Bauer Willi
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Hundert Jahre

1917 – 2017  = Hundert Jahre

Hundert Jahre sind eine lange Zeit. 1917 war der erste Weltkrieg und viele junge Menschen, darunter auch Landwirte waren Soldaten und weit weg von ihren Höfen. Viele kehrten nicht mehr zurück. Seit 72 Jahren haben wir nun Frieden und viele kennen den Krieg nur von Erzählungen. Ich auch und eigentlich will ich die nicht hören. Es ist doch so lange her.

Vor hundert Jahren war in Deutschland eine große Hungersnot. Der sogenannte „Steckrübenwinter“ von 1917 hat da einen besonderen Platz, weil neben anderen Früchten auch Kartoffel knapp und durch Steckrüben ersetzt wurden, die es in allen möglichen Zubereitungsformen zu essen gab. Bis dahin kannte man Steckrüben eigentlich eher als Viehfutter.

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Dass wir in Europa schon seit über einem halben Jahrhundert keinen Hunger mehr kennen, ist eine nie dagewesene Erfolgsgeschichte. Die Menschen vieler Generation haben klug gehandelt, weil man nie wieder Hunger in Europa haben wollte. Die Staaten investierten in Forschung und Bildung im Agrarbereich. Agrarökonomen lehrten den Bauern die neuesten Erkenntnisse, welche Maßnahmen man anwendet um die Erträge zu steigern und so auch zu einem höheren Einkommen zu kommen. Maschinenbauer und Industrie tüftelten an  immer besseren und schlagkräftigeren Maschinen, Züchter an immer besseren Sorten. Und auch im Pflanzenschutz und der Düngung hat sich seitdem  viel getan. Aus der heutigen Sicht der Bürger eher schon zu viel.

Aber auch in die Infrastruktur wurde kräftig investiert, damit der Warenaustausch und die Versorgung der Menschen immer besser funktionierte. Welthandel im heutigen Sinne war damals ein Fremdwort, die meisten exotischen Früchte (dazu zähle ich auch Bananen und Apfelsinen, Kiwi und Mango) gab es so gut wie nicht.

Und damit alle Menschen in ganz Europa von diesem Segen profitieren konnten, unterschrieben weitsichtige Menschen die römischen Verträge. Es war die Geburtsstunde der heutigen Europäischen Union. Die Landwirtschaft war, neben der Montan-Industrie, auch hier der Vorreiter für den Wohlstand, den wir heute kennen. Denn die damaligen Schöpfer der EU wussten: Wenn es keinen Mangel, keinen Hunger mehr gibt, dann gibt es auch keinen Kampf um Ressourcen. Dann haben wir Frieden.

Dass es keinen Hunger und Mangel mehr in Europa gibt, ist also mit (aber nicht nur!) auch die Erfolgsstory der Landwirte. Heute wird man jedoch den Eindruck nicht los, dass den Landwirten ihr Erfolg, ihre Effizienz eher zum Vorwurf gemacht wird. Dass sie die neuen Technologien eben nicht nutzen sollten, dass sie bewusst auf Erträge verzichten, damit die Umwelt geschont und die Artenvielfalt erhalten bleibt.

Aus Sicht des Bürgers kann ich diese Einstellung nachvollziehen. Ihre Vorstellungswelt ist geprägt von der “industriellen Agrarproduktion“, die sie in weiten Teilen ablehnen, ohne sie jedoch aus persönlicher Erfahrung zu kennen. Ihre Informationen beziehen sie aus zweiter Hand, aus den Medien. Und das, was dort vermittelt wird, erschreckt sie.

1917 war das oberste Ziel die Versorgung mit Lebensmittel. Welche Erwartungen und Ziele hat die Gesellschaft heutevon der Landwirtschaft? Das müssen sich Bauern und Bürger in gleicher Weise fragen und gemeinsam klären. Wie seht ihr das?

Euer Bauer Willi

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105 Kommentare

  1. GJMM Joordens sagt

    Vergessen wir auch nicht dass mann heute auch Gemüse aus Gewächshäuser hatt den es damals kaum gegeben hatt. Auch ohne Hungersnot hatte mann im Frühjahr oft Vitamin C Mangel (Frühjahrsmühdigkeit). Die einzigen, mehr oder weniger frischen, Gemüsen im Spätwinter waren Kohlarten wie genau Kohlrübe (z. B. der Wilhelmsburger) aber auch andere. Das kann mann sich heute nicht mehr vorstellen.

    • Martin Gork sagt

      Ein Dank an die Züczhter, noch vor 200 Jahren war die Steckrübe eine reine Futterpflanze, die man nicht wirklich essen wollte, nur in Notzeiten wurde diese verzehrt.

      • Andreas Müller sagt

        Auch meinen Dank! Echte Züchtungen, ohne Gentechnik und nicht nur diese Einweg-Hybridware mit Patentschutz. Lecker, so eine Steckrübensuppe : )

        • Martin Gork sagt

          Zum Glück dachten und denken die Züchter innovativ und nicht konservierend wie ein Müller.

          • Andreas Müller sagt

            The National Institutes of Health (NIH) is preparing to lift a ban on funding for controversial medical research that incorporates human stem cells into animal embryos, creating a hybrid human-animal organism known as a chimera.

          • Martin Gork sagt

            Sie verwechseln da jetzt was. eigentlich mehr als nur was.
            Was haben jetzt Pflanzenzüchter und Pflanzen mit Forschungseinrichtungen für die medizinische Entwicklung zu tun?
            Was hat Landwirtschaft mit Organspende oder -erzeugung zu tun?

            Was stimmt mit Ihnen nicht, wenn Sie laufend Themen durcheinander werfen? Wenden Sie sich damit doch an Wissenschafts und Medizin Foren?!

            • Andreas Müller sagt

              Die Bauern werden die Schwein-Mensch Wesen schon züchten. Bauer Willi sagte schon: “Wir Bauern können alles – sogar Bio. Aber rechnen muss es sich.”

            • Martin Gork sagt

              Ihnen scheint nicht ganz bewusst zu sein, wie das ablaufen könnte.
              Auf diese Arte können vielleicht menschliche Organe selbst entstehen, damit man nicht auf fremde Organe und bösen Gene angewiesen ist. Sowas wird nur in speziellen Labors stattfinden können.
              Zu dem frage ich mich, ob es für Sie sinnvoller ist, wenn man Menschen diese Organe entnimmt oder mit dem neuen Verfahren welche erzeugt.
              Organhandel scheint für Sie ja kein Problem zu sein.

            • Martin Gork sagt

              Vielleicht fantasieren Sie weniger und lesen sich erst mal in das Thema ein.
              Wie ich hier immer wieder lese, haben Sie eine sehr einseitige Sicht auf die Technologien und es scheint Sie auch nicht zu interessieren, wie diese funktionieren, wie diese angewendet werden und welche Fortschritte sich davon ergeben könnten – Sie sind einfach dagegen, weil Sie es anscheinend so “gelernt” haben.
              Halten Sie es für unsinnig Organe aus eigenen Genen erzeugen zu lassen und warten lieber darauf, dass irgendwer gegen einen Baum fährt und Ihnen eine spendet?
              Oder gar in der 3. Welt ein Mensch für 50$ seine “spendet” für Sie?
              Organtransplantationen waren schon früher umstritten, der Mensch könnte ja die Seele des anderen bekommen…

              Trotzdem hat das nichts mit der Landwirtschaft zu tun und es ist beschreibend, wie Sie auch bei diesem Thema die Landwirtschaft da mit in einen Topf werfen,
              Gehen Sie in die entsprechenden Foren für Wissenschaft und Medizin bei dem Thema.

  2. Schweizer Bauer sagt

    Mal so zum Vergleich… in der Schweiz gibt es seit gut zwei Jahrzehnten Förderprogramme für extensive Brotgetreideproduktion, für Blühstreifen, Flächen mit Düngeverbot oder botanischer Vielfalt (oft mehr Unkraut als Vielfalt) und noch hunderte weitere Programme die Biodiversität oder Nachhaltigkeit fördern sollten. Resultat: Der Selbstversorgungsgrad sinkt und sinkt, die Wertschöpfung der Landwirtschaft ebenso. Die Landwirte sind beschäftigt gegen Prämien Hochstammbäume zu pflanzen, Nistkästen aufhängen, Steinhaufen anzulegen und so weiter…. heute werfen uns die Städter vor wir seien nicht produktiv und würden unsere Tiere mit Importgetreide füttern, da könnte man doch gleich die Hähnchen aus Brasilien importieren statt den Bauern Direktzahlungen zu geben. Hoffe ihr habt gut aufgepasst… man kann alles zu weit treiben!

    • Berthold Lauer sagt

      Dein Kommentar beschreibt das Problem ganz treffend: Viele versuchen mit allen Mittel vor ihrer Haustür ein “Heile Welt Idylle” zu generieren. Und bemerken nicht, dass gleichzeitig die halbe Welt geplündert wird, um unsereren Luxus zu ermöglichen. Alles ist zu jeder Zeit an jedem Ort in jeder Menge verfügbar: Ob exotische Trendnahrung oder Rohstoffe oder Energie oder auch nur die Rosen zu Valentinstag aus Afrika. Und der Urlaubsflug in ein Traumziel ist ja auch CO2-neutral, weil die Fluggesellschaft irgendwo ein Aufforstungsprojeckt fördert.

