Alois, Medien
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Gänseblümchen beweist Umweltsünde

In einer US-Studie haben Forscher die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen geprüft: Mit erschreckendem Ergebnis.

Demnach fällt es der Mehrheit schwer, richtige Nachrichten von Werbung oder Propaganda zu unterscheiden. Einer der Gründe ist die zunehmende Nutzung des Internet, dass meist ohne Quellenangaben oder Hintergrund-Informationen auskommt. So haben auch Bilder eine große Bedeutung für die Wahrnehmung von Texten.

Zitat:

“Das Bild eines deformierten Gänseblümchens mit passender Überschrift sei Beweis genug für die toxischen Verhältnisse in der Nähe des AKW Fukushima, auch wenn zu dem Foto keine Quelle oder Ortsangabe gehörten.”

Von solchen “kompetenten Erkenntnissen” können auch Landwirte berichten. Halb-Wahrheiten einer stark vereinfachenden Argumentation glaubt man halt gerne. In diesem Zusammenhang habe ich neulich einen bemerkenswerten Satz gelesen: “Einfache Lügen haben es leichter als komplizierte Wahrheiten”. Auch wenn dies überspitzt, so hat dieser Satz  dennoch einen wahren Kern. Denn auch wir fallen oft genug auf einfache und emotionale Botschaften herein. Denn sonst gäbe es keine Werbung.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Studie-Schueler-koennen-fundierte-Nachrichten-nicht-erkennen-3494005.html

heise-studie

Bildquelle: heise.de

Ist also die breite Nutzung von Social Media gar schädlich für den gesunden Menschenverstand? Oder wie seht Ihr das?

 

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34 Kommentare

  1. Sabine sagt

    Naja, in USA gibt es auch Geschichtsbücher in den Schulen, die den transatlantischen Sklavenhandel eher wie eine Arbeitsvermittlungsagentur für Afrikaner ausschauen lässt.
    Ich muss sagen, ich hab schon so meine Probleme Infos einzuordnen und ich halt mich jetzt nicht für völlig dämlich.
    Nehmen wir das Thema was – mich zu mindestens – in den letzten Wochen sehr beschäftigt: Die Vogelgrippe. Die Löfflers haben gute Argumente für ihre Verbreitungstheorie, aber es gibt mehr als eine Stimme – nicht nur im Netz – die da Zweifel anmeldet. Dazu kommt, dass scheinbar auch Behörden nicht ganz genau wissen, was nun richtig und rechtlich zwingend vorgeschrieben ist, wenn es um vorbeugende Maßnahmen geht. Der Vorfall auf einem privaten Geflügelhof lässt mich da schon erschaudern. Da berichten Augenzeugen von einer Keul-Aktion, die sich so gar nicht nach Tier- und Artenschutz anhört und wohl auch recht wenig mit fachgerechter Tötung zu tun hatte. Das Vet-Amt verweißt darauf, dass die zuständige Amtstierärztin so handeln musste, weil sie persönlich haftbar für einen Weiterverbreitung gemacht werden könnte. Andere sagen, das war nicht DER Virus, um den es eigentlich geht und die ganze Aktion war völlig überzogen, eine Mutation von diesem Virus in die tödliche Variante sei nie nachgewiesen worden und wenigstens die unter Artenschutz stehenden Tiere und die Rassen, die auf der Roten Liste stehen, hätten überhaupt nicht getötet werden dürfen, da durch eine Quarantäne den Vorschriften hier genüge getan gewesen wäre. Aha….
    So wie es aussieht, wird es in den nächsten Wochen und Monaten Klagen und Gegenklagen geben und mit viel Glück schafft es vllt. ein Richter irgendwann mal die Wahrheit dingfest, hoffentlich bevor die nächste Zugvogelsaison vor der Tür steht. Bis dahin müssen wohl nicht nur private Geflügelhalter sich Sorgen über ihre Bestände machen.
    Ich befürchte, dass wir demnächst noch öfters auf die berobte Korrektur oder Bestätigung von Nachrichten warten müssen, was wir in der Zwischenzeit machen sollen, weiß ich auch nicht.

