Alex
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Du bist so ein Bauer!

Dieser Artikel stammt von Alexandra, genannt Alex. Sie stammt nicht aus der Landwirtschaft, kommt nicht vom Hof, ist also, wie man so schön sagt, „fachfremd“. Sie beschäftigt sich aber im Rahmen ihres Studiums mit dem Bild des Bauern. Und Sie hat uns diesen Artikel geschickt, quasi den Blick von außen. Und der hat uns sehr nachdenklich gemacht…

„Du bist so ein Bauer!“

Auch Landwirte in meinem Umfeld benutzen diesen Satz. Zum Beispiel, wenn jemand seine frisch gewaschene Hose mit einem Fleck dekoriert oder mit etwas mit Getöse umgeworfen hat. Und Recht haben sie – sie sind ja tatsächlich Bauern. Was sagt uns das? Klischees setzen sich durch und das nicht nur bei Verbrauchern. Auch bei Menschen, die bei „Landwirtschaft“ kein Kinderbuch-Idyll vor Augen haben. Kaum jemand wird abstreiten, dass Bauern schon so ein besonderes Völkchen sind. Aber was ist denn eigentlich „typisch Bauer“? Dazu möchte ich eine kleine Geschichte erzählen:

barn-293824_640Es war einmal ein Bauer, der bewirtschaftete mit seiner Familie einen abgeschiedenen Hof. Der Hof war schon seit vielen Generationen immer an den erstgeborenen Sohn weitergegeben worden. Dieser bewirtschaftete ihn nach Art seiner Vorfahren, wie schon seit Hunderten von Jahren. Der Stall mit Anbindeplätzen für 12 Kühe, das Pferdegespann und die drei Hektar Land waren der ganze Stolz der kinderreichen Familie. Der Dung der Kühe wurde im Frühjahr auf das Feld gefahren, wenn der Bauer Zeit dafür hatte. Die Natur sorgte für die Einarbeitung. An dem Geruch störte sich niemand, weil der Hof eine halbe Stunde Fußmarsch vom Dorf entfernt lag. Der Bauer musste niemanden um Erlaubnis fragen und war sein eigener Herr.
Alle Mitglieder der Bauersfamilie halfen tagein, tagaus, ohne Wochenende oder Feiertag und mitunter bis spät in die Nacht bei den anfallenden Tätigkeiten. Sie fühlten sich mit ihrem Hof, ihrem Boden und Vieh zutiefst verbunden. Sie taten ihre Arbeit gerne, weil sie deren Früchte täglich vor Augen hatten und sich daran erfreuten. Die Söhne lernten die Bewirtschaftung des Landes vom Vater, die Töchter die Versorgung des Viehs und die Führung des Haushaltes von der Mutter.
Da der Bauer den größten zum Dorf gehörenden Hof hatte, genoss er ein hohes Ansehen, sowohl von anderen Bauern als auch von der Dorfbevölkerung. In vielerlei Hinsicht wurde zuerst abgewartet, was der Bauer machte oder sagte – schließlich ernährte er die Menschen aus dem Dorf. Selten kamen Fremde aus der Stadt auf den Hof. Der Bauern war froh, wenn sie nach ihrem Naserümpfen über die rückständigen, ungebildeten Bauern wieder abfuhren und er ungestört seiner Arbeit nachgehen konnte.
Der Bauer lebte glücklich und zufrieden und der Hof wurde über die Generationen an den ältesten Sohn weitergegeben.

