Bauer Willi
Kommentare 52

Der Tierwohl-Cent

In den Medien wird kaum darüber berichtet, in den landwirtschaftlichen Fachblättern sehr wohl. Cem Özdemir plant eine Abgabe auf Fleisch, um damit Landwirte zu unterstützen, die in mehr Tierwohl investieren wollen. Markus Vahlefeld wollte von mir als Landwirt wissen, was ich davon halte. Die Idee ist ja gut, aber dann kommen die Fragen und Zweifel…

Das Interview beginnt nach 10 Minuten.  Die Ausführungen im Vorspann teile ich nicht alle…

https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/kultur-und-wissenschaft/leib-und-speise/leib-und-speise-der-tierwohl-cent#id-article

 

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52 Kommentare

  1. Karl-Heinz Fluck sagt

    Die Tierwohlabgabe wird ihre Wirkung nicht verfehlen, die einzig und allein darin besteht die Verbraucher gegen die Landwirtschaft aufzubringen.

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  2. Hans-Georg Kremer sagt

    Das ganze würde wahrscheinlich zu einem weiteren Bürokratiemonster werden welches verwaltet sein will. Der Aufwand würde den Nutzen wohl erheblich schmälern.
    Wenn die Gesellschaft das wirklich will, sollte man dies aus einer bereits vorhandenen Steuererhebung finanzieren (z. Bsp. Anhebung der Umsatzsteuer).
    Jede weitere zusätzlich geschaffene Abgabe/ Steuer ist dem Grunde nach eigentlich abzulehnen. Das Land leider eh genug an der überbordenden Bürokratie – von einem Bürokratieabbau entfernen wir uns immer weiter.

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    • Frank sagt

      Der Aufwand würde den Nutzen wohl erheblich schmälern.

      Kein Problem: Ein halber Euro Tierwohlabgabe pro kg Fleisch wird erhoben, beim Bauern kommt der namensgebende Centbetrag an. Das bekannte Muster.

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  3. Stefan Binkele sagt

    Diese Steuer wird den Abbau der Nutztierbestände sicher nicht aufhalten.
    So wie alle “Beihilfen” , werden auch diese in kürzester Zeit von der Abnehmerseite eingepreist. Auch wenn das eintritt, was eher unwahrscheinlich ist, nämlich, dass die Tierwohlinvestoren gute Gewinne einfahren, führt dies zu einer Überhitzung des Marktes mit all seinen unerwünschten
    Folgen. Eigentlich weiß es jeder, Subventionen funktionieren in der Marktwirtschaft nur als Anschubhilfen für
    erwünschte Entwicklungen.
    Wenn Märkte Entwicklungen nicht tragen,
    verkehrt sich die Wirkung ins Gegenteil.
    Diese geplante Abgabe kann als Beste aller schlechten Maßnahmen nur funktionieren,
    wenn flankierend Marktbedingungen geschaffen werden, um die Existenz der tierhaltenden Betriebe unter menschenwürdigen Bedingungen zu ermöglichen.
    1. Zeitliche Befristung. Haben Tierwohlprodukte nach der Schonfrist den Break -Even nicht erreicht, sollten sie vom
    Markt verschwinden.
    2. Größere Leakage-Effekte können nur verhindert werden, wenn der Inlandsmarkt wirksam geschützt wird. Möglichkeiten sowie Bereitschaft hierzu kann ich nicht erkennen.
    3. Die Marktstellung der Erzeugerseite muss durch Weiterentwicklung von Kartell- und
    Handelsrecht unterstützt werden. Eine leistungsentsprechende
    Margenverteilung ist nur möglich, wenn
    die Erzeugerseite das Recht und die Möglichkeit besitzt Druck auf die Handelspartner auszuüben. Mengensteuerung der Erzeugerseite existiert bisher allerdings nicht einmal als schlüssige Theorie.

