Bauer Willi
Kommentare 52

“Was willst Du mal werden?”

Vor einigen Tagen durfte ich an dem Berufsorientierungstag des Gymasiums, an dem ich Abitur gemacht habe, das Berufsziel Landwirtschaft, Natur, Umwelt vorstellen. Im Vorfeld hatte mir der Organisator die Liste der Nennungen für alle Berufsgruppen zukommen lassen. Und weil ich das in 2020 schon mal gemacht habe, war der Vergleich interessant. Die Gruppierungen sind in beiden Jahren sehr ähnlich.

In der ersten Säule stecken fast 100 Nennungen für “Berufe bei der Polizei”. Das hat mich erstaunt. Erstaunt hat mich persönlich die relativ niedrige Zahl an Interessenten für IT/Computer.

Unter den 13 Interessenten für Landwirtschaft/Umwelt/Natur waren etwa die Hälfte Kinder von Landwirten.

Warum ich das alles schreibe? Einfach so, als Information. Keine Wertung.

 

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52 Kommentare

  1. brouss sagt

    Ich bräuchte jemanden im Schnittpunkt der Gene für Ernährung – Verdauung – Stoffwechsel.

    Das wird in nächster Zeit ein größeres Thema werden. Ich habe nur eine empirische Herleitung für einen Start in das Thema und bräuchte wissenschaftliche Bestätigungsforschung. Mir sind noch keine Zweifel daran gekommen, dass es in meine Richtung laufen muss. Verfeinern wird sich das noch stark, aber die Richtung müsste stimmen.
    Das wird die ultimative Chance für den ländlichen Raum, weil im Prinzip die Bauern das Essen in der gesündesten Form haben. Den Faktor müssen wir lernen auszuspielen.
    Rezeptentwicklung könnte ich auch brauchen.

  2. Paulus sagt

    “Erstaunt hat mich persönlich die relativ niedrige Zahl an Interessenten für IT/Computer.”
    Das Norbert-Gymnasium in Knechtsteden ist nicht mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet, sondern setzt eher Schwerpunkte in Sachen Sport und ähnlichen, eher leichteren Disziplinen. Ich kenne das noch von unserer Tochter die dort zur Schule gegangen ist.
    Dessen Schüler begeben sich eher nicht in anspruchsvolle Studiengänge wie z.B. Informatik oder Maschinenbau. Ganz einfach weil sie ihr scheitern schlicht vorhersehen
    und das tun die sich nicht an.
    Mich erstaunte allerdings schon 2020 weshalb die Anzahl derer, die an Agrarberufen interessiert sind so gering ist. Ich konnte damals schon aus dem Stand etliche Beispiele, allein aus meinem Umfeld aufzählen, in dem Agrarier durchaus steile Karrieren hingelegt haben, bis hin zum Vorstand einer Großbank. Ist ja nicht so als müssten die nur auf dem Acker hin- und herfahren oder Schweine füttern.
    Wenn man es auf die klassische, rein bäuerliche Tätigkeit herunter fährt ist es kein Wunder wenn sich das Interesse in Grenzen hält.

  3. firedragon sagt

    Dass die ersten beiden Säulen sich so deutlich von den anderen abheben ist kaum verwunderlich …
    der Zuwachs in CZeiten ist doch sonnenklar … sicherer Job, sicheres Einkommen und zumindest die erste Säule bietet überschaubare Arbeitszeiten.

  4. Thomas Apfel sagt

    Ich glaube eher, das scheinbar geringe Interesse für Landwirtschaft, Umwelt und Ernährung (welche Berufe darunter zusammengefasst sind würde mich interessieren) hat zwei wesentliche Gründe:
    1. Bauer ist kein Ausbildungsberuf. Schüler die dazu befragt werden, kennen i.d. R. aus ihrem Umfeld die niedrigen Löhne in Landwirtschaft und Gartenbau. Ich hatte in den letzten beiden Jahren 2 mal Schüler im Praktikum zur Berufsfindung auf dem Hof (einmal 9. Klasse OSZ und einmal 8. Klasse Waldorfschule) beide fanden die Arbeit interessant, haben dann aber in ihren Abschlussberichten resümiert, dass der Verdienst zu niedrig wäre.
    2. Was man nicht übersehen darf, ist die Tatsache, dass die Berufsschulklassen (zumindestens im Produktionsgartenbau) zu überwiegenden Teilen aus den Kindern der Betriebsinhaber bestehen (der Anteil lag in den letzten Jahren nahe 90 %). Beispielsweise sind die enormen Klassenstärken der Berufsschüler an der Laimburg in Südtirol fast ausschließlich Betriebsnachfolger, derer es dort auf Grund der Vielzahl kleiner Betriebe mit trotzdem guten wirtschaftlichen Perspektiven noch viele gibt.
    3. Der vielbeschworene Fachkräftemangel ist als solcher in der LW nur bedingt tatsächlich vorhanden. Wenn die Betriebe größer werden, werden Fachkräfte für die modernen Technik gebraucht. Aber so viele Betreiebe sind das in Summe nicht.
    Dazu kommt, dass z.B. auch aus Polen gut ausgebildetet Fachkräfte verfügbar sind, und die sind meist noch etwas genügsamer.
    Der medial präsentierte “Run auf Grüne Berufe” findet fast nur im GALA Bau statt.