  3. Sabine sagt

    Ganz off topic: Gerade gelesen beim Fratzenbuch: Deutschlands jüngste Landschaftspfleger brauchen jetzt Eure Hilfe! Dort wird aufgerufen am 10.03. an der Wolfsnachtwache teilzunehmen, weil in Neuendorf/Unterspreewald Wölfe schon zum wiederholten Mal in Viehbestände eingebrochen sind.
    Die Leute wollen den Wolf, aber erklären einem nicht, wie man ihn von Kälbern und Schafen fernhalten soll.
    Die Leute wollen Co2-Neutrale Landwirtschaft, kaufen aber im Dezember Sommergemüse.
    Menschen sind komisch.

  4. Inga sagt

    Habe gerade Scobel in 3sat gesehen,

    wir alle sollten etwas mehr transdisziplinär denken, die Politiker voran!

    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=65132

    Abzielen auf gesellschaftliche Akzeptanz
    Also beteiligen gesellschaftlicher Akteure!

    z.B.
    Bereit sein für die Eier von Hühnern, deren Brüder als Eintagsküken nicht getötet wurden, weil sie keine Fleichleistung haben, mehr zu bezahlen!

    • Martin Gork sagt

      Im Fernsehen kann die Welt so schöne sein.
      Man sollte Redakteure und vor allem -innen nicht immer ernst nehmen, denn die Welt besteht nicht aus Wünschen, sondern knall harter Realität.

      • Inga sagt

        Ja klar, Theorie und Praxis

        Aber das Eierbeispiel würde doch funktionieren, oder?

        Und das mit den Windrädern auch.
        hier fand ich noch interessant, ob man da nicht die Wertschöpfung teilen könnte!?!

  5. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin, ich möchte mich hier einmal zu dem Anliegen des Blogs was die Anfangssätze betrifft äußern. Nach dem 2.Weltkrieg, den ich Gott sei Dank, nicht mit erleben musste, erinnere ich mich heute noch an die einprägsamen Erzählungen meiner Eltern ,was das Problem Hungersnot betrifft. Sie berichteten uns Kindern darüber, wie viele Menschen aus der zerstörten Stadt Dresden,
    ca. 50 km von meinem Heimatort, in die Dörfer gewandert sind, um sich Ihren Lebensunterhalt in Form von Lebensmitteln zu erarbeiten. Bei vielen schweren Ernte arbeiten waren sich die Großstädter nicht zu schade. um für Sie ungewohnte Arbeiten auf den Feldern zu tätigen um Ihren Hunger zu stillen. Ähren lesen ,Kartoffeln per Hand sammeln, Rüben verziehen und vieles mehr haben Sie sich angetan um Ihre Ernährung zu sichern. Für diese Arbeit gab es kein Geld, sondern Brot, Butter, Milch Schinken und Fleisch und sie waren sehr glücklich. Bei der Übergabe der erwähnten Produkte war eine Dankbarkeit in Ihren Augen zu lesen, die durch nichts zu überbieten war. Diese Beziehungen zu diesen Menschen und Ihre Dankbarkeit den Bauern gegenüber hat auch noch gehalten bis in die Zeit hinein, wo es dann endlich genug zu essen für alle gab. Keiner wünscht sich das wieder zu rück, der Sie erlebt hat. In der heutigen Zeit, währen Sie aber ab und zu wünschenswert.

  6. Altbauer Jochen sagt

    Ja OK, Brötchen,- es geht mir als “Alter”aber nicht darum den Jungen von
    “Früher” zu erzählen. Ich rede mit meinem Enkel (landw. Ausbildung)
    über viel Dinge, – auch von meinen “Anfängen”, stehe aber voll und ganz
    hinter den Zukunftsplänen der jungen Leute !!
    Die letzten 70 Jahre waren doch in weiten Teilen unseres Landes
    eine Erfolgsgeschichte die stets von den jungen, in Arbeit stehenden Menschen erbracht wurde. Gut, in unserem Dorf gab es zu meiner Jugendzeit noch 20 Bauern, heut noch 2. Ob das zur Erfolgsgeschichte
    zu zählen ist, mag jeder selbst beurteilen.
    Es wird ja viel in der Geschichte unseres Landes immer neu “aufgearbeitet”
    -ist auch in Ordnung- ich meine nur das wir mit Dankbarkeit ,
    und auch mit einem angemessenem Stolz auf das blicken dürfen
    was in der Nachkriegszeit ,bis heute hin, auch von den jetzigen
    “Jungen” geleistet wurde und wird !

    • Brötchen sagt

      Jochen ist schon ok, war mehr spaßig gemeint. Die jungen müssen auch ihre Erfahrungen machen und ihre Chancen bekommen. Ist schwierig das ohne belehrend zu wirken…..

    • Brötchen sagt

      Ich habe mir nochmal von einem Bekannten Fleischer die feinzerlegung zeigen lassen und dann selber noch rekapituliert. Dann wie man das darmpaket auseinander nimmt und die därme bearbeitet, das steht nirgendwo. Der Fleischer ist leider sehr früh verstorben, von dem habe ich viel gelernt. Solches wissen muss man weiter geben! Ich erinnere mich auch oft an das was mir mein Vater beigebracht hat, was Pflanzenbau betrifft. Damals habe ich das nur nebenbei so wahrgenommen und war nicht ganz so meine Passion, das hat sich geändert. Grüße und schönen abend!

      • bauerhans sagt

        “Ich erinnere mich auch oft an das was mir mein Vater beigebracht hat, was Pflanzenbau betrifft”

        meiner war durch und durch nazi,hatte nie geld,aber nen weinkeller und ging zur jagd,sodass zum arbeiten keine zeit blieb.
        damals war immer ne hilfskraft aufem hof,die die täglichen arbeiten erledigte.
        weizen kostete 50DM,schweine 400DM,sodass zum leben was übrig blieb.
        grosse anschaffungen wurden vom erbe der mutter bezahlt.
        da der vater früh verstorben war,hatte er mir nix beibringen können.

        • Brötchen sagt

          Da hatte ich Glück! Manches weiß man erst später zu schätzen. Tut mir leid für dich!

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Mein Vater verstand was von Ackerbau und Viehzucht, da ich recht schnell auf Obstbau umstieg und im Weinbau neue Erkenntnisse zu verzeichnen waren, konnte mein Vater mich nur in aktuellen Lebenslagen beraten.
          Da er bis zum 85 zigsten Lebensjahr noch Fit war, konnte er mich arbeitsmäßig sehr unterstützen, dafür bin ich jetzt noch dankbar.
          Auf den Rehbraten musste ich halt verzichten, man kann halt nicht alles haben;)

          • Brötchen sagt

            Meiner ist leider dann auch viel zu früh verstorben, er hat aber Spuren hinterlassen. Heute mit Abstand versteht man vieles besser, zu der zeit war es im Osten schwierig, wenn man eine Passion für lw. Hatte. Jetzt sind wir bei: zwei alte Hasen erzählen von früher:)

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Die Därme werden mit 2 Fingern ausgestreift, dann ca. 5 cm umgedreht und Wasser in dem umgedrehten Darm laufen lassen, danach wurden sie in Salzwasser gewaschen.

        Folglich wurde die Wurstmasse in den Teil des Darmes gefüllt, der vorher außen war.

        • Brötchen sagt

          Ja die muss man noch entschleimen,das ist nicht so einfach. Über ein löffel, mit einem speziellem Holz oder einem löffel. Muss man auch mal gemacht haben.

  7. Friedrich sagt

    Wollen wir hoffen , daß uns ein Krieg nicht ins Leben kommt. Aber wir sind heute mit unserer hohen Technikabhängigkeit vor Katastrophen nie sicher. Ein Stromausfall über ein , oder mehrer Tage bringt uns schon an die Grenzen unseres Wohlstandes. Die Kühlschränke als Vorratslager sind auch schnell leer. Jedem Hausbesitzer sei deshalb ein Notstromaggregat empfohlen. Habe neulich in unserer Tageszeitung einen Artikel über Vorsorge gelesen. Da gibt es eine Gruppe die sich mit solchen Dingen beschäftigt. Da gibt es für verschiedene Dinge Vorsorgechecklisten. http://www.prepper-gemeinschaft.de
    Im Ernstfall nützen uns allen keine ideologischen Diskussionen. Da ist mit Sachverstand und kühlem Kopf der Katastrophe zu begegnen. Solidarität und gegenseitige Hilfe ist dann gefragt. Das hat dann so manche Dorf/Straßengemeinschaft für lange Zeit zusammenrücken lassen.

    • Martin Gork sagt

      Früher waren wir abhändig von Naturgewalten, das kostete auf diesem Planeten jährlich bis zu 100 Millionen Menschen das Leben, da werden wir in Zukunft Netzausfälle überstehen.

  8. Paulus sagt

    Zum Thema Steckrüben: In Skandinavien sind die durchaus beliebt und ich habe sie dort des Öfteren mit Genuss gegessen. Zumindest nördlich des Polarkreises bekommt man die in jedem Lanthandel (Supermarkt). Und ja, selbst deutsche Spitzenköche bringen sie wieder auf den Teller und in Biogeschäften gibt es sie schon seit Langem wieder. OK, es sind wahrscheinlich andere Sorten als die in 1917.