cloppenburg-138902_640Einer dieser ältesten Söhne bewirtschaftet heute den mittlerweile verkehrstechnisch gut an die nächste Stadt angebundenen Hof, der sich zu seinem Stolz bereits seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindet. Die Stadtnähe wirkt sich vorteilhaft aus: Seine Frau kann unkompliziert halbtags arbeiten gehen und morgens die Kälber betreuen. Regelmäßig kommen Gruppen aus dem Kindergarten im Dorf, um sich den Betrieb anzuschauen. Er ist mittlerweile der einzige in der Umgebung.
Der Bauer beschäftigt einen Angestellten und einen Auszubildenden. Um Ausbilden zu dürfen, hatte er neben der Bewirtschaftung seines Hofes noch eine Weiterbildung zum Meister gemacht. Seine Tochter kann nur an den Wochenenden auf dem Hof helfen, weil sie 200 Kilometer entfernt Agrarwissenschaften studiert. Später möchte sie gerne den Hof weiterführen. Der Bauer hat in Vorbereitung für diese Zeit bereits Pläne für eine Biogasanlage eingereicht und eine Finanzierung für den Kauf von weiteren zehn Hektar Land für den Maisanbau aufgenommen, da der Hof ab dann ja zwei Familien ernähren muss. Mit dem Land hat er Glück gehabt. Es steht nur zum Verkauf, weil der kleine Nebenerwerbsbetrieb aus dem Nachbardorf mangels Nachfolger und Zukunftsperspektive die Bewirtschaftung endgültig aufgegeben hat.
Die Finanzierungsplanung mit der Bank ergab, dass sich die Investition im sechsstelligen Bereich nach 25 Jahren bezahlt machen würde. Der Hof wäre so auch für die Enkel des Bauern gut aufgestellt, bestünde nicht das Risiko, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz sich maßgeblich ändert. Auch der Wegfall der Milchquote bereitete ihm Sorge. Alternativen wie die Umstellung auf Bio-Anbau, die Eröffnung eines Bauernhofcafés oder Hofladens hatten sich für seinen Betrieb als nicht rentabel herausgestellt. Wenn der Bauantrag genehmigt wird, sieht er aber zumindest die Zukunft seiner Tochter als halbwegs gesichert an. Für alle Fälle finanziert er ihr ja auch eine gute Ausbildung – damit sollte sie eine gute Stelle finden können, wenn alle Stricke reißen.

biogas-462508_640Geht der Bauer ins Dorf, fällt ihm beim Bäcker die Unterschriftensammlung gegen sein Bauvorhaben ins Auge. Die Leute haben Angst vor Geruch, vor Fliegen und finden, dass eine Biogasanlage das Landschaftsbild verschandelt. Der Bauer wird ohnehin im Dorf nur knapp mit einem Nicken gegrüßt. Schließlich fährt er früh am Morgen stinkende Gülle über den Spazierweg in‘s Feld oder bringt spät an einem schönen Sommerabend Pflanzenschutzmittel aus. Das tut er nicht, wenn er gerade Zeit hat. Er tut es, wenn er es darf. Schließlich muss die Gülle noch zeitnah eingearbeitet werden, damit niemand vom Geruch belästigt wird. Und das Pflanzenschutzmittel soll den Bienen nicht schaden. Daher fährt er los, wenn die Dorfbewohner ihren Feierabend genießen.
Die ernähren sich mittlerweile aus den Supermärkten der Stadt, nicht vom Bauern. Er liefert die Milch seiner 250 Kühe an die Molkerei und die Erzeugnisse seiner auf 120 Hektar angewachsenen Ackerfläche an den Landhandel. Die Dorfbewohner kennen ihn kaum, sehen ihn höchstens mal von fern auf seinem Trecker.
Selten kamen Fremde aus der Stadt auf den Hof. Der Bauern ist enttäuscht, weil sie ihre Urteile über die industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung offensichtlich gerne wieder mit in die Stadt nehmen. Aber er ist auch froh, wenn er wieder ungestört seiner Arbeit nachgehen kann – tagein, tagaus, ohne Wochenende oder Feiertag und oft bis spät in die Nacht. Denn er fühlt sich mit seinem Hof, seinem Boden und Vieh zutiefst verbunden. Und er tut seine Arbeit gerne, weil er ihre Früchte täglich vor Augen hat und sich daran erfreut.

Eure Alex

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30 Kommentare

  1. rieselkalk sagt

    Klasse Artikel.
    Da ich aber zu den Dummy’s gehöre, habe ich eine Frage:
    „Währen wir alle in Deutschland verhungert, wenn es die Gift-und Genindustrie nicht gäbe, oder hätten wir nur keine Energie (Treibstoff, Biogas) mehr?“

    Schließlich kann man mit Photovoltaik auf einer Fläche 7 mal soviel Energie erzeugen als mit Landwirtschaft.

