Bauer Willi
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Wenn das Essen teurer würde…

„Ich würde ja für meine Lebensmittel gerne mehr bezahlen, wenn ich wüsste, dass…“

„Für mehr Tierwohl ist der Verbraucher gerne bereit, für ein Kilo Fleisch soundso viel Euro mehr zu bezahlen“

„Die Landwirte sollten doch mehr darauf achten, dass die Umwelt geschont wird. Das wäre mir was wert“

„Ich bin dafür, dass die Subventionen für Landwirte abgeschafft werden“

„Lebensmittel sind viel zu billig, es müsste mal wieder eine Hungersnot geben“

Wer kennt sie nicht, diese Aussagen. Und immer geht es dabei nur um eines: um Geld.  Nun habe ich mir überlegt, was passieren würde, wenn Lebensmittel doppelt so teuer würden, als sie heute sind. Wir Bauern sollen ja nach dem Wunsch unserer Mitbürger ökologischer als heute produzieren (Stichwort: mehr Bio). Das hat aber seinen Preis, denn der Verzicht oder die Einschränkung von Betriebsmitteln hat sinkende Erträge und damit ein geringeres Angebot zur Folge. Dann steigen die Preise. Doch auch die Streichung der Subventionen käme zu einem ähnlichen Ergebnis. Wenn die staatlichen Transferzahlungen wegfallen, muss ich als Bauer mein Einkommen über einen höheren Produktpreis erzielen. (Man kann lange darüber philosophieren, ob das realistisch ist) Wenn das nicht eintrifft, muss ich „den Laden zumachen“, aber das wollen die meisten auch nicht. Ich sage nur „Erhalt des bäuerlichen Familienbetriebes„. (an den ich übrigens schon lange nicht mehr glaube)

Die nackten Zahlen über unser Konsumverhalten

Doch wie viel gibt der Bürger tatsächlich für Lebensmittel aus? Wie viel für andere Bereiche? Und ändert sich das mit der Höhe des Einkommens? Dieser Frage wollte ich mal nachgehen und habe eine  Statistik gefunden, veröffentlich vom Statistischen Bundesamt Destatis in 2017. Den Link findet ihr unten. In der Grafik habe ich einige Bereiche wie Telekommunikation, Beherbergungsdienstleistungen oder auch Innenausstattung weggelassen, weil es sonst zu unübersichtlich geworden wäre. Wer will, kann sich die gerne im Original ansehen. Mich interessierte vor allen Dingen der Bereich Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren.  Im Mittel gibt dafür jeder Haushalt 13,9% (332 € im Mittel)  im Monat aus. Die Zahl von 11%, die jeder von uns im Kopf hat, gilt wohl nur für Nahrungsmittel, aber andere, vor allem verlässlichere Zahlen als diese habe ich keine. Auffallend ist der hohe Anteil für Wohnen und Energie, der zwischen 458 und 1320 € je nach Einkommen ausmacht. (47 bis 30%). Das Abbezahlen des Einfamilienhaus ist in dieser Rechnung mit drin.

Wenn Lebensmittel doppelt so teuer werden

Es wären dann im Mittel über alle Haushalte 664 € oder rund 28% Im Mittel! Für Gutverdienende eher kein Problem, für Niedriglohnempfänger allerdings schon, denn hier würde der Preisanstieg 35% ausmachen. Mit Wohnen und Energie (46,5%) addiert, wären über 80% ihres Nettoeinkommens schon weg. Für Gesundheit, Bildung, Bekleidung und Mobilität bleibt da nicht mehr viel. Und für Freizeit, Unterhaltung und Kultur auch nicht. Doch auch die anderen Einkommensklassen müssten sich bei diesen Ausgaben einschränken.

Wo einschränken?

Ein sehr großer Posten bei den Ausgaben sind Wohnung und Energie. Energiekosten einzusparen ist schwierig und auch von externen Faktoren beeinflusst. Da geht nicht viel. Wenn noch langfristige Darlehen die auf dem eigenen Häuschen liegen, zurückgezahlt werden müssen, wird es ebenfalls schwierig. Gut, man könnte es verkaufen, aber das würde am Immobilienmarkt deutlich spürbar werden.

An der Gesundheit sparen macht auch niemand gerne, denn das ist das Wertvollste das wir haben. Wäre da der Verkehr. Die Kosten hierfür schwanken zwischen 83 € bei Niedriglohnempfängern und 703 € bei den Spitzenverdienern. Um von A nach B zu kommen reicht auch ein kleineres Auto. Das größere würde man verkaufen aber das würde am Automobilmarkt deutlich spürbar werden.

Für Freizeit, Unterhaltung und Kultur wird mit 253 € im Mittel nur etwas weniger ausgegeben als für die Ernährung. Da könnte man etwas zurückschrauben. Der Urlaub würde halt kürzen werden oder gar ausfallen. Das würde aber bei Reiseunternehmen deutlich spürbar werden. Und nicht nur da. Auch Theater, Kinos, Erlebnisparks etc. würden das merken.

Arme Menschen unterstützen

„Weil Niedriglohnempfänger besonders unter dem Preisanstieg leiden, müsste man die dann eben finanziell unterstützen.“ Ja, dass ist wohl so, wenn die sich nicht an den Garküchen von Caritas, Diakonie oder auch bei den Tafeln anstellen sollen. So wie es viele schon heute gezwungenermaßen tun müssen. Doch das bedeutet nicht nur, die Hartz-IV Sätze zu erhöhen. Wenn eine alleinerziehende Mutter mit Kindern nach der Arbeit mit 1.200 € nach Hause geht, wird auch sie sich das teurere Essen nicht leisten können. Folglich müsste auch hier aufgestockt werden. Dies sind staatliche Transferleistungen, die nur aus Steuergeldern finanziert werden können (so was ähnliches wie „Subventionen“) . Man könnte auch wieder Lebensmittel-Karten ausgeben. Dann sind es halt „unbare“ Leistungen, ändert aber nichts an der Finanzierung. Auf den Vorschlag eines „leistungslosen Grundeinkommen“ (wie von linken Parteien gefordert) will ich nicht weiter eingehen. Könnt ihr ja in den Kommentaren unterbringen.

„Der Staat hat ein Interesse an billigen Lebensmitteln“

Ein oft gehörter Satz, einfach mal so dahingesagt. Doch wer ist „der Staat“? Sind es die Politiker, sind es die politischen Parteien? Wenn ich im Geschichtsunterricht gut aufgepasst habe, sind der Staat wir alle. Wenn aber die Lebensmittelpreise steigen, ohne dass ein Ausgleich in Form höherer Löhne oder  staatlicher Transferleistungen gezahlt wird, kommt es zu sozialen Unruhen. Beispiele dafür gibt es weltweit genug. Wollen wir, will „der Staat“ das? Doch wohl eher nein. Von daher haben billige Lebensmittel auch etwas friedensstiftendes. Klingt komisch, ist aber so.

Und noch etwas: Mehr Tierwohl, mehr Bio, mehr Biodiversität und weitere Wünsche sind nicht zum Nulltarif zu haben. Sollen Bauern das leisten, müssen sie dafür entlohnt werden, am besten in Form von höheren Produktpreisen und eben nicht in Form der so viel gescholtenen Subventionen.

Öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen

Die Idee dahinter ist, die bisherigen, flächenbezogenen Zahlungen zu streichen und sie nur dann noch zu zahlen, wenn dafür Leistungen erbracht werden, die gesellschaftlich erwünscht sind. In meinem Falle wäre das statt Lebensmittel-Produktion dann eben Biotop-Pflege. Ich würde also Geld dafür erhalten, dass ich auf eigenem Grund und Boden Flächen so bewirtschafte, dass dort wieder eine größere Artenvielfalt entstehen könnte. Mit dem Anbau meiner Ackerkulturen geht das wohl nicht, folglich wäre das wohl eine Mischung von Gras, Büschen und Bäumen. Was ich und wie ich damit umgehe, würde mir vorgeschrieben. Von wem? Weiß ich nicht, vermutlich „vom Staat“.

Dann mach ich das eben

Klingt verrückt, aber so etwas könnte ich mir sogar vorstellen. Allerdings müsste die Stilllegung mit einem Betrag weit oberhalb von 1.000 € je Hektar entlohnt werden. Ich wäre dann zwar Angestellter, aber damit hätte ich mental kein allzu großes Problem. Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird. So ist das im Kapitalismus. Klar ist auch, dass solche Verträge Laufzeiten von mindestens 20 Jahre haben, also weit länger als jede Legislaturperiode. Falls also später mal jemand bemerkt, dass die Folgen anders sind als erwartet, darf das nicht zu meinen Lasten gehen. Nur ein Stichwort dazu: Energiewende. Da läuft ja auch nicht alles rund. Aber ich schweife ab…

Jetzt habe ich euch mal meine Gedanken zu den Lebensmittelpreisen mitgeteilt. Ganz ausgeblendet habe ich den Lebensmitteleinzelhandel, der bei all diesen Überlegungen auch ein wichtiges Wort mitzureden hat. Schließlich ist er die Drehscheibe zwischen Bauern, Bürgern und Verbrauchern. Aber das Fass will ich jetzt nicht auch noch aufmachen.

Eine Bitte hätte ich, bevor ihr die Kommentare schreibt: Schreibt  bitte nicht, was nicht geht, sondern macht eigene Vorschläge, wie es gehen könnte.

