Bauer Willi
Kommentare 47

Welternährung – Grund zur Sorge?

An der Börse in Paris notiert Weizen aktuell bei knapp unter 300 €/t. Der Preis für den Septembertermin 2022, also die Ernte 2022, die gerade eingesät wird, liegt über 260 €/t. Schaut man sich die Fünf-Jahres-Grafik an, so schwankte der Preis über viele Jahre zwischen 160 und 190 €/t.     https://www.kaack-terminhandel.de/de/matif-weizen.html

Noch extremer gestiegen sind die Preise für Raps, der mittlerweile die 700 €/t-Marke “geknackt” hat.                    https://www.kaack-terminhandel.de/de/matif-raps.html 

Die langjährige Notierung liegt hier zwischen 350 und 400 €/t.

Ähnliche Preissteigerungen sind auch für andere Agrarrohstoffe (Gerste, Mais, Zucker) festzustellen. Bisher ist unklar, wie lange diese Aufwärtslinie noch anhält, denn  an einen so extremen Anstieg in so kurzer Zeit kann sich vermutlich niemand erinnern. Nun kann man argumentieren, dass hier auch Spekulation oder auch Panik eine Rolle spielen. Kann sein, aber die Preise sind nun mal so wie sie sind.

Was für den Ackerbauer erst einmal erfreulich erscheint, ist für denjenigen, der Futter für seine Tiere kaufen muss, eine Katastrophe. Er hat höhere Kosten, die er im Verkauf seiner Produkte derzeit nicht erstattet bekommt.

  • Extreme Preise für Betriebsmittel

Die hohen Erlöse werden durch die extremen Preissteigerungen bei Diesel und Dünger wieder relativiert. Wer im Herbst keinen Dünger vorgekauft hat, muss heute das Drei- bis Vierfache dafür bezahlen. https://www.agrarmarkt-nrw.de/duengermarkt.shtm

Die Frage ist allerdings, ob er zu diesem Preis überhaupt Ware bekommen kann, denn viele Düngemittelhersteller sind ausverkauft und haben wegen der hohen Energiepreise zudem noch ihre Werke zurückgefahren oder ganz abgestellt.

https://www.focus.de/finanzen/news/auch-deutsche-bauern-leiden-duenger-so-teuer-wie-seit-13-jahren-nicht-mehr-experten-fuerchten-hungerkrisen_id_24402605.html

  •  Neue Töne in den Medien

Der obige Focus-Artikel weist darauf hin, dass zu wenig Dünger einen negativen Einfluss auf die Erträge haben kann und die Knappheit die Preise noch weiter befeuern könnte. Und auch die FAZ warnt vor deutlich teureren Lebensmitteln aufgrund der knappen Versorgung mit Dünger. https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/hoher-preis-fuer-erdgas-verteuert-ammoniak-und-duenger-17624392.html 

Neben den höheren Preisen für Düngemittel deutet sich derzeit auch bei Pflanzenschutzmitteln sowohl eine Preissteigerung als auch ein Verknappung an. So wird gemunkelt, dass Glyphosat in den USA ausverkauft sein soll. Nachprüfen kann ich solche Aussagen nicht, aber alleine die Nachricht reicht schon, um das Einkaufverhalten der Landwirte zu ändern. Ich habe bereits vor einigen Wochen einen Teil meiner Pflanzenschutzmittel für 2022 vorgekauft. Auf der Bank gibt es ja keine Zinsen und wenn die Preise tatsächlich im Frühjahr steigen, habe ich diese Mehrkosten umgangen. Da viele Wirkstoffe in China und Indien synthetisiert werden, ist auch offen, wieviel für das kommende Jahr hergestellt wird. Die gestiegene Inflation und die höheren Logistikkosten werden sich die Hersteller auf jeden Fall bezahlen lassen.

