Bauer Willi
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Die grüne Alternative für Deutschland

Die Grünen sehen sich als die Alternative für Deutschland auf der anderen Seite des Parteienspektrums. Anders als die AfD generieren sie ihr Wählerpotential aus dem gehobenen Bürgertum, aus akademischen Kreisen, aus Menschen, die eher mit dem Kopf als den Händen arbeiten. Handwerker oder Landwirte gehören eher nicht zu ihrem Wählerklientel. Die Grünen wollen die Gesellschaft verändern, Strukturen umbauen, kurz: die Welt besser machen. Sie meinen erkannt zu haben, was alles schief läuft und sind sehr gut in der Analyse. Sie weisen beständig darauf hin, was man unbedingt verändern müsste und was die gegenwärtige Regierung alles falsch macht.

Nachdem Anton Hofreiter mit seiner doch eher plumpen Art und Frau Künast mit ihren depressiven Äußerungen beim Publikum nicht so richtig angekommen sind, hat man die Spitze der Partei nun mit einem jugendlich erscheinenden Soziologen mit Drei-Tage-Bart und kesser Frisur sowie einer jungen, hübschen Frau mit heller Stimme und flotter Sprache ausgetauscht. Faktisch das personelle Gegenmodell zur bisherigen Führung. Jürgen Trittin scheint ganz aus dem Rennen zu sein nach seinem Fehltritt mit der Kugel Eis in der Stromrechnung.

Die Grünen geben sich modern und zukunftsgewandt und „wollen die Menschen mitnehmen“, sozusagen „auf Augenhöhe begegnen“ und ernst nehmen. Das klingt liberal. Aber sie proklamieren, immer im Mainstream, nur vordergründige Lösungen.

  • Feinstaub? -> Verkehrswende!
  • Klimawandel? -> Energiewende!
  • Nitrat und Antibiotika? ->Agrarwende!

Das kommt an und so ist auch der Zuspruch zu dieser Partei zu erklären: Wir definieren das Problem und haben auch gleich die Lösung. Ein Marketing-Prinzip, mit denen auch die NGO´s arbeiten und erfolgreich sind. Oder auch der Lebensmitteleinzelhandel, die Kosmetikindustrie oder andere Branchen. Ein Problem konstruieren, zu dem man das passende Produkt hat.

Wobei es meist anders herum läuft: man hat ein Produkt, zu dem man jetzt ein Problem finden muss mit dem man sich vom Wettbewerber absetzt. Und das wird dann der neue Mainstream. Beispiele gefällig?

  • Klimawandel -> weniger Fleisch -> vegetarische Produkte.
  • Übergewicht -> weniger Zucker -> Light-Produkte
  • Schlimme Pestizide und gequälte Tiere -> mehr Bio.

Genial, wie da ein Rädchen ins andere greift. Grüne, NGO´s und LEH arbeiten Hand in Hand. Und die Kasse stimmt. Beziehungsweise das Wahlergebnis.

Die Lösungen, die die Grünen anbieten, sind ebenso einfach wie radikal. Die Gedanken der sozialen Marktwirtschaft, in der der Staat lediglich die Rahmenbedingungen setzt für fairen, sozial- und umweltverträglichen Wettbewerb, wird ersetzt durch direkte staatliche Eingriffe. Gut, der Veggie-Day ist erst einmal vom Tisch, aber eine mögliche Enteignung von Immobilienkonzernen gilt laut Habeck als durchaus denkbar. Eine Frauenquote zu fordern kommt bei den Wählerinnen möglicherweise gut an, hat mit Liberalität nicht mehr viel zu tun. Und die Anzahl der Flugreisen zu kontingentieren ebenso wenig. (Wobei mir  persönlich der Gedankenansatz durchaus gefällt) Bevormundung steht vor der Freiheit des Einzelnen.

