Bauer Willi
Kommentare 98

Es ist nichts wert…

Dieser Brief erreichte mich diese Woche. Was soll man antworten?

Lieber Bauer Willi,

Sie wissen, dass ich Ihre Arbeit sehr schätze. Besonders bewundere ich, wie Sie beharrlich neue Themen aufgreifen und diskutieren. Ich gestehe, dass ich oft diese Diskutiererei richtig satt bin. Nicht, weil ich sie für unnötig halte, sondern weil ich keine kurz- oder langfristigen Verbesserungen für die Landwirtinnen und Landwirte erkennen kann – leider.

Ich gestehe auch, längere Zeit nicht auf Ihrer Internetseite gewesen zu sein (auch aus diesem Grund). Nun kommt es heute für mich – wie man so sagt, knüppeldick. Ich glaube, ich verspüre gerade die gleiche Wut im Bauch, wie Sie damals beim Verfassen des Briefes: Lieber Verbraucher…

Wie lange setze ich mich nicht nur für Wertschätzung und auch für Wertschöpfung in der Landwirtschaft ein – und das tun viele andere Mitkämpfer auch. Manchmal, wenn man zusammen mit Bäuerinnen und Bauern gute Projekte oder Veranstaltungen mit Verbrauchern durchgeführt hat, bin ich voller Hoffnung. Irgendwann wird sich das auch auf der Habenseite der Kollegen auszahlen, so denke ich. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich spüre bei den Bauern eine tiefe Unsicherheit, ob sich ihr Betrieb bei den jetzigen Verhältnissen für die Zukunft ausrichten lässt. Besonders die ach so von der Gesellschaft gewünschten „kleineren “ Betriebe stehen vor solch großen Herausforderungen, die wie ein riesiger Berg vor ihnen steht. Die Stimmung ist bei allen Betriebsformen auf einem absoluten Tiefpunkt. Nun ist mir auch bekannt, dass ein Unternehmer etwas unternimmt oder auch nicht. Wenn er nichts in unternehmerischem Sinn entwickelt, muss er sich über einen Niedergang nicht wundern.

Aber es gibt so viele Dinge, die unternehmerisch nicht zu lösen sind. Dazu gehören Auflagen und Verordnungen, deren Erfüllung immer mit Kosten verbunden sind die sich im Endprodukt nicht realisieren lassen. Dazu kommen die „Eigenheiten“ der Märkte, die wir Bauern auch mit großen Anstrengungen im Genossenschaftswesen nicht ausgleichen können. Wer diese Entwicklung nicht glauben will, der soll sich die vorläufigen Ergebnisse der LWK NRW für das letzte Wirtschaftsjahr ansehen.

Zu all dem wirkt eine tiefe Niedergeschlagenheit auch über die ethischen Fragen der Tierhaltung.

Heute rief mich ein Milchviehhalter an, der sich bitterlich beklagte:

„Eben habe ich mein erstes Kalb an den Viehhändler verschenkt!“ Trotz Blauzungenuntersuchung und damit verbundenen Kosten war der Händler nicht bereit, ein mindestens 2 Wochen altes Kalb zu kaufen. „Es ist nichts wert!“, war die Aussage.

Wo ist unsere Gesellschaft hingekommen, die permanent nach Tierschutz ruft, weitere Haltungsauflagen fordert und im Ergebnis durch ihr Marktverhalten die Wertlosigkeit eines Lebewesens bestätigt?

Ich habe hohe Achtung vor meinen Kollegen, die sich jeden Tag mit ihren Familien für ihre Tiere einsetzen, um jedes Kalb bei der Geburt und der Aufzucht kämpfen, weil jedes Lebewesen ein Geschenk der Schöpfung ist. Ich kann aber auch den Aufschrei verstehen, dass man diese Entwicklungen nicht mehr verstehen kann und darum tief betrübt ist.

Mich hat dieses Telefongespräch sehr bewegt. Ich gebe zu, ich bin auch ratlos. Aber ich weiß nur, diese Spirale kann so nicht weiter gehen. So können Landwirte auf Dauer keine Lebensmittel erzeugen. Ich will keine verrohten Kollegen, die sich aus wirtschaftlichen Gründen über eine Totgeburt freuen (müssen).

Lieber Bauer Willi, ich musste mal was loswerden… und ich kann gerade nicht von „Mut machen“ bei mir sprechen.

Viele Grüße

H.D.

Mit Einverständnis des Verfassers habe ich ihn anonymisiert.

 

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98 Kommentare

  1. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin, wie hier bei Einigen mit den Bullenkälbern umgegangen wird, ist schon mehr wie grenzwerdig. So was müsst Ihr noch Habeck und seinen Getreuen richtig verklickern und die nächste Sau läuft durchs Dorf! Wie so etwas im Osten dieses Landes funktioniert, hat Christian Bothe in seinem Beitrag sehr gut beschrieben. Ja Herr Niemann,Sie haben es richtig formuliert
    aber doch nicht verstanden. Ihr Zitat „Dann geht es den Bullenkälbern in den ostdeutschen Agrarindustrie – Strukturen also gut“. Ja es geht ihnen gut. Mit 10 bis 12 Tagen werden die männlichen Kälber an einen Mastbetrieb verkauft. Die Geschäftsbeziehungen sind über Jahre stabil. Der Preis ist dem Markt angepasst.
    Es gibt also auch hier Hoch,s und Tief,s. Ein Bullenkalb totschlagen ,
    wie hier berichtet: Nein so was darf es nicht geben.

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  2. erntenwaswirsäen sagt

    Das im Brief geschilderte ist natürlich unfassbar. Sowohl die (hier mal wieder männlichen) Tiere, als auch die betroffenen Landwirte, sind Opfer einer (agrar-)politisch falsch gelenkten Marktwirtschaft. Weder im Sinne der Tiere, noch der Landwirte, ist da eine trostspendende Antwort auf den Brief möglich.

    Ich mach‘ jetzt mal den Ketzer…

    Der Unterschied zwischen Landwirten und Tieren ist aber, dass die Landwirte über lange Jahre hinweg mitgemacht und das System mitgestaltet haben. Die Landwirte sind also nicht nur Opfer. Irgendwie kommt ja die Landwirtschaft zu ihrer Lobby und die ist augenscheinlich nicht im Sinne der Landwirte unterwegs, die hier als Betroffene schreiben…

    https://www.das-parlament.de/2017/46_47/themenausgaben/-/531656
    https://www.agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche
    https://www.proplanta.de/Maps/EU-Agrarzahlungen+-+Top-Empf%e4nger_points1335436768.html
    (Leider nicht neuer verfügbar. Interessant ist z. B. die geografische Verteilung der grössten Agrarzahlungen.)

    Der ganz grosse Bauer ist ganz offensichtlich in jeder Hinsicht der erfolgreichere Bauer!

    Und in der Schweiz mit seinem nicht gerade politisch unterrepräsentierten Bauernstand:
    https://www.nzz.ch/maechtige_bauern-1.9696957
    Man sieht z. B. am Kommentar von „Schweizerin“, dass unterschiedlich lenkende Landwirtschaftspolitik unterschiedlichen Irrsinn erzeugt: „drum sind viele auf Fleisch umgestiegen (vor allem Grossviehmast), so dass im Moment eher ein chronischer Kälbermangel besteht“

    Viele ticken wohl auch hier so, wie es „Schweizerin“ beschreibt: „viele sind in ihrer Welt so festgefahren, dass man nichts von sich aus ändert“

    Gerne sucht man da die Gründe für das Elend NUR bei anderen, wie „Obstbäuerin“ kommentiert: „weil NGOs und andere Gruppierungen aus egoistischen Gründen die Politik so beeinflussen, dass es immer weiter in die falsche Richtung geht.“

    Der Landwirtschaft (wer oder was das auch immer ist) hat wohl gar keinen Einfluss auf die (Agrar-)Politik? Und „egoistische“ Gründe kennt „die Landwirtschaft“ wohl auch nicht! Da muss man sich schon satt selbst belügen.

