Bauer Willi
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Brasilien Tag 4

Mato Grosso ist groß. Genau genommen ist es rund 90 Mio Hektar groß, Deutschland rund 35 Mio Hektar. Und Mato Grosso ist nur eines von 27 Bundesländern in Brasilien. Da wird man schon etwas demütig.

Vom Hotel sind wir zu einem Betrieb in der Nähe gefahren, das waren aber etwas mehr als zwei Stunden, 25 km davon unbefestigte Piste, auf der man kaum schneller als 30 km fahren kann. Die Ware wird auf dem Feld auf LKW´s umgeladen, Anhänger hat hier keiner.

Wir waren bei Familie Scharf zu Besuch, deren Vorfahren aus Deutschland stammen. Den Betrieb von 1.500 ha bewirtschaftet die Familie erst seit 10 Jahren. Die Besonderheit ist die Fruchtfolge: nach zwei Jahren Beweidung durch Fleischrinder folgt Mais in Direktsaat, danach zweimal Soja und dann wieder Beweidung. Die Fleischrinder gehen in einen Schlachthof in 60 km Entfernung von der Farm. 50% des Rindfleisches in Brasilien wird nach China exportiert. Vom Schlachthof bis zum Hafen Santos sind es 2.300 km. Der Abtransport von Soja und Mais geschieht auch ausschließlich über die Strasse. Aktuell bauen die Chinesen eine Eisenbahnstruktur auf.

Sämtliche Kulturen werden in Direktsaat angebaut. Siehe Foto. Eine Sämaschine kann bis zu 50 ha am Tag säen. Aktuell wird Mais nach Soja bestellt, Die Aussaat geschieht unmittelbar nach der Ernte. In den Regionen in denen wir bisher unterwegs waren, gibt es keinerlei Bodenbearbeitung sondern ausschließlich Direktsaat. Die Reihenweite von 45 cm ist auf Soja abgestimmt, der Mais wird mit der gleichen Maschine gesät. Die Tagesleistung ist rund 45 ha, der Betrieb hat zwei Sämaschinen, kann also am Tag 90 ha säen, wenn man die Nacht durcharbeitet natürlich noch mehr. Zwei Mähdrescher machen die Ernte. Der Maschinenpark ist für einen Betrieb dieser Größe klein. Wir werden aber im Verlaufe der Fahrt noch andere Betriebsgrößen kennenlernen.

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49 Kommentare

  1. Klotzka sagt

    Wir erleben doch gerade was uns die Abhängigkeit von Russland gebracht hat,wollt ihr den gleichen Fehler zweimal machen?

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  2. Smarti sagt

    Der Betrieb der Familie Scharf, 1500 ha, 2 Jahre Ackergras, dann einmal Mais und zweimal Soja immer im Wechsel ist ja bemerkenswert. Einmal bei der Leistung der Sämaschinen – das müssen ja alles Top-Äcker sein und dann ist da das ganze Farmland so gut wie ohne Steine ? Habe gelesen, dass sich Ackerflächen mit Steinen nicht zur Sojaernte eignen. Dann wächst sofort nach Mais zwei mal Soja – dass dies passt mit den Temperaturen und dem Regen ist ja bemerkenswert… sind da einige “Ruhemonate” ( zu kalt/ zu trocken für Soja ) dazwischen oder heisst es dort ernten und gleich wieder säen ?
    Dann wachsen auf diesen Flächen riesige Mengen an Nahrung heran, von Sojaöl und Sojaeiweiss zu Kohlehydraten im Mais und auf den Zwischenfruchtflächen noch Fleisch und Dünger. Im Vergleich dazu sind die meisten Betriebe, die ich kenne “Spielzeug”.
    Wenn Ihr von Deutschland und den Protesten den Landwirten sprecht… merkt man dann auch so eine Unzufriedenheit, dass man als Landwirt in Brasilien zu wenig verdient und zu viele Dummgesetzte und Dummvorschriften hat, oder ist es dort noch besser ? Gerade die Familie Scharf hat ja einen Vergleich.