Wie schreibt die Süddeutsche: (Zitat) „In der moralisch aufgeladenen Welt der Grünen gelten fremde Positionen schnell als interessensgeleitet und reaktionär. Der moralische Kampfmodus hat den Grünen gerade in Abgrenzung zur AfD viel Zustimmung beschert, er trägt aber auch dazu bei, die Gesellschaft zu polarisieren.“ (Zitatende) Und die Süddeutsche Zeitung zählt ja nun nicht gerade zu den rechten Medien.

https://www.sueddeutsche.de/politik/gruene-liberalismus-fdp-1.4422755

Mit der Lebenswirklichkeit der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung haben die Grünen ohnehin wenig am Hut. Die Kassiererin im Supermarkt oder die Rentnerin mit 900 € monatlich können mit vegetarischen Produkten herzlich wenig anfangen und Bio können sie sich schlicht nicht leisten. Sie verstehen auch das ganze „Gedöns“ um den Klimawandel nicht, weil sie eh kein Auto fahren, sondern auf den Bus angewiesen sind. Und während die einen am Sonntag abend „Anne Will“ mit Anna Baerbock sehen (wahlweise auch Maybritt Illner mit Robert Habeck) , liegt die Kassiererin schon lange im Bett, weil morgens um 5:30 Uhr der Wecker klingelt.

Ob die Grünen für mich als (konventioneller) Landwirt wählbar sind? Eher nicht. Ich habe eine natürliche Aversion gegen alle Parteien, die einfache Lösungen anbieten.

  • Ich habe was gegen Politiker, die sich dem Dialog verweigern (Anton Hofreiter)
  • Ich habe was gegen Menschen, die mich beim ersten kritischen Kommentar blockieren. (Simone Peter).
  • Ich habe was gegen Personen, die wider besseren Wissens die Wahrheit beugen. (Renate Künast, Martin Häusling)

http://www.keckl.de/texte/welt_kuenast_mai19.pdf

Und überhaupt habe ich was gegen alle Parteien, die die Agenda ihrer Politik zu Lasten von Minderheiten machen. Und ich bin, als Bauer, in einer Minderheit.

Etwas Versöhnliches zum Schluss: Ja, es gibt Stimmen innerhalb der Grünen, die einen Realitätssinn für das Machbare haben. Die sich mit Landwirten an einen Tisch setzen um Wege zu finden, die gangbar sind. Die wissen, dass Änderungen ihre Zeit brauchen.

Ich warte aber noch ab, ob sich diese Stimmen auch durchsetzen.

Bauer Willi

 

 

 

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32 Kommentare

  1. LotharHS sagt

    Ich halte die Ziele der Grünen, wie Umweltschutz, Menschenrechte und gesunde Ernährung grundsätzlich für richtig. Aber sie bieten leider oft nicht die bestmöglichen Lösungen an, sondern schütten in der Umsetzung quasi das Kind mit dem Bade aus. Saubere Energie ist toll, aber wir brauchen auch Grundlastträger, die bei Dunkelheit und Windstille das Netz komplett versorgen. Saubere Autos sind toll, aber dafür auf anderenorts umweltschädliche Batterietechnik zu setzen, ersetzt nur die Pest durch die Cholera. Eigentlich müssten die Grünen mit der FDP fusionieren, um Herz und Verstand in Einklang zu bringen 😉

