Bauer Willi
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Brasilien Tag 8

Bom Futuro! So heißt die Farm, die wir heute besichtigt haben. Das heißt “Gute Zukunft” und trifft die Entwicklung in der Landwirtschaft Brasiliens ganz gut.

Wieder so ein Tag, den man nicht in ein paar Zeilen wiedergeben kann. Alleine die Busfahrten über Land vermitteln so viele Eindrücke von der unendlichen Weite der Landschaft, die man in unserem engen Europa nicht erleben kann. Ohne jede Wertung, es sind einfach völlig neue Blicke und Einblicke, die man erlebt haben muss, um davon reden zu können. Eines ist aber in den Tagen klar geworden: es wird viel über Brasilien berichtet was nicht stimmt oder so nicht stimmt. Aber dazu nach der Reise, heute nur wieder die Schilderung des Gesehenen.

Die Farm gehört drei Brüdern, die 1980 mit einfachsten Mitteln in Mato Grosso den Cerrado urbar gemacht haben. Das Land hat der Staat kostenlos zur Verfügung gestellt, es musste nur in einem gewissen Zeitraum zu Acker verwandelt worden sein, sonst wurde es wieder entzogen. Heute ist die Farm knapp 430.000 ha groß, 128.000 ha davon sind Reserva, so dass rund 300.000 ha bewirtschaftet werden, allerdings bei zwei Ernten im Jahr. Verglichen mit Europa sind es also faktisch 600.000 ha. Pro Jahr werden etwa 1,9 Mio t Soja und Mais erfasst und vermarktet.

Eines der Hauptstandbeine des Betriebes ist der Anbau von 140.000 ha Baumwolle, die im Betrieb aufbereitet wird. Das Unternehmen liefert 13% der Ernte Brasiliens und 3% der Welternte. Die angebauten Sorten sind alle gentechnisch verändert, zum Teil mit mehreren Resistenzen gegen Insekten und Pilze.

Die Ernte der Baumwolle geht von Juni- August, die Verarbeitung bis Dezember, also ein halbes Jahr. Es wird einmal die Baumwolle an sich, dann aber auch die Baumwollkerne verkauft, die zu Öl gepresst werden. Pro Tag werden so 300 t Rohware aufbereitet. Das soll zur Baumwolle erst einmal genügen. Übrigens: auf dem Bild sieht man unsere Gruppe in einem Lager mit Baumwoll-Kernen. Getrocknet wird im gesamten Betrieb übrigens alles mit selbst produzierten Eukalyptus-Hackschnitzeln! Also sehr umweltbewusst und bei der oben genannten Mengen an Soja, Mais und eben Baumwolle keine kleinen Mengen.

Am nächsten Standort haben wir uns zwei Flachlager für Soja und Mais mit je 60.000 t sowie Silos mit einem Fassungsvermögen von 30.000 t angesehen. Die Flachlager sind in die Erde gebaut, was die Statik sehr einfach macht. Oberhalb der Erde ist nur das Runddach. Von diesen Lagerstandorten hat das Unternehmen mehrere. Das Unternehmen verfügt über eine Flotte von 500 LKW. Die bei uns üblichen Traktoren mit Anhängern haben wir auf unserer Fahrt keine gesehen.

An den vielen Standorten des Unternehmens gibt es auf dem Betriebsgelände einen Kindergarten, eine Schule für den Nachmittag (Hausaufgaben etc.) eine Kirche und Gärten für die Mitarbeiter. Wohnen, Elektrizität, Internet und Essen ist kostenlos, so dass der Lohn von 5 – 8.000 Real (1 Real = 0,19 €) für andere Dinge verwendet werden kann. Das Unternehmen betreibt auch Wasserkraftwerke und Photovoltaik zur Eigen- verwendung und zum Verkauf.  Überhaupt ist das Unternehmen sehr bemüht, seine Mitarbeiter nicht nur zu halten sondern auch neue zu gewinnen. Die Menschen  die wir getroffen haben, waren alle hoch motiviert und sehr zufrieden. Überall war es extrem sauber, nirgends eine “dreckige Ecke”.