Danke

Euer Bauer Willi

 

 

 

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/Konsumausgaben/Tabellen/MonatlichenHaushaltsnettoeinkommen.html;jsessionid=A7C98113161A63D3B4B7EE76ED477015.cae3

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89 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Solange die Flächenprämien bestehen mit den ganzen Gesetzen ist der Agrarmarkt aller DDR reguliert. Meine Vorstellung ist , die natürlich kein Politiker umsetzen wird, weil dann überflüssig, folgende : Keine Flächenprämien mehr generell , keine Vorschriften zum Anbau .Auch die Agrardieselvergütung weg damit . Dafür Agrardiesel zum Heizölpreis wie in anderen EU-Ländern. Was würde ohne die ganzen Vorschriften und Kontrollen passieren ?
    Unland würde zu Wald oder Energieflächen, nicht jeder Quadratmeter würde noch geackert, was ja jetzt passiert , um die Prämie mit zu nehmen. Die Getreideproduktion würde um ca. 20% , also rd. 60 Mill. Tonnen (EU) zurückgehen. Wenn 60 Mill. Tonnen , oder auch nur 20 Mill. Tonnen auf dem Weltmarkt fehlen , verdoppelt sich der Preis. Genau das will die Politik verhindern. Deshalb der Anbau , auch auf unwirtschaftlichen Flächen und die ganzen Kontrollen , um die Erntemengen und Flächen fest in der Kontrolle zu haben. Die Flächenprämien sichern große Getreidemengen und damit den niedrigen Preis. Damit können die Verbraucher alles tun , was umweltmäßig schlecht ist , nämlich Auto ,Urlaub , Freizeit. Nur die Bauern bleiben bei aller Schönrederei auf der Strecke. Das ist letztlich STadt gegen Land , wie in Polen , USA, Frankreich usw. . Nachhaltig werden die Städter scheitern mit der Bevormundung und die Rederei mit künstlich hergestellten Nahrungsmitteln ist doch eh nur ein Bluff. Auch dafür werden Rohstoffe gebraucht.

    6+
  2. Lieber Willi,
    die Lage ist doch so verfahren, weil die Politik seit Jahrzehnten Partikularinteressen bedient und auf allen Ebenen (Gemeinde, Staat, EU, Welt) an die verschiedensten Interessengruppen umverteilt, zugunsten ihrer Wähler und zulasten der noch nicht Wahlberechtigten oder noch nicht Geborenen. Daraus ist eine Interventionsspirale entstanden, die immer teurer wird und die in ihren Auswirkungen auch keiner mehr überblicken kann. Fest steht nur, es kommt meistens zu anderen Wirkungen als den politisch gewollten oder versprochenen.
    Der Landwirtschaft und dem Verhältnis zwischen Verbrauchern und Landwirtschaft wäre viel besser gedient, wenn der Staat Einkommen auf Kapital und Arbeit mit maximal zehn Prozent besteuern würde. Wenn er mehr Geld braucht, soll er den Import von Energie und Rohstoffen besteuern. Mehr Energie-, Landwirtschafts-, Wirtschafts- und Umweltpolitik brauchte es gar nicht. Der Landwirtschaft würde es bald blendend gehen und die fleißigen einheimischen Verbraucher würden sich beste Lebensmittelqualität leisten können.

    Ist nur leider in einer Besitzstandsgesellschaft nicht durchzusetzen, weil es Politiker arbeitslos machen und sofort als unsozial und protektionistisch verunglimpft werden würde.

    Herzliche Grüße

    2+
  3. Willy Toft sagt

    Jeder verlangt stets von anderen unmögliches, damit sein Ego bedient wird. Nur ein Beispiel: der Abbau von Subventionen kommt einer Verteuerung gleich, oder hier vor Ort wird die Produktion erheblich zurückgehen!
    Punktuell den Naturschutz fördern, wo sich Landwirtschaft nicht mehr lohnt. Wer viele Landwirte halten will, sollte über ein staatliches Grundgehalt nachdenken, wobei dann die Produktivität zurückgeht, und vielleicht auch der Erzeugerpreis steigt.
    Sonst wird der Markt es richten, wenn alle Subventionen abgebaut werden, die Nahrungsmittelpreise werden dann aber steigen, weil viel mehr Risiko da ist. Der Handel wird nicht mehr sicher mit allem versorgt!

    1+
  4. BerndK sagt

    Also ich seh mal jetzt alles mal mit der Politikerbrille:
    Meine Politik ist absolut richtig. Niedige Lebesmittelpreise halten (wenigstens in Sachen preisgünstige Ernährung-und die ist sehr wichtig, was ich nicht vergessen habe) die innere Stabilität hoch, die Leute können fleissig alles mögliche konsumieren und ich kann überschaubarer Politik machen und Steuern einnehmen. Naja die im Kern ähnliche Gesundheitspolitik krieg ich nicht so gut hin, aber da sind leider die Strukturen ein klein wenig anders. Das Oligopol der Landwirte lässt sich sehr leicht steuern. Bei den vielen Anbietern wird sich immer einer finden, der es noch billiger macht, und dieser diktiert den Anderen seinen Preis. Das ist halt Marktwirtschaft. Und einen prima Sündenbock für eine verfehlte Umweltpolitik habe ich auch noch frei Haus. Gestalterisch tätig werden kann ich sowieso kaum noch in irgendeinem politisch relevanten Bereich (zu komplex und kompliziert, kein Geld in der Kasse, um das Wählern nahe zu bringen). Apropos Wähler, da sind die Landwirte auch nicht mehr sooo interessant für meine Partei.
    Also unter dem Strich: Die Lebensmittelpreise sind in unserem Staat genau richtig und das ist auch gut so 🙂

    1+
  5. Bernd Lummer sagt

    Meiner Meinung nach hat Sandra Harms den Nagel auf den Kopf getroffen. Subventionen jedweder Art haben den Nachteil, dass sie verwaltet werden müssen. Das heißt Leute verdienen mit Subventionen Geld ohne das sie einen Mehrwert schaffen.
    Bauer Willi, wenn wir Deinem Ansatz folgen, und Lebensmittel günstig bleiben sollten – was plausibel scheint – müssen die Steuern auf Lebensmittel in dem Maße sinken wie die Transferzahlungen über Berlin nach Brüssel und zurück zum Landwirt reduziert werden.
    Ich finde die Basisleistung der hochwertigen Lebensmittelproduktion gehört nicht subventioniert. Ein Arzt bekommt auch keine Subventionen für gute Leistungen oder ein KMU für gute Produkte. Aber beide hätten Extraleistungen verdient wenn sie sich im ländlichen Raum niederlassen und dort eine medizinische Versorgung anbieten oder Arbeitsplätze schaffen … weil es sich sonst nicht lohnen würde.
    Gleiches sollte für den Landwirt gelten – so gehört beispielsweise das Wirtschaften in benachteiligten Regionen dazu.

    1+
  6. Sandra Kuhn sagt

    Liebe Grüße über die Grenze! Bei uns bekommt man schon seit längerem mehr Beiträge fürs Nicht-Tun. So gibt es Geld, wenn auf dem Hof ein Brunnen ist, der Hofplatz weder geteert noch betoniert ist, die Kühe eine „strukturierte“ Weide zur Verfügung haben, die auch noch an einem Rad- oder Fussweg entlang führt. Wenn dann noch ein „markanter Einzelbaum“ da steht, ist noch besser. Wer schon durch die Schweiz gefahren ist, hat sich vielleicht an den eingezäunten Asthaufen mitten auf dem Feld gewundert oder über die einzelnen Grasstreifen, die stehen gelassen wurden. Dient alles der Förderung der Biodiversität und wird abgegolten.

    Wer sich das ausgedacht hat? Nun, die Entwürfe kamen von den „Fachspezialisten“ in den entsprechenden Bundesämtern, abgesegnet wurde alles durch die Volksvertreter im Parlament.

    Was es gebracht hat? Die Konsumenten, also diejenigen, die unter anderem die gewählt haben, die uns die Sache eingebrockt haben, kaufen immer mehr in Deutschland ein, weil hier ja alles zu teuer ist und die Bauern sowieso auf ihre Kosten Grossverdiener sind. Auf Seite der Bauern wurde der Strukturwandel sicher nicht gebremst. So viel zum Thema „bäuerlicher Familienbetrieb“. Zudem lag die Selbstmordrate noch nie so hoch wie 2016. Aber, als Bauer, der in erster Linie das tun will, was eigentlich sein Job wäre, nämlich die Produktion von Lebensmitteln, kann man auch mit Direktzahlungen kaum noch überleben

    11+
    • Fred sagt

      Genau richtig Sandra Kuhn?? … man könnte auch sagen, man bezahlt den Bauern Direktzahlungen damit der Handel und die Grossverteiler günstige Rohstoffe und Produkte haben… zum Teil sind ja nicht mal mehr die Erzeugungskosten mit dem Verkaufserlös bezahlt ( ohne Lohnkosten)…Reihenweise ( unnütze und zu anderer anständiger Arbeit nicht fähige ) Kontrolleure, Ökoberater und Bürokraten “ grasen“ auch tüchtig ab…
      Ich zähle jetz keine Namen auf, aber kenne noch einige dieser „Vereine und Brüder“ aus meiner Zeit als CH-Landwirt…?

      0
  7. Alfons Balmann sagt

    Hallo Willi,

    ein interessanter Beitrag. Bevor ich auf inhaltliche Aspekte eingehe, einige eher technische Probleme des Beitrages:

    1. In der Grafik müsste vermutlich „je Kopf“ ersetzt werden durch „je Haushalt“.

    2. Bei den Prozentangaben zum Anteil für Lebensmittel und Alkohol bleibt nach meiner Einschätzung der außer-Haus-Nahrungskonsum unberücksichtigt. Der Ausgabenanteil für Gaststätten umfasst jedoch etwa zusätzliche 3,8 %. Wenn man diesen berücksichtigt, ist der Ausgabenanteil für Nahrung schon bei etwa 17 %. Natürlich sind mit dem außer-Haus-Konsum zusätzliche Dienstleistungen verbunden, dennoch sind es Ernährungsausgaben, die zu einem erheblichen Teil den heutigen Lebensstilen geschuldet sind.

    3. Die Landwirtschaft erhält von den Nahrungsmittelausgaben (unter Vernachlässigung des Außer-Haus-Konsums) nur einen Anteil von 20 bis 25 %. Entsprechend führt eine Steigerung der Agrarpreise nicht zu einer proportionalen Erhöhung der erforderlichen Nahrungsausgaben.

