durch den Kolonialismus und davon, dass die Armen, Alten, Jungen, Kranken, Indigenen und Marginalisierten besonders leiden. Das bedeutet: Die Klimakrise ist kein Schicksal, sie wird gemacht, durch unser Tun und Lassen. Wir müssen kluge politische Entscheidungen fällen und sie dann durchsetzen und kontrollieren. Das Problem mit der Erderhitzung haben wir selbst angerichtet. Noch können wir die schlimmsten Folgen verhindern: Beim Artenschutz auf der nächsten UN-Konferenz, bei der EU-Landwirtschaft, beim internationalen Kohleausstieg, bei einem Energiesystem nach dem russischen Gas, beim rasanten Aufbau der Erneuerbaren. Dafür braucht es schnell Entscheidungen – und EntscheiderInnen, die diese 35 Seiten nicht nur lesen, sondern mit Leben füllen.“ So weit die TAZ.

  4. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Die “Weltenretter” müssen sich jetzt natürlich den veränderten Bedingungen anpassen,anders wirds nicht funktionieren,ob das zu nachhaltigen Veränderungen führen wird??

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  5. Arnold Krämer sagt

    Herr Hocker muss nicht dafür “kämpfen”!! , dass sich Brüssel und Berlin keine zusätzlichen Auflagen in Sachen Landwirtschaft ausdenken und beschließen. Die FDP muss sich dafür einsetzten , dass viel Überflüssiges/Kontraproduktives, das die Betriebe bereits jetzt massiv belastet/behindert/stranguliert, abgeschafft wird.

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  6. Jürgen Donhauser sagt

    In früheren Artikel habe ich immer wieder von der Dekadenz gesprochen, an der in der Menschheitsgeschichte auch immer wieder andere Hochkulturen zugrunde gingen. An mangelnder Wertschätzung und Bemühung um grundsätzlichen Dingen im Leben. Sicherheit, Nahrung und neuzeitlich die Energie. Wie Willi habe ich ein Fünkchen Hoffnung, dass diese “Zeitenwende” nicht nur in Sachen Wehrhaftigkeit, sondern auch beim Thema Lebensmittelsicherheit ankommt – wenn es nicht schon zu spät ist. Aber Vorsicht Willi, die NGO hören solche Vergleiche und mahnende Worte wie im Artikel gar nicht gerne. Magnus J.K. Wessel, leitender Mitarbeiter von BUND, hat gestern auf ähnliche mahnende Worte des Bauernverbandes geantwortet: “Kriegsgewinnler gibt es leider überall”.

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    • Picard sagt

      Und wie sieht “Lebensmittelsicherheit” denn aus? Wenn ich hier so mitlesen, denken 80%der Schreiberlinge dass sie in die Produktionsmethoden der 1980-90ger zurückversetzt werden.
      Dem wird aber nicht so sein: denn “Lebensmittelsicherheit” bedeutet eben nicht dass Milchseen und Butterberge angelegt werden sowie Getreide und Fleisch für Export produziert wird, sondern das, was der Konsument braucht. Dinkel, Roggen, Weizen für lokale Mühlen, Milch in Litergebinden, Butter in 250 Grammpackungen. Fleisch, für die Einen überhaupt nicht, für die anderen Premiumqualität. Und der deutsche Bauer ist beileibe NICHT darauf eingestellt!¨!

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      • Bauer Willi sagt

        @Picard
        Erstens: Sie sind auch ein “Schreiberling”. 🙂

        Zweitens: In “meiner” Genossenschaft liegt massenhaft Dinkel, Roggen und Weizen für lokale Mühlen. Die sind genau 20 km entfernt, an der Rheinachse.

        Das mit der Milch und der Butter verstehe ich nicht. Gibt es bei euch nur lose Milch und Butter? Oder wie ist das gemeint?

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        • Inga sagt

          ” Milchseen und Butterberge ”

          sind Ausdrücke aus den 60iger Jahren, als alles zu viel da war und vernichtet werden mußte, um den Preis zu stabilisieren.
          “Getreidehalten” gehörte auch dazu!

          “Lebensmittelsicherheit” bedeutet, wenn die Ukraine nicht liefern kann eben nur bwas der Konsument braucht.

      • Reinhard Seevers sagt

        Das Problem wird wohl eher die Logistik, die aufgrund fehlender ukrainischer und russischer Fahrer eng werden wird. Kann ja dann jeder Bürger seine Produkte im Direktverkauf abholen im Werk, wo ist das Problem Picard?

        P.S: Dinkel braucht keiner.

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        • Inga sagt

          Ich dachte es geht um Weizeneinfuhr von der Ukraine.

          Wenn es da irgend ein Handelsembargo gibt!

          Oder auch Transportprobleme!
          In dem Fall können wir uns keine Stellungen oder Mindererträge erlauben!

      • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

        ” Und der deutsche Bauer ist beileibe NICHT darauf eingestellt!¨!”

        Der deutsche Bauer kann nicht dauernd unter Preis produzieren!

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        • Günter sagt

          @Hans Gresshöner:
          Niemand muss unter Preis produzieren, die freie Marktwirtschaft , die von den meisten hier propagiert wird zwingt niemanden dazu.
          Alle Preise sind im Moment exorbitant am steigen ,
          Da werden die Bauern wohl mitziehen, mit der Lebensmittelproduktion kann man ja im Moment richtig Geld verdienen wenn die Lage sich weiter so verschlechtert.

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          • Schmeckt gut sagt

            Geld verdienen nur die “Verschlimmbesserer” unserer Urprodukte (s. Veggieburger). Unsere Marge wird immer geringer oder wird kleiner gerechnet, weil ja in allen vorgelagerten Bereichen die Kosten so doll gestiegen sind. Nur bei den Bauern steigen die Kosten nicht. Wir arbeiten sozusagen kostenneutral – oder heißt es klimaneutral. Na egal, wir sollen auf jeden Fall die Welt retten. Sind ja eh an allem Schuld. Ironie off.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wenn wir sie nicht hätten,
        würde die ganze Produktion der Lebensmittel in Zukunft den Bach runter gehen.
        Dass der Verbraucher Milch in Litergebinden, Butter in 250 Grammpackungen kaufen will, ist mir jetzt völlig neu, deshalb bin ich ihnen zu Dank verpflichtet.

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      • Schmeckt gut sagt

        Picard, auf jeden Fall sind wir Bauern darauf eingestellt. Da wir immer und andauernd unsere Methoden und Strategien anpassen müssen, können wir selbstverständlich in kürzester Zeit wieder die Hausschlachtung organisieren. Dann kommt es wie gefordert (so wird immer argumentiert, nach meiner Meinung liegen die “Lautschreier” hier aber völlig daneben, denn die Marktdaten spiegeln den wahren “Willen” der Gesellschaft wider). Nichtsdestotrotz können wir diese angeblichen Forderungen – dann mit deutlich weniger Tieren – umsetzen. Wir dürfen es, hauptsächlich aus hygienischen Gründen, aber nicht. Es verbietet u.a. die EU-Gesetzgebung. Stattdessen werden die Tiere 100te km durch die Gegend geschippert und zentral (bei Tönnies) geschlachtet. Nicht die deutschen Bauern sind an diesem Dilemma schuld, sondern der Gesetzgeber. Und mittlerweile fehlende Fachkräfte, wie in allen Branchen. Uns zu unterstellen, dass wir mittelalterlich denken und arbeiten ist einfach nur naiv und peinlich.

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      • Thorens sagt

        Also meine Wahrnehmung ist es nicht, dass sich Autoren hier für Butterberge oder Milchseen ausgesprochen hätten. Du gerätst ins Fabulieren, Picard.

        Allein beim Getreide liegt unser Selbstversorgungsgrad bei knapp über 90 %. Gemüse zwischen 30 und 40 %, Obst gut 20 %. Fleisch, Milch und Karoffeln produzieren wir mehr, als wir verzehren. Im Schnitt liegt der SVG bei unter 90 %. Also schon heute und noch vor allen Transformationsbestrebungen können wir uns nicht komplett aus eigener Produktion ernähren.

        Solange es Staatenlenker auf diesem Planeten gibt, auf die man sich im Zweifel eben nicht verlassen kann, und davon gibt es schon zu viele, so lange sollte man sich tunlichst darum bemühen, besser nicht von diesen abhängig zu sein. Das betrifft ausdrücklich auch die USA, wie uns das, womöglich noch nicht abgeschlossene Kapitel Trump vor Augen geführt hat.

        Alles Andere kommt danach, wenn Freiheit tatsächlich eine Rolle spielen soll.

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    • Bauer Willi sagt

      Die Geschäftsmodelle der NGO funktionieren immer weniger und die Töne werden immer schärfer. Ähnlich schräge Töne sind bei Twitter auch von Greenpeace zu hören.

      Derzeit nehme ich wahr, dass die derzeitige Regierung die aktuelle Situation noch als gut einschätzt, aber sich sehr wohl vorstellen kann, dass es im Herbst bei Energie und dann auch bei Lebensmittel kritisch werden kann. Aber noch kann/will man das (noch) nicht zugeben. Es bedeutet ja, dass man seit Jahrzehnten einem unerreichbaren Ideal nachgelaufen ist. Und wer irrt sich schon gerne?

      Von daher: wir müssen unseren Kritikern mit Argumenten helfen, ohne Gesichtsverlust da rauszukommen. (an was erinnert mich das bloß?)

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