Bauer Willi
Kommentare 110

Lieber Politiker….

…jetzt habe ich Ihres und alle andere Parteiprogramme gelesen. Mein Grundproblem als Bauer ist, dass sich Ihre Partei, ebenso wie andere Parteien auch, immer mehr dem Mainstream der sogenannten öffentlichen (oder besser: „veröffentlichten“) Meinung anpassen. Und in der kommen wir immer schlechter weg. Neulich war ich auf einem internationalen Symposium als Podiumsteilnehmer und durfte mir von einem Professor Vorwürfe (ja eigentlich schon Beschimpfungen) anhören wie „Sie verseuchen mein Grundwasser, sie verpesten unsere Ackerböden, in meinem Urin ist Glyphosat“.  Solche Vorwürfe, zumal sie von einem Wissenschaftler vor einem Publikum aus aller Welt vorgebracht wurden, sind schwer zu ertragen. Der normale Bürger denkt genauso, womit ich aber aufgrund meines fortgeschrittenen Alters noch einigermaßen zurechtkomme. Der Bürger weiß es halt nicht besser. Wie denn auch, bei dieser medialen Übermacht der Kritiker.

Für unsere Jugend sind diese Vorwürfe schon schwierig zu verkraften. Ich war bei  Landjugendverbänden eingeladen, auf denen mir die jungen Landwirte und Landwirtinnen erzählen, dass sie nicht mehr auf Feiern gehen, auf denen sie als Landwirt alleine sind. Wenn sie sich als Landwirte „outen“ werden sie sofort in Diskussionen verwickelt, denen sie (auch) emotional nicht mehr gewachsen sind. Also feiern sie nur unter sich. Das ist kein Einzelfall, auch wenn Sie mir das nicht glauben mögen. Heute wurde ich zu einen Landfrauenverband eingeladen und der Tenor ist der gleiche: „Wir Landwirte werden in der Gesellschaft nur noch angegriffen, müssen uns nur noch rechtfertigen und wissen eigentlich nicht wofür“. Ist das nicht eine kritische Entwicklung?

Vor zwei Wochen hatte ich Gelegenheit, Minister Schmidt zu sprechen, der mir aber auch nur antwortete, dass wir Landwirte wieder „in die Mitte der Gesellschaft“ gehören, wo wir aber derzeit nicht mehr seien. Wie wahr! Vor drei Wochen hatte meine Genossenschaft, in der ich ehrenamtlich tätig bin, Minister Remmel zu einem zweistündigen Gespräch in kleinem Kreis  eingeladen. Er äußerte die Befürchtung, dass die Landwirtschaft in Deutschland bald keine Rolle mehr spielt. Das sehe ich ähnlich, allerdings ist er mit seiner Politik daran nicht ganz unschuldig. Was ich ihm dann auch gesagt habe.

Was mir zunehmend Sorgen macht, ist die Einstellung des Handels, der sich mit den NGOs verbrüdert. Ob das REWE, EDEKA oder LIDL sind,  alle entdecken mittlerweile den Begriff der Nachhaltigkeit und des Tier- und Umweltschutzes für sich und nehmen sich WWF, NABU oder andere Organisationen mit an Bord. Und alle sehen uns Landwirte in der alleinigen Verantwortung. Das äußert sich dann in immer neuen Regelungen, die wir Landwirte einzuhalten haben oder ansonsten ausgelistet werden. Der LEH erhebt sich mittlerweile, gemeinsam mit den NGOs, zum neuen Gesetzgeber. Wenn dann unsererseits aber höhere Preise eingefordert werden, ist Schweigen im Walde. Und kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit der Initiative Tierwohl: da gibt es mehr enttäuschte Landwirte als glückliche. Denn beim nächsten Listungsgespräch sind die 4 Cent eh wieder futsch. Aber das große Plakat zur Initiative Tierwohl bei Aldi, Lidl und Co.  bleibt hängen. Das sehe ich jeden Tag und ärgere mich, weil das Fleisch oder die Milch im Laden wieder billiger geworden ist. Der LEH hat als Drehscheibe zwischen Produzent und Konsument nur noch die eine Seite, den Konsumenten, im Blick. Der Produzent ist austauschbar und das bekommt er jeden Tag zu spüren: „Wenn du nicht lieferst, dann halt ein anderer“. Und so machen das alle, auch ohne Kartell.

Zu den Medien möchte ich nicht viel sagen. Reportagen wie „Das Leiden der Turbo-Kühe“ oder Berichte in Frontal 21 („Die Gülle-Flut“) zielen ja auf Quote. Und da werden dann im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auch mal gerne Videos von Animal Right Watch gezeigt und so der Eindruck erweckt, als wäre das Gezeigte gängige Praxis in deutschen Ställen. Woher die Videos stammen wird nicht hinterfragt. Und ich finanziere das mit meinen Gebühren.

