Bauer Willi
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Brasilien Tag 6

Am frühen Morgen hat es in kurzer Zeit 60 mm geregnet. Ein Segen für die Farmer, die jetzt ihren Mais gesät haben. Erstaunlich: als wir gegen 11 Uhr aufs Feld gehen ist das Wasser vollständig verschwunden. Gegen späten Nachmittag geht die Saat weiter, nur die Soja-Ernte wird unterbrochen.

Was gibt es Neues für uns? Was in Deutschland kaum einer weiß: wer in der Region Mato Grosso Flächen bewirtschaftet, muss 35% seiner Gesamtfläche als Waldfläche (Reserva) vorweisen. Ohne diese Maßnahme darf er keine Landwirtschaft betreiben. Die Kontrolle geschieht durch Einmessen und Kontrolle über Satellit. Wer einen einheimischen Baum fällt, muss dafür eine Genehmigung einholen. Bei Mißachtung gibt es eine sehr hohe Geldstrafe, bei besonders schweren Fällen wird ein Berufsverbot erteilt.

Der Betrieb von Jose Eduardo ist 1800 ha groß, 600 ha sind Reserva, also ursprünglicher Wald. Im Anbau sind Soja, Mais und eine Art von Zwischenfrucht aus 10 Pflanzenarten, die aber nicht geerntet wird, sondern der Bodenverbesserung dient. Der Betrieb hat einen Humusgehalt von um die 4%. Es werden Messungen gemacht, umd den CO2-Fußabdruck festzustellen und mit der Reserva zu vergleichen. Das Bild oben ist eine solche Reserva, die aber vom Wuchs her deutlich niedriger ist als der Amazonas-Regenwald. Mato Grosso ist noch subtropisch und mit 1.500 bis 1.800 mm pro Jahr trockener.

Der Betrieb betreibt auch eine Saatgutproduktion von Mais. Seine Schweineställe hat er verpachtet, der Pächter produziert pro Jahr 11.000 Mastschweine in drei Durchgängen. Alle Schweine werden im Offenstall gehalten, bei Bedarf mit Sprinklern gekühlt. Verkauft werden die Schweine mit 120 kg. Die Gülle geht in eine Biogasanlage und dann als Dünger aufs Feld. Strom wird mit der hofeigenen Photovoltaik erzeugt, der Rest eingespeist.

Noch einmal erfahren wir über die Probleme der Logistik. Zum Hafen Santos sind es 2.300 km, nach Santarem im Norden am Amazonas zwar nur 1500 km, allerdings muss dann in kleine Schiffe umgeladen werden die zum Hafen am Atlantik fahren und dort nochmals umgeladen werden.

In Mato Grosso werden ständig neue Arbeitskräfte gebraucht, es werden im Vergleich zum Rest von Brasilien sehr gute Löhne gezahlt.

Nach dem Besuch der Farm sind wir mal eben wieder  rund 300 km mit dem Bus zurück nach Cuiaba gefahren. Die Strassen sind voll mit LKW, es gibt nur die eine Strasse von Cuiaba zum Amazonas.

Ich muss Schluss machen, in 10 Minuten gehts zum Abendessen.

Noch ein Hinweis. Unsere Termine sind sehr eng getaktet und nicht überall ist das Internet verfügbar, so dass ich wenig dazu komme, die Kommentare zu lesen oder zu beantworten. Ich bitte um Verständnis.

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32 Kommentare

  1. Rößle Rudolf sagt

    Ich glaube nicht, dass die Landwirte das Land zerstören. Es ist eher die internationale Holzindustrie. Wir haben im Kopf noch einen ausgeprägten Rohstoffkolonialismus.

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  2. Bauer Fritz sagt

    5 Jahre sind die diversen Parteien mit den Bauern und der Landbevölkerung umgesprungen als seien sie der letzte Dreck. Es konnten alles gar nicht grün genug sein, schnell genug umgesetzt werden, zwangsweise durchgeboxt werden. Andere Parteien haben sich auch nicht wirklich mit Ruhm bekleckert, da sie dem Treiben eher stillschweigend zugesehen haben.

    Nun plötzlich stehen Wahlen allerorts vor der Tür und da merken manche, daß das blöde Stimmvieh doch auch brüllen und zurückschlagen kann, wenn man es derart malträtiert.
    Und siehe da, plötzlich scheint man die Menschen wieder wahrzunehmen.