  • Auswirkungen auf Entwicklungs- und Schwellenländer

Für den Ackerbauer auf der Nordhalbkugel ist es ein Rechenexempel, bis zu welchem Preis sich ein Einsatz von Dünger noch lohnt.  Hat er rechtzeitig Ware gekauft und Verkaufs-Vorkontrakte für 2022 gemacht, kann er sauber kalkulieren. Eine äußerst schwierige Situation deutet sich jedoch in den Ländern an, die große Mengen an Grundnahrungsmitteln importieren müssen.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/165145/umfrage/groesste-weizenimporteure-weltwei/

Dazu gehören Länder wie Ägypten, Indonesien, Bangla Desh und Algerien, die selber nicht genügend Ackerland zur Verfügung haben, um ihre stark gewachsene Bevölkerung zu ernähren. Sie verfügen aber auch nicht über ausreichend Devisen, um die hohen Preise bezahlen zu können. Noch finden Lieferungen mit den “alten” Preisen statt, aber selbst bei “normalen” Ernten ohne extreme Witterungseinflüssen sind die hohen Preise an der Börse ja bereits fixiert. Was uns also wirklich Sorgen machen muss, sind

  • sinkende Erträge durch Verknappung von Dünger und Pflanzenschutzmittel
  • weiter steigende Lebensmittel-Preise durch sinkende Erträge
  • Hungersnöte in Ländern, die sich die Importe von Lebensmitteln nicht mehr leisten können
  • unkalkulierbare Reaktionen der Bevölkerung in den ärmsten Ländern (Migration, Aufstände)

Angesichts dieser Entwicklung sollten wir spätestens jetzt eine gesellschaftliche Diskussion führen, ob die bewusste Extensivierung der europäischen Landwirtschaft durch die Umsetzung der Strategie “Farm to Fork” sinnvoll und angemessen ist.

 

 

(Aufrufe 3.138 gesamt, 1 heute)

47 Kommentare

  1. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    “Hat er rechtzeitig Ware gekauft und Verkaufs-Vorkontrakte für 2022 gemacht, kann er sauber kalkulieren.”

    Ohne die Unwägbarkeiten des Wetters mit einzubeziehen!?

    Menschlein macht seine Rechnung ohne Mutter Natur? – Das funktioniert immer seltener reibungslos.

  2. Ludwig sagt

    Leute , nicht aufregen. Wenn die Regale im LEH leerer werden und dann vielleicht noch der ein oder andere Stromausfall von mehr als einem Tag kommt , dann werden unsere schlafenden Mitbürger schon aufwachen. Aber eben früher jedenfalls nicht . Die Autobahnen sind auch am Sonntag immer knalle voll und man macht so weiter wie bisher . Die Politik wird uns das gemachte Bett schon warm halten. So die Denke , denn man hat bei der Wahl ja ein “Weiter So ” gewählt ! Also weiter so ! ? Aber jetzt irren die lieben Mitbürger und wir werden wohl schwere Jahre vor uns haben. Wirtschaftsvernichtung , Währungsverfall und Energieknappheit werden uns die nächste Zeit beschäftigen und jeder sollte sich eine gewisse Vorsorge überlegen. Fest steht für mich , daß die jetzt gewählten Regierungsteilnehmer mit diesen Problemen nicht fertig werden , denn sonst hätte man schon was davon gehört . Es gibt also ein “Weiter SO! Gute Nacht Deutschland !

  3. oberländer sagt

    Ich gehe davon aus, daß das ganze Thema noch recht lange von den
    großen Staatsmedien tot geschwiegen wird .
    Das Jahr 2021 wird sicherlich sehr spannend , teure Energie, teure
    Lebensmittel ( >> Krieg in Entwicklungs – und Schwellenländern )
    Corona Debakel ,und Politik in Europa und vor allem in Deutschland
    nach Ideologie und ohne Diplomatie .

    ABER
    Bei der von unseren flachkompetenten Politikern anbefohlenen 50 %
    igen Umstellung auf Gutmenschische Bioproduktion kann so was wie
    Mangel gar nie nicht vorkommen.
    Das ist alles von klugen Terroretikern und geltungssüchtigen Professoren naturnah geplant.