Warum ich das schreibe? Weil ich nach der Partei suche, die sich gegen den allgemeinen Mainstream stellt und sagt: „Stopp, bis hierhin und nicht weiter“.  Ein ethisch und wissenschaftlicher Diskurs über tiergerechte Tierhaltung mit der Gesellschaft sind schöne Worte. Ich kann Ihnen heute schon sagen, was die Gesellschaft möchte:

Bio! Aber bitte zum Schnäppchenpreis!

Dieses Dilemma kann nicht aufgelöst werden, da die gesellschaftlichen Ansprüche der Bürger und die Zahlungsmoral der Konsumenten nicht zusammenpassen. Oder anders: Der Bürger hat höchste Ansprüche an Umwelt-, Tier- und Naturschutz, der Konsument will billig.

Ich betreibe seit 35 Jahren praktische Landwirtschaft und habe selbst erlebt, wie sich unser Betrieb vom Idyll mit Kühen, Schweinen, Hühnern und Enten zu einem spezialisierten Ackerbaubetrieb mit modernster Technik entwickelt hat. Gleiches gilt für die tierhaltenden Kollegen mit Melkrobotern. Die Qualität unserer Produkte ist immer höher geworden, der relative Verkaufserlös immer niedriger. Von 100 kg Weizen konnte sich mein Vater 400 Brötchen kaufen, bei mir reichen 100 kg Weizen noch für 53 Brötchen. Das können Sie jetzt gerne mal in Prozent ausrechnen.

Doch ich möchte nicht über schlechte Preise jammern. Damit kann ich als selbstständiger Unternehmer umgehen. Und zwar, in dem der Betrieb noch größer wird, die Betriebszweige noch spezialisierter. Doch da bekommt der von allen Parteien so gern gebrauchte Satz vom „Erhalt des bäuerlichen Familienbetriebes“ einen zynischen Beigeschmack. Ich weiß es und Sie sollten wissen, dass diese Vorstellung nicht weiter aufrecht zu erhalten ist. Das beginnt schon mit der einfachen Tatsache, dass uns Bauern in wenigen Jahren der Nachwuchs fehlen wird, der unsere Betriebe weiterführt. Unser Sohn macht im nächsten Jahr seinen Master in Agrarwissenschaften und ich weiß nicht, ob ich ihm bei der gegenwärtigen geringen gesellschaftlichen Akzeptanz seines Berufes raten soll, den Betrieb zu übernehmen.

Sie fragen mich, ob ich Vorschläge habe, wie man das Prinzip von Wachsen oder Weichen ändern könnte. Nein, die habe ich nicht, aber ich bin auch kein Politiker sondern nur ein Bauer. Aber ich hätte eine Bitte: hören Sie und Ihre Kollegen in allen anderen Parteien endlich auf, uns mit Ihren Sprechblasen zu langweilen sondern sagen sie uns einfach mal die Wahrheit. Das wäre eine Überraschung, denn damit rechnet nämlich keiner. Und diese Wahrheit lautet: Wachsen oder weichen. Das ist der Markt! Kann aber auch sein, dass Sie das Ziel verfolgen, die deutsche Landwirtschaft komplett auf Bio umzustellen. Können wir, aber eben nicht zum Schnäppchenpreis. Den Hartz-IV-Satz sollten Sie übrigens nach der Umstellung auch schon mal kräftig anheben, um soziale Unruhen zu vermeiden. Vergessen Sie dabei bitte auch nicht die Flüchtlinge. Denn auch die sind auf preiswerte Lebensmittel angewiesen.

Denken Sie mal darüber nach. Und ich überlege, wen ich beim nächsten Mal wähle. Denn das werde ich auf jeden Fall tun, als anständiger Staatsbürger. Doch ob es Ihre Partei ist, hängt davon ab, wie sie handeln. Und nicht wie Sie reden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Bauer Willi

 

 

Alle Artikel (Folge 1 bis 5) der Parteienbetrachtung zur Landwirtschaft:

(Aufrufe 3.622 gesamt, 1 heute)

110 Kommentare

  1. Schweinebauer Piet sagt

    Man ist hier was los. Wenn ich wieder fit bin lade ich interessierte nochmal in unseren Stall ein. Beim letzten Mal gab es genug, die das was die Medien berichten nicht glauben. Ich denke das ist ein guter Beitrag.

