Bauer Willi
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Wahlen beim Deutschen Bauernverband

Nur damit hinterher keiner sagt, er hätte es nicht gewusst: Vermutlich im Oktober wird das Präsidium des Deutschen  Bauernverbandes neu gewählt. Hier die Vorschläge:

https://www.bauernverband.de/presse-medien/pressemitteilungen/pressemitteilung/wahlvorschlag-des-dbv-praesidiums-fuer-neuen-dbv-vorstand-1

Mein Kommentar: In den letzten Monaten haben viele Landwirte ihren Unmut über die Arbeit von einzelnen Mitgliedern des Präsidiums geäußert. Mit “Land schafft Verbindung” ist eine Basis-Bewegung entstanden, die sich am DBV vorbei in Politik und Gesellschaft zu Wort gemeldet hat. Viele engagierte Bauern und Bäuerinnen haben den Mut besessen, in eigener Organisation mit zahlreichen Demonstrationen und pfiffigen Aktionen auf die gegenwärtige Situation in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Tausende von grünen Kreuzen wurden von Landwirtsfamilien aufgestellt, ohne dass der Vorstand des DBV dazu Stellung bezogen hätte. Und jetzt? Soll wirklich alles so bleiben wie bisher?

Mich erinnert die derzeitige Situation irgendwie an den Herbst 1989…   Es kommen mir Bilder und Personen von damals in den Sinn. Mutige und entschlossene Menschen, die verändern wollten, nicht zögerten und verändert haben! Und Menschen, die zugelassen haben, dass sich etwas verändert.

Hinweis für meine Berufskollegen: Wer mit der derzeitigen Besetzung des Vorstandes einverstanden ist, muss nichts tun. Wer eine Neubesetzung wünscht – mit frischem Wind, frischen Gedanken und frischen Köpfen – sollte sich an seinen Ort-, Kreis-, oder Landesverband wenden. Und nein, Austritt ist keine Option, sondern feige. Nur wer dabei bleibt, darf kritisieren.

Es ist ein Fehler, nichts zu tun, weil man nur wenig tun kann

Tu was du kannst

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54 Kommentare

  1. Elisabeth Ertl sagt

    Gehört zwar nicht wirklich hierher, dennoch:
    SPD – Sigmar Gabriel berät um 10.000 Euro pro Monat Tönnies zwecks Export in Zeiten der Schweinepest. SPD – Svenja Schulze verschleiert die wirklich problematischen Nitratgebiete, die meist etwas mit nicht flächengebundener Tierhaltung zu tun haben, mit einem grobmaschigen Messnetz und basht stattdessen die gesamte Bauernschaft als Umweltzerstörer.
    Ist das nur fachlich stümperhaft?

    • Reinhard Seevers sagt

      Zitat: “Ist das nur fachlich stümperhaft?”

      Nee, der eine ist Geldgeil, die andere Geltungsgeil…….eben menschlich.

  2. Milan sagt

    Alles Quatsch. Die Ernte steht vor der Tür und die Fehler des Wachsen oder Weichen , vom DBV propagiert, werden wieder qualvoll deutlich. Wer auf Sandboden 7 Tonnen Gerste erntet, kann froh sein. 7t mal 150 bis 180 € = ….
    Johannes Röring zahlt Pachtpreise von 1600 € und das ist Kannibalismus und die hässliche Fratze des Bauernverbandes.
    Nur Funktionäre können das und überleben.
    Kündigt kündigt kündigt diesen Drecksverein. Mehr als die Hälfte der BBV Mitglieder sind Sofamelker…

    • firedragon sagt

      Sieben Tonnen, ist doch gar nicht soo schlecht. In Rumänien dreschen die derzeit in manchen Regionen Gerste und kommen mit achundkrach auf eine Tonne…

    • Reinhard Seevers sagt

      Mit Verlaub, das ist wirklich Quatsch. Gemüseanbauer zahlen noch mehr, ob die überhaupt im BV sind ist dabei völlig Banane.
      Populisten gibt es auf allen Seiten….

    • Christian Bothe sagt

      @Milan,nicht „meckern“sondern ändern und sich engagieren!!!Auch Röhring hat einen eigenen Betrieb oder? Somit ein Vertreter der Bauernschaft im DBV…

      • Milan sagt

        Das ist doch kein meckern sondern eine Tatsachenbeschreibung . Wenn über 10% der Deutschen Agrarfläche mit Biogas überfördert wir, gibt es solche Auswüchse.
        Schuld ist der Bauernverband, der nicht die Menschen sieht sondern nur das Geld.
        Zurecht ist der Ruf des Bauernverbandes ruiniert und die Skepsis ahnungsloser Bürger ist berechtigt. Wer eigene Mitglieder „hinrichtet“ (wirtschaftlich) , kann schon gar nicht glaubwürdig andere ethische Fragen beantworten. Ich gebe auf und engagiere mich sicher nicht in dem Verein. Sehe keine Chance

        • Milan sagt

          Ich möchte nicht gegen Energiewirte Stänker, die haben auch viel investiert und riskiert. Die Politik davor prangere ich an und das kann man nicht mehr heilen.