    Zum Thema Effizienz in der LW wiederhole ich mich: Kein anderer Zweig der Wirtschaft würde sich von mehr oder weniger Kompetenten/Inkompetenten oktroyieren lassen, mit wirklichkeitsfremden und rückwärtsgewandten Konzepten die Zukunft zu bewältigen. Und für die Landwirtschaft soll dies der richtige Weg sein?

    Ich betreibe so eine angeblich idyllische Landwirtschaft im Nebenerwerb, bzw. als teures Hobby, bei dem Artenschutz und Landschaftspflege eine zentrale Rolle spielen. Die gute Frau Bärbel Höhn wäre wahrscheinlich begeistert.
    Auf lokaler „dörflicher“ Ebene ist es mir mit viel Mühe gelungen einen Konsens mit den Vertretern der Naturschutzverbände herzustellen; war aber schwierig.
    Allein mein Wunsch, dass die Hunde nicht mehr auf unsere Weiden scheißen machte mich zum Feind der ach so grün Angehauchten. Und wenn es darum geht so ca. 800 lfd.m Hecken zu pflegen, Steinhaufen anzulegen, Jakobskreuzkraut an „öffentlichen“ Wegrändern zu eliminieren, etc. kann ich mich vor Freiwilligen nicht mehr retten 😉
    Die Erwartungshaltung in meine Leistungen als erbärmlich kleiner Nebenerwerbsbauer, der aus seinem Einkommen aus der Industrie zuschießt ist indes exorbitant.
    Ne, ich kann und will das nicht mehr leisten und habe auch keine Lust mehr.
    Ich denke, die von Willi diabolisch gestellte zentrale Frage kann von keiner Seite aus auch nur annähernd zufriedenstellend beantwortet werden.

    • Stadtmensch sagt

      diabolisch?
      Da wird Willi gleich aus der Kiste springen. Ich hab mich ja noch mit “demagogisch” begnügt.
      Wenn du deine Latifundien nicht bewirtschaften kannst, dann gib sie doch jemandem, der es schafft. Aber nee – Hauptsache privat besitzen. Um sowas zu vermeiden, hatten die Indianer das “Nutzungsrecht” und hierzulande gab es früher mal die Allmende.
      Bei uns in der Stadt gibt es haufenweise verfallende leer stehende oder verlotterte vermietete Altbausubstanz. Es gibt Leute, die müssen darin wohnen, weil sie sich nichts besseres leisten können. Die Miete wandert quasi direkt vom “Amt” auf die Konten der Eigentümer, die es nicht für nötig halten, wenigstens mal den Gehweg zu kehren oder Dachrinne und Fallrohr zu reparieren.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Bringen die Mieter sich selber um, wenn sie den Gehweg kehren?

        In der Regel wird das den Mietern im Mietvertrag übertragen.

        Dachrinne und Fallrohr sind natürlich Sache des Vermieters.

        Ps, habe einen Tipp für sie, bauen sie ein Mietshaus, dann sind sie ein reicher Mann, zumindest in den Augen der Mieter. 😉

        • Martin Gork sagt

          In dem guten “Früher”, wo der Bauer das Unkraut noch per Hand entfernt hat, da haben die Stadtmenschen noch für Sauberkeit selbst gesorgt, heute sollen das dann andere machen.
          Weder auf dem Feld oder bei der Reinigung wird man diese “Stadtmenschen” treffen, die findet man nur im Internet, da ist es nicht so ansträngend.

      • Paulus sagt

        Lieber Stadtmensch, das kannst Du sofort haben, zum amtlichen Richtwert abzügl. 20%, nein 30%, nein ich lege noch einen drauf; sagen wir abzügl. 40%. Die Auflagen des Denkmalschutzes wirst Du schon erfüllen und mit der Allmende kommst Du schon klar. Du schaffst das schon.
        Testierte Betriebsergebnisse liefere ich gegen Kapitalnachweis. Bitte benenne einen Notar deiner Wahl. Also was ist, Hand drauf? Oder lieber doch nicht?

        • Stadtmensch sagt

          Ich halte es mit dem Grundsatz: “Alles was du hast, hat dich”. Ich komme gerne mal vorbei, zum Trockenmauer bauen, Hecke schneiden, Fenster aus- und einglasen, Rehrücken essen usw. (hab ja beim letzten Bauernhofurlaub auch ordenlich mit angepackt).
          Vor Jahren gabs doch mal diese Internet-Plattformen, wo Bauernhöfe “gehandelt” wurden. Vielleicht wollen ja ein paar Aussteiger eine SOLAWI gründen? Du machst einen Nutzungsvertrag ohne Unsummen an Pacht zu verlangen und lässt die machen. Hier gibt es sogenannte “Wächterhäuser”: Der Eigentümer unterstützt die Bewohner finanziell bei der Instandhaltung\Sanierung und diese wohnen mehr oder weniger kostenfrei. Du behältst deinen geliebten Besitz und andere Menschen nutzen ihn zum Selbstkostenpreis und sorgen somit für den Werterhalt. Tja – nutzlose Tips gibts immer massig, aber ich wohne geschätzt 600km entfernt von deinem Refugium und bin was Denkmalschutz angeht schon bedient.

          • bauerhans sagt

            stadtmensch,das hatte ich 30 jahre mit verschiedenen wg`s,die hatten tolle ideen,nur nie wurde eine sache zuende gebracht,nie,meist dominierte einer die anderen und es gab streit und ne neue wg.
            ach ja,einer endete mit ner tüte überm kopf an einem strand in südamerika.

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              “ach ja,einer endete mit ner tüte überm kopf an einem strand in südamerika.”

              Echt?

              Wollte schon immer an die Copacabana, wegen den hübschen Mädels, wenn ich aber das höre, gehe ich lieber an einen Badesee. 😉 🙂

            • Martin Gork sagt

              Die Spaßgesellschaft der “Stadtmenschen” möchte eben was erleben,
              um das Gewissen zu beruhigen spendet man an Greenpeace und ist aktiv gegen die Landwirtschaft.
              Besser hätte der “Stadtmensch” sich doch nicht äußern können,
              sein Gewissen wird auf die Landwirtschaft abgewälzt.
              Wir blöden Bauern sollen mehr leisten, damit die “Stadtmenschen” mehr Spaß haben.

            • Stadtmensch sagt

              @Martin
              lernt ihr dieses dämliche Rumgeätze eigentlich auf euren “Bloggercamps”? Wo hab ich was von “blöden Bauern” geschrieben?
              Man nennt diese “Strategie”, “einen Popanz aufbauen”, um hernach genüsslich drauf einzuschlagen. Stadtmenschen leben in “Massenmenschhaltung” und sind zum größten Teil fast den ganzen Tag an einen Schreibtisch fixiert. Logisch, dass sie auch mal Weidegang haben wollen. “Spaßgesellschaft”, da kann ich nur lachen.
              Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft mit einem weitgehend liberalisierten Wohnungsmarkt, ob wirs wollen oder nicht. Da ist genau geregelt, wer was zu machen hat. Und wenn kein Geld fließt, passiert eben nichts.

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              @ Stadtmensch

              Ihre Beiträge strotzen in letzter Zeit nur so vor Fremdwörtern, die im normalen Sprachgebrauch nicht verwendet werden. Bei mir kommt es auch so rüber, dass hier eine geistige Überlegenheit gezeigt werden soll.

              Es dürfte bekannt sein, dass ich als Kleinwinzer in einer Weingegend wohne, wenn ich in die Einkaufswagen schaue und Weine von fernen Ländern darin liegen sehe, wundere ich mich sehr. Sehr ärgerlich wird es, wenn die selben Menschen durch unsere Weinberge Wandern und jegliche Bewirtschaftung kritisieren.

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Hätte eine Wiese, davon 20 ar Biotop und 10 ar lastenfrei, ferner 30 ar steiles Grünland, bepflanzt mit Nussbäumen. Diese Grundstücke biete ich ihnen Pachtfrei an, Nüsse dürfen sie natürlich auch ernten, wird vermutlich noch ca. 10 Jahre vergehen, bis sie in Ertrag kommen, die Subventionen dürfen sie natürlich auch behalten, die Höhe kenne ich nicht, da ich keine beantrage.

            Eine Ferienhäuschen kann ich nicht anbieten, über einen Strom und Wasseranschluss für ein Wohnmobil lässt sich reden. 🙂

      • Bauer Willi sagt

        Diabolisch! Dabei habe ich gerade angefangen, den Paulus symphatisch zu finden…
        Bauer Willi

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        “und hierzulande gab es früher mal die Allmende.”

        @Stadtmensch

        Um 1850 gab es bei uns eine Hungersnot, um diese zu umgehen sind viele nach Amerika ausgewandert, für die daheimgebliebenen wurden Einwohnern ein Stück Wald zugewiesen, den sie roden durften um darauf Lebensmittel anzubauen.

        Als es denen wieder besser ging, konnten die Altforderen diese Grundstücke kaufen.
        Die Nachkommen, haben diese “unerschöpfliche Geldquelle” wieder verscherbelt, damit nur die Winzer an diesem Reichtum par­ti­zi­pie­ren konnten.