    Klugscheißer gab es da keine, nur welche, die meinen das bringt nichts. Ich werde dann berichten.

    0
    • Alexis Zsipras sagt

      Da kommen nur die die sich nicht total abwenden, bzw. das Haltungssystem ablehnen. Mit den Besucher hat man es nicht so schwer, die Leute die extrem kritisch sind, tauchen da nicht auf und das sind keine unbedeutenden Mengen. Da sollte sich der Schweinebauer Piet nichts vormachen.

      0
      • Schweinebauer Piet sagt

        Das stimmt, es gibt aber genug die interessiert sind! Die anderen schreien nur, weil es ihnen anscheinend dann zu gut geht und sie nichts anderes haben zum meckern. Ob und wie man die aufklären muss weiß ich nicht, die sind vermutlich nicht belehrbar, aber die Information haben wollen, denen versuche ich sie so gut wie möglich zu geben.

        0
      • bauerhans sagt

        alle,denen ich den stall gezeigt hatte,waren beeindruckt,weil sie sich das so gar nicht vorgestellt hatten.
        insbesondere auch das thema arbeitsumfang,freizeit,urlaub und verkaufspreise sprachen die leute von sich aus an,wobei man sofort merkte,dass sie das aus ihrem nichtwissen heraus beurteilten.
        interessante geschichte am rande: in unmittelbarer nachbarschaft wurde letztens ein altes haus verkauft und dort hatten sich auch 2 veganer beworben,die bei der besichtigung sofort fragten,wer denn hier schweine hätte,die man ja riechen könne.
        die hatten dann wohl so scharf gehandelt,dass der verkäufer ablehnte und an aussiedler verkauft hat.
        wer weiss,was alles mit den veganern als nachbarn auf mich zugekommen wäre.

        0
  2. Hallo Willi,

    der Beitrag gefällt mir. Ich würde nur nicht so sehr auf den LEH herum hacken. Besser mit denen gemeinsam nach Lösungen suchen. Zwar ist denen der einzelne Bauer egal. Aber von irgendjemanden müssen sie ihre Waren kaufen und wenn man mit ihnen gemeinsam bestimmt, was ein gutes Produkt ist und es den Verbrauchern dann noch gefällt, werden sie dieses auch gerne verkaufen.

    Völlig recht hast du mit deinen Hinweisen zum Strukturwandel. Der ist ebenso unaufhaltsam wie dass sich unsere Wirtschaft entwickelt. Die PCs und Smartphones, die jeder privat nutzt, hinterlassen auch in der Landwirtschaft ihre Spuren. Und wenn die Bäcker Brötchenpreise anheben wenn sie mehr verdienen wollen, ist unweigerlich auch der Bauer unzufrieden, wenn sein Einkommen nicht genauso steigt. Allerdings kann der Bäcker auch nicht ohne weiteres die Preise anheben. Auch er hat mit dem Strukturwandel zu kämpfen und wird seine „teureren“ Brötchen nur los, wenn sie jemand so toll findet, dass er oder sie dafür auch zu zahlen bereit ist. Dafür muss er ein überzeugendes Produkt anbieten.

    VG

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Crux
      wie passend. War heute zwei Stunden in einer LEH-Zentrale, weil die mit mir reden wollten. Und es war ein sehr gutes Gespräch, kontrovers und konstruktiv.
      Bauer Willi

      2+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Crux, der LEH ist tatsächlich mittlerweile ein maßgeblicher Trendsetter für die Landwirtschaft. Der LEH ist weit mehr aktiver als sich das die meisten Landwirte vorstellen können. An den Konferenztischen des LEH sitzen alle namhaften NGO’s. Mit diesen diskutiert der LEH Nachhaltigkeitsstrategien. Der Bauernverband wird nur dann mit einbezogen, wenn es darum geht, den Bauern die Ergebnisse davon zu verkünden.
      Alois

      2+
      • Warum sitzt der DBV nicht mit am Tisch? Er hat doch vor allem zwei große Probleme, die eng miteinander zusammen hängen. Das erste Problem ist, dass er in der Vergangenheit viel zu sehr als Bremser und als wenig innovativ aufgefallen ist. Das zweite ist, dass er sich viel zu schwer damit tut, seinen Mitgliedern ehrlich zu sagen, was Sache ist. Warum soll man sich mit so jemanden lange aufhalten?