  3. Ostbauer sagt

    Bin eben gerade vom Feld gekommen. Die Gerste war pünktlich zum “Feierabend” trocken.
    13,7%. (und Stadtie radelt an der Maas rum) (-:
    So vielfältig wie die Landwirtschaft in unserem Land ist, so vielfältig sind auch die Meinungen hier.
    Ich bin Bauer und Mitglied im Bauernverband und auch im Vorstand vom Kreisbauernverband und wir haben auch an den Aktionen von LsV teilgenommen.
    Wir dürfen uns nicht auseinander dividieren lassen!!!
    Es braucht beides um unsere berechtigten Forderungen durchzusetzen. Der DBV ist gut vernetzt und in der hohen Ebene der Politik als Gesprächspartner anerkannt. Da müssen dicke Bretter gebohrt werden.
    Meiner Meinung nach haben Diejenigen ,welche uns nicht so gut gesonnen sind nur darauf gewartet, dass der DBV auf den Zug der Aktionen von LsV aufspringt. Sofort wäre doch eine vom DBV initierte lobbyistische Aktion unterstellt worden.
    Und auch die grünen Kreuze haben ihren Beitrag dazu geleistet, unsere Probleme zu benennen. Natürlich hat auch der DBV Fehler gemacht und Zeichen der Zeit unterschätzt oder falsch interpretiert; trotzdem:
    Nein, wir brauchen keinen radikalen Umsturz im DBV, die Erneuerung kommt von ganz allein; so wie fast überall. Es müssen sich nur mehr engagierte junge Leute bereit erklären dort mit zu machen. Wir sollten den Druck von unten aufrecht erhalten und unseren Vertretern auch zugestehen, das bestmögliche in den “Gesprächsrunden” raus zu holen.
    Kontinuität und Erneuerung heißt die Devise.
    Und, Willi; wie soll ich denn den Verweis auf 89 verstehen? Da sind wir auf die Straße gegangen bis sich was verändert hat. Ich dachte, Du bist da nicht so für.

    • Bauer Willi sagt

      Ich bin auch (einfaches) Mitglied im Bauernverband. Aber in keinem Vorstand und kann deshalb auch freier reden. Ob der DBV in der Politik noch anerkannt ist, wage ich mittlerweile sehr zu bezweifeln. Er wird eher als rückwärtsgewandt wahrgenommen (“Vorwärts nimmer, rückwärts immer”)

      Die Erneuerung des DBV-Vorstandes ist meines Erachtens notwendig. Das sehen mittlerweile auch Kreis- und Landesverbände so, äußern es aber nur hinter vorgehaltener Hand. Das finde ich schlimm.

      Junge Leute finden sich eben nicht mehr, weil der “Club der alten Männer” auch keinen Nachwuchs aktiv fördert. Schauen Sie mal, wie alt der jüngste im Vorstand ist!!

      Zu 1989: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.” Der DBV-Vorstand kann oder will die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Die Bauern sind auf die Strasse gegangen. Es hat sich nur nichts verändert.

      • Christian Bothe sagt

        @Bauer Willi, Ostbauer hat es klar formuliert und so sehe ich es auch!Erstaunlich ist für mich immer wieder diese Diskussion um die leitenden Personen von diversen Verbänden.Da gibt‘s Rukwied,Schwarz,Schmal,Paetow,alles westdeutsche Bauern mit eigenem Betrieb und keine AG oder GmbH! Auch sollte man bedenken, das es ohne Erfahrung nicht funktioniert und die Vernetzung wie Ostbauer darlegt manchmal wichtiger ist wie junger hochqualifizierter Nachwuchs!Die Kombination von beiden ist wichtig und das wissen die Damen und Herren solcher Verbände auch.

    • bauerhans sagt

      ” Es müssen sich nur mehr engagierte junge Leute bereit erklären…”

      die hats noch nie gegeben,sondern derjenige wurde gefördert,der in die konservative truppe passte.