    Nun noch einige grundsätzliche Anmerkungen:

    Es gibt eine Reihe von „Schlupf“-Faktoren bei den Produktionskosten in der Landwirtschaft: Ein Großteil der Direktzahlungen etwa wird bei Pachtflächen in den Pachtpreis eingepreist. Das gilt teilweise auch für den Flächenkauf. Genauso lässt sich argumentieren, dass höhere (teurere) Standards im Ackerbau in die Bodenpreise eingepreist würden. Es würden mittel- bis längerfristig eben weniger Kosten für Boden anfallen. Ein zweiter wichtiger Aspekt ist der des Wettbewerbs: die Mehrkosten höherer Standards für Umwelt und Tierschutz lassen sich durch Effizienzsteigerungen und Innovationen kompensieren. Das gilt selbst mit Blick auf den Schutz der Biodiversität. Intelligente Lösungen sind erforderlich. Wenn man mit klugen Lösungen Geld verdienen und Kosten sparen kann, werden diese kommen. Allerdings gibt es dabei zugegebenermaßen nicht nur Gewinner – wobei Strukturwandel nicht automatisch wachsen oder weichen bedeutet. Alois kann diesbezüglich sicher einiges erzählen.

    1+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Alfons
      1. ja, in der Grafik ist die Bezeichnung falsch, im Text ist es aber richtig beschrieben. Danke für den Hinweis.
      2. Den Ausser-Haus-Konsum ist in der Originalquelle nachzulesen, hielt ich aber für so marginal, dass ich den bewusst aussen vor gelassen habe. Wie auch noch andere kleine Posten, aber das habe ich ja auch gesagt.
      3. Stimmt auch: Die Brot-Preise steigen auch dann, wenn die Mehlpreise sich nicht verändern oder sogar sinken. Dann könnte man ja ganz einfach mal die Mehlpreise verdoppeln und sehen was passiert 🙂

      Ja, es gibt auch andere Wege als „wachsen oder weichen“. Aber 285.000 Hofläden wäre dann vielleicht doch etwas viel, oder?
      Bauer Willi

      2+
      • Alfons Balmann sagt

        ? Hofläden sind auch nur bedingt innovativ und sinnvoll. Genauso wie „regional“. Die Frage ist ja zum einen das „Wie?“. Und zum anderen, wie man sich von der Masse abheben kann.

        Schönes Wochenende!

        0
        • Bauer Willi sagt

          Stimmt. Sich von der Masse abheben: Man kann ja einen Blog eröffnen, wo sich Bauern, Bürger und Wissenschaftler austauschen. 😉
          Kann man nur kein Geld mit verdienen…

          Schönes Wochenende!
          Bauer Willi

          2+
    • Josef sagt

      „Es gibt eine Reihe von „Schlupf“-Faktoren bei den Produktionskosten in der Landwirtschaft: Ein Großteil der Direktzahlungen etwa wird bei Pachtflächen in den Pachtpreis eingepreist.“ …argumentiert Herr Balmann. Soweit ich mich erinnere, hat Herr Balmann zur letzten Agrarreform die undifferenzierten Flächenzahlungen noch verteidigt und Vorschläge z.B. unterschiedlich organiserte Betriebe differenziert zu fördern als rückwärtsgewndt bezeichnet.

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      • Alfons Balmann sagt

        Stimmt. Der Grund liegt einfach darin, das undifferenzierte Direktzahlungen zwar eine weitgehende Verschwendung von Steuergeldern sind. Aber wenigstens richten sie keinen weiteren Schaden an, wie die erste-Hektar-Prämien oder Junglandwirteprämien, die im Grunde Hobbylandwirtschaft fördern auf Kosten von mittelgroßen Nachbarbetrieben, die im Haupterwerb vielleicht 100 bewirtschaften. Denn denen fehlen mittel- bis längerfistig die Flächen. Dass heißt, die Umverteilungsmittel fließen dort hin, wo sich die Landwirte ohnehin schon gegenseitig auf den Füßen stehen und tragen dazu bei, dass dies auch künftig so ist. Daher der Begriff „Museumsprämie“.

        PS: mit obigen Formulierungen will ich nichts gegen Nebenerwerbs- oder Hobbylandwirte gesagt haben. Aber der Staat sollte sie nicht anders behandeln als andere. Denn jede Begünstigung einer Gruppe ist immer eine Benachteiligung der anderen Gruppe.

        3+
        • Ottmar Ilchmann sagt

          Soweit mir bekannt ist, ist die Umschichtung von Direktzahlungen auf die ersten Hektare bis ca. 100 ha Einkommens-neutral, erst bei größeren Betrieben beginnt eine Schlechterstellung. Es geht Ihnen also nicht darum, die „mittelgroßen“ Betriebe zu verteidigen. Wer gegen Umschichtungen, Degression und auch Kappung sder Direktzahlungen ist, der redet letzlich einer industrialisierten Landwirtschaft in Großstrukturen das Wort. Kleine und mittlere bäuerliche Betriebe bleiben auf der Strecke. Aber ich denke, das ist Ihnen sehr bewusst, Herr Balmann. Die mit der von Ihnen so genannten „Museumsprämie“ geförderten Betriebe sind die bäuerlichen Betriebe, die sehr häufig vielfältige gesellschaftliche Leistungen erbringen und sich einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz erfreuen. Sie sollten sich von niemandem, schon gar nicht von Agrarökonomen, in das untergehende Boot der Agrarindustrie locken lassen.

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          • Bauer Willi sagt

            Hallo Ottmar
            gebe mal oben in der Suchleiste „Prof. Roeb“ ein. Dann wird Dir klar, wie Ökonomen denken…
            Bauer Willi

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            • Ottmar Ilchmann sagt

              Ja, den freundlichen Herrn hab ich auch schon im Fernsehen gesehen.Ich habe auch so meine Erfahrungen mit Ökonomen, Willi! Die sagen z.B., Milchkrisen werden sich jetzt alle zwei, drei Jahre wiederholen, damit müssen die Bauern leben. Damit KÖNNEN die Bauern aber nicht leben! Also sollten sie nicht immer auf die Ökonomen hören, was die verkünden, ist keineswegs unabänderlich, oft auch weniger wissenschaftlich, sondern eher weltanschaulich begründet.

              3+
          • Alfons Balmann sagt

            Irgendjemand bleibt immer auf der Strecke. So ist das in unserer Welt und das ist erstaunlicherweise die Grundlage unseres Wohlstandes. Diejenigen, die Sie als Agrarindustrie bezeichnen, wirtschaften im übrigen nicht grundlegend anders als diejenigen „bäuerlichen“ Betriebe, die technisch und organisatorisch einigermaßen auf der Höhe der Zeit sind. Und die Belege, dass klein und „bäuerlich“ der Gesellschaft einen Vorteil bringen, sind äußerst rar. Ich würde sagen ein Mythos.

            Man könnte natürlich argumentieren, dass man möglichst viele Betriebe erhalten möchte. Allerdings müsste man dann neben den genannten Museumsprämien auch noch all solchen Landwirten Zusatzprämien zahlen, die einfach nur schlecht wirtschaften…

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            • Josef sagt

              Herr Balmann, glauben sie ernsthaft, es sei eine zukunftsfähige und nachhaltige Strategie, den Wohlstand eines relativ kleinen Teiles der Weltbevölkerung darauf aufzubauen, dass „Irgendjemand“ (Menschen, Umwelt, nachfolgende Generationen) auf der Strecke bleibt? Das ist schon eine sehr flache Sichtweise, die selbst mir als Nichtakademiker zu flach erscheint. Ebenso ihre Praxis, alternative Vorschläge abwertend als „Museumsprämien“ oder Museumslandwirtschaft zu bezeichen.

              1+
            • Ottmar Ilchmann sagt

              Hört sich ein bisschen nach Raubtierkapitalismus an, Herr Balmann. Finden Sie es richtig, dass z.B. die Ausbeutung der osteuropäischen Schlachthofarbeiter Wohlstand für die Fleischindustrie bringt? Ich hänge da eher dem Ideal einer Sozialen Marktwirtschaft an. Und ob es immer die kleinen Strukturen sind, die durch Direktzahlungen künstlich am Leben gehalten werden? Wenn ich mir solche Firmen wie KTG Agrar ansehe, habe ich da so meine Zweifel. Dieses Geschäftsmodell wurde vom Steuerzahler jahrelang mit vielen Millionen subventioniert, um dann schließlich doch pleite zu gehen. Wie viele gut strukturierte, im Umfeld verankerte Familienbetriebe hätten auf diesen Flächen aufgebaut werden können!

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            • Alfons Balmann sagt

              Wir leben nun einmal in einer Welt, in der das Bessere der Feind des Guten ist. Es gibt ständig Innovationen. Fast jede Innovation führt dazu, dass „Altes“ verdrängt wird. Man kann natürlich von einer Postwachstumsgesellschaft und Suffizienz träumen. Aber der Rest der Welt wird sich darum wenig scheren. Wenn man eine bessere und gerechtere Welt will, dann sollten und kann man vieles tun was sinnvoller ist, als wenig rentable Betriebe zu fördern.

              Zu KTG: KTG ist das Ergebnis von unsinnigen Bioenergiesubventionen, Gier und einer nicht funktionierenden deutschen Börsenaufsicht. Hätte letztere einigermaßen funktioniert, wäre der KTG der Geldhahn viel früher abgedreht worden.

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            • Ottmar Ilchmann sagt

              KTG ist aber auch das Ergebnis von Direktzahlungen mit der Gießkanne, die anderen Verzerrungen kommen noch dazu.

              Auch ich bin dafür, dass sich der oder die Bessere durchsetzt, aber bitte nicht der besser Subventionierte! Wurden nicht in der Milchkrise künstlich unrentable Betriebe durch Liuiditätsdarlehn und Bürgschaften in der Produktion gehalten, die bereits vorher durch unsinnige Stallbauförderungen auf die Größe gebracht worden sind, mit der sie nicht mehr klarkamen? Übrigens durchaus auf Empfehlungen von Agrarökonomen, die von Weltmarkteroberung träumen. Ich weiß nicht, ob diese Träumereien nicht wesentlich unrealistischer sind als das Nachdenken über Postwachstumsökonomie! Allerdings haben Agrarwissenschaftler, die Weltmarkteroberungs- und Wachstumsphantasien bedienen, natürlich wesentlich bessere Chancen auf lukrative Forschungsaufträge aus der Ernährungsindustrie.