        1+
        • Alois Wohlfahrt sagt

          Ja, so ähnlich wurde uns das auch geschildert. Die Innovationen entstehen ohne Zutun der etablierten landwirtschaftlichen Verbände und auch ohne die Politik. So hat z.B. das Buch „Die Wegwerfkuh“ von Tanja Busse beim LEH Überlegungen ausgelöst, wie Milchbauern jenseits des reinen Milch-Literpreises entlohnt werden könnten um eine insgesamt „Verbraucherverträglichere Milchproduktion“ betreiben würden. Der LEH braucht solche Konzepte ebenfalls, um dem Verbraucher glaubhaft „glückliche Kühe“ mit seinem Milchprodukten verkaufen zu können. Bei der Initiative Tierwohl haben wir das ja schon gesehen, dass bestimmte Leistungen vom LEH honoriert werden, jenseits des normalen Kilopreises. Und die „Marke Tierwohl“ gehört nicht den Bauern, sondern die dürfen nur daran teilnehmen (können die Bedingungen akzeptieren oder halt nicht), aber z.B. nicht mit dem Logo werben. Vom der Verlosung der Gelder mal ganz zu schweigen. Man sieht also hier ganz klar, wer anschafft. Wollte man von der bäuerlichen Seite da wirklich etwas ändern, dann müsste man schon etwas mehr tun als mit dem Traktor nach Brüssel zu fahren.

          0
  3. Hallo Willi,
    Du sprichst mir aus dem Herzen, nur weiter so!

    Sie Anzahl der Kommentare zeigt, dass Du hier richtig liegst.
    Viele geben in Ihren Kommentaren ihren „Glauben“ wieder, der an der Realität vorbei geht, Beispiel Herr Fendt.

    Wenn jemand vom DBV kein „Hetzer“ ist , dann wohl Herr Schwarz, aber man muss seine größten „Feinde “ bekämpfen. ..

    Für mich ist das Beispiel der Bio Kartoffeln aus Ägypten obwohl deutsche Bio Kartoffeln am Markt sind und sogar liegen bleiben müssen das Parade Beispiel für eine Entwicklung, die der Verbaucher einmal bewusst, aber zum anderen auch aus finanziellen Gründen forciert, die die deutsche Landwirtschaft zerstören wird.
    Wir schrauben unsere Auflagen für unsere Landwirtschaft so hoch, das unser Hunger aus Kostengründen nicht mehr aus deutscher Produktion gestillt werden kann, sondern komplett importiert werden muss , aus Ländern in denen Grundsätzlich deutlich geringere Auflagen gefordert werden.
    Vor der Haustür ist es „sauber“ das Gewissen ist rein, egal, das wir in anderen Ländern Ressourcen zur Nahrungsmittel Produktion blockieren und dort Menschen wieder mehr hungern, weil wir einfach reicher sind und wir ein „reines“ Gewissen haben wollen.

    Diese Entwicklung ist viel mehr egoistisch und asozial, als ehrenwerten!

    Abhilfe schafft in dieser Situation wohl nur richtiger Hunger!
    Damit man sich mal wieder mit Verstand Gedanken um intelligente Lebensmittel Erzeugung macht, anstatt nur den billigsten Urlaub zu suchen…

    Ich frage mich manchmal was die Menschen in den Hungernden Regionen dieser Welt denken würden, wenn Sie wüssten wie „wir“ hier über die Produktion von Lebensmitteln streiten.

    In einer Wohlstandsgesellschaft kümmert man sich wohl am besten nicht um Nahrungsmittel, man kann es nicht recht machen. ..

    6+
    • bauerhans sagt

      „Viele geben in Ihren Kommentaren ihren “Glauben” wieder, der an der Realität vorbei geht, Beispiel Herr Fendt.“

      das macht die sache aber „würziger“,ist nicht langweilig hier….

      0
    • Rufer aus der Wüste sagt

      In einer Zeit wo Multikulti auf dem Vormarsch und schon fest installiert ist da kann kein Politiker fordern

      „Deutsche kauft deutsche Kartoffeln“

      Denn das ist Rechtes Gedankengut und gehoert verboten. Heute zutage muss alles von ueberall auf er Welt herkommen so das die einheimische Wirtschaft zerstoert wird.

      Wird doch nicht so schwer sein den einheimischen Markt zu schuetzen. Einige Ostlaender schaffen es ja auch das keinen Fluechtlinge ins Land kommen. Dann wird es doch fuer Deutschland moeglich sein das keinen agyptischen Kartoffeln den deutschen Markt ueberschwemmen.

      Aber da keine der regierenden Parteien das eigene Volk liebt wird sich auch hier nichts aendern. Also weiter jammern wie bisher und bei den naechsten Wahlen wieder die gleichen waehlen.

      0
  4. Alexis Zsipras sagt

    Hallo Willi!