    • Der Brandenburgbauer sagt

      Moin Landsmann , im großen und ganzen teile ich deine Meinung.
      Entscheidend ist doch , junge engagierte Landwirte erst einmal zu finden, die ohne gleich Existenzangst um ihre Betriebe haben zumüssen, sich in den Verband einbringen können.
      Auf Landkreisebene läuft das zur Zeit noch ganz ordendlich.
      In den Ländern sieht es schon bedeutend schlechter aus. Da will keiner mehr so richtig ran.
      Was den DBV, betrifft stellt sich für mich die Frage, gibt es denn überhaupt junge unverbrauchte Landwirte die sich das zutrauen den” Laden”wie von vielen gefordert wieder zum laufen zubringen ?

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  4. Andreas sagt

    Kein Bauer kann Mitglied im Deutschen Bauernverband sein.
    Der Deutsche Bauernverband DBV ist nämlich kein Verband von Bauern und Bäuerinnen, sondern ein Verband der Verbände.

    Der DBV hat keine Bauern und Landwirte als Mitglieder, dafür aber mehr als 40 assoziierte Mitglieder mit vollen Stimmrecht, wie den Milchindustrieverband, den Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V., den Bundesverband Deutscher Saatguterzeuger e.V., den Bundesverband BioEnergie e.V. oder den Bundesverband
    der Privaten Milchwirtschaft e.V. usw.
    http://www.bauernverband.de/der-verband/assoziierte-mitglieder

    Auch der Deutsche Raiffeisenverband und die 16 Landesbauernverbände haben ebenfalls Stimmrechte beim Deutschen Bauernverband.

    Alle diese Organisationen sind doch hochzufrieden mit Präsident Ruckwied
    und genau darauf kommt es doch an !!?

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  5. Milan sagt

    Wenn Ruckwied sich nicht zu den Kreuzen äußert, muss er weg. Das ist klar…

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    • Bauer Willi sagt

      Erzählen Sie nicht so einen Blödsinn. Wenn Tausende von Landwirten grüne Kreuze aufstellen um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, und die Interessenvertretung dieser Bauern darüber kein Wort verliert (Ausnahme SH, Bayern und einige regionale Verbände) dann ist das doch zumindest “verwunderlich”.

      Wo schreibe ich “Rukwied muss weg”? Wenn die Mehrheit der Mitglieder mit seiner Arbeit zufrieden sind, ist doch alles gut. Ich nehme nur etwas anderes wahr. Und natürlich kann ich irren.

      • Milan sagt

        Entschuldigung, dann habe das missverstanden. Ich dachte, wenn Alternativen zu J.R. sucht, bedeutet das , dass man ihn nicht für geeignet hält.

        Aber mit Verlaub, die Kreuze waren anfangs streng regeneriert. Aus LsV durften die nicht mit und so….

        Nochmals Entschuldigung für die Fehlinterpretation

          • Bauer Willi sagt

            Wir haben uns lediglich gegen den Mißbrauch als “Kreuzzug” gewandt. Übrigens in Abstimmung mit und Verständnis von MSB…

            • Milan sagt

              Zitat Bauer Willi. Das Internet vergisst Wir Graswurzler möchten an dieser Stelle klar und deutlich darauf hinweisen, dass das Symbol des grünen Kreuzes in diesen Demonstrationen nichts zu suchen hat. Es steht für stillen Protest. Ich habe dies in einem Telefonat schon Anfang Oktober einer der Organisatorinnen genau so übermittelt und sie hat mir zugesagt, dass die Kreuze nicht in den Demonstrationen mitgeführt werden. Wenn ich dann heute, 18.10. in einem Telefonat erfahre, dass von einem „Grünen Kreuzzug“ gesprochen wird, scheint diese Botschaft noch nicht in allen Gruppen von „Land schafft Verbindung“ angekommen zu sein.

              Deshalb nochmals und sehr eindringlich an alle Demonstrationsteilnehmer: Stellt weiterhin grüne Kreuze in die Felder, gerne auch vor den Bundestag oder an anderen prominenten Orten. Verschickt #grüne Agrarpakete an eure Abgeordnete

              Aber bitte keine grüne Kreuze in der Trecker-Demo

              Wir haben alle das gleiche Ziel, aber die Wege dorthin sind halt unterschiedlich.