    • Reinhard Seevers sagt

      Staatsmedien ist natürlich Quatsch und 2021 fast vorbei 😉…..Die Medien sind von der kapitalistischen Ökonomie getrieben. Alle Sender versuchen zu leben und zu überleben. Inzwischen haben fast alle Printausgaben Bezahlschranken. Wer die meisten Klicks und Abbonnements hat, der kommt weiter. Wer die reißerischten Schlagzeilen hat, der bekommt Klicks, ergo sind die Medien vom Kapital getriebene Institutionen. Da muss man nicht die rechte Sprechweise mit dem Begriff Staatsmedien bemühen, es geht AUSSCHLIEßLICH um Kohle!
      Leute wie Rezo beeinflussen die Jugend mehr, als die alte Tagesschau.

      • Reinhard Seevers sagt

        “Die Energiepreise sind allerdings nicht der einzige Grund für die Entwicklung der Lebensmittelpreise. Auch die Verteilung der teils hohen Agrarbeihilfen dürfte dabei eine Rolle spielen.”

        Und wie soll man in dem Zusammenhang die obigen Sätze verstehen? Unsere Bauern können aufgrund der Agrarbeihilfen den armen den Dünger wegkaufen ? Also wieder unsere Schuld?

      • Schorsch Summerer sagt

        Und wie du schon bei dem BR Beitrag bemerkt hast sind die Kommentare darunter seeeehhhr “lustig”. Nein sie sind teilweise eine Katastrophe. Wann werden endlich Kommentare nur noch mit Klarnamen veröffentlicht.
        Da steht zum Beispiel: auch gut, reduziert endlich die Bevölkerung um die Hälfte; sonst würde die Natur die Leute auch einfach verhungern lassen;
        Was sind diese “Foristen” teilweise für empathielose Arschlöcher. Tschuldigung.

        • Smarti sagt

          Herr Summerer, müsste man zu diesen “empathielosen Arschlöchern” nicht bald auch die ganzen Mitglieder der NGOS zählen ? Die sind auf dem besten Weg, mittels Hungersnöten und Krieg um Nahrungsmittel die Weltbevölkerung zu reduzieren. Landwirte weg, Essen weg…
          Es mag immer und überall paar Dumme Leute geben, die einfach nichts checken – aber nicht alle sind dumm – und dass sind empathielose Mörder, welche dumme Menschen benutzen.

          • Schorsch Summerer sagt

            Was soll ich jetzt antworten? Es mag gute Gründe geben für dies und das. Aber wenn eine Gesellschaft sich den Wanst vollschlagen kann, schnell mal zur Klimarettung oder für den Erwerb eines Doktortitels über Lilien, Schleimschnecken, Eisschlecken oder Pferdchenreiten nach sonstirgendwohin reist weil sie Geld hat, aber Anderen das Leben verwehrt weil diese sich in ihren Augen zu sehr vermehrt haben (warum wohl) dann ist das krank. Das Bevölkerungswachstum hat auch in Deutschland stattgefunden. Wir waren mal nur 40 millionen. Sagen sie mal einem Afrikaner er darf keine Kinder mehr haben dann wird er sie fragen wie er im Alter überleben soll. Einige scheinen nicht begriffen zu haben wie schnell der Wohlstandszauber auch bei uns mit all den Versicherungen und Renten mit all dem Ersparten wieder vorbei sein kann.
            Bei manchen Kommentaren brauche ich einen griffbereiten Kübel.

            • Schorsch Summerer sagt

              Nicht bei Ihrem oder deinem. Ich haben den angesprochenen Artikel gemeint.
              Mit der Anrede kannst du es halten wie du willst. :<)

          • Richtig,
            wir wollen uns nicht von “empatilosen SeelenMördern ” regieren lassen.

            Das hatten wir vor 80 Jahren!

