Bauer Willi
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Urs Niggli: „Mit Bio kann man nicht die Welt ernähren“

Wer Urs Niggli nicht kennt: Er ist ein Schweizer Agrarwissenschaftler und Vordenker des biologischen Landbaus im europäischen Raum. Von 1990 bis März 2020 leitete er das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) im aargauischen Frick. In diesem Zeitraum erfolgte der Ausbau des Instituts zur international renommierten Forschungseinrichtung; so kann das FiBL heute eine Beteiligung an über 50 Projekten der Forschungsrahmenprogramme der Europäischen Union ausweisen sowie an zahlreichen weiteren Projekten.

Im nachfolgenden Interview wird er gefragt, ob man alleine mit Bio-Landwirtschaft die Welt ernähren könnte.

Seine überraschende Antwort: nein. Und die Begründung ist plausibel.

Im Link das Interview zum Nachhören. 7 Minuten, die sich lohnen.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/landwirtschaft-der-zukunft-kann-oekolandbau-die-welt.1008.de.html?dram:article_id=492774

P.S.: So ganz nebenbei: Urs Niggli hat gerade ein Buch geschrieben. https://www.residenzverlag.com/buch/alle-satt

 

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25 Kommentare

  1. Elisabeth Ertl sagt

    Dieser Artikel gibt aber Niggli sehr verkürzt wieder. In „Die Zeit“ heißt es: „Wir müssen auf zwei Drittel aller Flächen Biolandbau betreiben und gleichzeitig die Verschwendung von Lebensmitteln halbieren … Zugleich müsste man die Ackerflächen für die Tiermittelproduktion halbieren. Die Schweizer müssten 20 bis 30 Prozent weniger Rindfleisch und Milch konsumieren. Außerdem dürften die Kühe nur noch Gras fressen und kein Kraftfutter mehr erhalten. Auch den Konsum von Schweinefleisch, Poulet und Eiern müssten wir um mindestens zwei Drittel reduzieren.“ https://www.zeit.de/2020/04/urs-niggli-biologische-landwirtschaft-rente-oekologie-gentechnik-pestizide/komplettansicht

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    • Arnold Krämer sagt

      Ich empfehle allen, das aktuelle Buch von Niggli zu lesen. Gleichzeitig mit Distanz und Empathie wird das Thema Ökolandbau umfassend in Vergangenheit und Gegenwart beschrieben. Eine gut lesbare Pflichtlektüre für erschwingliche 19 Euro, weil es sehr viel Insider- und Hintergrundwissen zum Thema liefert.

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  2. Ludwig sagt

    Der Mann ist ehrlich , aber unsere deutschen Ideologen würden das nie zugeben. Die würden doch am Liebsten die konv. Landwirtschaft zerstören. In den alternativen Netzen kommt jetzt immer mehr die Frage auf , ob mit der jetzigen Coronalage und dem teilweisen Zusammenbruch der Lieferketten überhaupt die Belieferung der Märkte mit Nahrungsmitteln gesichert ist ? Alle Importländer , allen voran China , füllen gerade ihre Vorratslager richtig auf. Die internationalen Mais- und Getreidemärkte sind wie leergefegt. Entsprechend gehen die Preise hoch. Der starke Wintereinbruch in Texas und die Exportsteuern in Rußland lassen für die Nahrungsmittelversorgung nichts Gutes erahnen. Auch die Entwickung von der Globalisierung zur Renationalisierung ist deutlich zu erkennen. Für uns Bauern ist das nicht unbedingt die schlechteste Entwicklung.