    6+
  2. Bergbäuerin sagt

    Dabei waren die Grünen anfangs unter anderem eine Bauernpartei! Zugleich mit der Explosion des Wohlstandes in den 70er Jahren erhob sich auch die Kritik daran. Das Ziel der vielen kleinen Biobauern damals war es neben den ökologischen Anliegen, materiell mit dem Wesentlichen auszukommen: Nahrung, Holz zum Heizen, ein paar selbst gemachte Klamotten. Diese Leute hatten auch noch den Freiraum, daneben etwas Künstlerisches zu tun. Damals konnte man vom Verkauf der paar Produkte noch irgendwie leben. Einer der ersten österreichischen Grünen Politiker war der Vorarlberger Biobauer Kaspanaze Simma.
    In den 90er Jahren kam dann der gesellschaftliche Paradigmenwechsel zu „Geiz ist geil“. Da wurden diese Leute dann als „bettelarme schriftstellernde Biobauern“ verspottet. Wer auf Bio umstieg, tat es immer öfter aus rein kommerziellen Gründen, für den höheren Preis. Aus reinem Idealismus war es bald auch gar nicht mehr möglich. Die Grünen vom alten Schrot und Korn wurden nach und nach aus der Partei hinausgeekelt.
    Einer von ihnen, Johannes Voggenhuber, versucht derzeit sein Comeback bei der EU – Wahl mit der Liste Europa JETZT. Was ihn programmatisch vom Grünen Kogler unterscheidet:
    Der ORF hat den KandidatInnen Wählerfragen vorgelegt. Eine Frage an Voggenhuber lautete: „Klima und Umwelt: Haben Sie drei ganz konkrete Punkte für mich, die vielleicht auch weh tun, für die Sie sich stark machen werden? Damit Sie für mich und viele Gleichdenkende „echte“ Grüne Alternative wählbar sind?“ Die Antwort: “ ….. das hat eine ganze Fülle von, auch unpopulären, Folgen: der massive Umbau aus dem Individualverkehr in den öffentlichen Verkehr. Das hat die Folgen von Energieeinsparungen auf allen Gebieten. Ich sehe auch nicht, dass das automatisierte Individualfahrzeug mit auch einem ungeheuren Energieverbrauch wirklich die Zukunft ist ….. unpopulär, aber notwendig ist die Besteuerung des Kerosins … Ich bin selbst kein Veganer und will das auch nicht irgendwelchen Menschen aufzwingen. Ich bin überhaupt, so weit als möglich, gegen Verbotspolitik … Die Landwirtschaft gehört ökologisiert, die regionale Versorgung gehört an die erste Stelle, …. ein Förderverbot für die Agrarindustrie …. viele Nahrungsmittel werden damit teurer werden“ Und in einer Diskussion der Salzburger Nachrichten sagte er: „Wir werden Konflikte haben, wir werden den Menschen sagen müssen, dass sie weniger mit dem Auto fahren können, wir werden Konflikte haben, CO² – Steuern kosten was, kosten auch Umstellungen der Lebensweise, es kostet der Verzicht auf Schädlingsbekämpfungsmittel und Düngemittel in der Landwirtschaft etwas ….“
    Diese Ehrlichkeit eines Politikers gefällt mir, damit ist er für mich wählbar. Ins EU – Parlament kommen wird er damit nicht. Aber es hat auch lange gedauert, bis die Grünen in die Parlamente kamen. Dort haben sie anfangs durchaus viele Umweltverbesserungen angestoßen, durchgeführt oft von den anderen Parteien, die den Grünen zuvor kommen mussten, um ihre Wähler nicht zu verlieren.
    Aber alles Irdische geht seinen Weg, auch politische Programme. Das Grüne hat sich leider populistisch pervertiert und sich in Ö. bereits bei der letzten Nationalratswahl das Grab geschaufelt. Mehr als um Ökologie geht es jetzt ums Einschenken reinen Weins, und der heißt Verzicht. Irgendwann werden auch die anderen Parteien um diese Ehrlichkeit nicht herumkommen.

    12+
  3. Altbauer Jochen sagt

    Die SPD marginalisiert sich selbst, die CDU wird von
    Youtubern heruntergemacht und reagiert hilflos.
    Irgendwann,-so befürchte ich, werden die beiden Parteien
    zusammen noch 30 % der Wähler erreichen.
    Mich graut es vor den anderen 70 % !!

    5+
  4. Was auch übersehen wird, ist die Negative am Umweltschutz, wenn man die Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit vernachlässigt.

    Sehr schön zu sehen in Bayern, was da mit Streuobstwiesen passiert:
    https://www.br.de/mediathek/video/quer-02052019-axt-statt-artenschutz-ausbeutung-per-onlinehandel-abheben-um-jeden-preis-av:5c8fb92a8c81ef001a5ea4b5

    Ein Gesetz hier in Niedersachsen führte dazu, daß im Akkord 25.000 Hektar Grünland umbrochen wurden.

    Wenn sich eine Baumschutzsatzung abzeichnet, geht das große Baumfällen in Kommunen los.

    Man hat bei Raps Pflanzenschutzmitteleinsatz reduziert, mit der Folge, daß der Rapsanbau massiv eingebrochen ist. Wie wohl jetzt auch bei der Zuckerrübe.

    Das mit der Düngemittelverordnung ist auch eher ein über den Kamm scheren. Landwirte kritisieren zu Recht, daß man da punktgenau hinschauen muß, von Fall zu Fall.

    Subventionen, die faktisch nur nach Größe nicht nach Nachhaltigkeitsstrategie gezahlt werden.

    Erneuerbare angeblich fördern, indem man NawaRos in hochsubventionierten Biogasanlagen verheizen darf.

    Es ist alles oft nicht so durchdacht, könnte man meinen.