Um die Betriebe verwalten zu können, sind wirtschaftende Einheiten von rund 10.000 ha geschaffen worden. Insgesamt sind beim Unternehmen 8.000 Personen beschäftigt. Auf die Frage, was die Herausforderungen für die Zukunft sind: 1. Arbeiter, 2. Klima, 3. Nachhaltigkeit.

Sorgen macht man sich über das schlechte Image, dass Brasilien in der Welt hat. Zumindest in der westlichen Welt. Nicht so in China, der einer der Hauptkunden ist. Europa ist auch auch wichtig, aber nicht so wichtig wie China oder auch Russland. Auf die Frage, was man spezifisch über Deutschland weiß: Kopfschütteln. Von den französischen Bauernprotesten hat man gehört, die findet man gut.

Am Nachmittag haben wir uns die Fabrik des Unternehmens angesehen, in der biologische Pflanzenschutzmittel hergestellt werden. In Deutschland werden sie als Biostimulanzien verkauft. Das Marktwachstum für diese Produkte beträgt in Brasilien derzeit 20-30% pro Jahr! Eingesetzt werden sie gegen Pilze und Insekten. Der Weg zur  Vermarktungsreife und Zulassung dauert etwa 5 Jahre.

Die Fabrik ist laut Aussage die modernste der Welt, es gibt in dieser Größenordnung derzeit 6 Fabriken weltweit. Diese Fabrik hat 13 Mio. € gekostet, sie produziert die Produkte nur für das eigene Unternehmen.

Das war heute der letzte Tag mit landwirtschaftlichen Themen. Morgen in der Nacht werden wir in Rio de Janeiro ankommen, am Sonntag die Stadt ansehen und am Dienstag morgen gegen 7:00 Uhr in Frankfurt landen. Mal schauen, ob ich aus Rio noch berichten kann.

 

 

 

(Aufrufe 15.242 gesamt, 2 heute)

67 Kommentare

  1. Rudolf Dos Santos Reis sagt

    Bom Dia Artur,com vai?Voce Mora no Bairro do Leblon?
    Como voce esta com o Futebol.Como Italiano,obviamente adoro o Futebol Brasileiro.
    O BRASIL ainda e o Campeao Mundial Recorde com 5 Titulos,seguido pela Italia e Alemanha com 4 Titulos cada,Argentina 3,Franca e Uruguai com 2 Titulos cada,Inglaterra e Espanha 1 Titulos,isso esta correto nesta Ordem? Rodolfo 🇧🇷🇮🇹 manda Saudacoes da quente e ensolarada BAHIA.
    Meu Endereco de “E-Mail:
    rudolf.bahia@gmail.com

  2. sonnenblume sagt

    Arbeitskräftemangel. Hier wie dort Landflucht? Liegt es an der Abgeschiedenheit? Wenn die Konditionen einigermaßen stimmen, warum sollte man das Leben in den Metropolen bevorzugen? Oder spielt auch hier ein negatives Image eine Rolle.

  3. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Willi, dein Reisetagebuch liest sich natürlich beeindruckend…, das sollte die Hiergebliebenen allerdings nicht dazu verleiten, entrückende Ausblendmechanismen in den eigenen Köpfen zu aktivieren:

    Den grandiosen Unterschied im gegenüberstellenden Vergleich -sofern man einen solchen überhaupt tätigen kann- macht es aus, dass unser kleinteiliges Europa, geschuldet einfach seiner Geologie, wo man die eigenen Böden jetzt förmlichst auslaugt, in den Pampas Südamerikas riesige Flächenareale soweit das Auge reicht, wie in der Ukraine auch; wobei die Schwarzerdeböden in letzterem Land weitaus wertvoller und fruchtbarer sind.

    Nachdem nunmehr unsere Böden jetzt nicht mehr aufgedüngt werden können nach guter fachlicher Praxis, ein adäquater Pflanzenschutz zumindest dato administrativ laienhaft ad absurdum geführt ist, werden wir in Bälde Importabhängigkeiten geradezu spektakulären Ausmasses aus der Taufe heben müssen, um Hunger im eigenen Land und damit sehr schnell blutige Bürgeraufstände verhindern zu wollen. – Unsere Ampel leuchtet dahingehend in ihren eigenen Erkenntniswelten allenfalls nur schwach; …viel zu schwach. Es fehlt die notwendige Vorausschau- fatal!!!

