Bauer Willi
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Absurde Schweinerei

Jürgen Donhauser macht sich Gedanken über die Zukunft des Betriebes, der sich auf Schweine (Zucht, Mast) konzentriert hat.

https://www.topagrar.com/suedplus/news/schweinehaltung-im-duett-10123944.html

Als dieser Artikel 2018 erschien, war die Welt für meine Söhne und unseren Betrieb noch in Ordnung. Die Schweinehaltung war zwar in der Vergangenheit immer wieder mit Höhen und Tiefen im Einkommen verbunden, aber damit wussten wir umzugehen. Hochwertige Lebensmittel bei steigender Weltbevölkerung zu erzeugen, versprach eine wertvolle und sinnstiftende Lebensaufgabe zu sein. Da wir in der Vergangenheit auch über 7 Jahre lang ökologisch wirtschafteten, wussten wir, dass die Biolandwirtschaft in Sachen Klimaschutz, Ressourcenschonung und auch bei Tiergesundheit nicht die Lösung sein konnte. Sogar die Vereinten Nationen, respektive die FAO, hatte ja schon vor Jahren die bevorzugten Regionen der Welt aufgefordert, die Tierhaltung zu intensivieren, um den unvermeidlich ansteigenden Fleischbedarf in den Schwellenländern bedienen zu können. Meine beiden Söhne wähnten sich also auf einen guten Weg und durchliefen die landwirtschaftliche Ausbildung bis hin zum Meister. Dementsprechend wurde der Betrieb unter staatlicher Beratung und staatlicher Förderung ausgebaut.

In den letzten Jahren wurde diese Situation aber durch „Mainstream“-Politik und dem verzerrten Bild durch NGO auf den Kopf gestellt. Plötzlich war nicht mehr die Wissenschaft und messbare Werte Basis für Anforderungen an die Landwirtschaft, sondern „Bauchgefühl“. Jede Woche, so schien es, wurde medial eine andere „Sau“ durchs Dorf getrieben.

Die Verfahrensweise zur Ferkelkastration verdeutlicht dieses Kirchturmdenken. Wir haben in Deutschland inzwischen nicht nur die teuerste Variante (das Narkosegerät kostete über 10.000 €) sondern mit dem Narkosegas Isofluran auch die gesundheitsschädlichste (krebserregend). In anderen Ländern hingegen wird nach wie vor mit CO2, lokaler Betäubung oder nur mit schmerzstillenden Mittel gearbeitet.  Was für eine Schweinerei!

Dieses Vorgehen hatte natürlich Konsequenzen: hier hören die Ferkelbetriebe reihenweise auf (ein Minus von über 8% seit November 2020) und die benötigten Ferkel werden nun importiert. Wieder eine Schweinerei!

Fazit: Die Ferkel werden jetzt im Ausland schmerzhafter kastriert und haben zudem noch lange Transportwege vor sich. Und dies alles unter dem Deckmantel des „Tierschutzes“. Lange haben wir versucht den „Tierschützern“ diese negative Konsequenz zu erklären. Erfolglos, denn diese waren nur an einen kurzfristigen, medialen Erfolg interessiert um weiter Spenden sammeln zu können. Ein weiterer „Todesstoß“ war die Änderung der Tierschutz-NutztierhaltungsVO. Durch den dauerhaften Beschuss der „Tierschützer“ wurden Mindest-Stallflächen pro Schwein festgelegt, die jeglicher wissenschaftlichen Basis entbehren und sogar Biobetriebe überfordern. In Sachen Bodenversiegelung, Ressourcenschonung, Treibhausgase und zusätzlicher Phosphorausscheidung ist das alles absolut kontraproduktiv – aber ein Kniefall vor dem „Tierwohl“-Mainstream. Manche Betriebe haben vor 2 Jahren noch mit staatlicher Beratung und Förderung für viel Geld moderne Tierwohlställe gebaut, die jetzt aber nicht mehr den neuen Richtlinien entsprechen. Auch die Banken sind nicht mehr bereit, Geld nachzulegen um nochmals (wenn überhaupt möglich) massive Umbauten vorzunehmen. Dazu kommt das Baurecht, dass nicht an die neuen Forderungen angepasst ist und Neubauten gar nicht zulässt. Was für eine Schweinerei!

Aber neben diesen politischen Unkalkulierbarkeit und mangelnden Vertrauensschutz in staatliche Institutionen, tuen die Markt-„Partner“ ihr übriges. Sie überschlagen sich derzeit mit großen Werbeversprechen ihre „Haltung“ zu ändern. Während die NGO und Medien in ihrer Naivität meinen, der Lebensmitteleinzelhandel wäre nun geläutert und würde nun Tierwohl unterstützen, wissen die Insider, dass dies nur ein gewaltiger Marketing-Gag, ein Greenwashing ist. Nichts, auf dem man als Landwirt seine Hoffnung setzen könnte. Es gibt keine langfristigen Verträge mit besseren, kostendeckenden Preisen, sondern nur hohe Anforderungen und Kosten, die in Vorleistung zu erbringen sind. Und das ist nun wirklich eine absurde, ja perverse Schweinerei!!

Ihr Aldi´s, Lidl´s, Rewe´s oder Edeka´s: Wenn die Bauern morgen mehr Tierwohl liefern sollen, müssen sie für dieses Investment heute Geld verdienen. Ist das so schwer zu verstehen? Ihr seid doch auch Unternehmer!

Wir erleben derzeit den größten Strukturbruch und die Abwanderung der Tierhaltung ins Ausland.  Derzeit geschieht ein Rückbau der Schweinehaltung in Deutschland und ein Ausbau der Schweinehaltung in Spanien. Ist das nicht auch eine perverse Schweinerei? Denn das wird weder den Tieren, noch dem Klima, noch der Umwelt, noch der Lebensmittelqualität und -sicherheit gerecht, vom Verlust vieler Familienbetrieben wie unserer, ganz zu schweigen. Wo sind nun die NGO, die in der Zukunftskommission Landwirtschaft dem bäuerlichen Familienbetrieb die Treue geschworen haben? Und mit der Borchert-Kommission geht es auch nicht weiter, weil niemand die „Transformation“ bezahlen will. Noch so eine Schweinerei!