    Für „eine neue Bewegung: RETTET DIE LANDWIRTSCHAFT“ sollten die „echten“ Landwirte ihre eigene Lobby erstmal wirklich an sich binden, nachdem sie sie von der Anbindehaltung der Agrarindustrie befreit haben. Irgendwie hätte das was von Tierbefreiung:-) Pech nur, dass die Lobbyisten vermutlich mehrheitlich von der Agrarindustrie bezahlt werden, die dann die Subventionen zielsicher abgreift.

    Ich glaube es fehlt auch hier in Deutschland an einer grösseren Anzahl von politisch denkenden Landwirten.

    Dann kann’s vielleicht auch was mit „Die EU-Agrarminister sollen sich darauf einigen, dass …“ werden.

    Wir ernten, was wir säen.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      „Der Unterschied zwischen Landwirten und Tieren ist aber, dass die Landwirte über lange Jahre hinweg mitgemacht und das System mitgestaltet haben. Die Landwirte sind also nicht nur Opfer. Irgendwie kommt ja die Landwirtschaft zu ihrer Lobby und die ist augenscheinlich nicht im Sinne der Landwirte unterwegs, die hier als Betroffene schreiben…“

      In den letzten 40 Jahren gab es zwei Möglichkeiten, entweder man macht mit was die Tierhaltung betrifft, oder man gab die Tierhaltung auf. Lange Jahre waren die ÖKO Betriebe finanziell abgehängt, erst durch die massive Werbung durch die Medien erlangten die Betriebe finanziell eine Besserstellung.

      Es ist einfach, den Landwirten das politische Denken abzusprechen und gleichzeitig eine Anbiederung an die Agrarindustrie vorzuwerfen, bin aber guter Hoffnung, dass sich mit ihnen sich vieles bessert.

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    • Obstbäuerin sagt

      Der Name, den Sie sich gegeben haben, könnte darauf schließen lassen, dass sie ein Landwirt sind oder auch nicht. Sind sie einer, stehen Sie agrarpolitisch an der Seite der AbL und ihrer Vertreter. Sind sie keiner verorte ich Sie bei den Grünen und den NGO´s. Wenn Sie deshalb glauben, alle anderen wären politisch und auch sonst zu blöd, nur weil sie zu einer anderen Einschätzung der Lage kommen als Sie, scheint mir das eine Spur zu überheblich.

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  3. Sabine sagt

    Seit ca. 8 Jahren gibt es den Kälberhort in Grebbin. Eine Tierärztin, die es nicht übers Herz brachte ein Kälbchen einzuschläfern, hatte einen Bekannten um Hilfe gebeten, sich um den Kümmerling zu kümmern. Danach läutete es immer wieder an der Tür. Landwirte kamen, Viehhändler, andere Tierärzte und luden bei ihm zu kleine, schwache oder kranke Kälbchen ab. In den wenigen Jahren wurden die Gründe warum die Kälbchen bei ihm landen immer absurder, zuletzt kam ein Kuhmädchen zu ihm, weil die Proportionen falsch waren, vor allem die Beine würden zu kurz bleiben für den Melkautomat.
    Der Mann ist in den letzten Jahren von mitfühlend über traurig nach wütend gewandert, wenn man ihn nach der Landwirtschaft fragt. Er weiß, die Bauern, TAe und Zwischenhändler können nicht anders entscheiden und trotzdem werden die Entscheidungen täglich falscher.
    Das wissen die Bauern und Viehhändler, die ihm die Tiere bringen, und sie schämen sich und wollen nicht über das Problem reden, auch weil sie Angst vor den Tierrechtlern haben, vor den Medien, die ja nur darauf warten mal wieder einen Skandal ausschlachten zu können.
    Was kann man also raten? Sich einen Kälberhort-Onkel in der Nähe suchen? Beim Tierschutz fragen?
    Oder vllt. aus dem Schock nahtlos in die Wut aufbrechen und das nächste Kalb nicht dem Viehhändler schenken, sondern damit nach Berlin fahren und es in den Bundestag legen. Wenn die da glauben, dass ihre Gesetze den Tieren und den Bauern in den letzten Jahrzehnten so viel gebracht haben. Wenn da nichts falsch gelaufen ist, wenn’s nur der Weltmarkt regelt, wenn die Steuergelder alle richtig angekommen sind, dann sollen die es da totschlagen. Dann wisst ihr wenigstens woran ihr wirklich seid. Dann könnt ihr den Betrieb ohne schlechtes Gewissen auslaufen lassen, zum Ponyhof umgestalten oder einen Wildpark machen oder ne ruhige 5-Tage-Woche als Dienstleister genießen.
    Warum nicht einfach mal die ganzen Viecher nach Berlin bringen, schließlich haben die einen Kuh-Damm, oder?

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      • Sabine sagt

        Wer spinnt, webt, färbt und näht für uns? Wer bringt uns die Klamotten? Wer bringt die Erdbeeren und Tomaten selbst im Winter und das so billig, dass man sie dafür nicht selber im Garten ziehen.
        Wenn uns dann die Chinesen erstmals einen Smoothie aus Kunstharz und Kalk als Milch andrehen, kann man ja nochmal über die Michpreise mit den Supermärkten reden.

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    • „sondern mit diesen Kälbern nach Berlin fahren und es in den Bundestag legen“

      Dann erkennen auch die den Unterschied von Natur und Kultur, bzw. Okologie und Ökonomie!

      Das kann man doch von den Regierenden wohl verlangen, oder?

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  4. Bauer S sagt

    Wenn keine vernünftige Bezahlung in der Landwirtschaft möglich ist , werden die Arbeitskräfte aus diesem Bereich abwandern. Das heißt der Strukturwandel wird noch angeheizt und es ist egal ob Bio oder Konvi.

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  5. Eckehard Niemann sagt

    Mit der von den Großmolkereien immer noch angeheizten Milch-Überproduktion für den „Weltmarkt“ steigt auch die Zahl der „überflüssigen“ Bullenkälber. Ein weiterer wichtiger Grund für überfällige EU-Mengenregulierungs-Programme!

    Und: Die agrarindustrielle Geflügelfleisch-Billigproduktion und die von den Schlachtkonzernen angeheizte Überschuss-Produktion von Billig-Schweinefleisch drücken auch die Preise von Rind- bzw. Kälberfleisch.
    Fazit: Runter von der ruinösen Überproduktion!!!

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      • Bergbäuerin sagt

        Wenn man mit Direktvermarktung nicht weiter kommt, dem Ende des eigenen Betriebes ins Auge schauen, Tierbestand allmählich abbauen und auf Selbstversorgerniveau zurückfahren – ohne Rücksicht auf die Gesellschaft. Sich zuvor mit anderen vernetzen, um züchterischen Austausch pflegen zu können. So schreibt Frank Möller in seinem Buch „Zur Hölle mit den Wölfen“: „Nicht anders als in anderen Sektoren der Wirtschaft könnte die Landwirtschaft den Menschen vor Ort aus der Hand genommen werden und zukünftig an institutionelle Geldanleger übergehen, die Strukturen von bisher kaum gekannter Größe in Blick haben. Es gehört auch wenig Fantasie zu der Vorhersage, dass die neuen Herren es vorzüglich verstehen werden, sich den ländlichen Raum nach Territorien aufzuteilen mit den ebenso gut organisierten Großorganisationen des Naturschutzes. Von ihren in den Großstädten liegenden Zentralen aus werden sie zukünftig die Regeln auf dem Land bestimmen. Es entsteht also eine Art von Neofeudalismus.“ Aber diese Herren werden nicht persönlich auf den Traktor steigen und die Tiere versorgen. Sie brauchen die Expertise der Bauern. Ihnen muss man sich dann konsequent verweigern, es gibt ja nur mehr wenige, die die Arbeit überhaupt machen können, die hereen sind darauf angewiesen. Es muss jetzt ein Zusammenhalt entstehen, damit kein Bauer sich von denen einspannen lässt. Irgendwelche kleinkarierten Kriege zwischen bio und konventionell, zwischen Hobby und Wirtschaft kann man sich da nicht mehr leisten. Und wenns dann für die Gesellschaft brenzlig wird, dann kann man alle Forderungen stellen fürs wieder Anfangen.