    • Ich seh das so sagt

      Jeder hat besonderen Kompetenzen in seinem Beruf, die er gelernt, sich angeeignet oder sich erarbeitet hat.
      Aber zudem ist so:
      *) Jeder ging zur Schule – daher kann jeder Lehrer
      *) Jeder spielte mal Fußball – daher kann jeder Bundestrainer
      *) Jeder ißt was – daher kann jeder Bauer

      Lustig, ist aber so. Anderswie geht das leider irgendwie nicht.
      *) Jeder fährt Auto – keiner kann eines bauen (kaputtmachen schon)
      *) Jeder sieht fern – keiner kann einen basteln (kaputtmachen schon)
      *) beliebig ergänzbar ……

      Vermutlich ist es bei vielen agrarischen “Selfmade-Profis” genauso, Landwirtschaft kaputtmachen mit Herumbasteleien funktioniert super, herrichten oder gleich richtig betreiben können es letztlich wohl doch nur jene, die das gelernt haben.

      • Ich seh das so sagt

        Man kann sich bestimmte Nachrichten gar nicht so bestellen, wie sie das Leben dann doch immer wieder schreibt (gerade eben erst gelesen):
        Jene Eltern und deren Kinder, die nachfolgende Schulen und ähnliche besuchen, sind jene “Selfmade-Profis” die dann gegenüber bzw. von Bauern etwa nicht als Pflanzenschutz sondern von Vergiftung mit Pestiziden sprechen.

        Und dann sowas:
        Masernverdacht: Stadtschulrat sperrt Rudolf-Steiner-Schule
        http://derstandard.at/2000053492802/Masernverdacht-Stadtschulrat-sperrt-Rudolf-Steiner-Schule

        Bemerkenswert auch: Die Poster, die hier auf die Spritzenverweigerer einschlagen, sind meist die selben, die sonst auf die landwirtschaftlichen Spritzen-Nicht-Verweigerer einschlagen.

  9. Altbauer Jochen sagt

    Ja bauerhans, das mit den Leserbriefen kenn ich auch .
    Erst kürzlich hatte eine Leserbriefschreiberin bei uns einen
    ganzen Kübel voll “Mist” auf die Landwirtschaft geschüttet.
    Ich war so wütend das ich zum ersten mal einen Leserbrief
    -in sachlicher Form !! abgeschickt habe.
    Kam wohl nicht durch den “Filter” der Redaktion.

    Die Nachkriegszeit vor 70 Jahren, Vertreibung, Neubeginn im Westen
    kenn ich auch aus eigener Erfahrung. Man muss heut noch den Eltern dankbar sein das sie uns irgendwie durchgefüttert haben.
    Das üppige Leben heut kann man vielleicht nur richtig einschätzen wenn man so alt ist wie ich und die damaligen Lebensumstände in
    “guter” Erinnerung hat.

    • Brötchen sagt

      Mein Vater hat auch immer erzählt er ist barfuß 4 km durch einen halben Meter schnee zur schule gelaufen. Das geht nach dem Muster: zwei alte Hasen erzählen von früher lockt heute keinen mehr hinter dem Ofen vor, bzw das hat jede Generation so gemacht. Übrigens kohlrübeneintopf kenn ich schon immer, mit Kümmel und Rindfleisch.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Das mit dem Halben Meter Schnee ist wie mit dem Smartphone, die Jungen glauben einem nicht, dass wir in unser Jugend ohne die Dinger auskamen.

  10. Lalü sagt

    Zurück zum Hinweis von Bauer Willi auf den Steckrübenwinter vor 100 Jahren. Der war eine Folge der Kartoffel-Missernte, verursacht durch die Kraut- und Knollenfäule. Hätte es vor 100 Jahren einen funktionierenden Pflanzenschutz gegeben, hätte diese drastische Hungersnot im amaligen Deutschen Reich verhindert werden können. Aber auch die Steckrüben gab es nur auf Lebensmittel-Karten. Denn eigentlich waren sie als Viehfutter vorgesehen gewesen. Und die Qualität dieser Steckrüben war ooch nich gerade doll. Ich habe sie noch aus der Nachkriegszeit (2.Weltkrieg!) in Erinnerung, das war ein strohiges Zeug, das man gut durchkauen musste. Kein Vergleich mit den heutigen Steckrüben! – Und andere Lebensmittel wie Brot waren ja sowieso knapp und folglich rationiert – dank der Blockade der Kriegsgegner.

    Manchmal wünsche ich, dass die vielen patenten und superschlauen Kritiker unserer heutigen Landwirtschaft mal für mindestens zwei Wochen in einem weit abgelegenen Ort – einer schwer zugänglichen Insel oder einem abgelegenen Kloster – deponiert werden und nur die Lebensmittel-Rationen von vor 100 Jahren oder die aus der Zeit 1945 bis 1948 erhalten dürfen. Auch flüssiges Brot in Form von Bier muss beschränkt werden. Vielleicht täte es ihnen gut, darüber nachzudenken, was unsere Landwirt heute leisten – dank der wissenschaftlichen Fortschritte auf allen Sektoren.

  11. Zenzi sagt

    Zitat willi …”1917 war das oberste Ziel die Versorgung mit Lebensmittel. Welche Erwartungen und Ziele hat die Gesellschaft heutevon der Landwirtschaft? Das müssen sich Bauern und Bürger in gleicher Weise fragen und gemeinsam klären. Wie seht ihr das?”

    Landschaftspflege ist ein wichtiger Beitrag der Landwirte. Gerade durch die “Schlagkraft” der Maschinen kann der Bauer viel nützliches tun, was früher per Hand gemacht werden musste. Wenn manche Wiesen nicht gemäht oder von Schafen beweidet werden, verbuschen Hänge und andere Flächen. Durch die Flurbereinigung wurde in den 70ern zuviel der Hecken abgeräumt und werden jetzt wieder angepflanzt um Rückzug für die Biodiversität zu bieten. Viele Maschinenringe leisten hier wertvolle Arbeit.
    Ich erwarte mehr achtsameren Umgang mit der Natur.

    Früher standen eben tatsächlich noch direkte Lebensmittel auf dem Feld. Heute ist es viel mehr Mais als Energiepflanze oder Futtergetreide fürs Vieh, die Wiesen haben keine Vielfalt mehr und taugen vorwiegend als Silagegeber. Ich erwarte mehr Blühstreifen für Insekten um die Felder und an Flurwegen, das sollte gefördert werden.
    Die Insektenbiomasse ist seit 1989 um 80% (!) zurückgegangen. Die Ursachen sind einseitige Bewirtschaftung und Spritzmittel die zum Großteil “Nichtzielorganismen” betreffen.
    Diese Entwicklungen sind auf unzureichende Gesetzgebungen zurückzuführen. Dem Landwirt gebe ich hier nicht die Schuld. Er setzt sich halt auch nicht auf den Boden wenn doch der Stuhl erfunden wurde…

    • bauerhans sagt

      “Die Insektenbiomasse ist seit 1989 um 80% (!) zurückgegangen.”

      saurier sind ganz ausgestorben!

      • Andreas Schmid sagt

        Ich habe schon in meinen Tomaten und Gurken “Insektenbiomasse” eingebracht, damit sie Insektenbiomasse(Läuse) fressen. Noch etwas anderes fällt mir da gerade ein: Salat mit Läuse ist nicht mehr Vegan.

    • Bauer Willi sagt

      Ein hohes Anspruchsdenken. “ich erwarte…” .
      “Dem Landwirten gebe ich nicht die Schuld”. Wie gnädig…
      Und wer bezahlt das alles? Sollen die Bauern wohl für lau machen, weil sie ja auf dem Stuhl sitzen…
      Bauer Willi

      • Martin Gork sagt

        Landwirte sollen heute Insektenzüchter werden, die “Biomasse” wird dringend benötigt weil wir uns morgen schon von Insekten ernähern sollen.

        Was war eigentlich mit der Mücken Biomasse am Rhein? Dort hat man die Plagegeister einfach totgespritzt, damit die Spaßgesellschaft beim Sonnenbaden nicht belästigt wird.
        http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/der-muecken-herr-werden–73723934.html

        Sonnenbaden ohne Mücken, Flugreiseboom aber die Landwirtschaft ist Schuld…
        Der Klimawandel wird momentan wieder komplett ausgeblendet, die Landwirtschaft ist als Täter besser geeignet, um für die Veränderungen in der Fauna genannt zu werden.
        Selbst die Zubetonierung für Flughäfen, Freizeitparks, Kreuzfahrtterminals und das Häuschen im Grünen sind kein Problem…

      • Zenzi sagt

        Zitat Willi:Welche Erwartungen und Ziele hat die Gesellschaft heutevon der Landwirtschaft?

        Du hast doch um die “Erwartung” gebeten. Solange Landwirte für Flächen Förderungen bekommen, damit sie NICHT angebaut werden, könnten sinnigerweise auch Förderungen für Sinnvolles fließen.

        Das Superwort habe ich ja ganz vergessen zu erwähnen:
        Ich ERWARTE eine NACHHALTIGE Landwirtschaft, d.h. nachhaltiges Agieren auf jedem Sektor der Landwirtschaft.