    Was nicht heißen soll, daß Umweltauflagen, Nachhaltigkeits- und Tierwohlkonzepte unwichtig wären, im Gegenteil. Doch es braucht ganzheitliche Lösungen!

    6+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Ständig wird einem den ökologischen Nutzen des Streuobstes nahegelegt,
      trotzdem haben wir folgende Situation:

      Das Branntweinmonopol wurde abgeschafft, das heißt. weniger Einnahmen über die Veredlung des Obstes über die Brennerei, derzeit hat der Handel einen Einkaufstopp.

      Unsere Gesellschaft ist nur noch bereit wie im letzten Jahr, 5,5 Cent je Kg zu bezahlen, 2016 waren es nur 3,5 Cent. Jetzt wundert man sich über die Rodungen in Bayern.

      Ich selbst habe vor 4 Jahren Nussbäume gepflanzt, wenn die angedachte Volksbienenabstimmung in BW durchgeführt wird, werden die rechtzeitig abgesägt. Ich habe die Bäume angepflanzt und ich bestimme wenn die Abgesägt werden, dazu brauche ich kein Sesselfurzer vom Landratsamt.

      Was viele nicht wahrhaben wollen, wenn man keine Streuobstbäume mehr anpflanzt, erspart man sich viel Ärger.

      11+
      • Inga sagt

        Streuobstwiesen in Hessen leiden an der Gespinnstmotte.

        Nichts tun, Bäume sterben lassen, oder doch mit einem Insektizid dran, das dann auch andere Motten und Schmetterlinge angreift.

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      • Inga sagt

        Aber ehemaliger Landwirt,
        das ist ja eine Beleidigung gegen die Bürokraten!?!

        Macht man das?
        Das sind hochangesehene Fachleute, mit anscheinend ganz viel Fachwissen.

        Auf FB wärest du längst gesperrt worden!

        Da sieht man mal, wie frech die Bauern vom Dorfe sind!
        (Ironie aus)

        3+
    • DerEdgar sagt

      An sich interessante Kommentar bzw Artikel, muss dennoch in einigen Punkten widersprechen.

      A.) Beispielsweise die Behauptung, die Wählerschaft der AfD würde sich im Gegensatz zu der der Grünen aus Menschen aquiriert werden, die eher mit Hand als Kopf arbeiten würden.

      Siehe: „Im Osten ist sie in ländlichen Regionen stark, die unter Abwanderung leiden und ökonomisch abgehängt zu werden drohen. Arbeiter und Arbeitslose sind unter den Wählern zwar überdurchschnittlich vertreten, machen aber nur ein Viertel der AfD-Gesamtwählerschaft aus, während die übrigen drei Viertel auf Angestellte, Beamte und Selbständige entfallen.“ Quelle: Im Osten ist sie in ländlichen Regionen stark, die unter Abwanderung leiden und ökonomisch abgehängt zu werden drohen. Arbeiter und Arbeitslose sind unter den Wählern zwar überdurchschnittlich vertreten, machen aber nur ein Viertel der AfD-Gesamtwählerschaft aus, während die übrigen drei Viertel auf Angestellte, Beamte und Selbständige entfallen.“

      Quelle: https://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/afd/273131/wahlergebnisse-und-waehlerschaft

      B.)
      Die größte Farce an Behauptung von Ihnen ist jedoch folgende: …“Die Gedanken der sozialen Marktwirtschaft, in der der Staat lediglich die Rahmenbedingungen setzt für fairen, sozial- und umweltverträglichen Wettbewerb, wird ersetzt durch direkte staatliche Eingriffe. „…

      Da frage ich mich ob sich in den letzten Monaten/ Jahren plötzlich etwas sehr verändert hat. Meines Wissens nach bilden doch finanzielle Zuschüsse vom Staat, geregelt durch transnationale Regelungen der EU, die Grundlage landwirtschaftlicher Betriebe. Wo ist das 1. kein direkter staatlicher Eingriff der 2. künstlich zu einer Verbilligung deutscher Agrarprodukte auf dem Weltmarkt führt, wodurch „wir“ mit „unseren“ Produkten ganze Marktsektoren in bswp. afrikanischen Ländern zerstören. Dort kann nämlich preismäßig bei diesem „fairen“ Wettbewerb kein Mensch mithalten.