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    • Alex sagt

      Die Frage verstehe ich so leider nicht. Gift- und Genindustrie sollen Hersteller von Pflanzenschutzmitteln sein? Und das Szenario, dass es „sowas“ nicht gäbe? Ich habe auch den Eindruck du meinst Deutschland als geschlossene Volkswirtschaft, was es ja nicht ist. Erklär mal!

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      • rieselkalk sagt

        Hallo,
        den Begriff Pflanzenschutzmittel habe ich nicht benuzt. Glyphosat und Co sind Giftstoffe die wohl einer herstellen muss oder fallen die vom Himmel. Genauso genmanipulierte Pflanzen muss auch wohl einer herstellen sonst gäbe es kein genmanipuliertes Soja in der Verfütterung.
        Und jetzt die ganz einfache Frage, wenn es diese beiden Komponenten hier in Deutschland nicht existierten, ob wir hier in Deutschland dann schon verhungert wären? Und der Rest sollte sich von alleine ergeben.

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        • Alex sagt

          Ok, also eher eine rhetorische Frage. Die Antwort kennst du wohl selber: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland deshalb niemand verhungert wäre. Und nu?

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        • Christian sagt

          Hallo Rieselkalk,
          nein aufgrund dessen wären wir sicherlich nicht verhungert. Der Einsatz von genveränderten Pflanzen ist nach wie vor untersagt und Glyphosat ist nicht Hauptbestandteil des Pflanzenschutzeinsatzes, im Gegenteil, ein guter Bauern nutzt dies so wenig und selten wie möglich.

          Aber betrachte das ganze mal nicht nur lokal!
          Was meinst du passiere, wenn unsere Nachbarländer genveränderte Pflanzen nutzen dürften? -ist ja teilweise bereits erlaubt- Meinst du wir können entlang unserer Grenzen, bis hoch in den Weltraum, eine Mauer ziehen, das keine genveränderten Pollen unsere deutschen, strikt nach Richtlinien, nicht genveränderten Pflanzen bestäuben, die durch Wind und Wasser hierherkommen?!
          Wenn wir es eh nicht verhindern können, können wir auch hingehen und Vorreiter sein und forschen, vielleicht gelingt es uns Deutschen den Hunger aus der 3. Welt zu lindern.
          Eine Garantie oder Versicherung für den Erfolg/Skandal von Gentechnik gibt es leider nicht, nur uns als Mini-Staat dabei heraus zu nehmen, führt leider auch zu nichts, im Gegenteil, Bauern werden demnächst verhaftet, weil ausländische Pollen genveränderter ausländischer Pflanzen, deutsche bestäuben und eine Genveränderung bezwecken.
          Was nun tun?

          Besten Gruß
          Christian

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    • Fränzi sagt

      @riesenkalk
      Der Mensch ist bisher und wird auch in Zukunft nicht verhungern. Er vernichtet sich selbst, doch viel schlimmer ist, er hinterläßt seinen eigenen Nachkommen eine ganz schwere Zukunft, nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut“!

      Wie sagte doch schon Berthold Brecht:
      „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf.
      Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“ – Berthold Brecht“

      1+
  2. Matthias W. sagt

    Absolut Klasse, der Beitrag von Alex!
    Möchte noch einen Aspekt anführen, der nicht ohne ist:
    Im Rahmen meiner Verhaltensstudie zum Thema „Wahrnehmung und Verhalten von Bauern versus Städtern“ gab es folgende Erkenntnisse: Bauern sind überproportional Haptiker – also Menschen, die es mit den Händen „begreifen“ (können/wollen). Abstrakte, theoretische Denkmodelle lehnen viele ab. Entscheidungen treffen sie in der Regel nach gründlicher Überlegung – so wie ihre tägliche Lebenserfahrung es ihnen vorlebt: langfristige Entwicklungsprozesse wie vom Kalb zur Kuh, vom Ferkel zum Schwein, vom Saatkorn zum reifen Getreide, usw. Haben sie sich für ein Thema entschieden, bleiben sie diesem Verhalten lange treu, im Gegensatz zum „Ex und hopp“ vieler Städter, die eher spontan entscheiden, aber nicht dabei bleiben.
    Ich sehe darin auch einen Grund für den Konflikt zwischen Bauern und Verbrauchern, die komplizierten Zusammenhänge verstehen und akzeptieren zu wollen…

