Bauer Willi
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Bambi-Mörder…

Heute ein etwas schwieriges Thema: Gras-Ernte und Rehkitze. Schwierig aus zwei Gründen:

1. wir haben kein Grünland und kein Vieh. Folglich habe ich keine Ahnung und brauche eure Meinung

2. weil es immer wieder zu „Zwischenfällen“ kommt mit Bürgern und Jägern

So hat mich ein Nachricht erreicht, in der geschildert wird, das „im Eifer des Gefechtes“ eine Parzelle von 50 Ar nicht dem Jäger gemeldet wurde. Alle anderen schon, aber eben diese nicht. Der Landwirt hat die Parzelle begangen, aber dann beim Mähen doch zwei Rehkitze übersehen. Schlimm für die Kitze, aber auch schlimm für den Landwirt, der sich Vorwürfe macht.

Der Vorfall wurde beobachtet, nun meldet sich der Jagdinhaber und fordert vom Landwirt pro Rehkitz eine Entschädigung von 600 €. Das ist deutlich mehr, als man heute für ein Kalb erlösen kann. Ich weiß nicht, wie ein ausgewachsenes Schaf entschädigt wird, dass vom Wolf gerissen wurde.  Weiß jemand von euch, ob der Jäger einen Rechtsanspruch auf die getöteten Kitze hat? Und gilt dieser Anspruch auch für von Autofahrern getötetes Rehwild? Müssen diese dem Jäger auch eine Entschädigung zahlen? Wie gesagt, ich weiß es nicht. Vielleicht gibt es auch regionale Unterschiede.

Wie ist es überhaupt mit der Kitz-Suche? In den sozialen Medien wird von der Kitz-Suche mit der Drohne und einer Infrarot-Kamera berichtet. Wie gut funktioniert das, und wo sind die Grenzen? Auch hier würde ich gerne die Erfahrungen austauschen. Ich habe gehört, dass ab einer bestimmten Temperatur die Infrarot-Sensoren nicht mehr zuverlässig arbeiten.

Wie gesagt, kein „schönes“ Thema, aber eines, mit dem Landwirte täglich zu tun haben. Und das sehr öffentlichkeitswirksam ist. Denn wer will schon gerne als „Bambi-Mörder“ beschimpft werden.

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34 Kommentare

  1. Marko sagt

    Der Vorfall wurde beobachtet, nun meldet sich der Jagdinhaber und fordert vom Landwirt pro Rehkitz eine Entschädigung von 600 €.

    Könnte man nicht im Gegenzug dem Jagdpächter die Futterkosten für seine potentielle Weihnachtsbraten in Rechnung stellen??? 😉

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  2. Ferkelhebamme sagt

    Heute morgen um 4 Ihr ca. 7 ha mit der Drohne abgeflogen: 1 Kitz, 1 Junghasen und ein Fasanengelege gefunden, mehrer Kitze sind eigenständig geflüchtet, die Ricken haben hier in diesem Jahr früher gesetzt als üblich.
    Die Drohne ist schon sehr effektiv, wenn sie korrekt eingesetzt wird, aber natürlich z.Zt. auch sehr gefragt. Ist es nicht möglich, die Drohne zu buchen, gehen wir abends vorher mit den Hunden die Flächen ab, produzieren viel Unruhe und verteilen Klopaperblättchen mit Omas aufdringlichsten Parfüm. Das animiert die Ricken, ihre Kitze aus der Gefahrenzone zu holen, bzw. nicht wieder einzusetzen.
    Nur Abgehen bringt nicht viel (ist aber besser als Nichtstun), da muss man schon drüber stolpern, so gut getarnt wie sie sind. Es besteht aber die Chance, dass die Ricken sie dann holen. Unsere Hunde haben auch schon Kitze gefunden, wahrscheinlich anhand der Rickenfährte.
    Gemäht wird dann natürlich mit Pieper von innen nach außen. Leider ist das immer noch keine Selbstverständlichkeit, wie man auch in diesem Jahr sehen konnte. Solch ein Gebahren von „Kollegen“ darf im Berufsstand nicht geduldet werden. Schwarze Schafe gibt’s auf beiden Seiten. So hatte der Jagdinhaber des Nachbarreviers, wo wir auch eine kleine Wiese haben, keinen Bock, sich durch das hohe Gras zu kämpfen. Sollten wir doch bitte selber machen.
    Die Schadenersatzforderung ist Schwachsinn, generiert aber natürlich viel Aufmerksamkeit.

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  3. Ludwig sagt

    Nach dem Jagdrecht ist Wild „Herrenlos“ . Es gehört also niemanden, auch dem Jagdpächter nicht.Erst wenn er das Wild erlegt hat gehört es ihm. Wie der zu dieser Geldforderung kommt ? Anscheinend will er die Jagd wohl nicht wieder pachten , denn die Landeigentümer entscheiden über den Jagdpächter ob er die Jagd wieder bekommt. Ein ermahnendes Gespräch hätte wohl auch genügt.

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  4. Johann sagt

    Wirbeltieren darf nicht unnötig Leid zugefügt werden. Wann verlangen die ersten Tierschützer, dass Maulwürfe, Feldmäuse und Feldhasen geschütz und die Felder abgesucht werden müssen?

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    • Andi sagt

      Johann, das ist jetzt kein Witz. Vor einigen Jahren wurde ein Landwirt angezeigt, weil er eine Maus überfahren hatte. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat das Verfahren nach einigem hin und her dann eingestellt. Bin mir nicht sicher, ob das heute auch noch so wäre.

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  5. Ostbauer sagt

    Also erstens ist „Bambi“ kein Rehkitz sondern ein Sikakalb.(könnt ich mich jedes Mal drüber aufregen). 🙂
    Zum Schadensersatz hat Ch. Blankenburg alles gesagt.
    Entscheidend ist der zeitliche Zusammenhang zwischen Setzzeitpunkt der Ricken und dem Mähzeitpunkt. In trockenen Frühjahren fällt der meist auseinander, so das kaum etwas passiert. Meistens jedoch fallen beide zusammen.
    Solange die Kitze ganz jung und geruchslos sind, hat man mit dem Hund keine Chance.
    Da hilft wirklich nur die Drone, aber wie hier schon gesagt; nur am Morgen; selbst dann erwischt man nicht alle. Alles andere ist bei unserem Rehwildbesatz relativ“ umsonst“.
    Selbt am Tage während des Mähen wechseln Ricken in den noch zu mähenden Bestand ein- die findest du nie.
    Wir haben das Glück, dass wir einen Hobbydrohnenpiloten haben, der ganz wild drauf ist, so halten sich auch die Kosten in Grenzen. Allerdings wird ja im Moment die ganze Drohnenfliegerei auch mit Verordnungen und Bürokratie überhäuft.
    Kitze tot mähen macht mit Sicherheit keinem Spass ( es gibt jedes mal einen Stich in der Herzgegend ), aber wenn man sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht hat, sollte es auch gut sein.
    Hab vorige Woche erst eine säugende Ricke von der Straße gekratzt und auch das Kitz rufen hören; hab den ganzen Tag versucht mit dem Hund das Kitz zu finden; leider erfolglos, da der Fluchtreflex schon da war.- deprimierend !

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    • Sabine Norbisrath sagt

      Ich dachte immer Disneys Vorbild für Bambi wäre ein Weißwedelhirsch gewesen, weil schließlich ist da die am weitesten verbreitete Art in den USA. Wobei die Romanvorlage keinen Hirsch sondern eben in der Tat ein europäisches Reh war. Felix Salten, der Erfinder von Bambi, war Österreicher und hat wohl weder einen Sikah noch einen Weißwedelhirsch je gesehen.
      Wie bei allem in Wad und Feld, müssen wir darüber reden, was wir wirklich wollen. Das man sich Mühe macht, die Kitze zu retten, ist sicher auch gesund für die Landwirte und Lohner. Ne Freundin von mir hat einmal so einen Unfall mit einem Kitz und das läuft ihr immer noch nach. Ich denke, das ist eine Belastung, die niemand braucht.

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      • Paulus sagt

        @Sabine, allein die Bezeichnung „Bambi“ ist doch schon völlig bescheuert. Und jetzt kommt Bauer Willi auch noch mit diesem Killefit um die Ecke.
        Uschi Glas nahm auf einer Gala des Burda-Verlages einen Bambi entgegen. Mir kommt bei so etwas immer die Kotze!

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    • Reinhard Seevers sagt

      Seit es Messerbalken und Kreiselmäher gibt, gibt es tote Rehkitze. Also gefühlt seit 100 Jahren. Seit es Internet gibt, gefühlt seit 20 Jahren, gibt es Probleme zwischen Tierschutz und Landwirtschaft…..ist doch komisch.

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      • Sabine Norbisrath sagt

        Es geht mir gar nicht darum wie andere das finden. Ich find ein Kitz mit abgemähten Läufen erlösen zu müssen, ist nichts was man in der eh schon stressigen Kampagne braucht. … und der Erfinder des Bambis war übrigens Jäger und das Buch hat eine sehr andere Ausrichtung. Im Buch stirbt der Jäger, den die Tiere für einen Gott halten und die große Lehre, die Bambi mit Hilfe seines Vaters daraus zieht, ist dass der Mensch eben kein Gott ist und es einen andere Gott geben muss, der alles gemacht hat. Das Buch ist grausamer, detaillierter und philosophischer.

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  6. Smarti sagt

    Bei uns kam dieses Jahr auch wieder die Drohne zum Einsatz. Es ist für „unsere Jagdpächter“ aber schwierig, freie Termine zu bekommen, denn der Drohnenpilot ist sehr gut gebucht. Deshalb macht der Jäger selber einen Pilotenschein und kauft sich eine Drohne für über 20’000.- Euro. Wir haben auch vorher zu Fuss mit 5-10 Personen und Hunden die Meisten Kitze gefunden und gerettet – aber manchmal halt auch eines übersehen. Seit zwei Jahren mit der Drohne ist es viel einfacher und die Jäger haben Dutzende Kitze ( auch winzig Kleine ) in der Wiese gefunden.
    Die Daten der Wiesen werden elektronisch übermittelt und der Drohnenpilot braucht „guten Empfang“, was nicht überall gleich gut klappt. Die Technik kommt aus China, man erkennt sehr gute Bilder, kann Steine von Kitzen unterscheiden und die Menschen direkt zu den Kitzen lotsen.

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  7. Christian Bothe sagt

    Lieber Bauer Willi, ich hatte Ihnen ja vor ein paar Tagen einen Zeitungsartikel dazu gesendet. Der Chef der AG hat mir eben gechattet,das die Drohne gut funktioniert und erfolgreich arbeitet.Sobald ich mehr Infos habe, stelle ich sie in dem Blog.

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    • Christian Bothe sagt

      Erste technische Ergebnisse :
      -es braucht einen Fachmann
      -4-6Uhr Wärmebildkamera funktioniert gut bevor Sonne kommt( Umgebung erwärmt sich zu sehr)
      -Drohne schafft in 2 h das was am Tag gemäht wird ca.60 ha
      -Fläche wird am Tag vorher eingescannt und Drohne fliegt jeden m² ab
      -früher mußte die zu mähende Fläche aufwendig abgelaufen werden
      -eine Förderung für diese Investition gab’s nicht wie teilweise behauptet!
      -es wurden schon viele Kitze gerettet, aber eine 100%ige Rettung gibt’s nicht

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  8. oberländer sagt

    Es ist nahezu ausgeschlossen das ein Jagdhund ein Rehkitz aufgrund seiner Witterung findet, eher stolpert der Jäger darüber.
    Die Wirkung dürfte eher in der Unruhe auf der Wiese liegen die die Ricke dazu
    veranlasst das Kitz an einen anderen Platz zu bringen .

    Es ist richtig nach den Kleinen zu suchen .

    Aber man darf nicht nach Petamanier eine Hetzkampagne gegen Landwirte daraus machen .

    Eine Unterstützung der Drohnen Piloten von Seiten der Jagdgenossenschaften und der Wildtierforschung , die dadurch auch die Möglichkeit der Markierung hat , ist äußerst wünschenswert

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  9. Schorsch Summerer sagt

    Letztes Jahr versuchten es wir mit einer Drohne. Wie bereits erwähnt ist das Zeitfenster für den Überflug sehr eng. Ab 9Uhr morgens ist meist schon Schluss. Es soll aber mittlerweile eine neue Technik geben die länger fliegen kann. Ja wenn Sie dann auch fliegen darf! 100m Abstand müssen zu Eisenbahnen, Stromleitungen, Autobahnen und Bundesstrassen eingehalten werden. Also konnte mit Augenzu nur 1 Feld von 20 Feldern beflogen werden! Allerdings erfolgreich.
    Wir haben eine andere Lösung gefunden. Der Jagdpächter stellt am Vorabend an einem Pfahl befestigte Rauchmelder in das Feld. Diese werden vorher mit Mehl eingestaubt und machen ein Dauerpulssignal. Funktioniert hervorragend. Kann aber die Anwohner belästigen. Wenn man mit denen redet ist aber meist alles in Ordnung. Zusätzlich hilft uns ein frühzeitiger Schnittzeitpunkt und hoffentlich der am Frontmähwerk aufgebaute akustische Wildretter. Die Kitze sind offenbar vor dem Ähren- und Rispenschieben überwiegend nicht gesetzt. Funktioniert bei der Heuernte natürlich nicht. Vor dem Wildwarner laufen vor allem Hasen und Katzen panisch davon.
    Zu unseren Jagdpächter haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Der mit seinen 600 Euro ist offenbar ein Ars…… . Vielleicht ist aber auch schon im Vorfeld etwas vorgefallen und nicht alle Bauern sagen vor dem Mähen bescheid. Wildverbiss und so weiter. Da sind die Fronten oftmals schon verhärtet.

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  10. Karl Timme sagt

    Wie häufig im Leben sind es die Gerichte und ihre Urteile die hier die Maßstäbe setzen.
    Der Landwirt hat die Mahd 24 h vorher den Jagdberechtigten anzuzeigen, -oder- das Grünland selber abzusuchen.
    Maßnahmen können das Aufstellen von Tüttenfahnen sein, dies soll den Rehen ermöglichen ihre Kitze aus der Fläche zubringen (später bringen sie die Kitze wieder zurück).
    Das absuchen mit Hunden kurz vor der Mahd ist auch eine Effektive Maßnahme, die gefundenen Kitze können dann aus der Fläche getragen werden.
    Die technische Lösung (Drohnen, aus dem Obstbau bekannte vergrämung) halte ich noch nicht für so effektiv. Bei der Drohne muß ein hoher Temperaturunterschied zwischen Kitz und Umgebung sein, bei höheren Tagestemperaturen nicht möglich, also Nacht- oder Morgensuche.
    Alle Maßnahmen garantieren keine Kitzfreiheit der Fläche, geben aber vor Gericht eine gewisse Rechtssicherheit.
    Ein gutes Verhältnis zu den Jagdpächtern und eine Vertrauensvolle zusammenarbeit hilft hier häufig weiter.

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    • Paulus sagt

      @Karl Timme, darf ich im Sinne meiner ehemaligen Company mal etwas angeben?
      Es gibt durchaus Sensorik die selbst eine Maus in der Mittagshitze lokalisiert, das ist kein Problem. In manchen Fluggeräten des Militärs wird diese Technologie nicht erst seit gestern verbaut. Von den Kosten her ist es allerdings illusorisch zu glauben, dass solche Systeme auch in der zivilen Anwendung zum Einsatz kommen. Damit werden noch nicht einmal die Helikopter der Polizei ausgestattet. Dies nur mal so am Rande.

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      • Karl Timme sagt

        Paulus, diese Technik ist mir von der Bundeswehr her bekannt und wie sie schon sagen in der Anwendung zur Kitzrettung außerhalb der finanziellen Möglichkeiten. Es sei denn die Bundeswehr bietet zu Ausbildungszwecken ihre Hilfe an.

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      • Karl Timme sagt

        Nicht nur in den Fluggeräten kommt diese Technik zum Einsatz, auch Landgestüzte Waffensysteme sind seit geraumer Zeit hoch Elektronisch ausgerüstet.

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  11. Christoph Blankenburg sagt

    Zunächst oute ich mich jetzt einmal als Landwirt, Jäger, Jagdpächter und Ausbilder und Prüfer in Sachen Jagdrecht in unserem Kreis.
    Der Jagdausübungsberechtigte hat natürlich keinerlei Anspruch auf Schadensersatz gegenüber dem Landwirt. Nach dem Gesetz ist Wild herrenlos. Dem Jagdausübungsberechtigten in einem Revier steht lediglich das Aneignungsrecht zu. Egal auf welche Weise Wild zu Schaden kommt, kann also niemals ein Anspruch erhoben werden, weil dieser Verlust ja eintritt vor einer Aneignung. Die Höhe der Forderung ist ebenfalls völlig abwegig. Ein Schmalreh oder ein einjähriger Bock bringt aufgebrochen 12 bis 15 kg auf die Waage. Beim Wildhändler erlöst man dafür je nach Region 4,- bis 6,- € je kg, im Privatverkauf als ganzes Stück vielleicht auch etwas mehr. Was dem Landwirt allerdings passieren kann, ist eine Geldbuße, die allerdings durch die Staatsanwaltschaft verhängt wird, wegen Verstoß gegen Tierschutzauflagen, sofern er nicht nachweisen kann, dass er seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist. Diese Strafe wird aber natürlich nicht an den Jagdpächter ausgekehrt.
    Das Thema Kitzrettung ist in den letzten Jahren verstärkt in die öffentliche Diskussion gekommen, erstaunlicherweise auch durch Organisationen, die im Grunde Jagdgegner sind und häufig auch die landwirtschaftliche Tierhaltung kritisch sehen. Weder als Landwirt noch als Jäger werde ich mich mit denen verbünden und das Thema hoch stilisieren. Die brauchen Öffentlichkeit um Spenden zu sammeln.
    Jeder verantwortungsvolle Landwirt sollte Mähverluste von Wildtieren (nicht nur Kitze) möglichst vermeiden, ganz ausschließen kann man sie niemals.

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    • Paulus sagt

      @Christoph Blankenburg, es gab vor etlichen Jahren mal ein Gerichtsurteil, demnach wurde die Verantwortung für das Ausmähen eines Kitzes dem sogen. Störer, also dem Verursacher zugeschrieben. Das war selbstverständlich der Landwirt.
      Ich finde das Urteil leider nicht im Netz. Soweit ich mich erinnern kann wurde eine Ersatzpflicht gegenüber dem Jagdausübungsberechtigten jedenfalls nicht explizit ausgeschlossen. Für einen Jagdpächter haben auch herrenlose Tiere selbstverständlich einen Wert, zumindest fiktiv, egal ob erlegt oder nicht. So kommen z.B. Pachtpreise zu Stande.

      Und jetzt erzählen sie mir als Ausbilder und Prüfer in Sachen Jagdrecht bitte welche Klimmzüge ein LW denn sonst noch unternehmen soll bevor er eine Wiese mäht. Ich selbst habe mich an diversen Aktionen beteiligt, mit Hund, mit Papiersäcken, Drohnen und wer weiß was alles. Die Gefahr, dass bei der Mahd Kitze sterben kann man nach meiner Erfahrung nicht ausschließen. Abgesehen davon sind Junghasen auch nicht ganz ungefährdet.

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      • Paulus sagt

        Zur Ergänzung: die Junghasen werden i.d.R. nicht ausgemäht, da kommen ganz einfach die Krähen und die Greife. Ist jedenfalls meine Erfahrung aus dem Randbereich eines Hochwildrevieres

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  12. Bauherr sagt

    Die „Idiotisierung“ greift natürlich auch auf Jäger über, die ihre Jagdpflicht nicht nachkommen. Der NABU will 1,5 Millionen Rehe abschiessen um den Wald zu retten.
    Hier hat die Jagdgenossenschaft ein Sonderkündigungsrecht gegenüber dem Jäger Unfrieden sollte nicht nur wahrgenommen werden, sondern hier sind Berufsjäger dann einzusetzen.

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  13. In unserer Gegend hat sich ein Landwirt eine Drohne mit Infrarotgerät gekauft und fliegt quasi im Lohn die Flächen ab. Er verlangt 30 Euro Grundpauschale und 2 Euro je Hektar dafür. Ja, es sollte eine gewisse „Temperaturdifferenz“ vorhanden sein.
    Vergangenes Jahr hatten wir die Jäger vorab informiert, dass wir beabsichtigen zu mähen. Sie kamen ohne Hund, liefen ein paar mal die Wiesen auf und ab und vergnügten sich dann alsbald bei den Getränken, die wir zur Verfügung gestellt hatten. Zwei Kitze fielen dann dem Mähwerk zum Opfer.
    Heuer hat meine Frau unsere Feriengäste mobilisiert, die dann mit Fahrrädern und E-Bikes mit lautem Geschrei die Wiesen kreuz und quer abgefahren sind. Diese Abschreckung hat bestens funktioniert.
    Die Forderung von 600 Euro ist völlig übertrieben. Wie kommt man auf so eine Zahl?
    Für ein Braunviehkuhkalb mit 70 Kg Lebendgewicht, das nicht zur Zucht geeignet ist, bekomme ich nach 6 Wochen Milchtränke 30 Euro. Wenn ich dann noch Ohrenmarken, Transport und einen Stundenlohn, vielleicht auch noch Tierarzt ansetze, zahle ich so was von drauf…..
    Die Masche, erst mal viel zu verlangen hat sich leider bei uns eingebürgert. Der Jagdpächter erwartet sicher, 300 Euro pro Kitz dann schwarz in seine Tasche zu stecken.
    In so einem Fall würde ich meine Flächen aus der Jagdverpachtung herausnehmen. Diese Möglichkeit bietet sich soweit ich das weiss seit ein paar Jahren.
    Die Firma Pöttinger hat Sensoren entwickelt, die am Mähwerk angebracht werden. Das Frontmähwerk hebt bei Reaktion auf ein Tier im Gras von selber aus. Beim Heckmähwerk erfolgt ein Signal, und der Landwirt kann sein Fahrzeug stoppen.
    Wieviel so eine Ausrüstung kostet, habe ich noch nicht recherchiert. Sicher nicht billig.
    Nachdem dieses Thema immer wieder präsent ist habe ich die Idee, ob sich nicht ein Fonds gründen lässt, in dem Geld gesammelt wird, mit dem die Warngeräte für die Mähwerke bezuschusst werden. Ich finde, es ist nicht die alleinige Aufgabe der Landwirte dafür zu sorgen, dass keine Rehkitze mehr ums Leben kommen.

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    • Brötchen sagt

      „hat Sensoren entwickelt,“ sind bei uns im Betrieb auch im Einsatz probehalber

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  14. oberländer sagt

    Die Suche mit der Drohne kann helfen, setzt aber ordentliches
    Können des Piloten gute Gerät und eine genaue Planung voraus.
    Auf meinen Flächen konnten so 3 Kitze gefunden und markiert
    werden ( Ohrmarke ).
    Das Große Problem bei der Sache ist das sehr kurze Zeitfenster am
    Morgen , ( es darf noch nicht zu warm sein ).
    Es gibt Jäger die sich das leisten und diese unterstütze ich gerne.

    Zu den Ersatzansprüchen des oben genannten Jagdherren :

    1.: Dieser Jagdherr darf bis Ende Januar schwangere Rehe töten ( ich benutze hier
    der Dramatik wegen den Human-begriff ).
    2.: Als fürsorglicher Jagdherr weis er wo seine Rehe stehen und in der Regel auch
    setzen.
    3.: Da ihm seine Rehe so wertvoll weis er auf wesen Grund sie weiden und kennt
    die Bewirtschafter und sorgt um ein gutes Verhältnis zu ihnen.

    Es kann nicht sein das ein Landwirt tausende Euro einsetzten muss um
    die Rehkitze ( die tatsächlich absolut Geruchlos sind ) zu suchen , die
    Glück hatten im Januar nicht im Leib der Mutter getötet wurden.

    Der besagte Jagdherr sollte bei der Pachtvertrags-Verlängerung angemessen
    berücksichtigt werden

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    • firedragon sagt

      Zu 2. und 3.
      Jep, ist bei uns auch so.
      Der Jagtpächter, weiß genau, auf welchen Flächen Kitze abgelegt wurden. Und wenn wir beobachten, daß ein Reh sich an einer Luzerne- oder Glasfläche tummelt, informieren wir den Jagtpächter.
      Wir informieren, wenn wir mähen wollen, er „räumt“ das Feld. Eine Drohne kam bisher noch nicht zum Einsatz. Eventuell dieses Jahr, da wir mittlerweile über eine verfügen.
      Es kommt, trotz aller Beobachtungen und Sorgfalt vor, dass wir ein Kitz erwischen. Das ist nicht schön und rühmlich ist es für schon gleich gar nicht.
      Daß ein „Schadensanspruch“ von Seiten des Jagtpächters an uns gestellt wurde, kam bisher nicht vor, da er informiert ist und somit Vorkehrungen treffen kann.

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  15. Reinhard Seevers sagt

    In unseren Grünlandgebieten hat sich die Drohne etabliert. Es gibt jede Menge Zeitungsberichte zur Aufklärung der Bevölkerung und Beruhigung der Kitzschützer. Dennoch passiert es hier und da immer wieder Mal, dass Kitze erwischt werden…..dann ist aber auch gleich die Hölle los. Da man nun ja ein technisches Hilfsmittel hat, wird jedes nicht gefundene Kitz als menschliches Versagen einem „Schuldigen“ zugewiesen. Das ist dann wieder die Kehrseite der Medaille.

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  16. Elisabeth Ertl sagt

    Mir fällt nur auf, dass seit der Ansiedlung von Wolf und Schakal, seit also das Wild weniger wird und schwerer aufzuspüren, dass seither die Jäger viel aufgebrachter sind, wenn dann Wild auch noch durch landwirtschaftliche Aktivitäten verloren geht.
    Es war sicher ein Fehler, dass der Bauer den Jäger dort nicht hingeschickt hat.
    Bei uns kommt der Jäger mit dem Hund, um die Kitze zu vertreiben.

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