  4. Smarti sagt

    Ich habe mal eine Frage an reine Ackerbaubetriebe. Liege ich mit meiner Vermutung richtig, dass der Betrieb in erster Linie Getreide für Lebensmittel anbaut, und erst danach das Futtergetreide. Also Partien, welche die Anforderung der Mühlen nicht erreichen werden zu Futter und danach zusätzlicher Futter-Anbau “für die Auslastung” der Ackerflächen und Maschinen.
    Jetzt wurde ja noch für die “normale” Tierzahl Getreide angebaut – diese Tierzahl soll jedoch halbiert werden. Da die tierhaltenden Betriebe ein Teil Getreide selber anbauen, würden sei kaum mehr Futter zukaufen. Wieviel “fehlt” dann in den Kassen der Ackerbauern und würde sich ein Anbau von “nur Lebensmittel-Getreide” überhaupt noch rentieren ?
    Jetzt kann man ja noch Futtergetreide für die menschliche Ernährung einsetzen, man stelle sich vor, dieses würde gar nicht mehr angebaut ?

    • Ostbauer sagt

      Bei uns bauen die Marktfruchtbetriebe fast ausschließlich Weizen an, welcher auch züchterisch die Einstufung als Brotgetreide hat. Futtergetreide wird`s dann meistens durch das Wetter.
      Allerdings haben wir hier ein großes Ethanolwerk, welches aus “Futtergetreide” Sprit macht so das der Absatz gesichert ist. Weil die Veredlungsbetriebe “tief im Westen” liegen, ist in normalen Jahren kaum ein vernünftiger Preis zu generieren. Aber was ist im Moment schon normal.
      Da wir regional sehr viele große Biogasanlagen haben, geht der Trend bei den Ackerbaubetrieben hier in Richtung Maisanbau auch um Flächen für den geforderten Zwischenfruchtanbau frei zu bekommen. Außerdem bekommen die die Gärreste zur Zeit noch kostenlos zurück.( wird sich wohl ändern bei den Düngerpreisen)
      Ob das alles gesund ist? Frag mich nicht. Spätesten im nächsten Jahr werden wir wieder die Tank oder Tellerdiskusion haben.

  5. Schorsch Summerer sagt

    Alles in allem läuft es wie bei dem Coronadesaster.
    Die Politik ignoriert die Fakten und zögert zu handeln bzw. weigert sich.
    Die Bevölkerung sieht die Gefahr nicht und will auch nicht reagieren. Geht den vermeintlich leichteren Weg.
    Man wartet und wartet, derweil prägen die Ideologen die öffentliche Meinung.
    Und dann?
    Es kommt zum grosssen Knall, die Nahrung reicht nicht für alle?
    Beschimpft werden im Ernstfall die Produzenten und Erzeuger von Nahrung (als ob die etwas herzaubern könnten).
    Anarchie, Plünderungen?
    Ich hoffe ich male schwarz. Irgend einer auf der Welt wird doch hoffentlich nicht so blöd sein wie die Deutschen und mal Tacheles reden.
    Doch im Moment gibt es auch etwas sehr wichtiges. Unsere Grünen dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen wie sie es sonst immer tun und müssen eine Regierung bilden. Dass sie sich aus dem Staub machen ist durchaus eine reale Gefahr. Von den hinteren Bänken lässt sich halt immer gut stänkern.

    • Bauer Willi sagt

      Meine Meinung auch.
      Was ich nicht verstehe: unsere Berufsvertretung könnte jetzt proaktiv handeln. Wo sind die jetzt?
      Wenn im nächsten Jahr (und solange dauert es noch, bis die Preise wirklich ansteigen) wird man sich wieder was einfallen lassen, warum wir Bauern schuld sind (oder stinkreich werden)
      Jetzt können wir angesichts der Verknappung auch die Diskussionen um die Ökologisierung der Landwirtschaft ganz anders führen.

      • Thomas Apfel sagt

        Ein Lichtblick heute: generische Werbung für die heimische Landwirtschaft mit wirklich gut gemachtem Spot zur Prime Time !!! (Forum moderne Landwirtschaft)
        Danke an die Macher !!

      • Günter D. sagt

        Es könnte aber auch sein, dass die Diskussion zu einer verstärkten Befürwortung der Ökologisierung führt. Die Ökos haben beim Thema Verknappung von KAS und PSM in der Regel keinen erhöhten Puls. Meine Beobachtung.