    4+
    • Silvi sagt

      Wow! Etwas, worüber ich nie nachgedacht habe, aber total logisch klingt und sicher auch in der allgemeinen Kommunikation zwischen beiden Typen hinderlich ist!
      Hoffen wir, dass sich die Typen wieder annähern, anstatt noch weiter auseinander zu laufen?!

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  3. Sven sagt

    Sehr schön geschrieben,
    wir Bauern haben in der Bevölkerung einfach keinen stand mehr , die Regale im Supermarkt sind doch immer voll und alles schön billig. Die Generation die Hunger gelitten hat ist fast weggestorben, und für die anderen gilt “ Geiz ist Geil“. Alles billig aber bitte keine „Massentierhaltung, wobei ich dieses Wort gar nicht definieren kann , denn wir halten eine Masse von Tieren um die Leute zu ernähren! Zum Thema PSM habe ich mich kürzlich mit einem Imker unterhalten, wenn man ordentlich zusammen arbeitet gibt es keine Probleme. Und die Medien mit ihrem „Pestizid“ als ich einen Journalisten fragte was das sei , da ich in meiner Ausbildung nie was davon gehört habe, konnte er mir das auch nicht sagen. Ich hatte ihn vorher erklärt das es Herbizide, fungizide usw gibt , aber Pestizide? Und noch eines zum Thema PSM , die Mittel kosten auch ordentlich Geld , und wenn ich das einsparen könnte würde ich das auch tun. Denn auch die Sorten haben sich geändert und sind mehr oder weniger Hochleistungssportler, und gebt denen mal keine Vitamine und Medikamente , stellt sie das ganze Jahr raus, mal sehen wie lange sie durchhalten. Das schlimme heutzutage ist das die Kommunikation in der Gesellschaft zu kurz kommt und einer dem anderen nicht die Butter aufs Brot gönnt.

    13+
  4. Alex sagt

    Kurze Anmerkung der Verfasserin 🙂 :
    Es handelt sich hier um eine Geschichte aus willkürlich herausgegriffenen – aber deshalb nicht weniger wahren – Tatsachen und Prozessen in der Landwirtschaft.
    Es ist bemerkenswert, wie in manche Teilaspekte hineininterpretiert wird:

    „Und das Pflanzenschutzmittel soll den Bienen nicht schaden“
    –> Bauern bringen in der Regel Pflanzenschutzmittel aus. Diese werden von den erwähnten großen Firmen wie Bayer, singende und Co. hergestellt und vertrieben. Bei konventionell wirtschaftenden Landwirten kann unter Umständen eine Bienengefährdung gegeben sein.
    Der Bauer in der Geschichte fährt vorschriftsmäßig am Abend mit seiner Spritze los, weil das Pflanzenschutzmittel die Bienen nicht gefährden oder ihnen schaden soll. Punkt. Vollkommen korrektes Verhalten eines Landwirtes und trotzdem wird fleissig hineininterpretiert, weil das ja offensichtlich nicht sein kann, dass solche Auflagen für einen Bauern in Ordnung sind und er sich auch noch einfach dran hält.

    Weiter die Diskussion mit dem Hofladen und der Bioumstellung:
    Es ist nicht ungewöhnlich, dass manche betrieblichen Ausrichtungenen individuell keinen Sinn machen. Da kann Alois sicher noch viel mehr zu schreiben bzw. hat das ja ansatzweise auch schon. Die Entscheidung für oder gegen einen Hofladen hängt nicht nur davon ab, ob der Bauer das gerne möchte. Sein Betrieb und die ganze Infrastruktur drumherum muss das auch hergeben. Landwirte können nicht aus reiner Nächstenliebe alle auf Bio umstellen. Und der Mehrerlös, der in manchen Jahren, bei manchen Kulturen und in unter manchen Umständen nicht einmal vorhanden ist, muss auch noch den Minderertrag und den erhöhten Arbeitsaufwand mit abdecken.