    Wir müssen uns heute aber auch den Spiegel vor Augen lassen, wie brutal in der Vergangenheit, bis zum heutigen Tage, sich die Europäer die Weiten Brasiliens untertan gemacht haben, die dortige Urbevölkerung quasi blutig eliminitierten. Der Facettenreichtum dieses Landes weckte schwerwiegende Begehrlichkeiten. – Heute spielt „man“ sich als Philanthropen der Neuzeit allseits als in Moral und Ethik geradezu über sich selbst hinauswachsende Moralapostel auf. Vergisst man damit nicht bewusst das Tun und Treiben unserer Vorfahren. Wir Europäer alle haben eine Vergangenheit….!!!

    Viele Europäer haben eine Bibelstelle wahrhaftig viel zu wörtlich ausgelegt: „Seid fruchtbar und vermehret euch! Füllt die Erde und macht sie euch untertan! Herrscht über die Fische im Meer, über die Vögel am Himmel und über alle Tiere, die auf der Erde leben!” (1. Buch Mose (Genesis) / Kapitel 1 – Vers 28)

    Nunmehr die gnadenlosen Folgen des Christentums!? Leidet nicht die ganze Welt bis zum heutigen Tage an den grausam unbarmherzigen Konsequenzen weltlicher Begierde mittels fadenscheiniger Auslegung eben dieses göttlichen Befehles!? So einige Autokraten entwickeln aktuell perfide, in der heutigen Moderne kaum mehr für möglich zu haltende bestialische Weltbeherrschungsideologien wider den gemeinen Homo sapiens, zum Schaden von Flora und Fauna.

    Innerhalb der Grenzen unseres hoffentlich offenbar werdenden, intellektuell realiter durchaus befähigten, zum richtigen Zeitpunkt abrufbaren gegenseitigen Miteinanders in vordringlich notwendiger Für- und Vorsorge zum Wohle unseres Leuchtturm-Wohlstandsdeutschland, wird schlussendlich die überaus geerdete Vernunft der breiten Masse obsiegen. Ich persönlich glaube und vertraue ganz fest darauf; es kann und darf keine Wiedergeburt von Dunkeldeutschland stattfinden…!!!

    Wir müssen mit unserer freiheitlichen Demokratie sorgsam pfleglich umgehen wie mit einem rohen Ei, damit diese in der Außenwirkung ihre Strahlkraft niemals ganz verliert, sich zur Nachahmung empfiehlt, zu diesem Zwecke am besten wieder leuchtet, in vollem Glanze erstrahlt wie ein blitzender Diamant;… daran müssen wir alle zusammen schleifen und feilen.

    Aktuell mimen wir mit unserem politischen Ampel-Führungschaos eher zum weltweiten überaus ulkigen Pausenclown – das Wahlvolk hat Führung bestellt, aber keine Führung bekommen. Diese Führungslosigkeit mutiert mittlerweile zu einer katastrophalen Unsicherheit in Reihen des gemeinen Volkes, weckt hoffentlich keine verheerenden Phantasien in wirren Herrschercerebra. – Schluss damit, reißt euch endlich zusammen!!!

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    • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

      “….das Wahlvolk hat Führung bestellt, aber keine Führung bekommen.”

      NEIN,wir haben gar kein selbst bestimmendes Wahlvolk,wir werden fremd bestimmt!
      Die Deutschen sind überaus überheblich,einzigartig auf der Welt,vorlaut,leisten immer weniger,leben total über ihre Verhältnisse,belehren gern die Welt über den bevorstehenden Zusammenbruch. Unsere Politiker entscheiden populistisch,schieben einzelnen Gruppen Schuld zu,diffamieren,sehen überall Rechtsextreme,wollen per Verbot andere Meinungen unterdrücken. Und lassen sich dafür auch noch fürstlich bezahlen. Wann wird das endlich beendet?

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  4. Gerhard sagt

    Ich bin erst gestern von einer Brasilien Reise zurück gekommen.
    Ich war das erste mal da und nur positiv überrascht.

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    • Frikadellen piet 45 sagt

      in einer Bar Brasil gibt es immer Caipirinha auf Festivals deshalb komme ich darauf

  5. Ola Gente,wisst Ihr was ich traurig finde die meisten Europäer haben keine Ahnung von dem Facettenreichen und wunderbaren Land BRASIL
    Die verbinden BRASIL nur mit Kriminalität, Favelas, Armut, Drogen,Mord usw.
    Natürlich trifft vieles zu, allerdings nur in grossen Städten wie:Sao Paulo mit einer Population von 22 Millionen Einwohnern (Metropolregion) ist somit die fünft größte Stadt der Welt, RIO DE JANEIRO 12 Millionen, Salvador da Bahia, Fortaleza, Recife, Porto Alegre, Maceio das sind alles Millionenstädte an der Küste.Sie reden nur schlecht über BRASIL waren noch nie da,das stimmt mich sehr traurig Ich kenne BRASIL seit 1985, habe 5 Jahre in RIO DE JANEIRO (Cidade maravilhosa) gelebt und gearbeitet und zwar im 🏨 Hotel “Othon Palace” direkt an der COPACABANA Posto 6 .War 40 Jahre Berufskoch,davon 20 Jahre auf Containerschiffen unterwegs, hauptsächlich in Südamerika,America Central e Caribic und natürlich in meiner geliebten zweiten Heimat BRASIL.Wohne in BAHIA “ILHEUS” Costa do Cacau,war 25 Jahre verheiratet in BAHIA,meine liebe Frau JOANA hat mich vor 5 Jahren für immer verlassen,ich denke jeden Tag an Sie in meinem ❤️ Herzen lebt Sie weiter.Saudacoes cordiais de Rodolfo 🇧🇷🇮🇹😎☀️

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    • Artur Friedenreich sagt

      Dem kann ich mich nur anschließen.
      Tudo de bom para você Rodolfo.
      Abraços do Leblon e Itacoatiara!

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    • Rudolf Leuthardt sagt

      Diesel Beitrag hat mich sehr gefreut. Endlich Leute die sich die Lage vor Ort gesehen haben. Aber és gibt auch kleine Familienbetriebe, aber Allen finde Absatz für Ihre Produto. Ich lebe seit 22 Jahre in Brasilien und habe noch nie bereits.
      Mit freundlichen Grüssen aus Brasilien, Ruedi.

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  6. Heinrich sagt

    Willi, ich hoffe Ihr habt in Rio die Gelegenheit eine der großen Sambaschulen zubesuchen, die befinden sich zur Zeit auf dem Höhepunkt der Vorbereitung für nächste Woche. Ein schönes Wochenende euch allen.

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      • Heinrich sagt

        Auch das Studium des Karneval in Rio, aus Sicht einer deutschen Karnevalshochburg vom Rhein (mir nicht möglich da Protestant), gehört zur Bildungsreise dazu 😏

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  7. Arne Pingel sagt

    Kleine Besserwisser Korrektur: auch in Brasilien werden Biostimulanzien nicht gegen Krankheiten oder Schädlinge eingesetzt, sondern zur Stärkung der Pflanze gegen abiotischen und biotischen Stress. Die meisten, auf der Farm hergestellten Produkte basieren auf Mikroben für unterschiedliche Verwendungen. (Full disclosure: ich bin (auch) der Vorsitzende des Vorstands der europäischen Biostimulanzhersteller)
    Aber ja: die Farmen in Brasilien sind unfassbar groß, und im Vergleich zu den Bauern in den USA ist das Denken um Nachhaltigkeit und biologischen Pflanzenschutz weiter ausgebildet. Wenn dieser Betrieb etwas in seinem Arbeitsabläufe ändert hat das, provokativ gesagt, einen größeren Einfluss auf den globalen Klimawandel als wenn alle Rapsbauern in Deutschland auf e-Trecker umstellen…..

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    • Christian Bothe sagt

      A.P. nur zur Schlussbemerkung : e-Traktor???
      Dürfte wohl “ein Satz mit x der war wohl nix” sein. Komme gerade von einem Event von protestierenden Kollegen mit der Geraer Stadtbevölkerung ( uebrigens eine tolle Sache, um den Städtern die Probleme unserer LW zu erklären)! Von e-Traktoren war da nichts zu hören, weil absolut unsinnig…

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      • Arne Pingel sagt

        Na, Herr Bothe, da sind wir uns mit dem unsinnig doch mal einig. Damit wir beide uns besser verstehen, werde ich in Zukunft meine Ironie stärker bemerkbar machen; ich entschuldige mich für die unklare Aussage.