    Aufmerksam hören!

    https://www.radioeins.de/programm/index.htm/psdoc=%21content%21rbb%21rad%21programm%21sendungen%21sendungen%2128%211412%21141214_eins_h_rbar_rust_15569.html

    Die pol. Theorie ist ja meines Wissens so, das die vorherrschenden Parteien und Politiker, das Willens- und Meinungsbild der sich pol. artikulierenden Gruppen der Gesellschaft wiedergeben.

    Also sollten die Bauern das auch ernst nehmen und sich Gedanken machen, wie sie die „Kundenwünsche“ befriedigen können.

    VG

    0
    • Alexis Zsipras sagt

      gerade noch was gefunden, was passend ist….aus Sueddeutsche

      Interview mit dem Intendanten München M. Lilienthal
      Zitat:“Ich glaube an eine Beeinflussbarkeit von Dingen. Ich denke nicht, dass es egal ist, wer an der Regierung ist. Was man gemeinhin über Politiker denkt, stimmt jedoch nicht. Politiker sind keine Menschen mit Idealen – das ist Kitsch. Im besten Fall sind Politiker merkwürdige Seismografen, die Erdbeben innerhalb ihrer Wählerschaft aufnehmen und daraus pragmatische Kompromisse herstellen. Es geht ihnen nicht darum, ihre Überzeugungen zu vertreten.“

      0
      • bauerhans sagt

        „Im besten Fall sind Politiker merkwürdige Seismografen, die Erdbeben innerhalb ihrer Wählerschaft aufnehmen und daraus pragmatische Kompromisse herstellen. Es geht ihnen nicht darum, ihre Überzeugungen zu vertreten.”

        kenne persönlich einen seit den 70ern,der damals schon auf den bundestag hin arbeitete,mittlerweile schon wieder raus ist aus dem bundestag,einen posten in einem verband hat,geld ohne ende und GEIZIG wie ne kirchenmaus.
        der hatte sein fähnchen immer im wind…….

        1+
    • Bauer Willi sagt

      Sorry Alexis
      aber die Sendung dauert eine Stunde und 10 Minuten. Wäre lieb, wenn Du mir einen Extrakt geben könntest. Danke
      Bauer Willi

      0
      • Alexis Zsipras sagt

        Hallo Willi!

        Ich lade mir das runter und höre das im Zug usw…

        Extrakt: er vermeidet bewußt? das Thema LW, erzählt das er im Tierschutzverein Mitglied ist, das er einen Hund hat und das sein Versuchschaf damals an der Uni es gut hatte.

        Ich würde sagen gut vorbereitet und beraten gewesen!

        Er macht seinen Job gut!

        VG

        0
        • Bauer Willi sagt

          Hallo Alexis,
          danke für den Extrakt. Habs in einer Minute kapiert. Was das Befriedigen von Kundenbedürfnissen angeht, haben uns die Biobauern und Hofladenbesitzer einiges voraus. Und unser Sohn, Ist zwar noch Student, hat aber noch nie einen Cent von seinem Vater angenommen. Aber zu erklären, womit der die Kunden beliefert, würde den Rahmen sprengen. Und ihm seine kleine aber feine Marktlücke kaputt machen. Kann nämlich jeder, man muss nur erst mal drauf kommen. Den Geschäftssinn hat er wahrscheinlich von der Mutter 🙂
          Bauer Willi

          0
          • bauerhans sagt

            „noch nie einen Cent von seinem Vater angenommen. “

            wahnsinn,sowas gibts….wie geht das…..???

            0
  5. Willi, das hast du richtig gut geschrieben!
    Ich kann mir gut vorstellen, dass sich in Zukunft immer weniger junge Menschen für diesen eigentlich vielseitigen und tollen Beruf interessieren werden. Er ist mittlerweile in vielen Bereichen zu unattraktiv. Ich selbst werde jedenfalls darauf bestehen, dass meine Kinder einen anderen Beruf erlernen!

    Ich kann auch besser damit umgehen, wenn man mir die Wahrheit sagt und ich kann damit leben mich bewusst dafür entschieden zu haben betrieblich nicht zu wachsen und damit zu den weichenden Betrieben zu gehören. Die schizophrenen Anforderungen und die verquere Gefahrenwahrnehmung unserer Politik sind völlig daneben und nichts, womit es Freude macht ein Unternehmen zu führen!