    • Bauer Willi sagt

      Das ist aber das falsche Bild, dass Agrar immer auch automatisch “Bauer” bedeutet. Darum ja auch als Fach “Landwirtschaft, Natur, Umwelt”. Und das ist ja nun doch ein weites Feld…

      • Thomas Apfel sagt

        Das mit den Betriebsnachfolgern in den Berufsschulklassen landwirtschaftlicher Ausrichtung ist aber eine Tatsache. Ohne Diese (“Betriebskinder”) wären bei einigen Fachrichtungen noch 3 – 4 von 25 Azubis in der Klasse. Das ist für mich einfach ein Zeichen, dass der “Fachkräftemangel” in unserer Branche ein behaupteter ist. Wenn wir ähnlich wie in der Autoindustrie, also über 20 €/h, zahlen würden, (könnten) hätten wir null Probleme mit Fachkräften. Es wird ja teilweise schon schwierig überhaupt Klassengrößen für bestimmte (z.B. gärtnerische) Fachrichtungen zusammenzukriegen. Da sich Obst-, Gemüse,- Baumschul,- und Zierpflanzenproduktion doch erheblich unterscheiden, wird seitens des Berufsstandes immer wieder eine separate Ausbildung für die einzelnen Fachbereiche angemahnt, es scheitert aber schlicht und einfach an den “Teilnehmerzahlen”.

  5. Meier sagt

    Daran kann man sehen , daß der Berufswunsch , oder auch die zukünftigen Berufsaussichten
    schon früh in der Familie festgelegt werden. Eltern , die ihren Hof als nicht zukunftsträchtig ansehen , die werden ihren Kindern kaum dazu raten Landwirt zu werden. Z. Zt. haben wir mit rd. 260.000 Betrieben gut 3% der Bevölkerung. Mit dem hier dargestellten Berufswunsch sind es nur noch rd. 1,2% , also nur noch 40% von heute . Das wären dann noch rd. 100.000 Bauernhöfe in ca. 20 Jahren . Bei der derzeitigen Bauernvernichtungspolitik nicht ganz unrealistisch. Vor hundert Jahren durchlief Deutschland wegen der Nachkriegswirren, Währungszerfall , Pleiten und Weltwirtschaftskrise eine ähnliche Lage , nur heute ist es moralischideologisch begründet und zeugt von Dummheit. Überall auf der Welt bunkern die Importländer Nahrungsmittelvorräte . Der Weltmarkt ist leer gefegt . Nur die EU verhält sich völlig naiv.
    Keine Vorratslager , Energieknappheit usw. . als ob Vorsorge ein Fremdwort ist. Das wird uns noch teuer zu stehen kommen. Warten wir es ab. Just in time , das war einmal.

  6. fingerphilosoph sagt

    Junge (gebildete) Menschen beschäftigen sich heutzutage offensichtlich am liebsten mit anderen Menschen, sei es, dass sie andere Menschen kontrollieren, ihnen Vorschriften machen, zur Kasse bitten, beschützen oder eben “verwalten” (Säule 1), sei es, dass sie sich um die Gesundheit und das Wohlbefinden von anderen Menschen kümmern (Säule 2 und 4), sei es, dass sie die Meinung der anderen beeinflussen und gestalten oder dass sie die Menschen unterhalten (Säule 3 und 5 ). Mit der 6. Säule taucht mit Bau/Architektur der erste Bereich auf, wo es im weitesten Sinn um die materielle Gestaltung der Welt geht. Das heißt, mit Stoffen, Dingen, Technik, Steine und Erden etc. wollen sich die wenigsten befassen. Wenn sich die gebildete Elite überwiegend nur noch mit ihren Mitmenschen befassen will, gibt das dem Begriff “Anthropozentrismus” nochmal eine neue Dimension.