  6. Bauer Fritz sagt

    Das soll mal einer verstehen:
    Die selbsternannten Vertreter der Zivilgesellschaft samt den Nicht Gewählten Organisationen (NGO) haben unter lautem medialen Beifall doch immer gefordert, daß die Dünger- und Pflanzenschutzmengen mindestens halbiert werden müssen. Keine der ach so weisen Future-Hopser und App-Wischer hat sich auch nur 2 Minuten Gedanken gemacht über die Auswirkungen.
    Man dachte wohl, alles wird super einfach. Man verdonnert einfach die 3% Bauern wieder mal zu irgendetwas, was die 97% Bevölkerung nicht betrifft und hat fein politisches Kleingeld damit geschlagen.

    Ähnlich ist das mit den Verkaufspreisen: Es gibt doch sicher schon tausende “Studien”, wo sich Hinz und Kunz äußern, wie gerne sie doch mehr für Lebensmittel bezahlen würden (wenn es bei den Bauern ankommt). Weil ja immer genug da ist, hat die Mehrheit vermutlich erwartet, daß Preissteigerungen sowieso nie eintreten. Und wenn, hatte sich ja schon bisher alle wieder bei den Billigpreis-Schleudern bedient.

    Gerade die Eigenlob-Qualitätsmedien sollten sich doch mal fragen, wieso sie den Green Deal abfeiern und jetzt kalte Füße über die Auswirkungen bekommen.
    Solange die Bauern auf die Folgen hinweisen (und das tun sie seit langem), vor allem dort wo Folgeabschätzungen nicht mal ansatzweise durchgeführt wurden, scheint das für Medien sowieso nur wie ein Pfurz im Mainstream-Meer kurz aufzublubbern …

    1
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Fritz

      Ich habe eben eine halbe Stunde mit einer freien Journalistin telefoniert, die Reportagen wie ZDF Zoom macht. Die Publikums-Medien haben die aktuelle Entwicklung noch nicht auf dem Schirm und auch unsere berufständische Vertretung macht es nicht zum Thema.

      Dabei wäre jetzt die Gelegenheit, im Vorfeld der zu erwartenden Preissteigerungen das Thema aktiv zu transportieren und damit meinungsbildend zu sein. Wenn das nicht passiert, wird es im Frühjahr heißen, dass sich die Bauern bereichern…

      • Michael Gorke sagt

        Moin Willi,
        Und was gedenkt die freie Reporterin zu tun?
        Sind andere Probleme wichtiger?
        Grüße

      • Arnold Krämer sagt

        Ist es nicht besser, dass die Bevölkerung und damit auch die Politker jetzt wirklich einmal zu spüren bekommen, was es bedeuten kann, wenn die angedachte und teilweise schon eingeleitete Agrarpolitik mit “Green Deal”, “farm to fork”, “Halbierung der Tierhaltung in D” und was sonst noch so rumgeistert in den “Denkstuben” der NGO’s, vieler Wissenschaftler, der meisten politischen Parteien, einem “Praxistest” unterzogen wird?
        Dazu besteht jetzt ansatzweise die Gelegenheit. Also laufen lassen, auch wenn’s schwer fällt.

        • Reinhard Seevers sagt

          Herr Krämer, die Kunden können ja noch ausweichen, anstatt konventionellen Weizen können sie ja noch Biohafer kaufen und selbstmahlen….ist doch so gesund! Außerdem ist Viehfutter angeblich das gleiche, wie Brotgetreide.
          https://biohof-strohmeyer.de/produkt/bio-hafer-ganzes-korn/

          Und wenn sie kein Brot bekommen sollten, dann müssen sie halt Schwein essen…wird schon eine zeitlang gehen, dass man sich zum Überleben ein Stück Fleisch zwischen die Kiemen quetscht.😎

        • “Ist es nicht besser, dass die Bevölkerung und damit auch die Politker jetzt wirklich einmal zu spüren bekommen, was es bedeuten kann, wenn die angedachte und teilweise schon eingeleitete Agrarpolitik mit “Green Deal”, “farm to fork”, “Halbierung der Tierhaltung in D” und was sonst noch so rumgeistert in den “Denkstuben” der NGO’s, vieler Wissenschaftler, der meisten politischen Parteien, einem “Praxistest” unterzogen wird?” Genau so sehe ich es auch!