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  4. Smarti sagt

    Danke für das gute Interview, Herr Vahlefeld hebt sich wohltuend von vielen anderen Moderatoren ab. Meiner Meinung nach gehört das Thema Anbindehaltung von Rindern nicht zum Thema Tierwohlcent / Fleischsteuer. Denn die Anbindehaltung ist einfach ein Relikt aus einer Zeit, in der es noch keine Mistschieber, Futtermischwagen und Melkstände gab… irgendwann ist auch gut, diese Generation von Landwirten stirbt so langsam weg. Die Erben wissen schon seit Jahren, dass dieses Modell auslaufen wird ( Ständerhaltung bei Pferden ist schon lange verboten ). Das mag für den einzelnen Betrieb schwierig, teuer, umständlich… sein, aber es gibt Lösungen. Schon bevor die Fleischlenkungssteuer (nennen wir doch den Tierwohlcent beim richtigen Namen !) eingeführt wird, ist die Anbindehaltung Geschichte, denn dafür sorgt auch der Handel. Aldi prescht da wohl vor, aber auch gesetzlich wird diese Haltungsform bald verboten, ganz egal ob mit oder ohne die zusätzliche Einkommensquelle für die Ampel.
    Der Moderator hat es im Vorspann genau richtig erkannt, die Fleischsteuer ist eine Lenkungssteuer, mit Tierwohl hat diese überhaupt nichts zu tun. Auch nicht mit Umwelt – oder Klimawandelproblemen… aber wem sage ich das. Es ist einzig und allein eine Erziehungssache, Fleisch künstlich teurer zu machen um es dem Verbraucher madig zu machen. Wenn Tierwohl ein Thema wäre: warum sind dann keine Steuererhöhungen auf Milchprodukte, Eier, Leder und alle Sachen mit Milchpulver und Gelatine ( Medikamente, Süssigkeiten…. ) oder kommt das dann später ?
    Auch das Thema Gesundheit ist nur vorgeschoben. Was ist wohl schädlicher für ein Kind: eine vegane Ernährung ( denn es heisst ja Tierwohlcent und nicht Fleischcent – impliziert also, dass Produkte vom Tier per se “tierquälerisch” sind und bleiben, denn sonst könnte man ja die Steuer bald wieder abschaffen ?! Aber nein, sie muss bestehen bleiben, wohl solange, bis in Deutschland keine Tiere mehr leben. Zombienahrung ( Kunstfleisch ) ist ja dann auch steuerfrei, denn es heisst ja Tierwohlcent und nicht Fleischsteuer… da haben sie schon vorgesorgt.
    Die Hoffnung, dass Hofschlachtereien und Metzger von der Steuererhebung verschont bleiben könnten ist vergebens. Es ist ja genau in der DNA dieser Kontrollregierung, Alles und Jeden so lange zu überregulieren, bis die Kleinen aufgeben. Niemand von den Politikern stellt sich hin und sagt wir wollen die Landwirte dezimieren, um an ihr Land zu kommen. Noch nicht. Aber der Tierwohlcent ist ein weiterer Trick, um vordergründig den Landwirten zu “helfen”. Aber auf gut Deutsch nochmal ein paar tausend Betriebe killt ohne dass es der Verbraucher mitkriegt.

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    • Heinrich sagt

      Tierwohlcent? Eine Steuer nur für Tierhalter? Importfleisch ausgenommen? Unabhängig davon wer diese “Abgabe” abführen muß, Ihre Verwendung ist nicht Zweckgebunden und belastet einen Betriebszweig zusätzlich (wird auf jedenfall eingepreist und landet beim Erzeuger).

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  5. Jürgen Donhauser sagt

    Ich darf mich outen – obwohl ich Ferkelerzeuger bin (also mit den höchsten Hürden in Sachen TierschutznutztierhaltungsVO zu tun habe). lehne ich die Idee der Borchert Kommission und jetzt auch den “Tierwohl-Cent” (auch Fleischsteuer genannt) ab.
    1. Steuern sind keine zweckgebundenen Einnahmen, sondern fließen in den allgemeinen Haushalt mit ein. Es ist also nicht sicher gestellt, dass Landwirte wirklich vollumfänglich dieses für mehr Tierwohl eingenommene Geld für ihre Tierwohlinvestitionen bekommen.
    2. Mit dieser Abgabe beschreiten wir Tierbereich den gleichen Weg, den wir schon seit mehr als 30 Jahren im Pflanzenbereich (EU – Kulturpflanzen – Flächenprämie) beschritten haben. Die wenigsten Menschen wissen noch warum man diese eingeführt hat und sprechen inzwischen nur noch pauschal und abwertend von “Subventionen”.
    3. Sollte dem Endverbraucher wirklich etwas an “Tierwohl” liegen (was immer das auch sein mag und wie es bewertet wird), so kann er es jeden Tag durch sein gezieltes Einkaufsverhalten unterstützen. Da aber diese höherpreisigen Produkte bleischwer im Regal liegen, bleibt es wohl eine ungewünschte Ware – also am Markt vorbei produziert.
    4. Damit stellt sich doch die Frage: Woraus ergibt sich die Behauptung, dass mehr Tierwohl gewünscht ist?

