Bauer Willi
Kommentare 26

Der Schaffner ist schuld

Sind Sie in der letzten Zeit einmal mit der Deutschen Bundesbahn gefahren? Und hatte der Zug – wieder einmal – Verspätung?

Nun sitzen Sie im Zug, der Termin, den Sie einhalten wollten, klappt nicht mehr und nun kommt der Schaffner und fragt Sie nach dem Fahrausweis. Wie ist Ihre Reaktion? Nicht unwahrscheinlich, dass Sie wütend sind und nun auf den Schaffner losgehen: „So ein Mist. Immer das gleiche mit euch. Da will man mal auf das Auto verzichten und dann so was. Kein Verlass auf euch. Was war denn jetzt schon wieder los? Das war das letzte Mal, dass ich mit der Bahn gefahren bin. Sauerei!“

So, dem haben Sie es aber mal gesagt! Der Schaffner hat nun zwei Möglichkeiten zu reagieren:

Erste Möglichkeit: er nimmt achselzuckend Ihren Fahrausweis, entwertet ihn und geht ohne weitere Worte weiter. Ihre Reaktion: „So ein Stoffel, den scheint das alles nicht zu interessieren. Typisch Bundesbahn“. Und Ihr Zorn bleibt.

Zweite Möglichkeit: er schaut Sie freundlich an, und erklärt, dass er Ihren Zorn gut verstehen kann. Die Sparmaßnahmen der Bahn-AG hätten aber dazu geführt, dass nicht genügend Schaffner zur Verfügung standen, um den Zug rechtzeitig losfahren zu lassen und dass man ihn vor einer Stunde angerufen hätte, ob er nicht außerplanmäßig einspringen könne. Außerdem hätte es eine Störung im Stellwerk gegeben. Ihre Reaktion: „Sie haben es aber auch nicht leicht. Schön, dass Sie das gemacht haben. Ich werde das mal bei entsprechender Stelle anbringen, damit Ihnen das nicht wieder passiert.“

Ihr Zorn, der eben noch Ihren Blutdruck deutlich angehoben hatte, ist verraucht. Sie haben eine plausible Erklärung und stellen fest, dass der Schaffner nicht schuld ist.

Wir Bauern sind die Schaffner für Lebensmittel. Wir sind diejenigen, die erklären können, warum es manchmal nicht so läuft, wie es eigentlich laufen sollte. Wir sind vor Ort, wir sind ansprechbar, wir kennen die Hintergründe, uns kann man fragen. Und wir haben auch zwei Möglichkeiten: Mit der Achsel zucken oder erklären.

Wenn wir es nicht erklären, kann es sein, dass der Fahrgast beim nächsten Mal auf Alternativen wie den Fernbus oder das Flugzeug umsteigt. Dann haben wir ihn möglicherweise für immer verloren.

Euer Bauer Willi

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26 Kommentare

  1. Stadtmensch sagt

    Ich als Reisender im Zug des Unternehmens Industrielle Landwirtschaft würde am liebsten auf die Reise verzichten und mit dem Fahrrad fahren.
    Das Personal schiebt Dienst nach Vorschrift und fühlt sich für nichts verantwortlich außer für das, was am Monatsende auf dem Konto landet.
    Immer wieder wird es von Reisenden und Teilen der Wissenschaft auf die Probleme mit dem Zug hingewiesen. Er wäre laut, unbequem, überdimensioniert und würde daher Energie verschwenden.
    Das Personal weist sämtliche Verantwortung von sich, weil die Beförderungsbedingungen schließlich klar geregelt sind (Markt) und nachweislich dem Stand der Technik entsprechen.
    Wer nicht zufrieden sei, könne ja gerne mal schauen wie das damals war mit Holzklasse usw.
    Die meisten Reisenden sind dennoch zufrieden und meinen, für die Energieverschwendung nicht zahlen zu müssen.
    Sie glauben nicht daran, dass irgendwann eine Rechnung kommt und selbst wenn…
    Sie freuen sich wenn sie ihr Reiseziel erreichen, wenn sie ihre Notdurft verrichten, eine rauchen und am Automaten einen Snack ziehen können.

    • bauerhans sagt

      ” Industrielle Landwirtschaft”

      ein künstlicher begriff,wie massentierhaltung,um zu verunglimpfen.

      • Stadtmensch sagt

        Es verunglimpft aber nicht so sehr wie “esoterischer ängstlicher Philosoph”. Aber ich hab mich ja auch nicht angesprochen gefühlt.