Bei aller Fokussierung auf das Thema „Tierwohl“ wurden andere Zielkonflikte komplett ausgeblendet.

  1. Flächenversiegelung: Je mehr Quadratmeter ich pro Tier (über deren Sinnhaftigkeit man gerne streiten kann) zugestehe, umso größer müssen die Stallungen gebaut werden.
  2. Mit zunehmender Stallfläche befindet sich auch mehr Kot und Urin an den Oberflächen, damit steigt die Emission von klimaschädlichen Gasen.
  3. Bei Strohhaltung wird dies nochmals verschärft. Zudem erhöht die Strohgabe die Phosphorausscheidungen. Alle Bemühungen in der Vergangenheit durch NP-reduzierte Fütterung den Phosphoranteil in den Ausscheidungen zu reduzieren sind somit eine Farce. Die Einhaltung der verschärften DüngeVO, insbesondere in den gelben Gebieten (Phosphat) wird somit noch problematischer.
  4. Eine Öffnung der Stallungen mit Außenklima ist mit dem Ziel der Emissionsreduzierung nicht vereinbar und genehmigungstechnisch derzeit auch schlichtweg nicht umsetzbar. Sollte der Betrieb zudem in der Nähe eines Ortes liegen ist ein Umbau sogar unmöglich. Denn dann würde eine Aufweichung von der Immissionsrichtlinie eine Abwägung zwischen Tierwohl vs. Menschenwohl bedeuten. Die bisherige Denkweise, möglichst geschlossene Ställe zu bauen um eine Abluftreinigung nachzurüsten, wird mit Offenställen unmöglich gemacht. Ebenso ist eine gezielte, gekühlte Frischluftzufuhr, um in den heißen Sommermonaten die Tiere zu entlasten, nicht mehr realisierbar.
  5. Schweine mit Auslauf ins Freie erhöhen extrem die Gefahr längst vergessene Seuchen wieder aufleben zu lassen. Wie wir unlängst erfahren mussten, passiert dies derzeit genau mit der Schweinepest. Zudem ist eine Bekämpfung von Ratten und Mäusen bei offenen Ställen unmöglich. Somit sind Leptospiren und Salmonelleninfektionen auf Dauer vorprogrammiert. Auch eine wirkungsvolle Bekämpfung von Parasiten ist dadurch unmöglich. Spulwürmer und in der Folge “Milkspots” in den Lebern der Schweine würden wieder zum Alltag werden. Und das wäre nun wirklich ein sichtbarer Rückschritt und kein Tierwohl.
  6. Schon die Einführung der Ferkelkastration nur mehr mit Isofluran-Narkose hat zu einem massiven Verlust von Familienbetrieben geführt, die durch zusätzliche Ferkelimporte ausgeglichen wurden. Was hat dann das Einzeltier gewonnen, wenn es jetzt in anderen Ländern mit deutlich schlechteren Verfahren kastriert wird und anschließend noch einen langen Transportweg vor sich hat?
  7. Eine extensive Tierhaltung bedeutet in der Regel auch schlechtere Leistungen bei den Tieren. Jeder Tag längere Mastdauer bedeutet aber zusätzlichen Futterverbrauch und zusätzliche Emissionen. In Sachen Ressourcen und Klimaschutz wird also der falsche Weg eingeschlagen.

Wenn wir weiterhin glauben, im Alleingang in Deutschland durch Ordnungsrecht den „Tierschutz“ zu erhöhen, dann verkennen wir komplett die wirtschaftlichen Zusammenhänge und geben die Produktion und damit die Kontrolle aus der Hand. Sie wandert ab in andere Länder mit deutlich niedrigeren Standards. Und wenn der LEH außer heißer Luft nicht wirklich belastbare, dauerhaft verlässliche und gerechte Entlohnungsmodelle für die Landwirte entwickelt, werden diese lieber aufhören!

In den letzten 20 Jahren haben in Bayern über 90% der Ferkelerzeuger, die zumeist bäuerliche Familienbetriebe waren, das Handtuch geworfen. Mit den immer neuen Auflagen und Anforderungen vernichtet man also weiter genau die Betriebe, die man (nach Volkes und NGO Meinung) erhalten will. Was für eine Schweinerei!!

Aber vielleicht ist dies ja die eigentliche Strategie der Regierung, der NGO und des LEH – angebliche Probleme mit der Tierhaltung lieber in das Ausland zu verlagern. Und das wäre eine perverse Schweinerei zum Quadrat!

Gastkommentare geben die Meinung der/s Autor/in wieder

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66 Kommentare

  1. Reinhard Seevers sagt

    So Leute, heute kam die neue Hörzu.
    Aufmacher:” Die Wahrheit über Fleisch!”

    Seite 9, Stichwort: Umwelt
    Schadet Fleischkonsum dem Klima?
    Hotdog, Bürger oder Braten schmecken, schaden aber dem Klima:” Ganz klar. Vegetarische Ernährung ist um ein Vielfaches klimafreundlicher, als tierische Kost”, erklärt die Fachjournalistin Tanja Nüsse im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Expertin für Nachhaltigkeit (siehe Buchtipp, Seite 11) beleuchtet 33 Fragen zum Fleischkonsum und nennt Zahlen:” Die fünf weltgrößten Fleisch- und Milchkonzerne haben 2018 zusammen mehr Treibhausgase verursacht, als Ölgiganten wie Exxon, Shell oder BP.”

    So, und nun Frage ich mich, wie weit darf und muss es denn noch kommen, bis die Landwirtschaft aufwacht und sich der Volksverblödung entgegenstemmt. Der Wasserverbrauch liegt inzwischen bei 20000l für 1kg Fleisch, laut Frau Busse.