              7+
            • Josef sagt

              Übrigens ist „Klein-Groß“ längst nicht mehr Stand der Diskussion. Es geht darum, Betrieben, die in ökologischer und gesellschaftlicher Hinsicht mehr Leistungen erbringen, diese auch zu bezahlen. Niemand fordert, dass z.B ein 20 Ha Betrieb, der nur Mais für die nächste Biogasanlage anbaut, aufgrund seiner Kleinheit besonders gefördert werden müsste. Andererseits muss doch einem, der kleine Schläge bewirtschaftet, eine vielfältige Fruchtfolge einhält, sein Grünland nicht umackert, dieser Mehraufwand ausgeglichen werden. Die Vorteile einer derartigen Bewirtschaftung müssen ihnen hoffentlich nicht extra erklärt werden.
              Inzwischen habe ich auch über den von ihnen so gerne gebrauchten Begriff „Museumslandwirtschaft“ nachgedacht. Das Ergebnis: Es gibt offensichtlich auch „Museumswissenschaften“ und Denkmuster, die nicht mehr in unsere Zeit passen, sondern museumsreif sind.

              3+
            • Alfons Balmann sagt

              Herr Illichmann:
              Die KTG lebte vom gleichen Subventionssystem wie der Rest der deutschen Landwirtschaft. Das eigentliche Problem war, dass sie sich durch Betrug von Anlegern zusätzliches Gelt verschafft hat. Und genau letzteres war ihr Nachhaltigkeitsproblem.
              Zu Ihrer Kritik an den Agrarwissenschaftlern: nennen Sie doch einmal Quellen die belegen, dass Agrarwissenschaftler die Landwirte zu Investitionen aufgefordert haben? Agrarwissenschaftler haben eine Vielzahl von Mechanismen und Zusammenhängen aufgezeigt. Die Schlussfolgerungen müssen die Landwirte schon selber ziehen. Und die Verantwortung für Investitionen kann den Landwirten niemand abnehmen. Mir ist auch keine Quelle bekannt, in der Agrarökonomen eine Investitionsförderung gefordert haben.
              Natürlich sehen Agrarökonomen gewisse Perspektiven, wie etwa die internationale Arbeitsteilung, mit der Wohlfahrtsgewinne realisiert werden können. Schweine- und Hühnerfüße haben in China nun einmal einen höheren Wert als bei uns. Beim Filet ist es genau umgekehrt.

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            • Ottmar Ilchmann sagt

              Also ich lese aus dem folgenden Zitat doch eine Aufforderung zur Investition heraus. Es stammt von einem gewissen Alfons Balmann, Neue Osnabrücker Zeitung vom 4.2.2017.

              Zum anderen rechnen sich häufig nur große Investitionen, bei denen ein Stall eine gewisse Mindestgröße hat. Wenn bei einem Generationswechsel überlegt wird, wie es weitergeht, sollte der Hofnachfolger in der Lage sein, in den nächsten Jahrzehnten einen Betrieb zu bewirtschaften, der leistungsfähig ist. Das erfordert Investitionen in modernste Technik.

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            • Alfons Balmann sagt

              Gut recherchiert. ? Allerdings verschweigen Sie den Kontext in dem ich die Aussage getroffe habe:

              „Frage: Sind kleine Betriebe generell eher die Verlierer des Strukturwandels, größere die Gewinner?
              AB: Ich würde hier nicht von Gewinnern und Verlierern sprechen. Wir haben seit dem Zweiten Weltkrieg einen sehr stetigen Strukturwandel. Jedes Jahr geben im Durchschnitt etwa drei Prozent der Betriebe auf. Etwa alle 25 Jahre halbiert sich die Anzahl der Betriebe. Die Verbleibenden sind dann im Durchschnitt doppelt so groß. Es gab früher auch größere und kleinere Betriebe, wie heute. Tendenziell überleben mehr von den größeren. Das hängt auch damit zusammen, dass wir auch außerhalb der Landwirtschaft zunehmende Einkommen haben. Wenn dann ein normaler Landwirt genauso wie die Nachbarn, die woanders tätig sind, verdienen will, muss das Einkommen, das in der Landwirtschaft erwirtschaftet wird, auf weniger Köpfe verteilt werden. Es ist ein Automatismus, der sich weiter vollziehen wird.
              Was es daneben natürlich noch gibt, sind zwei Phänomene. Zum einen ist zu beobachten, dass große Betriebe oft produktiver sind, was etwa die Milchleistungen je Kuh betrifft, und häufig von besser qualifizierten Unternehmensleitern geführt werden. Zum anderen rechnen sich häufig nur große Investitionen, bei denen ein Stall eine gewisse Mindestgröße hat. Wenn bei einem Generationswechsel überlegt wird, wie es weitergeht, sollte der Hofnachfolger in der Lage sein, in den nächsten Jahrzehnten einen Betrieb zu bewirtschaften, der leistungsfähig ist. Das erfordert Investitionen in modernste Technik.
              Das heißt nicht, dass nicht genauso kleinere Betriebe überleben können. Sie müssen Wege finden, wie sie vielleicht ihre Produkte besonders gut vermarkten können, indem sie etwa besondere Absatzwege wählen oder Landwirtschaft mit anderen Einkommensarten verbinden.“

              (http://www.noz.de/lokales/herzlake/artikel/845288/agraroekonom-erlaeutert-probleme-der-landwirtschaft-im-emsland-2#gallery&0&0&845288)

              Was allerdings zugegebenermaßen in dem Satz nicht deutlich wird, ist das „große“ Investitionen und Wachstum nicht automatisch Erfolg versprechen.

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            • Ottmar Ilchmann sagt

              Allerdings nicht, Herr Balmann! Gerade die übermäßig gewachsenen Milchviehbetriebe haben in der Krise herbe Verluste eingefahren, sind zum großen Teil schlechter durchgekommen als die Betriebe, die „auf dem Teppich“ geblieben waren. Sie haben aber, wie es mir gegenüber der Geschäftsführer einer Molkerei so schön ausdrückte, für die anderen Betriebe den Milchpreis mit „in die Grütze gemolken“. Ich widerhole mich: Diese Betriebe wuchsen durch unsinnige Investitionsförderung, wurden von den Molkereien durch Staffelpreise bevorteilt, in der Krise vom Staat durch Liquiditätshilfen und Bürgschaften gerettet und übernehmen jetzt die kleineren Betriebe, die durch die Krise zermürbt wurden, nicht, weil sie „besser“ oder „rentabler“ wirtschaften, sondern weil es für sie kein Zurück mehr gibt. Sie sind Gefangene ihres Wachstums. Hat sicherlich alles nichts mit Agrarökonomen zu tun…

              3+
            • Josef sagt

              Ottmar Ilchmann, ich glaube, es ist sinnlos, gegen armseelige Kalauer, wie „irgendjemand bleibt immer auf der Strecke“, „das Bessere ist der Feind des Guten“, oder „früher gab es auch schon“ zu argumentieren. Wenn sich jemand darauf einlässt, einfach festzustellen, dass sich aufgrund des Strukturwandels, die Zahl der Betriebe eben alle 25 Jahre halbiert, ohne einen Gedanken an die Folgen zu verschwenden, ist eine weitere Diskussion hoffnungslos. Man sollte doch erwarten, dass Denkprozesse das Niveau eines billigen Taschenrechners übertreffen.

              2+
            • Alfons Balmann sagt

              Wo ist das Problem? Siehe auch meine Äußerungen unten. Diejenigen Landwirte die „übermäßig“ gewachsen sind, tragen für sich selbst die Verantwortung. Nicht für andere. So hart das klingt. Alles andere führt dazu, das eigene Unglück auf Kosten anderer ausbaden zu wollen. Das steht den Wachstumsbetrieben ebensowenig zu, wie den anderen Betrieben.
              Wie schon gesagt, Investitonsförderungen sind immer problematisch und höchstens zu rechtfertigen, wenn damit besondere gesellschaftliche Interessen bedient werden, wie etwa für Umwelt- oder Tierwohlbelange. Nicht um Gewinne zu erzielen. Und ebensowenig habe ich Landwirte dazu aufgefordert große Ställe zu bauen. Das können nur die Landwirte selber entscheiden. Wissenschaftler können nur erklären und erläutern, was im gesellschaftlichen Interesse bzw. im Interesse der Landwirte ist.
              Es steht aber natürlich jedem frei zu jammern und zu fordern. Glücklicherweise fällt nicht jeder Unsinn auf fruchtbaren Boden. Leider ist dennoch gerade im Milchbereich in der Vergangenheit sehr viel Unsinn seitens der Landwirtschaft und Politik auf Kosten anderer und der Zukunft betrieben worden.

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        • Josef sagt

          Inwiefern richten ihrer Meinung nach Junglandwirteprämien Schaden an ?
          Junglandwirteprämien und auch erste-Hektar-Prämien bekommen alle Betriebe, unabhängig von der Betriebsgröße. Mir sind auch Fälle bekannt, wo selbst große Betriebe keinen Nachfolger haben, und eine zusätzliche Motivation durchaus sinnvoll erscheint.
          Ja, sie haben Recht, jede Begünstigung einer Gruppe ist immer eine Benachteiligung einer Anderen. Das gilt auch für die bisherige Praxis, einem 5000 Hektarbetrieb jährlich Flächenprämien von 1,5 Mio in die Taschen zu stopfen und dann zu argumentieren, kleinere Betriebe seien halt unrentable Museumsbetriebe. Entsprechend der Lehrmeinung, größere Betriebe seien rentabler, müssten solche Betriebe nicht auf Subventionen angewiesen sein. Doch gerade das Gegenteil ist der Fall.

