Bauer Willi
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Neue Fakten zu Insekten

Die Entwicklung von Insektenpopulationen ist eine komplizierte Angelegenheit. Zum einen, weil es sich um ausgesprochen kleine Tiere handelt, zum anderen, weil es verhältnismäßig wenige Spezialisten gibt, die sich dieses Themas angenommen haben. So kommt es dazu, dass in der Diskussion oft subjektive Wahrnehmungen wie “früher musste ich häufiger die Windschutzscheibe reinigen” den Verlauf bestimmen.

Daher ist es sehr zu begrüssen, dass das Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (MUNLV) in NRW eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben hat, in der das vorhandene Wissen und die belastbaren Ergebnisse (Reviews) zusammengetragen wurden. Ich habe einige ausgewählte Erkenntnisse, die ich für bemerkenswert halte, einmal zusammengefasst. Es lohnt sich, die gesamte Studie zu lesen.

Literaturstudie zum Insektenrückgang

Im Agrarland ist es im Verlauf der letzten Jahrzehnten zu Nutzungsänderungen und -intensivierungen gekommen. Das hatte Auswirkungen auf die Pflanzenartengemeinschaften, vor allem konkurrenzschwache Pflanzenarten sind zurückgegangen. Die auf diese Pflanzenarten spezialisierten Insekten sind folglich zurückgegangen, allerdings gibt es Insektenarten, die  von den veränderten Pflanzenartengemeinschaften profitieren und als Gewinner aus dieser Entwicklung hervorgehen. Die Studie schreibt aber “dass der gegenwärtige Kenntnisstand noch nicht ausreicht, um eine belastbare Bilanzierung von Gewinnern und Verlierern vorzunehmen”. Diese Aussage macht die Studie auch über den Effekt des Klimawandels und “es sei denkbar, dass sich positive und negative Auswirkungen in etwa die Waage halten könnte”.

Ganz anders als allgemein erwartet ist die Aussage zu Pflanzenschutzmitteln. Laut der Studie sind “genau Aussagen zur relativen Bedeutung der Pflanzenschutzmitteln zum Insektenrückgang im Agrarland nicht möglich”.

Welche Faktoren, die weniger diskutiert werden, beeinflussen Insektenpopulationen? Logisch ist, dass das Klima einen Einfluss hat. So haben die milden Winter zu einer höheren Sterblichkeit des Rundaugen-Mohrenfalter geführt, während andere Arten positiv mit einer höheren Reproduktionsrate reagieren.

Die Klimaerwärmung hat Auswirkungen auf die Phänologie. Das Frühjahr wurde in den letzten Jahrzehnten vorverlegt, die Vegetationsperiode dauert länger. Das hat sowohl positive als auch negative Auswirkungen. Zum einen kann eine zusätzliche Population in der verlängerten Vegetation die Ausbreitung einer Art befördern, was leicht einzusehen ist. Bei der Schmetterlingsart Mauerfuchs kommt es zu einer dritten Raupengeneration, die allerdings den Winter nicht überlebt. Man spricht von einer “Entwicklungsfalle”, weil die Population insgesamt dadurch abnimmt.

Ein frühes, trockenes und warmes Frühjahr begünstigen die Larven der Rößels Beißschrecke, die dann besser überleben können. Sie bilden auch gehäuft flugfähige Individuen aus, was die Verbreitung befördert.

Biotische Interaktionen sind zum Beispiel das Zusammenspiel von Tierart und notwendiger Nahrungsgrundlage. Wenn die Ernährung einer Insektenart stark von nur einer einzigen Pflanzenart abhängt, so geht die Art in gleichem Maße zurück, wie die Nahrungsgrundlage geringer wird. (Monophage Arten) Aber auch Entkopplungen können zu einem Rückgang von Insekten führen. Dass ist dann der Fall, wenn beispielsweise Raupen aufgrund der Erwärmung früher schlüpfen, die Wirtspflanzen jedoch noch nicht zur Verfügung stehen. Einen Effekt dieser Desynchronisation wurden beim Kleinen Frostspanner nachgewiesen. Eine phänologische Entkopplung ist auch das Vertrocknen von Pflanzen bei gleichzeitig hohen Temperaturen, was den Insekten die Nahrungsgrundlage entzieht. Von diesen Witterungs-Situationen hatten wir einige, besonders stark in den Jahren 2018 bis 2020.

Der Klimawandel führt zu einer Habitatsverschiebung. Kälteliebende Insekten wandern ab, wärmeliebende Insekten ziehen zu, so dass sowohl zu Populationsrückgängen als auch zu Populationszugewinn kommt. Die Studie schreibt jedoch sehr deutlich, dass es dazu nur sehr wenige belastbare Untersuchungsergebnisse gibt.

Klimatische Veränderung führen zu einer veränderten Pflanzenzusammensetzung. Ein Beispiel ist die Ausbreitung der Goldrute in artenreichen Feuchtwiesen. Anders als erwartet stellt die Ausbreitung der Goldrute ein “erhebliches Gefährdungspotential für die Insektendiversität dar.” Die Artenvielfalt nimmt in dem Maße ab, wie die Goldrute zunimmt.

Invasive Pflanzenarten haben ebenfalls Auswirkungen auf die Insektenarten. Das zugewanderte Drüsige Springkraut begünstigt bestimmte Bestäuber, die dann die heimischen Arten verdrängen. Hinzu kommt, dass wegen der hohen Attraktivität des Springkrautes heimische Pflanzen weniger bestäubt werden. Somit wird auf diese Art und Weise wiederum die Nahrungsgrundlage für die spezialisierten Arten  entzogen. Diese Arten sterben aus, während das Springkraut eine weitere Verbreitung erfährt.

Invasive Tierarten spielen beim Aussterben von Insektenarten ebenfalls eine Rolle. So hat sich die eingewanderte Asiatische Hornisse auf Honigbienen als Nahrung spezialisiert. Inwieweit auch Wildbienen auf ihrem Speiseplan steht, ist noch unklar.

Die Aufgabe der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen führt dies, aus Sicht der Insekten des Offenlandes, langfristig zu einer Abnahme der Habitatsqualität und schließlich zum Verlust des Habitats. Das führt, anders als erwartet, zu einem Rückgang zahlreicher Insektenarten. Dies ist in vielen Untersuchungen wissenschaftlich belegt. Wenn vormals landwirtschaftlich genutzte Flächen schließlich aufgeforstet werden oder auf natürliche Weise zu Wald wird, sind diese Flächen für Insekten des Offenlandes endgültig verloren. Wenn man also ehemalige landwirtschaftliche Flächen “der Natur überlässt” hat das für die Insekten nicht unbedingt positive Auswirkungen.

Ein direkter Einfluss der Düngung auf die Insektenpopulation konnte nicht nachgewiesen werden. Ebenso konnte in der Studie noch nicht genau nachgewiesen werden wie künstliche Beleuchtung die Bestände von Insekten beeinflussen. Die Lock- und Verwirrungswirkung ist bekannt, konkrete Daten und Fakten liegen jedoch nicht vor.

Beim Lesen des gesamten Papier wird dem Leser klar, dass die Veränderungen in der Insektenwelt sehr vielschichtig sind. Mit den oben genannten Gründen ist nur ein kleiner Teil beschrieben. Es lohnt sich, den gesamten Text zu lesen.

 

 

 

 

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76 Kommentare

    • Bauer Willi sagt

      Ich habe mir die Studie im Original angesehen. Wenn das Wissenschaft ist, gebe ich meinen akademischen Titel zurück. Schlimm nur. dass die Medien sich diese Mühe nicht machen und auch selten in der Lage sind, Material und Methoden auf Konsistenz zu bewerten. Als ich gelesen habe, dass die Insekten-Fallen 25 m neben landwirtschaftlich genutzten Flächen aufgestellt wurden, habe ich nur wiederwillig weitergelesen. Dann habe ich noch nach Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln gesucht. Fehlanzeige. Wenn ich dann noch lese, dass Insekten in die Fallen geflogen sind, an denen Insektizide gehaftet haben, fällt mir nichts mehr ein.

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    • Thomas Bröcker sagt

      Beim Pflanzenschutz gibt es eine interessante Entwicklung: Frankreich (Strasbourg), Finnland und Deutschland forschen im Projekt BioProtekt an modifizierter Doppelstrang-RNS (dsRNA) als von außen auf die Pflanzen aufgebrachtes Pflanzenschutzmittel.
      Diese RNA kann gezielt in Homologie zu Viren oder anderen Schaderregern versetzt werden.
      Die Massenvermehrung und und gezielte Modifikation dieser dsRNA erfolgt über Bakterienkulturen (wird in Helsinki bearbeitet). Einmal auf die Pflanze aufgebracht, verhält sie sich wie systemische Pflanzenschutzmittel und vollführt eine gezielte Degradation der mRNA des Schadorganismus. Sie “zerschneidet” die mRNA in den Zellen – so formulierte es Dr. M Heinlein vom französischen Forschungsinstitut in Strasbourg.

      Das Zeug soll handhabbar wie ein normales PSM sein und genau so ausgebracht werden. Es akkumuliert sich nicht in Boden, Pflanze oder anderen Organismen, sondern ist nach 48 h nicht mehr nachweisbar.

      Eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Das erklärt aber vielleicht (in Aussicht auf Alternativen) den derzeitigen Frontalangriff auf “chemisch-synthetische” Pflanzenschutzmittel. Die Entwicklung in Digitalisierung, Züchtung und Gentechnik eröffnet offensichtlich doch ganz neue Perspektiven!

      • Karl Timme sagt

        “Eigentlich zu schön, um wahr zu sein.”
        Im Augenblick erleben wir die >German AngstunkontrolliertesNatur< Verständnis erwartet werden?
        Ich glaube nicht daran.

        • Karl Timme sagt

          Ups, was war denn das?
          Im Augenblick erleben wir die >German Angst<.
          Wie soll den da ein Verständnis für ein unkontrolliertes Ausbringen in die Natur erwartet werden.

          Ich glaube nicht daran.

    • Reinhard Seevers sagt

      Aus der Studie:
      ” Denn Berechnungen des Forschungsteams zeigen: Würde man einen solchen Schutzraum für alle Naturschutzgebiete deutschlandweit umsetzen, beträfe das 30 Prozent der Agrarfläche. „Diese Zahl mag auf den ersten Blick groß erscheinen“, so Brühl, aber entspräche der Forderung der EU nach 25 Prozent und der neuen Ampelkoalition nach 30 Prozent an Bio-Landwirtschaft bis 2030. „Mit unserer Untersuchung liefern wir Empfehlungen zur Umsetzung dieses Transformationszieles, für das die Politik noch neun Jahre Zeit hat“.

      Na, das zeigt doch sehr schön, wie Wissenschaft Prozentrechnung mit Korrelationen und Kausalitäten in Deckung bringen können, echt geil oder? 🤗

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      • Thomas Bröcker sagt

        Wo kommen denn die “neun Jahre” her? Das erinnert mich zunehmend an die Weltuntergangstermine verschiedener Sekten. Nach dem 3. ausgebliebenen Weltuntergang schwinden Glaube und Mitgliederzahl, der Prozess kann sich aber über Jahrzehnte hinziehen. Keine schönen Aussichten !

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    • Stadtmensch sagt

      Sieht so aus, als wäre es ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen, im Freiland konkrete Ursachen für die sich ständig ändernden Insektenpopulationen auszumachen.
      Waren übrigens schon wieder die Krefelder am Start:
      https://www.entomologica.org/pm/Zu_Br%C3%BChl_et_al_2021_Mitteilung_EVK.pdf
      Jetzt zählen sie chemisch-synthetische Moleküle, die an Insekten haften, wenn sie im zwei Kilometer Umkreis durch die Agrarchemie fliegen und naschen.
      Whataboutism: Wieviele der 47 gefundenen Wirkstoffe sind Insektenschädlich? In welchen Mengen haften insektizide Wirkstoffe an den Insekten?

      Warum kümmert sich niemand so rührend um Schadstofffrachten von Emissionen der täglichen Blechlawinen hier?

      Heute gefunden in der NZZ: “Die dem Imperativ der Selbsterhaltung gehorchende Gesellschaft erzeuge aus sich heraus einen Willen zur Destruktion.”

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      • Thomas Bröcker sagt

        Der eigentliche Witz ist ja, dass das in intensiv von Pflanzenschutzmitteleinsatz betroffenen Gebieten ganz anders ist. Wirksame (erkennbare) Auswirkungen von Behandlungen in Raumkulturen haben (ohne ID-Düsen) eine Drift von 6 m. Danach ist keine Wirkung mehr festzustellen (Apfelwicklerbefall im Versuch 45 % in 10 m Abstand zur letzten Behandlungsgasse ggü. 2 % bei direkter Behandlung). Ich halte das Ganze für einen einzigen Fake und bezweifle die tatsächliche Fähigkeit der Labore, Reste vorheriger Untersuchungen von Molekülen aus Proben zu unterscheiden. Ähnlich bei DNA Nachweisen in Spusi Untersuchungen vorgekommen, bei denen die “nachgewiesene weibliche DNA” letztlich auf die Abpackerin der Handschuhe zurück ging, mit denen die Spusi den Tatort untersucht hatte.
        Der Arten- und (eventuell) Masseverlust an Insekten in Schutzgebieten hat definitiv andere Ursachen. Ich erinnere an die Diskussionen mit Herwig Scholz. Bei uns hat die Bio-Schiene (FÖL) ein Projekt verhindert, das genau das in unserem (“PSM-verseuchten”) Umfeld untersuchen sollte.

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      • Nicht nur die Krefelder, man geht jetzt über zu citizen science, sozusagen dem pseudowissenschaftlichen Volksturm gegen die modere Landwirtschaft. Ein Waaaahnsinnnn …

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      • “Die Aufgabe der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen führt dies, aus Sicht der Insekten des Offenlandes, langfristig zu einer Abnahme der Habitatsqualität und schließlich zum Verlust des Habitats. Das führt, anders als erwartet, zu einem Rückgang zahlreicher Insektenarten.”

        Ja klar, wen sie die etablierten Insekten dran gewähnt haben.
        Die Flächen de4r intensiven Landwirtschaft (egal auf welche Weise das insektenfreundliche Unkraut entfernt (Hacke, jäten) wurde) werden doch schon lange der freien Ökologie entzogen, darum mußte sie damit fertig werden.

        Also kann das Phänomen nicht Schuld für die plötzlich insektenfreie Windschutzscheiben sein oder?

  1. Obstbäuerin sagt

    Der Kaisermantel ist Schmetterling des Jahres 2022, wenn ich nicht irre. Das diese Studie nicht die gleiche Aufmerksamkeit, wie die Krefeldstudie bekommen hat, liegt wohl eindeutig an den falschen Ergebnissen. Ein Gebiet mit massenhaft vorkommenden Insekten aller Art, wird das Interesse unserer Medien genauso wenig wecken. Es werden halt nur die »Fakten« durch ständige Wiederholung verbreitet, die gewünscht sind. Da kann dann schon mal die eine oder andere Studie unter den Tisch fallen.

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  2. Ludwig sagt

    Diese Studie erscheint mehr als aktuelle Zustandsbeschreibung. Ein Drittel der Verursacher
    ist nicht die Land- oder Waldwirtschaft , aber darüber wird kaum berichtet , sondern nur über die Probleme in Wald und Flur. Aus meiner Sicht fehlt dort auch der langfristige Effekt. Da es aber keine viele Jahrzehnte vorkommenden Insektenfang gibt , kann es das auch nicht geben. Lediglich in GB gibt es seit den 1930er Jahren ein unter wissenschaftlicher Führung mit 2000 Beteiligten ein konsequentes System. Davon will man natürlich hier nichts wissen , weil dort nur im städtischen Bereich ein Rückgang der Insekten stattgefunden hat. Auch wird in der Studie nicht auf das Schreddern der Insekten durch die Windräder eingegangen. Andere Studien sprechen hier von 1200 Tonnen/Jahr. Auch die Vorschrift zur Abdeckung der Mistlagerplätze oder die sofortige Einarbeitung von Gülle und Mist wird nicht beschrieben , weil damit die Nahrungsgrundlagen der Insekten stark eingeschränkt werden. Ich denke , daß noch viel Arbeit bevorsteht , bis eine wirklich belastbare Studie zu wirklichen Ergebnissen kommen kann. Diese Studie enthält keine belastbaren Grundlagen.

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  3. Susanne Kraume sagt

    Zum Kommentar von Piet van Veghel:

    Interessenhalber habe ich die Schweizer Studie zu den Schlupfwespen aus Moldawien gesucht und sehr schnell gefunden:
    https://docplayer.org/43398289-Die-aus-moldavien-stammende-schlupfwespe-trichogramma.html
    Allerdings kommen die Autoren zu einer gegensätzlichen Schlussfolgerung:
    …Aufgrund unserer Untersuchungen kommen wir zum Schluss, dass Nicht-Zielinsek-
    ten durch die Freilassung von T. brassicae nicht gefährdet sind. Diese Methode zur Be-
    kämpfung des Maiszünslers ist deshalb für umweltschonende Anbausysteme gut geeignet…
    Vorher beschreiben die Autoren, dass in Laborversuchen durch die Trichogrammen auch die Eier von einheimischen Schmetterlingen parasitiert würden, aber eben nur in Laborversuchen: …Die teilweise sehr hohen Parasitierungsraten in den Laborversuchen relativierten sich in nachfolgenden Versuchen im Feldkäfig. Bei Freilassungszahlen
    des Eiparasitoiden, die 16-mal über denen kommerzieller Freilassungen liegen, wurden im Feldkäfig nur noch geringe Parasitierungen festgestellt (Abb. 5).
    Dieser Befund bestätigte sich in anschliessenden Feldversuchen…

    Wenn der Autor von “WIDER DEN GRÜNEN WAHN” sich auf diese Schweizer Studie bezieht, ist seine Schlussfolgerung definitiv nicht nachvollziehbar.

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    • Ist ja interesannt:
      “Es zeigte sich, dass von 23 getesteten Nicht-Zielarten 14 zu über 75 % parasitisiert wur-
      den (Abb. 3). Darunter waren Perlmutterfalterarten (Argynnisspp.) und der Schwalben-
      schwanz (Papilio machaon).”Quelle: https://docplayer.org/43398289-Die-aus-moldavien-stammende-schlupfwespe-trichogramma.html
      Dieses Ergebnis, unter Laborbedingungnen ist definitiv sigifikant und wäre bei PSM -Zulassungsverfahren sofort ein K.O. -Kriterium! Das sowas in Freilandversuchen nicht nachgewiesen wurde, liegt nicht daran, dass eine Fehlparatisierung im Freiland nicht stattfindet, sondern dass man sie im Freiland praktisch kaum nachweisen kann.

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    • Thomas Bröcker sagt

      Dass die im Laborversuch erzielten Ergebnisse beim Test von Pflanzenschutzmitteln immer negativer ausfallen als nachher unter Freilandbedingungen, ist aus vielen Untersuchungen bekannt. Der Unterschied zu den Trichogramma-Untersuchungen ist halt nur der, dass solche Ergebnisse bei “chemisch synthetischen” PSM in der Laborphase eine Zulassung sicher verhindern. Da wird (mit dem Ziel Zulassungen zu verhindern) nach immer empfindlicheren Testarten gesucht. So gibt es Bestrebungen statt Wasserflöhen, Eintagsfliegenlarven für die Aquatox-Bewertung zu verwenden, weil die sehr viel empfindlicher reagieren. Offensichtlich sind Ökosysteme im Freiland aber komplexer und widerstandsfähiger in ihrer Reaktion auf PSM-Einträge. Jedenfalls sind die prognostizierten Schäden im Freiland weitgehend nicht so eingetreten, wie Laborversuche es vermuten ließen. Die Gräben, Bewässerungsteiche und Uferzonen im Alten Land, sind trotz des intensiven Pflanzenschutzes im konzentrierten Obstanbau voller vielfältigstem Leben.

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      • Thomas Bröcker sagt

        Ergänzung: Ich hatte mich heute beim Expertengespräch “Landwirtschaft im Klimawandel” des JKI angemeldet. Prof Jens Karl Wegener forscht zu Heterogenität in Landnutzungssystemen. Er hat die Biodiversitätsstudie aus dem Obstbau im “Alten Land” bewertet und besonders darauf hingewiesen, dass der Glyphosateinsatz unter den Bäumen die Biodiversität fördert. Was ihm dann auch gleich ungläubige Zuschauer-Nachfragen einbrachte. Sein Fazit war eindeutig: Eine Strukturvielfalt mit offen gehaltenen Baumstreifen, blühenden Bäumen, Gräben und Grabenböschungen und Blühflächen im kleinräumigen Wechsel ermöglicht auch bei intensivsten Pflanzenschutz eine enorme Biodiversität.

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        • Karl Timme sagt

          Thomas, das die Artenvielfalt auf unseren Ackerflächen den angebauten Früchten entspricht, besteitet niemand, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt.
          Für die überwiegende Art von Insekten entspricht die angebaute Pflanze nicht ihrem Nahrungsbedürfnis. Die Arten von Insekten deren Nahrungsbedürfnis die angebaute Pflanze entspricht, sind unsere Schadinsekten, die wir bekämpfen müssen um unser Pflanzen zu schützen, da sie ihre Abwehrmechanismenn abgezüchtet bekommen haben, um sie für uns über haupt genießbar oder schmackhaft zu werden.
          Auch Mischanbauten Mais-Erbsen u.a. änderen daran wenig, erschweren aber den Anbau erheblich.

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          • Thomas Bröcker sagt

            Das ist mir schon klar, aber es war für mich schon interessant, dass Jemand aus dem Wissenschaftsbetrieb den (Nicht-)Zusammenhang von Pflanzenschutz und Biodiversität überhaupt anerkennt. Zumal er sogar Glyphosat als “auf Null Setzer” sieht, der für bestimmte Pflanzen überhaupt erst die Möglichkeit gibt sich zu etablieren. Nützen wir uns das nichts, Glyphosat ist totgeredet und kommt nicht wieder. Aber es ist doch ganz angenehm mal “aus dem Herzen der Wissenschaft”, dem JKI eine eigene Beobachtung bestätigt zu bekommen.
            Ansonsten hat Wegener über Gleichstandssaat versus Drillsaat gesprochen. Dass sein “Spot-Farming-Konzept umsetzbar ist, wage ich bei dem derzeitigen Stand der Technik auch zu bezweifeln. Kennst Du den Prof. Wegener? Ich hatte jetzt neben seiner Projektbeschreibung keine Ahnung, was der sonst macht ?

  4. evo.... sagt

    Es gibt auch eine Studie zum Fischesterben wegen Reifenabrieb:

    https://www.sueddeutsche.de/wissen/umwelt-gift-fische-fischsterben-lachs-reifen-1.5139040

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Reifenabrieb auch Auswirkungen auf die Insekten hat. Der Dreck kumuliert ja.

    Darüber wie die Pflanzenzüchtung auf die Insekten wirkt, dazu habe ich auch noch nichts gelesen.

    Es ist halt kompliziert. So grobe Vereinfachungen , wie vom Andreas, führen eher ins Unglück.

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    • Im Schnee ist dieser Abrieb ja auch drin deswegen werden Kinder gewarnt Schnee zu essen!

      hat es das früher gegeben?

      Das war noch kein Autoreifenabrieb, noch Auspuffgase noch sonst was drin!

      • Reinhard Seevers sagt

        Spiegel: “Sauberen Schnee darf man probieren, ansonsten sollte man ihn lieber nicht essen.”
        😎
        So jetzt fragt die besorgte Mutter: Wie erkenne ich sauberen Schnee? Reicht sauber, oder muss er rein sein? Oder sollte er lieber keimfrei sein, wie mein Wohnzimmer-Fußboden, der mit dem neuen Aqua-Laser-Staubsauger täglich gereinigt wird?

        😁

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        • Du sollst dich nicht über Mütter und tüchtige Hausfrauen lustig machen,
          ich sehe es aus wissenschaftlicher Sicht.

          Wenn der Luftschadstoff überall rumschwiert, und vom Niederschlag aufgenommen wird und enthalten ist, dann auch von weißen Niederschlag!

          Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!

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  5. Reinhard Seevers sagt

    Das BMUV verweist zum thema auf das BfN und das verweist auf seine zeitschrift aus 2019…da steht drin wer bedroht ist….warum, das weiß man nicht so recht, es ist aber eben eine Richtschnur, sagt das BfN und dann das BMUV. 😎

    https://www.bmu.de/themen/wasser-ressourcen-abfall/boden-und-altlasten/argumente-gegen-vorwuerfe-zum-agrarpaket-und-weiteren-umweltbezogenen-agrar-themen

    “Dass die Gesamtmenge und Artenvielfalt von Insekten in Deutschland zurückgeht, lässt sich nicht abstreiten. Beim Insektensterben handelt sich nicht um ein lokales oder regionales Phänomen, sondern um eine bundesweite und wissenschaftlich klar belegbare Entwicklung. Neben vielen regionalen und artspezifischen Studien belegen das unter anderem auch die Roten Listen des Bundesamt für Naturschutz.”

    https://www.bfn.de/insektenrueckgang

    “Dass die Gesamtmenge und Artenvielfalt von Insekten in Deutschland zurückgeht, lässt sich nicht abstreiten.” Dieser Satz ist also schon mal wieder gesetzt, Ende der Diskussion. Es geht nur noch darum, die Schuld einer Gruppe zuzuordnen…..ist fast vollendet!

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  6. Bauherr sagt

    Mein Dank an Bauer Willi und an Ministerin, die offenkundig mit etwas Realismus unterwegs sind.

    Ich als Praktiker lese weder obigen Beitrag noch Studie.

    Mein Auftrag ist die Ernährungssicherung durch das Töten von Schadinsekten. Nur ein toter Schädling ist ein guter.

    Auftrag der chemischen Industrie ist, Wirkstoffe herzustellen die selektiv wirken um Nützlinge zu schützen. Dies passiert auch und sonst gibt es nichts zu diskutieren.

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  7. Klemens Minn sagt

    Leider wird in den meisten Studien die Veränderung der biologischen Fracht der Bäche und Flüsse nicht berücksichtigt. Diese ist mit funktionsfähigen Kläranlagen erheblich reduziert worden. Ablagerungen in nicht bewirtschafteten Überflutungsbereichen waren Nahrungsquellen für viele Arten.

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    • Thomas Bröcker sagt

      Genau ! Nährstoffarmes Wasser ist gut für einzelne Arten, die Menge (Masse) an Insekten ist aus eben dem Grunde (Nährstoffmangel) dort eher geringer. Die Dauerbelastung der Fließgewässer mit vielen verschiedenen Pflanzenschutzmitteln kommt übrigen im Wesentlichen mit Siedlungsabwässern dorthin.

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        • Stimmt doch, was T.B. sagt. Die Punkteinträge aufgrund unsachgemäßer Handhabung der PSM auf dem Hof gelangen über die Hofentwässerung (Siedlungsabwasser) in die Fliessgewässer.

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          • Reinhard Seevers sagt

            Ok, stimmt, nicht der Verursacher ist der Grund, sondern der Transportweg….dass ich da noch nicht drauf gekommen bin. 😎

            • Übrigens ist dies wirklich ein Vorwurf, den sich die Bauern gefallen lassen müssen. Auf den Höfen beim Einfüllen und Reinigen der Ausbringgeräte wird teilweise wirklich geschlampt. Die sachgerechte Ausbringung und Anwendung von PSM ist dagegen im Grunde problemlos.

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        • Thomas Bröcker sagt

          Das bezieht sich auf Fließgewässer im östlichen Vorharz und Thüringen und ist durch die VDLUFA untersucht worden. Während PSM landwirtschaftlicher Anwendung immer kurzfristig in unmittelbarem Zusammenhang mit der Anwendung nachgewiesen werden, gibt es aus Siedlungen eine permanente Last mit vielen Wirkstoffen (26 verschiedenen waren das). Das sind Mittel, die einmal im privaten und öffentlichen Grün eingesetzt werden und zum anderen aus dem Bautenschutz (in Farben und Fassadenisolierungen) stammen.
          Das von Dir verlinkte Plakat, Reinhardt, bezieht sich nur auf landwirtschaftliche Anwendung, dem liegt keine allgemeine Analyse zu Grunde. Aber ich glaube diese Diskussion haben wir vor ca. einem Jahr schon mal fast wortgleich geführt.

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          • Manuela Schielin sagt

            Zum verlinkten Poster möchte ich auf den Zusammenhang zur LW- Verwaltung hinweisen. Punkteinträge können zu zeitlich eng begrenzten aber hohen (und damit “gefährlichen”) Belastungen führen. Dabei sind sie oft relativ leicht zu vermeiden. Es macht Sinn, wenn die Verwaltung etwa bei Fachrechtskontrollen darauf achtet, mit kleinem Aufwand und grossem Effekt. Als Beispiel: Spritzen dürfen nicht auf versiegelten Flächen gewaschen werden. Oft findet sich aber ein total praktischer Platz im Hof mit kurzem Weg zum Hochdruckreiniger (und Hofablauf). Auch wenns verboten ist, kann hier Unkenntnis, Unüberlegtheit oder was auch immer dahinter stecken. Wer dafür 1 oder 2x einen Rüffel bekommt, organisiert sich ein bisschen um ( kein grosser Aufwand meistens) und es wurde relativ viel erreicht.
            Sieht natürlich anders aus bei einem Spritzen-Unfall neben dem Bach 😉

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  8. Andreas sagt

    Es kommt doch bei diesen Studien in erster Linie darauf an, wer sie in Auftrag gegeben hat.
    Bei einer Studie, die ein CDU- geführtes Agrarministerium in Auftrag gegeben hat, kann doch niemand erwarten, dass die Pestizide Schuld sind am Artensterben.

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      • ich meinte natürlich:
        …. im Gegensatz zu Studien mit Grünen Auftraggebern, die sind alle seriös.

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    • Bauer Willi sagt

      @Andreas

      Wenn wir auf diesem Niveau weiter diskutieren, können wir es auch sein lassen.

      Mutmaßungen, dass die Literaturstudie anders ausgefallen wäre, wenn der Auftraggeber ein anderer gewesen wäre, bringen niemanden weiter.

      Mir waren so manche Erkenntnisse aus der Studie neu. Deshalb habe ich es für sinnvoll gehalten, Auszüge daraus hier vorzustellen. Wenn das nicht interessiert, lass ich es.

      Ich gehe jetzt raus und mache ein Katzenvideo 😉

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      • andreas sagt

        Willi Entschuldigung !
        Ich habe jetzt nochmals die Zusammenfassung gelesen.
        Da gibt es doch ganz konkrete Aussagen zu den Pestiziden:
        “Beispielsweise bewirken Herbizide
        einen Rückgang der Pflanzenartenvielfalt, was sich auf pflanzenfressende Insektenarten negativ auswirkt. Insektizide hingegen wirken direkt, da sie der Tötung von Insektenindividuen dienen.”
        Ich nehme deshalb meine Aussage zurück und behaupte das Gegenteil !
        Deshalb, bitte ruhig weitermachen.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Höchenschwand ist badisch Sibirien, auch in warmen Jahren kommen die Schädlinge und Pilze nicht in diese Höhenlage, noch nicht!

          • Karl Timme sagt

            Ehemaliger, Portenschwand ist doch Höhenluftkurort (Prof Wurm), wenn auch heute nicht mehr in der Bedeutung wie vor 30 Jahren, aber ja ein Gesundungsstandort.

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            • Smarti sagt

              Hi, hi Portenschwand :). Ich kannte einen Sohn von ihm, der hatte bei uns ganz in der Nähe eine Disco.

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                • Smarti sagt

                  Nein, die Hazienda in Klettgau. Er war auch ein guter Koch, die Hazienda bei den jungen Schweizern weitherum bekannt. Ist aber schon weit über 20 Jahre her.

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          • Stadtmensch sagt

            Kenne nur ein andreas in Höchenschwand: die Schwarzwaldziegen.
            Die grasen wohl neuerdings wieder hier?

        • Thomas Bröcker sagt

          Herbizide bewirken einen Rückgang der Pflanzenvielfalt – das machen Striegel und Hacke genauso effektiv! Die möglichst effektive Unterdrückung der Artenvielfalt zu Gunsten einer Pflanzenart macht den Erfolg der Landwirtschaft als Ernährer der Menschheit aus – schon immer. Dazu gehört auch die Unterdrückung von Schadinsekten. Wir sollten froh sein, dass in unseren Breiten Heuschrecken-, Zikaden-, Brachkäfer- Invasionen der Vergangenheit angehören. Im Kirchenbuch unserer Gemeinde sind allein von 1900 bis 1914 fünf Jahre mit Insekteninvasionen verzeichnet.

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  9. Also mich hat die Studie nicht umgehauen. Sie führt ja nicht zu neuen Erkenntnissen, sondern fasst lediglich vorhandenes “Wissen” zusammen. Und dabei noch nicht einmal vollumfänglich und “neutral”, sondern subjektiv und gezielt selektiv, wie der Autor auch zugibt:
    “Die auszuwertende Literatur wurde vom Auftragnehmer um weitere, subjektiv ausgewählte Publikationen aufgrund von Expertenwissen ergänzt.”
    Obwohl zugegeben wird, dass es keine belastbaren Daten hierfür gibt, wird die Aussage als gesetzt in den Raum gestellt:
    “Die zunehmend stärker mechanisierten und immer effizienteren Verfahren der Flächenbewirtschaftung führen zu teilweise massiven Individuenverlusten, vor allem bei der Mahd von Grünland. Ein weiterer wichtiger Faktor, besonders in Äckern, ist der zunehmende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.”
    Dabei ist sogar noch sachlich falsch, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zunimmt. Also in kürzesster Zeit Mängel aufzudecken, das spricht definitiv nicht für die Studie.

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    • fingerphilosoph sagt

      Am Beispiel des Rotmilan haben wir im gestrigen Beitrag zum grün definierten “Naturschutz” doch gelernt, dass es nicht auf “Individuenverluste” ankommt. Nur wenn die ganze Population ausstirbt, ist das von nun an ein Grund, artenschützend auf den Plan zu treten. Insofern muss das Thema “Insektensterben” völlig neu bewertet werden. Die berühmte Krefelder Studie ist von nun an für die Tonne, denn in dieser wurden ja Individuen gezählt.

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  10. Reinhard Seevers sagt

    Eine Literaturstudie im Auftrag eines Landes-Agrarministeriums ist ja schön…….
    Wie man merkt, merkt keiner etwas davon, noch hat es irgendeine Wirkung innerhalb der Diskussion um die Landwirtschaft. War die Studie bei der ZKL ein Thema?
    Es ist wie immer, es bleibt beim Ablasshandel Agrar versus Industrie- und Spaßgesellschaft.

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  11. Lipp Peter sagt

    Was ist mit Insekten und kleinlebewesen im Boden gibt es da unterschiede zwischen Ackerland und Brachland

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    • Bauer Willi sagt

      Dazu schreibt die Studie nichts. Sie beschreibt wohl, wie die Verhältnisse im Wald sind (insgesamt weniger Arten als im Agrarland) aber behandelt nur die oberirdischen Insekten,

      Sind ja auch einfacher zu zählen… 😉

      Im Ernst: in der “Krefelder Studie” wurden auch nur die oberirdischen Fluginsekten gewogen. Was nicht fliegen kann, blieb ungewogen. Der Rückgang in den Naturschutzgebieten beruht folglich nur auf dem festgestellten Gewicht! Das wird aber meist nicht erwähnt.

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  12. Arnold Krämer sagt

    Die Studie wurde veröffentlicht im Dezember 2018. Wofür werden sie gemacht, wenn sie niemand liest, (lesen will). Was ist das für ein erbärmlicher Politikbetrieb in D.

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    • Piet van Veghel sagt

      Dazu ein Stückchen aus dem Buch “WIDER DEN GRÜNEN WAHN” über den vielgelobten Einsatz von “natürliche” Feinde in Schädlingsbekämpfung;„Eine Schweißer Studie brachte an den Tag, dass eine häufig eingesetzte, aus Moldawien stammende Schlupfwespenart unerwünschte Nebenwirkungen zeigt. Sie verdrängt heimische Schlupfwespen und fällt harmlose Schmetterlinge an. Eigentlich sollten die räuberischen Tierchen den Maiszünsler im Schach halten, ein im Maisanbau gefürchtetes Schadensinsekt. Die importierten Schlupfwespen parasitieren die Eier des Schädlings.
      Zu diesem Zweck werden pro Hektar circa 10.000 moldawischen Schlupfwespen ausgesetzt. Doch wenn sie diesen Job erledigt haben, lösen sie sich nicht in Luft aus auf. Sie breiten sich aus und zerstören die Eier von Schwalbenschwanz Schachbrettfalter und anderen Schmetterlingen. In der Umgebung des Einsatzgebiets schrumpft der Bestand heimischer Schlupfwespenarten.

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      • evo.... sagt

        Was passiert wenn im Gewächshaus eingesetzte Nützlinge mal Durchfall kriegen?
        Essen wir generell den Kot der Schlupfwespen mit, wenn wir die Gurken nicht schälen, oder Tomaten nicht gründlich waschen,…?

        Das waren Gedanken, die ich zu Zeiten der EHEC Probleme hatte. Am Anfang hatte es ja geheißen Gurken aus Spanien wären Schuld gewesen.

        • Manuela Schielin sagt

          Überall setzen sich Teilchen aus der Luft ab und es entwickelt sich ein bestimmtes Mikrobiom – auf der Haut, im Darm, auf der Gurke. Je nachdem wie das Obst, Gemüse, usw behandelt wird z.b. Bio oder konvi oder wenn die Nützlinge durchfall haben (um beim Beispiel zu bleiben) werden bestimmte zusammensetzungen/Gesellschaften “überleben” Stichwort Hefepilze. Je gründlicher man Obst und Gemüse wäscht, desto sauberer wird es und desto weniger Unerwünschtes wird zu finden sein (okay, das war jetzt banal). Die Frage ist aber doch eher ob es mir schadet (siehe Ehec) oder nicht (unter den vorherrschenden Produktionsbedingungen hier wohl in der Regel nicht) . Manche Menschen reagieren auch viel stärker auf Keimbelastungen (damit meine ich jetzt nicht echte Krankheitserreger wie ehec oder salmonellen). Früher gab es das Feldfieber, durch hygienische Standards bei der Ernte tritt das ja praktisch gar nicht mehr auf. Könnte aber auch sein, ich traue dem Erntehelfer nicht, dass er sich nach der Toilette die Hände gewaschen hat, dann lieber Obst und Gemüse waschen und/oder kochen. Ich persönlich wasche Beeren grundsätzlich nicht, die schmecken dann nicht mehr bzw erst, wenn sie wieder trocken sind und das halte ich solange nicht aus :-).
          Als Randbemerkung zu PSM-Rückständen: Waschen bringt denke ich nicht allzu viel, denn da ist ja keine PSM-Schicht oben drauf. Je nach Art des PSM wird es beim nächsten Regen abgewaschen (zumindest im Freiland) oder es ist fest angelagert (damit es eben nicht passiert) oder es wird in die Pflanze aufgenommen und dort abgebaut. Da bringt die Brause vom Wasserhahn wohl wenig Zusatz-Effekt. Für Rückstandsuntersuchungen wird Obst übrigens nicht gewaschen, da kommt schon alles mit (wenn es da ist).

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    • Bauer Willi sagt

      @Arnold Krämer
      Die Studie wurde vom Ministerium in Auftrag gegeben. Frau Heinen-Esser hat mich darauf aufmerksam gemacht, sonst hätte ich davon nie erfahren. Interessanterweise findet sich diese Studie zum Download auch auf der Seite des NABU. Der hat sie aber auch nicht verwendet oder publik gemacht und ich weiß auch warum: weil in der Studie auf fast jeder Seite steht, “das man die genauen Gründe noch nicht kennt, es noch weiteren Forschungsbedarf gibt, es nur vermutet werden kann, dass…”

      Eben keine Verurteilung der “industriellen Landwirtschaft mit ihren giftigen Pestiziden”.

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      • Reinhard Seevers sagt

        “Eben keine Verurteilung der “industriellen Landwirtschaft mit ihren giftigen Pestiziden”.”

        ….deswegen hat sie der journalistische Algorithmus eben auch nicht erkennen können. Wäre das Resultat eine eindeutige Schuldzuweisung mit dramatischen Erkenntnissen, wäre es bereits überall publik.

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      • kritischer Leser sagt

        Wer lesen kann ist klar im Vorteil!
        Lieber Bauer Willi, Sie haben in Ihrer Zusammenfassung ja ganz gewaltig in die Trickkiste aus Auslassung, Verkürzung und Überbetonung gegriffen.
        Beispuel gefällig? Hier das komplette Zitat aus der Zusammenfassung (der Ergebnisteil geht noch viel expliziter auf die bekannten Auswirkungen ein, muss man halt lesen und verstehen):
        “Die zunehmend stärker mechanisierten und immer effizienteren Verfahren der Flächenbewirtschaftung führen zu teilweise massiven Individuenverlusten, vor allem bei der Mahd von Grünland. Ein weiterer wichtiger Faktor, besonders in Äckern, ist der zunehmende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Allerdings sind die
        Effekte von Pflanzenschutzmitteln auf Insekten noch nicht so gut untersucht wie die Auswirkungen anderer Aspekte des Landnutzungswandels, weshalb genaue Aussagen zur relativen Bedeutung der Pflanzenschutzmittel zum Insektenrückgang im Agrarland nicht möglich sind.”
        Das heißt im Klartext: Dass PSM Einsatz “wichtiger Faktor” für den “teilweise massiven Individuenverlust” ist, ist unstrittig. Es ist nur derzeit (Stand 2018!!) nicht abschließend geklärt wie hoch die “relative Bedeutung” ist.
        Ich sehe da in keiner Weise eine Rechtfertigung für eine Verharmlosung des PSM Einsatzes.
        Abgesehen davon haben die Arbeiten zu dem Thema seit 2018 nochmal deutlich zugenommen. Die Aussagen könnten also mittlerweile deutlich spezifischer ausfallen.

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        • “Individuenverlust””
          in den Beständen wegen PSM-Einsatz?

          Natürlich werden da viele Individuen getroffen, die sich aber vorher in der künstlich angepflanzten Kultur gut vermehren konnten, weil diese das nötige Milieu dazu bietet.

          Hat also recht wenig mit der Biodiversität in unserer Ökologie zu tun!

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        • Schmeckt gut sagt

          Nein, die Antworten können nicht spezifischer ausfallen, weil es schlichtweg keine Erklärungen gibt, warum die Biodiversität der Fauna bei intensivstem Pflanzenschutz so hoch ausfällt. Die Ergebnisse der Untersuchungen zur Zulassung der Wirkstoffe müssten eine deutlich geringere Biodiversität ergeben. Es stimmen also schon viele Annahmen nicht. Dies gilt auch für die Annahmen des lieben Andreas, der uns (Bauern) gerne als “böse Buben” darstellt.

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        • Thomas Bröcker sagt

          Pflanzenschutzmittel haben (wie Pflug, Striegel und Hacke und Öko PSM) selbstverständlich das Ziel die Individuenanzahl zum Beispiel an Schadinsekten zu verringern. Moderne Insektizide greifen weniger stark in der Breite der Biodiversität, als spezialisiert gegen bestimmte Insekten (-Gruppen) ein. Der Schutz der Bienen und der sogen. Nützlinge ist Kernbestandteil der Zulassungsprüfung.
          Was die angebliche omnipotente Wirkung verteilter Reste in der Landschaft betrifft, glaube ich erst einer Untersuchung sowohl hinsichtlich des tatsächlichen Nachweises, der Stoffe als auch der Wirkung, wenn sie von 3 unabhängigen Partnern und Laboren durchgeführt, zu vergleichbaren Ergebnissen führt.
          Wenn Sie die selbe Mischprobe, wovon auch immer an drei Labore schicken, werden Sie meist 3 sehr verschiedene Ergebnisse bekommen, insbesondere, wenn es um Werte nahe der Nachweisgrenze geht. Biodiversität hängt von einer ausreichenden Zahl an Strukturelemente und meist auch von der Wasserverfügbarkeit/Speicherung ab. Der Einfluss des Pflanzenschutzes IN DEN PRODUKTIONSFLÄCHEN auf die umgebende Biodiversität und Insektenmasse ist marginal. Das Verschwinden von Nischen für Spezialisten unter den Tieren durch Änderung der Nährstoffzuführung im System hat sehr viel stärke Auswirkungen.

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        • @ kritischer Leser
          Wer richtig lesen kann ist klar im Vorteil. Wenn Du meinen Kommentar gelesen hättest, dann wäre Dir aufgefallen, dass ich bereits genau dieses Zitat, welches Du hier zitierst, als Fake entlavrt habe. Diese Peinlichkeit kann ich Dir nicht ersparen.

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        • Karl Timme sagt

          krLe, mein Kommentar könnte ich Anfangen wie Mark.
          Wenn Mann zitiert und dann daraus falsche Rückschlüsse zieht, ist das Peinlich.

          “Das heißt im Klartext: Dass PSM Einsatz “wichtiger Faktor” für den “teilweise massiven Individuenverlust” ist, ist unstrittig. Es ist nur derzeit (Stand 2018!!) nicht abschließend geklärt wie hoch die “relative Bedeutung” ist.
          Ich sehe da in keiner Weise eine Rechtfertigung für eine Verharmlosung des PSM Einsatzes.”
          Der Individuenverlust wurde im Artikel der “stätkeren mechanisierten und effizienteren Verfahren……. insbesondere der mahd (vielleicht mit dem Mähdrescher?) von Grünland….. zugeschrieben.
          Ihre Zuordnug zum PSM ist unter der Aussage im Artikel:”weshalb genaue Aussagen zur relativen Bedeutung der Pflanzenschutzmittel zum Insektenrückgang im Agrarland nicht möglich sind.” einfach an den Haaren herbeigezogen und verdreht die Aussagen im Artikel!

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