    • Reiner Stoff sagt

      Solche Gastkommentare oder Blogthemen, Richtigstellungen usw. müssen endlich aus der Nischendiskussion raus und in den großen Zeitungen, Magazinen usw. erscheinen.

      Totales Medienversagen von unseren Verbänden!!!

      Influencer anwerben bzw. helfen aufzubauen, kompetente Medienagenturen mal Aufklärungsarbeit entwerfen lassen und diese auch in FACHFREMDEN Medien schalten, alles Fehlanzeige bisher!

      Da wären die Verbandsbeiträge richtig angelegt, endlich raus aus der Defensive und nicht larifariwischiwaschi Entschuldigungsdementirichtigstellungen.

    • Bauer Willi sagt

      Tanja Busse ist Landwirts-Tochter. Ihr Lebensgefährte ist Journalist beim Spiegel (Nils Klawitter). Frau Busse hat gerade ein Buch veröffentlicht. Googeln Sie mal den Titel… Alles klar?

      • Reinhard Seevers sagt

        Der Landw. Hintergrund ist ja nicht automatisch ein Vorteil. Höchstens in Diskussionen mit Gleichgesinnten, um ihnen Kompetenz zu signalisieren.
        https://youtu.be/GoMS_3IbAyE
        Der Beitrag ist jedenfalls das genaue Gegenteil von Kompetenz, dafür ein Beleg für Verblödung.

      • Arnold Krämer sagt

        Sie wird gerne von Bundesbehörden als Moderatorin bei Veranstaltungen mit Landwirtschaftsthemen eingesetzt. Neutral und vermittelnd ist sie dabei nie! Habe sie schon mehrmals erlebt.

  2. Christian Bothe sagt

    Was J.Donhauser schreibt ist in allen Belangen vollkommen richtig und praxisrelevant! Ich will mich nicht weiter dazu äußern,hatte es als ehemaliger „Schweinefuerst“von 10000MS schon mehrfach getan was ich von diesem fachlichen Unsinn( Verbot Kastration,Kupieren,Haltung auf Stroh)halte…

  3. Ludwig sagt

    Wir müssen sehen , daß wir einen Staat im Staate haben und das sind die NGOs. Die werden so schnell nicht aufgeben . Nur eine realistische und mutige Regierung oder selbstbewuste Verbraucher können diese Gelddrückerorganisationen zum Stillstand bringen. Dazu muß es aber allen erst einmal weh tun und das geht nur über das Geld. Ob Klimakrise oder Corona überall wird den Leuten ordentlich Angst eingejagt um die relevanten politischen Ziele durchzusetzen. Wer glaubt den wirklich , daß wir die Welt retten könnten. In den nächsten 15 Monaten wird sich dann zeigen wie weit unsere Klimarettungsaktion zielführend war. Erst mit einem Blackout wird sich hier letztlich was ändern und darauf können wir Bauern leider nur hoffen. Nachdem ich meine Sauen schon verabschiedet habe , warte ich jetzt nur noch die nächste Regierung ab und wenn dort keine fundamentale Wende kommt , dann sind die Mastschweine dran. Der Plan für die Umstellung ist schon im Kopf. Jetzt ist der Wähler dran für Freiheit oder Untergang zu stimmen , denn die heutige Politik ist doch nur Träumerei und alle haben doch “Nie wieder” gerufen. Jeder , der es noch nicht kapiert hat muß doch in der rheinländischen Hochwasserlage erkennen , daß unsere Politik überall ein Tatalversagen hinlegt und nirgends Vorsorge für die Bürger zu erkennen ist. Ob Rente , Wirtschaft, Währung oder Energie nirgends ist bis zum Ende oder in die Zukunft gedacht. Nachhaltig geht anders bis ein Kind ruft , daß der König nackt ist.

  4. Smarti sagt

    Würde ich mit dem Wissen und den gemachten Erfahrungen noch einmal den gleichen Weg gehen und hauptberuflich Milchkühe halten ? Ich sage nein, mein Mann jein. Mit der Schweinezucht kenne ich mich nicht aus. Wir hielten über zwanzig Jahre jeweils ein paar Schweinchen als liebenswerte Resteverwerter. Wie man damit jemals längerfristig Geld verdienen kann, war mir schon immer ein Rätsel – als Kind half ich in den Ferien meinem Nachbarn bei den Sauen. ( etwa 30, die Ferkel wurden mit Molkerei – und Bäckereiresten gemästet ). Der Landwirt besass eine Landmetzgerei. Jetzt steht da ein Autohändler.
    In unserer Gesellschaft haben sich seit einigen Jahren einige wenige Menschen zusammengeschlossen, die für sich entschieden haben, dass keine Tiere mehr “unterdrückt” werden dürfen. Dass dabei die Tierhaltung mittelfristig in Deutschland, der Schweiz und Oesterreich quasi “verboten” wird ist das Ziel. Alle Kollateralschäden werden in Kauf genommen. Alle derzeitigen Entwicklungen, auch die Klimaerwärmung spielt in deren Hände…
    1. immer neue, schärfere Gesetze, Wasserschutz, Tierschutz, Naturschutz…
    2. Handel springt scheinbar auf den Zug auf… grosse Versprechungen, nichts dahinter
    3. höchste Ansprüche für den niedrigsten Preis – denn nur das Tagesgeschäft zählt
    4. jetzt werden Sauenbetriebe zerrieben, die Ferkel werden importiert… bald einmal “bemerkt” man, dass der stundenlange Transport von Ferkeln nicht mehr zeitgemäss ist, und der Transport/Import wird verboten.
    Ziel erreicht, Schweine weg… allen anderen Tierarten ergeht es ebenso… wir sind nicht mehr weit davon entfernt.
    In unserem Veterinäramt sitzt eine Tierärztin mit nur 2-monatigem Praktikum…. danach fest angestellt beim Amt. Sie hat den Ruf, Grosstierärzte mit Kontrollen zu zermürben. Jahrelange Streitigkeiten vor Gericht… wegen nichts. Zwei Praxen wurden bereits an Grosskliniken verkauft. So kann man die Landwirtschaft auch durch die Hintertür beenden. Die Damen kommen zu zweit zu Kontrollen bei Tierhaltern und Lügen dabei ganz ungeniert. Nur dank zufällig anwesender unabhängiger Zeugen konnten wir uns bisher erfolgreich wehren – aber es ist zermürbend !
    Das Schlimmste an der ganzen PETA-Sache ist: irgendwann kann man nicht mehr zwischen “Freund und Feind” unterscheiden – die Freude an neuen Bekanntschaften weicht dem Misstrauen – bist Du ein Spitzel ?
    Wir trauen denen unterdessen alles zu: aufgeschnittene Zäune, Brände legen, “verbotene Arzneien” deponieren und danach Kontrollen durchführen…
    Meiner Meinung nach wollten es die einzelnen Landwirte mit der Gesellschaft ( zu Recht ) nicht verscherzen und deshalb haben sie die Schnauze gehalten und einfach weiter gearbeitet. In der Hoffnung, den Hof die nächsten Jahre einigermassen unbeschadet über die Runden zu bringen.
    Jetzt ist es höchste Zeit für ein “Tagebuch” auf jedem Hof – denn wer Krieg sät, wird Krieg ernten.
    Dass es natürlich wie immer die Falschen trifft ist ja klar.