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      • Eckehard Niemann sagt

        Lieber Bauer Willi,
        ich rate dem Brief-Verfasser und allen anderen :
        Macht den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und seine Mengenreduzierungs-Strategie zugunsten von Milch-Erzeugerpreisen stark – gerade auch gegen die Anti-BDM-Strategie der Bauernverbandsspitze.

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        • Obstbäuerin sagt

          Alle Milchviehhalter sind Bauern aber nicht alle Bauern sind Milchviehhalter, Herr Niemann.

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    • Christian Bothe sagt

      Das klingt wie aus dem „Kapital“ von Karl Marx ,H. Niemann. Das ist nur Theorie und Wunschdenken und hat und wird mit der Realität nie etwas zu tun haben. Wieviel Menschen auf der Welt leiden noch an Hunger?
      Im übrigen gibt es bei den von Ihnen so gehaßten Großbetriebe im Osten unseres Landes auch gute Kooperationsbeziehungen zwischen Milchproduktions-und Bullenmastbetrieben. Dort werden schwarzbunte und andere Bullenkälber vom Mastbetrieb aufgekauft und weitergemästet. Das läuft seit Jahren so und ist Tradition schon seit DDR-Zeiten und auch noch als „Massentierhaltung“…

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      • Eckehard Niemann sagt

        @ Christian Bothe:
        Ob Karl Marx oder Karl-Marx-SED-Perversion: Dann geht es den Bullenkälbern in den ostdeutschen Agrarindustrie-Strukturen also gut? Völlig abgekoppelt vom sonstigen Markt? Können Sie diese kühne Behauptung auch nur irgendwie belegen?

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Auch beim Fleisch sind wir auf den Import von Tieren angewiesen da hier nur die Wertvollen Teile ( Schnitzel…Wurstwaren etc.)gegessen werden und der Rest wieder exportiert wird. Laut Westfleisch z.B .können nur bis zu 45% vom Schwein direkt hier in Deutschland verkauft/verwertet werden. Beim Geflügel ist bekanntlich nicht anders. Im Sinne einer ehrlichen Öffentlichkeitsarbeit sollte dies auch öffentlich Diskutiert werden.

      In der EU liegt bei Geflügelfleisch der Selbstversorgungsgrad bei 103,3 %, wie viel von dem Geflügelfleisch sind Teile die in das außereuropäische Ausland gehen, Teile die der deutsche Verbraucher nicht isst?

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      • Das Motiv

        „der Kunde ist König“
        können wir uns aus ökologischen und Tierschutzgründen nicht mehr leisten!

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    • Alexander Borchert sagt

      Hallo Herr Niemann,

      wir brauchen einen Wachstumsmarkt. Das was Sie fordern wird mit Wohlstandsverlusten gleichgesetzt.
      Herr Niemann Sie greifen damit dem Verbraucher unnötig in die Tasche. Dieses Geld fehlt dann an den internationalen Märkten für Urlaube, chin. Fernsehgeräte usw….

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      • Eckehard Niemann sagt

        @ Alexander Borchert:
        Wir brauchen statt des Geredes von „Wachstumsmärkten“ eine Strategie. die EU-weit die EU-Vorgaben von „Klasse statt Masse“ und damit für Tierwohl und fairen Erzeugerpreisen umsetzt!

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        • Obstbäuerin sagt

          Bei Äpfeln ist das schwierig, Herr Niemann, einmal sehr kostenintensiv gepflanzt müssen sie in den kommenden 15 Jahren das Geld wieder einbringen. Auch wenn in Polen die EU-Zuschüsse sehr hoch waren, hat der polnische Obstbauer einen Kredit aufnehmen müssen. Soll er jetzt einfach einen Teil stilllegen oder roden? Wie bedient er dann seine Verbindlichkeiten? Einen Markt für 5.000 000 Tonnen Bio-Äpfel gibt es auf der ganzen Welt nicht.

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  6. Obstbäuerin sagt

    Hallo Herr Borchert, wenn ich das richtig verstehe, dann geht es im Moment nicht mehr nur um Probleme des Wachsen oder Weichens sondern um medial künstlich installierte Katastrophen wie Bienensterben, Umweltvergiftung, Tierquälerei durch Massentierhaltung, Artenverlust, Feinstaubbelastung, Klimaveränderung usw. usw., für die im gesellschaftlichen Konsens ausschließlich der konventionellen Landwirtschaft schuld sein soll. Angst und Panik sind gute Auslöser für die Teilnahme an Aktionen, das haben die Initiatoren längst begriffen. Das ist bei WIR HABEN ES SATT so bei der Aktion in Bayern RETTET DIE BIENEN oder bei den jungen Klimarettungshüpfern.
    Es ist ja nicht mehr die mangelnde Wertschätzung sondern die Verurteilung eines ganzen Berufsstandes, die den einzelnen so deprimiert.

    20+
    • Paulus sagt

      Hallo Obstbäuerin, ich erinnere mich an kleine Episode als eine Mitarbeiterin die in einem städtischen Randbezirk wohnt mal etwas zu stark nach Parfüm roch, sodass es mir unangenehm war.
      Auf meine Frage, ob die Bauern Gülle ausgebracht hätten, stutzte sie zunächst um mir dann lächelnd und geschickt zu antworten: Naja ich habe die Wäsche halt nicht rechtzeitig reingeholt und musste deshalb etwas mehr auflegen. Und wie es halt so ist, schon wieder konnte man es, völlig aus der Luft gegriffen auf die Bauern schieben. Vielleicht versteht es ja der ein oder andere.

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      • Bergbäuerin sagt

        Also kommen Sie, Paulus, ein wenig Humor darf auch noch sein. DASS Gülle stinkt, ist ja nicht von der Hand zu weisen.

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        • Eckehard Niemann sagt

          Das ist nun wirklich nicht die Ursache der vielen Bürgerinitiativen des Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ ,,,

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      • Obstbäuerin sagt

        Das war trotz Allem nicht sehr diplomatisch, Paulus. Auf diesem Fuß ist die Damenwelt sehr empfindlich.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Dezent aufgebrachtes hochwertiges Parfum , das sich nur beim „Nahkampf“ bemerkbar macht, das ist die Kunst einer starken Frau.
          „Weniger ist oft mehr“ – ein Duft sollte Euch begleiten und nicht vorauseilen.

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  7. Maria sagt

    Guten Tag, ich habe in diesem Sommer mit Schrecken erleben müssen, dass meine Schwägerin (ein Hofkind), die mittlerweile in Berlin lebt, die Welt auch mit diesem seltsamen Blick sieht.
    Sie meinte der Verbraucher seinen schon viel weiter als die Politik und würde auch entsprechend einkaufen. Das sie damit nur die veganen Supermärkte und kleinen Läden im Bezirk Friedrichshain und Mitte beschreibt macht mich sprachlos. Ja, dort wird auf dem Markt eingekauft, gerne auch vegetarisch, vegan und nach Aryuveda.
    Damit trifft sie weder die Empfehlungen von Ernährungsfachleuten noch die Realität der meisten Deutschen, aber sie macht Meinung. Das schockt mich, dass man mit wenig Ahnung doch meint, die Wahrheit gepachtet zu haben. Das macht in allen Bereichen unsere Welt kaputt. Das die berichten, nur noch selten objektiv Fakten darstellen, sondern die Artikel sehr oft schon den Charakter eines Kommentare haben, Meinung des Schreibenden Inclusive. Davor habe ich große Angst und weiß nicht mehr, welche Berichte ich noch glauben soll.

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    • Bergbäuerin sagt

      Konsumenten, die beim Einkauf die Probleme der Landwirtschaft im Blick haben, sind eine Minderheit. Aber Ihre Schwägerin könnte insofern recht haben, dass das Potential an Konsumenten, die für eine faire Preispolitik offen wären, wesentlich höher ist. Gesetze helfen ja u. a. beim Kampf gegen den inneren Schweinehund. Ob das auch schon die Mehrheit ist, ist eine andere Frage.

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    • bauerhans sagt

      meine schwestern,alles hofkinder,die früher mit anpacken mussten (melken,ferkelbetreuung,rübenhacken,treckerfahren) und in ganz D verstreut wohnen,haben auch interessante meinungen zu landwirtschaft und ernährung.