    • Peter sagt

      Na klar….und wer nicht alles an der LW verdient…schöne Grüße nach Hamburg.
      Oh, je…

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    • Michael Ströhl sagt

      Wie steht es denn um den Einsatz von bei uns längst nicht mehr zugelassen Wirkstoffen nach Brasilien und weltweit. z.B. Atrazin. Vielleicht haben Sie da Zahlen aus erster Hand?

      • Bauer Willi sagt

        Was wollen Sie wissen? Ja, Atrazin ist hier zugelassen. Ist es denkbar , dass es unter den klimatischen Verhältnissen hier schneller abgebaut wird? Nur so eine Frage.

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        • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

          Hier wurde Atrazin abgeschafft,weil kein Hersteller mehr was damit verdienen konnte.

        • Michael Ströhl sagt

          Einerseits begünstigen hohe Bodentemperaturen en Abbau, andererseits führen die geringe Adsorption der durchlässigen Böden und die hohen Flussraten zu schnellen Verlagerungen. Im Ergebnis finden sich im (Grund)Wasser viele Wirkstoffe in Häufigkeit und Konzentration, die für Europa undenkbar wären. Leitungswasser ist dort nicht als Trinkwasser geeignet. Hier hat die einheimische Landwirtschaft eben einen Punkt, der einen echten Mehrwert für die Bevölkerung erzeugt. Entsprechend ist es auch angebracht, dass dieser Mehrwert über Direktzahlungen und/oder entsprechenden Außenschutz honoriert wird. Und Wasser ist nicht das einzige Thema…

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    • Michael Ströhl sagt

      Hallo Herr Pingel,
      Wie steht es denn um den Einsatz von bei uns längst nicht mehr zugelassen Wirkstoffen nach Brasilien und weltweit. z.B. Atrazin. Vielleicht haben Sie da Zahlen aus erster Hand?

  8. Artur Friedenreich sagt

    Das Rezept für einen langsamen aber stetigen Abstieg. Wir werden uns dem stellen und es vielleicht mal wieder mit Ingenieurs- und Naturwissenschaftlichem Wissen versuchen müssen. Wäre mal was anderes als Belehrungen und Vorträge. Das geht mir in Deutschland in der Aussenperspektive am meisten auf die Nerven. Entweder Abgesänge oder Hochnäsigkeit. Kleiner haben wir’s nicht. Ausgeglichenheit: Fehlanzeige.
    Nachdem es eine Generation aufgewachsen in den 60ern, 70ern und 80ern nach dem Krieg mal geschafft hat etwas bescheidener aufzutreten ist er wieder da, der Deutsche der die Welt rettet. Neuer Anstrich, gleiche Einstellung. Nach der Menschenrechts die Feministische und nun die Klimaaussenpolitik. „Wir müssen voran gehen…“ höre ich da immer. Warum eigentlich? Wahrscheinlich um als erster mit dem Kopf an der Wand zu landen. Hat ja schon zweimal super geklappt…

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    • Artur Friedenreich sagt

      War die Antwort auf:
      Nach diesen Berichten aus Brasilien sollte jedem klar sein, daß Mercosur verhindert werden muss. Mit den Produktionskosten der Brasilianer kann Europa nicht mithalten.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Sehe ich auch so Herr Friedensreich….meiner Meinung nach liegt es an der fehlgeleiteten oder fehlenden nationalen Identität.
      Wer sind wir, wer wollen wir sein, wird nicht ausreichend diskutiert, allein woher kommen wir und welche Schuld müssen wir tragen, und wie lange wird diese Schuld unsere Identität bestimmen.
      Es wird die Zeit kommen, da die Mehrheit sich diese Schuld nicht mehr als Identität , als Leitmotiv anheften lassen wird….oder wie soll sich ein muslimischer Bürger die Holocaust-Schuld zu Eigen machen, wenn er deutscher Staatsbürger und Wähler ist? Ich bin ganz gespannt.

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  9. Reinhard Seevers sagt

    In unserem Land liest man am Samstagmorgen Leserbriefe gegen die ständig wachsenden Agrarbetriebe und die hochsubventionierte und volkswirtschaftlich Schäden verursachende Agrarindustrie, die trotz Klimakrise auf den Straßen demonstriert. Verrückte Welt oder? Ich glaube die Deutschen sind inzwischen so umgedreht, so geframt, dass sie aus ihrem Kindergarten heraus keine Orientierung mehr finden werden.
    Willi, jetzt als Kontrast noch einige Fotos aus den Favelas und schon beginnt eine neue Debatte über die gerechte Verteilung von Wohlstand….wetten? Viel Spaß weiterhin….was macht eigentlich der Kreislauf bei den Bedingungen?

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    • Sonja Dengler sagt

      nicht vergessen: diese Leserbriefe sind in der Regel von sog. NGO-Mitarbeitern geschrieben, die von unserer selbstgerechten Regierung bezahlt werden und die nichts anderes zu tun haben….
      Schauen wir uns im Supermarkt um: gestern ist mir aufgefallen, dass die Bio-Waren-Regale erneut verkleinert wurde…..die Luxus-Regale erneut erweitert. Ganz still und leise.
      ICH erlebe, die Menschen in D begreifen schon länger, es sind die Medien, die uns eine andere Wirklichkeit verkaufen, eine, die es so nicht gibt

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      • Reinhard Seevers sagt

        In vielen Fällen sind es eher ehem. Lehrkräfte, Pensionäre oder selbsternannte Heimatschützer.
        Der Sozialismus kriecht aus allen Poren…alles muss transformiert, fair und gendergerecht sein. Diese Wunschwelt war möglich, weil alles mit deutschem Geld erkauft werden konnte. Nun geht es um eine neue Verteilung des Mangels und da wird natürlich heftig gestritten, man hat plötzlich etwas zu verlieren….und zwar alle.
        Die staatlich alimentierten Teile möchten selbstverständlich an ihren Pfründen festhalten. Unternehmer dagegen von Fesseln befreit werden. Dass der Alimentierten von den Umsetzen und Gewinnen der Unternehmen abhängt, das haben viele immer noch nicht verstanden. Man will es auch nicht verstehen, sondern fordert noch mehr vom Staat und damit von denen, die die Alimentierung ermöglichen. Der Kampf hat gerade erst begonnen….

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        • Wolf Lützen sagt

          Herr Seevers, wer bitte ist ein “selbsternannter Heimatschützer”? Wo “kriecht der Sozialismus aus allen Poren”?
          Selbst die Industrie bejaht die Transformation.
          Was verstehen Sie denn unter einer positiven “nationalen Identität”?
          Wie ein Nationalstaat über die eigenen Ambitionen stolpert, sieht man in Großbritannien.

          • zmp_nachfahre sagt

            Die Industrie bejaht alles, solange die Subventionen fließen, vor allem die Großen. Solange die Zahlen stimmen, bekommt man als Vorstand seine fetten Boni, nachher seinen goldenen Handschlag – ob derweil sinnvoll produziert wird, oder nur Subventionen kassiert werden, ist egal.
            Das Stahlwerk Salzgitter bekommt mal eben eine Milliarde über den Tisch geschoben, dafür kann man die nicht konkurrenzfähige Produktion von Stahl mittels Wasserstoff doch gut finden!

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        “Schauen wir uns im Supermarkt um: gestern ist mir aufgefallen, dass die Bio-Waren-Regale erneut verkleinert wurde…..die Luxus-Regale erneut erweitert. Ganz still und leise.”

        Genau das war auch im heimischen LIDL zu sehen, in der separaten Kühle liegt jetzt Fisch. Weil es mich interessiert, wie das Angebot bei BIO Fleisch aussieht, nehme ich eine Lupe mit, damit ich das BIO Fleisch auch sehe, finden will ich das nicht, da wir in diesen Läden kein Fleisch kaufen.

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  10. Christian Bothe sagt

    Toll,toll,toll! Diese Groesse phantastisch und nachhaltig( trotzdem).Hat ja noch andere Dimensionen wie Soja-und Maisanbau in Wisconsin/USA! Viele gute Eindrücke von Rio de Janeiro, mal ohne LW…

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  11. Wilfried Furchert sagt

    Es gibt noch Landwirte, die nicht vor Scham im Boden versinken müssen, wenn sie sagen, dass sie mit Ackerbau und Tierhaltung Geld verdienen wollen. Die deutschen Schamanen setzen da andere Prioritäten.

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    • sonnenblume sagt

      Man sollte die Kommentare von M. Haase und W. Furchert mal zusammen denken. In D. wird nur noch Bio und Premium erzeugt. Alles andere könnte z. B. Brasilien liefern, incl. Rohstoffe für die Industrie. Dafür hier mehr Raum für Naturschutz usw.. Sind diese Gedanken so abwegig? Mercosur würde den Weg frei machen. Ich denke schon, dass das kommen wird und alle Parteien es gut heißen werden, wenn auch bei sehr unterschiedlichen Begründungen. Die Einen werden den Schutz des Regenwaldes anführen, die Anderen ein Wachstum der Wirtschaft bei uns.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        In Deutschland wird in Zukunft nur noch Bio und Premium erzeugt, das kann sein, aber wie groß ist die Fläche. bzw. wie viele Verbraucher sind bereit, diese Lebensmittel auch zu kaufen? Es wird eher so sein, dass Große Betriebe weiterhin Lebensmittel erzeugen und kleine Betriebe mit bis zu 100 Hektar aufgeben, es ist eine Enteignung von Grund und Boden, auch wenn man im Grundbuch noch als Eigentümer aufgeführt ist.
        Der Traum vieler Bürger wird wahr werden, zumindest so lange, bis die Folgen für eben diese Bürger ersichtlich werden.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Man muss einfach beten, dass es nach der maximalen Reduzierung hiesiger Betriebe keine wirkliche Krise im Sinne von Nahrungsknappheit geben wird. Wer die Resilienz in Bezug auf Nahrungserzeugung durch eine Vielfalt und eine hohe Zahl individueller Bewirtschaftungsformen nicht aufrecht erhalten will, der muss eben mit den Folgen leben…..so what. Lasst die Spiele beginnen!

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          • Peter sagt

            Die max. Reduzierung der Betriebe ist genau auf 1…dann haben die MA wie in Brasilien alles kostenlos plus Taschengeld und sonst gar nix. Dein Sozialismus kriecht für diese Leute ruck zuck zum Kommunismus…aber in Wirklichkeit wollen alle einer der “3 Brüder” sein…

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            • Reinhard Seevers sagt

              @Peter, die Geldpolitiker erhöhen den Druck:

              “Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, hat europäische Regierungen davor gewarnt, Landwirten angesichts wochenlanger Proteste finanziell zu sehr entgegenzukommen. „Auf menschlicher Ebene verstehe ich ihre Schwierigkeiten und es ist nicht einfach, ihren Job zu machen“, sagte Georgieva am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Washington mit Blick auf die Bäuerinnen und Bauern.

              „Aber wenn dieses Gefühl anhält und es Regierungen in eine Ecke drängt, in der sie nicht mehr das Notwendige zur Stärkung der Volkswirtschaften unternehmen können, dann wird der Zeitpunkt kommen, an dem sie es bereuen.“
              ☝️🍺🦄

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              • Peter sagt

                Wenn Privatpersonen/Familien Milliardenvermögen auf sich vereinen dürfen , kommt der Druck woanders her…Gut ausgestattete Marionetten wie dieses “Herzchen” spielen nur ihre Rollen…und was sind schon Regierungen? Parteibuch reicht…und was es nicht alles für “Institutionen” gibt…https://www.bis.org/

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        • sonnenblume sagt

          Wenn man hört was in unseren Bildungseinrichtungen vermittelt wird und da sitzen doch die zukünftigen Verbraucher, dann können wir unsere LW einpacken. Veggi und Vegan ist dort das Gebot der Std. und jeglicher Ackerbau muss hinterfragt werden.
          Mir war durchaus bewusst das dort Einfluss genommen wird, habe aber das Ausmaß nicht für möglich gehalten

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      • Martin Haase sagt

        Der Gedanke ist sehr abwegig.
        In Deutschland ist den meisten Menschen nur der Preis der Lebensmittel wichtig.
        Kaum jemand ist bereit einen weit höheren Preis für Lebensmittel zu bezahlen.
        Ihr Traum würde bedeuten, dass ca. 80 % der deutschen LF dem Naturschutz (Brache) zur Verfügung stehen würde. Eine Versorgungssicherheit mit Lebensmittel würde es nicht mehr geben.

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        • Reinhard Seevers sagt

          “Eine Versorgungssicherheit mit Lebensmittel würde es nicht mehr geben.”

          Ist denn die Versorgungssicherheit wirklich ein gesellschaftlich und politisch ernst genommener Begriff? Ich bezweifle eben gerade das. Versorgungssicherheit ist eben KEIN Thema, wobei die Mehrheit mitgeht. Bananen, Avocados und Kaffee kommen eh nicht aus deutschen Landen und deutsche Kûche ist bää….und damit auch die hier erzeugten bösen Produkte wie Schweinefleisch, Zucker oder Kartoffeln. Ich glaube nicht an die gewollte Versorgungssicherheit……sie kommt gleich nach dem Selbstversorgungsgrad, der inzwischen ja als Überversorgung wahrgenommen und publiziert wird.

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        • sonnenblume sagt

          Das ist nicht mein Traum. Es sollte in den Raum gestellt werden, ob unsere Regierenden so denken, wenn gleich sie etwas anderes sagen! Ob der Bürger den Sinn von Versorgungssicherheit kennt kann man durchaus bezweifeln. Aber wie war das mit den Panikkäufen während Corona? Alles schon wieder vergessen!
          Wer Versorgungssicherheit wirklich ernst nimmt, der würde in manchen Dingen andere Prioritäten setzen.

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          • Reinhard Seevers sagt

            Schlangestehen oder Hamsterkäufe sind in meinen Augen kein Indiz für das Erkennen einer Versorgungsnotwendigkeit.
            Die DDR konnte sich auch weitgehend selbst versorgen, man musste sich lediglich in Geduld üben und Ansprüche zurückschrauben….ist aber nicht verhungert.
            Ich glaube, es ist eine weit verbreitete Annahme, dass immer alles und in großer Menge zur Verfügung steht. Diese Gesellschaft kennt keinen Mangel…..das könnte ihr grundsätzliches Problem werden.

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            • Peter sagt

              Die DDR war für die BRD genau das, was jetzt China und Mercoseur für Europa ist. Selbst gerade so über die Runden kommen und die mit der härteren Währung leben wie gewohnt weiter. Die letztliche “Umverteilung” wird immer in den selben Geldspeichern landen.

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  12. Martin Haase sagt

    Nach diesen Berichten aus Brasilien sollte jedem klar sein, daß Mercosur verhindert werden muss. Mit den Produktionskosten der Brasilianer kann Europa nicht mithalten.

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  13. Hans Coenen sagt

    Sehr informativ. Beim ٪ der Baumwollproduktion gibt es einen Zahlendreher: 13% von Brasiluen, 3% der Welt wären logisch??

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  14. Jan B. sagt

    Sehr interessant. Nur eine kurze Verständnisfrage: bin ich auf dem falschen Dampfer oder können die Prozentzahlen mit 3& 13% nicht passen? Müssten die echt anders herum sein?

  15. Frikadellen piet 45 sagt

    guten Morgen wieder mal sehr schöne Eindrücke von Brasilien und wieder mal schön zu lesen dass es Gentechnik gibt die sind von eingesetzt wird und gut für unsere Ernährung ist leider haben das bei uns noch nicht viele Politiker Begriffen oder gar keine

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  16. Artur Friedenreich sagt

    Danke für die lehrreichen Schilderungen, auch und gerade für nicht Landwirte.
    Viel Spaß morgen in meiner Stadt Rio und passt bitte auf, dass euch nicht die Handys geklaut werden und auch sonst nix passiert. Rio ist nicht Mato Grosso…
    Aber auf jeden Fall eine Reise wert, muss man gesehen haben!

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    • Eric sagt

      Vielen dank für die sehr interessanten Eindrücke!
      Kommende Woche beginnt der offizielle Carnaval in Rio, normalerweise geht es da jetzt schon drunter und drüber, das dürfte nochmal ganz andere Eindrücke bieten.
      Weiterhin eine gute Reise!

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