              So, das musste mal gesagt werden. Ich werde jetzt versuchen, mich weiter zu erholen…

              Euer Bauer Willi

  6. Friedrich sagt

    Aus meiner Sicht müssen alle Vorstandsvertreter im DBV zurücktreten. Außer der Bayrische und der Holsteiner , weil die sofort die LSV-Aktionen unterstützt haben. Auch sollten die Einkünfte , die mit dem Amt verbunden sind , den Mitgliedern zugängig sein. Das pressemäßige Auftreten und Verhalten von Herrn Rukwied war gelinde gesagt eine Katastrophe. Auch der Generalsekritär muß sich medial verbessern , oder entlassen werden. Bekanntlich fängt der Fisch vom Kopf her an zu stinken. Also muß ausgefegt werden. Diese Aufgabe kommt wohl nun als Aufgabe auf die Landesverbände zu und wird hoffentlich auch durchgeführt . Die Zeit der Eierei ist längst vorbei und “Es hätte ja schlimmer kommen können” auch. Kampf ist angesagt und weil der DBV schläft , hat sich der LSV von der Basis gegründet. Das zeigt , daß der DBV seine Mitglieder, genauso wie die Kirchen ihre Gläubigen verloren hat. Schlafmützen, wie Rukwied, brauchen wir nicht , sondern Leute , die wissen , was die Basis will. Medialer Auftritt und politisches Gespür sind gefragt. Gut wäre es , wenn der DBV-Vorstand geschlossen zurücktritt und sich der zukünftige Vorstand der Basis in den Ländern erst einmal vorstellt. Das Austentern hinter verschlossenen Türen muß aufhören. Transparents ist gefragt.

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Kritik sollte innerhalb der Landwirtschaft vorgetragen werden, wenn man die in der Öffentlichkeit tut, dann beklatscht man außerlandwirtschaftlich die Hände.

    • Christian Bothe sagt

      @Friedrich,dann engagieren Sie sich doch mal im DBV! Nicht nur reden sondern machen…

    • Arnold Krämer sagt

      Es ging in der Sendung auch gestern Abend wieder kreuz und quer. Die Journalisten sind nicht in der Lage, die Komplexität des Agrarsektors halbwegs vernünftig darzustellen. Jeder Betriebszweig bzw. jede Produktionsrichtung hat seine/ihre Besonderheiten in der Produktion, in den Strukturen, in der Vermarktung. Der Landwirt ist teilweise weit weg vom Endverbraucher. Die positiven Beispiele der Direktvermarktung insbesondere im Obst- und Gemüsebau bilden ja wirklich nur einen geringen Teil der Landwirtschaft in Deutschland ab. Dazu kommen die vielen regionalen Unterschiede von Ostdeutschland über Westdeutschland bis hin nach Bayern, und deshalb sind auch die objektiven Probleme, die es ohne Zweifel gibt, sehr unterschiedlich und sollten nicht, wie das medial immer wieder passiert, in einen großen Topf, nämlich der pauschalen Forderung nach einer Agrarwende, geworfen werden. Der Agrarsektor braucht keine Wende, er braucht in bestimmten Bereichen Lösungen für Probleme, die über 50/60 Jahre entstanden sind. Die Journalisten schmeißen immer wieder alles durcheinander und vorrangige Aufgabe des Bauernverbandes wäre es deshalb, die Medienvertreter überhaupt mit dieser Komplexität vertraut zu machen und der AbL nicht das Feld zu überlassen.

      • Thomas Apfel sagt

        Herr Krämer, das Problem ist, dass die Medienleute SICH als “Überblicker” der Komplexität sehen. Diese Einstellung können wir in Interviews und kurzen Statements nicht durchbrechen. Die Äußerungen der jeweiligen Medienleute und im Endeffekt auch welche Fragen durch diese gestellt werden, werden zu 90 % vom Background der jeweiligen Blase bestimmt, in der der” Medienmensch” zu hause ist. Besonders schön sieht man das immer bei Herrn Plasberg, da steht das gewünschte Ergebnis in seinem Kopf schon vorher fest und es wird alles getan das zu transportieren. Mit neutral moderiertem Diskurs hat das alles schon lange nichts mehr zu tun, die haben alle eine Mission.
        Aus der Geschichte der Bauern sollte uns klar sein, dass es für uns meist schlecht ausgeht, wenn man sich mit Missionaren des Mainstreams anlegt (Ironie off).

      • Reinhard Seevers sagt

        Das Verständnis über die Komplexität besteht ja nicht einmal innerhalb der Branche. Der spezialisierte Ackerbauer und der spezialisierte Milcherzeuger oder der Weinbauer und der Obstbauer sind häufig so weit weg voneinander, dass es einen wundert, dass überhaupt eine gemeinsame Politik entstehen kann.
        Auch die Lage und die Größe der Betriebe führt zu komplett anderen Denkweisen.
        Wenn dann noch Religion, Tradition und politische Ausrichtung dazu kommen, dann ist das Gebräu der deutschen Landwirtschaft fertig.
        Und das entstandene Getränk soll dann den Menschen im Lande schmackhaft gemacht werden….