    Aufgeben würde ich nicht – lasst sie nicht gewinnen. Aber eine Art Winterschlaf ist eine gute Idee… richtig weit runterfahren und abwarten was passiert.

    Nach unseren Erfahrungen sind die Leute so mit sich selber beschäftigt, dass es nicht interessiert, was mit den Landwirten passiert. Viele wollen es einfach unkompliziert: essen was billig ist und glauben was man erzählt bekommt – da kommt man nicht gegen an…es frustriert nur noch…
    Vor zwanzig Jahren haben die Reitschüler erst die Ställe gemistet und danach war Unterricht – heute sitzen alle aufgereiht auf der Bank mit dem Phone in der Hand und ich sattle die Pferde….ab einem gewissen Alter ist es bei immer mehr Kindern “in”, sowenig wie möglich zu helfen.
    auch die Praktikanten arbeiten nur mehr selten wirklich zufriedenstellend – das gibt keine Handwerker.

    • Paulus sagt

      Smarti, die Reitschüler oder auch deren Eltern bezahlen Geld für Reituntericht, nicht fürs Ställemisten. Du scheinst noch in einer Zeit zu leben in der kleine Mädchen ganztägig an Pferden herum striegelten und die Matratze dummerweise auf den Misthaufen beförderten.

      • Arnold Krämer sagt

        Das ist ja das Problem, weil selbst rudimentäre Kenntnise über die Gesamtzusammenhänge verloren gehen und damit auch kein Gespür für eine wie auch immer zu definierende Eigen-Verantwortung entwickelt werden kann. Lässt sich m.E. auf viele Lebensbereiche übertragen.

    • Inga sagt

      Oh ja
      In unserem Staat geht alles von alleine, es gibt dich Maschinen.
      Aber wer so denkt, kann man dem noch ein Pgerd oder anderes Tier anvertrauen?
      In der Politik idealisieren solche Leute. Wer weiß wie Baerbock ihr Pferd behandelt hat, wenn sie eins hatte. Ob sie es ordentlich gestriegelt hat und den Mist rausgefahren hat ?

  5. firedragon sagt

    Herr Donhauser … als ein Mann Gottes “… Derzeit geschieht ein Rückbau der Schweinehaltung in Deutschland und ein Ausbau der Schweinehaltung in Spanien. Ist das nicht auch eine perverse Schweinerei? …”
    Gönnen Sie anderen Menschen dieser Welt keinen Erfolg?

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    • sonnenblume sagt

      Im Moment kursieren Gerüchte die den europäischen Markt nochmals ordentlich aufmischen könnten. Hoffentlich sind es wirklich nur Gerüchte.

      • Smarti sagt

        Sonnenblume, was für Gerüchte ?
        Lieber das Gerücht entpuppt sich als unwahr, als dass es (uns) unvorbereitet trifft.

        • sonnenblume sagt

          Angeblich gibt es Probleme in den Handelsbeziehungen eines europäischen Landes mit Asien. Vielleicht sind das auch nur Gerüchte, um den Preis bei uns nochmals herunter zu setzen. Die ITW läuft ja absolut nicht rund.

    • Reinhard Seevers sagt

      So kann man das auch sehen….Was, wenn man diese einfache Logik mal auf die Industrie projektieren würde. Da wir keine Ressourcen haben, wäre es doch das einfachste, die Rohstoffgeber verarbeiten die Sachen gleich selbst und streichen den Gewinn ein. Aber das verhindert der militärisch-kapitalistische Komplex bravourös, gelle??

      • Thomas Apfel sagt

        Dummerweise macht diese Erkenntnis, der ich zu 100 % folge, es für den Einzelnen auch nicht leichter. Dazu fällt mir ein Liedtext von Hannes Wader ein:

        “Um weiter so zu leben wie bisher weißt Du zu viel
        doch um Deinen eignen Weg zu geh´n zu einem neuen Ziel
        ohne dich im Kreis zu dreh´n, frei und ohne Selbstbetrug,
        dazu weißt Du wieder nicht genug.”

        (aus “Ankes Bioladen” Wader 1989)

    • Andi sagt

      Wenn der “Erfolg” nur darauf beruht dass bei uns die Standards hochgefahren werden, und wir dadurch aus dem Markt gedrängt werden, vergönne ich ihnen den Erfolg nicht.

        • firedragon sagt

          Hm Andi, war mir klar, danke dass Du’s trotzdem nochmal schreibst.
          Mich, als nichtgläubiger Mensch, interessiert die Antwort auf meine Frage von einem mehr als nur gläubigen Menschen (Diakon).
          Warum ist es eine “perverse Schweinerei”, wenn Spanier die Möglichkeit nutzen, ihre Schweinehaltung auszubauen ?