    1) https://www.agrarheute.com/politik/agrardiesel-bundesrat-verschiebt-beschluss-ueber-kuerzung-615996

    2) https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/eu-kommission-kassiert-gap-stilllegung-fur-2024-20000027.html

    Riecht zwar immer noch sehr streng nach Hinhalte- und Verschiebetaktik.

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  3. Frikadellen piet 45 sagt

    hallo ich habe da mal eine Frage welches Bier trinkt man in Brasilien und schmeckt das gut trinken die dort gerne Flaschenbier in einer Kneipe aus Gläsern oder doch lieber Dosenbier
    wird dort überhaupt Braugerste angebaut

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    • Artur Friedenreich sagt

      Es gibt verschiedenste Sorten an Bier. Gerne wird in den Kneipen gezapftes Bier getrunken (Choppe), es gibt aber auch jede Menge verschiedener Bier in Flaschen als auch Dosen. Es gibt Pils, Weizen und verschiedene andere Biersorten, auch Importbiere aus Deutschland, Belgien und so fort. Ich persönlich trinke gerne „Eisenbahn“ Pils aus Blumenau, nach dem Reinheitsgebot gebraut, aber auch z.B. „Baden Baden“.
      Eines muss Bier hier vor allem sein: sehr kalt. In der Regel -1 Grad, gerne in vereisten Gläsern. Bei 30Grad Außentemperatur versteht man schnell warum das besser ist. https://www.eisenbahn.com.br/
      https://www.badenbaden.com.br/

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    • Harm Beckröge sagt

      Das Bier schmeckt sehr gut. Es heißt z. B. Eisenbahn und wurde von einem Deutschen gebraut. Heute ist es von Inbev (wie Becks).

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  4. Christian Bothe sagt

    Auch wieder interessant, lieber B.Willi! Insbesondere die Infos über die nachhaltige Bewirtschaftung in dem Betrieb und deren Kontrolle. Wo liest man das hier in der BRD oder EU? Vor Ort Infos von Fachleuten wie ihr sind die beste und sicherste Informationsquelle!

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    • Smarti sagt

      Da wäre doch mal interessant, wie hoch in Brasilien der Pachtpreisspiegel ist. Aufgrund der immensen Dimensionen schätze ich einfach mal: ein Hundertstel von Deutschland ? Ausserdem dürfen sie selber bestimmen, welches Land vom Betrieb ( und da steht ja viel zur Wahl ) sie “stehen lassen bzw. renaturieren”. Hier in Deutschland muss es Ackerland sein – also die teuersten Schokoladenflächen. Auch hier in Deutschland stehen viele Waldflächen, doch obwohl sie teils zu Betrieben gehören und nicht als Gras-oder Acker genutzt werden dürfen, zählen die Wälder nicht zu den 4 %.

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      • Bauer Willi sagt

        Die Pacht und Kaufpreise werden in Sack Soja abgerechnet, was es etwas schwierig macht. Die Kaufpreise liegen mit rund 20.000 € allerdings viel höher, als wir es erwartet hätten.
        Die Größenangaben sind tatsächlich anders als in Deutschland, weil die Reserva mit in die Betriebsgröße eingerechnet wird, obwohl sie ja für den Landwirt keinerlei Nutzen hat. Übrigens schwankt der Anteil von Region zu Region.

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        • Hermann Hollerbach sagt

          Das mit 20tsd ist nicht richtig
          Das mit dem Sackgewicht wurde verwechselt.
          Nur bei 3 Ernten im Jahr und auch nur in Paraguay sind 15000euro Standart

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      • Marian E. Finger sagt

        @ Smarti
        Naja, gestern hat der Stadtmensch verlinkt, dass lediglich 28% von Brasiliens Fläche landwirtschaftlich genutzt werden. In Deutschland sind es 50% und knapp 30% Waldflächen. Da ist es ja nicht so ganz korrekt, diese 30% Waldflächen jetzt mit den 4% in einen Topf zu werfen. Mit einer ähnlichen Verschwurbelung verschiedener Bereiche könnte man dann auch behaupten, dass in Deutschland 70% Waldfläche angestrebt werden müssen.

      • Hermann Hollerbach sagt

        In Brasilien kauft man das Land.
        Bezahlt wir in Säcke….
        zB 1000 Sack Soja der ha.Diese kann der Verkäufer in 3-5 Jahren vom Käufer an der Börse verkaufen.
        Pachten gibt’s natürlich auch allerdings ist dieses nicht die Regel bzw nur vorübergehend.
        Wer will schon fremdes Land auswerten.

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    • Ulrich Schröter sagt

      Brahma, gehört zum Weltgrößten Braukonzern.
      Belgisch/Brasilianisch zu dem auch Becks gehört. Kann man sehr gut trinken.
      Alternativ gibt es auch Heiniken und Becks.
      Antarktica, auch Brasilianisch.
      Bras hat gute Biere.

  5. Marian E. Finger sagt

    Da sind die Landwirte hier in Deutschland mit Flächenstilllegungen von 4% aber gut dran. Worüber regt ihr euch also auf?

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    • Bauer Fritz sagt

      Vielleicht weil man für diese Flächen ohne Einkommen dennoch Steuern, Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge bezahlen muß …..

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    • Reinhard Seevers sagt

      Genau Marian….sollen die GDLer doch in Brasilien Lokomotive fahren, da haben sie es noch schlechter….was regen die sich auf. 😁

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    • Smarti sagt

      Da wäre doch mal interessant, wie hoch in Brasilien der Pachtpreisspiegel ist. Aufgrund der immensen Dimensionen schätze ich einfach mal: ein Hundertstel von Deutschland ? Ausserdem dürfen sie selber bestimmen, welches Land vom Betrieb ( und da steht ja viel zur Wahl ) sie “stehen lassen bzw. renaturieren”. Hier in Deutschland muss es Ackerland sein – also die teuersten Schokoladenflächen. Auch hier in Deutschland stehen viele Waldflächen, doch obwohl sie teils zu Betrieben gehören und nicht als Gras-oder Acker genutzt werden dürfen, zählen die Wälder nicht zu den 4 %.

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    • Bauer Willi sagt

      @Marian
      Für mich als Landwirt ist es schon ein Unterschied, ob ich 4% meiner Produktion stillegen muss oder ob meine Betriebesfläche historisch immer die 30% beinhaltete. Vergleichbar wäre es, wenn jetzt der brasilianische Staat verordnen würde, dass die Farmer ab nächstem Jahr 34% Reserva vorweisen müssen. Nur so, wegen “aufregen”…

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    • Frank sagt

      Vielleicht vergleichen Sie gerade Stilllegungen von bislang bewirtschafteten Flächen hierzulande mit dem Stehenlassen von noch nie für die LW genutzten Flächen, von denen noch dazu große Mengen scheinbar ohne großen Druck in Richtung Bewirtschaftung zur Verfügung stehen?
      Also Äpfel mit Apfelsinen?

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  6. Frikadellen piet 45 sagt

    guten Morgen redet da die Bevölkerung auch viel darüber dass sie Landwirte die Schweine besser halten sollen das war nämlich gerade hier wieder im MoMA

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  7. Burkhard Schön sagt

    Danke für die Berichte ! 60mm Niederschlag sind hier schon ein Unwetter, 4 % Humus habe ich glaube ich auf keinem Acker. Sie bestätigen meine Eindrücke der professionellen Landwirtschaft in Brasilien. Ich finde es persönlich schon lange falsch immer auf die brasilianischen Bauern zu schimpfen, in dem wir immer von den angeblich höheren Standards reden in D. Unsere hohen Standards sind in weiten Teilen irre Auflagen und Beschränkungen. Das sind Kollegen mit anderen Rahmenbedingungen. Ich war damals auch in Mato Grosso in Rondonopolis als ganz normaler Arbeiter…

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    • Reinhard Seevers sagt

      Ich glaube es ist hier wie dort falsch eine Pauschalisierung DER Landwirtschaft vorzunehmen. Ich glaube auch nicht, dass man die beiden Landwirtschaften überhaupt vergleichen kann und muss. Wir müssen für unser Land “lediglich” entscheiden, ob wir überhaupt noch eine Landwirtschaft haben wollen. Die Diskussion um qualitative Vergleichbarkeit ist in meinen Augen eher ein “Wasser auf die Mühlen” der Freihandelsbefürworter bei gleichzeitiger Infragestellung der eigenen Landwirtschaft.
      Im Moment tourt gerade Anthony Lee von Demo zu Demo und postuliert die beste Landwirtschaft der Welt, mit den bestausgebildeten Landwirten der Welt auf den besten Standorten der Welt…..vielleicht ist das das nächste Eigentor. (?)

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    • Bauer Willi sagt

      Ich berichte, was ich sehe und höre. Und das ist anders, als es in Deutschland bekannt ist. Was davon “besser” oder “schlechter” ist, soll jeder für sich entscheiden. Was wir alle aber erkennen: in Brasilien wird von den Landwirten sehr viel für die Natur gemacht, egal ob freiwillig oder unfreiwillig.
      Das Cerrado gerodet wurde und zum Teil auch noch immer wird, steht außer Frage. Mir kann aber auch niemand glaubhaft erklären, woher die Lebensmittel kommen sollen, wenn wir die Produktion runterfahren und Brasilien sie nicht rauffährt.

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      • Frank sagt

        “Das Cerrado gerodet wurde und zum Teil auch noch immer wird, steht außer Frage.”

        Das kann Deutschland ja nicht ernsthaft jemandem vorwerfen. Das mit dem Wald in Kulturlandschaft verwandeln haben wir hierzulande schwerpunktmäßig historisch nur zu einer anderen Zeit gemacht, wie z.B. die ganzen Orte, die auf „-rode“, „-rade“, „-ried“ und „-reuth“ enden, belegen.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Der Unterschied ist der,
          das damals der Hunger die Menschen dazu getrieben hat, Wald zu roden.

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          • Reinhard Seevers sagt

            Und heute wird der Wald nur zum Spaß gerodet…..😦
            Denn heute kann man bei Lieferando bestellen, ohne einen Wald zu roden!☝️
            Und wenn dafür einer gerodet werden sollen müsste, dann kann man ihn bei Greanpeace gegen eine geringe Gebühr kompensieren lassen! 🤡….alles so schön bunt hier….😖

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Sind wir jetzt beim Karneval?

              in den Gemeinderatsprotollen meiner Gemeinde von ca. 1850, steht eindeutig, dass Gemeindewald gerodet wurde und als Allmend versteilt wurde, dass armen Menschen ihr Essen anbauen konnten.
              Selbst gelesen, alles in altdeutschen Schrift, nicht Sütterlin.

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              • Reinhard Seevers sagt

                Du hattest doch geschrieben, dass früher der Wald wegen des Hungers gerodet wurde, das impliziert ja, dass die 8fache Bevölkerung heitzutage diese Handlung nicht wegen Hunger machen würde…..oder müsste, sonder aus Spaß. War das eine Büttenrede?

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      • Reinhard Seevers sagt

        “Was wir alle aber erkennen: in Brasilien wird von den Landwirten sehr viel für die Natur gemacht, egal ob freiwillig oder unfreiwillig.”

        Das hört sich ganz weit hinten im Kleinhirn an, als ob unsere Landwirte dies nicht täten….oder nehme ich das nur so wahr?
        Ich warne vor Vergleichen. Wenn ich 3000ha Acker-, Weide- und Buschland besäße und darauf unter guten Bedingungen und extensiver Wirtschaftsweise gutes Geld verdienen kann, dann ist es ein Leichtes sich ein “Natur” anzuheften.
        Wenn ich dagegen von 30ha in einer industriell und infrastrukturell ausgereizten Umgebung noch Natur abzwacken soll, dann ist das schon eine andere Nummer oder? Wir vergleichen wirklich Äpfel mit Apfelsinen.
        Ich glaube auch nicht, dass ein Brasilianischer Kleinbauer überhaupt eine Chance auf dem Markt hat, kann das sein? Will sagen: Die Zukunft wird der Überseeische Großbetrieb mit zertifizierter Natur und Fläche für deutsche CO2-Kompensation-Potenziale sein.☝️😎

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        • Sandy Schöler sagt

          Hallo Reinhard,
          alle Landwirte, klein und gross, müssen diese 20-35% Waldreserve und Uferwald nachweisen, nicht nur die Grossen. Und jeder hat seine Daseinsberechtigung am Markt. Natürlich arbeiten die Kleinen anders und einfacher und mit weniger Technik, aber auch sie überleben und leben bei gutem Management ganz gut. Viele Grüsse aus Brasilien.

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