        MartinG.: Es ist immer einfacher sich über andere lustig zu machen, statt konstruktive Beiträge zu verfassen. “Insektenzüchter” war nie die Rede. Einfach leben lassen reicht schon.
        Es geht um die Biodiversität bei Insekten. Neonikotionoide schaden Bienen und anderen Wildinsekten. Da ist hinlänglich durch Studien bekannt. Und es sind diesmal nicht die falschen Dosierungen sondern es sind bereits Minimalmengen welche die Futtersaftaufnahme der Brut stören und staatenbildende Insekten schwächen.
        Es hat in den Diskussionen auch wenig Zopf immer vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen: Insekten?(Igitt!) Gab es da nicht ´ne Plage…
        Linkverweise? Akzeptierst du ja nicht. Guck du doch bei deiner Lieblingsseite der FAO nach, wie du vorgestern betont hast. Mir liegt das englisch nicht so.
        Bei echtem Interesse kann ich die Infos zu den Studien geben.

        Und Nein, nicht WIR sollen uns von Insekten ernähren sondern Vögel, Fledermäuse… sowas gehört nun mal zur Vielfalt der Natur.

        • Martin Gork sagt

          Zensi,
          Sie erwarten viel von der Landwirtschaft aber nicht einmal den Sinn dieser:
          Landwirtschaft soll die Menschen ernähren.

          “DIE” Landwirtschaft ernährt Menschen und züchtet keine Insekten.
          Sie sollten mal etwas von Ihrem vollem Kühlschrank wegkommen!
          Besser kann man die Dekadenz der Gesellschaft nicht offenbaren, wie Sie es getan haben, Essen gibt es bei Aldi im Regal und Landwirte haben daran keinen Anteil.
          Traurig, wie die Lebensmittelsicherheit heute von Personen wie Ihnen verkannt wird.

    • Martin Gork sagt

      “Früher”, vor 100 Jahren lag die Erntemenge bei 30% nur für die Energie, damals gab es noch keinen Trecker und die 30% sind für Pferd und Ochs verbraucht worden.

      Könnten Sie mal genaue Zahlen zu 1989 nennen, keine Schätzungen oder Behauptungen?
      Immerhin sind seit dem die Masse an problematischen Wirkstoffe vom Markt gekommen in Deutschland.
      Wo liegt der Vorteil eines abgeerntetem Feld im August gegenüber dem Mais, der für viele Tiere dann noch Schutz bietet?
      Und bis vor 40 Jahren wurde in Deutschland kaum Brotgetreide geerntet, auf leichten Böden stand damals Roggen und Gerste, meist fürs Futter, heute wird selbst auf Sandböden Brotweizen mit sehr guten Erträgen angebaut, vor 40 Jahren undenkbar.

      Die Gemüseanbaufläche hat sich auch sehr stark ausgedehnt.

      Sie sollten weniger mit “gefühlten” Argumenten arbeiten und doch das eine oder andere besser erst mal nachlesen.

    • Ich seh das so sagt

      Immer das selbe mit den Ansprüchen:
      Ich schreibe anderen vor, was mir selbst nicht wehtut. Das beruhigt mein Gewissen (weil ich mir ja die Rettung der Welt so einfach ausdenke, wenn die anderen nur machen würden was ich will) und kostet mich selbst keinen Pfifferling und selber machen brauch ich es auch nicht.

      Drehen wir die Sache doch mal um:
      Ich erwarte mir den Rückbau aller Straßen, Gebäude, Schienen und die Inanspruchnahme von Grund und Boden durch die 95% Nicht-Landwirtschaftliche Bevölkerung auf den Stand von 1989 oder noch besser auf 1959. Bei 66 ha pro Tag (Quelle BMUB) werden damit pro Jahr 24100 Hektar als Naturlandschaft wieder freigemacht, somit in Summe 6500 Quadratkilometer bzw 13.700 km² (bei einem Rückbau auf den Stand von 1989 bzw. 1959), als halb/ganz Schleswig-Holstein. Die Fläche ist als reines Naturschutzgebiet anzulegen.

      Ich erwarte mir ein Verbieten des Verkaufs und des Anwendens von Rasenmähern auf öffentlichen oder privaten Flächen sowie ein Verbieten des Verkaufs und des Anwendens von Staubsaubern in öffentlichen und privaten Räumen. Der Verlust an Fauna und Flora kann so beträchtlich reduziert werden, außerdem bekommen alle Menschen wieder einen direkteren Bezug zur allseits beliebten Insektenbiomasse.

      Ich erwarte mir eine Verpflichtung zur Entschleunigung durch Einschalten von Sendeanlagen (TV, Radio, Handy …) nur in der Zeit zwischen 12 und 14 Uhr sowie zwischen 19 und 21 Uhr. Die verfügbar gewordene freie Zeit ist zur Grünraumpflege im öffentlichen und privaten Bereich sinnvoll zu verwenden, sowie zur Versorgung und Verpflegung des sich dort befindlichen Getiers. Positive gesundheitliche Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

      Ich erwarte mir die Stilllegung all jener Bereich die direkt oder indirekt auf reiner Ausbeutungswirtschaft beruhen (Kernenergie, Kohle, Gas, Erdöl, Bodenschätze jeglicher Art ….)

      Ich gebe auch der 95% Bevölkerung keine Schuld, aber sie wird sich sicher auf den Boden setzten obwohl der Stuhl schon erfunden wurde.
      Ein Deutschland der blühenden Felder ist der Lohn.
      Bis bald.

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      “Früher standen eben tatsächlich noch direkte Lebensmittel auf dem Feld. Heute ist es viel mehr Mais als Energiepflanze oder Futtergetreide fürs Vieh, die Wiesen haben keine Vielfalt mehr und taugen vorwiegend als Silagegeber. Ich erwarte mehr Blühstreifen für Insekten um die Felder und an Flurwegen, das sollte gefördert werden.”

      Habe in einem Leserbrief der letzte Woche in unserer Tageszeitung abgedruckt wurde, unter anderem folgendes geschrieben:

      Voller Stolz werden die Gemeindeväter davon unterrichtet, dass der Pachtzins der gemeindeeigenen Flächen nach oben angepasst werden und anschießend wird kritisiert, wenn auf diesen Feldern Mais angebaut wird. Es wäre mal an der Zeit, dass die Kommunen selbst auf diesen Feldern die immer geforderten Blumenwiesen anlegen, oder alte Ostsorten anpflanzen, gepflegt vom Bauhof, bezahlt natürlich nach dem Tarif öffentlicher Dienst.

    • Ich seh das so sagt

      Liebe Frau Zenzi
      Es scheint entweder eine nahezu fixe Größe zu sein, ein Naturgesetz oder ein Fake, dass Biomasserückgänge (ob bei Insekten, Tieren, Pflanzen…) sich komischerweise IMMER irgendwo bei 80% bewegen.
      Und das die 95% Nicht-Landwirtschaftliche Bevölkerung da ja unmöglich auch nur den geringsten Einfluß auf die Rückgänge haben kann (bei der angeborenen umweltschonenden Lebens-, Arbeit-, Denkweise) bleiben die Bauern über, die das nur verursacht haben können.

      Interessant ist dann aber folgende Nachricht von heute:
      “Für die Umweltbehörde der Landesregierung ist das eine Katastrophe, denn als Insel ist Mallorca sehr anfällig für invasive Arten. Endemische Arten haben mangels natürlicher Fressfeinde oft geringe Chancen, neue Feinde zu überleben. Das Phänomen wurde s c h o n v o r 3 0 0 J a h r e n (!!!) von Naturforschern auf Pazifikinseln dokumentiert. “70 Prozent (man staune !!!) aller ausgestorbenen Arten waren Endemismen auf Inseln oder in Seen”, sagt der Biologe Joan Mayol im balearischen Umweltamt.” (http://derstandard.at/2000053461369/Ausgesetzte-Haustiere-erobern-Mallorca)

      Vor 300 Jahren also schon festgestellt !
      Ihre Theorie: “Die Ursachen sind einseitige Bewirtschaftung und Spritzmittel die zum Großteil „Nichtzielorganismen“ betreffen”
      Die Realität: Touristen setzen alle möglichen Haustiere aus.

      Schade, wieder eine so schön gestrickte Theorie zur Erklärung allen Übels auf der Welt einfach beim Teufel. Wieder konnten sich die Bauern “rausschwindeln” – oder ?

  12. Gephard sagt

    Natürlich beziehen die Verbraucher die Informationen nicht aus erster Hand. Welche Bauer hat denn in der Vergangenheit gesagt, dass man vielleicht weniger spritzen und düngen könnte? Die Bauern haben ihre Informationen doch auch nur von den Chemiekonzernen, die auf Gewinn und Abhängigkeiten aus sind. Die Bauern sind ebenso Opfer und im Prinzip stehen sie auch auf der Verbraucherseite. Nur haben sich viele, nach Bekanntwerden von Umweltproblemen, auf die Seite der Konzerne geschlagen, die alles klein- und schöngeredet haben.

    Ich möchte die positiven Aspekte der Volksernährung nicht schlechtreden, doch dass der Optimierungswahn und die Effizienzsteigerung zuweilen zu Lasten der Unwelt und dem Tierwohl führte kann doch keiner abstreiten. Klar ist auch der Verbraucher mit in der Verantwortung. Jeden Tag Wurst und Fleisch sowie das ganze Jahr über Erdbeern geht halt nicht ohne Konsequenzen für Mensch und Umwelt.