  6. Günter sagt

    Deutschland hat ab Mitte der 60er Jahre den Pfad der sozialen Marktwirtschaft verlassen. Die Welt hat gemerkt wie hochwertig technische Produkte sind und was Made in Germany bedeutet.
    Viele Länder konnten und können sich aber dieses Now How nicht oder nur in sehr geringen Umfang leisten. Also werden im Gegenzug als Joint Venture
    Landwirtschaftliche Produkte dieser Länder in D angeboten und verkauft. Die Industrie als größter
    Lobbyverband hat natürlich das seinige dazu beigetragen. Natürlich kann mit den Weltmarktpreisen kein Deutscher Bauer mithalten.
    Es ist so gewollt, dass die Landwirtschaftliche Produktion hier immer mehr zurückgedrängt wird,
    weil es genug Interessenten gibt, die als Anlage Land kaufen wollen. Spätestens hier sollte jeden klar sein
    dass den Bauernstand niemand interessiert, sonst würde dem Treiben längst ein Ende bereitet werden.
    Ich persönlich hatte die Hoffnung, dass sich mit den grünen Kreuzen etwas ändern wird. Aber es ist niemand da, der die Bauern einen könnte.
    Den größten Clou hat momentan Aldi und Konsorten mit der Tierwohlaktion gestartet.
    2030 werden sie damit Werbung treiben wie nachhaltig sie mit der Natur umgehen weil sie auf Ihren gekauften Feldern Blumen und weiß der Gott was ansähen und im Fernsehen werden Werbespots laufen wie toll das alles ist.
    Gleichzeitig werden sie ihre Billigprodukte weiter aus dem Ausland verkaufen, mit dem Agument dass es hier niemanden mehr gibt der Ihnen heimische Produkte verkauft.
    So geht Kapitalismus.
    Und Herr Donhauser, auch ich habe geweint als die letzte Kuh End der 60er den Stall verlassen musste.

    • Ferkelhebamme sagt

      2030 ist die Ankündigung vergessen. Es ist im Jetzt ein sehr wirksamer Marketing-Zug. Mehr nicht.
      Oder wo sind die langfristigen Verträge? Wo überhaupt sind diese Ställe?

      Ein Bekannter hat im Nachbarort einen HS 3 Stall gebaut, mit 5jährigem Vertrag mit bekanntem Schlachter. Schweine werden gerade nicht abgeholt, weil kein Bedarf. Siehe Kleingedrucktes…

  7. Ehemaliger Landwirt sagt

    “Fazit: Die Ferkel werden jetzt im Ausland schmerzhafter kastriert und haben zudem noch lange Transportwege vor sich. Und dies alles unter dem Deckmantel des „Tierschutzes“. Lange haben wir versucht den „Tierschützern“ diese negative Konsequenz zu erklären.”

    Genau auf das habe ich mal im Spiegelforum hingewiesen.

    Die Antwort war:

    Das interessiert nicht, das wird nicht in Deutschland praktiziert.
    Ich bin der Meinung. dass diese Ansicht mehrheitsfähig ist.

    • Inga sagt

      Wenn wir bei KIK oder wo anders nicht kaufen sollen, was ja sinnvoll ist, wegen viel umweltschädlichen Plastikscheiß und Billig-T-Shirts aus Bangladesch, wegen Kinderarbeit

      dann interessiert es wohl, ob wir Fleisch von unsachgemäßer Ferkelaufzucht haben oder nicht!
      Ob der Antwortgeber den Zusammenhang zwischen Ferkelerzeuger und Mäster nicht kennt nicht kennt?

      Hauptsache Recht behalten!!!

    • Inga sagt

      “Lange haben wir versucht den „Tierschützern“ diese negative Konsequenz zu erklären. Erfolglos, denn diese waren nur an einen kurzfristigen, medialen Erfolg interessiert um weiter Spenden sammeln zu können. ”

      Solche Leute brauchen wir nicht, die sind ja kontraproduktiv auch für unsere Volkswirtschaft!
      Vielleicht verdienen die mehr Geld mit ihren Pseudowahrheiten und zahlen mehr Steuern damit, aber bitte nicht auf Kosten einer anderen Berufsgruppe und nicht auf Kosten von Gottes Kreaturen und der Ökologie!

  8. Jürgen Donhauser sagt

    @Ferkelhebamme:“ Und jetzt sagt mir bitte, wie ich den Betrieb zukünftig aufstellen soll, wir müssen JETZT entscheiden und die Weichen für die Nachfolger stellen.“ – Ehrlich sein und ihnen alle Zahlen und Fakten vorlegen. Auf keinen Fall die persönlichen Wünsche (Fortführung des eigenen Lebenswerkes, usw) einfließen lassen. Als mein zweiter Sohn unter Tränen am Küchentisch mitteilte, er halte dieses Bauernashing nicht mehr aus und sieht keine Zukunft mehr in der Tierhaltung, zerbrach ein Lebenstraum. Aber lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!

    • G. Scheips sagt

      Türen zu. Ich habe inzwischen jegliche Hoffnung auf Besserung aufgegeben. Bei uns sollen 16 ha Solar durchgedrückt werden . “Dann können die Bauern das Land nicht mehr mit Nitrat verseuchen und Flüsse vergiften.” So wird man angegangen wenn man eine andere Meinung vertritt.

      • Inga sagt

        Keine Ahnung aber doch Mitsprache, sind wir denn im Kindergarten?
        Ach wie schön, das Kind wird sich im Leben mal behaupten wenn es so viel so deutlich sagt.

        Ich sage jedem NGO-Mittglied, das ich auf dem Marktplatzt treffe und das mir diesbezüglich was verklickern will,
        dass es sich erstmal ans Landwirtschaftsamt wenden soll und sich dort erkundigen soll, bevor es solche Halbwahrheiten in aller Öffentlichkeit behauptet.
        Ich gebe dem auch noch die Adresse!