        • Brötchen sagt

          Ich unterhalte mich oft auch mit Fleischern und versuche denen auch einigermaßen zu vermitteln, wie Kostenstrukturen sind und andere Zusammenhänge.

          So richtig schnallen die das auch nicht.

          Ich versuche jedenfalls mitzubekommen, was die so für Probleme haben.

          Weil es ja so ist, wenn ich weiß, was der Kunde möchte, dann kann ich schon einiges organisieren und möglich machen.

        • Arnold Krämer sagt

          Danke für die Ergänzung. Voll einverstanden. Und dann kommt bei den Landwirten auch noch dazu, dass sie teilweise die Funktionsweise der Marktwirtschaft und des Politikbetriebs nicht verstehen oder verstehen können. (was uns selbst ja auch nicht immer gelingt)

          • Reinhard Seevers sagt

            So, und daraus soll dann ein Verband eine “gemeinsame” Politik ableiten und Forderungen für eine ganze Branche erstellen? Unmöglich behaupte ich mal.

      • fingerphilosoph sagt

        So gut wie alle Sendungen zur Landwirtschaft, die ich mir ansehe, folgen ungefähr demselben Narrativ. In zahllosen Variationen wird immer dieselbe Geschichte erzählt, die ungefähr so lautet:

        Die Landwirtschaft hat in den vergangenen 50 Jahren den falschen Weg eingeschlagen. Sie trägt die Hauptschuld an den meisten Negativentwicklungen, die in absehbarer Zeit das Leben auf diesem Planeten unmöglich machen, alsda sind: Gift in Lebensmitteln, im Boden und im Grundwasser, Klimawandel, Artensterben, Insektensterben, Bienensterben. Deshalb muss dieser Weg korrigiert werden, mit oder gegen den Willen der Bauern, und wo die Bauern nicht dafür sind, muss mit Gesetzen nachgeholfen werden. Wir können in wenigen Jahren problemlos eine total andere Landwirtschaft haben. Der Verbraucher muss Opfer bringen, vielleicht 10 Cent pro Einkauf oder 1 Euro und er muss seinen Fleischverzehr auf mindestens die Hälfte reduzieren, was für ihn aber sowieso viel gesünder ist. Sobald alle Bauern Ökobauern sind und der Fleischverzehr auf mindestens die Hälfte reduziert ist, haben wir sämtliche Probleme gelöst und die Welt wird nicht untergehen. In der Bildgebung wechseln hauptsächlich Traktoren, die über große, staubende Felder fahren als Kennzeichen für die konventionelle LW – mit idyllischen Bildern von ein paar Bio-Direktvermarkter-Höfen ab, die sowohl den Kontakt zum Kunden wie zur Natur als auch zum Tier haben. Die Ökobauern sind immer wunderbar vernetzt und haben es einfach raus.

        Was hier erzählt wird, ist eine sogenannte “Erlösungsgeschichte”, wie sie eben typisch für Religionen sind. Es ist eine menschliche Eigenart, dass Menschen Geschichten für realer halten als die Realität, wenn diese Geschichten mit ihren persönlichen Stimmungen und Gefühlen übereinstimmen. Die Geschichte mit den Landwirten als Sündenbock wird nicht deshalb erzählt, weil sie die Wirklichkeit abbildet, sondern weil sie die Gefühlswelt vieler Menschen abbildet. Mit rationalen Argumenten wird diese Gefühlswelt deshalb überhaupt nicht erreicht.

        Wenn man die Medienvertreter mit der Komplexität des Problems (also der Realität) vertraut machen will, ist das ungefähr so, als würde man Wasser in einen löchrigen Eimer füllen.
        Die Medienvertreter müssen vor allem anderen die Gefühlswelt ihrer Zuschauer erreichen, denn sonst haben sie keine Einschaltquoten, alles andere wie Information, Bildung, Diskussion usw. ist ihnen immer nur Mittel zum Zweck.

        Um die Landwirtschaft in Europa zu retten, bräuchte es einen neuen Narrativ, eine neue Geschichte, die die Gefühlswelt der Menschen besser trifft als die obige Erlösungsgeschichte und in der die LW nicht die Rolle des Sündenbocks spielt.
        Aber diese Alternativ-Geschichte gibt es derzeit nicht.

        Deshalb bleiben den Bauernverbänden und dem ABL gar nichts anderes übrig, als eben auch auf diesen Narrativ aufzuspringen, denn auch bei denen geht es darum, die Menschen über ihre Stimmungen/Gefühle zu erreichen. Die Trekker-Demos und grünen Kreuze sind an sich gute Ideen, aber sie sind nicht mit einer Alternativ-Geschichte unterlegt, die Menschen wirklich im Herz trifft.