    In einer Gesellschaft, in der Menschen nur noch um Menschen kreisen und der Mensch wie auch immer “gestaltet” und “gepflegt” wird, bleibt für freie Entfaltung des Individuums kein Raum.

    • Reinhard Seevers sagt

      Wenn man die gleiche Umfrage bei Real- oder Hauptschülern macht, dann kommt ein anderes Bild heraus.
      Es gibt eine schöne Karikatur aus dem Wirtschaftsteil der FAZ glaube ich, die ich hier nicht verlinken kann. Da steht die Lehrerin vor der Tafel und hat die Berufswünsche aufgelistet, die die Schüler genannt haben und dann die jeweilige Anzahl dahinter eingetragen:

      6 x Influencer
      5 x Topmodel
      2 x Gamer
      3 x Fussballprofi
      5 x IT- Girl
      2 x Youtuber
      3 x Rapper
      4 x Weltenbummler

      ….da hebt ein Mädchen die Hand und sagt: “Altenpflegerin” …und die anderen: Häää?

        • Stadtmensch sagt

          Ich kenne Leute, die könnten locker zum Spaß erste Klasse mit dem Zug von A nach B reisen, aber nein, schnallen sich unterm Güterwaggon fest mit Schlafsack. Alles, weil sie früher zu viel Jack London gelesen haben…

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Ächt?

            Würde eher die Queen Mary bevorzugen. 😜, aber der Sponsor fehlt immer noch.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        “….da hebt ein Mädchen die Hand und sagt: „Altenpflegerin“ …und die anderen: Häää?”

        Meine Frau als Altenpflegerin hätte unseren Söhnen abgeraten, diesen Beruf zu ergreifen.

        Wenig Personal, dadurch viel Stress und nach der Gründung einer GmbH, wenig Lohn für die Neueinsteiger.

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Beide sind Softwareentwickler, ein Beruf der scheinbar nicht so gefragt ist, vermutlich hat der Paulus recht, dass viele sich ein Informatik, oder ein Physikstudium nicht zutrauen.

    • Stadtmensch sagt

      “bleibt für freie Entfaltung des Individuums kein Raum”

      Es ist auch kein Raum mehr da dafür freie Entfaltung. Auch wenn hier gewisse Erklärbären behaupten, wir hätten gerade mal die Milchhaut (sic) über den Schätzen der Erde angekratzt.

      Jetzt lautet die Devise (oder sollte lauten): Tertiärisierung der Wirtschaft. Heißt, alle dürfen sich virtuell austoben. Wissen bunkern, sortieren, strukturieren, aufbereiten, Kunst und Unterhaltung schaffen usw.

      Erklärbären können dann Abos bei Destatis kaufen und ihre Argumente mit diesem Wissen untermauern. Geht weiter mit Schulungen. Kann man prima Wirtschaft betreiben damit.

      Nicht die schlechteste Entwicklung wie ich finde. Ein paar Elektroden an die Rübe und schon geht die Post ab, wie bei Matrix…
      Wers wieder anders haben will, muss sich bei der Reproduktion etwas bremsen.

      Jetzt klingt das wieder so abgehoben, aber bin auch sehr dafür, dass die Menschen, die die unverzichtbare Arbeit machen, auch gut leben können und Freude an ihrer Arbeit haben. Dafür müsste man wohl an die Freiheit des Individuums ran und das will eben niemand.

      • fingerphilosoph sagt

        Dafür müsste man weniger an die Freiheit des Individuums ran, als vielmehr ans Erbrecht. Reichtum durch eigene Leistung, nicht durch die Anhäufung von Vermögen über Generationen hinweg. Aber das will auch niemand.

        Ja, der Platz wird knapp. Täglich werden in D wohl immer noch 56 ha verbraucht und verbaut. Hab im Hinterkopf, dass bei 60 ha täglich die gesamte Waldfläche Deutschlands in 500 Jahren verbaut wäre, in 1700 Jahren auch die Landwirtschaftsflächen, die wir ja eigentlich für Nahrung und Energie brauchen.
        1700 Jahre sind ein Klacks, wenn man bedenkt, dass Flächenverbrauch für den angehenden Homo von Lucy bis Jesus ( 3 Millionen Jahre) überhaupt kein Thema war.