          3+
          • Alfons Balmann sagt

            Zur Junglandwirteförderung: woran bemisst sie sich? Momentan doch nur daran, dass jemand unter einer Altersgrenze liegt und dann gilt das Prinzip für jeden Hektar gibt es bis 90 ha 50 € extra. Was sind die Folgen? Jeder „Junglandwirt“ sollte möglichst 90 ha zusammen bekommen. Günstig ist auch, vielleicht noch einen Teil eines größeren Betriebes rechtzeitig an den Hofnachfolger abzutreten. Das ergibt einen Prämienvorteil von jährlich etwa 6500 €. Wenn man die Arbeit über Bewirtschaftungsverträge erledigt, bleibt abgesehen von zusätzlichen Verwaltungsaufwand nicht viel zu tun. Folgt man der Forderung, künftig noch höhere Prämien für die ersten Hektare und Junglandwirte zu zahlen, werden künftig Betriebsteilungen noch attraktiver. Bereits heute haben wir aufgrund der Regeln zur Gewerblichkeit, das Resultat dass viele Veredlungsbetriebe eine Holdingstruktur besitzen und die Statistik kaum mehr aussagekräftig ist.

            Diese Betriebsteilungen sind jedoch ein kleineres Problem. Schwerwiegender ist, dass die Junglandwirteförderung und die erste Hektarprämien neben dem Erb- und Steuerrecht weitere Anreize bieten auch solche Betriebe fortzuführen, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht gegeben ist – und zwar nicht nur mit Blick auf die Größe, sondern auch mit Blick auf Lage, Investitionsstau, Betriebsleiterfähigkeiten, familiäre Besonderheiten. Vor allem besteht kein Bezug dazu, dass landwirtschaftliche Betriebe letztlich Unternehmen sind und gerade mit Blick auf die Langfristigkeit von Anlagekapital und auch der Lebensperspektiven der Betroffenen auch eine unternehmerische Basis brauchen. Wenn letztere nicht gegeben ist, schadet man mit dem „Köder“ letztlich den Betroffenen selber. Und den Nachbarn der es vielleicht besser kann, schadet man ebenso.

            Zu den Großbetrieben mit 5000 ha: wenn Sie solche Betriebe anschauen und dort teilweise 100 Personen beschäftigt sind, werden Sie feststellen, dass zum einen je Arbeitsplatz weit weniger Direktzahlungen fließen als bei Marktfruchtbetrieben mit 100 bis 500 ha. Ob die Beschäftigten in solchen Unternehemen weniger glücklich und zufrieden sind als bei den allermeisten Familienbetrieben wäre eine spannende Forschungsfrage.

            2+
            • Ottmar Ilchmann sagt

              Ja, aber wenn auch der 5000-ha-Betrieb ein Marktfruchtbetrieb ist und keine 100 Personen beschäftigt, und dann auch noch Billiglöhner, Aufstocker und Saisonkräfte, wie viele Subventionen pro AK fließen dann wohl? Da braucht man doch nicht lange zur forschen, um zu sehen, dass hier Großbetriebe bevorteilt werden!

              2+
            • Alfons Balmann sagt

              Da hilft ein Blick in die Buchführungsergebnisse der Testbetriebe. Demnächst kommen auch noch die offiziellen Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2016. Auch da wird sich zeigen, dass ein Großteil der groß-klein- und guter Bauer – schlechter Bauer-Diskussion ziemlich an der Realität vorbei geht.

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            • Josef sagt

              Alles was sie gegen die Junglandwirteförderung anführen kann genauso gegen die Flächenförderung angeführt werden. Sie bemängeln die Junglandwirteförderung würde „Anreize bieten auch solche Betriebe fortzuführen, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht gegeben ist – und zwar nicht nur mit Blick auf die Größe, sondern auch mit Blick auf Lage, Investitionsstau, Betriebsleiterfähigkeiten, familiäre Besonderheiten.“ Werden diese Gesichtspunkte bei der Flächenförderung berücksichtigt ?
              Großbetriebe mit 5000 oder mehr Ha bekommen 1,5 Mio Flächenförderung. Sie geben zu, dass diese nur teilweise 100 Personen beschäftigen. Mit welcher Berechtigung, v.A. gegenüber dem Steuerzahler, kassieren Betriebe mit z.B. nur 15 Beschäftigten die gleiche Summe ? Es lohnt sich auch darauf zu schauen, ob es sich um ordentliche Arbeitsplätze oder um Billiglöhner handelt.

              2+
            • bauerhans sagt

              „weitere Anreize bieten auch solche Betriebe fortzuführen, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht gegeben ist“

              ich bin ein stadtrandbauer d.h. hier hat jeder bau- oder gewerbeland.
              da gibts betriebe,die spätestens alle 5 jahre verkaufen müssen,ums konto auszugleichen,aber die wollen bauer sein,arbeiten den ganzen tag,kommt nur nix bei rum.

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            • Alfons Balmann sagt

              Herr Illichmann:
              Wenn Sie in den Agrarbericht oder die Auswertungen der Agrarstrukturerhebungen schauen, werden Sie sehen, dass in einigen der neuen Bundesländer bei den Juristischen Personen deutlich mehr Arbeitskräfte je ha eingesetzt werden als in den Familienbetrieben. Der Grund liegt darin, dass erstere die Tierhaltung fortführen. Der Großteil der Arbeitsleistung stammt dabei von regulär beschäftigten Mitarbeitern. Natürlich werden auch dort zunehmend Arbeitskräfte aus Osteuropa eingesetzt. Das liegt daran, dass diese zunehmend knapp werden. Im übrigen stammt selbst in Niedersachsen bereits über 40 % der Arbeitsleistung von FremdAK.
              Das Problem der hohen Direktzahlungen je Betrieb ist das System der Direktzahlungen an sich. Man sollte diese dringend abschmelzen und zwar für alle Betriebe. Sie sind eine Verschwendung von Steuergeldern. Da ist es egal, ob der Betrieb 50, 500 oder 5000 ha bewirtschaftet. Aber das einzusehen fällt all denen offensichtlich schwer, die sich selber einen Heiligenschein aufsetzen und alles was sie nicht kennen verteufeln.

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            • Ottmar Ilchmann sagt

              Hallo Herr Balmann,
              Ein L und ein I zu viel, ich heiße Ilchmann, ganz leicht zu merken, wie Milchmann ohne M!
              Wer setzt sich denn einen Heiligenschein auf? Ist es nicht eher die Agrarökonomie, die wissenschaftliche Unfehlbarkeit beansprucht?

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            • Alfons Balmann sagt

              Entschuldigen Sie die falsche Schreibweise.

              Die Wissenschaft hat keine Unfehlbarkeit. Theorien lassen sich nicht beweisen. Man kann sie immer nur wieder erneut überprüfen, weiter entwickeln oder Probleme neu denken. Auch empirische Beobachtungen können falsch sein wenn man durch die falsche Brille schaut.

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            • Ottmar Ilchmann sagt

              Problematisch wird´s nur, wenn man trotz erwiesener Falschheit aus ideologischen Gründen an Theorien festhält, vor allem, wenn man als Ratgeber von Unternehmen und Politikern fungiert und fatale Fehlentscheidungen auslöst, wie z.B. einen Quotenausstieg ohne jede Nachfolgeregelung im Krisenfall.

              1+
            • Alfons Balmann sagt

              Was ist am Quotenausstieg falsch? Wo ist der Beweis, das er falsch ist? Und vor allem wo ist der Beweis, dass es bessere Lösungen gibt. Alle mir bekannten Alternativvorschläge sind meines Erachtens eine (egoistische) Klientelpolitik auf Kosten von Verbrauchern (Kartellbildung), anderen Landwirten und Verarbeitern. Zudem setzen sie fundamentale Spielregeln der Wirtschaft außer Kraft, die darauf basieren, dass Märkten eine informierende und regelnde Funktion zukommt. Darauf zu verzichten führt längerfristig zu hohen gesellschaftlichen Kosten. Es steht natürlich den Landwirten und Verarbeitern frei, innerhalb der Grenzen des Kartellrechts Steuerungsmechanismen selber zu entwickeln, ohne dass der Staat eingreifen muss. Tun sie es nicht, ist zu fragen warum?

              Natürlich können Sie und andere Verfechter von Eingriffen in den Milchmarkt es im eigenen Interesse anders sehen und sich entsprechend äußern. Dadurch wird es nicht richtiger. Sie sollten aber aufhören so zu tun, als ob die eigenen Interessen auch die der Gesellschaft sind.

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              • Alois Wohlfahrt sagt

                Als Kiechle damals die Milchkontingentierung einführte, war ich als junger Bauer auch von der Richtigkeit der Kontingentierung überzeugt. Meine Schwester studierte zur selben Zeit die Agrarwissenschaften in Göttingen und hatte eine völlig andere Meinung. Sie formulierte dazu einmal ein plastisches Bild:

                „Kontingentierung ist, auf einen kochenden Topf einen begrenzenden Deckel zu schrauben“.

                Ihre Meinung war, dass die Kontingentierung mehr Probleme schaffen werde, als sie lösen würde. Dass die Bauern sich „sicher fühlen“ würden, es aber nicht seien, weil Weltmarkt und technischer Fortschritt weitergehen würden. Und dass es dadurch zu Fehlinvestitionen kommen würde, die den Bauern sehr viel Geld kosten würden. Und, bevor irgendwann der „Druckkochtopf“ explodiere, werde man den Deckel wieder abnehmen müssen, was eine „riesen Sauerei“ geben würde. An dieses Bild musste ich oft denken, als mit dem Ende der Kontingentierung der beispiellose Milchpreisverfall stattfand und auch viele Milchviehbetriebe sehr viel Eigenkapital verloren haben.
                Ich war damals überzeugt, dass die „Theoretiker“ an der Uni schon überhaupt keine Ahnung hätten. Die Entwicklung der Jahrzehnte hat mich aber gelehrt, dass die „Theoretiker“ vielleicht nicht immer richtig lagen. Dass es aber sehr Sinn macht sich auch mit „theoretischen Überlegungen“ zu befassen. Daher halte ich es auch für falsch, die „Theoretiker“ von vorne herein abzuwerten. Vor allem dann, wenn sie Sachen sagen, die mir nicht gefallen.
                Alois

                2+
            • Mark sagt

              „Das Problem der hohen Direktzahlungen je Betrieb ist das System der Direktzahlungen an sich. Man sollte diese dringend abschmelzen und zwar für alle Betriebe. Sie sind eine Verschwendung von Steuergeldern. Da ist es egal, ob der Betrieb 50, 500 oder 5000 ha bewirtschaftet. Aber das einzusehen fällt all denen offensichtlich schwer, die sich selber einen Heiligenschein aufsetzen und alles was sie nicht kennen verteufeln.“
              Das Problem liegt im Grunde an einem extremen Überangebot an Agrarökonomen. Das ist eine enorme Verschwendung von Steuergeldern. 10% des derzeitigen Bestandes wären völlig ausreichend. Aber das einzusehen fällt all denen offensichtlich schwer, die sich selber einen Heiligenschein aufsetzen und alles was sie nicht verstehen verteufeln.