      Quelle: https://zebralogs.wordpress.com/2019/01/03/video-wie-deutscher-weizen-die-produktion-in-afrika-zerstoert/

      Um aber abschließend auch zu begründen, warum ich (wenn ich Sie richtig verstehe) Ihre Grundintension unterstütze, noch folgendes.

      Die Landwirtschaft in Europa und auch in Deutschland steht nicht erst seit gestern an einem schwierigen Punkt. Hohe und teilweise ideologisch verblödete Ansprüche von Konsumentenseite, oft ohne jegliches Hintergrundwissen zur wirklichen Produktionssituation in den Betrieben; ein riesen Haufen an gesetzlichen Regelungen und Vorgaben sowie Einschränkungen in der individuellen Entscheidungsmacht über das eigentlich ja „eigene“ Unternehmen; gepaart mit einem stark zunehmenden Konkurrenzkampf (hervorgerufen durch das weitere sinken möglichen Gewinns wegen der immer billiger werdenden Lebensmittelpreise), erlebt durch finanzielle Bedrängnis bis hin zu Existenzverlust. Das ist eine Bombenmischung. Und die Frage ist nicht wann, sondern WIE diese Bombe platzt.

      Vlt dann lieber Lebensmittelkonzerne kollektivieren und Existenzsichernde Preise erzwingen? 😉

      1+
  5. Bio muß man sich leisten können, so ungefähr.

    Aus meiner Sicht ein Feigenblatt für eine verfehlte Agrarpolitik, besonders schön zu sehen an der voranschreitenden Konventionalisierung, von den Standards ganz zu schweigen, faire Preise Fehlanzeige, Kükenschreddern etc. wirtschaftlich nicht eingepreist usw.

    Doch auch ich habe mit mehreren Grünen, Vertreter von NABU, BUND und Greenpeace gesprochen, daß da wirklich Dialog gesucht wird von immer mehr Menschen. Und ich sehe auch, daß sich in der Landwirtschaft einiges bewegt, wie der neulich von der geteilte Beitrag zur hybriden Landwirtschaft.

    Alle in der Landwirtschaft Beschäftigten zusammen hätten vermutlich einen Bevölkerungsanteil von 0,7 bis 2%, so würde ich schätzen. Allein kann man da leider nichts (mehr) bewegen. Insofern ist Dialog wichtiger denn je, weswegen ich immer für den Schulterschluß von Erzeugern und Verbraucherorganisationen kämpfen werden, denn diese können politisch mehr Druck ausüben.

    Es geht um unser Essen … man sollte meinen, das wäre keine Kleinigkeit.

    Und hier sprechen Landwirte offen aus, daß Biogasanlagen Fehler sind, besonders seit NawaRos verheizt werden dürfen, aber auch daß es schwarze Schafe gibt, die mit ihren großen Höfen die Marktmacht ausnutzen, um andere zu unterbieten, selbst wenn sie dabei auch nur wenig verdienen sollten, wäre die Konkurrenz dann irgendwann weg. Solidarität geht anders (von Herrn Rukwieds „Strukturwandel“ ganz zu schweigen).

    Ich selbst bin aktiv bei der LINKEN, habe gestern mit einer Hartz-IV-Empfängerin gesprochen, die am Ende des Geldes noch Monat übrig hat. Da ich gerade vom Einkaufen kam, habe ich ihr noch was in die Hand gedrückt. Sie meinte, sie würde vieles in der Natur pflücken etc. Und so jemand soll sich je Bio oder fair gehandelte Lebensmittel leisten können?

    Genauso paradox wie im Discounter Bio-Produkte anzubieten, während die Klientel großteils auf billiges Essen angewiesen ist, weil man die Kaufkraft durch unsere Wirtschaftspolitik massiv zerstört hat (niedrigere Sozialleistungen machten niedrigere Löhne attraktiver, Industrie 4.0 rationalisiert Menschen weg, Milliardenprofite führen trotzdem zu Massenentlassungen, jemand wie Alois Müller kassiert EU-Zuschüsse für ein neues Werk, schafft angeblich neue Arbeitsplätze, schließt danach jedoch das alte Werk und feuert mehr Menschen, als er neu eingestellt hatte).