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    • Christian Bothe sagt

      Berlin-Mitte ist eben das neue Szeneviertel und da ist es schick den veganen und vegetarischen Hype trotz ernährungsmedizinischer Bedenken mitzumachen. Auch das wird vorüber gehen, Maria. Berlin ist nun mal nicht die „Provinz“, wo man manchmal vernünftiger ist und ißt!

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    • Eckehard Niemann sagt

      Hallo Maria,
      obwohl die Kaufentscheidungen Deiner Schwägerin nicht die meinen sind – sie kann doch einkaufen, wie sie es für richtig hält. Oder? Lass uns die Tierhaltung nach dem Motto „Klasse statt Masse“ endlich politisch so umbauen, dass viele VerbraucherInnen nicht mehr an der Tierhaltung verzweifeln und die Tierhalter endlich faire Erzeugerpreise bekommen…

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      • Christian Bothe sagt

        Wir brauchen keinen Umbau der Tierhaltung,da diese nachhaltig produziert und das im Grossen wie im Kleinen.Der Verbraucher muss nur vernünftig aufgeklärt werden,was draußen los ist.Dazu sind Aktivitäten von allen Verbänden nötig,um Desinformationen von Medien zu widersprechen.

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  8. Alexander Borchert sagt

    Ich schreibe es wieder:
    Aus fast allen Kommentaren zeigt sich eine Frustration am „Wachsen oder Weichen“.
    Ich musste schon 1993 als junger Agrarstudent hören, dass das mnl. Kalb das Abfallprodukt der Milchproduktion ist. Für mich als Bauer war das ein Schlag ins Gesicht.

    Und keiner weiß einen Ausweg oder?

    Ich provoziere jetzt das Denken, ganz bewusst:
    Die EU-Agrarminister sollen sich darauf einigen, dass es Agrarsubventionen nur noch für ökologisch wirtschaftende Betriebe in der ganzen EU gibt. Die sollen den Strukturbruch riskieren.
    Was haltet ihr davon? Welche Auswirkungen hätte das? Wo liegt das PRO, wo liegt das Contra?
    Oder gibt es einen anderen Ausweg?

    2+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Das sind doch Träumereien, dass nur noch für BIO wirtschaftende Betriebe EU Subventionen bekommen. Der Not gehorchend würden die meisten Betriebe umstellen, das würde für den Steuerzahler noch mehr kosten.
      Wenn man dem Verbraucher weit höhere Lebensmittelkosten zumuten würde, dann wären die Protesten der Gelbwesten ein Nasenwasser gegen das die Menschen veranstalten würden.

      3+
      • Alexander Borchert sagt

        Hallo Ehemaliger,

        ich stimme Dir zu und ich weiss das alles. Doch alle beklagen sich über das Wachsen oder Weichen. Irgendwie passt das nicht zusammen. Die Jungen gehen freitags auf die´Strasse. Irgendwie ändert sich was im Land.

        3+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Das Wachsen oder Weichen hat doch die Politik in Gang gesetzt, indem sie zb. nur wesentlich größere Ställe subventioniert haben. Die Grünen plappern ständig von einer Agrarwende und gleichzeitig betonen die, dass wir ein Industrieland seien und auf Exporte angewiesen sind. Ich wäre schon froh, wenn die verbliebenen Betriebe überleben würden. Dies ginge nur, wenn der Handel gerecht Preise zahlen würden, aber wer daran glaubt, kann auch an den Storch glauben. Die kleineren Betriebe werden spätestens mit dem Generationswechsel den Betrieb schließen, die größeren Flächen werden von großen Betrieben übernommen, die kleineren Flächen werden der Natur überlassen, manche meinen noch, dass dies den Insekten und Vögel auf Dauer hilft.

          5+
        • Eckehard Niemann sagt

          @ Alexander Borchert:
          Lass Dich bitte nicht von solchen Kommentatoren von Deinem Ansatz abbringen- den übrigens auch konventionelle Berufskollegen gemeinsam mit Dir umsetzen können und wollen…

          1+
    • bauerhans sagt

      „für ökologisch wirtschaftende Betriebe“

      ich wirtschafte nicht unökologisch!

      2+
      • Alexander Borchert sagt

        Ich wirtschafte auch konventionell. Aber ich habe sehr großen Respekt vor den „Bio-Betrieben“.

        2+
    • Prisca Stehle sagt

      Hallo Alexander Borchert,
      Ich wäre sofort dabei bei keinen Subventionen mehr. Aber für alle! Egal ob Bio oder nicht!
      Wir sind ein kleiner Vollerwerbshof und müssen alles aus eigener Tasche zahlen weil wir die Mindestmenge ab der man einen Zuschuss bekommt nie erreichen.

      Das Problem ist dass alles viel teurer werden würde. Vermutlich würden die restlichen 99% der Bevölkerung das nicht nur nicht gut finden…
      Oder wie es mein Mann ausdrückt: Das ist von der Politik nicht gewollt. Ein sattes Volk muckt nicht auf.

      Leider hilft nichts davon dem Verfasser des Briefes. Oder sonst irgend einem von uns.

      2+
    • Bauer Willi sagt

      Ich will den Gedanken von Alexander Borchert mal weiterspinnen. Man stelle sich vor, der jetzige Umfang der Subventionen würde tatsächlich auf Bio-Betriebe verteilt. Rund 6 Mrd. € nur für Bio-Betriebe! Was würde passieren?

      Erst einmal würden diese im Geld ersaufen. Dann würde aber ganz schnell eine gewaltige Umstellungswelle einsetzen, damit man auch an den Topf kommt. Wenn die 6 Mrd. gedeckelt bleiben, wird der Betrag von Jahr zu Jahr weniger. Den Rest könnt ihr euch jetzt ausdenken…

      Nachtrag: wenn es so viel Geld für Bio-Bauern gibt, werden die Bio-Lebensmittel billiger!! Weil der Lebensmittelhandel das abschöpft. Die sind ja nicht blöd.

      4+
      • Bergbäuerin sagt

        Letztendlich landet alles Steuergeld immer in den großen Kapitalsammelbecken: bei den Anlegern. Und denen wird schlussendlich alles Land gehören. Und die werden sich an keine Gesetze und Verordnungen halten, so wenig wie Amazon das jetzt schon tut.

        3+
        • Stadtmensch sagt

          Ich denke schon, dass sich Handel und Kapitalgesellschaften an die Regeln halten, die sie sich gegeben haben. Denn es gilt, „Alles was du bist, bist du nur durch Verträge“.
          Der Staat profitiert davon und sichert die Eigentumstitel ab:
          http://www.kontext-tv.de/de/node/2879
          Du bist fein raus mit deiner Pension aber viele müssen ins Hamsterrad steigen und werden sich irgendwann gelbe Westen anziehen, weil sie nicht verstehen, was sie bedrückt.
          Laut Polanyi war es keine gute Idee, Arbeit, Geld und Land zur Ware gemacht zu haben.

          1+
          • Bergbäuerin sagt

            Ja, an die selbst gesetzten Regeln halten sie sich natürlich, aber zu unserem Schaden. Sagt mirs, wenn ihr die gelben Westen anzieht, ich mache mit. Denn wenn demnächst der Euro nichts mehr wert ist, nützt mir meine Pension auch nichts.

            2+
            • Ja,
              „Bergbäuerin das verstehst du nicht, das ist die moderne Kultur 😉
              (was der Bauer nicht kennt, dass frisst er nicht, also hat Bauer keine Kultur)
              wir wollen uns nie wieder einer Diktatur unterordnen, wir haben einen freien Geist“

              so, und diese Einstellung haben die Großkonzerne wachsen lassen, die haben dann auch noch gutbezahlte Stellenangebote, ergibt ein sorgenfreies Leben!
              „Und wer das nicht nutzt ist selber Schuld!“

              Das war von der Kultur erschaffenes Hamsterrad! Es drehte sich unaufhörlich im Kreis und lies nicht zu, dass man mal
              über den Tellerrand blickte.