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  3. Uwe Julius sagt

    Hoch interessant! Gute Reise weiterhin! Und von einem nicht Landwirt: liebe Bauern, Ihr seid die Guten! Ihr macht uns satt. Vielen Dank! Vielen lieben Dank!

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  4. Marian E. Finger sagt

    Das heißt also, die Düngung durch die Rinder reicht für drei Jahre Intensiv-Ackerbau. Klingt doch gut. Warum machen wir das hier im europäischen Raum nicht so? Hier werden Ackerflächen doch kaum regelmäßig in Grasland umgewandelt und umgekehrt.

    Da wären doch alle zufrieden. Der Landwirt, weil er gut verdient. Cem Özdemir, weil kein Kunstdünger aufs Feld kommt. Und ich, weil ich weiterhin Steak auf dem Teller habe.

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    • Smarti sagt

      Die Soja-Pflanze ist gerade etwas im kommen, ist aber ein Mimöslein was tiefe Temperaturen und zu wenig/ zu viel Regen angeht. Ein Starkregen zum falschen Zeitpunkt und der Sojaacker hat Totalausfall – bei Mais ist da noch nicht mal ein Kratzer zu sehen.
      So wie ich Willi verstanden habe, gibt es in ganz Brasilien kaum einen Pflug. Also wird nach Ackergras G. gebraucht, nochmals nach Mais ebenfalls G vor der Saat von Soja. Nur zwischen Soja und Soja vielleicht nicht – ausser der Boden hätte eine Ruhepause wegen dem Klima – dann muss auch da wieder Beikraut mit G. abgetötet werden. Mais und Soja sind wohl auch gentechnisch verändert, so dass es leichter ist, Pflanzenschutzmittel auszubringen.
      Spätestens hier sind die Deutschen vor Angst ausgestorben.
      Vielleicht ist es in Brasilien leichter, Nahrung so effektiv anzubauen, weil jeder in seinem Umfeld noch jemanden kennt, dessen Eltern zeitweise zu wenig Nahrung hatten, weil sie sich diese nicht leisten konnten. Hier in Europa kommt es einem Landwirt manchmal so vor, als wäre die Erzeugung von Nahrung “böse” und muss deshalb bis zum Erbrechen runterreglementiert werden.
      So oder so werden die Demonstrationen europaweit etwas bewirken.

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      • Altmann Sebastian sagt

        Wenn jemand nicht weiß was “G” ist, ja Glyphosat natürlich. Ich hab damit kein Problem.

  5. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Mit Brasilien verbinde ich FAVELAS,die wir hier noch nicht haben,aber sicher in nächster Zukunft bekommen werden.

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    • Bauer Willi sagt

      Wir haben bisher noch keine Favelas gesehen. Eines der üblichen Falschmeldungen. Klar, in Rio vielleicht, aber hier in Mato Grosso ist Business angesagt.

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      • Burkhard Schön sagt

        Es ist ja auch kein Reiseziel eine Sozialstudie zu erstellen und das Bereisen von Armen Vierteln am besten noch mit Reisebus wäre ja auch entwürdigend. Ich wünsche weiterhin spannende interessante Eindrücke.

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      • Andreas sagt

        Claro, weil ja die Kinder der Kleinbauern I d.R. in die ( z.T. auch Favelas der ) Megastaedte abwandeln.

    • evo.... sagt

      Ich denke dass der Soja-Anbau selbst das Problem ist. Wenn Soja dumm und dement macht sind auch Auswirkungen auf das Immunsystem zu erwarten.

      https://www.youtube.com/watch?v=E5Qe1DlWzIY

      Setz Dich doch gegen den Soja-Anbau bei Bio ein und gegen den Verkauf von Soja-Produkten in Bioläden ein.