        Hab auch nichts dagegen, wenn die Schulabgänger in die virtuelle Welt abtauchen, aber mich sollen sie bitte in Ruhe lassen. Ich will weder verwaltet noch beschützt, weder gepflegt noch manipuliert werden.

        • Ostbauer sagt

          Es gibt einen Spruch, der in Verbindung mit der Landwirtschaft gebracht wird; sicherlich bekannt:” Der ersten Generation der Tod, der Zweiten die Not, der Dritten das Brot”.
          Sollen jetzt Deiner Meinung nach die nachkommenden Generationen bei Null anfangen?
          Klingt fast wie Christian Suhr.

          • Reinhard Seevers sagt

            Den Eersten sien Dod, den Tweeten sien Not, den Drütten sien Brod“

            Der Spruch wird der Moorkolonosierung zugeordnet. Solche Bedingungen wird es heute wohl kaum noch geben…..das Moor steht unter vielfältigem Schutz! 😄

          • Ja,
            so ist heutzutage muß jede Generation wieder
            bei fast 0 anfangen, weil sie vergößern oder umstellen muß.

            Also hat sich der Opa aus der ersten Generation für Fremde totgeschufftet um seinen Betrieb aufgebauen!

            Er wollte doch seinen Kindern einen am besten Schuldenfreien Betrieb übergeben.
            Damit die ein sorgenfreies Leben haben und genügend Familieneinkommen daraus erwirtschaften können.
            Vielleichtdauert es auch 2 Generationen.

            Für die anderen sorgt ja der Stat ,mit seinen Sozialgesetzen.

        • fingerphilosoph sagt

          @ Ostbauer
          Deutschland gehört zu den Staaten mit der höchsten Vermögensungleichheit. Das oberste Prozent an der Spitze der Reichtumsskala besitzt so viel wie 75% der Bevölkerung der Skala von unten her gesehen. Wenn Grundstücke und Immobilien im Rahmen des Flächenverbrauchs zunehmend rarer, teurer und ständig weitervererbt werden, kassiert das eine Prozent im Laufe der Zeit alle auf den Markt geworfenen Grundstücke und Immobilien, auch die Bauernhöfe ein, während die Kinder der 75% überhaupt keine Chance auf ein Grundstück/Eigenheim oder dgl. haben. Weder Talent noch Fleiß bestimmen über den Erfolg im Leben, sondern die Zugehörigkeit zu einer reichen Familie. Was ist das für ein System? Neo-Feudalismus?

          • Stadtmensch sagt

            Ja, es ist schade, dass sich wieder eine Gesellschaft der Stände entwickelt. Dabei haben wir so viele Soziologen, die was von Sozialer Mobilität erzählen.
            Problematisch daran finde ich vor allem, dass durch diese “Kastenbildung” so viel großartiges Potential verloren geht und so hohe Folgekosten bei der Stabilisierung der Gesellschaft entstehen.
            Gestern gelesen auf Pocket: Bei euch in Frankreich haben die Jugendlichen in Suburbia ein neues Hobby: sich gegenseitig totschlagen
            Die Rechten (Sozialdarwinisten) können da nur “Blühendes Leben” und “Das war schon immer so” erkennen. Oder: “Stellt euch eine Gesellschaft von zugerichteten, optimierten, Weicheiern vor – eiteitei wie langweilig!”. Dann rennen sie in die Schützenklubs, ballern rum und wollen den Law and Order Staat. Wenn jemand ans Erbrecht will, denken die echt man wolle ihnen die Villa im Tessin wegnehmen.

          • Ostbauer sagt

            Im Gegensatz zum Neo-Feudalismus hab ich meine Grundstücke weder geraubt, verliehen bekommen noch von Gottes Gnaden erhalten.
            Ich habe Grunderwerbssteuer dafür bezahlt und meinen Buckel dafür krumm gemacht, die Anuitäten dafür zu erarbeiten; hätte jeder in Deutschland so machen können! Das hab ich auch im Hinblick auf meine nachfolgenden Generationen getan. Mit welchem Recht willst Du das streitig machen?
            So was nennt man Enteignung!!!
            Zu den Chancen der”Kinder der 75%;” frag doch mal bei der Politik und den Banken nach!
            Als ich 1990 angefangen habe, hat mir die Bank 2 Mio Kredit gegeben auf 5000 qm Eigentum, im Vertrauen und Risiko auf die Zukunft. Dank der neuen Gesetze macht das leider keine Bank mehr.
            Ich weiß auch ,dass es schwer ist als ambitionierter Junglandwirt irgendwo in einen Betrieb einzusteigen ,geschweige denn einen Eigenen zu gründen, gerade hier im Osten, wo die hier sowieso etwas größer sind.
            Da sollten sich Staat und Banken; und auch unsere Verbandsvertreter mal drum kümmern.
            Nur auf den zu hauen der hat, ist etwas platt.