        Das ist doch lächerlich, wenn manche Menschen sich so herablassen und für NGOs Habwahrheiten ohne den Zusammenhang zu kennen in der Öffentlichkeit auf öffentlichen Plätzen verbreiten.
        Die sollen sich was schämen, sich in aller Öffentlichkeit auf Kindergartenniveau zu begeben!

        Und das auf Kosten von anderen Leuten und deren Geldvermögen!

  9. Ferkelhebamme sagt

    Anspruch und Wirklichkeit klaffen so weit auseinander, dass es uns als Urproduktion das Genick bricht. Unsere „Rohstoffproduktion“, die Ferkelerzeugung bricht massiv weg. Es ist bereits 5 nach zwölf, ein Zurück wird es nicht geben.
    Ein Staat macht sich wegen Bauchgefühl-Entscheidungen abhängig vom Ausland.
    Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit in Reinkultur.

    https://www.wn.de/welt/wirtschaft/tierwohl-fleisch-wird-kaum-gekauft-2407551?pid=true

    Und jetzt sagt mir bitte, wie ich den Betrieb zukünftig aufstellen soll, wir müssen JETZT entscheiden und die Weichen für die Nachfolger stellen.

    • Brötchen sagt

      “Und jetzt sagt mir bitte, wie ich den Betrieb zukünftig aufstellen soll, wir müssen JETZT entscheiden und die Weichen für die Nachfolger stellen.”

      Wenn Dir das jemand sagen muss, höre lieber ganz auf….

      • Brötchen sagt

        Bzw. buche eine Reise nach Skandinavien……
        Dann überlegen und dann entscheiden…..

        • Jürgen Donhauser sagt

          In Skandinavien haben aber auch der LEH und die Verbraucher mit geholfen – was bei uns nicht der Fall ist. Aber dieses Engagement bröckelt auch in Skandinavien immer mehr wie man hört…..

          • Brötchen sagt

            10 Jahre und länger Erfahrung, kann man ja von lernen?
            Alles andere ist mir bekannt….

            • Jürgen Donhauser sagt

              Was lernen? Das dieser Weg auch eine Sackgasse ist? 🤷🏼‍♂️ Es gab brutal viele Betriebsaufgaben in Skandinavien, und es traf wie immer die kleinen Betriebe. Nach anfänglicher Unterstützung in der Gesellschaft, herrscht aber inzwischen ebenso vermehrt die Geiz-ist-geil-Mentalität! Hier läuft ebenfalls der Countdown.

              • Brötchen sagt

                Gut wenn Sie eben alles besser wissen.

                Ich kenne ja eine Wunderwaffe aus dem Fränkischen, kann ich nur grinsen…..auf die hören, dann klappt es garantiert!

          • Brötchen sagt

            Naja Schweiz, die haben zuviel Geld.

            Ich würde wie gesagt Skandinavien gucken, wenn das möglich ist.
            Kollegen bei einschlägigen Einrichtungen können das sicherlich weiter helfen.

            Skandinavien sind große neue Anlagen, mit pragmatischen Lösungen…

            Schweiz ist zu klein…

            • Ferkelhebamme sagt

              Uns geht es um die Erfahrungen mit diversen Stallbau-Konzepten, Buchtenstrukturen, Sauenlinien, Baukosten, biologische Leistungen…
              Ideen sammeln, ins “Deutsche” übersetzen, abwägen
              Skandinavien reizt auch, in die Schweiz haben wir aber schon direkte Kontakte

              • Brötchen sagt

                Hebamme, zu genau allen Punkten wirst Du keine Lösungen in der Schweiz finden, die Dir wirklich weiter helfen!

                Aber gut, man kann da schon hinfahren, lernen kann man überall, auch in D.

                • Ferkelhebamme sagt

                  Uns interessiert insbesondere die sinnvollste Buchtenstruktur bei freier Abferkelung. Und wenn man nur mitnimmt, wie es nicht geht, hat es sich schon gelohnt. Zu diesem Thema lernt man nicht in D.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Kannst ja schon mal bei Big Dutchman anfragen, die haben inzwischen mehrere Anlagen diverser Formen laufen.
                  Wenn du bei Bioland anrufst kannst du auch Sauenställe auf Eisntreu besichtigen. Hab in 2018 auch einen in Mäcpom geplant.

                • Ferkelhebamme sagt

                  Reinhard, Big Dutchman hat zu viel Schischi und ist damit zu teuer,und wirklich ausgereift und überzeugend sind deren Systeme auch noch nicht.
                  Einstreu im Abferkelstall auf keinen Fall. Frag mal die Tierärzte. Käme auch niemand auf die Idee, Stroh im Kreißsaal zu verteilen, oder?
                  Außer vielleicht die, die wissen, warum da Stroh liegt…

                • Reinhard Seevers sagt

                  Ferkelhebamme, dann vielleicht Schauer…..ganz viel werden es aber nicht überleben, so dass man zukünftig eher weniger Auswahl haben wird. Und die BIOS wollen Stroh auch im Abferkelbereich….mir doch egal.🤗

          • Jürgen Donhauser sagt

            Gehört nicht zur EU und kann Markt abschotten. Meine Schwägerin wohnt dort und sieht die höheren Lebenshaltungskosten. Wer in Grenznähe wohnt, pendelt zum Einkaufen am Wochenende aus. Zudem fördert der Staat massiv die eigene LW, was er ja darf, weil Schweiz als souveräner Staat nicht dem EU-Recht unterliegt. Somit ist die Schweiz als „Vergleich“ nicht maßgebend.

      • Ferkelhebamme sagt

        Selbst Chefeinkäufer des Leh und eines großen Schlachters, zu denen wir persönlich Kontakt haben, können nicht sagen, was sie in Zukunft wollen. Worauf sollen wir bauen? Erfahrung oder Hoffnung?