  2. rebecca sagt

    Lustig, da wird über fehlende Medienkompetenz gejammert und gleich ein plakatives Beispiel über die eigenen Defizite geliefert.
    Bauer Willi bezieht sich einen Heise Artikel, der sich auf das Wallstreet Journal bezieht, was sich wiederum auf eine Studie der Stanfort Universität bezieht.

    Als Kinderspiel wurde das stille Post genannt.

    Von Medienkompetenz zeugt das nicht. Vor allem wenn das Hörensagen von Heise gleich benutzt wird um es für eigene Zwecke auszuschlachten.

    Könnte man auch unter Fake News einordnen. Bischen realer Kern und viel Fantasie.

    Seriös ist das sicher nicht. Wobei eine Studie interessant wäre wie viele derjenigen die Nachrichten vollmundig verbreiten sich überhaupt mit der Quelle auseinandergesetzt haben. Ich würde nicht wetten das die Heise Redakteure die Original Studie überhaupt gelesen haben. Darauf zu verlinken fanden sie jedenfalls für nicht nötig.

    Wen wundert das die Kids nicht klar kommen, wenn schon die Erwachsenen die mahnend mit dem Finger wedeln keinen Plan haben.

    Und nein, die sozialen Medien schaden nicht dem gesunden Menschenverstand. Sie ermöglichen es allerdings allen möglichen Menschen , vom bösen Buben bis zu Menschen mit Eigennutz im Blick oder Aufmerksamkeitsdefizit das Internet täglich mit Müll zu fluten.

    Und leider nutzen viele den gesunden Menschenverstand aus Faulheit oder Desinteresse nicht um zu sortieren und nach der Quelle zu suchen.

    Genau das, was die Studie bei den Kids ermittelt hat.

    Insfern hat in diesem Trauerspiel einzig das WSJ ordentlich gearbeitet und auf die Originalstudie verwiesen.
    Richtig wäre gewsesn die Studie selber zu lsesen, drauf zu verlinken und darüber zu berichten.

    Aber das war wohl sowohl von Heise als auch von Bauer Willi zu viel verlangt.

    • Brötchen sagt

      Heise ist was EDV nachrichten betrifft schon eine erste Adresse. Die Redakteure dort auch. Das alle voneinander abschreiben ist heute ebenfalls Usus. BauerWilli sucht hier auch nebenbei ein paar Anregungen für den nächsten Vortrag oder Buch
      Machen alle so. Im prinzip bezieht sich der letzte wieder auf den ersten damit der Kreis geschlossen wird. Mit originalcontent ist das heute so eine Sache, alle müssen heute jede Stunde eine neue Nachricht bringen, da bleibt keine zeit für Recherche. 😉

      • rebecca sagt

        Das ist eine richtige Situationsbeschreibung. In Ordnung ist das Handeln trotzdem nicht.

        Und bevor über “erschreckende Defizite” der Medienkompetenz von Kids sinniert wird sollten die diversen Schreiberlinge besser einmal reflektieren mit welchen Müll sie selber das Internet jeden Tag fluten.

    • Anwalt der Tiere sagt

      Vielleicht sollte gleich jeder seine eigenen Studien durchführen, um bloß nicht auf Erkenntnissen anderer aufzubauen. Back to nature, zurück auf die Bäume! (Mal schauen, wie Sie mich jetzt nennen ;-))

      • rebecca sagt

        Betreff nennen. Ich bin nicht so sprunghaft in meiner Meinung. 😉

        Ansonsten einfach mal oben lesen “Einer der Gründe ist die zunehmende Nutzung des Internet, dass meist ohne Quellenangaben oder Hintergrund-Informationen auskommt. So haben auch Bilder eine große Bedeutung für die Wahrnehmung von Texten.”