  2. bauerhans sagt

    es gibt zwei arten von verbrauchern:
    die einen kaufen preisgünstig, wissen,dass sie keine schlechte qualität bekommen und sind im gespräch nicht überrascht,dass der eine bauer nicht unzufrieden,der andere sehrwohl unzufrieden ist,unterstützen die bauern sofort verbal,aber würden nur höhere preise zahlen,wenn sie denn müssten.

    die anderen sehen überall gefahren,beim einkaufen,beim autofahren,in der schule,im urlaub,im krankenhaus und versuchen quasi,nach ihrer eigenen philosophie zu leben,die ich als esotherisch einstufe.
    die kaufen dann das,was angesagt ist, geld wird dann woanders eingespart(bei der miete,bei klamotten,beim auto)

    ich hatte schon mit beiden gruppen zu tun und behaupte hier ganz vollmundig:
    ein gespräch mit beiden gruppen bringt nix!

    mit der bahn bin ich übrigens zufrieden,allerdings benutze ich die nur 4 bis 5 mal im jahr und wähle den zug,dass ich zeitig am ziel bin.

  3. Josef sagt

    Ein treffender Vergleich. Ja, wir müssen erklären wie Landwirtschaft funktioniert. Aber, um beim Bild zu bleiben, wenn der Zug in eine Richtung fährt, die der Fahrgast nicht will und auch nicht bestellt hat, helfen alle Erklärungen nichts.

  4. Gast sagt

    Dumm nur, wenn der Bahnkunde dann den deutschen Schaffner auf die Schweiz verweist, wo es läuft (selbst die von Schweizer Gesellschaften im Schwarzwald betriebenen Bahnen sind überpünktlich).

    Blöd wäre der Schaffner, wenn er nun beginnt die Schweizer zu verunglimpfen und behauptet, das ginge doch gar nicht.

    Dumm für den Bauern, wenn der Verbraucher auf Ökolandbau verweist, wo es läuft. Blöd wäre der Bauer, wenn er nun beginnt den Ökolandbau zu verunglimpfen 😉

    • bauerhans sagt

      “Dumm für den Bauern, wenn der Verbraucher auf Ökolandbau verweist…”

      joo,diese erfahrung hab ich auch,dass mich ein bekannter auf unseren biobauern hinweist……wo der hund im hofladen beim vorbeilaufen an den lebensmitteln leckt,das unkraut die gemüsekleinparzelle völlig überdeckt und der verband ihn dann raus schmeisst,weil der strohzukauf nicht in die richtlinien passt.
      mittlerweile isser pleite.

      • Stadtmensch sagt

        uiuiui: Wie Alois schon sagt: Armdrücken ist das Mittel der Wahl in solchen Fällen 😉

      • Christian Krupp sagt

        Was ist daran typisch für öko? Evtl. das Unkraut aber das kannst du ja gerne durch eine Fehlbehandlung mit CCC, Moddus oder ähnlichen Wachstumsreglern ersetzen….. Ergebnis bleibt das gleiche: Ernte fällt aus!
        Konventionelle Kollegen gehen auch Pleite. ….
        Was also soll dieser Kommentar??
        Inhaltlich nix Wert!
        Weder sarkastisch noch humorvoll…..
        Bitte beim nächsten Mal erst nachdenken dann schreiben!
        Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche ….
        1. Besser machen!
        2. aufstehen und handeln, schwarze Schafe gehören aufgeklärt und bei Beratungsresistenz aussortiert!
        3. weniger lästern!

        4. Danke!
        Viele Grüße Biobauer Christian

        • Gast sagt

          genau das meinte ich, kaum taucht irgendwo das Stichwort öko oder bio auf, kommt einer daher, in dem Fall Bauer Hans, der wie immer einen kennt, der von einem weiss, dass dieser ganz genau überzeugt ist, daß Bio oder Öko nicht funktioniert.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Es wird doch noch möglich sein, dass ein Landwirt seine Chancen als BIO-Landwirt negativ beurteilen kann, ohne die Meinung eines gewissen Andreas Fendt einholen zu müssen.

          Habe es schon mal beschreiben, wenn sie mit ihrem Betrieb und ihrer persönlichen Lebenslage glücklich sind, damit kann ich gut leben.
          Bin aber überzeugt, dass die meisten eine andere Lebenseinstellung haben.

          • Gast sagt

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Auch eine 100malige Wiederholung ihres Kommentars ist nicht notwendig, weil wie sie den Inhalt ihres Beitrages selbst beschrieben haben, er liegt bei 0. 🙁

  5. Öko-Sepp sagt

    Uupsie… und wenn wir es mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten?
    Wir Bauern sind die Bahn, stellen den Grundstock bereit, schaffen die
    Vorraussetzungen, dass der Schaffner tätig werden kann, oder einfach:
    Uuuurproduktion. Wir produzieren keine! Lebensmittel ( ok – Ausnahmen
    bei Kartoffeln, nahezu bei Milch). Wir haben nicht mal Einfluss auf
    unsere Ticketpreise. Die Schaffner sind die Molkereien, Adekas, Rewis
    und Eldis. Die könnten doch auch erklären, warum es manchmal nicht so
    läuft, Werbeetat dürfte genügend vorhanden sein.

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