    3+
    • Bergbäuerin sagt

      Wenn es möglich wäre, den Bauern auch ohne Subventionen faire Preise zu zahlen, dann hätte man das Subventionsgeld frei, um der unteren Gesellschaftsschicht Lebensmittelzuschüsse zu geben oder Lebensmittelmarken für Bio-Essen. Der Generaldirektor, der jetzt sein Dienstmädel in den Diskonter einkaufen schicken kann, der wird dann vielleicht auch das eine oder andere weniger wegwerfen. Woran es scheitert, das ist die globalisierte Wirtschaft und das Shareholder-Wesen. Wie man das löst, das würde mich interessieren.

      3+
  6. Alexander Borchert sagt

    Lieber Willi,
    mach einfach weiter so.

    Ich bin gespannt, wann die Menschen zum Erwachen kommen. Egal ob Rezzo-Video, Grüne Parolen oder Greta-Aktionen, alles aber alles wird zusammenbrechen, wenn es an die Umsetzung geht. Die meisten sind noch lange nicht für Verbote bereit.

    Ich bin hier, ich bin laut, weil ihr uns die Zukunft klaut…….

    Allein dieser Satz zeigt, dass nur mit dem Finger auf andere gezeigt wird. Das ist reine Schuldzuweisung. Irgendwann führt das zu Wut und Resignation. Ich befürchte sogar, dass daraus bürgerkriegsähnliche Zustände entstehen können.

    Wann kommen endlich mal Menschen auf den Plan, die die Herausforderungen der Zeit annehmen und die Freude verbreiten, sich diesen Herausforderungen zu stellen? Wir bräuchten Menschen, die die Jungen für ihre Zukunft begeistern. Wir brauchen Menschen , die gemeinsam mit den Jungen eine Zukunft gestalten…..

    18+
  7. Obstbäuerin sagt

    Ich wage mal einen Blick in die Glaskugel und hoffe, dass es nicht so kommt.
    Die nächsten 10 Jahre werden von den Grünen politisch dominiert. Alle relevanten Landwirtschafts-Posten in Bund und Ländern werden mit Grünen besetzt. Breite Unterstützung bekommen sie von NABU, Bund, AVAAZ, change.org, campact, sämtlichen Tierschutzorganisationen, Lehrern, Journalisten, Wissenschaftlern im Projektmodus, Biodiversitäts-Instituten usw. usw.. Nach 10 oder sogar schon 5 Jahren bröckelt die Unterstützung wegen erheblicher Fehlentwicklungen, dann wird von den Grünen mit Unterstützung der anderen Parteien das Wahlalter auf 16 reduziert und schon läuft der Laden wieder.

    6+
  8. Mark sagt

    Zweifellos muss man anerkennen, das die Strategie der Grünen voll aufgegangen ist. Mit ihren emotional aufgeladenen Themen konnten sie wichtige Multiplikatoren (Medien, Lehrer etc.) für sich gewinnen und mit deren Hilfe den „grünen mainstream“ aufbauen. Diese „grüne Lawine“ reisst mittlerweile alles mit, vorallem auch die Wissenschaft. Traditionell starke Wissenschaftsbereiche wurden in den Hintergrund gedrängt oder sogar verteufelt (z.B. Forschung im Bereich Pflanzenschutz oder Züchtung). Wissenschaften, die bisher lediglich ein eher unbedeutendendes Schattendasein führten (z.B. Klimawissenschaften, Insektenforscher etc) wurden mit Hilfe der Grünen ins Zentrum der Aufmerksamkeit katapultiert. Plötzlich werden diese Wissenschaftsbereiche mit Unsummen von Forschungsgeldern überhäuft, die Wissenschaft liefert prommt auch die „politisch passsenden“ Ergebnisse. Das schlimmste ist jedoch, dass die politischen „Mitberwerber“ ob der erfolgreichen grünen Strategie nun aufgeschreckt sind und anscheindend nichts anderes können, als auf den grünen Zug aufzuspringen. Jüngstes Beispiel dafür ist, dass das CDU-geführte Bundesforschungsministerium nun plötzlich noch vor der Wahl am Sonntag 200Mio € für die Erforschung des ominösen Insektensterbens ausgibt, damit will man die Grünen grün überholen. Dieses Vorgehen wird allerdings die Grünen eher weiter stärken. Die Stärke der Grünen ist am Ende nicht mehr als das klägliche Versagen der „Altparteien“.