        Und mit der Tatsache in Verbindung bringen das der Artikel das Brsuchstück eines anderen Artikels ist, der wiederum auf einen anderen Artikel aufbaut.
        Ilustriert mit irgend einem Bild aus einer Bilddatenbank. Ohne Zusammenhang

        Obwohl jeder (der will)die Originalquelle mit ein paar Klicks erreicht. Und dann mal in die originalstudie gucken in welchem Zusammenhang die Gänseblümchen erwähnt werden und worum die in Wirklichkeit geht.

        Viel Erfolg

        Ein Symbolbild

    • Bauer Willi sagt

      @Rebecca
      aber sonst hast Du keine Schmerzen? Habe leider keine Zeit, die Universitäten abzufahren und nach den Originalquellen zu fragen. Ja, das ist wirklich zu viel verlangt.

      Du kannst aber ruhig mit deiner Beschimpfung von Bauer Willi weitermachen. Ich kann das ab und werde weiter das Internet mit Müll fluten…

      Und jetzt gehe ich wieder auf den Hof und arbeite produktiv…
      Bauer Willi

      • rebecca sagt

        Mit Kritik kommst du nicht so richtig zurecht?

        Abfahren wäre nicht nötig. Die Originalquelle ist nur ein paar Klicks entfernt. Sekundensache. Das lesen und verstehen wäre bischen zeitaufwendiger. Das stimmt.

        Aber wenn du anderes zu tun hast..

  3. Friedrich sagt

    So ist das , wenn die Eltern sich nicht mit ihren Kindern beschäftigen und Alltagsprobleme diskutieren, sowie auch standhaft mal Nein zu sagen. Wir haben immer sehr viel Wert bei der Erziehung unserer Kinder auf Lesen und Vorlesen gelegt. Wir haben immer auch Bücher verschenkt. Die Tageszeitung und die “Welt am Sonntag” wurde immer leer gelesen. Aber auch das Internet wurde zwar mit Zeitvorgabe gut genutzt. Dabei haben wir immer Wert darauf gelegt, auch mit den Programmen umgehen zu können. Meine Frau hat dafür viele
    PC-Schulungen gemacht , um das Wissen unseren Kindern weiter vermitteln zu können, da die Schule zwar das Internet vorausgesetzt hat , aber keine Schulung im Umgang gelehrt hat. Auf diese Art haben wir versucht , unseren Kindern ein Fundament für das Leben mitzugeben.
    Alle zwei Jahre wurde ein neuer PC gekauft , um immer dabei zu sein. Das Fernsehen wurde auch zeitlich begrenzt, so blieb unseren Kindern genug Zeit , um zu Lesen , oder auch mal raus zu gehen. Bei Feldrundfahrten konnten auch die kleinen Kinder immer den Feldnamen und die Feldfrucht sagen. Wenn z. B. der Weizenertrag oder die Schweinepreise sehr gut waren , wurde aus diesem Anlaß auch mal eine neue Hose spendiert. Auch heute , nach vielen Jahren, wird immer noch nach den Schweinepreisen gefragt.

    • rebecca sagt

      Die Wahrheit ist in diesem Fall nicht ganz so einfach.
      Auch wenn die Gänsblümchen nicht durch Kernstrahlung (oder Photoshop) mutiert sind, so ist unbestreitbar das es in Folge der AKW Unglücke zu extremen Mutationen gekommen ist. Kann man besichtigen. Ist erschreckend. (Ich habs mir angegeuckt in Tschernobyl)
      Wer den Weg auch auf Grund der aktuellen Situation in der Ukraine scheut. http://jhered.oxfordjournals.org/content/105/5/704.full

      Was sagt uns das? Der Kern der Meldung ist richtig. Lebewesen können durch Umweltverschmutzungen mutieren. Sie würde nur nicht korrekt übermittelt. Wobei die Gänseblümchen als “Symbolbild” gemäß der Richlinien unserer “Qualitätsmedien” völlig in Ordnung sind.

      Die Bilder die vor allem die Tageszeitungen wie FAZ, Bild, Zeit,Welt aber auch Focus, Spiegel,Stern heute teilweise präsentieren haben genau so viel mit dem Geschehen im Bericht zu tun wie die Gänseblümchen als Beleg für die Mutationen.

