Bauer Willi
Kommentare 38

Hungersnot 2016…

Die diesjährige Ernte 2016 war in weiten Teilen Europas schlecht. Doch das interessiert kaum jemand, außer Bauern und Agrarhändler. Für den Konsumenten jedenfalls wird sie keine negativen Auswirkungen haben. Und in die Geschichtsbücher eingehen wird die Ernte 2016 sicherlich auch nicht.

Das war 1816, also vor exakt 200 Jahren anders. Damals brach der Vulkan Tambora im fernen Indonesien aus und sein Aschestaub verdunkelte für mehrere Monate den Himmel.  Die Ernten fielen weltweit miserabel aus, nicht nur bei Getreide, sondern auch bei Kartoffeln und Futterpflanzen. Die Auswirkungen waren besonders in Europa zu spüren. Man hielt dieses „Jahr ohne Sommer“ für eine Strafe Gottes, weil damals niemand die Ursachen kennen konnte, Indonesien war damals einfach zu weit weg.

Nach einem sehr strengen Winter waren die Folgen der Missernten aber erst richtig im Jahr 1817 zu spüren. Die Preise für Lebensmittel explodierten, zeitgenössischen Schilderungen zufolge mussten die Menschen auch Moos, Gras oder sogar Baumrinde essen, um an Kalorien zu kommen. Große Migrantenströme setzten ein, die Polizei wurde dagegen eingesetzt, viele Menschen wanderten aus. Auch die Kriminalität nahm deutlich zu, es kam zu sozialen und politischen Unruhen.

Im Jahr 1816 lebten etwa 1 Milliarde Menschen auf unserem Planeten.

Bei der Recherche zu diesem kleinen Artikel bin ich sehr still geworden und habe über vieles nachgedacht. Ich wünsche mir keinen neuen Vulkanausbruch…

Euer Bauer Willi

(Aufrufe 1.945 gesamt, 1 heute)

38 Kommentare

  1. Ich überlege gerade, ob die anschließenden Hungersnöte zur Revolution beigetragen haben könnten. Zitat aus Wikipedia: (Jahr 1818) Der Aachener Kongress der Großmächte Russland, Österreich, Preußen, Frankreich und Großbritannien beginnt. Die Herrscher und hochrangigen Vertreter ihrer Staaten beraten über Maßnahmen, um die revolutionär-demokratische Entwicklung in Europa zu bekämpfen.

    Man sollte möglicherweise den Einfluss des Wetters – und der Landwirtschaft! – auf die Geschichte nicht unterschätzen.

    2+
  2. Sabine sagt

    Die Preper ( vom englischen Wort für Vorbereitung) mögen ein sehr, sehr merkwürdiges Völkchen sein, so mit zum Bunker umfunktionierbarem Swimming Pool, aber soo abwegig sind manche Szenarien, die die sich ausdenken, nicht.
    Es ist schon spannend was die einem so ausrechnen, wieviel Land man braucht, um sich selber zu versorgen. 2,5 ha für eine vierköpfige Familie, oder so.
    Was meint ihr?

    1+
    • bauerhans sagt

      erinnert mich an den aussteiger mit familie und landw. wurzeln und nem haufen knete,der hier auf 3-4ha anfing,sehr fleissig war,aber doch nach 15 jahren aufgeben musste.
      oder eine meiner schwestern,die sich in den 1970er jahren viel am bodensee aufhielt und mir von biobauern vorschwärmte,bei denen alles ganz easy war,was ich nicht nachprüfen konnte.
      oder die gemeinschaft,die hier ein friedenshaus betrieben und wo leute mit geld andere sponserten,um die welt etwas friedlicher zu machen,wos aber wohl mehr darum ging,staatliche zuschüsse abzugreifen.

      0
      • Sabine sagt

        Naja, die Preper haben ein sehr staatskritisches Weltbild. Die sagen sich, ich bin in erster Linie dafür verantwortlich, dass es meiner Familie nicht nur im Fall der Fälle gut geht. Wenn ich eh in einem solchen Fall meine Familie ohne Hilfe vom Staat oder anderen Institutionen durchbringen muss… auch ohne Erwerbstätigkeit, weil meine Firma schmeißt mich eh raus, wenn die Zahlen nicht mehr stimmen… dann kann ich gleich damit anfangen. Denn eins rechnen die mit ein, nämlich, dass aus einem Büroangestellten nicht über Nacht ein Bauer wird. Also schon mal anfangen sich mit Gärtnern und Kleinvieh anfangen. Teilweise recht eindrucksvoll, was die aus einem Survival-Set samenfester Saaten heranziehen.
        Aber ich bin eher Fan der rheinischen Selbstversorgervariante, die aus Spaß die ausgedehnte Familienphase mit Garten verbindet und fröhlich vor sich hin experimentiert. Wie der Jeck hier: https://www.youtube.com/watch?v=hoL8F1_rduA
        Der auch seine Bauchlandungen ins Netz stellt.