        • Brötchen sagt

          Ist richtig FP meines Erachtens wäre eine Überlegung wert, warum die Aktion mit den Grünen Kreuzen “missverstanden” wurde. Der Grund ist wahrscheinlich nicht richtig rübergekommen. Ob das nun an der Form lag, oder am Empfänger, oder am Inhalt, kann ich nicht beurteilen.

          bezieht sich auf den Absatz:

          Die Trekker-Demos und grünen Kreuze sind an sich gute Ideen, aber sie sind nicht mit einer Alternativ-Geschichte unterlegt, die Menschen wirklich im Herz trifft.”

        • Reinhard Seevers sagt

          Volltreffer! Auf den Punkt gebracht!
          Allein die Lösung des Problems bleibt offen!
          Weil Emotionen auch auf Seiten der Landwirtschaft vorherrschen, deshalb werden sich alle, die sich nicht wertgeschätzt oder gar angegriffen fühlen aus der Branche verabschieden.

          • Brötchen sagt

            Reinhard,

            als Geschäftsmann, wenn man auf solche Gründe Rücksicht nimmt, ist man doch verloren…

            “Weil Emotionen auch auf Seiten der Landwirtschaft vorherrschen, deshalb werden sich alle, die sich nicht wertgeschätzt oder gar angegriffen fühlen aus der Branche verabschieden.”

            • Reinhard Seevers sagt

              Brötchen, da hast du mich wohl falsch interpretiert. Ich bezog mich auf die Narrative aus dem Beitrag vom Filosophen. Die Wertschätzung der Gesellschaft, der Medien, der Politik meinte ich. Fehlende Wertschätzung beklagen auch Pflegekräfte und ehem. Braunkohlearbeiter. Alle Bereiche haben aber unterschiedliche Ursachen und Hintergründe. Bei der Landwirtschaft kommen ganz viele Gründe zusammen, die auch auf einer Dauerbefeuerung seit Jahrzehnten beruhen.
              Es hätte von Seiten der Landwirtschaft bereits vor Jahren einer guten und professionellen Medienarbeit bedurft, man meinte aber wohl immer, dass doch ein Großteil der Bevölkerung hinter ihnen stehe. Das mag gefühlt auch so sein, medial und politisch drückt sich dies aber eben nicht aus. Evtl. muss man die Naivität ablegen?

              • Brötchen sagt

                Reinhard,

                “Die Wertschätzung der Gesellschaft, der Medien, der Politik meinte ich.”

                Ja die meinte ich auch!

                Es ist doch wie mit dem Rumhauen auf die großem Fleischverarbeiter, soll doch Gabriel zum örtlichen Fleischer gehen und sich eine Job vermitteln lassen, gibt vielleicht ein paar Euro fürs Kistenwaschen. Die vergessen alle, wer Geld verdient und wer nur so tut, als ob.

                “Es hätte von Seiten der Landwirtschaft bereits vor Jahren einer guten und professionellen Medienarbeit bedurft”

                Will jetzt nicht rumnörgeln, die Automobilindustrie steht genauso mit dem Rücken zur Wand und die agieren höchst professionell.

                Sicher hast Du recht, professioneller und gebündeltere Pressearbeit wäre sicher sehr gut ( unser LBV macht keine schlechte).

                Aber die Gesellschaft dreht völlig frei, höre ich jeden Tag im Radio, was da so von sich gegeben wird, ist völlig realitätsfremd.

        • bauerhans sagt

          “die Gefühlswelt vieler Menschen…”

          für diese gefühlswelt ist eine preiserhöhung fürs essen ein richtiger schock.

        • Arnold Krämer sagt

          Wunderbar beschrieben, Danke!
          Bis einer neue Geschichte der Landwirtschaft geschrieben ist, haben viele Landwirte auch unnötigerweise aufgehört, weil sie emotional mit dem “Dauerfeuer” nicht klar kommen.