        • Smarti sagt

          Herr Krämer, sehe ich genauso. Hat Ihre Einstellung auch ein wenig mit dem “DAFA-Wochenende” zu tun ? Gibt es eine Zusammenfassung der Vorträge ? – ich kann leider nichts finden.

          • Arnold Krämer sagt

            Smarti, die DAFA-Veranstaltung war keine Vortragsveranstaltung, sondern ein gut organisierter und strukturierter Workshop, in dem eine Vielzahl von Kleingruppen mit wechselnder Zusammensetzzung (auch die 3 Hauptthemen betreffend) versucht hat, das Zielbild (Landwirtschaft 2049, nicht lächeln, in NL macht man sich Gedanken zu Landwirtschaft 2110 ) zu präzisieren und Umsetzungsschritte dahin zu definieren.
            Auf der Internetseite der DAFA steht, dass die Vielzahl von Ideen, Gedanken und Vorschlägen in den nächsten 3 Wochen zusammengefasst und dann veröffentlicht werden soll.
            Das Ganze war insofern unbefriedigend, weil die Diskussionen schnell an die Systemfrage gestoßen sind- Marktwirtschaft oder Zentralverwaltungswirtschaft und eine Vielzahl der umweltbewegten Diskutanten keine Vorstellungen von der Komplexität und Leistungsfähigkeit unserer (kapitalistischen) Ernährungswirtschaft hat. Die können sich garnicht vorstellen, was da so alles (nicht nur ökonomisch) auf dem Spiel steht. Und der Glaube an die (Um-)Erziehungsfähigkeit der Menschen ist sehr groß.

      • Christian Krumphuber sagt

        Hallo Willi
        also wenn der Fall eintritt, dass die Bauern von den Preissteigerungen wirklich profitieren, sollte man das mit Gelassenheit tragen. Andere Wirtschaftsbereiche haben da viel weniger Gewissensbisse, wenns in der Kasse klingelt. Spannend (und bedrohlich) wird die ganze Entwicklung auf den Agrarmärkten für all jene Länder, die auf Weizenimporte angewiesen sind und wo die Bevölkerung nicht wie bei uns nur 10 – 12 % des Einkommens für Ernährung ausgibt. Beispiel: die Länder Nordafrikas (Algerien, Ägypten, Marokko und Tunesien) die bei einer Eigenproduktion bei Weizen von ca. 21 Millionen Tonnen knapp 28 Millionen Tonnen importieren (müssen). https://www.usda.gov/oce/commodity/wasde/wasde1121.pdf (runterscrollen auf Tabelle WASDE-618-19)
        Da gibts möglicherweise wieder viele, die im Boot über das Mittelmeer aufbrechen…

  7. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Die gesellschaftliche Diskussion,die aktuell stattfindet, ist eine Beschimpfung der Bauern durch dümmliche Kommentare,überwiegend anonymer jüngerer Smartfonuser!

    • Reinhard Seevers sagt

      Die sind allesamt kirre im Kopf. Gestern hat die europäische Vertreterin der Grünen mehrfach wiederholt, dass unsere Decarbonsierung der Industriegesellschaft Deutschland als Beispiel für die Welt gelten muss….dann kommt aus Glasgow das Signal, dass 30% der Weltbevölkerung (China und Indien) das Protokoll zur Reduzierung der Kohleverbrennung nicht unterzeichnen wollen…so viel zu Beispiel.

  8. Bauherr sagt

    Da schon vor dieser Preis – Explosion jeder Neunte Mensch zu wenig Nahrung hatte, wird jetzt die Perversion von Farm to Fork nur deshalb deutlich, weil in Deutschland die Versorgungslage der Mühlen kritisch ist. Aber hier hat man Geld für den Notfall und im Frühjahr kauft man den Armen den letzten Brotkrümel weg.
    Die Lage wird langfristig angespannt bleiben, weil dies auch simple Kennzeichen einer Inflation sind.