    6+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Palla, bitte verbiete Deinen Kindern nicht Landwirtschaft zu lernen. Lasse sie selbst entscheiden, wenn es soweit ist.
      Das was wir nicht tun dürfen, ist den Kindern undankbare Hypotheken hinterlassen, z.B. für sie einen Stall bauen, wo der Hofnachfolger dann die nächsten 20 Jahre im Kreditkorsett steckt.
      Alois

      1+
      • Alexis Zsipras sagt

        Falls jemand Land zu verschenken hat, ich nehme es gern! Nehme auch alte Stallgebäude und so….Stamme aus einer Flüchtlingsfamilie…Großvater Müller in Pommern, Großmutter mit Bodenreformland 3 ha.

        Hört ruhig alle auf, ich mache weiter……..kenne auch einige die haben Lust, was zu bewegen….

        0
  6. Der Brötchenpreis ist auf die 100 kg Weizen bezogen.

    Wie sieht die Rechnung aus, wenn man den Brötchenpreis auf die Arbeitszeit bezieht, die für die Produktion der 100 kg Weizen heute und damals eingesetzt werden müssen?

    0
    • Gernot sagt

      Bin mal gespannt ob darauf endlich mal ein Antwort kommt, da die Frage ja schon mehrmals gestellt wurde.
      Aber ich denke mal hier wird stur an der (lieber Bauer Willi bitte entschuldige die harte Formulierung) populistischen Milchmädchenrechnung festgehalten.
      Es ist halt immer kritisch einen vermeindlichen Preisverfall an einem Produkt festzumachen.
      Also 1975 lag der Weizenpreis bei etwa 200 Euro pro Tonne 2015 etwa bei 175 Euro.
      Ein Fernsehgerät kostete damals etwa 800 Euro heute 350 Euro.
      Mensch Bauer Willi, der Wert Deines Weizens hat sich ja verdoppelt :-)….

      Meine Rechnung ist blödsinn? Ja, Deine aber auch 😉

      0
      • Bauer Willi sagt

        @Gernot
        Ja, Du bekommst eine Antwort. Vielleicht klickst Du mal auf den Beitrag „Das Brötchen im Wandel der Zeit“. Steht oben unter den Favoriten. Hat was mit der relativen Kaufkraft meiner eigenen Produkte im Vergleich z.B. zum Handwerker zu tun. Der Vergleich mit dem Fernseher ist ja recht passend. Warum ist der so preiswert geworden? Weil er in China zu niedrigen Löhnen produziert wird. Die heimische Elektronikindustrie existiert nicht mehr. Jetzt kann man sagen: Nicht schlimm, das ist halt so, das ist der Markt. Und sich auf den Standpunkt stellen: Machen wir mit der heimischen Landwirtschaft auch so. Musst nur sagen, dass Du das so willst. Die entsprechende Partei wählen, und dann wird das auch realisiert. Das ist es, was ich möchte: Sagst uns doch, was ihr mit uns vorhabt, dann stellen wir uns schon darauf ein. Allerdings sehe ich schon einen Unterschied zwischen Fernsehern und Lebensmitteln.
        Bauer Willi

        0
        • Gernot sagt

          @ Willi,

          Nein, ich habe keine Antwort bekommen.
          Du als Landwirt erstellst ein Produkt, ein Handwerker verrechnet aber Arbeitszeit.
          Nun ist im Laufe der Zeit die Produktivität des Handwerkers (meistens) gestiegen.
          Wenn ein Arbeiter am Fließband früher x Stücke seines Produktes in der Stunde erstellt hat so sind es jetzt durch weitere Prozessoptimierung und Automatisierung X+Y%.
          Da der Unternehmer dadurch entweder mehr Stück des Produktes verkaufen kann oder weniger Arbeiter braucht um die gleiche Stückzahl zu produzieren kann er höhere Gehälter zahlen.

          Nochmals versteh mich nicht falsch.
          Ich verstehe Deinen Frust. Es ist wirklich so, dass ich nicht als Landwirt arbeiten möchte, da mir gerade für Euch mittleren Betriebe, der Aufwand nicht adequat zur Bezahlung erscheint. ( Will sagen es kommt nicht genug dabei rum.)
          Aber so ist es halt.
          Ich war mit Leib und Seele Koch, musste aber meinen Jaob aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. That’s life. Ich mußte mich auch an die geänderte Situation anpassen und etwas neues beginnen
          Ich soll sagen was ich mit Euch vor habe?
          Nun, erstens habe ich hier keine Macht und Einfluß und auch wenn, ich habe nichts mit Euch vor, sondern halte es mit Friedrich dem Großen, der sagte „Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden.“

          Wie gesagt, ich subventioniere auch gerne kleine und mittlere Betriebe, solange für die Gemeinschaft dadurch ein Vorteil ensteht.

