Bauer Willi
Kommentare 36

Erntedank 2019

Am Wochenende ist bei uns im Dorf Erntedank. Da wird, wie jedes Jahr, ein kleiner Umzug veranstaltet. Auch ich fahre wieder mit unserem Oldtimer-Trecker mit (den die Leute so nett finden) und meine Frau hat den Anhänger mit den Früchten aus Feld und Garten geschmückt.

Dieses Jahr ist der Wagen etwas anders. Dieses Jahr steht da noch ein kleines grünes Kreuz drauf. Warum, werden die Leute fragen. Und warum stehen in den Feldern auch grüne Kreuze?

Es ist ein stiller Protest der Bauern gegen eine Gesetzesvorlage, die vor drei Wochen bekannt wurde. Darin stehen so viele neue Einschränkungen und Regelungen, dass auf vielen Flächen eine Bewirtschaftung erschwert oder sogar unmöglich gemacht wird. Damit wird vielen Betrieben die Existenzgrundlage genommen und sie müssen ihren Betrieb schließen. Ein Ausgleich ist übrigens nicht vorgesehen.

Wir Landwirte können viel für Natur-, Artenschutz und für mehr Tierwohl tun. Wir speichern schon heute sehr viel CO2 in unseren Böden. Klar, da geht noch mehr. Wir haben den Ministerien Vorschläge für all das vorgelegt, aber diese Vorschläge sind kaum oder überhaupt nicht berücksichtigt worden.

Jetzt haben die Bauern Angst. Angst davor, wie es weitergehen soll. Will man überhaupt noch eine Landwirtschaft in Deutschland? Oder sollen die Lebensmittel demnächst wirklich alle aus dem Ausland kommen? Wie da produziert wird, sieht hier keiner.

Deshalb stehen also die #grüneKreuze auf dem Feld. Und darum steht auch eines auf unserem Erntedank-Wagen.

Euer Bauer Willi

(Aufrufe 2.872 gesamt, 2 heute)

36 Kommentare

  1. Sabine sagt

    Ich hab da grad sonne Idee. Warum nicht mal einen etwas anderen Erntedankwagen bauen? Disteln sind auch schön, mit Ackermelde und Schachtelhalm lassen sich auch Girlanden basteln. Warum nicht mal die von der Raupen kahlgefutterten Kohl auf den Wagen neben ein paar von Wühlmäusen angefressene Möhren legen? Ich mein… och ich hab in Kunstgeschichte nie so doll aufgepasst, aber da gab es doch mal so eine Stilleben-Richtung, die vor allem die Vergänglichkeit vermitteln wollte und wo das Obst auch wurmstichig war und so…. naja. Ich denke, ihr wisst was ich meine.

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  2. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin, Fast alle Beiträge die heute in den verschiedenen Blogs bei Willi geliefert wurden,
    sind aus meiner Sicht nicht relevant, für die sonst üblichen Debatten ,die wir hier sonst erleben. Da war heute eine gehörige Menge Stuss dabei. Das hat dieser Blog nicht verdient.
    Man muss sich nicht unbedingt was aus den Fingern saugen, um präsent zu sein.
    Einen Tag mal ganz ruhig angehen lassen , hat auch seinen Reiz.

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  3. Friedrich sagt

    Wir feiern Erntedank immer eine Woche später. Da wir hier ein Schlafdorf für die Stadt Hannover sind , ist das mit dem Gottesdienstbesuch sehr übersichtlich. Auch stören uns in der ev. Kirche die starke grüne Ausrichtung. Jetzt soll sogar noch ein Flüchtlingsschiff fürs Mittelmeer angeschaft werden und beim Kirchentag wurden politisch Andersdenkende ausgeschlossen. Ob das mit dem seelsorgenden Auftrag vereinbar ist sollte doch einmal diskutiert werden. Trotzdem gehe ich zum Erntedankgottesdienst ! — Das mit dem Geld für CO2 -Bindung auf dem Ackerland muß gut überlegt werden , um nicht wieder in die Subventions-und Neidfalle wie mit der Flächenprämie zu laufen, denn diese Prämie war ja für den Ausgleich zum Weltmarkt für die Sozial- und Umweltstandards gedacht. Ohne diese Prämie und dem Drücken des Resetknopfes auf Stand 2000, hätten wir heute ohne die vielen Vorschriften und Gesetze mehr Geld auf den Betrieben. Was wir brauchen sind einfach bessere Marktpreise und keine CO2 , Flächenprämien o.ä. . Die Bürokratiekosten mästen doch nur Akademiker ,die sonst keine Verwendung in unserem Gemeinwesen haben. Auf der anderen Seite haben wir Facharbeitermangel. Auch hier sollte einmal politische Steuerung einsetzen. Aber so ist das , wenn sich Politiker als der bessere Unternehmer ansehen. Das hatten wir doch schon einmal in der DDR.