    8+
    • Marta sagt

      Es gab schon mal rot grüne Regierungen.
      Die haben den GRÜNEN PUNKT durchgesetzt, – Deutschland ist MÜLLWELTMEISTER.
      Die haben das Plastikflaschen-Pfand durchgesetzt, – seitdem ist das Mehrwegsystem fast zum erliegen gekommen.
      Die haben in NRW die Hauptschulen so schlecht geredet, dass die Gesamtschulen kommen mussten, – unser Schulsystem ist seitdem ein Fiasko.
      Vergesst das nicht!

      11+
  9. bauerhans sagt

    heute in der NW:
    ein böser leserbrief,dass frau Klöckner „19 ackergifte“ weiter zugelassen hat und auf der nächsten seite „25 jahre wasserkooperation“ mit dem tenor „das trinkwasser ist so sauber wie nie“.

    1+
    • Sind Sie nicht der Meinung, man sollte manches mal ausführlicher testen?

      Warum wurde das erbgutschädigende Tallowamin vierzig Jahre lang beim Einsatz von Glyphosat als Neztmittel zugelassen?

      Oder was ist mit sowas wie DDT oder Lindan?

      Siehe das dreckige Dutzend:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Dreckiges_Dutzend

      Die CDU will einfach weiterso, deswegen gibt es auch haufenweise Notfallzulassungen etc. Grenzwerte werden erhöht (siehe Emissionen bei Autoabgasen oder Dünger von 150 auf 200) usw.

      Das weiterso lief die letzten Jahrzehnte nicht unbedingt rosig, könnte man meinen, oder?

      Wenn jetzt irgendwann mal jemand Umweltauflagen fordert, nun ja, normal!

      Leider spricht man nie über Wirtschaftlichkeit. Der Unterbietungswettkampf bei der Milchkrise kam ja auch nicht von sonstwoher.

      1+
      • Obstbäuerin sagt

        Sehr geehrter Herr Suhr, Preiskämpfe gibt es in der Regel seit Jahren nicht mehr unter Bauern, egal ob groß oder klein, sondern über den Großhandel und LEH und dieser kauft gern billig in Niedriglohnländern Bulgarien, Ungarn oder Rumänien auch Polen. Damit werden unsere Preise auf ein Niveau katapultiert, mit denen wir die hohen Löhne bei uns, im Verhältnis zu den oben genannten Ländern, kaum oder gar nicht mehr bezahlen können. das betrifft vor allem handarbeitsintensive Branchen. Was die Pflanzenschutzmittel betrifft, kann ich Ihnen garantieren, dass viele Kulturen in Deutschland nicht mehr angebaut werden können und die Notfallzulassungen gibt es doch in den anderen EU-Ländern.

        7+
        • Obstbäuerin sagt

          Ich glaub, das ist jetzt missverständlich. Notfallzulassungen sind ein sinnvolles Instrument in der Landwirtschaft, weil es manchmal durch Witterung oder übermäßige Schädlingsentwicklung Situationen gibt, die solche Maßnahmen erfordern. Was ich meine, ist die Praxis in der EU, mit Zustimmung aller Länder Mittel zu verbieten und schon vorher klar war, dass sie in manchen Ländern über eine großzügige Notfallzulassung wieder verwendet werden dürfen und in anderen nicht. Die unterschiedlichen Produktionsbedingungen werden nicht harmonisiert, sondern verschärft.

          4+
    • Bauer Willi sagt

      Lieber Eckehard,
      Du unterstellst mir ja mit Deinem Kommentar mehr oder weniger deutlich niedrige Beweggründe. Eine Kritik an der Person ist immer einfach.

      Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag bringen soll. Ich habe es jetzt doch gemacht. So ganz wohl fühle ich mich dabei nicht. Da ich aber zu allen oben angesprochenen Personen (zum Teil persönlichen) Kontakt hatte (anders als Rezo) mache ich von meinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch. Genau so, wie Du es mit Deinen Agrar-Hinweisen auch machst. Auch da sind ja durchaus einige Ansichten drin, die zum Nachdenken anregen, auch wenn ich sie nicht teile. Das ist halt Demokratie, die manchmal schwer auszuhalten ist. Ob uns diese Form der medialen Auseinandersetzung aber weiterbringt? Ich habe da so meine Zweifel. Aber ich muss mir ja das Rezo-Video nicht anschauen und es muss auch niemand meinen Beitrag lesen, und gut finden auch nicht. Wir hatten gestern zu diesem Thema eine interfamiliäre Diskussion…