              5+
            • fred huber sagt

              alois, man könnte aber auch auf die Idee kommen, dass „die Theoretiker“ recht haben, weil sie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung verbreiten. stell dir vor es ist strukturwandel, und keiner macht mit. würde man mit der gleichen Vehemenz den Bauern eintrichtern, daß sie von der kostenseite her rechnen müssen, wie man jetzt genau das Gegenteil verbreitet, wäre der weltmarkt kein Thema.

              2+
              • Alois Wohlfahrt sagt

                > würde man mit der gleichen Vehemenz den Bauern eintrichtern
                Diese Aussage ist unter Landwirten sehr beliebt.
                Der Kern dieser Aussage ist: Wir können nichts dafür,
                – weil wir es eingetrichtert bekommen
                – weil wir man uns nicht die Wahrheit sagt
                – weil die Medien… usw.
                Aber mal ehrlich,
                – welche Medien konsumieren Landwirte?
                – welche Veranstaltungen besuchen Landwirte?
                – zu welchen Fortbildungen gehen Landwirte?
                Sogar im Word-Wide-Web vernetzen sich Landwirte am Liebsten untereinander. Und wer hat ihnen nun das wieder „eingetrichtert“?
                Alois

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                • Josef sagt

                  Es stimmt, dass Landwirte in der Auswahl der Medien gerne innerhalb der „Wagenburg“ bleiben. Niemand hindert uns daran, auch einmal im Spiegel, im Focus oder in der Bauernstimme umzuschauen. Umso schlimmer ist es, dass fast alle landwirtschaftlichen Zeitungen und Zeitschriften aus zwei Verlagen kommen, nämlich DLV und BLV Verlag. In Bezug auf „eingetrichtert“ ist doch festzustellen, dass bei der Ausbildung gesellschaftliche und soziale Belange zu kurz kommen.

                  2+
            • Ottmar Ilchmann sagt

              Hallo Alois,
              der Fehler war auch nicht so sehr die Abschaffung der Quote, sondern die fehlende Installierung eines Reduzierungsinstruments für Krisenzeiten. Dazu kam noch die Förderung großer Stallbauten, die Ausrichtung vieler großer Genossenschaften auf den Weltmarkt und die mangelnde Vorbereitung der gesamten Branche, Bauern und Molkereien, auf die Zeit nach der Quote und nicht zuletzt das vom Kartellamt jetzt bemängelte Genossenschaftsrecht. Aus dieser explosiven Mischung entstand die Milchkrise.

              1+
            • fred huber sagt

              nur nochmal zum nachhaken. ich kann und will keinen Strukturwandel aufhalten. jeder ist seines eigenes glückes schmied und so weiter… ABER: wenn jemand fordert das nur der beste (in diesem fall der billigste, oder der mit der besten Werbung, oder der, der am meisten am bank-tropf hängt) gewinnt, sollte sich bewusst sein, daß er auch nur dies bekommt!
              leider ist es anders. der herr agrarokönom kann die biomilch aus Deutschland trinken, während die putze das abbekommt was ihr zusteht. 😉

              Leistung muss sich ja lohnen. und irgendjemand bleibt ja immer auf der strecke.

              hätt se eben mehr gelernt, inner schule, die olle hippe….

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            • Alfons Balmann sagt

              @Fred Huber: zu Ihrem Vorschlag gibt es in der Literatur eine sehr interessante und berühmtem Textpassage, die auch bekannt ist als das Rennen der Roten Königin oder Red Queen Dilemma:

              „Na, in unserem Land,“ sagte Alice, noch ein bisschen außer Atem, „kommt man im allgemeinen irgendwoanders hin – wenn man lange Zeit sehr schnell rennt, so wie wir es gemacht haben.“

              „Ein langsames Land!“ sagte die Königin. „Nun, hier muss man nämlich so schnell rennen, wie man kann, um auf der Stelle zu bleiben. Wenn man irgendwo anders hin will, muss man mindestens doppelt so schnell rennen!“

              Aus: Louis Carroll (1871): Alice im Spiegelland (Fortsetzung von „Alice im Wunderland“)

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            • Mark sagt

              Ah, verstehe, also doch eher Agrarphilosophie als Agrarökonomie. Dann ist auch die Kalkulation des Prämienvorteils von 90ha X 50.- Euro/ha = 6500.- verziehen. Stimmt ja auch approximativ …

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            • Alfons Balmann sagt

              Sie vergessen die 1980,- für die ersten 46 Hektar…

              Zu Ihrer Information: Adam Smith, der Begründer der klassischen Ökonomie, war Moralphilosoph.

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            • fred huber sagt

              herr balmann, genauso sinnvoll wäre es, wenn ich bibi blockbergs korrupten Bürgermeister aus Neustadt zitieren würde.

              diese ganzen Ökonomen und Philosophen von vor 150 jahren, hatten eines gemeinsam. sie hatten keinen blassen schimmer, wie man ihre Theorien mal verhunzen würde.

              beide, der Bürgermeister von Neustadt, und die rote Königin zählen übrigens völlig zurecht nicht unbedingt zu den literarischen sympathieträgern.

              das auch langsame räder rollen würde ihnen ein blick in Sven ladolnis „die Entdeckung der Langsamkeit“ zeigen. macht sich im hard cover auch gut im Bücherregal.

              ps.: wird wirklich zeit für ne bücherecke, willi…

              1+
              • Alois Wohlfahrt sagt

                @Fred: Bücher-Rezension schreiben und mir schicken! Dann fangen wir sofort damit an!
                Alois

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            • Mark sagt

              Die !985,48 Euro aus UVP1 und UVP2 habe ich nicht vergessen, da sie in dieser Diskussion nicht dazu gehören. Sie haben die Junglandwirteförderung und die Kausalität zwischen Lebensalter und Prämienansprüchen in die Diskussion eingebracht. Dazu zählen lediglich die 90 ha multipliziert mit 50.- Euro je ha. Die von Ihnen erwähnten 1980.- erhält jeder Antragsteller für die ersten 46 ha unäbhängig vom Lebensalter und gehören daher explizit nicht hinzu addiert!
              Man mag dies jetzt als Erbsenzählerei abtun, für mich ist dieses Beispiel typisch für wissenschaftliche Unschärfe, die leider immer weiter um sich greift.

              Was Adam Smith betrifft: Nicht aus jedem Moralphilosophen wurde auch ein großer Ökonom …

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            • Alfons Balmann sagt

              In meinem obigen Beispiel schon. Es bezog sich auf den Subventionsvorteil der Ausgründung eines Teilbetriebes… Diese ganzen Ideen, mit denen man Kleinbetriebe begünstigen und Großbetriebe benachteiligen möchte, führen dazu, dass findige Berater sehr viel Geld damit verdienen können, die Regelungen zu umgehen. Bereits heute existiert ein erheblicher Wust an Regelungen die Betriebsteilungen attraktiv machen, wie etwa zur Vermeidung der Gewerblichkeit bei Veredlungsbetrieben oder der Verringerung von Cross Compliance Risiken. Bürokratieabbau in der Landwirtschaft erfordert auch im Bereich der versteckten Begünstigungen aufzuräumen.

              2+
  8. Frank Tietjen sagt

    Oft habe ich dieses Szenario schon im Kopf durchgespielt. ….es könnte ungefähr so aussehen :
    Die Subventionen werden gestrichen bei zeitgleich höheren Auflagen. Dafür erhalten wir jetzt endlich ein auskömmliches Einkommen. Bei Milch ca 50 Cent pro Liter zb. Die gestiegenen Preise gibt der Verarbeiter an den Einzelhandel weiter. Und der erhöht die preise.
    Dann wird es nicht lange dauern bis sich die Gewerkschaften zu Wort melden, weil die Lebensmittel so teuer sind und mehr Lohn fordern. …wenn das durchgesetzt wird, verteuern sich natürlich deutsche Produkte, weil die kosten für Löhne ja irgendwo herkommen müssen. Und weil der Bauer letztendlich ja auch einkaufen muss, Auto fährt und Strom nutzt ist er dann der einzige, der im Endeffekt weniger in der Tasche hat -denn nochmal kann er nicht mehr fordern, weil er es ja gerade erst bekommen hat und es den gleichen Rattenschwanz wieder zur Folge hätte.

    International gesehen verteuern sich deutsche Produkte, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit sinkt -die Industrie könnte die Produktion ins Ausland verlagern, was in Deutschland Entlassungen und Arbeitslosigkeit zur Folge hätte. …

    Nur eine schwarz gemalte Theorie. …

    Noch ein Gedanke zur Subvention : werden wirklich wir Bauern subventioniert? Ist es nicht eher so, dass wir den Verbraucher subventionieren? Wir geben ihm Kredit auf Lebensmittel durch niedrige Preise und lassen es uns durch die Subventionen am Jahresende zurück zahlen. …..

    7+
    • bauerhans sagt

      wir werden nicht subventioniert=zahlung ohne gegenleistung!!
      wir müssen dafür leistungen nach „cross compliance“ erbringen oder auch z.b. „vielfältige fruchtfolgen“ einhalten.