          • rebecca sagt

            bauerhans, was ist damit? Kannst du auch machen. Ist sehr lehrreich. Wäre nur ratsam das zeitnah zu machen bevor es eine Art morbides Disneyland wird. Mit zunehmenden Tourismus kommt die Individualität abhanden und auf Grund des Verfalls ist weniger zugänglich https://chernobyl-tour.com/english/

          • Anwalt der Tiere sagt

            Oder rebecca hat den Überblick verloren durch das Lesen zu vieler Studien und Originalquellen auf Russisch und Cherokee-Indianisch. Nicht zu vergessen das Knacken von Codes geheimer Bruderschaften. Ich weiß, mit Verlaub, ich bin ein Vollidiot. Man, sind wir alle zu blöd.

            Im Disneyland wird immer ordentlich der Rasen gemäht. Da landen die doppelten Köpfchen der Gänseblümchen im Sarkophag.

      • @rebecca: Dass Strahlung Mutationen verursachen kann, ist ja nichts neues.

        Dass aber ein deformiertes Gänseblümchen bei einer gemessenen Strahlung von 0,5 μSv/h eine Folge des Fukushima-Unfalls ist, ist angesichts der anderen möglichen Ursachen einer derartigen Wuchsdeformation (=> Wikipedia: Verbänderung) äußerst unwahrscheinlich.
        Zum Vergleich: Laut Röntgenverordnung darf die ionisierende Strahlung in 10 cm Entfernung von Röhrenbildschirmen sogar 1 µSv/h betragen. Und schon die natürliche Hintergrundstrahlung in Deutschland liegt in der Größenordnung von 0,2 µSv/h.

        Falls Sie es nicht wissen:
        Auch Sie essen täglich Lebensmittel, die mit der radioaktiven Strahlung aus Kernreaktoren überhaupt erst gezüchtet wurden! Siehe beispielsweise diesen sehr lesenswerten Artikel:
        http://www.sueddeutsche.de/wissen/zucht-mit-radioaktiver-stralhung-die-atom-gaertner-1.1270439
        (@Bauer Willi: Das wäre doch mal was für einen eigenen Artikel?)

        • rebecca sagt

          @H, ich denke das Gänseblümchen wurde als Beispiel gewählt. War vielleicht nicht besonders glücklich.

          Die Wahrheit liegt hier sicher irgendwo in der Mitte. Es gibt Spezies denen die Strahlung scheinbar nichts ausmacht, und es gibt welche bei denen sie schwerwiegende Schäden auslöst.

          Das die Natur auch ohne menschliche Hilfe merkwürdige Formen hervorbringt ist ebenfalls klar. Schwierig da wirklich zu unterscheiden. Und selbst wenn man sich tiefgehender damit befasst wird kaum jemand mit Sicherheit beurteilen können ob die Aussage stimmt oder nicht.

          Allerdings ging es in der Original Studie bei diesem Beispiel um etwas anders. Das ist bei der stillen Post von WSJ über Heise bis Bauer Willi verloren gegangen.

          Dort wurde nicht über wahr oder unwahr diskutiert, sondern das einige ohne sich mit der Quelle des Bildes beschäftigt und die Frage gestellt haben “woher kommt das?” die Darstellung als Tatsache gewertet haben.

          “Given the vast amount of information available online, students need to be able to distinguish between legitimate and dubious sources.
          Students need to ask a basic question: Where did this
          document I’m looking at come from? This task assesses whether students will stop to ask this question when confronted with a vivid photograph. Students are presented with a post from Imgur, a photo sharing website, which includes a picture of daisies along with the claim that the flowers have “nuclear birth defects” from Japan’s Fukushima Daiichi nuclear disaster.
          Although the image is compelling and tempting to accept at face value, successful students will argue that the photograph does not provide strong evidence about conditions near the nuclear power plant. Students may question the source of the post, arguing that we know nothing about the credentials of the person who posted this photo (especially since it appears on a site where anyone can upload a photo).
          Alternatively, students may point out that the post provides no proof that the picture was taken near the power plant or that nuclear radiation caused the

  4. bauerhans sagt

    selbst der ehemalige lehrer aus berlin,der seit 1976 regelmässig hier zu besuch ist,verbreitet manchmal krude theorien über landwirtschaft ,die er aussem radio oder fernsehen hat.
    andererseits hat er schon oft beim metzger oder an der frischfleischtheke der verkäuferin erklären können,was QS ist.