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    • Heinrich sagt

      “Da aber diese höherpreisigen Produkte bleischwer im Regal liegen, bleibt es wohl eine ungewünschte Ware – also am Markt vorbei produziert.”
      Vorallem wenn die Fleischsteurfreien Importe daneben liegen. Oder sollen diese auch besteuert werden, was sagt dann die EU dazu?
      Der Wunsch nach mehr Tierwohl war doch immer ein an den Verbraucher herangetragene Wunschvorstellung einiger weniger Tierfanatiker (abgeleitet: rechts, rechtsradikal, rechtsextrem).

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  6. Limes sagt

    Einige Parallelen zum Wohnungsbau man müsste mehr bauen aber keiner machet es auch die Kapitalisten tun es nicht auch aus Angst vor Enteignung, unzureichender Rendite, Bürokratisierung….
    Einen Unterschied gibt es allerdings neue Wohnungen wären willkommen, bei Ställen hat man den Eindruck trifft dies weniger zu.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      In unserer Nähe wurde ein Hühnerstall für24.000 BIO Hühner gebaut, Die nächste Besiedelung ist in 4 Km Entfernung. Die sind Sturm gegen diesen Stall gelaufen, aber der Bauherr setzte sich durch. Beklagt hat sich seit der ersten Aufstallung niemand mehr.

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  7. Andreas sagt

    Die Einführung einer Tierwohlabgabe geht auf die Borchert-Kommission zurück,
    die CDU Ministerin Julia Klöckner 2019 eingesetzt hat, um Lösungen für den Umbau der Tierhaltung zu erarbeiten.
    Der ehemalige CDU-Agrarminister Borchert hat im letzten Jahr seine Arbeit frustriert beendet, weil weder von Klöckner noch von Özdemir was zur Umsetzung unternommen wurde.
    http://www.wochenblatt.com/landwirtschaft/kommentar/zum-ende-der-borchert-kommission-wenn-agrarpolitik-versagt-13466196.html
    Özdemir will die Vorschläge der Kommission endlich umsetzen und bekommt nun genau von denen Schläge, die ihm davor vorgeworfen haben, den Borchertvorschlag nicht umzusetzten
    Aber keine Angst, Özdemir kann sich sowieso nicht durchsetzen. Lindner ist dagegen.
    Dafür setzt Aldi jetzt das Tierwohl um, ohne Tierwohlcent, der auch auf importiertes Fleisch erhoben worden wäre.
    http://www.wochenblatt-dlv.de/maerkte/tierwohl-aldi-sued-weitet-angebot-haltungsformen-3-4-rasch-575755?utm_campaign=blw-mo-fr-nl&utm_source=blw-nl&utm_medium=newsletter-link&utm_term=2024-02-14
    Tönnies investiert jetzt ganz groß in Rumänien im Tierwohlställe, das Zeug wird also geliefert, egal ob wir es gut finden oder nicht !

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    • Bauer Willi sagt

      Zwei Anmerkungen, obwohl wir uns in vielen Dingen einig sind: Das Borchert-Papier wurde kurz vor der Bundestagswahl veröffentlicht, da hatte Klöckner rein zeitlich keine Chance. Das gehört zur Fairness dazu.
      Ich bekomme von Berufskollegen, die hier nicht mitdiskutieren, signalisiert, dass keiner auf staatliches Geld wartet. Einige wenige investieren auch so, viele andere lassen ihre Ställe noch so lange laufen, wie es rechtlich möglich ist. Dann ist Schluss.