    Es handelt sich wie gesagt um eine parabelartige Geschichte, um die beispielhafte Darstellung eines Betriebes, die nicht mal Realität sein soll. ich glaube, jetzt fühlen sich die anderen Aspekte vernachlässigt. Vielleicht kommt noch ähnliche Resonanz, weil der Bauer eine Tochter hat und keinen Sohn. Oder weil sie studiert und nicht Bürokauffrau lernt und weg vom Hof will, wie es heute ja auch oft der Fall ist. Oder weil die Veredelung völlig vernachlässigt hat und der Landwirt nur Milchkühe hält. Und eine Biogasanlage plant, statt einem Windrad. Es ist bemerkenswert, welche Reaktionen und Emotionen mit Stichworten wie PSM, Bio, Massentierhaltung ausgelöst werden können – auch in einer ganz harmlosen, kleinen Geschichte.

    9+
  5. „Alternativen wie die Umstellung auf Bio-Anbau, die Eröffnung eines Bauernhofcafés oder Hofladens hatten sich für seinen Betrieb als nicht rentabel herausgestellt.“

    In Österreich ist der Umstieg auf Bio für Landwirte irgendwie dann doch etwas das sich lohnt. Irgendwo muss der Willi falsch rechnen…

    Der Seitenhieb „man will ja die Bienen nicht schädigen“ – macht eigentlich eher den Eindruck dass diese Plattform von Bayer, Syngenta und Co Betrieben wird, um gegen PR zu fahren…

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo,
      Dein Kommentar ist leider nur pauschalierend und damit nicht hilfreich.
      Bio-Umstellungen sind immer individuell erfolgreich oder nicht. Ich kann für mich sagen, dass sich Bio rechnet, wenn ich vom Staat dafür belohnt werde. Siehe mein Artikel „Belohnungssystem für brave Bauern“
      Die Direktvermarktung haben wir (meine Frau und ich) 5 Jahre lang gemacht. Beim Nachrechnen habe ich dann festgestellt, dass es unrentabel für uns ist. Habe die Preise erhöht und feststellen müssen, die Kunden akzeptieren es nicht. Dann habe ich die Direktvermarktung ganz aufgegeben. Aber es gibt mit Sicherheit welche, die mit Bio und Direktvermarktung glücklich sind.

      Deinen Seitenhieb mit Bayer und Co. kannst Du Dir sparen. Wir sind zwei Bauern, die einfach sagen was sie denken.

      Alois

      4+
    • Nvm. Bitte mein Kommentar löschen.
      […nein, wir löschen den Kommentar nicht, weil sich andere Kommentare bereits darauf beziehen…]

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  6. Junker1955 sagt

    Noch eine Geschichte zu den Bienen.
    Mein Imker hat nichts dagegen, wenn ich meinen Raps gesund halte. Seine Bienen sammeln am nächsten Tag fleißig, wie vorher. „Wenn allerdings meine Nachbarn die Rosen spritzen, kann ich anschliessend mit dem Handfeger meine Bienen zusammenkehren“ Zitat Imker Bernd. Soviel zum Bienenschutz und Doppelmoral.

    24+
  7. Schweinebauer Piet sagt

    Ich hoffe ich kommentiere hier in die richtige Richtung. Die eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit einiger Bauern oder Studenten der Agrarwissenschaften fiel mir schon im Studium auf, wenn ein ganzer Tisch in der Mensa nur über grubbern, drillen oder Gülle fahren gesprochen hat. An meinem Tisch war häufig Musik, Partys oder Fußball das Thema. Einige Mitstudenten der Agrarwissenschaften mieden aus diesem Grund den Tisch. Wir hätten uns auch gerne über nicht landwirtschaftliche Themen unterhalten, was selten ging.
    Auch interessant war die Agitechnika, auf der ich gejobt habe und auch nichtlandwirtschaftlich orientierte Studenten. Die waren erschrocken, wenn Gruppen mit Fendt-Jacken und Eimer mit Prospekten und Bier das Gelände verlassen haben. Naja ich bin auch mit Bier in die Handballhalle und hoffentlich nicht am Thema vorbei! !!!