            • fingerphilosoph sagt

              Ich hau auf niemand drauf und ich wohne auch gern im eigenen Heim, trotzdem kann ich mir ja meine Gedanken drüber machen, wie das langfristig funktionieren soll, wenn Deutschland einerseits immer mehr zugebaut wird, während sich gleichzeitig immer weniger junge Leute was Eigenes leisten können.

              Staat und Banken können die zur Verfügung stehende Fläche auch nicht vermehren. Das unendliche Wachstum mag in Form von Zahlenspielen auf irgendwelchen Konten funktionieren, Deutschland wird dadurch aber keinen Zentimeter größer. Wenn sich Staat, Banken und Verbandsvertreter drum kümmern, machen gerade die das mit schleichender Enteignung. Das kann man doch jetzt schon beobachten. Was für Möglichkeiten sollen die denn sonst haben?

              Das Erbrecht mag vielleicht in einer Zeit, als die Welt noch nicht vollständig verteilt war und jeder sich ein Stück Land einzäunen und “meins” sagen konnte, angemessen gewesen sein, aber die Frage, ob es auf die heutigen Verhältnisse noch passt, muss man schon stellen dürfen.

              Eine Neufassung des Erbrechts – wie auch immer – wäre evtl. eine Alternative zum BGE. Je weiter die Schere Arm und Reich auseinanderklafft, umso wahrscheinlicher wird das BGE. Und was glauben Sie, wie das BGE dereinst finanziert würde? Mit Zwangshypotheken auf Grundbesitz beispielsweise?

              • Ehemaliger Landwirt sagt

                Der Bedarf an Wohnraum ist von 30qm je Person, auf 50 qm gestiegen, schon alleine das macht 60 % mehr kosten, auch der Flächenverbrauch erhöht sich enorm.
                Als ich den Betrieb übernahm, musste ich einiges an Geld an meine Geschwister abdrücken, dennoch ist es uns gelungen, Geld anzusparen, dass, wenn wir beide in Rente sind, uns nicht einschränken müssen.

                Andere flogen 4 mal im Jahr nach Malle und haben dort ihr Geld versoffen und bei der ersten Renteninformation kam das große Heulen und Wehklagen.

                Und dann kommen welche daher und wollen den Sparsamen ihr Eigentum noch mehr besteuern.

              • Ostbauer sagt

                Das “Thema” war heute: “Was willst Du mal werden”. Meine Gedanken bezogen sich auf den Berufszweig Landwirtschaft, von Eigenheimbesitzer stand da nix.
                Ausserdem gab es kaum eine Zeit , in der die Welt noch nicht ständig verteilt war. Wir(manche) haben es nur so empfunden und kranken teilweise noch heute daran.
                Natürlich kann der Staat was tun; Bürgschaftsübernahme zum Beispiel.
                Warum muss ein Landwirt mangels Nachfolge unbedingt an einen “Großinvestor” verkaufen oder verpachten weil die Bank einem”Jungspund” wegen mangelnder dinglicher Sicherheiten keinen Kredit gewährt? Ist das keine Aufgabe des Staates?
                BGE ist ein Thema für sich!

                • Reinhard Seevers sagt

                  Früher gab es den Interimswirt, jemand der den Hof übernahm, bis ein Nachfolger wieder einsteigen konnte….

                • fingerphilosoph sagt

                  Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt.

              • Reinhard Seevers sagt

                “Ich hau auf niemand drauf und ich wohne auch gern im eigenen Heim, trotzdem kann ich mir ja meine Gedanken drüber machen, wie das langfristig funktionieren soll, wenn Deutschland einerseits immer mehr zugebaut wird, während sich gleichzeitig immer weniger junge Leute was Eigenes leisten können.”

                Wir fuhren 1984 mit dem Seminar nach Holland. In Lelystad gabe es zu der Zeit neue Poldersiedlungen und in der Stadt hatte man verdichtetes flächensparendes Bauen verwirklich. Vorbildhaft, wie wir meinten!
                Jetzt haben wir 2020 und wir fangen wieder ganz von vorne an. Ich glaube es gehört zur Wahrheit dazu, dass wir Bürger uns ein falsches Bild von Wohnen, Leben und Wohlstand haben erzählen lassen. Die Bausparkassen werben doch stündlich mit dem Traum vom eigenen Heim und der Baumarkt wirbt mit Sichtschutz gegenüber den Nachbarn. Man kann nicht gegen die Bevölkerung andiskutieren, sie müsste aber irgendwann mal selbst erkennen, dass die Probleme, die wir haben, selbst verursachte sind….aller gemeinsam!