    Vielen Verbrauchern ist klar, dass man mit Idyllischen Minibetrieben das Land nicht ernähren kann. Doch dieser enorme Kontrast zur konv. Landwirtschaft kann helfen, Fehlentwicklungen zu korrigieren oder auch zurückzunehmen. Letzteres fordern viele Verbraucher, weil sie bei den Bauern kein Problembewusstsein erkennen oder es noch mitbekommen, sodass nicht zu sehen ist, dass seitens der Bauern Kurskorrekturen vorgenommen werden.

    Der Tenor ist auch hier im Forum oft: Wir Bauern haben dir Ahnung und es ist alles gut, was wir machen. Alle anderen lügen.

    Mit solch einer totalitären Haltung muss man sich nicht wundern, dass man nicht ernstgenommen wird. Klar, aug die NGOs haben teilweise totalitäre Ansichten. Diese sind aber vertrauenswürdiger, weil sie etwas anzweifeln und kein alles ist gut propagieren. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dies niemals alles gut sein kann. Verbesserungpotenzial gibt es immer. Und wer das bestreitet, dem misstraut man. Das ist auch das Problem der Chemiekonzernen. Die haben in der Vergangenheit zu wenig Selbstkritik geübt und alles schöngeredet.

    • bauerhans sagt

      “Der Tenor ist auch hier im Forum oft: Wir Bauern haben dir Ahnung und es ist alles gut”

      das mit der ahnung stimmt,denn ein aussenstehender hat wirklich keinen schimmer von diesen komplexen zusammenhängen,aber wir bauern äussern uns ja hier,weil eben nicht alles gut ist und weisen darauf hin,dass veränderungen sehr viel zeit brauchen,wir aber auch nur das produzieren können,was wirklich nachgefragt wird.
      schade ist,dass hier nicht mehr verbraucher diskutieren oder bedeuted das im umkehrschluss,dass die mehrheit derer doch zufrieden ist.

    • Brötchen sagt

      Na ja das Problem bei den ngos ist, das diese nicht direkt wirtschaftlich betroffen sind. Wenn der nabu die WolfsSchutzmaßnahmen direkt aus seinem Fonds bezahlen, oder das Geld vom UmweltEtat weggeht, dann möchte ich gern mal die Reaktion hören! Das Problem an der Gesellschaft ist doch die schizophrenie und eine gewisse Verlogenheit, das zieht sich durch alle Bereiche.

    • Jan Köpcke sagt

      Lange nicht soviel Blödsinn gelesen!
      1. Jeder Landwirt spritzt so wenig wie möglich und düngt nicht mehr als nötig?
      Alles andere wäre rausgeschmissenes Geld.
      2.Unsere Informationen beziehen wir von unabhängigen
      Landwirtschaftskammern oder unseren eigenen Beratungsringen.
      3. Was ist Optimierungswahn? Jeder Mensch wird im Laufe seines Leben
      besser oder schlauer. Soll die Landwirtschaft stehen bleiben?
      4. Die Landwirte sollten die Ahnung haben, weil sie die Fachleute sind.
      Kein Landwirt behauptet, dass alles richtig ist.
      5. NGO sind absolut nicht vertrauenswürdig weil sie alles anzweifeln.

      Lieber Gephard, kennen Sie auch nur einen einzigen Landwirt?
      Wenn nein, versuchen Sie bitte mal einen kennenzulernen, fahren sie aufs Land, gehen auf einen Hof, bringen der Bäuerin einen Blumenstrauß mit und
      sprechen mal mit diesen Menschen.

      • Gephard sagt

        1. Woher weiß der Landwirt was nötig ist? Probiert er es selbst aus oder verlässt er sich auf Informationen dritter? Und wie kann es sein, es Bauern gibt die weniger spritzen als andere? Und warum geht es sogar ohne Spritzen? Ich konnte beispielsweise lange keine Äpfel essen, bis ich entdeckte, dass ich die meines Nachbarn doch vertrage. Und bei den meisten Bioäpfeln schwillt mir ebenfalls nicht der Hals zu.
        2. Sind die wirklich unabhängig? Sondieren sie Herstellerinformationen oder testen sie die Mittel, um dann Empfehlungen zu geben?
        3. Optimierungwahn ist, auf Kosten der Unwelt möglichst viel Profit zu machen. Z.B. der ertragreiche Anbau einer Monokultur, die nur dank Zusatzmittelchen überlebensfähig ist. Oder gibt es das nicht?
        4. Okay, ich schließ hier nur von wenigen auf vielen, aber wenn jemand 1000 Hühner in eine Halle sperrt, hat er vielleicht Ahnung davon, wie das wirtschaftlich gut machbar ist, aber Ahnung von dem Lebewesen Huhn scheint er nicht zu haben oder es ist ihm egal. Und wo war die Ahnung, als es noch Käfighaltung gab?7
        5. Warum ist der, der erst mal alle anzweifelt automatisch nicht vertrauenswürdig. Die Logik erschließt sich mir nicht. Vielmehr ist genau diese Haltung wenig vertrauenserweckend. Wer Kritik oder kritische Fragen kategorisch ablehnt, ist in den Augen vieler erst mal verdächtig, weil es wirkt, als gäbe es da was zu verbergen.

        Ich bin auf dem Land mit frischer Milch und Eiern vom Bauern aufgewachsen und musste schon als Kind zu den Höfen fahren, um sie zu besorgen. Es ist natürlich schon lange her und es mag sich vieles verbessert haben oder um Einzelfälle handeln, aber ab einem gewissen Alter ist mir der Appetit auf Milch und Eier vergangen, als ich mir bewusst angeschaut habe, wie die Tiere da eigentlich leben.

        Aktuell kenne ich noch einen Bauern mit Milchvieh. Er bemüht sich sehr, dass es seinen Kühen gut geht, kauft Spielzeug investiert und Liegematten und sagt von sich, dass er viel mehr macht als nötig ist und von seinen Kollegen belächelt wird und seinen Melkroboter mit Argwohn betrachten. Seine Tiere bekommen aber dennoch vorwiegend Kraftfutter und wenig von ihrer ursprünglichen Nahrung. Er will ja, dass die Tiere möglichst viel Milch geben. Ihm ist sogar bewusst, dass sie lieber mehr Grünzeug essen würden.

        Für mich zeigt sich damit, dass eben nicht alle Bauern mit Ahnung glänzen oder sie zumindest nicht anwenden (auf die Kollegen des Bekannten bezogen). Und wo ist da bitte die Agnung, wenn Bauern weiterhin zu viel Gülle ausbringen oder sich über die Sperrzeiten hinwegsetzen? Einzelfälle? Dann aber bitte auch nicht pauschal sagen, Bauern hätten generell Ahnung.

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          “Ich konnte beispielsweise lange keine Äpfel essen, bis ich entdeckte, dass ich die meines Nachbarn doch vertrage. Und bei den meisten Bioäpfeln schwillt mir ebenfalls nicht der Hals zu.”

          Da fällt mir der Mann einer Schwägerin ein, der bekommt fürchterliche Kopfschmerzen, wenn er Müller-Thurgau trinkt, Rivaner verträgt er vorzüglich, bei dem tritt der Kopfschmerz nicht ein.

          http://www.webweinschule.de/mueller-thurgau-rivaner/

          • bauerhans sagt

            “der bekommt fürchterliche Kopfschmerzen”

            2.3.17 WDR “menschen hautnah” 22.40

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          “Seine Tiere bekommen aber dennoch vorwiegend Kraftfutter und wenig von ihrer ursprünglichen Nahrung. Er will ja, dass die Tiere möglichst viel Milch geben. Ihm ist sogar bewusst, dass sie lieber mehr Grünzeug essen würden.”

          Kann ja sein, dass die heutigen Kühe einen anderen Geschmack haben als früher, die Kühe meiner Eltern haben immer das Kraftfutter zuerst gefressen,

    • Martin Gork sagt

      Gephard, Ihnen scheint die Pflanzenschutzberatung vollkommen unbekannt, ein interessantes Thema, vielleicht sollten Sie sich damit mal beschäftigen.
      Ich kennen keinen Landwirt, der sich von den Herstellern Empfehlungen zum Pflanzenschutz holt.
      Es gibt regionale Empfehlungen von Herstellern, die dortigen Aussagen entstammen meist teurer entwickelten, staatlichen Prognosemodellen oder amtlichen Hinweisen. Als Landwirt wird man das als Hilfe gerne annehmen aber um Kosten und den Pflanzenschutzeinsatz zu minimieren greift man in der Regel dann noch auf amtliche Empfehlungen zurück, zu dem sind viele Landwirte in Vereinen der Landberatung organisiert.

      http://www.isip.de
      http://www.landberatung.de/

      Warum versuchen Laien dauernd den Landwirten zu erklären, wie was funktioniert und unterstellen diesen sich nicht ausreichend sachkundig zu machen?
      Wenn man an der Landwirtschaft als Laie Interesse hat, dann ist es nicht abwägig sich mal mit den Landwirten zu unterhalten und nicht plump auf platte Aussagen herein zu fallen.
      Aber nein, man muss die Landwirte ja belehren…

      • Gephard sagt

        Fachlich belehren kann und will ich nicht. Das habe ich auch nicht getan. Ich will, dass die Bauern Kritik ernst nehmen und ihr zumindest sachlich entgegnen. Ich lese hier viel zu häufig, Staat ist doof, Hendricks ist doof und NGOs sind am doofsten. Und dann kommt das Totschlagargument, die haben alle keine Ahnung, nur die Bauern haben Ahnung.