    4+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Piet,
      da sprichst Du einen wunden Punkt der Bauern an: Die Abschottung, bewusst oder meist unbewusst.
      In der Geschichte von Alex taucht das auch im letzten Drittel auf, als der Bauer zwar schon wahrnimmt, wie Fremd ihm die Anderen geworden sind. Aber er macht weiter wie bisher. Sein höchstes Ideal ist ja der Erhalt des Hofes. Und die drückende tägliche Arbeit ist ihm wichtiger als die Kontaktaufnahme mit den Fremden oder Kritikern.
      Kommt es dann später zur offenen Konfrontation, weil z.B. die Tierschützer die Handlungsfreiheit der Bauern einschränken wollen, ist ein gegenseitiges Verständnis meist nicht mehr so ohne weiteres möglich.
      Das hängt auch damit zusammen, dass Landwirte im Normalfall nicht direkt an Kunden verkaufen müssen.
      Direktvermarkter, Bio-Bauern und Nebenerwerbslandwirte sind da ihren Kollegen schon etwas im Vorteil. Der Direktvermarkter muss auf den Kunden zugehen, ihn also zum Tanz auffordern und nachspüren was er will. Und auch im Biolandbau setzt seit man sich seit Jahrzehnten aktiv mit Kundenwünschen und Trends auseinander. Der Nebenerwerbler kann sich durch seinen außerlandwirtschaftlichen Umgang mit Nichtlandwirten auch den gesellschaftlichen Strömungen nicht so ohne weiteres entziehen.

      Alois

      5+
      • Sebastian D. sagt

        Das Direktvermarkter, Bio-Bauern und Nebenerwerbslandwirte einen Schritt vorraus sind bezweifel ich, denn es gibt unter allen Landwirten, sowie jeder anderen Berufsgruppe auch Menschen, die lieber in kleiner Runde ihre Zeit verbringen.
        Ich kenne genügend konventionell wirtschaftende Landwirte, die öffentlichkeitsarbeit leisten und das Gespräch mit den fachfremden Mitmenschen suchen.
        Das Problem ist allerdings, das in der Berichterstattung der Medien nur noch Skandale zählen (da nichts anderes mehr als Interessant von dem Leser/Zuhörer eingestuft wird) und wohl niemand hören möchte, wenn etwas erfreuliches passiert ist, es sei denn, man kann es in einem kurzen Satz formulieren, beispielweise „Wir sind Papst!“. Alles außer dem Titel eines erfreulichen Artikels wird nicht beachtet, wobei hingegen bei einer skandalös anmutenden Überschrift jedes wort 3 mal gelesen wird, damit man auch ja nichts übersieht.
        Meine Familie ist selbst an 2 Biogasanlagen beteiligt und bei dem Bau der ersten Anlage hatten wir selbige Probleme wie in dem Artikel beschrieben. Nachdem der Bau abgeschlossen und die Anlage in Betrieb war, luden wird das Dorf, das den Bau in ihrer nähe ablente zu einer Feier auf der Anlage ein und erstaunlicher Weise, war weder gestank noch sonst etwas zu bemängeln, außer der Standort! Nachdem man die Leute dann auf ihre Unterschriften hingewiesen hatte, die den Bau dort ablehnten, war immer ein aus unserer Sicht amüsanter und für die Anderen etwas peinlicher Moment der Stille zu vernehmen.
        Die 2. Anlage haben wir dann auf den ursprünglichen Planungsort der 1. gebaut und inzwischen ist jeder zufrieden.
        Das Problem ist aber weniger die öffentlichkeitsarbeit der Landwirte, als die Gerüchteküche diverser Organisationen, deren Ahnungslosigkeit schier unglaublich ist, die aber trotzdem in den Medien als Allwissend gepriesen und von der Politik angehört werden!
        Übrigens sehe ich bei einigen dieser Organisationen starke Parallelen zum ADAC und der FIFA, die Milliarden schöffeln und trotzdem sich selbst als nicht gewinnorientierte Vereine darstellen. Ich hoffe, das hier bei so manchem Umweltschutzverband mal eingeschritten wird, damit dies nicht weiter ausartet!