                • Stadtmensch sagt

                  “dass die Probleme, die wir haben, selbst verursachte sind”

                  Da muss ich mal auf fingerphilosophs Zitat zurück kommen. Sieht so aus, als hätten wir in 2400 Jahren nix dazu gelernt:
                  https://www.aphorismen.de/suche?f_thema=Demokratie

                  Da können die Kinnings noch so viel Ethik in de Schule pauken. Falls es in dem Alter überhaupt interessiert…

              • Brötchen sagt

                @FP

                Die Fakten sind doch andere, als Du es darstellst.

                Es hat sich doch so entwickelt.

                Wir hatten bis ca. 2014 eine sinkende Bevölkerung.
                Im Osten wurden 10 Tsdende Wohnungen abgerissen.
                Kannst Du Dir in der MDR Doku über Wolfen, wohnen im Plattenbau ansehen.

                Auch auf den Dörfern stehen LPG/VEG Blocks teilweise leer usw.

                Wir hatten jetzt die Zuwanderung, die ca. 2 Mio betrug sind also steigend….Zuwanderung EU usw.

                In Berlin wandern jedes Jahr 20 Tsd zu, es werden aber nur 5600 Wohnungen gebaut.
                Bei uns bauen Sie auch wie verrückt, das aber teilweise mit Berlinflucht zu tun usw.

                Eigenheim ist Luxus, was Resourcen und auch Kosten betrifft.
                D. ist aber ein Mieterland, ca. 50 % der Leute wohnt zur Miete.
                In anderen Ländern, südl. ist die Eigentumsquote wesentlich höher.

                Die können nicht alle auf der grünen Wiese bauen, das ist klar.

                Wie sind denn die Prognosen, sinkt die Bevölkerung oder steigt die? Das hat man doch pol. in der Hand!
                Ich kenne noch Prognosen, wo mit stark sinkender Bevölkerung gerechnet wurde. Die Diskussionen hatten wir hier auch und die sind noch nicht so lange her.
                Da wurde bei uns von der Politik schwadroniert, es ist zu überlegen, ob einzelne Orte aufgegeben werden, weil die mit Infrastruktur zu versorgen, zu teuer wird. Davon ist heute keine Rede mehr.
                Wie gesagt in B. gab es mal Zeiten da waren Mieten spottbillig, das hat sich gedreht.

                Denkst in unserem Dorf wollen Zuwanderer wohnen, die sind alle schnell wieder verschwunden.

                Wie Reinhard schön schreib: wir haben es in der Hand, das ist alles selbst verschuldet.
                Ich sehen auf dem Land auch nicht, das das da zu eng wird, es gehen geburtenstarke Jahrgänge in Rente und da wird in den nächsten 20 Jahren in Größenordnungen Wohnraum frei! Auch in den Städten.
                Das füllt sich mit anderem Klientel. Ob das die Lösung ist und wohin das führt kann sich jeder selbst überlegen.

                Ich denke wir werden, wenn das so weiter läuft ganz andere Probleme bekommen, da ist Wohnraumknappheit eine Lappalie

                • Stadtmensch sagt

                  Es heißt immer “nicht bezahlbarer Wohnraum”, aber das stimmt so nicht. Der Wohnraum wird ja bezahlt, von Anlegern und Spekulanten, die lieber AirBnB “unternehmen”. Oder von Institutionellen Anlegern, die massig Wohnungen kaufen und “durchrationalisieren”. Da fließt dann einfach nur Kapital ab in Form von Mieten, die ungünstigenfalls sogar vom Steuerzahler erbracht werden müssen (also für Wohngeldempfänger).
                  Transparenz in dieser Sache: Fehlanzeige.

                • Brötchen sagt

                  Ja Stadtmensch das ist richtig so.

                  Man muss die ganze Wohnrausmisere auseinandernehmen, dann kommt man zu den Ursachen, der angeblichen Knappheit.
                  Wohnraum ist nicht knapp, der wird nur knapp gemacht.

              • Um aus Ackerland Bauland zu machen braucht es auch wieder komplizierte politische Prozesse!

