Bauer Willi
Kommentare 19

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen…

Ein wirklich saublöder Spruch. Aber hier geht es um Ernte- und Ertragsprognosen. Dazu habe ich einen lesenswerten Artikel gefunden, der auch die Meinung vieler Landwirte beschreibt.

https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/ernte-prognosen-nie-stimmen-bauern-sauer-570680?utm_campaign=ah-sa-nl&utm_source=ah-nl&utm_medium=newsletter-link&utm_term=2020-07-11

Nach dem Studium des Artikels komme ich zu dem Schluss, dass die Überschrift zu meinem Artikel stimmt.

Die logische Konsequenz wäre es, keine Prognosen mehr abzugeben. Würde etwas fehlen?

Und noch was: wenn mir vor zwei Wochen jemand gesagt hätte, mit welchen Erträgen wir in diesem Jahr Weizen und Raps vom Feld fahren, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Was ein einzelnes Korn wiegt, kann nämlich kein Satellit oder eine sonstige Technik vorher feststellen. Und wie viele Körner in der Ähre sind auch nicht. Von daher sehe ich die Verherrlichung der Digitalisierung auch sehr kritisch.

Bauer Willi

 

 

 

(Aufrufe 1.190 gesamt, 1 heute)
0

19 Kommentare

  1. Moin,

    vorab zur Digitalisierung: Digitalisierung ist in vielerlei Hinsicht kritisch zu bewerten. Die erste Frage ist schon: Wer hat die Datenhoheit? Das stört oft weder die Verbraucher, die Facebook und Whatsapp nutzen, noch Unternehmen in ihren Zoom-Konferenzen und im Streben nach Big Data, aber auch nicht Landwirte, die mit Satellitendaten arbeiten. Der finanzielle Reinertrag bei all dem Aufwand fällt dabei nicht selten sogar ab, siehe hier eine Aussage von Michael Horsch zur Digitalisierung im Ackerbau:
    https://www.youtube.com/watch?v=aahBWwnJRu0

    Marktlogik hinter Digitalisierung: Wenn Maschinen wie Schlepper allein fahren, braucht es weniger Arbeitskräfte. Spart doch bei der Arbeit, man hat dann ja mehr Profit (okay, der wird dann eingepreist und man endet da, wo man angefangen hat, aber aus Angst vor Arbeitsplatzverlust sind ja auch Gewerkschafter bei VW und Co. bereit, auf Lohn zu verzichten und ihre Arbeit faktisch zu entwerten, selbst wenn dann mal wieder neue Leute angestellt würden …). Dient etwas zur Produktivitätssteigerung, muß sich derjenige, der da produziert, nicht wundern, daß der Abnehmer dann weniger zahlen will – warum sollte man einem Maler, der dank Technik auf einmal in einer Stunde fertig wird, den sonst üblichen Lohn für vier Stunden zahlen (deswegen zahlt man nach Quadratmeter, glaube ich)?

    Was Prognosen angeht: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist.“ Prognosen verfolgen meist rein marktwirtschaftliche Interessen. Das geht so weit, daß mit dem so genannten Derivate-Handel faktisch nur Wetten darauf abgeschlossen werden, ob ein Unternehmen oder Staat pleite geht, Kurse steigen oder fallen usw. Auch bei Wahlen sehr schön zu sehen, um Menschen von bestimmten Lagern zu mobilisieren oder zu demobilisieren nach dem Motto „die bleiben eh unter 5%, wähl lieber jemand anderen“ usw.

    Einhergehend mit Prognosen auch das Thema Ratingagenturen und deren massiver Einfluß auf die staatliche Kreditwürdigkeit, an der zahlreiche Existenzen hängen.

    Prognosen gaukeln vor, man würde Vertrauen damit bilden, in Wirklichkeit verzerren sie massiv den Markt. Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast! Manche Prognosen sind durchaus wissenschaftlich belastbar (wenn A, dann B), doch das meiste ist Tinnef. Pauschal: Wenn man es selbst logisch nachvollziehen kann, mag was dran sein, aber fließen Meinungen und persönliche Befindlichkeiten ein auf Basis von Hörensagen und eigenen „Beobachtungen“, ist das doch eine sehr subjektive Sache.

    … und wenn jemand mal wieder über Wirtschaftswachstum schwadroniert:
    https://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde/139785/materialien-zum-kapitel-wirtschaftsordnung?show=image&k=0

    Nach dem Krieg lag es bei knapp 9% (wenn alles kaputt ist, kann man halt viel aufbauen; nur irgendwann steht’s im Großen und Ganzen).

    1
  2. Paulus sagt

    „Die logische Konsequenz wäre es, keine Prognosen mehr abzugeben. Würde etwas fehlen?“ Ich wage mal zu behaupten, eindeutig ja!
    Meine Frage lautet: Wie soll sich das europäische und auch das globale Marktgeschehen bezügl. des Handels mit Agrarprodukten ohne Prognosen, also elementar wichtiger Informationen einpendeln bzw. überhaupt halbwegs geregelt stattfinden?
    Mein Schwiegervater war Agrarier, in Deutschland würde man ihn als Agrarökonom bezeichnen, und leitete die Agrarsparte einer französischen Großbank. Der hat mir nicht nur einmal die Wichtigkeit von Prognosen „aus verlässlichen diversen Quellen“ erklärt. Auch die Ursachen der Auswüchse was die Termingeschäfte betraf, deren Akteure sich auf eigene Annahmen, bzw. Phantasie und nicht auf qualifizierte Quellen stützten.
    Was manipulierte Prognosen betrifft haben einige deutsche Obstbauern ja schon mal erlebt. Nachdem sie eine schlechte Ernte prophezeiten um den Preis hoch zu treiben, deckte sich der LEH vorsorglich mit Produkten aus dem Ausland ein. Das Resultat ist bekannt.

    0
    • Bauer Willi sagt

      @Paulus
      Deine Antwort kann mich nicht überzeugen. Leider. Laß mal Deinen Schwiegervater hier seinen Kommentar abgeben…Ich hoffe, es ist immer noch der gleiche von früher.. 🙂 (Schwiegervater meine ich)

      0
      • Reinhard Seevers sagt

        „Allein in Deutschland veröffentlichen mehr als 30 Institutionen regelmäßig Konjunkturprognosen. Allen Indizes ist gemein, dass Sie manchmal die Zukunft treffend einschätzen und andere Male ziemlich daneben liegen. Besonders ärgerlich: Prognosen helfen dann, wenn sie am nötigsten sind, nämlich in unsicheren, schwierigen Zeiten, besonders wenig, weil sie dann überdurchschnittlich ungenau sind.“

        https://pixeloekonom.de/2012/04/13/wie-wichtig-und-richtig-sind-prognosen/

        0
    • Obstbäuerin sagt

      Wann war denn das, Paulus? In diesem Jahr hatten wir eine gute Kirschernte und trotzdem hat sich der LEH mit Kirschen aus der Türkei eingedeckt.

      0
  3. Andreas sagt

    Ich kann heuer leider nicht mitjammern:
    Bio-Dinkel 10 Hektar 480 dt a` 60 € + MWSt
    Bio-Braugerste 10 Hektar 450 dt a´ 47 € + MWSt
    Bio-Hafer 5 Hektar 230 dt a` 41 € + MWSt

    0
    • Thomas Apfel sagt

      Glückwunsch 2.420 €/ha im gewogenen Mittel erlöst (falls Pauschalierer) !
      Da frag ich mich doch warum Bio noch Fördermittel zusätzlich bekommt und um noch mehr kämpft (erklärtes Ziel der Branche und des NABU = pauschal rund 1.000 € je ha mehr als der Konvi) ?????

      1
    • firedragon sagt

      bauerhans,
      schreib mal dazu, dass das der Preis für 100 kg ist, sonder denkt der Laier wunderweißwas.

      1
      • Inga sagt

        Also kann der Laie sich nicht informieren, wenn er den Preis wissen möchte, dass er der für einen Doppelzentner, bzw. Dezitonne, also 100kg gemeint ist?
        Das ist so usus, also historisch festgelegt.

        100kg sind 2 Säcke voll.

        0
        • Reinhard Seevers sagt

          Kommt „dt “ nicht daher, dass der Jutesack früher 100kg beinhaltete……ich sehe sie noch vor mir auf der Sackkarre. 😁

          0
            • Inga sagt

              Ich auch,
              2 Zentnersäcke konnte bestimmt keiner auf den Boden tragen!

              Ich denke dass man den Doppelzentner brauchte, weil er rechnerisch besser zu kg und t passte,

              Ich habe vor vielen Jahren mit meinem Mann mal eine Sämaschine abgedreht.

              Er dachte in
              Morgen/Acker und Saatstärke in Pfund

              das Handbuch der Maschine und ich in

              ha und Saatstärke in kg

              das war eine Rechnerei!?!

              Die dt
              Dezitonne ist der 10 Teil einer t Tonne = 1000kg
              also eine dt = 100kg
              eben ein Doppelzentner = dz

              ein Zentner dagegen nur 50kg aber 100 Pfund

              Das passt nicht zur t = Tonne.

              Ich nehme an, weil es immer größere Transporteinheiten gab, brauchte man die t
              und so löste das kg das Pfund
              und der dz den Zentner ab.

              Nur beim Geburtsgewicht der Babies ging das schlecht weil die Omas früher so stolz waren, wenn das Enkelkind bei der Geburt 8 Pfund gewogen hat.
              Eingetragen war es selbstverständlich mit 4kg.

              🙂

              1
              • bauerhans sagt

                ich hatte damals mit us-farmern zusammen gesessen und bushel per acre umgerechnet,das war ne rechnerei.

                0
                • Inga sagt

                  Aber dabei war nur 1 Umrechnungsfaktor, bei meiner Geschichte 2.
                  Und die Mühe es dem Morgen / Pfund-rechner zu erklären!

                  0
    • firedragon sagt

      Jedem Landwirt sind die „Spielchen“ bekannt.
      Aber für den Laien mal interessant, wie „Preisbildung“ so funktioniert.
      Erwähnenswert für den Laien an dieser Stelle – tatsächliche Produktionskosten der landwirtschaftlichen Betriebe weltweit, werden in keinster Weise berücksichtigt!

      3
      • Reinhard Seevers sagt

        Noch erwähnenswerter ist, dass eben durch die Verknüpfung mit dem Weltmarkt ein Preis enstteht, auch wenn eine Welternährung nicht geschafft werden kann von unseren Bauern. Da können sich alle ideologisch Verblendeten noch so echauffieren.
        „Geld“ regiert die Welt!

        0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.