        • firedragon sagt

          fingerphilosoph,
          zu Deinem zweiten Absatz ab “In der Bildgebung…”.
          Es kam die Tage ein Beitrag (Wem gehört der Osten), dort wurde ein Gastfahrtschiffbesitzer “porträtiert”. Er hatte zur DDR-Zeit einen kleinen reparaturbedürftigen Dampfer gekauft. Lange Zeit später hatte er Geld, um den auf Vordermann zu bringen. Der Unterhalt dieses Kleinods ist im Verhältnis sehr teuer. Der Besitzer hat jetzt zwei weitere Schiffe, die besser zu unterhalten sind und natürlich dem heutigen Standard entsprechen. Warum ich das schreibe. Ich habe sein Handeln und seine Aussagen auf die LW übertragen – Kleinod/Nostalgie/Kleinteiligkeit/Nische, das ist alles nur möglich, wenn gleichzeitig eine Struktur vorhanden ist, die schlagkräftig, jederzeit den Anforderungen entspricht und Geld einspielt. Nur dann kann man sich Kleinod/Biodiversität/Bionabau überhaupt leisten.
          Der Unterschied zwischen diesem Schiffer und der LW besteht allerdings darin, dass man seine Aussagen und sein Handeln ( Jahre fuhr der Dampfer nicht, da zu teuer) nachvollziehen kann und ihm jeder recht geben würde – wenn die LW vom Prinzip her das Gleiche sagt, wird sie überhaupt nicht verstanden. Ganz im Gegenteil.

          • fingerphilosoph sagt

            Der Unterschied in den beiden Geschichten besteht vor allem darin, dass die Landwirtschaft als Sündenbock in einen Mythos integriert wird. Ein Mythos greift weit über eine normale Geschichte hinaus, weil Menschen aus dem Mythos heraus jeweils auch ihr Selbstverständnis definieren. Es geht nicht nur um Nostalgie und Nische. Mit dem Mythos, also hier der “Erlösungsgeschichte”, verknüpft der Mensch gleichzeitig auch Sein oder Nichtsein. Weltuntergangsgeschichten haben schon seit mindestens 2000 Jahren Hochkonjunktur.

            Die “Erlösungsgeschichte” ist sozusagen eine große, umfassende Geschichte, deshalb kann man ja auch nicht so einfach eine Alternativ-Geschichte aus dem Hemdsärmel schütteln.

            Was die Realität angeht, sehe ich es auch so, dass die LW insgesamt so erfolgreich ist, dass sie Spielraum für Öko-Eperimente und sonstige Nischen lässt.

            Zumindest in Europa läuft derzeit ein gewagtes Experiment: Um die Welt vor dem (eingebildeten?) Untergang zu retten, opfert unsere Gesellschaft ihre Ernährungssicherheit, das heißt konkret: große Teile des Bauernstandes. Ob das vernünftig ist, wage ich zu bezweifeln. Aber ein Mythos basiert eben nicht auf Vernunft und Rationalität, sondern auf den Gefühlswelten des Kollektivs.

            • Reinhard Seevers sagt

              “Das Glück macht nicht so glücklich, wie das Unglück unglücklich macht!”

              Imm wieder zitierungswürdig ist auch:

              Die ewige Sehnsucht nach der Idylle
              Wir verachten die effiziente Agroindustrie und verehren den edlen, einfachen Bauernstand. Warum sind wir so blauäugig? Versuch einer Erklärung.
              Von: Vinzent Börner, 14.6.2012, Zeit-online – Umwelt
              ….”….Ein Mehrertrag an Nahrungsmitteln gehört in einer überversorgten Gesellschaft wie der deutschen nicht mehr zu den erstrebenswerten Zielen. Er wird vielmehr verstärkt infrage gestellt, wodurch sich unmittelbar der Spielraum für die Wahl des “richtigen” Modells zum Verständnis von Landwirtschaft erweitert. Das gewählte Modell muss dann auch nicht primär zu einer verbesserten Ernährungssicherheit führen. Es kann schlicht dazu dienen, sich Landwirtschaft vollständig und umfassend zu erklären- und damit Ohnmacht und Kontrollverlust bezüglich Herkunft der eigenen Nahrung zu vermeiden. Dass dies kein kompliziertes naturwissenschaftliches Modell ist, dem ja Ohnmacht und Kontrollverlust inhärent sind, sondern eher ein stark vereinfachendes, scheint unausweichlich.
              Das Modell muss auch nie seine Potenz bezüglich einer Produktion in ausreichendem Umfang beweisen. Schließlich sind seine Anhänger in der Regel keine Landwirte, noch möchten sie welche werden. Aus dem Zusammenspiel der Eigenschaften von Landwirtschaft als biologisches System und einer überwiegend satten Gesellschaft entsteht also die Möglichkeit, das Verständnis von Landwirtschaft für Zwecke des Kontrollerhalts zu instrumentalisieren.
              In einer Gesellschaft, die in einem Ozean aus Technologie, Risiken, Entmystifizierung und undurchschaubaren globalen Zusammenhängen nach Orientierung sucht, kommt der Landwirtschaft damit die Rolle eines letzten Hafens der Gewissheit zu. Die Vereinfachung landwirtschaftlicher Produktion in der gesellschaftlichen Wahrnehmung durch Anwendung eines entsprechend simplen biologischen Modells erlaubt eine Suggestion des Verständnisses über wenigstens diesen Teil der Gesellschaft und damit den Erhalt eines Restbestandes an Kontrolle.
              Industrialisierung und Verwissenschaftlichung bedrohen genau diesen Restbestand und werden deshalb von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt oder gar bekämpft, sobald sie offensichtlich werden. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung über Gentechnik, Massentierhaltung und Industrialisierung in der deutschen Landwirtschaft ist demnach nur zu einem geringen Teil den zugrunde liegenden – wichtigen und richtigen – Fragen von Sinn und Unsinn endlosen Wachstums, von Effizienzdruck, Naturverbrauch und technologischen Risiken geschuldet. Das belegen allein schon die Konsum- und Lebensgewohnheiten.
              Das führt zu dem Schluss, dass der Konflikt um die industrielle Landwirtschaft weniger rational begründet ist, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung ist, die eine von Entfremdung und wachsender sozioökonomischer Ohnmacht geprägte Gesellschaft führt, um sich einen Rest an Kontrolle über ihr eigenes Leben zu bewahren.
              Den “Bauern” ist damit nicht geholfen. Im Gegenteil, ihnen wird gesellschaftlich ein Platz auf der technologischen und materiellen Entwicklungsskala zugedacht, den man nur als “ganz weit unten” bezeichnen kann.