              Aber die Bauern im Dorf mussten sich der Diktatur der Natur beugen. Waren deswegen Altmodisch, besaßen aber d3ennoch die Frechheit mit dicken großen Schleppern anzugeben!
              Sie sind in der modernen Hamsterad-Welt zu Außenseiter geworden, haben eine niedrige Lobby und erbringen zu wenig Wählerstimmen, sind sie deswegen Menschen 2. Klasse?
              Nur weil er und auch die Natur, unsere Ökologie mitsamt der Biodiversität ja nicht in dem Hamsterrad waren oder sind.
              Es ist von der modernen Kultur ausgerottet worden.

              Nun befürchtet man doch Umweltschäden von dem modernen Hamsteradleben, unserer Kultur.

              Weil sich nun die Molkereien und auch der Landhandel ( und moderne Agrotechnik) zu modernen Großkonzerne entwickelt haben da kaufmännische studierte Manager (Nichtlandwirte) deren Ökonomie leiten lassen, wird diese auffällige Umweltmisere den Bauern zugeschrieben! Beispiel PSM.

              Dieses Hamsterrad kann nur ein moderne Ökonom und Ökologe gemeinsam wieder zurückdrehen.

              Finde ich!

              0
      • Alexander Borchert sagt

        Hallo Willi,

        einfach mal langsam. Was passiert mit den Produktionsmengen?
        Wie reagieren die Märkte, wenn 30% fehlen? Wer könnte noch wieviel Tiere halten?

        Jeder beschwert sich über geringe Wertschätzung der LW. Aber keiner will begreifen, dass das auch am ständigen Überangebot liegt. Ich habe in 46 Lebensjahren noch nie Hunger gelitten.
        Wer glaubt, dass er Wertschätzung bei einem SVG>100% erhält, der kann lange warten.

        0
      • Eckehard Niemann sagt

        @ Bauer Willi:
        Nimm doch mal einfach – losgelöst von der blöden Öko-Konventionell-Kontroverse – den positiven Ansatz des Berufskollegen wahr …

        1+
    • Ex-Bio sagt

      Wir hatten lange einen Bio-Betrieb und wie damals werden unsere Stierkälber selber veredelt. Wie es in unserem Umfeld auch heute noch viele konv. Betriebe machen. ABER und da hatte ich echt zu schlucken, haben wir doch mehrfach erlebt, dass Bio-Kälber hinterm Stall erschossen oder im Brunnen ersäuft wurden. Das, weil bei Bio die Kälber länger auf dem Betrieb bleiben müssen und dies bei extremen Milchrassen nicht lohnend ist. So rosa ist das Ganze dann eben doch nicht.

      3+
  9. Altbauer Jochen sagt

    Bei unseren Nachbarn in Dänemark wird oft
    die Rasse Jersey zur Milchproduktion gehalten.
    Die männlichen Kälber wurden bis jetzt, -so bedrückend
    es ist, zum Teil getötet. Meines Wissens nach soll das demnächst
    nicht mehr erlaubt sein. Was dann damit geschehen soll weiß ich nicht.
    Auf unserem Betrieb (50 HF Kühe) setzen wir seit Jahren
    entsprechend dem Nachzuchtbedarf wbl. gesextes Sperma
    bei der Besamung ein. (Speziell bei den Erstbesamungen)
    Der überwiegende Teil wird mit Fleischrinderbullen besamt.
    Wenn die Kälber verkauft werden sollen ist hier auch die
    Möglichkeit ml. gesext zu besamen. Wir ziehen alle Kälber auf
    zur Mast. Die Kreuzungstiere bringen zum einen bessere
    Ausschlachtungsergebnisse, von ca.55% bei Sbt. auf ca. 60% bei Krz.
    Zum anderen kommen sie eine Handelsklasse höher,
    von O für Sbt. auf R bei Krz. das sind ca. 30 ct.je kg /SG.
    Bei 400 kg SG. sind das immerhin 120 Euro.
    Und vor allem braucht man diese Kälber nicht zu verschenken
    oder gar zu töten !!

    4+
  10. Friedrich sagt

    Auch die Ferkel sind nichts Wert , oder der Zucker u.v.m. , aber fragt da ja keiner nach. Das sind die Werte einer Überflußgesellschaft. Eigennutz geht vor Gemeinnutz, Geiz ist Geil. Wehe unsere Wirtschaft läuft nicht so weiter , sondern der Niedergang kommt , nur dann und erst dann wird sich hier erst wieder eine neue Sachlage einstellen. Das ist so wie mit dem Tanz ums „Goldenen Kalb“. Im Überfluß denkt keiner an den Morgen. Der Fall wird böse werden und es wird nicht mehr lange dauern. Bekanntlich fängt der Fisch vom Kopf her zu stinken. Diesen Verfall können wir in Brüssel und Berlin schon sehen. Nur mit Moderation ohne Führung wird so unser System nicht überleben. Auch in Deutschland sind immer mehr Demonstrationen mit Gelben Westen zu sehen und das ist nur der Anfang.

    16+
    • Alexander Borchert sagt

      Hallo Friedrich,
      Du hast es so treffend beschrieben.
      Unser System des ewigen Wachstum nimmt keine Rücksicht auf Mensch und Natur. Weil wir Bauern mit der Natur wirtschaften müssen, spüren wir die Auswirkungen als aller erstes.

      3+
    • Stadtmensch sagt

      Jetzt hatten wir so lange Wachstum und wissen vor lauter Blödheit schon nicht mehr, was wir noch kaufen könnten, da wäre etwas Schrumpfung ganz gut. Dann dauert die Bestellung eben etwas länger. Dann haben wir Zeit, unser Geraffel selbst zu reparieren. Dann können wir in den Garten. Als gelernter Ossi kann ich bestätigen, dass Mangelwirtschaft im Vergleich zum aktuellen Zustand der Übersättigung kein Verlust an Lebensqualität mit sich bringt. Im Gegenteil. Mit Internetz kann man nur gewinnen. Hat man endlich mal Zeit, seinen Grips in Dinge mit Relevanz zu „investieren“.
      Hat schon mal jemand geforscht, ob so etwas (http://blogs.worldbank.org/dmblog/azolla-a-new-paradigm-of-the-future-of-rice) auch für Ackerfrüchte realisierbar wäre?
      Ihr wisst doch: Verluste auf Null bringen…

      3+
      • Brötchen sagt

        Stadtmensch…..das ist zwar theoretisch möglich.
        Wir haben noch soviel zu reparieren und die Anforderungen/Auflagen werden immer mehr, was auch Geld kostet und nicht wenig. Deshalb wird man in das hamsterrad gezwungen.
        Die Reserven hat leider unsere tolle Regierung verfrühstückt. Ist nix mit ausruhen.
        Bin auch Ossi.

        0
      • Paulus sagt

        @Stadtmensch
        was Mangelwirtschaft, verbunden mit Luftverschmutzung und ähnlichen Beeinträchtigungen bedeutet konnte ich kurz nach der Wende in Leipzig erfahren. Nicht nur in einem s.g. Industriebetrieb, sondern auch im dortigen Parkhotel gegenüber dem Hauptbahnhof, mit Stahlrohrbetten, Plastefußboden, nicht regulierbarer Heizung, Heiß- und Kaltwasser aus zwei Kränen und weiteren Annehmlichkeiten. Die Soljanka hat mich versöhnt, da stehe ich heute noch drauf. Bei einem Besuch in Dresden, der dem Wunsch meiner Frau geschuldet war, stand dieses köstliche Gericht leider nicht mehr auf der Karte.