  5. Sandra Kuhn sagt

    Wie sollen Kinder sowas erkennen können, wenn selbst Erwachsene regelmäßig auf Fake-News hereinfallen?

    • Alois Wohlfahrt sagt

      Das Grundproblem scheint mir schon zu sein, dass die Menschen insgesamt zweit von den realen Dingen des Lebens weg ist. Oder anders gesagt: Der gesunde Menschenverstand ist großteils abhanden gekommen.

      • Anwalt der Tiere sagt

        Problematisch ist es bei Erwachsenen, wenn sie Politik, Gesellschaft, Wirtschaft nicht mehr verstehen wollen und sich auf Fake-news- und Propaganda-Seiten flüchten, auf denen sie in ihrer Ablehnung dann Gleichgesinnte finden und sich dort gegenseitig in der Meinung bestärken: „Wir müssen es ja nicht verstehen, wir sind das Volk, alle anderen werden von den Mainstreammedien gelenkt und sind dumme Lemminge.“ Lesekompetenz ist wichtiger denn je.

        • Anwalt der Tiere sagt

          Um die Frage zu beantworten, die ich bei der heutzutage allgemein zu beobachtenden Oberflächlichkeit der Mediennutzung übersehen habe ;-): Facebook in der Anfangsform war okay (ausschl. Forum für Freunde und “Freunde”). Jetzt ist es schädlich. Die Menschen lesen hierdurch immer weniger oder gar nicht mehr Zeitung, Magazine und Bücher. Gab es früher Konsens über einen Wissens-Kanon und gehörte Faktenwissen über Politik und Geschichte zum guten Ton, gibt es heute Filterblasen durch Facebook-Algorithmen. Wissenslücken werden immer weniger peinlich, weil sie nicht mehr allgemein als Wissenlücke gelten. Es leidet der common sense.

          • Ich seh das so sagt

            Ich bin hier völlig ihrer Meinung.
            Nach den US-Wahlen wurde ja bekannt, daß mehr als 2/3 aller Wähler ihre Infos nicht mehr aus Zeitungen oder TV (in Amerika ohnehin auch schon ein eigenes Thema der Informationsvermittlung) beziehen sondern nur noch über sogenannte “social medias”.

            Aus dem Spruch “Wissen ist Macht” wurde heute “Nichtwissen macht nichts”.

            Ich bin nicht nur ihrer Meinung, daß der “common sense” leidet, sondern würde soweit gehen, daß durch Lügen und Fake-News die öffentliche Grundstimmung geradezu verseucht wird und dies zu einer Gefahr für Demokratie an sich wird.

            Die Betreiber solcher “social medias” wurden schon zu Milliardären. Für mich stellen sie sich dadurch, daß sie eigentlich eine überdimensionale Plattform für Asoziale und Asoziales jeder Art werden (und nahezu nichts dagegen tun), leider schon unmittelbar neben ihr historisches Pendant, die Zeitschrift “Der Stürmer”, die sich selbst auch als Wochenzeitschrift zu Kampf um die Wahrheit bezeichnete.

            Gerade für die jüngeren Leser hier (Quelle WIKIPEDIA):
            “Der Stürmer war der Titel einer am 20. April 1923 von Julius Streicher in Nürnberg gegründeten antisemitischen Wochenzeitung. Sie bediente sich einer besonders hetzerischen Sprache und zeichnete sich durch drastische – bei Schilderungen von sogenannten „Rassendelikten“ pornographische – Berichte, Bilder und Karikaturen aus. Die Zeitung war keine offizielle NS-Publikation, sondern Streichers Privatbesitz und machte diesen zum mehrfachen Millionär.”