      Tierwohl-Fleisch aus Rumänien wird vermutlich nur geringfügig teurer sein als Stufe 1 oder 2. Woher es kommt, interessiert bei Aldi keine Sau…

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      • Andreas sagt

        Die Borchert-Kommission hat schon 2020 Konzepte für eine zukunftsfähige Nutztierhaltung hin zu mehr Tierwohl präsentiert. Da wären schon 2 Jahre Zeit für die Umsetzung durch Klöckner gewesen.
        Grundsätzlich bin und war ich schon immer gegen jede Stallbauförderung.
        Durch die Förderung müssen die Ställe meist viel größer unt teuerer gebaut werden als geplant.
        Aber danach ist dann die Abschreibung geringer und damit zahlt der Bauer die Förderungen über höhere Steuern wieder selbst.

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    • Jürgen Donhauser sagt

      Andreas, fairerweise muss man dazu sagen, dass die Union und Frau Klöckner nie alleine auf diese Idee gekommen wäre. Achtung, und jetzt kommt es:
      Grundübel war 2002 die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel in das Grundgesetz. Hätte Stoiber (damals Kanzlerkandidat) sich nicht etwas vom Mainstream Tierschutz im Wahlkampf versprochen (und man munkelt auch Druck von seiner Ehefrau Karin bekommen), dann hätte er nicht die Bundestagsfraktion der Union angewiesen der Grundgesetzänderung zuzustimmen. Die dazu notwendige 2/3 Mehrheit wäre von der Rot-Grünen Regierung alleine nicht aufgebracht worden können. Bereits ein Jahr danach brachte Künast die erste Änderung der TierschutznutztierhaltungsVO – Inzwischen sind wir bei der 9. Änderung. Bei dieser geringen “Halbwertszeit” gibt es Null Vertrauen und damit auch keine Investitionen mehr – Die meisten Ställe werden zwischen 20 bis 30 Jahren finanziert – wie sollte das also gehen?

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  8. Frikadellen piet 45 sagt

    wieder mal hast du die Situation super erklärt nur ich befürchte dass die richtigen es sich nicht angehört haben und weiter rum meckern ich habe mir eben noch mal alte Bilder von den Ställen angeschaut Licht habe ich dort nicht gesehen

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  9. Ex-Baumschuler sagt

    Das letzte Mal, als ich 10 Cent für Tierwohl-Erzeuger extra ausgegeben hatte, war es im Rahmen meines Schinkenkaufs. – Richtig geraten: diese (irgendweshalb) kreisrunden, versalzenen, wässrigen, billigen, ungesunden Kochschinkenscheiben in der Plastikverpackung, aus denen Maden herauskriechen, wenn man sie zu lange lagert. Deswegen bin ich ja auch Vegetarier geworden.

    Toll finde ich aber die Katzenfilmchen auf Youtube. Am besten noch mit Hunden und Kleinkindern, die alle ganz süß zueinander sind. Da kriegt man doch die Glückshormone und denkt gar nicht ans Fressen. Youtube könnte ja auch Schweinefilmchen zeigen, wie man die süßen Ferkel erst im Wohnzimmer aufzieht und dann, nach Jahren, mit Freunden im Garten grillt.

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    • Reinhard Seevers sagt

      “…..aus denen Maden herauskriechen, wenn man sie zu lange lagert. Deswegen bin ich ja auch Vegetarier geworden.”

      Wenn unsere Vorfahren auch so wissensbefreit gelebt hatten, gäbe es keine Überbevölkerung.
      p.s.: Mir ist schon nach einer Woche eine Packung Bio-Tomaten vergammelt….was soll ich daraus ableiten? Bio und Vegan ist Müll?

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      • Dann sind bestimmt die Bauern Schuld,
        wenn Obst oder Gemüse in der Plastikverpackung versammelt….

        Den Vorwurf habe ich tatsächlich schon mal gehört.