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Niggli: „Ich habe noch vor meinem Weggang aus der Eidgenössischen Forschungsanstalt zum Thema Herbizide einen Mittelweg gebastelt: die integrierte Produktion. Wir hatten da wirklich sehr glaubwürdige gute Vorstellungen. Viel stärker in Richtung Systemregulierung gehen, aber nicht vollständig auf chemischen Pflanzenschutz und Dünger verzichten. Die konventionelle Landwirtschaft und vor allem Forschung in den 1980er Jahren fühlte sich durch die Bio-Bewegung herausgefordert … Der Mittelweg wurde integrierter Pflanzenschutz genannt … man spritzt nur im absoluten Notfall und vorher probiert man die Sachen über die Fruchtfolge … oder gute Sortenwahl oder auch mechanische Maßnahmen. Biologischer Pflanzenschutz war damals schon ein großes Thema. Das war so eine Pyramide. Nur hat man in der Praxis diese Pyramide dann auf den Kopf gestellt und zuerst gespritzt.“
      Ich erinnere mich, dass man in Österreich vor dem EU – Beitritt auf diesem Weg schon sehr weit war und als europäischer Vorreiter galt. Durch das Abstürzen der Lebensmittelpreise nach 1995 ist die Entwicklung dann wieder zurück gegangen.

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  3. Franz Müller sagt

    Ich glaube die „Verheiratung“ von konventionellen und ökologischen Methoden, hat längst Eintritt in die politische Beurteilung und Gesetzgebung gefasst. Die Draufzahler oder besser gesagt: die Blöden dabei – sind die konventionellen Bauern die sich Verboten und Einschränkungen abfinden müssen, dafür aber keine Subventionen kriegen bzw. Steuergeld abgreifen können .
    Eine Win-Win Situation für Alle – ausser den konventionellen Bauern.
    Und wir befinden uns vom Trab in den Galopp bei der Heirat…

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    • Thomas Apfel sagt

      Nur zur Illustration und Bestätigung Ihrer Aussagen:
      1. Im Raum Potsdam versucht die UNB durch einstweilige Verfügungen, die Rodung und Wiederbepflanzung über mehrere Jahre wegen Flurneuordnug und Rechtsunsicherheiten aufgelassener Obstanlagen mit Obst, zu verindern. Ziel ist die Unterschutzstellung dieser Flächen.
      Damit werden die Bemühungen der Flurneuordnung konterkariert.

      2. Wir gehörten bislang zu den Betrieben im „Verzeichnis der kleinstrukturierten Gebiete“.
      Abstandsauflagen gegenüber terristrischen Landschaftselemeneten beim Pflanzenschutz waren daher nicht so eng gefasst, weil die PS-Maßnahmen durch das Vorhandensein von genügend Rückzugsraum (den wir in Teilen selbst angelegt und gestaltet haben) kompensiert werden. Diese Regelung ist ab 2021 ungültig. In Teilen wird so eine effektive Einschränkung der Schädlindpopulation erschwert bis unmöglich. Dazu kommt die Einschränkung der Insektizidpalette (das völlig überflüssige Verbot von Thiacloprid).
      Die vielfältigen Landschaftsstrukturen begünstigen das Aufkommen an Käfern (Blütenstecher und Fruchtstecher und Blatthornkäfer = Maikäfer/Junikäfer/Laubkäfer).
      Wir stehen dieses Jahr das erste mal vor einem starken Maikäferflugjahr ohne irgendeine Möglichkeit der Reduzierung des Befalls.
      Fazit: Es ist ein Fehler, mit NABU und anderen Gruppen zusammenzuarbeiten, weil die Verbesserungen, die dadurch eintreten dann vor den landwirtschaftlichen Aktivitäten der Bauern „geschütz werden müssen“. So wird jedes Entgegenkommen letztendlich zum Schaden der Bauern konterkariert !!!

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  4. Obstbäuerin sagt

    „Urs Niggli hofft zwar, dass der Ökolandbau noch bedeutend wachsen wird. Er glaubt in der Landwirtschaft insgesamt aber an „einen dritten Weg“: Die hochproduktive konventionelle Landwirtschaft müsse „mit möglichst vielen Elementen des Ökolandbaus verheiratet werden“.
    Und gerade das wird die angestrebte Finanzierung der GAP in Europa verhindern oder zu Ungunsten der konventionellen Landwirtschaft durchgesetzt werden.