            Da man Milliardären vermutlich nur noch mit drastischen Mitteln beikommen kann, hielte ich es zumindest für überlegenswert, diese Medien
            a) solange als “Asoziale Medien” zu kennzeichnen/deklarieren und wegen ihrer zunehmenden Demokratiegefährdung solange für die Nutzung völlig zu sperren, bis die Betreiber nachweisliche Konzepte vorgelegt haben, wie sie dieser Gefährdung begegnen und
            b) in die Pflicht und die Verantwortung zu nehmen, indem sie dem Medienrecht unterworfen werden, wie jede kleine Tageszeitung auch.

            Ich würde sogar meinen, daß eine Totalsperre von auch nur einem einzigen Tag, vielleicht/hoffentlich einen Gesinnungswandel gegenüber der Zuverlässigkeit dieser Medien herbeiführen könnte.

            • Anwalt der Tiere sagt

              Ich nehme mir Facebook-freie Tage, na ja, zumindest Stunden. Aber bei einer Sperrung wäre erst recht von einer Demokratiegefährdung die Rede, und zwar zu Recht, denn sie wäre wohl verfassungswidrig. Es ist nicht unbedingt die Pressefreiheit betroffen, aber die Gewerbefreiheit des Betreibers und mindestens die allgemeine Handlungsfreiheit der Nutzer. Dem Presserecht unterwerfen? Hm, Presserecht dient ja dem Schutz der Presse und dürfte bereits anzuwenden sein, soweit es sich überhaupt um Presse handelt, was aber wohl nicht der Fall ist.
              Bei der Abwägung zwischen Verfassungsgütern sind die Fragen zu klären:
              1. Ist der Eingriff geeignet, um das Schutzziel zu erreichen?
              2. Ist der Eingriff hierfür erforderlich, d.h. gibt es keine milderen Mittel?
              3. Steht der Eingriff nicht außer Verhältnis zum erstrebten Zweck (Rangverhältnis betroffener Rechtsgüter im Verhältnis zur Eingriffintensität)?
              Fällt Ihnen da vielleicht was anderes ein?

              Zuallerst müsste aber wohl die Frage der Demokratiegefährdung näher untersucht werden. Die Gefährdung der heutigen Parteienlandschaft reicht da nicht aus.
              Ich muss weg, bis später.

            • Ich seh das so sagt

              @ Anwalt:
              Das Medienrecht schützt die Presse aber auch vor der Presse. Es ist z.B. einer Einzelperson im Extremfall möglich eine Auflage durch gerichtliche Verfügung sperren zu lassen. Versuchen sie das mal bei Facebook und Konsorten.

              Vor allem bietet das Medienrecht die Möglichkeit für (nennen wir es mal) Vorbehalte eines Verantwortlichen habhaft zu werden. Wenn sie nun aber bei Facebook in den allermeisten Fällen eine solche Person nicht belangen können, der ihnen ein Ungemach zugefügt hat, was dann ?

              Noch dazu wenn sich die leitenden Personen ja gar nicht so sehr für das interessieren und verantwortlich fühlen was in/auf dem Medium passiert, weil ihnen eigentlich nur das wichtig ist was dahinter abläuft (Anzahl der Klicks etwa als Maßstab für die Beitragshöhe einer Werbeeinschaltung udgl) wird das Ding zu einem gleichsam herrenlosen Gut, dessen sich jeder bemächtigen kann.

              Wenn daher mit dem herrenlosen Gut dann Dinge geschehen, die ein Staat oder eine Staatengemeinschaft einfach nicht mehr tolerieren kann oder sollte (Aufruf zu Mord und Totschlag, Verhetzung etc.), dann muß er in einer Weise eingreifen.

              Also entweder indem er die ursprünglichen Verantwortlichen unmißverständlich ins Gebet nimmt oder das Ding mal stilllegt, bis sich wieder wer für einen Weiterbestand des Gutes gewillt zeigt, der öffentlichem Interesse nicht mehr zuwiderläuft.