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  10. Reinhard Seevers sagt

    Die Diskussion ist von Anfang an Unsinn. Es ist der in dieser Gesellschaft ubiquitär wahrnehmbare Widerspruch einer Emotionalisierung, die aus einer Minorität herrührt, welche medial und politisch aber als Mehrheitsmeinung verkauft wird; verbunden mit einer unmöglichen Umsetzung in ökonomische Zielsetzungen.
    Es ist die Infantilisierung einer Gesellschaft, deren Minderheitenwünsche von der Mehrheit bezahlt und damit automatisch legitimiert werden soll. So etwas geht nur in einem Staat, dessen Bürger derart etatistisch und unterwürfig denken, wie sonst kein Volk auf der Welt.
    Die Tierwohlstufen-Einteilung wird am Ende dazu benutzt werden, dass Cem sagen wird: Wir werden das Geld für die Förderung von Tierwohl bereitstellen, deren Stufe mindestens TW3 oder besser aufweist.
    Damit diffamiert man die unteren Stufen, beweist aber gleichzeitig, dass man sich für Tierwohl einsetzt und leitet die Verantwortung an die Verbraucher weiter.
    Die Rückführung des TW-Cent an die Erzeuger kann ja auch nur über Fördermittel erfolgen. Ist denn der Staat auch bereit dem Erzeuger eine Erzeugungsgarantie für den Abschreibungszeitraum zu gewähren? Cem will nämlich auch dafür sorgen, dass mehr Geld beim Erzeuger ankommt…hat er vorgestern gesagt.😎

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    • evo.... sagt

      Das gibt eine Umverteilung von unten nach oben, bzw. von Konvi nach Bio.
      Ich sage mal: Die verteufelten Haltungsformen haben sich ja nicht aus Lust an der Tierquälerei entwickelt, sondern weil da die Tiere am gesündesten waren und man billig produzieren konnte.

      Sollen die Leute mehr Tofu u. ä. essen? Da denke ich dann an Udo Pollmer: Tofu macht dement. Ich vermute da eh schon länger, dass die Fehlleistungen unserer Politiker mit schlechter Ernährung zusammen hängen.

      Oder die Krise der Fußballer von Bayern München. Da hat der Thomas Müller in Erbsenprotein investiert und dann wird er die Produkte auch in der Mannschaft anpreisen.

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      • Ernst Pauli sagt

        Sie haben sowas von recht, danke für den Kommentar:
        die Fußballer von Bayer Leverkusen sind da besser versorgt.

        und RBullen Leipzig – haben Flügel?
        Werder hat gestern gewonnen – jetzt wissen wir warum, 7. Platz

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  11. Frank sagt

    Der Bauer, dem es so egal ist, wo die Kohle für den Mehraufwand herkommt, Hauptsache sie kommt, der wird bald sehen, dass er von der Politik zumindest mit Teilen des Mehraufwands alleingelassen wird und er bei allfälligen Protesten dann auch. Warum soll sich der Verbraucher zu ihm stellen?
    Zudem ist es etwas blauäugig, hier um das Tierwohl zu kreisen, als ginge es der grünen Politik nicht am langen Ende um die Reduzierung der Tierhaltung generell.

    Der Vergleich zum Leinenzwang bei Hunden ist völlig daneben. Wenn die Bauern ihre eingestallten Rinder täglich an der Leine ausführen wollten, wäre das ja ein Fortschritt zur Anbindehaltung.

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    • Bauer Willi sagt

      Wenn “die Gesellschaft” will, dass es mehr Tierwohl gibt, dann soll sie Bio-Fleisch kaufen. Tut sie nicht, weil teurer. Damit ist alles gesagt.
      Wenn Sie wollen, dass ich meinen Stall umbaue, ohne dass Sie mir mehr für das Fleisch bezahlen, dann muss das Geld woanders herkommen. Und da ist es mir egal, wer mir das Geld gibt.
      Aber beruhigen Sie sich: bis die Entscheidung gefallen ist (falls denn je eine kommt) haben wieder ein paar tausend Landwirte ihre Ställe leergemacht ohne dass es eine Sau interessiert.

      Zur Anbindehaltung: die Aufregung darum ist wieder so eine Doppelmoral. Bisher hat es niemanden interessiert, dann wird es von bestimmten Kreisen inszeniert, aber auch hier: mehr zahlen will keiner, das zeigen die Supermarktkassen.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Die Frage ist doch nicht, ob mehr Geld für das Kilo Fleisch beim Bauern ankommen wird oder nicht. Der Mehrwert wird nie über das Produkt entlohnt werden, er kann nur über die Investition. in die gewünschte Haltungsform erbracht werden. Sonst wäre ja ein mehrstufiges Kontroll- und Nachweissystem über das Einzeltier erforderlich…dann kann man sich den Unsinn sowieso sparen.

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        • Aber etwas kann der Bauer auch verdienen, denn es wird alls teurer.
          Andere bekommen auch Gehaltserhöhung

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      • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

        BIO-Haltung hat die höchsten Tierverluste,insbesondere in der Ferkelerzeugung.
        Da gabs mal ne Gegenüberstellung von LFL Bayern.

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        • evo.... sagt

          Genau! Die sollen erstmal schauen ob es den Tieren in den geforderten Haltungsformen besser geht. Mir fallen da immer als erstes die gebrochenen Brustbeine der Hühner ein:

          https://www.nutztierhaltung.de/gefluegel/legehennen/tierbeobachtung/brustbeinschaeden-erkennen-und-vorbeugen/

          Zu Zeiten der letzten BSE Krise haben die Fleischforscher in Kulmbach mal festgestellt, dass Bio-Schlachttiere kränker sind.

          Ich erinnere mich auch an einen Lohnschlächter auf Phoenix. Der meinte damals, dass er bei Bio-Schweinen viele Lebern wegschmeißen muss.

          Es ist viel faktenfreier Fanatismus im Umlauf. Wenn ich mal nachdenke, fällt mir auf, dass es zur Zeit wenig Lebensmittelskandale gibt. Wenn früher ein Grüner LW-Minister wurde, gab es immer sofort einen Skandal. Mittlerweile haben wohl auch die Grünen dazu gelernt aber jetzt müssen sie wohl die gesammelte Klientel bedienen.

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      • Ferkelhebamme sagt

        Hab gestern erfahren, dass die Sauenhalter Schleswig-Holsteins mit der Erklärung der Tierschutznutztierhaltungsverordnung (musste bis 9.2. abgegeben werden) ihren verbindlichen Ausstieg bis 2030 erklärt haben sollen. Bis auf 2 (!)
        Wenn nicht bald gerettet wird, was noch gerettet werden kann, wird es ein sehr böses Erwachen geben.
        Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Geld, sehr viel Geld für den Umbau und den Mehraufwand für Tierwohl staatlich locker machen oder die ganzen Träumereien dahin treten wo sie hingehören: in die Tonne. Beides wird nicht passieren.
        Der Markt richtet es definitiv nicht, denn durch den Mangel verteuert sich das Fleisch auch ohne Tierwohl. Mit Tierwohl oben drauf wird’s für viele unbezahlbar.
        Tja, Quo vadis deutsche Tierhaltung?

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        • Reinhard Seevers sagt

          “Hab gestern erfahren, dass die Sauenhalter Schleswig-Holsteins mit der Erklärung der Tierschutznutztierhaltungsverordnung (musste bis 9.2. abgegeben werden) ihren verbindlichen Ausstieg bis 2030 erklärt haben sollen. Bis auf 2 (!)”

          Das wäre aber ein Zufall. Ich habe zwei Sauenstallplanungen in SH. 🤔

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            • Reinhard Seevers sagt

              https://www.dlg.org/de/mitgliedschaft/newsletter-archiv/2023/32/ki-haelt-also-einzug-in-den-schweinestall
              Ställe der Zukunft:
              …”Nahezu alle Versuchszentren für Schweinehaltung in Deutschland planen derzeit neue „Ställe der Zukunft“. Einige Bauvorhaben befinden sich bereits in der Umsetzung, andere stecken noch mitten in der Genehmigung. Die unterschiedlichen Ansätze eint das Wohlbefinden der Tiere und der im Stall arbeitenden Menschen, bei gleichzeitigem Fokus auf den Umweltschutz und die Wirtschaftlichkeit. Erfahrungen aus neuen Stallsystemen sind wichtig, damit sie auch den Weg in die Praxis finden. Betriebe brauchen Orientierung. Daher wäre es wichtig, dass die Ställe der Zukunft möglichst schnell Realität werden….”

              Tja, was will Futterkamp noch mit einem neuen Sauenstall, wenn in SH nur noch 10 Betriebe übrigbleiben….Reduzierung von Beratung, Einstampfen von Lehr- und Versuchsanstalten, Reduzierung von Kammermitarbeitern…..u.v.m. Abwickeln!

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        • Bauer Willi sagt

          Doch, die Träumereien werden in der Tonne landen. Eben die aktuelle Wahlprognose für die Europawahl gesehen. AfD + 11%, Grüne -10%. Alles andere marginal verändert…

          Was die Zukunft der Schweinehaltung angeht: niemand wird Geld für Stallumbauten oder -neubauten “spendieren”. Es wird bei Ankündigungen bleiben und die Betriebe werden leise sterben. Oder siehst Du ein Begründung, warum die Bauern es tun sollten?

          Außer Architekten reich machen… 🙂

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          • Reinhard Seevers sagt

            “Außer Architekten reich machen… 🙂”

            Schon interessant, welche Stereotypen sich in Teilen der Gesellschaft verfestigt haben….🙄
            Ich bau erstmal ein neues Lagerhaus, der Keller ist voll mit Bauernmilliarden.✊

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            • Limes sagt

              Hr Seevers wie gross planen sie das Lagerhaus für die Bauernmilliarden
              gerne auch Adresse hier im Blog veröffentlichen damit man sich das Lagerhaus mal anschauen kann 😉
              Um Architekten müssen wir uns nicht sorgen wer Ställe bauen kann hat Chancen beim Bau von Wohnungen die sind definitiv nicht ausreichend vorhanden

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              • Reinhard Seevers sagt

                Limes, wie schon häufig geäußert: Der Architekt kann nur dann tätig werden, wenn irgendwer sich durchringt Geld für irgendetwas in die Hand zu nehmen. Wenn also die Firma Intel unnütze Chips in Magdeburg produzieren möchte und der Staat denen noch 10Milliarden in den Allerwertesten zu blasen bereit ist, dann ja dann haben viele Planer und Bauhandwerker viel zu tun….wenn ein Tierhalter aufgrund von Gesetzen zur Anpassung der Haltung gezwungen ist, sich für die Weiterführung oder gegen sie zu entscheiden, auch dann kann der Planer seinen Teil davon abbekommen. Sieht jemand den Unterschied?

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          • Smarti sagt

            Bauer Willi, es ist halt auch die Frage, welche “Nischen” oder alternative Einkommensmöglichkeiten einem Betriebsleiter noch bleiben. Wenn man erst vor ein paar Jahren für viele Millionen den Sauenstall neu gebaut hat, dann wird man sich schon überlegen, jetzt “alles” aufzugeben oder nochmals zu pokern ? Das es in Schleswig Holstein nur zwei machen finde ich schlimm. Oder warten die anderen nur auf eine neue Regierung ? Oder haben schon einen Anwalt engagiert. Das wäre doch auch noch eine Erklärung.

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        • Smarti sagt

          Ferkelhebamme, Ihr seid aus Schleswig-Holstein ?
          Wage gar nicht zu fragen, das wäre so viel raus geschmissenes Geld 🙁 .
          Wie ist denn eigentlich geregelt, wenn ein neuer Zuchtbetrieb eröffnet werden soll ? Oder eine kleine Hinterhof-Offenstall-Bioschweinezucht ?

  12. Christian Bothe sagt

    Tierwohl? Wozu? Klingt so als haben die Schweine- und Tierhalter ihre Tiere bisher gequält!Was für ein Unsinn! Wissen dieser Typ Oezdemir und seine Mannen überhaupt was man seit der Wende gerade bei uns im Osten in die Schweinehaltung sowie in die Tierproduktion insgesamt investiert hat? Tier Physiologie: wenn ein Tier nicht die entsprechenden Umweltbedingungen , Wohlfühlverhalten hat( Genotype-Umwelt-Interaktion), bringt es auch nicht die gewünschten Leistungen! Jeder Landwirt weiß das und tut alles, damit sich seine Tierproduktion rechnet! Das betrifft MK, MS, Sauen, Legehennen , übrigens auch bei industriemässiger Haltung! Diese grüne „Vermenschlichung“ unserer Nutztierhaltung ist schlicht ein Unding und fachlich daneben…

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    • Christian Bothe sagt

      Wenn ich dann höre der Verbraucher will das, sage ich immer der hat von der LW und NGW keine Ahnung und folgt nur dem Main stream. Er will doch am Ende im Supermarkt nur billig einkaufen, lässt selbst Bio links liegen, weil zu teuer!

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    • Frank sagt

      Tiewohl? Wozu? … Jeder Landwirt weiß das und tut alles ….

      Die großen Sprüche hat man gerade im Osten vor der Wende auch gemacht … über die Tierfreundlichkeit der Haltungsbedingungen reden wir da lieber nicht. Wenn es anders gewesen wäre, hätte man ja nicht gerade im Osten so heftig investieren müssen, wie Sie ausführen.

      • Christian Bothe sagt

        Ihre Antwort zeugt von Ahnungslosigkeit! Im Osten hatten wir eine ganz andere Größenordnung von Tierhaltung! Habe selbst 10000MS gemanagt! Eine Bullenmast mit 18000Plätzen begleitet. Es gab die KIM Betriebe mit tausenden von Legehennen und und guten Legeleistungen! Milchviehanlagen mit über 1000 MK( Karussell) waren keine Seltenheit! Der Wegfall dieser Betriebe nach der Wiedervereinigung wurde im wesentlichen durch Rückübertragungen (VEG, Treuhand) und Neustrukturierungen der LPG verursacht, abgesehen von Umweltproblemen in manchen Gebieten. Clevere Holländer u.a.haben dann Anlagen hier gekauft und dann in moderne Technik investiert( auch ins Tierwohl).Soweit zur Historie der DDR-LW und ihrer Entwicklung in den Regionen.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Die Investitionen sind doch nicht aufgrund mangelnden Tierwohls geschehen Frank. Es ging um Modernisierung von Fütterungstechnik, Verbesserung von Lüftung, Verbesserung der Arbeitsökonomie, Lagerraumschaffung etc. aber niemals um Tierwohl….es sei denn um die Anpassung von DDR-Recht an Bundesrecht.

        PS. : Die SMR- Kühe hätten noch jahrelang in die Abmessungen der Stallanlagen gepasst. Leider stellten die meisten Betriebe auf HF um, so dass die Abmessungen nicht mehr passten….

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        • Christian Bothe sagt

          R.S.So ist es! Die von Prof.Schönmuth „konstruierten“ SMR Kühe brachten hohe gewünschte Fettleistungen! Aufgrund des Rahmens der Tiere war die Milchmenge nicht so hoch wie heute…War aber eine tolle Zucht und ich habe viel mit dem VEB Tierzucht zusammen gearbeitet. Tiere wurden auch über die Tierzucht exportiert( SU, Griechenland u.a.).Allerdings unsinnig war die Anpaarung von zuchtuntauglichen Färsen mit Charolais.Das führte zu großen Kälbern und diversen Schwergeburten! Typisch DDR: man wollte damit die Rindfleischversorgung verbessern… Ergänzend dazu noch die Färsenvornutzung, ein weiteres Übel.

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  13. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Schweinehaltung mit Tierwohl finden Verbraucher gut,aber wollen ungern etwas mehr dafür bezahlen!

    Die überwiegende Mehrheit der Verbraucher kauft GUT und GÜNSTIG,weil sie auch nach Malle in den Urlaub fliegen wollen.

    Prof.Windhorst von der Uni Vechta hatte schon vor 40 Jahren gesagt: Die Entscheidung ist immer für Mallorca!

    Das heisst, das Vergnügen ist wichtiger als das Essen!

    Auch ist für unseren Landwirtschaftsminister letztlich das Ziel, Tierhaltung abzuschaffen,weil ja Fleisch angeblich für den Klimawandel verantwortlich sein soll.

    (Leserbrief von mir an unsere Zeitungen hier)

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    • Christina sagt

      Tierwohl … Wir wollen doch alle, dass es den Tieren gut geht, egal ob Rind, Schwein, Hund, Hund oder Pferd?! Wenn ich als Verbraucher noch mehr Tierwohl will, muss ich auch dafür bezahlen! Punkt.
      Leider kann es sich tatsächlich nicht jeder leisten, Fleisch direkt am Hof oder in der Metzgerei zu kaufen; muss man auch mal sagen.
      Wozu aber diskutieren über einen Tierwohl-Cent?? Könnte doch auch Tierwohl-Euro heißen?! Wir wissen doch alle, dass das Geld sowieso niemals bei Euch ankommt und die Höfe werden tatsächlich irgendwann sterben. Man kann ja trotzdem noch träumen und hoffen, dass alles gut wird! Ich tu’s jedenfalls noch! Ich fliege übrigens nicht nach Malle, ich bleibe an der Nordsee! Liebe Grüße

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