  9. Bislang galt die Regel: das beste Mittel gegen steigende Preise sind steigende Preise. Und zwar deshalb, weil steigende Preise sofort zu einer Intensivierung der Produktion führte und das Angebot dadurch rasch steigt. Steigendes Angebot sorgt dann wiederum für sinkende Preise. Wenn nun steigende Preise aufgrund fehlender Produktionsmittel nicht zu einer Steigerung der Produktion führen, haben wir eine neue Situation. Wie das dann weiterläuft ist schwierig zu prognostizieren. Ob die Bauern unterm Strich davon provitieren darf allerdings bezweifelt werden.

  10. Bauer Leo sagt

    Ich werde mich weigern Flächen stillzulegen. Sollen die mal kommen. Ich kann das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Alleine die Preise heben doch mögliche fehlende gap Zahlungen auf.
    Dünger ist vorgekauft.
    Ich hoffe dass auch Kollegen sich nicht von der Kammer zur Stillegung hinreißen lassen.

    • Bauer Willi sagt

      Was wäre, wenn alle Bauern tatsächlich weniger düngen, weniger Pflanzenschutz machen und die Stillegung erweitern? Es werden dann deutliche Erntemengen fehlen. Mit allen Konsequenzen.

      • Thorens sagt

        Na, vielleicht merkt dann endlich auch der Dümmste, wie bedeutend eine funktionierende Landwirtschaft tatsächlich ist und, dass ideologieverblendetes Weltverbessern nicht satt macht. Es bleibt zu hoffen, dass die sich einstellende Situation keine Menschenleben fordert. Insgesamt dürfte eine weltweite Lebensmittelverknappung den Immigrationsdruck in die wirtschaftlich besser gestellten Staaten weiter anheizen, für den diese EU schon seit Jahren kein Konzept zu haben scheint. Wasser auf die Mühlen von Lukaschenko, Erdogan und Konsorten. Wollen wir dann mit den gesparten Agrarsubventionen unsere Grenzen befestigen?

      • Jürgen Donhauser sagt

        Ich baue schon seit 3 Jahren zu 100 % Ackergras an, aber nicht aus ökologische Gründen, nein, weil ich sonst durch die neuen DüVO (mit verlängerter Lagerdauer) noch einmal eine Güllegrube für 200.000 € bauen müsste. Und somit wächst auf meiner Fläche auf guten Ackerland keine Nahrungsmittel mehr, sondern Gras – das ist doch toll für die Umwelt. Ich könnte über unsere Agrarpolitik nur noch kotz….

        • Günter D. sagt

          Ok das hab ich jetzt glaub ich nicht ganz verstanden. Offensichtlich passt Ihr Viehbestand nicht zur Fläche, oder? Und vor der DüVo haben Sie an Gülle offensichtlich zuviel und/oder außerhalb der Vegetationsperiode ausgebracht? Nitrateintrag in die Vorfluter oder das Grundwasser war dann kein Problem? Womit werden Ihre Schweine jetzt gefüttert, mit Zukaufgetreide? Wie verwertet ein Ferkelerzeuger und Schweinemäster Ackergras? Ist Ihr Land dann eigentlich nur mehr eine Gülleentsorgungsfläche? Fragen über Fragen.

  11. michaelgorke sagt

    Moin, ich habe mir letzte Woche den Dünger für meine 42ha gesichert. Stammkunden werden zunächst mal beliefert, wurde mir gesagt. Zum Preis der ca. 250% über dem letzten Jahr liegt. Kostet ca. 80 – 100 € je ha. Das Risiko gehe ich erst mal ein.
    Mit Pflanzenschutzmitteln warte ich mal ab. Habe das Problem mit dem Geld auf der Bank aktuell auch nicht. 😉
    Ich sehe die Situation mit Sorge. Wir laufen von einem Extrem ins nächste und das in wahnsinnigen Tempo. Das wird extrem schwer sein, das zu Begleiten oder zu Beeinflussen. Für uns Landwirte aber auch für viele andere auf diesem Globus.
    Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert