Bauer Willi
Kommentare 33

Ich würde ja, wenn…

Ich habe neulich in einer Diskussion den Satz auf der gelben Karte gehört. Er stammt von einem Soziologen. Ich habe mich erwischt gefühlt, denn ein wenig bin ich so auch. Egal, um welches Thema es geht, ist man oder noch besser, bin ich gerne bereit, interessiert zuzuhören. Wenn es dann aber darum geht, es für sich selbst auch umzusetzen, die Konsequenz zu ziehen, fällt man gerne in die das gewohnte Verhalten zurück. „Ist ja alles gut und schön, du magst ja auch recht haben, aber für mich ist das nichts“. Und prompt hat man auch die Gründe dafür parat, warum das bei mir nicht geht.

Vor kurzem wollte mich jemand von den Vorzügen der Direktsaat überzeugen. Die wird in vielen Ländern dieser Welt mit Erfolg praktiziert. Und natürlich interessiere ich mich auch dafür, ich bin ja Neuem gegenüber aufgeschlossen. Aber sie bei mir im Betrieb ausprobieren? Wo bekomme ich denn die passendes Maschine her, was kostet das und was ist eigentlich, wenn es schief geht? Sollen das doch andere machen, ich fange so was nicht auch noch an. So, das Thema ist für mich erledigt und jetzt lasst mich in Ruhe.

So ähnlich verlaufen viele Diskussionen. „Ich würde ja… wenn ich wüsste…“ So argumentieren auch Verbraucher. „Ich würde ja mehr für das Fleisch bezahlen, wenn ich wüsste, dass es den Tieren dann besser geht“. Dabei geht das schon heute. Fleisch aus anderen Haltungsbedingungen wird ja heute schon vom Lebensmittelhandel entsprechend gekennzeichnet. Sogar in vier verschiedenen Stufen. Was wird ganz überwiegend gekauft? Eben.

Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre…

Das ist jetzt kein Vorwurf. Irgendwie sind wir Menschen wohl so. Wir halten gerne an Gewohntem fest, weil wir damit gute Erfahrungen gemacht haben. „Wir sollten mal darüber reden“. Ja, das ist gut, aber wenn sich das eigene Verhalten nicht ändert, ändert sich nichts. Und dass man uns was vorschreibt, wollen wir auch nicht. Wir sind ja mündige Bürger. Wir wissen genau, was andere anders machen sollten.

Es ist irgendwie mühsam…

Euer Bauer Willi

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33 Kommentare

  1. Dorfmensch sagt

    irgendwie verstehe ich mich selbst nicht mehr: Wenn ich Meinungen und Kritiken von landwirtschaftsfernen Menschen höre, fällt mir ein Satz des 2003 verstorbenen exzellenten thüringisch-sächsischen Satirikers Hansgeorg Stengel (http://de.wikipedia.org/wiki/Hansgeorg_Stengel) ein, der in seinen letzten Lebensjahren sinngemäß folgenden Satz formulierte: Ich will nicht behaupten, dass die Menschheit immer mehr verblödet. Aber es gibt Anzeichen dafür…………

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    • Inga sagt

      Wenn das nicht gar wissenschaftlich erwiesen ist!?!

      Hat Grata nicht deswegen Angst in ihrem Leben, weil sie sie sich wegen den offenen Fragen im Leben von den (verblödeten Erwachsenen) keine Lösung gefunden wird. Die Themen der Umwelt ist nur ein Beispiel dafür.

      1+
  2. Brötchen sagt

    Schlagzeile vom Samstag,
    Kräftiges Passagierwachstum in Schönefeld und Tegel!

    Der blöde Bauer sitzt zu Hause und arbeitet.

    Noch Fragen?!

    4+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Nix blöder Bauer, die Bauern sind die einzigen die den Klimawandel ernst nehmen.
      Nur, das bekommt niemand mit, weil die anderen alle am Ballermann liegen.

      8+
      • Brötchen sagt

        Kann man so auch sehen 😉

        Die Sonne ist meines Erachtens für Gemüse nicht so schlecht.

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    • bauerhans sagt

      ich möchte nicht mit sehr vielen anderen am strand oder im hotel „eingepfercht“ sein.
      wenn ich in Berlin bin,gehe ich in die eisdiele am Potsdamer Platz oder ins Wertheim zum frühstücken.

      1+
    • Dorfmensch sagt

      Brötchen, danke für die Info. Diese Leute tragen immerhin erheblich zum Klimaschutz bei, da ihre CO2-Emissionen im Ausland erfolgen, aber nicht in Deutschland. Schön!

      3+
  3. Bauer Willi sagt

    Heute rief eine Journalistin an. Sie recherchiert zu Glyphosat und wollte von mir Hintergrundinformationen. Die Sendung ist für Jugendliche zwischen 17 und 30 Jahren bestimmt. Ihr ist aufgefallen, dass sie wenig Landwirte zu Wort kommen lässt und das wollte sie nun mit einem Anruf bei mir ausgleichen.

    Das Gespräch war auf 20 Minuten angesetzt, geworden sind es anderthalb Stunden. Ich habe ihr mehrfach heftig widersprochen, weil die üblichen Fragen gestellt wurden und sie erwartete, dass ich die üblichen Antworten gebe. Habe ich aber nicht, sondern ihr alle Hintergründe, warum sie die Fragen so stellt, gleich mitbeantwortet habe. Am Anfang war sie arg frustriert, weil sie merkte, dass sich so ziemlich alle ihre Urteile und Vor-Urteile in Luft auflösten. Gegen-Argumente konnte ich auch pulverisieren, weil wenig Wissen vorhanden war. Sie hat nur alles nachgebetet, was sie mal irgendwo aufgeschnappt hat.

    Sie wird mir ihren Text in den nächsten Tagen zuschicken. Das war meine Bedingung, mich überhaupt auf das Gespräch einzulassen. Ich bin gespannt.

    12+
    • Inga sagt

      Und die wird auf die Kinder zugelassen?
      Aber gut von ihr, dass sie einen richtigen Bauern mal fragen wollte, denn sie wollte wahrscheinlich die Wahrheit und nicht die Scheinwahrheit (die ja bequemer und daher beliebter ist) wissen und den Kindern weitergeben!
      Ich würde ihr noch folgenden Rat geben, denn der ruft auch nach echten Fakten:

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    • Paulus sagt

      @Willi
      Eine Sendung für „Jugendliche“ zwischen 17 und 30 Jahren? Was ist denn das für ein Stuss? Mit 18 gilt man nach meiner Kenntnis als Erwachsener. Ich vermute mal diese Medientussi hat es erst im zarten Alter von 30 zur Bachelorette gebracht.
      Immerhin hatte sie in ihrer wahrscheinlichen Einfältigen den Mut einen gestandenen Experten anzurufen, das muss man ihr schon lassen. Ich bewundere immer wieder deine unendliche Geduld.

      5+
    • Obstbäuerin sagt

      Bei mir rief heute auch ein Journalist an von Info-Radio, der eine Reportage zum Insektensterben macht und wusste, dass ich dazu eine andere als die offizielle Meinung vertrete Er hatte auf meinen Anrufbeantworter gesprochen und um Rückruf gebeten. Als ich ihn zurückrief, hatte er es sich anders überlegt und doch lieber einen Imker befragt.

      3+
  4. Obstbäuerin sagt

    Umgekehrt geht auch. In unserem Bekanntenkreis gehört es jetzt zum guten Ton, auf Fleisch weitgehend zu verzichten. Es vergeht kein Treffen, bei dem nicht die Vorzüge der vegetarischen Ernährungsweise gelobt wird, verbunden mit der Verurteilung von Zucker in jeglicher Form und dem Austausch diverser Rezepte. Als normaler Fleischesser und auch gelegentlich Colatrinker wagt man es nicht, sich verbal zu outen und fühlt sich unwohl in seiner Haut. Meine Verhaltensstarre hat gute Gründe, ich esse gern vielfältig auch Fleisch und Wurst aber ich kann nicht so tun als wäre es anders und so bin ich isoliert und gehöre nicht zum Kreis der GUTEN ESSER.

    3+
      • Stadtmensch sagt

        Habs im Selbstversuch getestet: Entzündungen (also Zipperlein) tritt bei mir hauptsächlich bei „normaler“ Ernährung auf (Süßkram, Wurst usw.).
        Deshalb lieber Gemüse, Leinöl, Müsli mit Wasser und sowas. Außerdem:

        „Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2016 sterben heute mehr Menschen auf der Erde an Über- als an Unterernährung. Mehr als 1,9 Milliarden Erwachsene sind übergewichtig, davon mehr als 650 Millionen fettleibig. Die Zahlen haben sich in 40 Jahren verdreifacht, und bis 2030 werden voraussichtlich 38 Prozent der Menschheit übergewichtig und 20 Prozent fettleibig sein.“

        https://www.spektrum.de/news/bewusster-leben/1662326

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Salat und Gemüse esse ich auch gerne, wenn noch ein Steak dabei ist, isses fast Perfekt.

          Ps: Mein Arzt hat mir dringend geraten, mehr Fleisch zu essen, wegen dem B12.
          soll ich wegen dem Hype meine Gesundheit ruinieren?

          1+
    • Paulus sagt

      Ein wenig mehr Selbstbewusstsein würde dir gut tun, gnädige Frau Obstbäuerin.
      Meine Frau hat schon vor Jahren den Zucker, Kuchen und Süßigkeiten bei uns gestrichen, auf dringenden Rat unserer Medizinfrau. War alles kein Problem, zumindest für mich.
      Meine Liebste besteht aber, wenn wir an Wochenenden in Belgien sind, auf frischen Croissants und was kommt auf dieses elende und fette Krümelgedöns drauf: Rübenkraut oder Hiffenmark und in der Saison Erdbeermarmelade. Also sozusagen Zucker pur. Wenn die Medizintante bei uns zu Gast ist nimmt sie sich auch nicht gerade zurück, ganz im Gegenteil, lieber einen Klacks mehr drauf als einer zu wenig.
      Ich bin Jäger und somit bekennender Tiermörder; d.h. ich töte und esse das Wild. Anfangs kam es manchmal zu Irritationen und ich wurde offen angefeindet. Aber ich versichere dir, selbst überzeugte Vegetarier verschmähen einen Rehrücken nicht und bei einem Hirsch- oder Wildschweingulasch sind sie auch nicht abgeneigt. Ist ja immerhin Bio oder so und veganes Rübenkraut ist bei den letztgenannten Gerichten auch dran.
      Es gibt keinen Grund sich für die eigene bevorzugte Art der Ernährung zu entschuldigen und schon gar keinen in eine Verhaltensstarre zu verfallen.

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      • Obstbäuerin sagt

        Ich habe vergessen zu erwähnen, dass mir die ganzen Besser-Esser Gespräche gewaltig auf den Keks gehen, Paulus. Soll doch jeder essen, was er mag und wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht daran, durch Essen oder Verzicht gesünder oder kränker zu sein, solange es nicht zu viel ist. Diese Haltung wird aber von meinen Bekannten nicht geteilt und es schwingt immer etwas missionarisches in den Gesprächen mit, was mir die Treffen verleidet. Ich empfinde das schon als Verlust.

        4+
        • Paulus sagt

          Inga, hier nur für dich, sofern Bauer Willi so etwas wie Schleichwerbung zulässt.
          Rübenkraut ist im LEH unter der Bezeichnung „Grafschafter Goldsaft“ bekannt, das ist rheinischer Zuckerrübensirup. Gelbe Becher, früher in Blecheimern und mittlerweile auch in Kopfstehflaschen. Mit Melasse hat das nix zu tun.
          Seit meiner harten Kindheit komme ich auf einen Verzehr von geschätzt ca. 780-800 kg. Nebst dem Verzehr von Frau und Tochter und den Verbrauch beim Kochen werden es über 1.000 kg sein. Damit dürfte ich jeden Zuckerrübenbauer übertreffen.
          Leider ist die Meckenheimer Krautfabrik zu knickerig um mir dafür so etwas wie die Goldene Anstecknadel zu verleihen. 🙂

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          • Bauer Willi sagt

            ich kenne da jemanden bei der „Grafschafter“ Werde mal ein gutes Wort für Dich einlegen. 🙂

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    • Stadtmensch sagt

      Was wollt ihr? Ich betreibe jetzt eine winzige Obst, Gemüse und Eierproduktion.
      Der Lieferant meines Vertrauens hat seine Produktion eingestellt, weil angeblich sein Brutschrank kaputt ist. Kaufe auch kein Industriefutter mehr, wo bei der Zutat „Volleipulver“ nicht draufsteht, wo es herkommt.
      Ist zwar alles nicht im Sinne der Bauern, aber garantiert regional, saisonal und superorganischbioöko. Außerdem muss ich kein Benzin verbrennen, um meine „Freizeit zu gestalten“.

      1+
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Um Hühner zu halten braucht es keinen Brutschrank. Entweder man kauft die Hühner. oder man zieht sie selber auf, dazu bedarf es einen Gockel und eine Henne, der Rest geht von alleine. 🙂

        Eine eigene Obst und Gemüseplantage ist für die Umwelt von Vorteil, vorausgesetzt sie liegt näher bei der Wohnung, als der nächste Lieferant des Vertrauens.

        Also,
        Benzin verbrenne ich in der Freizeit auch nicht, ich fahre Diesel. 😉

        1+
      • Paulus sagt

        Seit wann benötigen Hühner Volleipulver? Wir haben das vor ca. 40 Jahren mal gekauft als wir die Sahara durchquert haben.
        Heute kenne ich das nur, als mit Wasser und irgendwelchen Konservierungsmitteln versehenes Rührei in Tetrapaks oder Kanistern, gibt’s in der Gastronomie und ist völlig ungenießbar.
        Es empfiehlt sich daher in Hotels zum Frühstück immer zwei Spiegeleier zu bestellen, statt sich an diesem Gefäß mit angeblichem Rührei zu bedienen.

        Zurück zum Volleipulver, vielleicht kann uns die Sabine ja weiterhelfen, würde mich wirklich interessieren.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Glaube eher, dass er mit Industriefutter verarbeitete Lebensmittel gemeint hat.

          Fertiges Rührei lass ich auch liegen, in der Regel wurde das bereits vor 5 Stunden zubereitet. 🙁

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  5. Arnold Krämer sagt

    Menschliches Verhalten ist in hohem Maße gewohnheitsmäßiges Verhalten.
    Gewohnheiten bilden sich im Laufe des Lebens heraus und werden mit zunehmendem Alter immer stabiler. Ob unsere Gewohnheiten „gute“ oder „schlechte“ Gewohnheiten sind, hängt immer von den eigenen Zielen und dem eigenen Wertesystem ab.
    Dabei haben selbst die in den eigenen Augen „schlechten“ Gewohnheiten einen Nutzen.
    Sie sparen nämlich Zeit und geben Sicherheit.
    Gewohnheiten bewusst zu ändern ist nur möglich, wenn man dazu gezwungen ist (wird), oder wenn man wirklich will. Das „wirklich“ ist hier deutlich zu betonen.
    Deshalb läuft es auch immer wieder auf zwei entscheidende Einflussfaktoren hinaus.
    • großen Schmerz, Ordnungsrecht, „Peitsche“
    • große Ziele, massive Förderung, Geld

    2+
  6. Obstbäuerin sagt

    Da ich auch Werbung konsumiere oder gezwungen bin diese über mich ergehen zu lassen, hätte ich da mal ein paar Vorschläge. Als erstes finde ich es besser, in der Werbebranche keine Computer mehr zu verwenden, weil das sehr viel Energie frisst und den CO2-Ausstoß erhöht . Da gibt es Alternativen – ging ja früher auch ohne. Bleistift und Lineal auch gern Federkiel. Und die giftigen Druckfarben kann man durch natürliche Farben ersetzen – rote Beete, Zwiebeln Möhre usw.
    Doch ich denke, was die Experimentierfreudigkeit angeht, wäre bestimmt noch was möglich.

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  7. Das hier ist auch ein schönes Beispiel. Schüler von Fridays for Future blockieren Straßen/Elterntaxis, Stichwort Asphaltkinder.

    Erst wettern die Eltern teilweise gegen diese Schüler, weil es ihren Ablauf beeinträchtigt.

    Die Schüler werden dann verdonnert, auf dem Gehweg zu protestieren.

    Und dann gibt es vom selben Vater, der erst „Fi**t Euch!“ gewettert haben soll, ein Daumenhoch nach dem Motto: „Jetzt stört’s mich ja nicht mehr, dann kann ich’s gut finden.“

    https://www.youtube.com/watch?v=uTPTBbpwlac
    (Minute 4:15)

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Bei uns klagen alle Schule über das Verkehrschaos, wenn möglich soll das Kind unmittelbar vor die Schultür gefahren werden.

      Ich bin nie gefahren worden, auch mangels eines Autos. Zu den Glücklichen gehörte ich, weil mein Schulweg nur 1.000 Meter lang war, andere mussten bis zu 5 Km laufen, da war es im Winter auch Dunkel, wenn die Schule um 7 Uhr 30 anfing. Schülergottesdienst 2 x in der Woche um 7 Uhr.

      Wenn die Schüler die gängige Praxis kritisieren, meine Hochachtung.

      Dann wäre noch der genannte Vater, na ja positiv hat der sich nicht dargestellt, schon gar nicht bei Kindern und Jugendlichen.

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  8. Willkommen in der Welt der Ökos und Veganer:
    „Respekt, ich finde toll, was Du machst, ich könnte das nicht.“
    „Wenn nur einer das macht, ändert da ja sowieso nichts.“
    „Wenn ich es nicht mache, macht es jemand anderes.“

    Da ich auch keinen Alkohol trinke, kommt gern auch so ein Satz hinzu:
    „Hast Du überhaupt Spaß im Leben?“

    Und schwupps merkt man, wenn’s das eigene Verhalten angeht, dann wird schnell dichtgemacht. Merkt man auch daran, wie von Wirtschaftsliberalen und Rechten das Schnitzel verteidigt wird gegen die Vegetarier und Veganer, oder wie die Raser „geschützt“ werden vor Geschwindigkeitbegrenzung auf der Autobahn, wie mehr Polizei trotz sinkender Zahlen der Kriminalstatistik den vermeintlichen Wohlstand des Einzelnen sichern soll … bis hin zu Argumenten wie Geflüchtete würden die Sozialleistungen weggnehmen oder Ausländer den Arbeitsplatz (ist ja nicht so, daß der Arbeitgeber das entscheidet).

    Wir sind biologische Egoisten, die sich in Gruppen zusammenschließen, wenn sie daraus für sich einen Vorteil erwarten oder halt in die Gruppe hineingeboren werden.

    Auch beim Bauernverband Schleswig-Holstein ist es immer ein vermeintlicher Dialog, aber einhergehend mit haufenweise Verbraucherbashing und Polemik, jedoch null Selbstkritik. Umgekehrt, können Verbraucher es auch gut gegenüber Landwirten. Pauschalisieren ist wieder in Mode. so scheint es 🙁

    Gestern haben meine Frau und ich philosophiert, wie viel Einfluß die Erziehung auf das spätere Miteinander hätte. Wir kennen viele Menschen, die beim Kleinkind, wenn es quängelt und laut ist, strafend reagieren, sicherlich wird dem einen oder anderen auch die Hand ausrutschen, andere schicken Kinder aufs Zimmer usw. Wenn ein Kind weint, hat es ja meist Gründe, selbst wenn das Kind diese noch nicht einschätzen kann (meist Müdigkeit). Wenn man dann in dieser Not, weil man laut ist (vor allem in Restaurants oder ÖPNV), so erzogen wird, allein damit klarzukommen, merkt man schnell, welche Bedeutung Forderungen wie „mehr Eigenverantwortung“ haben. Jeder soll selbst sehen, wo er (nicht nur im Alter) bleibt.

    Die Frage ist: Wie kommt man aus der Nummer raus, ohne daß es zur unmittelbaren Existenznot führen muß, Solidarität ist ja meist am stärksten in der Not, aber dazu muß es doch nicht immer erst kommen!?

    Bei den Saatmethoden finde ich diejenigen kritischer, die Herbizide fast schon erzwingen, so von wegen ökologischer Fußabdruck. Lieber mehr CO2 für Kraftstoffeinsatz als Risiken und Nebenwirkungen durch Ackerchemie, da gab es einfach zu viel Mist in der Vergangenheit, als daß es ein Garant für eine langfristige zukunftsfeste Landwirtschaft wäre (siehe USA, wo immer mehr Roundup eingesetzt werden muß auch unterm Jahr, die Natur Resistenzen entwickelt und entsprechende Anbaumethoden keine Zukunft haben).

    Doch ich denke, was die Experimentierfreudigkeit angeht, wäre bestimmt noch was möglich. Hier nochmal andere Beispiele:
    Zuckerrüben für Plastikalternative (Bio4Pack), Kohlenwasserstoffverbindungen sind mehr als nur fürs Essen gut

    Humusersatz, nicht nur zur Kompensierung etwaiger Erosion, sondern auch zur Aufwertung der Felder mit Blick auf Wasserspeicherkapazität, Kohlenstoffspeicherkonzept wie Terra Preta

    Direktvermarktungskonzepte wie SoLaWi, Marktschwärmer, Pielers usw.

    Landwirtschaft in Städten, Hydroponik, Aquaponik, vertical Farming etc., zum Beispiel in leerstehenden Industriegebäuden (in NRW soll’s ja einige geben als Beispiel) usw.

    Aber ja, wenn jeder bei seiner Meinung bleibt, braucht man nicht mehr miteinander reden. Oder wie es auf der Seite vom Bauernverband gern heißt, wenn irgendein Kommentator einen mundtot machen möchte: „Du bist kein Landwirt, Du darfst nicht mitreden.“ Naja, mal abgesehen davon, daß jeder auch Lebensmittel konsumiert und Kommentatoren den Beweis schuldig bleiben, ob sie selbst Landwirte wären (teilweise mit Pseudonymen unterwegs), darf ich doch auch Krieg schei*e finden, ohne Soldat sein zu müssen?!

    Doch heutzutage fordern Rechte auch dann Demokratie, wenn die öffentliche Meinung nach Tagesform gerade ihren eigenen Interessen entspricht. Andersrum schreien sie dann immer nach Neuwahlen oder Betrug, wenn die Abstimmung nicht so verlief wie gewünscht. Siehe Herrn Erdogan und die Wahl in Istanbul.

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Es muss zur Existenznot kommen, davon bin ich mittlerweile überzeugt.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Kenne mich auch bei der Elektroinstallation aus, denn ich benutze jeden Tag Strom, auch mein Rechenknecht den ich jetzt gerade quäle, verbraucht Strom, käme jedoch nie auf die Idee, dem Elektriker erklären zu müssen, wie er seine Arbeit zu verrichten hat.

      Ich frage gerne mal nach, was er da gerade macht, aber mitreden? Da habe ich genau so wenig, oder viel Ahnung wie der Herr Suhr von Landwirtschaft.

      Max Mustermann, ehemaliger Obst und Weinbauer.

      8+

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