                Natürlich kann man sich nebenher Gedanken darüber machen, wenn gutes Ackerland (hat ja verschiedenen Bodenqualitäten) zu Bauland verbaut wird.

                Was soll das Rewelager in der fruchtbaren Wetterau?
                Es bracht ja auch Zufahrtstraßen, wieviel Ackerland verbrauchen die noch dazu?
                oder ähnlich.

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            @ fingerphilosoph

            Für einem armen Vater kann man nichts, aber für einen armen Schwiegervater.

          • “teurer und ständig weitervererbt werden, ”

            Fiphi, solche Sprüche sind gerade für Bauern schwer zu ertragen. Gerade Landwirte müssen in Generationen denken, das war immer schon so und das wird auch so bleiben. Das liegt schlicht in der Natur der Sache.
            In Unternehmerfamilien ist das nicht anders.
            Um der nächsten Generation etwas mitgeben zu können, muss ich in der Gegenwart auf Konsum verzichten!!
            Und von ständig weitervererben kann wohl auch kaum die Rede sein. Nach dem 2. Weltkrieg und später wurden ganz viele Vermögen in unserem Land auf null gesetzt.

            • fingerphilosoph sagt

              1970 gab es noch 1 Million Bauernhöfe, jetzt sind es noch 250.000. So weit her ist das also auch nicht mit dem “in Generationen denken”.

              Ein Weltkrieg ist, denke ich, keine Lösung für das Problem der zunehmend ungerechteren Verteilung der Vermögen und des Landbesitzes.

              Mir selber macht es mehr Spaß, mir selbst etwas aufzubauen, als mich in ein von Papa und Opa gemachtes Nest zu setzen und nur “Nachfolger” zu sein.

              • Ehemaliger Landwirt sagt

                “1970 gab es noch 1 Million Bauernhöfe, jetzt sind es noch 250.000. So weit her ist das also auch nicht mit dem „in Generationen denken“

                Quatsch mit Soße.

                Wenn das Einkommen nicht mehr stimmt, hilft das denken in Generationen auch nichts.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Wer die vielen “Betriebe” aus den 70er Jahren noch vor Augen hat, die als solche in der Statistik geführt wurden, der kann die Wertigkeit einer ökonomischen Betrachtung vielleicht einordnen.
                  Wir hatten im Dorf z.B. einen, wo der Vater als Postbote arbeitete, und die Mutter morgens wie abends mit ihrem Fahrrad, 4 gleichmäßig verteilte Milchkannen, einem Eimer und einem Milchsieb auf die Weide zum Melken fuhr.
                  Es gab und gibt unzählige Betriebe, die als solche geführt werden, weil sie die statistischen Bedingungen erfüllen, aber niemals eine nachhaltige Bewirtschaftung darstellen…..und schon gar nicht für eine Nachfolge in Frage kommen.

              • Ein Bauer setzt sich nicht ins gemachte Nest,
                er muß es erwerben um es zu besitzen
                mit fleißiger Arbeit, Interesse und know how!

                Dann hat er die Verpflichtung das Ererbte zu erhalten und seine Familie davon zu ernähren, den Ergeber frei wohnen usw zu geben, neben den Steuern , die er abführen muß!

                Es gibt auch welche, die dass nicht verstehen und
                haben nur die Dollars in den Augen, die machen alles zu Geld und habe4n ein schönes Leben,
                verkaufen kann man nur einmal!

                Der Ehemalige würde dazu sagen

                “Die schmeißen mit dem Ar… alles um,

                was Generationen vorher aufgebaut haben!

              • Ostbauer sagt

                Hab ich jetzt erst gelesen.
                Papas und Opas gemachtes Nest.
                Sie sind kein Landwirt. Never!!

                • Er muss ja erstmal verstehen, dass wir mit unserem Ackerland oder auch Wiesen unser Familieneinkommen verdienen,
                  wie der Handwerker mit seinem Werkzeug, nur der bekommt das von seinem Chef gestellt.
                  Das Dienstfahrzeug auch!
                  Die Dienstkleidung oft auch!
                  Kantine und Essen oft auch!

                  Und als Bauer ist man nun mal sein eigener Chef!
                  Der Bauer muß sich alles selber kaufen.
                  Und dafür muß er ganz schön was ernten, um dass zu bezahlen.

                  Ist doch klar, dass er dummer Neid als Beleidigung auffasst!

                  Er kann nichts dafür, dass ein Arbeitnehmer nur eine Wohnung, Auto und mehr Freizeit hat!
                  Aber dafür alles gestellt bekommt.

                  Er braucht nur seine Muskelkraft oder/und seine Geisteskraft dem Arbeitgeber zur Verfügung stellen.

                  Der Bauer setzt sie für sich und seinen Betrieb ein!

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            “Weder Talent noch Fleiß bestimmen über den Erfolg im Leben, sondern die Zugehörigkeit zu einer reichen Familie. Was ist das für ein System? Neo-Feudalismus?”

            Nur Talent und Können führen zu Erfolg, Kapital und Immobilien zu erben, das ist Glück, reiche Eltern zu haben, aber einer von den Altvorderen hat das Geld angehäuft.

            Meine Grundstücke konnte ich bis 1833 zurückverfolgen, eine Wiese von 2.000 qm kam bei einer Heirat zum Hof, alles andere wurde gekauft, das meiste des erforderlichen Geldes wurde durch einen Gewerbebetrieb erwirtschaftet.

            • Ja, bestimmt mühselig vom Munde abgespart

              Die Nachkommen auch sparen und arbeiten und wenn anderr ins Schwimmbad fuhren haben sie uns eine lange Nase gemacht, wenn wir beim Rüben vereinzeln waren.

              und dann sollen wir schlechtes Gewissen haben
              dass wir das einfach so ohne was dazu getan haben für nichts und wieder nichts geerbt haben? Das ist ein landw. Familienunternehmen,
              Solcheunternehmen gibt es in de4 r Stadt uch, damit kann man aber mehr Geld verdienen, weil denen ihre Produkte gefragter sind und wertvoller erscheinen.
              zB.
              Würstchengrill
              und Grillgut

              Ich würde mal sagen das ist purer Neid.

              Der ist aber unberechtigt,
              weil die, die kein Grundstück und Haus haben, ja genügend verdienen, um sich eine Wohnung zu mieten, im Notfall bekommt man vom Sozialamt Wohngeld (da bin ich aber auch ganz schön neidisch drauf) d, denn in der Industrie verdient man leichter als in der Landwirtschaft.

              Die brauchen keine Grundstücke!
              Die sind rundum abgesichert!
              Wir sind schließlich ein Sozialstaat!

              und zwar ein ganz guter, Dank des Kalten Krieges in den 50igern und 60igern.

              • Ehemaliger Landwirt sagt

                Nein, nicht vom Munde abgespart, nur unnützes Zeug nicht gekauft, dann kommen auch ein paar Euros zusammen. Und im Jahr 4 x nach Malle zu fliegen, war Zeitlich nicht drinne.

                • Thomas Apfel sagt

                  Ich glaube, die aktuelle Eigentumsverteilung der landwirtschaftlichen Flächen hinkt (logischerweise) der Entwicklung der Betriebsgrößen gewaltig hinterher. Sonst wären die Anteile an Pachtflächen in den aktiven Betrieben nicht so hoch. Man trennt sich nicht so schnell von seinem Eigentum. Meist ist es erst die dritte Generation nach der Betriebsaufgabe, die die Flächen verkauft, die dann aber sehr wahrscheinlich. Das von Finger beschriebene Szenario der Konzentration auch der Ackerflächen in immer weniger Händen, kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.

                • Richtig,
                  vom Munde abgespart ist nur eine Redensart für
                  sich nichts gegönnt!

                  Tja
                  Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
                  Wer nie die kummervollen Nächte
                  Auf seinem Bette weinend saß,
                  Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.

                  Und manche arbeiten da mehrere Generationen dran!

                  In anderen Branchen, z.B. Bau in den 60igern. da hat es nur eine Halbe Generation gebraucht!
                  Ist eben das Dilemma in mit dem Verdienst in der Landwirtschaft.

                  Das Kapital darin verzinst sich eben nicht so gut!

                  Unser Leben ist ja nicht ein feiges Ruhen und Genießen,
                  es ist ein hartes Kämpfen und Arbeiten, und arbeiten dürfen.

  7. Ich finde es bemerkenswert, dass sich so wenige für “Ernährung” interessieren, geht es doch ganz oft durch die Medien dass eine gute Ernährung Basis für unsere Gesundheit ist… 🤔 Vermutlich wissen die Leute mit 18 noch nicht, was sie im Leben wollen, bzw. was wichtig ist…
    Ich wusste es erst mit 21 😅.

    • Ma,
      da muß mal wieder eine neue Twiggy kommen.

      Damals wollten alle so schlank werden wie sie und wollten es durch Ernährung schafen!

      Danach war mehr intereesse das!

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