          Dieser Vorteil kann auch eine geringere Abhängigkeit von Exporten sein, oder eine höhere Qualität des erzeugten Gutes, bzw. eine geringere Belastung der Umwelt.

          Aber dann bitte versteht Ihr Landwirte auch, dass Ihr keine selbständigen Unternehmer mehr seid sondern einen Status ähnlich den eines Angestellten habt.

          Du hast geschrieben, ich glaube in Deinem Blog über die LINKEN (nicht meine Partei), Du hälst Strafabgaben für den falschen Weg.
          Sind Strafabgaben aber am Ende nicht so etwas wie negative Subventionen.
          Also auch ein Anreiz ökologischer zu produzieren?

          Wie gesagt wenn ich die Lösung für die Situation wüsste, wäre ich sicher steinreich. Bin ich aber nicht.

          0
      • Landsberg sagt

        In meiner Kindheit kostete ein dz Weizen 20-22 Euro . Ein Handwerker kostete 2 Euro pro Std . Ich konnte mit einem dz Weizen 10 Handwerkerstunden bezahlen. Ein dz Weizen kostet heute knapp 20 e /dz Ich brauche aber 3 davon für einen normalen Handwerker pro Std

        0
  7. Ludwig Wreesmann sagt

    Bio laugt die Böden aus
    letzte Woche war ich auf einem Bioland Feldtag (vielleicht kann man ja als konventioneller etwas lernen). In einem Vortrag sagte der Berater: „Nach Jahren in der Bioberatung sind die Böden nicht besser geworden.“ Stickstoff kann nur durch Pflügen mobilisiert werden und damit Humusabbau. Die Phosphorwerte sind auf vielen Bio Böden inzwischen in der Gahaltsstufe A und damit ist P für die Pflanze kaum noch verfügbar. Ähnlich sieht die Situation bei Kali aus. Das Bioland Magazin empfiehl das Aufkalken der Böden um P zu mobilisieren, was wiederum zu Humusabbau und Festlegung von Mikronährstoffen führt.
    Es zeigt sich mal wieder von nix kommt nix. Ich kann nicht nur fordern sondern muss auch füttern.

    4+
      • Thorsten S sagt

        Etwas Pflanzenkunde, dann könnten Sie einiges über Nährstoffmobilisierung durch Pflanzen erlernen Herr Rufer.
        Nur bedeutet weitere Mobilisierung weiter sinkende Bodengehalte an Nährstoffen.

        Schon mal in Erfahrung gebracht wie viel KG Stickstoff für 1% Humus im Boden vorhanden sein müssen?

        0
      • Bauer Willi sagt

        Hallo Rufer
        habe während meiner Promotion auf dem Versuchsgut der Uni Bonn gearbeitet, auf dem ein Fruchtfolgeversuch lag, der über 100 Jahre alt ist. Leider habe ich davon keine Bilder. Es stimmt, dass man eine ganze Weile von den Bodenvorräten zehren kann, aber irgendwann ist die Kraft der Pflanzen, die sie aufwenden muss um an die restlichen Nährstoffe heranzukommen so groß, dass sich das in einer deutlichen Ertragsminderung auswirkt. Ansonsten empfehle ich die Literatur diverser Fachbücher (Bodenkunde, Handbuch des Pflanzenbau) um zu verstehen, wie diese Prozesse im Einzelnen ablaufen. Das Video erinnert mich in gewisser Weise an Vorlesungen der Agrarwissenschaften im 3. und 4. Semester. Es ist für mich nichts neues dabei. Hoffe, dass hat Ihnen weitergeholfen.
        Bauer Willi

        0
        • Rufer aus der Wüste sagt

          Servus Bauer Willi

          Mir hat das Video schon weiter geholfen weil mir aufgefallen ist das in Beitragen zur organischen Anbauweise sich eigentlich niemand so gross Gedanken wegen den NPK Komponenten macht.

          Wo kommen dann die Naehrstoffe her? Ich denke fuer meinen Teil wurden sie in dem Video beantwortet.

          Natuerlich muss man von aussen Duenger zugeben. Mist, Guelle, Mulch um das Bodenleben am laufen zu halten. Denn sonst werden irgendwann die Bodenvorraete erschoepft sein.

          In der Metzgerlehre wurden sollche Punkte vor 30 Jahren weniger angesprochen. Das wundert mich gerade das man da sogar studieren muss. Sachen gibts.

          0
      • Junker sagt

        Den Vergleich mit dem Girokonto find ich gut. Wenn man mehr abhebt, als einbezahlt wird ist halt irgendwann schluss mit lustig.

        0
  8. Rufer aus der Wüste sagt

    Gibt es denn nur 4 Parteien in Deutschland?