        7+
        • Alois Wohlfahrt sagt

          Hallo Sebastian,
          meine Argumentation, dass sich mit Kundenwünschen auseianderzusetzen, Vorteile hat, ist nicht pauschalierend.
          Aber Fakt ist, wenn Verständnis da ist, dann ist Verständigung möglich. Wenn wir Bauern uns unter andere Gesellschaftsschichten begeben, bekommen wir Zugang zu deren Ansichten und Denkweisen.
          Und ich bin auch der Meinung, dass nicht alles an „bösen Medien“ aufgehängt werden sollte. Ein veganer Trend, beispielsweise, kam nicht einfach über Nacht oder wurde von einer Medienkampagne initiiert. Sondern hat vielfältige Ursachen, die die Menschen tatsächlich emotional berühren. Die professionellen NGO’s nutzen diese Gefühle dann aus. Darum müssen wir auch diese fühlenden Menschen dahinter wieder erreichen.

          Alois

          3+
      • bauerhans sagt

        bauern sind auch nur menschen! der eine kann auf andere zugehen,der andere halt nicht,man kann sich nicht dazu zwingen,dann gehts schief. in unserer „schleimigen“ zeit heute,sind mir so „schmierige typen“,die ganz bewusst alles aufbieten,um ans ziel zu kommen,ein willkommener anlass,sie direkt in die schranken zu weisen.

        1+
        • Schweinebauer Piet sagt

          Oh ja so was mach ich auch gerne. Sich ein wenig über sein Fachbereich hin weg zu bewegen schadet bestimmt nicht bei der Öffentlichkeitsarbeit und ist für die Persönlichkeitsbildung auch wichtig. Nur bloß nicht schleimen, ist auch ein gutes Thema für Bauer Willi.

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  8. Petra Hirsch sagt

    Netter Artikel, hier ist was dran. @Wulf Hanke: Auch wenn der Bauer Pflanzenschutzmittel aufbringt, vergiftet er doch nicht automatisch die Bienen! Wir spritzen auch und haben haben Bienen! Welch Wunder, sie erfreuen sich guter Gesundheit. Mehr zum Thema ist auf der Website von Dr. Immelieb zu finden, einfach mal Google fragen. Das Problem der Bienen befindet sich oft hinterm Bienenkasten.

    4+
  9. Schwacher Trost: Wegen eines BGA-Vorhabens sind wir auch schonmal „geteert u gefedert“ worden (WL Roydorf, 2006/07).
    Da haben Berufskollegen munter mitgemischt…!

    Ohne siehts aber auch nicht besser aus!!

    Bin sehr bescheiden kleinbäuerlich aufgewachsen. Paar Kühe, Schweine, Hühner.
    Wie es der Verbraucher wünscht!

    Wie hat das explizit eine Runde junger Damen (eig ja die sozialeren…) nach(!) dem Abitur (=Reifezeugnis…) kommentiert:
    „Was ich denn nun eigentlich auf IHRER Schule gemacht hätte? Und wie ich da eig hingekommen sei?“ (Originalzitate!)….
    Die Jahre mit der süffisanten Aufforderung „Hofnarr leck uns die Füße“ hatte ich da schon hinter mir…
    „Asoziales Bauernschwein!“ (weil ja nicht wohlhabend) war auch jahrelang gängig…

    Wie gesagt, das alles unter scheinbar gebildeten(!?) Gutbürgerskinderchen in durchaus noch ländlichem Umfeld (Raum Lüneburg-Land).

    Als Sohn eines international agierenden Großagrar-Industriellen wäre ich da sehr wahrscheinlich hochangesehen gewesen…

    Heute sitzen viele dieser „Schulkameraden“ in irgendwelchen (Werbe-)Agenturen, verkaufen selber heiße Luft o.ä. und wünschen sich eine kleinbäuerliche Lw…..