        • Brötchen sagt

          “Selbst Chefeinkäufer des Leh und eines großen Schlachters”

          ich habe von denen noch nie! irgendwas strategisches gehört, die machen nur Tagesgeschäft…

          Hebamme, Du kannst zwei Sachen machen, versuchen zu überwintern, alles reduzieren, das Du gerade noch über die Runden kommst.
          Alles was nicht sein muss bzw. alles schi schi hinterfragen…..

          Bei uns gibt es Betriebe die machen das so…

          übrigens die Kollegen in Skandinavien haben wirklich pragmatische Lösungen gefunden, nicht so kompliziert, wie bei uns..

          2. das große Rad drehen und voll auf die neue Zeit setzen

          Würde ich nur machen, wenn es einen “neuen rel. sicheren Absatzkanal gibt”

          Ferkel werden irgendwann extrem gesucht sein!

          Ferkel ist nicht ganz einfach, effektiv zu machen.

          Die Profis, die das können, werden immer gebraucht.

          Straathof kann den schönsten Stall haben, wenn er keine Leute hat, die ihm das Ding effektiv bewirtschaften, kann er auch einpacken…

        • Reinhard Seevers sagt

          Vor diesem Hintergrund und mit den oben genannten Tatsachen sollten sich die Berufsvertretung und die Betroffenen selbst mal endlich lautstark bemerkbar machen und das ZK-L auffordern, Farbe zu bekennen. Ruft doch mal bei Paetow, Ruckwied and friends an und fragt sie, wie es gehen soll. Und wie lange man durchhalten muss, bis Rettung naht.

          • Der Brandenburgbauer sagt

            @ seevers, von denen bekommen wir auch keine schlüssige Antwort wie es weiter hehen könnte. Alle und alles wartet jetzt auf das Ergebnis der Bundestagswahl und wer die neue Regierung stellt. Ich persönlich mache mir dabei nicht viel Hoffnung. Egal wer an die Macht kommt, Landwirtschaft wie zum jetzigen Zeitpunkt wird es dann nicht mehr geben . Es ist doch erklärtes Ziel der Politik und der einflussreiche NGOs , Schluss mit Landwirtschaft in Deutschland.

    • oberländer sagt

      geh davon aus das die LKW die die Schlachthaken der
      großen Schlachtkonzerne von Deutschland nach Spanien
      fahren schon vorbestellt sind.

  10. Mark sagt

    Im Zuge der großen Transformation ist Landwirtschaft im Allgemeinen und Tierhaltung im Besonderen in Deutschland nicht mehr erwünscht. Die Agrarfläche soll der Natur zurückgegeben werden und die Tiere werden befreit.
    Eine große Transformation gab es schon mal:
    “Ein „großer Sprung nach vorn“ sollte die chinesische Agrargesellschaft binnen kürzester Zeit ins Industriezeitalter katapultieren. Die Bauern wurden Ende der 50er Jahre gezwungen, neben ihrem Stall eigene Hochöfen zur Stahlproduktion zu bauen und zu betreiben. Doch der Stahl war weitgehend unbrauchbar und die Felder verkamen, das Vieh darbte. Die Bauern waren überfordert. Es kam zur größten von Menschen verursachten Hungerkatastrophe mit schätzungsweise 50 Millionen Toten.”

  11. Arnold Krämer sagt

    Die Gestaltung der Rahmenbedingungen für die deutsche Tierhaltung und hier insbesondere die Schweinehaltung erfolgte in den letzten 20 Jahren mehr und mehr unter dem Druck, der von NGO’s, Medien und einzelnen Parteien aufgebaut worden ist. Auch die entsprechende Besetzung von Führungspositionen in EU- und nationalen Behörden spielt eine wesentliche Rolle. Das Ganze hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte mit einem (aus meiner Sicht) wichtigen 1. Kristallisationspunkt durch das 1984 erschienene Buch von Kleinschmidt und Eimler: “Wer hat das Schwein zur Sau gemacht? Mafia-Methoden in der deutschen Landwirtschaft”. In diesem Buch werden tatsächliche Fehlentwicklungen und Mißstände insbesondere im Raum Südoldenburg dargestellt und angeklagt. In der Folgezeit haben sich mehr und mehr Personen für die Themen interessiert und entsprechend weiter “entwickelt”. Durch den sehr starken Einluss der Südoldenburger auf die Bundespolitik (vor 1990 wählten dort 70-80% CDU) wurden notwendige Korrekturen im landw. Rechtsrahmen viel zu spät angegangen und verändert. Jetzt ist der “Zug abgefahren” und hat negative wirtschaftliche Auswirkungen für alle ländlichen Räume und die dort lebenden Menschen in ganz Deutschland.

    Letztlich geht es um Politikversagen. Und der Agarsektor wird nicht der einzelne Leidtragende sein bei den vielen noch ausstehenden “Wenden”. Die Menschen werden sich noch wundern. Unter dem Diktat des Klimawandels werden die Veränderungen allerdings vermutlich schneller ablaufen als das bei der “Agrarwende” der Fall war.

    • Reinhard Seevers sagt

      Herr Krämer, für mich sind es auch die Bauern selbst, die sich die Sache eingebrockt haben. Seit ich denken kann, wird in unserer Region über die Südoldenburger “Gebräuche” diskutiert. Leider hat sich die Berufsvertretung bundesweit nicht getraut dagegen zu halten. Nach der Wende fühlten sich die Südoldenburger eher bestätigt und die bäuerlichen Strukturen sahen bereits ihren Niedergang kommen, haben aber immer noch nicht die regionale Besonderheit thematisiert, sondern sich die Daumenschrauben gleich mit anlegen lassen.

      • Arnold Krämer sagt

        Die auswärtigen Berufsvertreter waren angetan von dem, was Ihnen die Südoldenburger Landwirte vor Ort zeigten, blühende Landschaften, wunderschöne Hofstellen. Das wollten die anderen (Münsterländer, Nienburger, Emsländer, Hohenloher, Nordhessen…..) dann auch erreichen und haben “die Klappe gehalten” oder das eine oder andere auch nicht verstanden. Das “Nichtverstehen” galt lange Zeit auch für die politischen Apparate.

  12. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin, Tierwohl ist wieder einmal in aller Munde nicht erst seit jetzt. Es soll zukünftig noch mehr ins Blickfeld geraden. So tönen jedenfalls große Händler und nicht nur diese. Das ist aus meiner sicht alles Heuchelei wenn man die jetzige Situation betrachtet. Viele Mastbetriebe erreicht jetzt von den Schlachthöfen die Mitteilung das man die Tierwohl Prämi nicht mehr zahlen kann. Diese lag bisher zwischen 5 und 7 Euro je Tier. Damit soll jetzt Schluss sein. Weil die Abnehmer der Schlachthöfe den Aufschlag nicht zahlen wollen. Ist der Verbraucher wirklich nicht bereit für diese hochwertigen Lebensmittel etwas mehr Geld auszugeben? Die Abnehmer der Produkte aus den Schlachthöfen behaupten das. Also alles doch Heuchelei?

  13. Harald Müller sagt

    Bei der Diskussion um die Schweinehaltung gerade im kleinstrukturierten Bayern sollte die Rolle des Bauernverbands nicht außen vor bleiben.
    Mich regt immer noch dieser Artikel auf, erschienen vorgestern vor acht (!) Jahren:

    https://www.sueddeutsche.de/bayern/massentierhaltung-schweine-baron-kommt-nach-schwaben-1.1743145 (10.08.2013)

    Darin geht es um einen Stall für 3.000 (!) Zuchtsauen, den der damals bereits umstrittene Adrianus Straathof in Bayern bauen wollte (und später gebaut hat).
    Das mag rechtlich OK sein, und womöglich geht es den Tieren dort besser als in jeder kleinen Klitsche.
    Aber die darin wiedergegebene Positionierung des Bayerischen Bauernverbands ist für mich auch heute noch starker Tobak:

    ZITAT
    Der Bayerische Bauernverband sieht die Ansiedlung weniger kritisch: “Von einer Verdrängung kleinerer Betriebe kann nicht die Rede sein”, sagt Josef Wasensteiner, Referent für Tierhaltung und Tiergesundheit. “Viele kleinere Betriebe hören wegen einer Gesetzesänderung ohnehin auf, weil sie die neuen Anforderungen nicht mehr erfüllen können.” Zudem werde der Großbetrieb von den vorhandenen Großmästereien begrüßt, weil ihnen Ferkel dann aus einer Hand geliefert würden und deshalb weniger krankheitsanfällig seien.
    ZITAT ENDE

    Eine Richtigstellung des BBV habe ich anschließend vergeblich gesucht.

    Besonderes Schmankerl:
    Der damalige wie heutige Präsident des BBV, Walter Heidl, bewirtschaftet laut Medien einen Betrieb mit 40 Hektaren, 60 Zuchtsauen und 200 Mstschweinen…

    • Reinhard Seevers sagt

      Naja, da hatte der Bauernvertreter doch nicht ganz unrecht….lediglich seine vorweggenommene Kapitulation ist etwas peinlich. Erwähnenswert ist aber auch das Geseiere der anderen, wie NGOs und Grüne. Die haben jetzt nämlich genauso versagt, und damals rumgeheuchelt.

    • Jürgen Donhauser sagt

      Die weitere Entwicklung von Adrianus Straathof ist auch exemplarisch. Als Stein des Anstoßes für das “Magdeburger Urteil”, und der anschließenden öffentlichen Vernichtung durch NGO und Medien, erfolgte ein Tierhaltungsverbot in Deutschland. Meines Wissens ist er nun in Rumänien und betreibt dort eine noch größere Schweinehaltung unter den dort deutlich reduzierten Standard. Fazit: Den Schweinen geht es nun schlechter, die Produktion kann nicht mehr kontrolliert werden, und die Arbeitsplätze und Wertschöpfung wanderte ins Ausland, und er kann uns jetzt noch mehr unter Preisdruck setzen wie vorher. Solange Politik und NGO nicht verstehen, dass alleine durch kurzsichtige Maßnahmen (Ordnungsrecht) die Situation eher noch verschlimmert wird, sehe ich für deutsche Sauenhaltung keine Zukunft.

      • Reinhard Seevers sagt

        Das mit Straathoff hat ja eine ominöse Weiterfahrt aufgenommen: Straathoff – LFD – Holding (Eigentümer der Terra-Grundwerte AG, Schweiz) – Geschäftsführer des landw. Bereiches ein Herr Strehl, der Teilhaber einer Gesellschaft ist, die sich Ost-onsite Technologie GmbH nennt und in Radebeul sitzt, deren ehem. Geschäftsführer der Chinese Wang war…..man munkelt, dass die Chinesen hier Geld reinpumpen. Über die Schweiz ins Mecklenburgische. Nun unterstützt das Land die Ambitionen von LFD zur Errichtung eines Tierwohl-Vorzeigestalles? 😎😎Nichts genaues weiß man nicht….

        • sonnenblume sagt

          Den Schweinehaltern und der Öffentlichkeit wird dann der Vorzeigebetrieb präsentiert. Frei nach dem Motto, macht das auch so, geht doch. Alles andere bleibt im Dunkel. Da übt man sich in vornehmer Zurückhaltung.

  14. Heinrich Steggemann sagt

    Den Ausführungen kann ich mich als Sauenhalter nur anschliesen. Aktuell importieren wir weniger als 10% der Futtermittel nach Deutschland. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Nebenprodukte von Pflanzen, die in den dortigen Klimazonen deutlich höhere Hektarerträge als hier bringen.
    Bei sinkenden Sauenbeständen werden nicht nur mehr Ferkel nach Deutschland importiert, sondern auch anteilig mehr Futtergetreide und Nebenprodukte der Ackerbauregionen ins Ausland und nicht mehr in die Nachbarregionen transportiert.
    Wo und welche neuen Arbeitsplätze sollen entstehen für die wegbrechenden Arbeitsplätze im vor- und nachgelagertem Bereich?

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