      Ich habe ein Buch von Petra Gerster gelesen („Die Meinungsmaschine“). Sie geht darin auf die Rolle der Medien ein, die sie die Vierte Gewalt nennt. Sie äußert darin ihre Bedenken, dass die Sozialen Netzwerke als Fünfte Gewalt dabei sind, die vierte Gewalt als Kontrollmechanismus auszuhebeln. Im Netz darf jeder alles sagen, ohne dass es auf seinen Wahrheitsgehalt überprüft werden kann. Der Fall Relotius zeigt auch, dass es selbst bei der Vierten Gewalt nicht immer klappt.

      Du und ich machen Gebrauch von den modernen Medien. Du und ich machen Meinungen. Wir sollten dem jeweils anderen unterstellen, dass er es mit Sorgfalt tut und nicht der eigenen Profilierung wegen.

      Ich wünsche Dir einen schönen (Wahl.) Sonntag.
      Willi

      11+
      • Eckehard Niemann sagt

        Lieber Willi,
        ich habe Dir keine „niedrigen Beweggründe“ unterstellt und würde das auch niemals tun, weil ich ja zu kennen meine. Ich finde aber Deinen Beitrag sehr einseitig, die Beschreibung der grünen PolitikerInnen oberflächlich/beleidigend und etliche Deiner Behauptungen über die angebliche grüne Strategie und über Grünen-WählerInnen hergesucht/konstruiert. Eine (notwendige) Kritik an den Grünen sollte fundierter und fairer ausfallen – das zumindest hat der Youtuber Rezo mit seinem Beitrag über die CDU/CSU versucht…

        7+
        • Obstbäuerin sagt

          Einen wahrlich ausführlichen Beitrag dazu finden sie bei blogagrar, Herr Niemann.

          0
    • Bauer Fritz sagt

      Man braucht sich nicht als Anti-Rezo-Blogger zu profilieren, das machen „Rezo und seine Kollega – Die Vollgas-Vlogger-Klimasünder“ schon selber (https://www.youtube.com/watch?v=21YLgJ6Ej3Y).

      Die Kluft zwischen Schein und Sein ist bei Vorzeigetypen immer sehr groß. Aber darum können die ja auch so ideal für die Grünen werben. So richtig super Vorbilder eben ….

      2+
  10. Oberländer sagt

    Lieber Willi ,
    da geht es mir genau so wie du es im letzten Abschnitt beschrieben hast. Leider sehe ich bei dieser Partei auch nur einen sehr kleinen Anteil Politiker die diesen Realitätssinn haben.
    In ihrer Partei durchsetzen werden sie sich aber nicht. Sie werden
    überwiegend mit den geistig verblendeten Anteil ihrer Wählerschaft
    kämpfen müssen.
    Mit ihren offen gezeigten Ideen zur Enteignung Bevormundung und Überwachung bringen sie sich auf die Linie eine SED .

    7+
  11. Sabine, die schaffiebrige sagt

    Aber immerhin haben die Grünen mit dem EEG für ein weiteres Standbein der Land-, dann Energiewirte gesorgt, für das Ihr Bauern nun auch wieder den Buckel zum Draufrumprügeln herhalten müsst.

    11+
    • Inga sagt

      Ich dachte ja früher immer die GRÜNEN favorisieren Themen aus der Forst-und Landwirtschaft, denn da können sie umtechnisch echt was bewegen.

      Und ein Grossteil von den Gründern wären erstmal Agraringenieure, denn die kennen sich in der Materie aus und wissen wovon sie reden, kennen Fakten, können erklären und fanden deswegen Anhänger.
      Und erkennen dadurch schon wer es da ehrlich meint oder das Thema nur benutzt, um sich selbst zu profilieren .

      1+
      • Obstbäuerin sagt

        Liebe Inga, bei uns kandidieren für die Grünen bei der Kommunalwahl ausschließlich Personen, die mit Landwirtschaft oder naturnahen Berufen nichts aber auch gar nichts zu tun haben.

        2+
        • Inga sagt

          Aber die haben dann Verständnis für die Belange in diesen Berufen, oder?

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