            • firedragon sagt

              Ja fingerphilosoph,
              Europas gewagte/s Experiment/e – geht mir auch schon lange im Kopf rum. Kann gut gehen, kann aber auch nach hinten losgehen. Die Geschichtsschreiber der Zukunft werden’s dann ganz sicher wissen.

  7. Waltraud Raith sagt

    Abschaffung der Delegiertenwahl habe ich längst zu Gunsten der Mitgliederwahl beantragt. Wenn nicht mehrere Kandidaten zur Wahl stehen, dürfte es auch keine Wahl geben, man kann nicht einen unzufriedenstellenden Dauerkandidaten fortlaufend bestätigen, die darauf bedacht sind, dass in ihrem Schatten nichts kompetentes heranwachsen kann.

  8. Christian Bothe sagt

    Wieviel Mitglieder hat der DBV? 285000 habe ich gelesen? Ist doch eine stolze Größe für eine Bauernvertretung. Mich belustigt immer wieder, wenn die anderen Kleinstverbände oder „freie“ Bauern gegen den DBV wettern, anstatt sich vor Ort in KBV zu organisieren.LsV ist eine gute Initiative( ich bin förderndes Mitglied) und der DBV sollte sich nach Neuwahl auch in der alten Besetzung mit Rukwied ( ist ja auch COPA-Präsident)mehr zu solchen Aktionen positionieren.Die grünen Kreuze gehören auch dazu und die Mitglieder stehen hinter dem Verband trotz Meinungsunterschieden…

  9. Jan Köpcke sagt

    Wenn ich das richtig verstehe, sind nur Präsidenten der Landesbauernverbände wählbar!?

    • Das ist leider so…..und die Präsidenten der Länder stehen zur Zeit (soviel ich weiß Coronabedingt erst nächstes Jahr ) nicht zur Wahl…… das ist meines Erachtens ein Schlag ins Gesicht der Bauern….
      Gruß Klaus Weber

  10. bauerhans sagt

    austritt ist schon eine option,aber die günstige beratung des DBV als rundumpaket hält die meisten davon ab!
    die mehrheit der bauern produziert gern und schimpft anschliessend,dass das nicht zielführend ist,weil der staat sie im stich lässt.

  11. Reinhard Seevers sagt

    Tja, dann Mal los…..Hauptsache es wird klar, was nicht so bleiben soll, und was anders werden muss. Ich glaube, dass weder Ziele, noch Personen zur Zielerreichung eindeutig benannt werden können. Das wird interessant……

  12. Ich glaube schon das es an der Zeit ist……das der gute alte Bauernverband eine Verjüngungskur braucht….
    Es sollte sich mitlerweile Rum gesprochen haben, das der jetzige Verband zu träge agiert und informiert….
    In der jetzigen Situation mit Corona und den unsachliche Vorgängen in der Regierung wäre nun der Zeitpunkt für einen Neuanfang……übrigens nicht nur im Bauernverband…..am 13.09. sind Komunalwahlen !!!!!
    Kollegen steht auf….und ruht euch nicht auf den grünen Kreuzen, LsV usw. aus !!!!
    Gruß Klaus Weber

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