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  5. Lieschen Müller sagt

    Naja, er prangert ja eher die teure Zertifizierung an. Und das nur eine spezielle Art der Landwirtschaft überhaupt zertifizierbar ist. Und das es keinen einheitlichen Weg auf der ganzen Erde geben wird. Für mich ist das immer der Gegensatz: Bioerdbeeren aus China (zertifiziert!) gegen Äpfel aus der Plantage von gegenüber (nicht zertifiziert).

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    • Mark Rössler sagt

      Die Zertifizierung hat in der konventionellen Landwirtschaft so vor 30 Jahren begonnen.
      „Eine spezielle“ gibt es nicht mehr.

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  6. Gärtner Christof sagt

    Müssen wir immer mehr Menschen auf der Erde werden? wenn nein, dann reichts auch mit Bio (oder wie auch immer man eine nachhaltige Landwirtschaft bezeichnen will).

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      • firedragon sagt

        Frau Ertl, die schnelle Variante wäre:
        Pflanzen-, Tier- und MenschenmedizinStop …
        Bei den Nutzpflanzen befindet man sich schon auf diesem Weg.

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        • Smarti sagt

          Bei der Medizin für Nutztiere ebenfalls. Der Tierarzt steht ständig mit einem Bein im Gefängnis, unangemeldete Razzien ( äh Kontrollen ) finden statt in der Tierarztpraxis und in den Ställen. Da ist ein abgelaufenes, ungeöffnetes Fläschchen mit Arznei schon ein Riesenproblem. Auch bei den Biobetrieben – eine Kollegin hatte Kontrolleure Polizei, Amtstierarzt und Anwälte auf dem Hof. Ihr Vergehen: sie brauchte für die Kühe homöopathische Mittel und das ist verboten.
          Christina gab Kurse in Homöopathie, Kühe artgerecht halten etc, hat nebenberuflich fürs Landwirtschaftsamt gearbeitet – eine taffe, junge engagjerte Bäuerin auf einem durchaus zukunftsfähigen Hof.
          Das Ende vom Spiel: Alle 140 Kühe plus Melkroboter verkauft, ist jetzt ein Lernhof für Kleinkinder mit Streichelzoo und Milchziegen.

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          • Ferkelhebamme sagt

            Ja, man muss verdammt aufpassen, nicht „aus Versehen“ straffällig zu werden. Homöophatika müssen vom Tierarzt zwingend für Tiere umgewidmet werden, auch wenn sie offiziell gar keine Wirkstoffe enthalten. Als Fachfrau hätte die Dame das eigentlich wissen müssen, das wundert mich etwas.
            Wir schauen auch sehr gern über den Tellerrand, haben da einen sehr engagierten Mineralfutterhersteller, der viel mit Kräutern, Algen, Gesteinsmehl etc. macht, was sich sehr gut auf die Gesundheit unserer Tiere auswirkt und auch die Tierärzte werden flexibler und testen Alternativen. So haben wir zum Beispiel sehr gute Erfahrungen mit Immunglobulinen statt Antibiotikum bei Neugeborenen-Durchfall gemacht. Allerdings braucht man ein sehr gutes Auge und viel Zeit und Erfahrung in der Tierbeobachtung, um direkt bei ersten Anzeichen früh einzugreifen. Und es ist teurer!

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        • Oder unser unökologisches System allen überstülpen,????????????
          dann gibt es die Pille für alle!

          Deswegen steht doch bei uns die Bevölkerungspyramide auf dem Kopf!

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Ich bin natürlich im Zweifel dafür, die Landwirtschaft an die Zahl der Menschen anzupassen, und nicht die Zahl der Menschen an eine Landwirtschaftsideologie.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Frau Ertl, habe mich ständig bemüht, aber zu mehr als 2 Kinder hat es nicht gereicht,
        ob dies etwa an meiner Frau lag? 🤣

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    • Karl Timme sagt

      Wie vormals in China, ein Kind Ehe, darüberhinaus Restriktionen. Und hat es funktioniert?
      Abgesehen davon leben wir in einer Demokratie, obwohl Corona gerade neue Impulse gibt.

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