    Alles kompliziert! 😛

    7+
  10. Nette Geschichte. Auch hier zeigt sich, dass wir in unserer modernen Informationsgesellschaft viel zu sehr verlernt haben, direkt miteinander zu kommunizieren und -eigentlich noch schlimmer- vor lauter Information von außen das selbständige Denken auf ein minimum reduziert haben. Die Städter nehmen ihre Vorurteile über die Bauern gerne wieder mit, ohne sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Der Bauer auf der anderen Seite macht es genauso. Er lässt sich beraten, investiert den Beratern folgend und mit der Tradition brechend in subventionsabhängiges Biogas statt in Bodenständige Lebensmittelproduktion, folgt bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln nicht mehr dem gesunden Menschenverstand, der ihm sagen würde, dass er die Bienen nicht vergiften darf um seine eigene Existenzgrundlage nicht zu zerstören, sondern den Vorschriften und ärgert sich über die Unterschriftenliste ohne sich wirklich mit den Menschen, die da unterschrieben haben und ihren Argumenten auseinanderzusetzen.

    1+
    • bauerhans sagt

      der bauer macht das,was für ihn (seiner neigung entsprechend) langfristig wirtschaftlich ist und nicht das,was der berater empfiehlt(der berät und berechnet die wirtschaftlichkeit). die bodenständigkeit muss er immer im auge haben,sonst kanns eng werden. beim pflanzenschutz muss er den vorgaben und auflagen entsprechend handeln,da sonst strafen bis 50000€ drohen. unterschriftenlisten gibts von leuten,die angst haben,aber kein fachwissen. das wichtigste in D ist „geizistgeil“,nicht nur beim essen,sondern beim gesamten einkaufen,aber sich dann aufregen,dass mitarbeiter im onlinegrossversanddiscounter schlecht bezahlt werden.

      4+
  11. warum will man den strom denn nicht??? laufen bei dir noch die ratten über das dynamorad oder läuft dein router schon über what s up ??

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  12. Interessante Geschichte, obwohl mir der „rote Faden“ fehlt und die Problemerklärung zu kurz kommt. Was die Unterschriften – Aktion angeht, bin ich auf der Seite der Bürger. Jede Anlage die verhindert wurde, stellt für mich eine sozial-ökologische gute Tat dar. Das muss man als Antragsteller, den man auch verstehen kann, sportlich nehmen. In dem Text wurde wieder darauf hingewiesen, dass der Hof früher hohes Ansehen hatte weil er das Dorf versorgt hatte und heute will er auch noch den Strom liefern. Den Strom will man aber nicht. Muss man akzeptieren. Was der Artikel schön aufgezeigt hat ist die Tatsache, dass der Strukturwandel oft pro Dorf nur einen Bauern übrig lässt. Wenn das so ist, besteht für den Hof eine riesen Aufgabe an, sein Image zu pflegen. Dafür sind wir überhaupt nicht ausgebildet. Man müsste mit Profis eine Agentur gründen die da beraten. Dazu müsste sich aber auch der Bauer bewegen und Voraussetzungen mitbringen. Und da sehe ich bei einigen klar schwarz.

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    • DU willst den Strom nicht, diesen Strom brauchen wir aber, auch dein internetfähiges Gerät, deine Trinkwasserversorgung, deine Heizung &&&
      Der Strom ist teurer, aber gesamtwirtschaftlich auch wieder nicht, so produzieren diese Anlagen nur CO2, welches vorher in den Pflanzen gebunden wurde, was den Klimawandel bremst und Sturmschäden mindert. Bedenke, gute 50% deines Stromes kommt aus Kohle!!!
      Außerdem reden wir nicht über Unsummen, anders als beim Kraftstoff, oder Konsumartikeln wie Zigaretten, die bei jedem Preis bislang noch gekauft werden, obwohl sie einen sogar noch kaputt machen!

      Für die Imagepflege werden wir ausgebildet, allerdings natürlich in einem relativ eingeschränkten Rahmen, schließlich haben wir einen sehr Umfangreichen und vielschichtigen Beruf.

      8+

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