              Sie sagen ja selbst, daß es zu Beginn in Ordnung war, als es den Zweck erfüllte zu dem es gedacht war. Es ist aber schon seit längerer Zeit in einem nicht mehr tolerierbaren Maß aus dem Ruder gelaufen – auch weit über das hinaus was man mit den von ihnen angesprochenen Freiheiten tolerieren kann oder muß.

              Das Ding Facebook beginnt sich zu gebärden wie die sog. Reichsbürger oder Freeman oder wie immer sich diese Typen nennen. Sie nutzen alle Annehmlichkeiten einer Gesellschaft, anerkennen aber keinerlei Autoritäten mehr, schrecken – wie in Bayern – auch nicht mehr vor Gewalt und Mord (oder Aufrufen dazu) zurück. Und tragen – durch Hintergehung der Steuergesetze – auch kaum etwas zur Erhaltung der Annehmlichkeiten bei, die es ihnen erst ermöglicht haben, jene Milliarden abzuräumen.

              Ich denke, daß nach einer Abschaltung von auch nur einer Stunde, die social media Verantwortlichen auf der Matte stehen und ihnen ein fertiges Konzept überreichen, wo binnen kürzester Zeit ein Weiterbetrieb mit einem Mindestmaß an Benimm oder Anstand gewährleistet ist.

              Einen Versuch wäre es zumindest mal wert.

            • Anwalt der Tiere sagt

              Ein Mordaufruf ist ein Mordaufruf und ein Medium ist ein Medium. Ein Medium im wörtlichen Sinn ist auch ein Telefon, ein Megafon oder eine Lautsprecheranlage bei einer Versammlung (Gefahrenpotential Ausschreitungen). Deswegen verbieten wir auch nicht die Freiheit, zu kommunizieren und sich zu versammeln. Facebook ist schädlich (schrieb ich heute morgen). Facebook ist aber auch nützlich. Die meisten wollen Facebook, aber mit zivilen Umgangsformen. Wir werden es schon rocken. Wer Freiheit hat, lernt auch damit umzugehen.

            • Ich seh das so sagt

              @Anwalt:
              Mit dem Einwand Telefon und Megaphon beginnen sie doch sehr zu verharmlosen und gehen zudem am entscheidenden Unterschied von Medien zu “unsocial medias” vorbei.
              Nämlich jemanden ad personam (er)greifen zu können, sollte es zu – nicht mehr tolerierbaren – Asozialitäten welcher Art auch immer kommen.
              Dieses Habhaftwerden ist bei Facebook und Co. entweder gar nicht oder sehr selten der Fall.

              Und meine Vorhaltung, daß die mit diesen Produkten reich Gewordenen sich für solche Probleme eigentlich nicht interessieren, und daher nur mit Strafen oder Einschränkungen zu sozialem Verhalten zu “bewegen” sind, wird durch die heute verlautbarte Entschließung der dt. Bundesregierung bekräftigt, Strafen bis zu 500.000 € zu verhängen, wenn Hasspostings etwa nicht binnen 24 Std. gelöscht werden.

        • Stadtmensch sagt

          Wer über Fake-News berichtet, erscheint automatisch wie ein glaubwürdiger True-News-Verbreiter. (Postillion)

          Es ist kaum möglich, dass jemand der liest, Fernsehen schaut oder Musik hört noch an Bertelsmann vorbeikommt.
          Die Medienkonzentration bei den Publikumszeitschriften hat weiter zugenommen, die Verlage Bauer, Axel Springer, Hubert Burda Media, WAZ und G + J teilen sich fast 90 Prozent der Gesamtauflage.
          …und das ist noch längst nicht alles:
          https://www.heise.de/tp/features/Machtkartell-Bertelsmann-3387041.html

          Na dann werdet mal glücklich, mit eurer pluralistischen Medienlandschaft!

      • Ich seh das so sagt

        Und weil der eben großteils abhanden gekommen ist, gibt es den Hausverstand bei uns in Österreich sogar schon im Supermarkt zu kaufen (Werbung von Rewe/Billa: “Sagt der Hausverstand…”)
        Ironie off

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