      3+
      • bauerhans sagt

        „Kontingentierung ist, auf einen kochenden Topf einen begrenzenden Deckel zu schrauben“.

        hatte aber doch jahrelang bei zuckerrüben funktioniert!
        war zuviel da,gabs C-rüben zu schlechtem preis,war zu wenig da,gabs nur A-rüben(und die verkaufszahlen von FENDT in LIPPE stiegen)

        0
  9. Hallo Bauer Willi-Team,

    in unserem Hofladen besteht die Kundschaft hauptsächlich aus den sogenanten einfachen Leuten mit nicht allzu hohen Einkommen…..
    Viele dieser Leute sagen, wir bezahlen hier lieber etwas mehr für Eier,Salat,Kartoffeln usw.
    denn, erstens kommt es aus der Region, zweitens frischer geht es kaum und drittens (zum Thema) im Supermarkt, Diskounter kauft man häufig auch Sachen die garnicht benötigt werden und das verteuert den Einkauf nur unnötig, bei euch kann mir das nicht Passieren…..
    Verschiedentlich verirrt sich auch mal ein eventueller Neukunde bei uns, der mit einem PKW der gehobenen Klasse vorfährt und dann wenn er den Preis hört schluckt und bezahlt und danach nicht mehr wiedergesehen wird……
    Wie sagt man so schön, Vermögen bekommt man nicht vom Ausgeben……
    Die Menschen aus der Arbeiterklasse würdigen ander Leute Arbeit halt noch eher…..

    Gruß Klaus Weber

    12+
  10. Ottmar Ilchmann sagt

    Wenn die Erzeugerpreise für die Bauern steigen, müssen die Lebensmittelpreise im Einzelhandel nicht zwangsläufig im gleichen Maße steigen! Verarbeiter und vor allem der Handel haben teilweise sehr gute Margen; es ist ja kein Zufall, dass die Familie Albrecht, Inhaberin der Aldi-Ketten, zu den reichsten Deutschen zählt. Da bleibt trotz der Discount-Preise noch genug übrig, einfach, weil der Handel mit seiner Marktmacht Dumping entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausübt. Das beginnt bei den Bauern , betrifft die Arbeitnehmer in der Verarbeitung (Stichwort Werkvertragsarbeiter aus Osteuropa in der Fleischindustrie) und geht bis zu den Mitarbeiterinnen im Einzelhandel. Die Ernährungsbranche schafft sich doch zum großen Teil die Kunden für ihre Billigangebote selbst, indem sie ihre Mitarbeiter so schlecht bezahlt. Durch eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung könnte man viele Menschen, auch uns Bauern, besser stellen, ohne dass gleich die Lebensmittelpreise explodieren würden. Ein moderater Anstieg wäre trotzdem nötig, aber auch für die meisten tragbar. Wo es nicht reicht, wie bei den Hartz-IV-Empfängern, müsste der Staat tatsächlich aufstocken. Mal ehrlich: Ca. fünf € pro Tag für Ernährung sind doch schon unter heutigen Prteisbedingungen ein Hohn! Und es kann auch nicht sein, dass die Bauern mit ihren niedrigen Erzeugerpreisen die Fehler der Sozialpolitik in unserem Land ausgleichen sollen!

    9+
    • fred huber sagt

      richtig, ottmar. vergleicht man die preise für roh- und verkaufswahre, weiß man schon wo das Geld verdient wird. außerdem sollten wir Bauern doch nicht für eine verfehlte Sozialpolitik den kopf hinhalten müssen. wir sind ja nicht das Sozialamt…

      3+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Herr Ilchmann,
      dann lass uns jetzt mal mit dem Lebensmittelhandel darüber reden, dass sie
      a) den Bauern (Molkereien, Schlachtereien etc.) mehr für ihre Produkte gibt
      b) die Mitarbeiter besser bezahlt
      c) auf Gewinnmarge verzichtet

      Bauer Willi

      1+
      • Ottmar Ilchmann sagt

        Genau, Bauer Willi, Sie haben da doch guten Zugang 😉
        Aber im Ernst, der Handel kann natürlich unter anderem deshalb so viel Druck ausüben, weil alle Produkte im Überfluss vorhanden sind. Das beste Beispiel dafür ist die Milchkrise. Die wurde ja nicht durch die Marktmacht des Handels ausgelöst, sondern durch die Überproduktion von Milch. In den Jahren 2013 und 2014, als Angebot und Nachfrage bei der Milch besser im Gleichgewicht waren, hat der Handel ja auch anstandslos die höheren Preise bezahlt. Wir müssen also an die Menge ran, entweder mit koordinierten Reduzierungsinstrumenten, wie es bei der Milch gerade gemacht wurde, oder über europaweit geltende mengenreduzierende Auflagen, z.B. beim Tierwohl. Bessere Bezahlung der Mitarbeiter ist Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen setzen muss, z.B. für Werkverträge, und der Gewerkschaften. Wenn die Kosten für den Handel durch Verteuerung der Rohstoffe bzw. der Lohnkosten steigen, kann er ja versuchen, das an die Verbraucher weiterzugeben. Ob ihm das gelingt, ist doch nicht unsere Sorge.

        3+
        • Bauer Willi sagt

          Soll ich mal meinen „Freund“ Alain Caparros anrufen? 🙂 Vorher könnte ich mal mit dem MIV telefonieren, damit der dafür sorgt, dass die Molkereien eine wirkliche aktive Mengenpolitik machen. Könnte schwierig werden.

          Die Umsetzung eines höheren Milchpreise in Richtung Verbraucher halte ich für ein Kinderspiel. 15 Cent mehr für die Milch bekommt doch kaum einer mit. Das wären in unserem Haushalt 0,45 € pro Woche. Das ist weniger als ein halber Liter Diesel. Die spare ich dann mit dem Fahrrad. Hilft der Umwelt und meinem Wohlstands-Bauch…
          Bauer Willi

          2+
          • Ottmar Ilchmann sagt

            Guter Hinweis zum MIV! Es ist auch meine Erfahrung, das MIV, Geno-Verband, Raiffeisenverband, große Geno-Molkereien udn leider auch die Spitze des Bauernverbands gar nicht wollen, dass über eine aktive Mengenpolitik das Milchangebot an die kaufkräftige Nachfrage angepasst wird. Lieber möglichst viel billige Milch, dann klappt´s auch mit dem Export. In der Krise waren die deutschen Molkereien der Billigmacher für die gesamte EU-Milchbranche. Umso wichtiger, hier eine eigenständige, starke Interessenvertretung der Bauern zu fördern.
            Und auch der zweite Hinweis ist richtig, erstens bekommen viele Verbraucher die marginale Erhöhung wirklich nicht mit und können sie auch gut verkraften, und zweitens glaube ich auch, dass es ihnen Ernst ist, wenn sie bei Umfragen den Bauern einen fairen Milchpreis zugestehen. Ergebnis guter Lobbyarbeit z.B. des BDM, siehe Gespräch neulich mit Romuald Schaber.

            3+
            • Alois Wohlfahrt sagt

              Was ist gute Lobbyarbeit?
              Gestern Abend war bei uns Jagdversammlung der Jagdgenossenschaft. Dort ist vor 30 Jahren die Verpachtung abgeschafft worden und die Eigenbewirtschaftung durch die Jagdgenossenschaft eingeführt worden. Unser Jagdvorsteher reflektierte die daraus entstandene sehr positive Entwicklung des Waldzustandes damit, dass es gelungen sei ein konstruktives Verhältnis von Jägern und Bauern zu schaffen. Und er hob auch mahnend hervor, dass allein hochmotivierte Jäger die notwendigen Bestandsreduzierungen schaffen können. Darum sei es immens wichtig, dass die Bauern die Jäger unterstützen und motivieren und nicht über sie schimpfen!
              Das nenne ich gute Lobbyarbeit. Hier in der Jagdgenossenschaft halt im Kleinen.
              Auf den Milchsektor umgelegt: Schimpfen und Protest auf „MIV, Geno-Verband, Raiffeisenverband, große Geno-Molkereien“ bringt vielleicht Publicity. Aber allein konstruktives Denken und Tun wird die Situation zum Guten ändern können.
              Alois

              3+
            • Ottmar Ilchmann sagt

              Hallo Alois,
              es geht nicht um Schimpfen, sondern um eine Analyse der tatsächlichen Machtverhältnisse auf dem Milchmarkt. Meine Kritik an den Genossenschaftsmolkereien wird durch den Bericht des Kartellamts bestätigt. Und natürlich müssen jetzt alle Beteiligten konstruktiv und gemeinsam an der Lösung dieser Probleme im Milchmarkt arbeiten, aber eben auf Grundlage einer vorherigen Problemanalyse.
              Die gute Lobbyarbeit des BDM und vieler engagierter Milchbäuerinnen und -bauern besteht darin, die Milchkrise ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, der Medien und der Politik gebracht zu haben. Wer redet über die Schweinehalter, denen es auch nicht viel besser ergangen ist in den letzten Jahren? Da fehlen eben die öffentlichkeitswirksamen Aktionen.

              3+
              • Alois Wohlfahrt sagt

                Hallo Ottmar, ich denke wir verstehen uns da sehr gut, dass das Benennen und Analysieren schon auch mal „schimpfen“ sein kann. Aber es darf einfach nicht ausschließlich dabei bleiben. Quasi beim Protest stehen bleiben und einzig die Verantwortung der Politik einfordern. Bei der BDM-Versammlung, wo Willi den Herrn Schaber interviewte, habe ich allerdings schon den Eindruck gewonnen, dass genau der Kampf und der Protest die Politik dahin bewegen soll, das Schlamassel zu richten. Im Bezug auf die Bestrebungen des Kartellamtes die Marktstellung der Milcherzeuger zu stärken habe ich extra die Frage an Herrn Schaber gestellt, was er sich davon verspricht? Seine klar Antwort: Nichts!
                Alois

                0
            • Ottmar Ilchmann sagt

              Hallo Alois,
              in dieser Frage habe ich auch eine etwas andere Position als der BDM. Ich bin durchaus der Meinung, dass das jetzige System der Milcherfassung durch Genossenschaften auch verhindert, dass sich die Bauern selbst ihrer Verantwortung für den Markt stellen. Die Abnahmegarantie verleitet dazu, bei schlechten Preisen immer mehr zu produzieren, um die Verluste auszugleichen. Ein fatales Verhalten, dass die Krise weiter verschärft! Wenn über Preise und Mengen im Vorfeld verhandelt würde, müssten beide Seiten gemeinsam den Markt im Gleichgewicht halten. Dazu musss die Politik nur die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit die Bauern in Erzeugergemeinschaften auf Augenhöhe mit den Molkereien verhandeln können. Im Biomilchsektor funktioniert das ganz gut.