        1+
    • Eckehard Niemann sagt

      Hallo Friedrich,
      das sind doch die Ergebnisse der Überproduktions-Strategie für dem ruinösen „Weltmarkt“

      1+
  11. Bergbäuerin sagt

    2009 haben mein Mann und ich begonnen, das kleine 3,5 ha große Hanggrundstück seiner Großeltern mit Schafen zu bewirtschaften. Das zwischenzeitliche Leben in der Stadt war unerträglich abgehoben gewesen, und es tat so gut, endlich „am Boden“ zu arbeiten, etwas Konkretes zu produzieren, etwas unzweifelhaft Notwendiges. Dass das mehr kosten wird als es einbringt, war von vorne herein klar. Aber ich hatte nicht mehr weit zur Pension, jetzt bin ich so weit, und mein Mann verdient genug, dass wir uns diese Verrücktheit leisten können, jeden Tag die Tiere zu versorgen, kaum auf Urlaub zu kommen etc. Um es interessant zu halten, gingen wir auch gleich zum Zuchtverband. Bürokratie über Bürokratie – aber wurscht. Jedes Jahr wurde es absurder. Vor drei Jahren begann man den pleitebedrohten Schweinebauern Schafe einzureden, um das wertlose Getreide sinnvoll zu nutzen. Jetzt wird das finanziell einträglichere Schaf gewissermaßen „zum Schwein umgezüchtet“. Ich dachte immer, Schafe seien dazu da, Grundstücke zu nutzen, die für Ackerbau nicht taugen, und ich denke immer noch so und handle danach. Aber gut, jetzt könnte ich halt mit meinen Tieren keine Preise mehr gewinnen – auch wurscht, es werden immer noch genug gekört. Den Vorteil, nicht aufs Geld schauen zu müssen, sah ich immer darin, dass der Blick auf dem eigentlichen Sinn der Landwirtschaft bleibt. Dann lief der Wolf an der Herde vorbei. Über die Medien richtete man mir aus, ich solle nicht so geldgierig sein und damit leben, dass der Wolf ab und zu bei mir was holt. Und überdies soll ich meine 10 Mutterschafe halt mit zwei Hunden bewachen. Das ist der Punkt, wo es eben nicht einmal mehr ums Geld geht, sondern wo von mir erwartet wird, ich soll die Landwirtschaft ihrem Wesen nach ad absurdum führen. Ich brauch ja nichts produzieren, das Essen wächst eh im Supermarkt. Ich soll gefälligst die Biodiversität auf meiner Streuobstwiese erhalten.
    Dass die 98% (in Österreich 96%) der Bevölkerung keine Ahnung von Landwirtschaft haben, ist ihnen nicht zum Vorwurf zu machen. Das Problem sind diejenigen, die den Zugang zu den großen Medien haben. Die haben uns das eingebrockt. Wer sind die anonymen privaten Großspender des WWF, das ist eine entscheidende Frage. https://www.youtube.com/watch?v=GTEX88YkvnM (ab Minute 20): dort herrscht immer wieder Hunger. Und weil die Jagd auf Hirsch Reh und Wildschwein hierzulande schon so langweilig ist, deshalb braucht jetzt Deutschland mehrere tausend Wölfe – damit auch der ungeübteste millionenschwere Sonntagsjäger eine Chance hat, einen zu erwischen. Damit sind wir bei denen, die die Dinge verantworten: Diejenigen, für die der einzige Wert darin besteht, aus Geld noch mehr Geld zu machen. Nicht nur ein Kalb ist nichts wert. Auch eine Waschmaschine darf in kürzester Zeit in ihre Teile zerfallen, dann wird aus Geld gleich noch mehr Geld. Es trifft nicht nur die Landwirtschaft!

    14+
  12. Schweizerin sagt

    Von dieser Theorie – 1 Kalb pro Jahr – sind viele längst abgekommen.
    Man hat bemerkt, dass es gerade bei hohen Milchmengen mehr Vorteile und Erträge bringt, wenn man die Zeit zwischen den Kalbungen verlängert.

    4+
  13. Jochen Böhrer sagt

    Im Großen und Ganzen kann ich die Gedanken nachvollziehen. Aber das Beispiel mit dem Kalb ist denkbar schlecht und es ist völlig daneben, dem Verbraucher bzw. dessen Marktverhalten dafür die Schuld zu geben. Wer sich für reine Milchrassen entscheidet, muss in Kauf nehmen, dass keine Nachfrage nach Mastkälbern besteht. Er hat sich ja entschlossen, die Wertschöpfung aus der höheren Milchleistung zu erzielen. Die Berufsethik gebietet dann aber selbstverständlich, dass mit dem Kalb genauso fürsorglich umgegangen wird. Hier wird von Medien oftmals das Gegenteil unterstellt. Ich teile dies nicht und bin überzeugt, dass sich die weitaus meisten Milchviehhalter auch um „wertlose“ Bullenkälber gewissenhaft kümmern. Fleckviehhalter kennen dieses Dilemma nicht. Meiner Meinung nach die ideale Rinderrasse.

    8+
    • Bauer Willi sagt

      Da ist sie wieder, die rein fachliche Diskussion. Was hilft das dem Schreiber der Zeilen? Er wollte mal seinen Frust, seine Enttäuschung loswerden…
      Welche Ratschläge bekommt er?

      1+
      • Eckehard Niemann sagt

        „Welche Ratschläge bekommt er?“
        Welche Linie denn verfolgt „Bauer Willi“ außer vielen Texten mit Fragezeichen???

        1+
        • Obstbäuerin sagt

          Es gibt nicht viele Plattformen, wo auch die Meinung des konventionellen Bauern, der Glyphosat verantwortungsvoll verwendet und auch dazu steht, seine Gedanken und Sorgen mitteilen kann, ohne als Rundumvergifter sofort von allen verurteil zu werden, weil das fachliche Verständnis für diese Maßnahmen einfach da ist. Bei über 4400 Aufrufen und fast 100 Kommentaren erübrigt sich die Frage.

          0
    • Bergbäuerin sagt

      Ich kenne in der Nähe einen Bio-Fleckviehzüchter, der auch von der Pleite bedroht ist. Die Sache ist für die Landwirtschaft an einen Punkt gekommen, wo mit irgendeiner Anpassung innerhalb des bestehenden Systems nichts mehr zu machen ist, nicht einmal mit mehr Geld, nicht einmal für mich als Hobbybäurin. Die „großen Player“ dieser Erde wollen unser Land, und sie haben die Macht, es sich zu nehmen. In der Ukraine gehören ihnen schon 60%, auf dem Balkan kaufen sich gerade die arabischen Scheichs ein. Deshalb sind unsere Politiker dort unermüdlich unterwegs, um irgendeinen „Boden zu machen“.
      Direkter Kontakt zum Kunden funktioniert noch am besten dagegen, in diese Richtung geht es jetzt massiv in Österreich. Aber das allein reicht nicht. Man muss auf die Ursache des Ganzen schauen. Man war Anfang der 90er Jahre blind für das, was man anrichtet damit, dass man den Sieg des Kapitalismus feiert. Die Saturierten haben sich gefreut, dass jetzt auch noch Geiz als geil gelten darf, dass ALLES (!) billiger wird. Dass sie das mit Lohneinbußen bezahlen werden, konnten sie sich nicht vorstellen. Der Sozialstaat, die soziale Marktwirtschaft, war im 19. Jahrhundert mit Blut erkämpft worden. Ich bin weder im linken Milieu aufgewachsen, noch halte ich etwas von den gegenwärtigen Sozialdemokraten, aber dieser Tatsache muss man ins Auge schauen, auch als Bauer, der von linken Parteiprogrammen gar nichts zu erwarten hat. Jetzt sind wir wieder an diesem Punkt, wo ohne Einsatz des Lebens das Leben nicht mehr zu gewinnen ist, nicht nur für Bauern. Es lohnt sich mittlerweile, das Gefängnis zu riskieren für das, wovon man überzeugt ist. Man konnte sich Ende der 80er Jahre bis zum Schluss nicht vorstellen, dass der Kommunismus dermaßen plötzlich in sich zusammenfallen wird. Warum soll man das dem Kapitalismus nicht zutrauen? Damals war der weit überwiegende Teil der Bevölkerung im Osten im Innersten nicht mehr loyal, das System war ausgehöhlt, seiner wichtigsten Kraft beraubt. Dem Kapitalismus geht es längst ähnlich. Selbst der Schnäppchen-Jäger im Supermarkt hat die Nase voll.

      3+
  14. Hartmut Keller sagt

    Ich denke zur Zeit das gleiche. Es ist sehr schwer, die negativen Gedanken zu verdrängen, bei all den schlechten Nachrichten, die auf uns niederprasseln. Mir scheint es, als ob die ersten Kollegen die Reißleine ziehen oder in Panik geraten. Große Ställe werden plötzlich verkauft , gute Mitarbeiter entlassen und alles auf Spaarflamme gestellt . Andere versuchen mit fast kriminellen Methoden, sich einen Vorteil zu schaffen. Das Jahr ist ja noch nicht alt, aber ich bin es in dieser Beziehung schon satt.