        Man muss aber keine Ahnung haben, um Aspekte kritisch zu sehen. Dann wird man halt belehrt, dass man falsch liegt. Bekommt man aber nur ausweichende und verteidigende Antworten, liegt der Verdacht nahe, dass man einen wunden Punkt getroffen hat und man wird misstrauisch. Genau das passiert beim Verbraucher. Er bekommt viele Einzelfälle von Nestbeschmutzern mit, aber kaum, dass sich einen Mehrheit davon distanziert. Die Schuld kann man den Medien zuschreiben, weil sie vor allem das berichten, was passiert. Man kann aber auch dafür sorgen, dass was positives passiert, dann berichten Medien von selbst. Wenn schlechte Haltungsbedinhungen durch die Medien geistern, wo sind da Guten, die ihre Ställe und Höfe öffnen und zeigen, dass es bei ihnen ganz anders zugeht. Sowas sollten die Bauernverbände doch organisieren können.

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          In unserer Gegend vergeht kein Wochenende, wo kein Betrieb zu besichtigen ist, man muss halt hinfahren.

        • Schmeckt gut sagt

          Schon mal beim “Tag des offenen Hofes” aufs Fahrrad geschwungen und verschiedene Höfe besucht? Findet immer Ende Juni statt. Koordinator: LandvolK/Bauernverband. Bitte 2017 teilnehmen – wird schon seit gefühlt 20 Jahren angeboten 😉 . Zur Fachlichkeit: Hab ich schon mehrfach erwähnt: Mir geht gegen den Strich, dass das Risiko, das ich als Bauer zu tragen habe, wenn ich in und mit der Natur arbeite, zu wenig Berücksichtigung findet. Ich denke, alle Kollegen haben schon einmal ein Desaster erlebt und eine Kultur angebaut die völlig misslungen ist. Hier sind schnell mehrere 10 Tsd oder sogar 100Tsd Euro Verlust immerhalb einer kurzen Zeitspanne möglich. Bei Frostereignissen sogar innerhalb von Stunden. Dauerregen ergibt großen Pilzdruck, Trockenheit Trockenschäden, aber vielen Kritikern entlockt man nur die Worte: “Wir sind gegen alles oder alternativ für ein völliges Verbot”. So läuft es in der Natur nicht. Wir benötigen auch ökonomische Sicherheit, liebe Kritiker. Hier noch ein interessanter Link mit der Frage: Wollen die kritischen Verbraucher unser Risiko mittragen?
          http://hof-am-weiher.de/startseite/detailseite/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=66&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=a01a7a259a6906f6263c323cbaa92655
          Hier scheinen die Eigentümer der AG Verantwortung zu übernehmen, was Respekt verdient. Über ganz Deutschland gesehen sind große Zweifel angebracht.

        • Martin Gork sagt

          Sie haben keinen wundern Punkt getroffen,
          Sie haben falsche Behauptungen aufgestellt.
          Warum sollte man das als Praktiker nicht richtig stellen?
          Soll man den immer wieder verbreiteten Unsinn einfach so stehen lassen?

          Über die Landwirtschaft werden so viele Geschichten erzählt, die abenteuerlichsten kommen von denen, die Landwirtschaft real überhaupt nicht kennen.
          Was fällt daran so schwer, auch mal den Landwirten zu zuhören, um seine Kritik dann selbst mal zu prüfen?

    • Berthold Lauer sagt

      “Welche Bauer hat denn in der Vergangenheit gesagt, dass man vielleicht weniger spritzen und düngen könnte?”
      Ja, das hat keiner gesagt. Aber die allermeisten haben es getan!!! Ohne große Worte!! Aus Eigennutz!! Weil Forschung, Lehre und Beratung(unabhängige) neue Erkenntnisse vermittelt haben. Weil Düngung und Pflanzenschutz nicht Selbstzeck, sondern Kostenfaktoren sind! Weil oft jeder Euro Aufwand mehr über Gewinn oder Verlust entscheidet! Sicher in der Vergangenheit nicht so sehr aus Umweltschutzgründen, aber das rückt selbstverständlich immer mehr in den Focus. Auch und gerade bei Landwirten. War vielleicht ein Fehler, diese Entwicklung nicht öffentlichkeitswirksamer zu kommunizieren!

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      “Welche Bauer hat denn in der Vergangenheit gesagt, dass man vielleicht weniger spritzen und düngen könnte? ”

      Ich verrate ihnen mal was, bitte nicht weitersagen, im Obst und Weinbau spritzen wir sogar mehr wie früher.
      Während frühere Mittel wesentlich mehr Breitenwirkung hatten, haben die heutigen Mittel eine gezielte Wirkung auf einen Schädling oder Pilz, deshalb müssen wir öfters eine Sonderspritzung fahren.

      Diese Mittel sind wesentlich umweltfreundlicher, als Mittel vergangener Zeiten, nur, der Wanderer sieht nur das Spritzfass, dass durch die Baumreihen fährt.

      Eine andere Sache ist die, dass Obstsorten Pilzkrankheiten bekommen, die sie früher nicht bekamen, so wie die Bühler Frühzwetschge, die war früher resistent gegen Monilia, heute nicht mehr. Wir hatten früher eine Apfelsorte mit dem Nahmen Brettacher, die Hälfte pflückten wir für den eigenen Verbrauch, die andere Hälfte für Saft. Innerhalb kürzester Zeit hat der Schorf so zugeschlagen, dass nicht einmal mehr Laub am Baum war.

      Für dieses Phänomen haben sie als Fachmann sicher eine Erklärung

    • Pflanzenernährer sagt

      Sehr geehrter Gephard,
      bitte holen Sie Informationen ein, woher die Bauern ihre Informationen zum Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln beziehen, bevor Sie Falschinformationen in die Welt setzen. Sicher bewerben die Hersteller ihre Produkte (was m. E. legitim ist). Es gibt sehr umfangreiche gesetzliche Vorschriften und eine unabängige Beratung der Landwirte. Bitte nehmen Sie das zur Kenntnis. Man könnte ja auch mal den Landwirt fragen….
      Was bedeutet die Formulierung ” … positive Aspekte der Volksernährung nicht schlechtreden”? Wollen Sie es einmal mit dem Verzicht auf Ernährung versuchen? Ich bin da wirklich gespannt! Bitte benennen Sie die Umweltprobleme!

  13. rebecca sagt

    Bauer Willi schreibt: “Dass sie die neuen Technologien eben nicht nutzen sollten, dass sie bewusst auf Erträge verzichten, damit die Umwelt geschont und die Artenvielfalt erhalten bleibt.”

    Sehr schön das jetzt auch Bauer Willi feststellt das mit dem nutzen neuer Technologien und der scheinbar unstillbaren Gier nach mehr die Umwelt geschädigt und die Artenvielfalt zerstört wird.

    • Berthold Lauer sagt

      Genau ab dort kann man eigentlich nur voll zustimmen! Und wieso besitzt eigentlich immer nur derjenige das Recht auf Wahrheit, der gegen etwas ist, gegen etwas schreibt oder sonstwie gegen etwas zu Felde zieht! Der hinter allem und jedem die große Lüge oder Täuschung wittert! Alles etablierte Wissen und Handeln als Teil einer großen Verschwörung mit dem Ziel der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen betrachtet! Hauptsache mal das Buch eines kritischen Zeitgenossen gelesen und schon weis man, wo der Hund begraben liegt.
      Wieviel “Unheil” ist denn durch blinden Fortschrittsglauben in anderen Bereichen unserer Gesellschaft angerichtet worden?? Und andererseits würden wir ohne Fortschrittsglauben wohl heute noch durch die Baüme turnen! Landwirtschaft zeichnet sich aus durch Innovation und ebenso durch Einbindung tradierten Wissens in moderne Methoden! Das heißt aber nicht, dass wir zur Dreifelderwirtschaft und Zugpferd oder gar Zugkuh zurückkehren müssen.
      Willi hat noch einen Punkt vergessen: Die vielgeschmähte Landwirtschaft von heute ermöglicht es uns täglich viele Hektar bestens geeigneter Produktionsflächen zu Siedlungs-, Vekehrs-, und Ausgleichszwecken aus der Produktion zu nehmen, ohne daß die Regale leer werden.

    • Ich seh das so sagt

      Da nach ihrer Auffassung neue Technologien grundsätzlich schädigen und zerstören, hoffe ich doch, daß sie KEIN Auto haben, keine Waschmaschine, keinen Rasenmäher, kein Haus oder Wohnung, daß sie auch keine Straßen benützen oder Bahn fahren etc.
      Bei all diesen Technologien werden und wurden Artenvielfalt zerstört und Umwelt verbraucht oder geschädigt.