    Vielleicht sollte man einmal den Mut aufbringen und andere Parteien waehlen?

    Oder wird alles andere ausgeblendet? Kennt man mitlerweile.

    2+
  9. Mr Tom sagt

    Es ist zu befürchten, dass unsere „Gesellschaft“ erst begreift, was NGO´s, Politik und Medien gerade anrichten, wenn es zu spät ist – wenn wir vielleicht auch mal wieder Hunger leiden, oder zumindest auf Importe angewiesen sind.
    Die Flüchtlingsströme sollten uns Mahnung genug sein, wieviel Elend in unmittelbarer Nachbarschaft herrscht.

    4+
    • Andreas Fendt sagt

      Es ist zu befürchten, dass unsere „Gesellschaft“ erst begreift, was moderne Landwirte gerade anrichten, wenn es zu spät ist….

      0
      • bauerhans sagt

        unsere „gesellschaft“ erfreut sich der günstigen preise.
        einige wenige versuchen landwirtschaft emotional schlecht zu reden und die politik legt den bauern immer neue daumenschrauben an.

        1+
        • Andreas Fendt sagt

          Ja mit „Brot und Spiele“ stellt man das Volk ruhig. Brot beim Discounter, wen stören schon 20 Substanzen und jährlich 18.000 Tonnen Teiglinge aus China?
          http://www.stern.de/wirtschaft/news/billig-broetchen–6-fakten-zum-prebake-brot-aus-dem-supermarkt-6336994.html

          Und für die „Spiele“ zahlen wir alle über unsere GEZahlt Zwangsabgabe Milliardengehälter an +/- begnadete Kicker (Liga) oder Deppen die mit viel PS im Kreis fahren (Formel 1)

          Und dann regt sich Will auf, dass alle 6 Monate mal ein Kurzvideo aus einem besonders üblen Stall zu sehen ist….

          0
          • Gernot sagt

            hmm… sind wir mal wieder beim Brot?

            Ja, dass mit den Teiglingen ist ein blödes Ding.
            Nicht etwa wegen der Enzyme. Mir hat bis heute niemand erklären können warum Enzyme schädlich sein sollen, sondern deshalb weil unser Geschmack geprägt wird und wir ein „richtiges Brot“ nicht mehr kennen.
            Problem ist nur, dass sehr viele „handwerkliche“ Bäckereien inzwischen auch Backmischungen einsetzen.
            Wenn ich einen kleinen Bäckerladen sehe, der ständig 5-10 Brotsorten und einige Semmelsorten im Sortiment hat, frage ich mich wie das gehen soll.
            Hat der Betrieb wirklich diverse verschiedene Sauerteige im Ansatz?
            Oder gilt auch hier angelehnt an einen Werbesong der 80er „Tüte auf, kalt Wasser drauf?“
            Um solche Betriebe ist es nicht schade wenn Sie eingehen. Hier wird der Verbraucher in die Irre geführt.
            Da finde ich das Aldi Körnerbrot ehrlicher.
            Ich weiß hier, dass ich Chemie kaufe. (Dafür hält es sich aber auch 14 Tage frisch obwohl es angeschnitten ist).
            Normalerweise backe ich aber selber. 90% Roggen mit echtem dreistufigem Sauerteig, so ein Brot kann man nicht (oder nur zu einem irren Preis) kaufen.
            Achso, in DE habe ich kein Brot gebacken, da gab es einen Bäcker, der hatte ständig im Angebot: Passauer (Semmel), Breze, Roggenmischbrot und dann täglich wechselnd 1 zusätzliche Semmelsorte und eine andere Brotsorte.
            Der Laden war klein, die Preise hoch und die Leute haben morgens Schlange gestanden.

            0
  10. Ein hervorragender Brief! Sehr diplomatisch formuliert, doch auch so, dass die Hitze des Feuers dahinter durchaus noch zu spüren ist. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg damit und hoffe, dass Sie den Parteien damit einen Denkanstoß geben. Das Einzige, was ich mir noch zu lesen gewünscht hätte, wäre gewesen, dass Ihr Solidaritätsaufruf auch alle ANDEREN Berufe mit einbezieht, in denen Menschen für Menschen (und nicht für das große Geld) arbeiten: LehrerInnen, ErzieherInnnen, PolizistInnen, AltenpflegerInnen etc. etc., die allesamt von ihrem Gehalt wenn überhaupt nur mit großer Mühe und unter Entbehrungen eine Familie ernähren können. Aber, obwohl das alles miteinander zusammenhängt, sieht wohl jede Berufsgruppe immer nur sich selbst … 😉

    1+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.