        0
  3. Öko-Sepp sagt

    Warum muss immer erst was passieren, damit Mensch reagiert oder einsichtig wird?
    (ist wohl so ein Neandertalergen – solange alles passt, warum soll ich mich ändern).
    …ein Tschernobyl 4 Wochen später (in der Kornfüllungsphase des Getreides) und eine
    Ernte wäre weg…

    2+
  4. Friedrich sagt

    Lieber Stadtmensch. Wenn du von Über-Überversorgung sprichts empfehle ich dir den ADM (vorher TöpferInternaional) Bericht zu lesen. Bei rd. 2,5 MRD Tonnen Gesamtgetreideernte geht es immer nur um 10/20 Mill. Tonnen mehr oder weniger. Du hast Recht , wenn du sagt , daß nur 21% des Getreides für die Ernährung gebraucht werden. Dein Gedankenfehler liegt aber schon da , weil, wenn kein Fleisch gegessen wird , sich der Mehlverbrauch stark erhöht. Wenn Vieh geschlachtet wird fehlt ein Jahr später der Dung(Dünger) für die Felder. Die meiste Düngung erfolgt weltweit noch mit Dung der Tiere. Ohne Sonne auch kein Strom von den PV-Anlagen. Dürfen wir dann noch Auto fahren ? Was ist mit Hamsterkäufen ?Darf die Industrie noch produzieren ? Vorräte sind nur für rd. 20 Tage vorhanden. Weltweit erntet man nur ca. 2 Tonnen Getreide/ha .
    Mind. 100 kg/ha wird als Saatgut gebraucht.Wir alle sollten das ganze , für mich nicht ganz übersehbare Problem einmal beleuchten und diskutieren. Die Auswirkungen werden erheblich größer sein , als man sich das gemeinhin vorstellen kann. Auch die weltweite Logistik würde wegen Preispokerei zusammenbrechen.Jeder wäre für sich der Nächste. Ein Hungernder zahlt das letzte Hemd für Essen.

    7+
    • Stadtmensch sagt

      >>Wir alle sollten das ganze , für mich nicht ganz übersehbare Problem
      >>einmal beleuchten und diskutieren.
      Das wäre gut 🙂
      Für mich ist das auch alles etwas unübersichtlich. Das Düngerproblem im Zusammenhang mit dem „Steckrübenwinter“ konnte ich aber nachvollziehen.
      Zum Thema Hamsterkauf verweise ich (in meiner großkotzigen Art) auf einen meiner Lieblingskolumnisten:
      Zitat: „Das Konzept des unbedingten Überlebens ist mir ohnehin rätselhaft. Wozu?“
      http://tammoxalternativ.blogspot.de/2016/08/hamsterkauf.html

      Wenn es also soweit ist, und ein Meteor saust hernieder oder der Himmel fällt uns auf den Kopf, dann hoffe ich, dass dann auf Wunsch bei nicht vorhandenen Lebensmitteln wenigstens angenehme Sterbemittel zur Verfügung gestellt werden.

      0
  5. Schweinebauer Piet sagt

    Ja der Weizen ging, die Gerste und der Raps waren schlecht. Was da aber für den Fall der Krise geplant wird. De mazaire will Bauernhöfe beschlagnahmen -Auh weiha! !!!

    1+
  6. Stadtmensch sagt

    Nennt mich naiv, aber solange nur 21% der Getreideernte zu Brot verarbeitet werden, gibt es massig Spielraum für die Ernährungssicherung. Niemand zwingt uns zur industriellen Fleischproduktion für den Export und für den übermäßigen Fleischkonsum der Wohlstandsbürger. Ich werde jedenfalls nicht still, wenn zurückliegende Versorgungskrisen dazu herangezogen werden, Experimente und Anpassungsmaßnahmen am bestehenden agrarindustriellen System wegzudiskutieren. Muss es denn immer erst katastrophal schlimm werden, damit man anfängt sich zu bewegen: https://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_ohne_Sommer
    Wir leben in Zeiten der ÜberÜber-Versorgung. Nie hatten wir mehr Wissen um die Zusammenhänge der Agrarökologie. Warum nicht experimentieren? Es ist keine Landwirtschaft wie vor hundert Jahren, die man euch da „aufdrücken“ will. Wer das behauptet ist ein schnöder Populist…

    1+
    • bauerhans sagt

      „Nie hatten wir mehr Wissen um die Zusammenhänge der Agrarökologie.“

      was nutzt denn das wissen,wenns per dekret durchgeboxt werden soll,ohne die,dies direkt betrifft,mitzunehmen.

      3+
    • Bauer Willi sagt

      Kennst Du die „stock-to-use-ratio“? Sobald die bei einem Produkt unter 20% fällt, bricht bei den Händlern Panik aus. Es hat auch etwas mit der weltweiten Verfügbarkeit zu tun. Weizen und Mais, der in China im Lager liegt, kommt nie auf den Weltmarkt. Das behalten die schön für sich. Die schlechte Ernte in Europa würde tatsächlich zu einer Hungersnot führen, wenn es den Weltmarkt mit seinen ach so schlimmen Warenströmen nicht gäbe. Wir in Europa könnten uns das experimentieren erlauben. Weil wir genügend Wohlstand haben, um uns alles Notwendige zuzukaufen. Ja, Du bist schon ein wenig naiv. Und überlege mal, was das mit dem Populist auf sich hat….
      Bauer Willi

      0
  7. bauerhans sagt

    die dänische SAXO bank hatte für 2015 einen vulkanausbruch auf island prognostiziert,der die getreidepreise stark beeinflussen sollte…….
    glück gehabt,oder….

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.