    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Rebecca, ich war letzten Sommer auf einer Tagung zum Thema Biodiversität. Es wurden von staatlichen, aber auch von gewerblichen Anbietern allerlei Methoden vorgestellt, wie man die Biodiversität im Ackerbau fördern könne. In der Diskussion stand dann ein Anbauberater einer halbstaatlichen Organisation auf und erklärte geradeheraus, dass die Lehrmeinung der vergangenen Jahrzehnte genau die Reduzierung von Biodiversität zum Ziel gehabt hätte. Man müsse sich entscheiden, zwischen “mehr Biodiversität” oder “weniger Ertrag”. Er sagte auch, dem Landwirt sei kein Vorwurf zu machen, weil er genau das umgesetzt hat, was Beratung und Förderung ihm vorgegeben hätten. Wenn man nun auf einmal mehr Biodiversität haben möchte, dann sei es notwendig dafür einen erheblichen Ausgleich für den Ertragsverlust zu bezahlen. Wobei er dieses am Ende als volkswirtschaftlichen Unsinn bezeichnete, weil die Volkswirtschaft durch den Ausgleich zweimal “geschädigt” würde.
      Ich glaube, darin erkennt man, in welcher Zwickmühle der Landwirt steckt. Wir haben am Ende dieses Artikel danach gefragt, was denn die Ziele und Erwartungen der Gesellschaft heute an die Landwirtschaft sind?
      Hast Du da praktische Ideen?
      Alois

      • Martin Gork sagt

        Die aufkommende “Biodiversität” im Feld geht einher mit problematischen Stoffen aus dieser Biodiversität.
        Es gab und gibt bislang kein Monitoring für natürliche Pflanzengifte, die in die Nahrung gelangen, vor allem durch die “Biodiversität”.

        Momentan gibt es nur eine einseitige Sicht auf das Thema, die Folgen werden komplett nicht bedacht.
        Mehr Giftstoffe in der Nahrung, weniger Ertrag, steigende Probleme mit Unkräutern, steigende Probleme durch fehlende Anbaupausen bei artverwandten Unkräutern, zunehmender Druck durch zunehmende Schädlinge, Parasiten, Viren und Nematoden.

        Ganz so blauäugig darf man in der Tat nicht an die Sache heran gehen, zur Biodiversität gibt es geeignetere Maßnahmen als diese im Essen wachsen zu lassen,

        • Brötchen sagt

          Das ist sicher berechtigt, die lw müssen aufpassen in welche Richtung das geht. Stroheinstreu als hygienische suspekt einzustufen kann man sicherlich machen, aber so stelle ich mir lw nicht vor! Ich denke man sollte sich um Leitlinien bemühen und diese dann versuchen zu verfolgen, so ähnlich wie es bio vormacht. Ob man da alle und jeden untergekommt ist dann die Frage.

          • Schmeckt gut sagt

            Das ist ein guter Ansatz, Brötchen. Zur Zeit ist der Ansatz, uns Landwirten genau vorzuschreiben, wie die Lebensmittel auszusehen haben. Lebensmittel mit geringfügige Mängeln dürfen unter Handelsklasse 2 verkauft werden – wie oft aus Bioanbau zu finden. Diese sind aus konventionellem Anbau kaum zu finden, weil kaum nachgefragt. Hygienisch bedenkliche oder durch tierische/pflanzliche Schädlinge befallene Erzeugnisse dürfen nur noch teuer entsorgt werden, auf unsere Kosten. Solche Leitlinien sollten genau beschreiben, bis wieweit Mängel akzeptabel sind. Diese werden nicht vermeidbar sein, wenn die Intensität im Anbau der gesellschaftlichen Meinung angepasst wird. Eine Abstimmung mit dem LEH ist auch Pflicht. Hierbei wird sich dann das wahre Gesicht des Handels zeigen. Da bin ich mal gespannt.

      • bauerhans sagt

        ich hatte gestern meinen bescheid über zuwendungen des landes nrw bekommen für “förderung des anbaus vielfältiger kulturen im ackerbau”.

  14. Stadtmensch sagt

    Bis zu “Ihre Vorstellungswelt ist geprägt von…” kann ich voll zustimmen. Danach kommt nur noch Demagogie. Ich lese gerade “Die Wahrheit ist auf dem Feld” (nur falls mal wieder der Vorwurf kommt, die werten Mitbürger würden sich hier nur die Zeit vertreiben wollen um mit großkotzigen Sprüchen ihre Ahnungslosigkeit zu offenbaren) und selbst aus diesem staubtrockenen Sachbuch geht klar hervor, dass die Fortschrittsgläubigkeit bei den Landwirten nach WK2 stark zugenommen hat und dass zumindest in der Vergangenheit dadurch viel Unheil angerichtet wurde. Das ganze ging einher mit der Preisgabe des tradierten, angeblich unwissenschaftlichen Wissens, das durch fachwissenschaftliche Beratung nicht adäquat kompensiert werden konnte und kann.

    Euer Problem ist die Erzeugungsschlacht, die ihr euch mit euren Berufskollegen liefert und nicht irgendwelche Auflagen zum vorsichtigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. Also, der heute wieder mal mit einzigartiger suggestiver Kraft transportierten Unterstellung: der naive Spaßbürger betreibe mit seinen “Ponyhofvorstellungen” die Vorbereitung des zu erwartenden Gerangels ums Essen, muss ich leider widersprechen. Sie ist zwar nicht ganz falsch, hat aber eher mit Politikferne zu tun und nicht mit zu viel Umweltschutz.

    • Berthold Lauer sagt

      Genau ab dort kann man eigentlich nur voll zustimmen! Und wieso besitzt eigentlich immer nur derjenige das Recht auf Wahrheit, der gegen etwas ist, gegen etwas schreibt oder sonstwie gegen etwas zu Felde zieht! Der hinter allem und jedem die große Lüge oder Täuschung wittert! Alles etablierte Wissen und Handeln als Teil einer großen Verschwörung mit dem Ziel der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen betrachtet! Hauptsache mal das Buch eines kritischen Zeitgenossen gelesen und schon weis man, wo der Hund begraben liegt.
      Wieviel “Unheil” ist denn durch blinden Fortschrittsglauben in anderen Bereichen unserer Gesellschaft angerichtet worden?? Und andererseits würden wir ohne Fortschrittsglauben wohl heute noch durch die Baüme turnen! Landwirtschaft zeichnet sich aus durch Innovation und ebenso durch Einbindung tradierten Wissens in moderne Methoden! Das heißt aber nicht, dass wir zur Dreifelderwirtschaft und Zugpferd oder gar Zugkuh zurückkehren müssen.
      Willi hat noch einen Punkt vergessen: Die vielgeschmähte Landwirtschaft von heute ermöglicht es uns täglich viele Hektar bestens geeigneter Produktionsflächen zu Siedlungs-, Vekehrs-, und Ausgleichszwecken aus der Produktion zu nehmen, ohne daß die Regale leer werden.

      • Stadtmensch sagt

        Bis jetzt war es immer so, dass sich diejenigen das “Recht auf Wahrheit” nehmen, die FÜR etwas sind. Meine skeptische Grundhaltung habe ich mir “hart erarbeitet” und sie bestätigt sich mir jeden Tag aufs Neue (das hat jetzt nichts mit Landwirtschaft zu tun).
        Ich bin kein “Umweltschützer”, schon weil ich am phantastischen Wohlstand in diesem Land teilhabe. Trotzdem versuche ich meine “eingebildete Schadwirkung” so gut es geht zu minimieren und fahre deshalb jeden Meter mit dem Fahrrad (solange, bis mich mal irgendwer umnietet) oder kaufe möglichst viele Lebensmittel direkt beim Produzenten. Ich betrachte das als Privileg und nicht als moralische Überhöhung. Außerdem unterstütze ich nach Kräften ein sog. urban Gardening Projekt.
        Mein Interesse für Landwirtschaft rührt zum einen aus diversen familiären Verbindungen in diesen Wirtschaftsbereich und zum anderen gebe ich die Hoffnung nicht auf, daran mitwirken zu können, die verfeindeten Lager „Umweltschützer“ vs. Landwirte wieder zusammen zu bringen, damit sie dann vereint gegen Versiegelung, maßlose Intensivierung, und ungestalteten Strukturwandel vorgehen können.

    • Bauer Willi sagt

      @Stadtmensch
      Könnten Sie den Vorwurf der Demagogie bitte näher erläutern? Ich finde den beleidigend. Unter Demagogie stelle ich mir ganz was anderes vor.
      Bauer Willi

    • Ich seh das so sagt

      Ein wichtiger Satz darin:
      “Zwar verfügte das Reich damals über doppelt so viel Ackerfläche wie die Bundesrepublik heute, es konnte sich aber nur zu 80 Prozent selbst ernähren.”

      Von einer Bevölkerung von rund 62 Mio. (1915) konnten knapp 50 Mio. ernährt werden. Heute können 82 Mio. völlig und besser ernährt werden und dies aus den Ernten von halb soviel Ackerfläche wie damals. Aber die Landwirtschaft vergiftet ja die Menschen (drum sterben sie auch immer später).

      Manche Argumentationen der Über-Satten hält man angesichts der Faktenlage wirklich oft nur schwer im Hirn aus.

      • Inga sagt

        Dank der Grünen Revolution!

        Müßte mal in der Allgemeinbildung etwas mehr berücksichtigt werden!

  15. bauerhans sagt

    gehts dem esel zu gut,geht er aufs eis.

    ich hatte heute leserbriefe im westfalenblatt gelesen,die sich mit dem besuch von frau hendricks beim kreisverband MI-LK in porta westfalica beschäftigen.
    die inhalte der briefe sind ausnahmslos gegen die landwirtschaft gerichtet und ich lese dort das,was so allgemein in den medien verbreitet wird.

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