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  4. Oberländer sagt

    Bauern ?
    Geld für CO2 Reduzierung auf Äckern ?
    Im Ernst ??
    Christkind ?
    Weihnachtsmann ?
    Osterhase ?

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  5. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin , wir wollen doch hier im Blog bei Willi, besonders mit den Verbrauchern ins Gespräch kommen. Ich finde es nicht gut, wenn hier in den Beiträgen blanke Theorie zum Einsatz kommt, die fast kein Mensch versteht. Wie hat Martin Luhter einmal gesagt,“ wir müssen dem Volk aufs Maul schauen“, an dieser Stelle setze ich noch einen drauf „sonst versteht es uns nicht, und wendet sich anderen Göttern zu , die uns bestimmt nicht wohl gessonnen sind. Denkt mal drüber nach.

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    • Stadtmensch sagt

      Lieber Brandenburgbauer
      ein geschichtsbewusster Bauer würde nie mit Luther-Zitaten arbeiten:
      »Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern«

      Zum Erntedank nehmen wir also lieber was menschenfreundliches (das dürfte jeder verstehen):

      „Wir kämpfen gegen eine außerordentlich gut funktionierende Gesellschaft, und – was mehr ist – wir kämpfen gegen eine Gesellschaft, der es in der Tat gelungen ist, Armut und Elend in einem Maße zu beseitigen, wie es früheren Stadien des Kapitalismus nicht gelungen ist.“

      „Es ist eine Opposition gegen den ganzen sogenannten way of life dieses Systems, eine Opposition gegen den Druck, gegen den allgegenwärtigen Druck des Systems, das durch seine repressive und destruktive Produktivität immer unmenschlicher alles zur Ware degradiert, deren Kauf und Verkauf den Lebensunterhalt und Lebensinhalt ausmacht.“

      Herbert Marcuse

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      • Richard sagt

        Das ist doch nicht richtig, Wenn Marcuse so etwas sagt, hat er die Freiheit nicht begriffen! Freiheit besteht gerade darin, sein Leben so zu gestalten, wie man will. Und diese Freiheit schreibt eben nicht vor, persönlich alles dem Konsum zu unterstellen. Es ist gerade das Wesen des Sozialismus, jede und jeden in den Arbeitsprozess zu zwingen, in nicht so effiziente Arbeitsprozesse, aber mit Zwang, Wer also die obige Freiheit geißelt, redet letzterem Sozialismus das Wort. Und wer genau hinsieht, erkennt, das die Misere bei den Bauern eben gerade duch die Planwirtschaft der Politik verursacht wurde, verstärkt, seit die DDR in der BRD aufging und von dort die Ideen der industriellen Landwirtschaft in das bundesdeutsche Denken einsickerte. Auch wenn sich die SED sich nun DIE Linke nennt die anderen Blockparteien mit dem entsprechenden Pendant des Westens verschmolz, das Gift wurde mit injiziert. Ich hatte vor einiger Zeit die CC-Kontrolle auf dem Hof, es gab keine Beanstandungen. Ein Prüfer, ließ sich am Ende dann doch zu der Aussage hinreissen, dass ihnen wenigstens diesmal der Abschiedsgruß „Na, dann werden wir halt aufhören“ erspart bleibt. „Wir machen die ganzen bäuerlichen Betriebe kaputt“ ergänzte der andere Kontrolleur dazu.

        <> Was denn sonst? Soll die Menschheit darauf warten, bis es jemand zuteilt? Und zu hoffen, dass sich irgendwer die Mühe macht, das Essen für unser tägliches Überleben zu produzieren, wenn die Produktion, der Handel, Verkauf und Kauf verpönt sind? Jeder sollte sehen, wo man rauskommen will, die Losung wurde schon vor Jahrzehnten ausgegeben, man muss es sich mehrmals ansehen, um die ganze Tragweite zu erkennen! Auch wenn Parteien heute anders reden, es ist lediglich neuer Wein in alten Schläuchen. Besonders bezeichnend ist die Abwertung des Landlebens:

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        • Moin Richard,
          Marcuse war ein Sozialist, das schmeckt nicht jedem, OK.
          Jedoch gilt die Freiheit erst einmal für alle!
          solange diese, die Freiheit des einzelnen , nicht die Freiheit des anderen
          unzulässig einschränkt!
          Die moderne Landwirtschaft mit ihrer doch häufig stark übertriebenen
          Industrialisierung auf unseren westdeutschen Flächen schränkt doch die Freiheit vieler heftig ein.
          Einige Beispiele:
          Es wird rund um die Uhr der ach so wichtige Mais eingefahren.
          PS protzige Traktoren rasen mit 25 km/h Anhängern über die Landstraßen.
          Lohnunternehmen mit Kontingentarbeitern haben den klassischen Landwirt ersetzt.
          Der Einsatz von Entlaubungsmitteln zur Kartoffelernte ist der Normalzustand.
          Lagerung von Mist, Gärresten, alten Autoreifen und sonstigen Wirtschaftsgütern der Landwirtschaft auf den Bodenflächen versauen die Grundwasserreserven.
          Das geförderte Beregnungswasser mit Trinkwasserqualität wird in hohen Mengen zur“ Existenzsicherung „eingesetzt.
          Der Landwirt zahlt aber nur ein Zehntel der Förderabgabe als der Trinkwasserversorger
          Das Privileg der Landwirtschaft im Baurecht wird gnadenlos ausgenutzt wenn nicht sogar missbraucht.
          Die Aufsichtsbehörde ist die Landwirtschaftskammer und der jeweilige Landkreis, dort wird nicht so genau hingeschaut.
          So sieht das mit der Freiheit aus.
          Wenn dann ,vielleicht mal, eine CC Kontrolle kommt wird sich maßlos aufgeregt.
          Haltet den Ball flach und nehmt Rücksicht auf Eure Mitmenschen und die sonstigen Mitgeschöpfe.
          Es muss nicht alles gemacht werden was möglich ist.
          Warum werden längst überfällige Reformen des Umweltschutzes und des Tierschutzes gleich gnadenlos von der Landwirtschaftslobby verteufelt und zerredet

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          • firedragon sagt

            Hallo Wassermann,
            da führst Du eine Menge auf.
            Mir ist nicht klar, in wie weit die LW andere Menschen ihrer Freiheit beraubt.
            Was hat die Maisabfuhr mit großen Traktoren, die ja immerhin mit 25km/h (und wenn es 50km/h sind) die Landstraße entlang rasen, damit zu tun?
            Oder bist Du der mit der Lichthupe am Ende der Schlange?
            Was verstehst Du unter klassischem Landwirt?
            Etwa den Almöhi auf der Käsepackung, mit der Sense?
            Ich muss Dich enttäuschen, das ist die Verarsche der Werbung am Verbraucher.
            Das Baurecht für die LW ist ganz schön heftig, das kannst Du mir glauben. Da ist nichts mit Missbrauch drin. Da sind Auflagen zu erfüllen, da würde jeder Häuslebauer das Handtuch schmeißen.
            Die CC Kontrolle kommt nicht vielleicht, die kommt. Aber da mach Dich nackig.

            Mit der Entnahme von Trinkwasser, da kann man so denken wie Du. Ich persönlich habe damit auch so meine Probleme.

            Es gibt Umweltauflagen, die sollten eingehalten werden. Die werden auch eingehalten, da die kontrolliert werden.

            Nun kommst Du mit dem Tierschutz.
            Welchen Tierschutz meinst Du genau?
            Ställe die gebaut wurden, sind nach damaligen Richtlinien (Baurecht) gebaut worden. Ställe, die heute gebaut werden, für die gelten jetzige Richtlinien (Baurecht). Die LW kann sich nur innerhalb dieser Regelungen bewegen.

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          • Sabine sagt

            Ja, ganz furchtbar auch Landwirte müssen ihre Produkte transportieren, da ist ein Hänger der über die Landstraße schleicht natürlich total blöd. Die 800 LKW, die mit cm-Abständen auf der rechten Spur der Autobahn auf einen warten, wenn man es dann endlich zur Anschlussstelle gemacht hat, stören natürlich überhaupt nicht. Die beliefern ja auch die Supermärkte täglich just-in-time damit die billigen und noch billigeren Ketten ja keinen Lagerraum Mitten in die Stadt bauen oder gottbewahre, sowas wie Lageristen bezahlen müssen. Da könnte ja das Samstagsschnäppchen 3 Cent mehr kosten oder der dolle Reismelde-Salat im praktischen Plastikschälchen würde verschwinden, weil der sich ja leider nur 2 Tage hält. Üps, Reismelde hört sich nicht chick an. Quinoa-Salat verkauft sich besser. Wenn die Super-Food-Dummies mehr für Hafer oder Hirse bezahlen würden, bräuchte man auch nicht so viel Mais anbauen… aber doof, die müssten auch mit dem Hänger über die Landstraße abgefahren werden, statt umweltfreundlich mit mit Schiff und LKW einmal um die Welt gekarrt zu werden. Zu dumm.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            @ Wassermann

            Solange bestes Trinkwasser durch die Toilettenspülung läuft,
            so lange mit bestem Trinkwasser das Auto gewaschen wird
            und mit besten Trinkwasser der Rasen und Blumen gewässert wird,
            so lange sollte jeder die Klappe halten, wenn die Landwirtschaft Grundwasser verwendet.

            6+
    • Thomas Apfel sagt

      Moin Brandenburgbauer,
      ich denke, dass es gefährlich ist ein neues Fass in Bezug auf angeblich bepreisbare Kohlenstoffspeicherung auf Ackerflächen aufzumachen. Wir werden die Versprechungen, die wir damit abgeben, nicht einhalten können. Es ist schon eine Herausforderung Ackerbau CO2-neutral hinzukriegen. Insbesondere die Erwärmung ist dabei kontraproduktiv. In den letzten 35 Jahren hat die Zahl der Tage mit über 6° Bodentemperatur stark zugenommen (+ 14 -16 Tage). Tage über 6 sind im Boden „umsetzungsaktive“ Tage, also die Chanche auf mehr Mineralisierung, Auswaschung und Gasfreisetzung.

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    • Paulus sagt

      Moin Brandenburgbauer, ich finde das mit der blanken Theorie ist schon Ok so. Es gibt auch interessierte Verbraucher die ganz gerne ein wenig tiefer in die Materie eindringen möchten. Deshalb halte ich gerade Informationen, die nach deiner geschätzten Ansicht angeblich „fast keiner versteht“ für nicht unwichtig. Wie ich schon einmal zum Ausdruck brachte, soll neuesten Erkenntnissen zufolge auch außerhalb der LW intelligentes Leben existieren. 🙂
      Der luthersche Spruch ist somit nur bedingt gültig und nicht anwendbar. Gerade wenn sie (die Verbraucher) euch Bauern nicht verstehen wenden sie sich anderen Einflüsterern zu, die euch möglicherweise eher nicht wohlgesonnen sind!
      Insofern liebe Bauern, lasst uns nicht dumm sterben, damit wäre euch am wenigsten geholfen.

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  6. bauerhans sagt

    meine gemeinde hatte vor 30 jahren eichen mitten in den feldweg gepflanzt,die dieses jahr weit sichtbar den mais erheblich geschädigt haben.
    schadensersatz wollen die nicht zahlen.
    vielleicht kann ich ja die hohe CO2-bindung des Maises als argument anführen.

    3+
  7. Heinrich Steggemann sagt

    Zur CO2 Speicherung:
    Gestern ging die Nachricht durchs Radio, das unser Ministerpräsident in NRW Armin Laschet eine Baumprämie für gepflanzte Bäume vorschlägt, bezahlt aus den Einnahmen der CO2 Bepreisung. Mit zusätzlichem Humusaufbau im Acker- und Grünlandboden kann auch aktiv CO2 aus der Atmosphäre gesaugt werden, ohne die Flächen durch Baumpflanzungen für die Nahrungsmittelproduktion zu verlieren.
    Das wird noch ein weiter Weg werden, bis das in den Köpfen der Entscheidungsträger angekommen ist, bzw bis sich die landwirtschaftliche Beratung auf breiter Front mit internationalen Erkenntnisse zum Humusaufbau z. B. mittels des Liquid Carbon Pathway nach Christine Jones auseinandersetzt.

    7+
    • Bauer Willi sagt

      Den Vorschlag, auf gespeichertes CO2 in unseren Böden eine Gutschrift zu zahlen, habe ich am Mittwoch Robert Habeck gemacht. Er war nicht abgeneigt…Demnächst mehr.

      Warum bringen das nicht unsere berufsständischen Vertretungen? Warum sagt das niemand Herrn Laschet?

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      • Brötchen sagt

        Willi meines Erachtens gibt es das schon, habe ich von jemand gehört. Der bekommt richtig geld pro ha. Niedersachsen muss es sowas geben, kann eventuell mit den Emissionsrechten zusammenhängen.

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      • Heinrich Steggemann sagt

        Die letzten 1,5 Jahre habe ich zu diesem Thema mit vielen Personen im vorgelagerten Bereich, Kammer, WLV und DBV telefoniert. Auf Kreisebene kommt allmählich Bewegung rein. Das Thema in den Landtag zu tragen, bin ich aktuell dran.

        3+
        • Bauer Willi sagt

          Sehr gut. Bin heute abend in der Parlamentarischen Nacht NRW im Podium. Morgen bei der JU in Soest. Laschet soll auch da sein. Da werde ich das noch mal anbringen.
          „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“!! (Raiffeisen)

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          • Sabine sagt

            Ich denke, dass viele Politiker noch zu einer Zeit in die Schule gegangen sind, wo im Biounterricht Pflanzen eher unter dumm und langweilig abgehandelt wurden, mit viel Glück hat man sich die Photosynthese angeguckt, das war es. Heute wissen wir über Pflanzen viel mehr. Ich erinnere mich immer gerne an das Wiederaufforstungs-Experiment von Haller in Kenia, wo man das erste mal sehen konnte welche unglaublich gestalterischen Kräfte in den dort verwendeten Casuarinen steckte, die – begleitet von Ansiedlung ausgewählter Tiere- eine Mondlandschaft in einen Park verwandelt haben. Was eine Pflanze im Boden eigentlich tut, das lernen wir jetzt erst genauer, auch weil neuste Technik es für uns meßbar macht. Das ist aber noch nicht bei den Entscheidungsträgern angekommen.

            6+
            • Schmeckt gut sagt

              Guten Morgen Sabine. Gut beschrieben. Pflanzen können das. Und die Tierwelt nimmt diese Verwandlung dankbar an. Und um solche „Wunder“ umzusetzen, wird Idealismus, Erfahrung und KnowHow benötigt. Und man sollte es kaum glauben: Wir Bauern und Gärtner können solche Pläne mit sehr viel Engagement und Schweiß umsetzen. Warum? Weil wir es gelernt haben und anpacken können. Lernen wir aber erst die Vorzüge der „modernen Wirtschaft“ kennen – mit weniger und geregelten Arbeitszeiten, 13. Monatsgehalt, Arbeitsschutzregeln, die auch für Führungskräfte angewandt werden… – sind wir für unseren erlernten „Knochenjob“ verloren (Vielleicht ein wenig dramatisch formuliert). Dieser Schritt in die „Moderne“ vollzieht sich gerade auf vielen Höfe durch Betriebsaufgabe. Bin mal gespannt, wie unsere Gesellschaft in 30 Jahren über die vielen gut gemeinten, aber schlecht gemachten, „Wenden“ urteilt 😉

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    • Obstbäuerin sagt

      Die Frage, die sich hier stellt ist jedoch, ob die Grünen diese angedachte Prämie dann nicht in eine ganz bestimmte Richtung lenken. Erst kürzlich ist zum Humusaufbau eine Studie erschienen, die genau dieses Ziel verfolgt.

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    • Thomas Apfel sagt

      Das ist vor allem insofern interessant, dass erst einmal ein Ausgangsstatus erfasst werden müsste. Die Inhomogenität insbesondere der mittleren Bodenqualitäten (z.B. Diluvialstandorte) lässt schon bei der Ermittlung der Ausgangsdaten einen enormen Spielraum zu. Wir bewegen uns hier im Stichprobensystem und nicht im Rahmen einer Realwerterfassung. Ich könnte bei meinen Böden, ohne dass es bemerkt würde einen Wert von 1,2 % C org. ebenso wie einen Wert von 2,2 % C org. vom gleichen Schlag generieren. Das macht (da beim gängigen Verfahren Masseanteile in % ermittelt werden)
      eine Differenz von über 50 t Kohlenstoff je ha aus. Um 50 t Kohlenstoff tatsächlich im Boden zu speichern brauche ich durchschnittlich 10-14 Jahre mit regelmäßiger Gründüngung und Mistzufuhr, egal bei welchem Anbauverfahren.
      Ich will damit nur sagen, dass wir derzeit kein Nachweisverfahren für die Masse an Kohlenstoff im Boden haben, welches hinreichend genau ist, um CO2 Bewertungen vornehmen zu können.
      Damit ist dem „Generieren“ niedriger Ausgangswerte insbesondere bei den leichteren Böden (die oft von Bio´s bewirtschaftet werden) Tür und Tor geöffnet.
      Trotzdem wäre eine neutrale Ermittlung der tatsächlichen C org. Gehalte auf Betriebsebene immens wichtig.

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      • Heinrich Steggemann sagt

        @Thomas Apfel
        Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt der Ungenauigkeitsfaktor im Stichprobenraster, ob ich hauptsächlich an den schlechteren oder besseren Bereichen Einstiche für die Sammelprobe je Schlag mache.
        Die Leute, die sich privatwirtschaftlich damit befassen, nehmen GPS vermessene Bodenproben, um z.B. nach 5 Jahren an genau den selben Stellen erneut Bodenproben zu nehmen, bei gleicher Einstichtiefe.
        Als wie aussagekräftig sind denn dann die Ergebnisse der Bodenzustandserhebung 2018 zu bewerten, wo im Raster von 8km Löcher gegraben wurden? Werden die Probenlöcher bis 1m Tiefe für die Erhebung „2028“ zwei Meter daneben gemacht ?

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        • Thomas Apfel sagt

          Das wird im Grundsatz von den Betrieben so gemacht, ist aber nicht verpflichtend. Bislang ging es darum die Düngung für sich selbst und nach Außen möglichst genau und repräsentativ zu begründen. Wenn aber ein Wert als Grundlage für Bußgeld oder aber Fördergeld für mehr oder weniger „Humus“ im Boden herangezogen wird, kommt auch hier das „Verschlechterungsverbot“ zum Tragen. Damit wird jeder Betrieb möglichst niedrige Ausgangswerte generieren wollen. Immer bedenken, eine „Verbesserung“ wird gefördert, nicht der Ausgangsstand.
          Wie genau haben sich denn Ihre Corg- Werte in den letzten 3 Jahren verändert, dass Sie sich davon Geld aus der CO2- Bepreisung erhoffen ? Und messen Sie doch mal nach z.B. Kleegrasumbruch oder Einarbeitung einer gut stehenden Gründüngung. Sie werden garantiert Ausschläge nach oben erhalten, die in 2 Jahren wieder niedriger sind (nannte man früher „Wiesenumbruchseffekt“). Selbst wenn es Ihnen gelänge einen permanenten Aufwärtstrend nachzuweisen, liegt dieser langfristig bei rund 300 kg Corg Zunahme (wenn alles gut geht). Das sind derzeit 3,00 €/ha aus der CO2 Bepreisung, in ferner Zukunft vielleicht 30 €/ha. Also nettes Imagethema für die Landwirtschaft, aber ökonomisch bedeutungslos. Zumal die überhaupt mögliche Zunahme des Bodenkohlenstoffs auf bewirtschafteten Ackerflächen sich je nach Bodenart in sehr engen Grenzen bewegt.

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          • Stadtmensch sagt

            Ich nerve mal wieder mit meiner Standardfrage: Warum kann man denn die oben geschilderten Corg steigernden Maßnahmen nicht mit Holzkohle-Beimengung ergänzen? Holzkohle kann man doch vorher behandeln, damit PH-Wert und sonstige Bodenparameter nicht negativ beeinflusst werden. Es gibt gut erforschte Nass- und Trocken-Verkohlungsverfahren. Hält sich dann auch sehr lange auch in bewirtschafteten Böden.

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            • Thomas Apfel sagt

              Stadtmensch,
              soweit mir bekannt, wurden, abgesehen davon, dass sich der Pflanzenkohlehype immer noch im Umlauf befindet, in keiner Untersuchung signifikant auf die Kohle zurückzuführende positivee Einflüsse auf die Bodenfruchtbarkeit nachgewiesen.
              Das ist mittlerweile auch in der Nachhaltigkeitsstrategie des BMEL nachzulesen.
              Fakt ist natürlich, dass dieser Kohlenstoff in reiner Form dauerhaft im Boden verbleibt, nur hat er aus sich heraus keine Kationenaustauschkapazität und eine eher wasserabweisende Oberfläche. da kann ich auch Braukohlestaub vergraben.
              In der Türkei wir relativ viel Leonhardit (Braunkohleverwitterungsprodukt mit bis zu 80 % Huminstoffen) in Landwirtschaft und Gartenbau eingesetzt .
              Auf allen Beratungsseiten kommt dort als erster Hinweis: „Achten sie beim Einkauf auf zertifizierte Herkünfte, und lassen sie sich keinen wertlosen Kohlenstaub andrehen !“
              Ich weiß dass in der Kippensanierung im Lausitzer- und sächsischen Revier viel mit Pflanzenkohle gearbeitet wurde. Bei genauerem Hinsehen sind nur bei exorbitanten Mengen (30 – 50 t/ha) überhaupt geringe Effekte auf Erträge erkennbar. Ich gebe aber zu, dass ich da nicht unbedingt voll aussagefähig bin, weil ich nur wenige Versuche intensiver zur Kenntnis genommen habe.
              Überzeugt haben mich allerdings die Versuche von KATZUR/FISCHER u. A. 2003 mit dem Produkt, das heute als Novihum gehandelt wird.

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              • Stadtmensch sagt

                Naja das hier liest sich aber nicht so, als gäbe es da nichts zu holen:
                https://www.pnn.de/wissenschaft/wunder-mit-abstrichen/21475090.html

                „Die zukunftsweisenden Eigenschaften der Kohle sollten genutzt werden, ohne dass Wälder abgeholzt und Flächen für den Biomasseanbau zur Gewinnung der Kohle umgewidmet werden.“

                Die aus den Gärresten hergestellte Biokohle wird wieder in den Biogasprozess eingespeist und kann sich in der nährstoffreichen Prozessflüssigkeit des Biogasreaktors mit ausreichend Nährstoffen anreichern. Im Biogasreaktor kann Biokohle belastende Ammoniakmengen binden und so die Effizienz der Biogasproduktion erhöhen

                Ein Fazit der Forscher lautet schließlich, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei der Biokohle hinterherhinke

                Ist sicher erst ein richtig großer Wurf, wenn man darüber die Nährstoffkreisläufe wieder schließen könnte. Also Bioreaktoren für Fäkalienverkohlung in die Wohnhäusern und die Endprodukte auf den Acker. Dann könnte man auch die Tierhaltung reduzieren und müsste nicht mehr zwei Drittel der Ackerfläche für Futterbau vorhalten.

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      • Richard sagt

        Kohlenstoff zu speichern im Boden setzt die Gabe von Stickstoff voraus und zwar im Verhältnis bei Dauerhumus von 10:1 . Wer also 50 to Kohlenstoff im Boden dauerhaft speichern möchte, muß also 5000 kg Stickstoff dazugeben. Schon allein das Pflanzenwachstum und die Düngerverordnung lassen dies nicht zu. Die Alternative ist die Einbringung von Pflanzenkohle in die Böden. Die führt aber auch zu Humusaufbau und der Bindung von Stickstoff. Damit wird man auch wieder durch die Düngeverordnung ausgebremst. Zudem ist es wohl nicht so einfach und gut, Pflanzenkohle in die Böden zu bringen, denn allein schon das Lagern von Resten eines abgebrannten Holzschuppens kann dazu führen, dass die betreffende Fläche als kontaminiert gilt und entsprechend abgetragen und saniert werden muß. Wieso sollte dann die flächige Ausbringung von Holz- oder Pflanzenkohle gut sein. Im übrigen ist die staatlich verordnete Berücksichtigung des Nmin-Gehaltes in der Düngeverordnung eine Paradebeispiel politisch verursachten Irrsinns, der des Humusvernichtens!

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