    3+
  15. bauerhans sagt

    zitat:
    „„Eben habe ich mein erstes Kalb an den Viehhändler verschenkt!“ Trotz Blauzungenuntersuchung und damit verbundenen Kosten war der Händler nicht bereit, ein mindestens 2 Wochen altes Kalb zu kaufen. „Es ist nichts wert!“, war die Aussage.“

    das muss der örtlichen presse,nicht dem wochenblatt, weitergereicht werden!
    ob man damit was erreicht,kann ich nicht sagen,aber einen versuch ist es wert.

    5+
    • Inga sagt

      Natürlich müssen wir Verbraucher das wissen, damit man kapiert, wo die billige Milch herkommt, und dass deswegen je Kuh ein Kalb pro Jahr geboren werden muss. Sonst funktioniert es nicht.

      Das sind die verdeckten Kosten der Bauern, Tiere und Natur, eventuell Volkswirtschaft dafür.
      Das sollte sich jeder Konsument vor Augen halten!!!
      Damit er weiß, auf wessen Kosten er so billig lebt.

      1+
      • Obstbäuerin sagt

        Es gibt doch viele Konsumenten, Inga, die entweder so geringe Einkommen haben, dass sie gar nicht anders können, als preiswert einzukaufen oder deren normales Einkommen durch hohe Mieten und andere Kosten auf diesem Niveau landet. Genauso wenig, wie die Bauern als Einzelne (ich meine jetzt nicht nur für sich selbst) in diesem festgezurrten System etwas ändern können, geht es auch dem einkommensschwachen Verbraucher. Ich sehe die Entwicklung für Verbraucher und Bauern eher negativ, weil NGOs und andere Gruppierungen aus egoistischen Gründen die Politik so beeinflussen, dass es immer weiter in die falsche Richtung geht. Irgendwann, vielleicht gar nicht mehr lange hin, gibt`s dann eine neue Bewegung: RETTET DIE LANDWIRTSCHAFT.

        10+
        • bauerhans sagt

          „Es gibt doch viele Konsumenten, die… so geringe Einkommen haben…“

          Ob das wirklich so viele sind,bezweifel ich,vielmehr glaube ich,dass sehr viele einfach nicht haushalten können.
          ich denke gerade an den fall,wo der flachbildschirm wichtiger war als der kindergartenbeitrag für den 5 jährigen sohn,der doch so gern in den kindergarten ging.

          2+
          • Bergbäuerin sagt

            Die Konsumenten mit den geringen Einkommen werden mehr – da muss ich nur in meinen Bekanntenkreis schauen. Trotzdem wirft Wien noch immer so viel Essen in den Müll wie Graz verbraucht.

            0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Kenne mich natürlich nicht in Österreich aus.
              Der Leiter unserer Volksbank hat mal in der Zeit wo wir noch die DM hatten, folgendes gesagt:
              Es gibt Kunden die 2.000 Mark verdienen und legen etwas Geld auf die Seite, es gibt auch Kunden die verdienen 8.000 DM und denen reicht es nicht.

              Oder eine Arbeitskollegin meint auch sie verdient zu wenig und lässt sich jede Woche die Krallen (Fingernägel) neu machen.

              0
                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  Man muss sich auch mal fragen, wie so die nur 1200 Euro zum leben haben.
                  Bei den meisten handelt es sich um ihr eigenes Unvermögen. (Kranke ausgenommen)

                  0
                • Bergbäuerin sagt

                  Es gibt gewiefte Sozialschmarotzer, aber die haben in der Regel mehr als 600 Euro. Und es gibt die Minderbegabten, die früher die Kuhställe ausmisteten. Die fallen jetzt dem Sozialdarwinismus zum Opfer.

                  0
          • Prisca Stehle sagt

            Es liegt nicht am haushalten können sondern an ihren/ unseren Prioritäten.
            Einfaches ESSEN hat keinen Stellenwert mehr. Das macht nur ARBEIT.
            Dann hat Mann/Frau keine Zeit mehr für die (teuren) Hobbies.
            Wenn ich mir meine Schwiegereltern (1940) anschaue wird mir das immer deutlich.
            Viele andere können so nicht leben und meine Schwiegereltern fühlen sich im Luxus…
            Sie sind ganz anders groß geworden…

            1+
      • Schweizerin sagt

        Von dieser Theorie – 1 Kalb pro Jahr – sind viele längst abgekommen.
        Man hat bemerkt, dass es gerade bei hohen Milchmengen mehr Vorteile und Erträge bringt, wenn man die Zeit zwischen den Kalbungen verlängert.

        1+
  16. Schweizerin sagt

    Ich schreib hier aus der Schweiz.
    Viele hier im Berggebiet vertränken ihre Milch, weil die Ablieferung nicht möglich ist oder wegen der Kleinmengen soviel abgezogen wird, dass es sich nicht mehr lohnt.
    Diese müssen die Kälber zukaufen. Ich hab schon öfters nach telefoniert und gefragt, was sie dem Händler bezahlen mussten für unsere Kälber. Nicht wenig blieb mir fast die Süucke im Hals stecken. Bis zu 200.- CHF Marge drauf. Wor haben danach begonnen direkt zu handeln, so blieb auf beiden Seiten mehr. Ich weiss, hier sind die Wege kürzer. Trotzdem gibts immer noch viele die nichts ändern. Mein Grossvater hat schon dem Grossvaters des Händlers die Kälber verkauft, da kann ich nicht anders. Hier ist das grosse Glück, dass der Grenzschutz beim Fleisch noch sehr hoch ist. Bei der Milch siehts anders aus und drum sind viele auf Fleisch umgestiegen (vor allem Grossviehmast), so dass im Moment eher ein chronischer Kälbermangel besteht. Wenn der Grenzschutz hier mal fällt, kommt der ganz üble Aufschlag. Dann stehen wir an der Selben stelle. Nur hier wirds noch ein grösseres Dilemma geben. Die wenigsten halten es überhaupt für möglich, dass sich was ändert, viele sind in ihrer Welt so festgefahren, dass man nichts von sich aus ändert und noch mehr verlassen sich auf den Staat, der schon helfen wird. Ich sehe das sehr kritisch. Kommen wird es, die Frage ist nur wann.

    5+
  17. Kirsten Wosnitza sagt

    Der Brief beschreibt die Gefühle vieler Kollegen.

    Er zeigt aber auch dass sich für uns Milchbauern nichts zum besseren ändern wird wenn wir nicht bereit sind selbst etwas zu ändern.

    Solange wir meinen unsere Situation durch laufend wachsende Produktion retten zu können solange wird es diese Entwicklung geben.

    Laufend wird verkündet die Welt brauche noch mehr Milch. Jedes Jahr zeigt das ein neues Diagramm. Welt Nachfrage wächst über Angebot.

    Keines dieser Diagramme zeigt die Nachfrage nach den dazu gehörenden Kälbern. Das ist denjenigen die davon profitieren dass wir jederzeit billig Milch produzieren offensichtlich egal.

    Mit diesen Problemen bleiben wir Bauern allein denn uns treffen die daraus folgenden neuen Auflagen zu Tierschutz Umweltschutz usw.

    Wenn wir diese Spirale nicht durchbrechen dann wird sich auch nichts ändern. Es liegt auch bei den Bauern selbst ob sie sich zum Opfer machen oder ob sie handeln.

    9+
    • Bauer Willi sagt

      Zustimmung. Ich habe noch den Satz eines Redakteurs eines Wochenblattes im Kopf der sinngemäß sagte: „Wenn die Milchpreise gut sind, melken die Bauern mehr. Wenn sie schlecht sind, erst recht“. Ein Milchbauer antwortet: „Welche andere Alternative habe ich?“
      Was würdest Du dem einzelnen Milchbauern antwortet? Wie soll er persönlich reagieren? Und welche Konsequenzen hat das für ihn?