              3+
          • Alfons Balmann sagt

            45 ct pro Woche? Was ist mit der Butter, dem Käse, dem Joghurt, der Sahne,… Und dann gibt es noch die Produkte, in die eigentlich gar keine Milch reingehört, wie Brühe, Würstchen, Grillsauce, Saucenbinder,…

            0
            • Bauer Willi sagt

              Alfons,
              geschenkt! Ein Pfund Butter pro Woche macht vielleicht plus 0,20 €. Dann noch Käse 0,50 € plus pro Woche. Joghurt esse ich keinen, macht 0,00 € pro Woche. Für den Rest meinetwegen auch noch mal 0,35 €. Macht in der Summe 1,50 € mehr.

              Das alles für unseren 2-Personen-Haushalt mit Kindern, die beim Besuch am Wochenende noch was aus dem elterlichen Kühlschrank „abgreifen“.

              Wo ist das Problem?
              Bauer Willi

              3+
    • bauerhans sagt

      wenn bauern immer nur produzieren,sich aber sonst nicht um verkauf kümmern,können sie keine besseren preise erwarten!
      die schlachthöfe finden keine einheimischen mitarbeiter für tätigkeiten,die osteuropäer verrichten.
      mitarbeiter im einzelhandel werden nicht per se schlecht bezahlt,sondern ihrer leistung entsprechend.
      eine gerechte verteilung gibts im markt nicht,sondern angebot und nachfrage bestimmen preise.

      3+
      • Ottmar Ilchmann sagt

        Genau, und weil wir Produzenten die Nachfrage nicht beeinflussen können, müssen wir das Angebot anpassen. Der Schlüssel zu guten Preisen liegt in der Menge!

        4+
    • Josef sagt

      Richtig, Ottmar Ilchmann, wenn im reichsten Land der Welt ein erheblicher Teil der Menschen so zu wenig Geld für Lebensmittel in der Tasche hat, gilt es das zu ändern. Passt man die Lebensmittelpreise an diesen Mißstand an, profitieren auch die davon, die genug Geld hätten. Zusätzlich beutet man alle in der Herstellung von Lebensmitteln beschäftigten aus und verursacht weitere Niedrigverdiener.

      3+
  11. Vielleicht wird im Geschichtsunterricht erzählt, dass der Staat „wir alle“ sind, nur stimmt das schon längst nicht mehr. Durch die exorbitante Verschuldung haben sich die Staaten in die Abhängigkeit des sogenannten „Marktes“ begeben, der in Wahrheit ein undurchschaubares Geflecht aus Großindustrie und Finanz ist. Das wurde doch bei der Finanzkrise 2008 deutlich sichtbar. Marode Banken werden heute mit Steuergeldern gerettet, marode Bauern nicht: das sagt doch alles darüber, wer die wahre Macht hat.

    Also kann die Lösung auf keinen Fall „noch mehr Staat“ heißen, denn damit bekommt nur der Komplex aus Großindustrie und Finanz noch mehr Macht. Die Lösung müsste heißen: weniger Staat, um aus dieser Abhängigkeit rauszukommen.

    Was wir dringend brauchen, ist mehr Transparenz, was die Preise angeht. Wenn ich als Verbraucher nicht weiß, wieviel der Bauer an staatlichen Subventionen bekommt, die ich ja in Form von Steuern ebenfalls zahle, habe ich als Verbraucher nicht das Gefühl, das ich über preisbewusstes Einkaufen überhaupt etwas erreichen kann.

    Außerdem denke ich sowieso nicht, dass preisbewusstes Einkaufen wirklich funktioniert. Da muss ich doch nur mein eigenes Einkaufsverhalten beobachten. Ich kaufe in erster Linie das, was mir schmeckt, und in zweiter Linie das, wozu ich Zugang habe, ohne dass ich eine halbe Weltreise machen muss.

    Der „Staat“ hat die Bauern doch bis jetzt auch massenhaft abwamseln lassen, ohne dass ihn das groß gekümmert hat. Wie kommst Du eigentlich darauf, dass er Dich und Deinesgleichen retten will?

    3+
  12. Sandra Harms sagt

    Die Direktzahlungen,subventionen oder auch transvergelder ganz egal wie man sie nennen mag, sind letztlich nur dazu da um uns landwirte steuern zu können, um ein druckmittel in der hand zu haben.. tu dies tu das tu jenes…. so ist die realität.
    angenommen, ein durchschnittlicher arbeitnehmer zahlt seine steuern, und davon gehen ich sag jetzt mal 250€ nach brüssel um von dort an die landwirte entsprechend aausgezahlt zu werden, nach der ganzen dazugehörigen verwaltung bleiben für den landwirt vielleicht noch 180€ über… ja auch das ist realität, auch wenn ich die zahlen jetzt nur aus der luft greife. was aber würde passieren wenn man sämtliche zahlungen an die landwirte einstellt… der arbeitnehmer hätte am ende des jahres 250€ mehr in der tasche, würden sich nun die lebensmittelpreise erhöhen und der normalo würde übers jahr verteilt 200 bis 240 € dafür mehr ausgeben müssen, hätte der arbeitnehmer ein paar euro mehr in der tasche und der landwirt auch da die kostenintensive verwaltung wegfällt.gleichfalls fällt aber auch das druckmittel GELD für die politik weg… der sozial schwache, hartz4 empfänger oder der kleine rentner,der minijobber,die alleinerziehende mutti wären dann die verlierer denn sie müssten irgendwie mehr geld aufbringen… also bleibt nur der weg zu sagen, die preise dürfen so ansteigen das von den 250€ weniger steuern die der normalo zahlen würde 200€ über die ladenkasse beim landwirt landen, und die restlichen 50€ mehr an sozialabgaben für die sozial benachteiligten gezahlt werden müssten.
    letzlich ändert sich für den normalo fast nix,er hat weder mehr geld in der tasche noch weniger ausgaben, das einzigste wäre das ein teurer verwaltungsapparat wegfällt. aber das ist weer politisch,noch von diversen NGO´S gewollt, denn das druckmittel GELD ist ja das beste was man gegen die ach so böse Landwirtschaft in der hand hält…

    7+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Sandra
      beim Schreiben ist mir genau das auch eingefallen. Ganz vereinfacht: Das Geld, dass unsere Mitbürger uns an Subventionen zahlen, würden sie dann in Form von höheren Lebensmittelpreisen ausgeben. Die ganze Verwaltung dazwischen könnte wegfallen.
      Bauer Willi

      4+
      • bauerhans sagt

        „Die ganze Verwaltung dazwischen könnte wegfallen.“

        und wo werden dann all die parteigänger untergebracht……??

        1+
      • Paulus sagt

        Wenn ich der LW die Subventionen entziehe und der Verbraucher seinen dadurch entstehenden steuerlichen Vorteil anschließend an der Ladenkasse zu entrichten hat, ist das nach meiner Auffassung ein Nullsummenspiel. Wobei auch bei diesem Modell ein nicht zu unterschätzender Verwaltungsaufwand, sowohl national als auch in Brüssel erforderlich ist.
        Abgesehen davon würde es die Truppe deines „Freundes“ Alain Caparros nicht daran hindern weiterhin Druck auf die Grundpreise auszuüben.
        Oder habe ich Sandra Harms jetzt falsch verstanden?

        1+
        • Sandra Harms sagt

          @ Paulus
          richtig bemerkt, es muss dann natürlich der handel verpflichtet sein, die gelder entsprechend weiter zu leiten,und sich nicht selbst die taschen vollmachen.

          1+
        • Inga sagt

          Ja, für den Verbrauche rfis tes ein Nullsummenspiel!

          Aber dafür bekommt er qualitativ bessere Nahrungsmittel, weil der Mehrpreis an der Ladentheke dann an den Landwirten gehen und der ist verpflichtet dann qualitativ bessere Nahrungsmittel zu liefern,z.B. Rindfleisch von Wiederindern, wo die Mast dann auch länger dauert, oder auch längere Schweinemast, damit auch das Fleisch qualitativ besser wird. Auch ge3eignet für Dauerwurst. Und echte Köche und Fleischer werden noch mehr Vorteile zu berichten wissen.

          Müßte jemand ermitteln, wie viel teurer so ein Fleisch wäre,gegenüber der Billig- und Schnellmast und dann festlegen.

          Und dann erst darf der LEH draufschlagen.
          Wenn dann kein anderes Billigfleisch zur Verfügung steht, dann gibt es bei manchen Leuten wieder nur einmal die Woche Fleisch auf den Tisch.

          Aber dann leben sie gesünder und das Tierwohl ist auch verbessert!

          Und der Verbraucher verseht, dass Fleisch ein Stück Lebensqulität ist und seinen Preis hat! Er bekommt mehr Respekt vor dem Tier!

          1+
        • Inga sagt

          Wo einschränken?
          Also beim Wohnen kann man kaum einsparen und das Haus wird auch nicht verkauft.
          Vielleicht kann man etwas Heizung und Strom einsparen?
          Oder mehr ausgeben,weil man sich mehr zu Hause aufhält und mehr liest und fern sieht oder am PC im Internet rum schaut, bevor man in den großen Kaufhäusern eventuell sinnlos konsumiert!

          Ach Essen und Branchen gehen wird ja dann auch teurer!
          Die Eier und Milch für die Eisdielen und Konditoreien und Cafés werden auch teurer.

          Aber das ist nur Luxus, den wir in Sinne des Tierschutzes eventuell einbüßen könnten.

          Wieder mehr selber kochen und backen?

          0

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