Medien
Kommentare 44

Aussteigen – nicht absteigen

Ein Thema, über das niemand gerne spricht. Das aber sicherlich vielen Landwirten immer wieder mal durch den Kopf geht….

Posted by Bauer Willi on Donnerstag, 8. Juni 2017

 

(Aufrufe 478 gesamt, 1 heute)

44 Kommentare

  1. Endlich setzt sich ein längst überfälliger Gedanke nüchtern und ideologiefrei durch. Man könnte auch sagen, es regiert wieder der Verstand. Es geht nicht darum, dass alle jetzt hinschmeißen, sondern darum, dass eine sogenannte natürliche Fluktuation genutzt wird, um das Überangebot auf dem Markt zu entspannen.

    Natürliche Fluktuation bedeutet, dass Betriebe oder Betriebsleiter, die aufhören wollen oder im Rentenalter sind, nicht künstlich daran gehindert werden. Dazu gehört auch, dass die aufgegebenen Kapazitäten nicht noch unter zusätzlichen Leistungssteigerungen wieder in den Markt gebracht werden, sondern beispielsweise anderen Nutzungen mit höherem Bedarf bzw. einer echten Nachfrage des Endproduktes zugeführt werden.

    Das Ergebnis wäre ein Beitrag zur Preisstabilität für die verbliebenen Marktteilnehmer, das heißt Existenzsicherung und Raum für Nachhaltigkeit. Die Aussteiger könnten zufrieden in Ruhe diesen Abschnitt beenden, ohne durch verwerfliche Empfehlungen noch einmal in die Überschuldung zu gehen.

    Die verzweifelte Suche nach Nachfolger wäre gemildert und die verringerten Übernahmen ein Korrektiv zur Stabilisierung des Marktes. Wenn das Überangebot sinkt, verstärkt sich die Nachfrage und verspricht nach Lehre und Erfahrung einen stabileren Preis.

    Dass dies sehr erstrebenswert sein kann, werden Sie spätestens merken, wenn produzierte Mengen nicht mehr abgenommen werden. Dann werden Sie einige Wahrheiten über die sogenannte Fixkostendegression durch Wachstum erfahren.

    So wie ich heute in einzelnen Fällen Eckdaten genannt bekomme, lässt sich abschätzen, dass Fixkostendegression, vorsichtig ausgedrückt, nicht die Rolle mehr spielt, die ihr zugeschrieben wird.

    (Wenn ich die Möglichkeit bekomme, dass einmal genauer zu prüfen, werde ich das gerne tun und das Ergebnis in meinen Blog einstellen.)

    Vielmehr scheinen die Grenzerträge pro Stück (Liter, KG usw.) nur durch den Preisverfall abzuschmelzen. Dieser Verlust wurde bisher durch Mengenerhöhung wieder wettgemacht. Das wiederum hat den Preisdruck beschleunigt.

    Ein Wettlauf, den Sie weder kontrollieren noch gewinnen können.

    Ein Industriemanager, der unter diesen Bedingungen Kapazitätserweiterungen plant, würde sofort entlassen und vom Sicherheitsdienst vor die Firmenpforte geführt werden.

    Die richtige Strategie wäre das Marktsegment zu verlassen bzw. zu wechseln. Die bisherigen Kapazitäten würden abgebaut werden!

    Spätestens in einem solchen Fall wurden die Personaler die natürliche Fluktuation mit einbeziehen, um betriebsbedingte Kündigungen oder gar die Insolvenz zu vermeiden.

    Im übertragenen Sinne in der Landwirtschaft, die Vermeidung von zahlungsunfähigen und überschuldeten Betrieben durch ein gesundes Marktverständnis umsetzen.

    Wie in einem Industriebetrieb wäre es ein Teil eines kompletten Programmpaketes. Ein solches Paket hätte man vor vielen Jahren bereits schnüren können und viele Betriebe würden vermutlich noch existieren.

    Die Lebensmittelpreise wären etwas höher, aber ich bin sicher, in Deutschland wäre dadurch keiner verhungert.

    Es ist das kleine 1×1 der Marktwirtschaft, doch bis heute regieren Scheinlogik und Ideologie. „Wachse oder weiche!“ – Der Elfenbeinturm lässt grüßen.

      • Danke für die Nachfrage. Hier die Blogadresse:https://www.dirk-feldhinkel.de/blog/

        Dieser Blog ist noch recht frisch eröffnet. Hier habe ich schon mehr geschrieben, als in meinem eigenen Blog. Dafür gehe ich in meinem Blog etwas mehr in die Tiefe, ohne hoffentlich zu fachlich zu schreiben.

        Es stehen noch viele praktische Themen an, die für Unternehmen, dazu zähle ich landwirtschaftliche Betriebe, wichtig sind.

        Ein Schwerpunkt wird der Umgang mit Finanzierungen und Investitionen sein. Auf diesem Fachgebiet habe ich leider schon viel Elend gesehen, auch durch Mitwirkung von Banken.

        Es ist sehr sicher ein Problem, dass sich nicht nur auf Landwirtschaft oder Maschinenringe beschränkt.

        Aber auch die Fixkostendegression will ich näher erläutern, wenn ich tatsächlich mal reale Daten (anonymisiert) bekomme. Vielleicht gelingt mir das.

        • Inga sagt

          Kann man einen landw. Betrieb mit einem Industriebetrieb in unserer Volkswirtschaft in der Hinsicht wirklich vergleichen?

          • Sicher nicht in allem, aber in Teilen durchaus.

            Beispiel: das Gebot “Wachse oder Weiche!” wurde nach meiner Erfahrung immer mit der “Fixkostendegression” begründet – also betriebswirtschaftlich, genau genommen sogar “tayloristisch”.
            Massenproduktion ist das Stichwort.

            Die industrielle Fließfertigung wurde sogar von Henry Ford aus den Massenschlachthöfen übernommen.

            Das “Ertragsgesetz” wurde von Turgot im 18. Jahrhundert definiert – eine Erkenntnis aus der Landwirtschaft und heute Bestandteil der Betriebswirtschaftslehre.

            Es gibt viele Parallelen. Sogar LEAN-Technologien (LCA) finden sich in Maschinen wieder. Eine Melkmaschine schaltet sich zum Beispiel automatisch beim aufnehmen des Geschirrs an. Ein Melkroboter arbeitet im “One Piece Flow”.

            Die Frage beantworte ich mit ja, man kann!

  2. Lieschen Müller sagt

    Ich bin aber trotzdem gespannt, was passiert, wenn es in Deutschland nicht mehr ausreichend Ackerflächen gibt. Denkt ihr, das könnte passieren? In dem Artikel stand ja etwas von enorm hoher Pacht im Münsterland. Wer erzeugt dort noch landwirtschaftliche Produkte? Oder sind das eher Spezialbetriebe (Reiterhof, Biogemüse), die das dann wieder einspielen?

    • bauerhans sagt

      im münsterland sind die pachten so hoch,weil flächen extrem knapp sind,der viehbesatz aber sehr hoch.

    • Diese wichtige Frage wird vermutlich zu wenig thematisiert. An den Pachtpreisen zeigen sich die Auswirkungen von starkem Wachstumshunger, aber auch die Schädlichkeit von zu großzügig, weil politisch gewollter Förderungen.

      Die Flächenprämien werden nach meiner Meinung in den Pachtpreisen bereits im Handel mit Pachtflächen, je nach Region stark kompensiert. (zzgl. Abstandsprämien)

      Hinzu kommen Mitnahmeeffekte, die verhindern, dass Flächen dort genutzt werden können, wo sie für die Produktion gebraucht werden.

      Besonders heftig ist offensichtlich jedoch, wenn sich eine Biogasanlage für nachwachsende Rohstoffe in der Nähe befindet. Die Rendite solcher Anlagen scheint durch die staatliche Förderung so hoch zu sein, dass nur noch Mondpreise für Pachten im Angebot sind.

      Herzlichen Glückwunsch, liebe Landwirte, so sieht es aus, wenn Politik Feuer mit Benzin löschen will!

      P.S. Vermutlich gibt es ein akademisches Gutachten dazu, welches dringend zu Förderungen empfiehlt.

      • Bauer Willi sagt

        Da muss man nicht lange suchen. Der Wissenschaftliche Beirat (12 Agrarprofessoren) wollen so die Tierhaltung umbauen.
        Bauer Willi

  3. Astrid sagt

    Für viele ist es wirklich wunderbar, wenn sie aufhören … mit der 7 Tage Woche … ohne Urlaub …
    … für die Tiere die nicht mehr ausgebeutet werden … auch nicht mehr ‘produziert’ werden, um ausgebeutet zu werden … für die Nachbarn … die das Schreien der Kühe und Kälber nicht mehr ertragen müssen … die nicht mehr sehen müssen … wie die Tiere in ihren Verließen im Dunkeln vor sich hin vegetieren …
    Aufhören mit der Ausbeutung der anderen Tiere und auch der Ausbeutung von sich selbst … ein Gewinn für alle … Veränderung macht Angst … es gilt die Angst zu überwinden …

    • Ich seh das so sagt

      Man sieht, das selbst das Abspulen eines Leierkastens eine Mission im Nebenjob sein kann – oder gar im Haupterwerb ?

    • Josef sagt

      Für viele ist es wunderbar, wenn sie aufhören…. doch was ist mit denen, die die Felder und die Tierhaltung übernehmen ? Noch mehr Arbeit, noch mehr Stress, noch mehr Schulden bei der Bank ? Seit 50 Jahren hoffen und glauben wir, durch einen “Strukturwandel” würde sich die Situation verbessern und auch Politik und Ausbildung bieten keine anderen Lösungen.

      • bauerhans sagt

        “doch was ist mit denen, die die Felder und die Tierhaltung übernehmen ?”

        die können jetzt endlich in den grossen trecker investieren.

        • Josef sagt

          Genau, …die können jetzt endlich in den grossen trecker investieren… und dann Grund pachten, damit es nicht so blöd aussieht.

  4. Mark sagt

    Betrachtet man die Entwicklung, welche von einer völlig durchgeknallten Minderheit (Greenpis, Stalleinbrecher, Vganer) ausgelöst wird, scheint der Ausstieg wirklich als die sinnvollste Reaktion der Landwirte zu sein, frei nach dem Motto: Rette sich wer kann …

    • bauerhans sagt

      einspruch!
      die durchgeknallte minderheit ist nicht schuld,sondern wer nur produziert und produziert,verliert irgendwann den überblick.
      wer mit drei bis vier familienarbeitskräften 80000€ gewinn erwirtschaftet,der sollte das mal nüchtern betrachten.

      • Alle Achtung! Eine sehr reife Reflektion. In dem oben genannten Artikel setzt sich nüchtern eine mehrheitlich verdrängte Wahrheit durch.

        Man hat in dieser absehbaren Entwicklung verpasst, mit weichen und verträglichen Mitteln gegen zu steuern. Vor fast einem Monat hatte ich dazu (kurz) eine eigene Sichtweise beschrieben.
        https://www.dirk-feldhinkel.de/2017/05/19/die-krise-in-der-milchproduktion-hatte-ich-vor-vielen-jahren-vorausgesagt/

        Bis dahin hatte ich den Eindruck, dass sich die oben genannte Erkenntnis zu langsam durchsetzt und alte Fehler leider auch politisch fortgesetzt werden. Deshalb wird es nach meiner Meinung auch in Zukunft nicht so harmlos ablaufen, wie es hätte ablaufen können.

        • Lieschen Müller sagt

          Das war ja nicht schwer, vom Aufheben der Milchquote auf eine Überproduktion zu schließen. Milch lässt sich eben nicht zurückhalten, wenn der Preis nicht passt. Wer erinnert sich noch an die Butterberge und Milchseen in der EG?

          • Sie haben völlig recht. Dennoch war es keine Naturgewalt. Umso mehr sage ich: Ein frühzeitiges Strategiepaket hätte zumindest abfedern können, wenn die Beteiligten (Verbände, Politik, Akademiker und Beratung) an einem Strang gezogen hätten. So ist man, wie Sie selbst bestätigen, stur und sehenden Auges an die Wand gefahren. In meinem obigen Kommentar beschreibe ich, wie ein Industriemanager eine solche Situation bewertet hätte (-komme aus dem Controlling) und welche Maßnahmen eingeleitet würden.

            • Josef sagt

              Bauernverband und Agrarpolitik haben darauf gestetzt, dass der Markt alles regelt. Genauso gut könnte man sagen, man braucht keine Geschwindigkeitsbeschränkung weil sich das regelt indem die Raser an den Bämen landen.

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              >>Ein frühzeitiges Strategiepaket hätte zumindest abfedern können, wenn die Beteiligten (Verbände, Politik, Akademiker und Beratung) an einem Strang gezogen hätten.<<

              Das politische Ziel war doch immer, die Bevölkerung mit billigen Lebensmittel zu versorgen. Erst als entschieden zu viel produziert wurde, wurde gegengesteuert, um anschließend wieder noch größere Ställe zu subventionieren. Der einzelne Bauer hatte nur 2 Möglichkeiten, entweder geht er mit, oder erhört auf. Gerade das Letzte wurde vielfach beim Generationswechsel zu wenig beachtet.

              In der Weinbranche wollte man seitens der Politik die Produktionsfläche völlig freigeben und das trotz Europäischer Überschüsse. Diesen Unsinn konnte durch intensives Intervenieren seitens deutscher Weinbauverbände verhindert werden. Ich denke mal, nach den Frösten hat sich der Gedanke für die nächste Zeit in Luft aufgelöst.

            • bauerhans sagt

              “man braucht keine Geschwindigkeitsbeschränkung weil….”

              sich das bei uns in D durch die verkehrsdichte regelt.

    • Lieschen Müller sagt

      Es ist nicht eine kleine Minderheit, die das ausgelöst hat, sondern die große schweigende Mehrheit. Die Mehrheit, die mit ihrem “weiter so”, alle vorhandenen Umweltprobleme verursacht hat.

    • Josef sagt

      Das läuft doch schon seit Jahrzehnten so. Die “durchgeknallte Minderheit (Greenpis, Stalleinbrecher, Vganer)” ist doch nur ein neuer Sündenbock.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Ich würde mich nicht soweit aus dem Fenster lehnen, bevor ich nicht bei Tante Google:

        Tierquäler BIO

        eingegeben habe.

        • Josef sagt

          Kannst du auch Beiträge abliefern, die nicht darauf herumreiten, dass ich Biolandwirt bin. Übrigens unter “Tierquäler ehemaliger Landwirt” kann man auch googlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.