      5+
      • Bergbäuerin sagt

        Manche Weidetierhalter lösen ihr Problem mit dem illegalen Abschuss der Wölfe. Was sollen sie sonst machen? Sie folgen ihrem Gewissen: In Österreich nimmt die Zahl der Schafe und der Schafhalter zu, seit mit der Milch nichts mehr zu verdienen ist, und Österreich kann die Nachfrage nach Schaffleisch nicht decken. Was könnte je schlecht daran sein, die Biodiversität der alpinen Kulturlandschaft, die von aufkommendem Wald auch mitsamt Wolf nicht wieder erreicht werden würde, auf diese Weise aufrecht zu erhalten, Nahrungsmittel zu produzieren, die sonst auf dem Markt fehlen würden, auf Flächen, die ihrer Höhenlage wegen nicht einmal für Energieholz taugen, ganz zu schweigen davon, dass auf den Steilhängen sonst Desertifikation droht. Und das sollen sie sich kaputt machen lassen, nur weil NGOs die Bevölkerung bezüglich Wolf desinformieren? Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. In Italien werden übrigens 300 Wölfe jährlich illegal gewildert, dort hat man eben ein anderes Verhältnis zum Gesetz.

        2+
    • Thomas Apfel sagt

      Die Antwort war zur Zeit der BSE-Krise: männliche Kälber in die Entsorgung (Herodes- Programm). Das möchten die Vegetarier immer nicht wahr haben: Zu jedem Liter Milch gehören 40 g Rindfleisch (bei BIO 60g/l) die gegessen werden müssen. Für Vegetarier sollten alle Milchprodukte verboten werden (per Gesetz und Volksabstimmung) und die Müsli- und Milch- Familie mit 12 Tetrapack´s Milch pro Woche, muss am Wochenende ordentlich Rindfleisch essen (und nicht nur Steak und Filet bitte!).
      Ansonsten finde ich den Ratschlag für den einzelnen Betrieb die Menge zu reduzieren gelinde gesagt ziemlich wohlfeil. Was zurückgedreht werden muß, ist das Verschwinden der vielen kleineren Verarbeiter vor Ort. Bei uns muss die Milch 300 km weit gekarrt werden, weil die Molkereien vor Ort nach der Wende alle durch die Großen systematisch planiert wurden.
      Man kann sicher „über den Tellerrand schauen“ und über Bio- Milch mehr Geld fürs weniger produzieren erhalten, nur sind diese Nischen auch hier schon besetzt und können sich nur sehr langsam erweitern, wenn sie ihren Preisvorteil nicht verlieren wollen.
      Ansonsten ist „das weniger Produzieren“ ähnlich wie bei der Liebig´schen Tonne,: wenn ich in meinem Teich den Wasserstand senken will muss ich mich gegenüber den Teichen mit höherem Wasserstand eindeichen. Da steht aber die EU als Planierraupe im Wege.

      1+
  18. Es gibt Perspektiven, wie wir unsere Gesellschaft zurück gewinnen können- wir müssen dazu aber die liebgewonnenen Hilfsmittel/Strategien/Gewohnheiten in Frage stellen und ggf. ändern-
    Steig ab, wenn Du merkst, daß das Pferd was du reitest, tot ist…
    Diese Perspektive aus dem Link begeistert mich- sie ist nicht bio, sie ist regional, sie achtet die Umwelt, ist aber gleichermaßen von Großbetrieben und Subsistenzwirtschaft erprobt- sie ist besser als alles was ich bisher kannte, es ist (englisch) „regenerative agriculure“

    https://youtu.be/ZTpYG0rAhBQ

    0
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Am liebsten ist mir,
      wenn aus fernen Ländern Tipps kommen, wie man Landwirtschaft betrieben werden soll. Der gute Mann sollte zuerst mal im eigenen Land seine Berufskollegen von seiner Methode überzeugen.

      2+
    • bauerhans sagt

      „Es gibt Perspektiven, wie wir unsere Gesellschaft zurück gewinnen können- wir müssen dazu aber die liebgewonnenen Hilfsmittel/Strategien/Gewohnheiten in Frage stellen und ggf. ändern-“

      wir bauern passen uns ständig an,weil wir das wegen neuer gesetze,verordnungen müssen und weil wir von den agrarzahlungen wirtschaftlich abhängig sind.
      unsere gesellschaft hat hohe anerkennung für uns,was in jeder umfrage bestätigt wird.
      medial wird nur uns vorgehalten,die umwelt zu vergiften,auch wird beteuert,man werde uns unterstützen,wenn wir neue,teurere wege einschlagen,leider passiert das nicht wirklich.

      4+
    • Sabine sagt

      Was die Browns vor allem machen, ist den Handel ausschalten. Die haben eine Käuferschicht mit gutem Einkommen aus Militär und Öl-/Gasindustrie direkt vor der Türe, die ihr Geld gerne auf Bauernmärkten ausgeben. ‚
      Dann, vllt. nicht ganz unwichtig, die haben kontinentales Klima. Wenn deine Weide Anfang Oktober über Nacht schockgefriert und die nächsten Monate nicht auftaut, kannst Du Rinder auch im Winter auf die Weide schicken und bei der Größe des Betriebs geht das mit dem täglichen weiter treiben auch ohne Probleme. Wer im Winter 300 Mutterkühe auf 5000 acres verteilen kann, braucht sich vllt. eh nicht so viele Gedanken um Trittschäden und Schlammschlachten zu machen. Sicher beweidet er nicht die ganzen 2020 ha im Winter, aber bei uns ist man unter den extensiven Betrieben ab… ich glaub 2 ha pro Mutterkuh.
      Mach das bei mir am Berg mit max. 3 Wochen Frost im Jahr und locker der selben Niederschlagsmenge in einer durchschnittlichen Winterwoche, wie die im regenreichsten Monat im Sommer haben und den 40 bis 60 ha an verfügbarer Fläche und normaler Bestandsdichte, das geht in die Hose. Das kann ich dir sogar als Hobby-Hühner-Halter sagen. Es gibt einen Grund, warum ich für Zwerghühner hier im Herbst hängerweise Holzhächsel und Sand ankarrt, denn spätestens im Dezember rühren sich selbst diese Leichtgewichte eine Art Natur-Zement rund um Tränken und Futterplätzen an. Das Zeug ist klasse, dass kriegst Du nicht mehr von den Stiefeln und die Huhns nicht mehr von den Füßen. Ekelig ist das, gesund garantiert nicht und wenn es dann im Frühling endlich eintrocknet, braucht man ne Spitzhacke um es wegzubekommen, denn da wächst so gut wie nix drin, selbst Löwenzahn und Kuhzunge tut sich da schwer.
      Rinder kannst Du im Oktober vllt. noch draußen lassen und zufüttern, danach ruinierst nicht nur die Weiden, sondern auch die Tiere. Selbst die robusteste Kuh mag nicht 4 Monate im Jahr bis zum Schienenbein im Matsch stehen. Ich schätze, spätestens im zweiten Jahr rutscht dir beim ersten Starkregen der ganze Rotz den Hang runter.
      Wir haben hier einen Bio-Betrieb, der hat das mit seinen Angus und Ganzjahres-Weidehaltung versucht und ziemlich schnell wieder sein gelassen. Selbst mit ständigem Weidewechsel war das nichts. Die Stelle wo der das letzte Mal die Heuraufe hingestellt hatte war nach zwei Tagen schon so durch, dass er es nicht mit ansehen konnte.
      Das Soil-Health-Movement in den USA hat tolle Ansätze und bestimmt kann man sich da auch Anregungen holen, nur sind unsere Strukturen viel kleiner.

      3+
      • Paulus sagt

        Sabine, es gibt durchaus relativ einfache Möglichkeiten diese unangenehmen Begleiterscheinungen zu verhindern. Wir halten Freilandrinder ganzjährig draußen, mit zwei Offenställen und die Tiere stehen „nicht“ bis zu den Knöcheln im Matsch. Was den Belastungen durch Rindviecher standhält sollte auch für leichtes Federvieh geeignet sein. Die GaLa-bauer wissen wie es geht und Gras und irgendwelche Kräuter wachsen da auch noch. Was den von dir angesprochenen Biobetrieb mit seinen Angus betrifft vermute ich, dass der Betreiber schlicht keine Ahnung hat.

        0

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