      Für Bio gilt aber auch einer meiner Lieblingssprüche ganz besonders:

      “Jeder Mensch phantasiert sich seine Welt zusammen!”

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    • Bauer Willi sagt

      Genau deshalb sind wir in Brasilien: um uns aus erster Hand zu informieren. Wir müssen feststellen, dass die Realität anders ist als in den Medien geschildert.

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      • Dorftrottel sagt

        “Wir müssen feststellen, dass die Realität anders ist als in den Medien geschildert.”

        Danke für den Lacher am Abend.
        Das geht einem alten Ossi wie mir schon seit Jahren so.
        Ihnen und Ihren Mitstreitern weiterhin eine schöne und interessante Reise, eine sichere Heimkehr und uns allen hier anschließend informative Beiträge.

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    • Sonja Dengler sagt

      das sind keine randomisierten Studien (” das sollte man mindestens erwarten, wenn der Vorwurf von Krebserkrankungen, noch dazu bei Kindern, erhoben wird.
      Bin ich sehr skeptisch, wenn da solche Worthülsen stehen wie: “vermehrt” “eingereicht” usw. SEHR dünn…

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  6. Frank sagt

    Aktuell bauen die Chinesen eine Eisenbahnstruktur auf.

    Von uns gäbe es ein paar Kröten, verbunden mit Belehrungen über die Schädlichkeit des Fleischverzehrs.

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    • Bauer Willi sagt

      Genau das denken die Brasilianer, wenn sie Deutschland hören: Belehrungen, aber keine Unterstützung. Wenn überhaupt jemand Deutschland kennt. Das einzige, worauf wir hier angesprochen werden, sind die Bauernproteste.
      Die Namen unserer Politiker kennt hier niemand. Es weiß auch niemand, wer unser Kanzler ist. Gut, das weiß ich auch nicht…

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    • Andreas sagt

      die Britten hatten in Indian auch Eisenbahnen gebaut. Damit lässt sich effektiv abtransportieren. Fragt sich immer zu welchen Konditionen so eine Investition gemacht wird.

  7. Heute habt ihr ja wieder besondere Std.vor Euch ich hoffe es bleiben alle Gesund den Viele sind am Husten kommt wohl von der Klimaanlage.Einen schönen und erfolgreichen Tag der Ganzen Truppe.

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  8. Christian Bothe sagt

    Toll, was B.Willi berichtet! Bei solchen ha LN geht mir das Herz auf! Solche Größenordnungen von Pflanzenbau und Tierproduktion sind zukunftsweisend! Bin ja als Ossi so etwas im kleinerem Maßstab gewöhnt ( habe ja selbst mal 1200 ha LN mit 1500 GV als VEG Chef bewirtschaftet). Später dann 18000 Mastbullen vor Ort erlebt, dazu 4000ha und mehr im AIV etc.).
    Weiter so B.Willi vor Ort berichten, ist interessant und lehrreich mal direkt von dort Eindrücke zu erhalten!

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  9. Dominik Paßmann sagt

    Ob man‘s glauben will oder nicht; die Hälfte der brasilianischen Landwirte (bzw. Südamerika‘s) ist uns Europäern ackerbaulich 20 – 30 voraus. Solange fährt man dort schon Direktsaatsysteme, mit denen Erosionen jeglicher Art reduziert werden konnten, gleiches gilt für den Einsatz von PSM und Düngemitteln. Außerdem ist es in manchen Regionen Südamerika‘s genauso trocken wie in Sachsen-Anhalt oder Brandenburg.
    Gilt aber eben nur für die Hälfte der Landwirte dort; die andere Hälfte (und die bewirtschaften immer noch wesentlich mehr Fläche als DE und F zusammen) bedienen sich immer noch der „alten“ Verfahren wie Stoppelbrand, Baggern, Pflügen und Düngemitteleinsatz jenseits von gut und böse.

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    • ReinerStoff sagt

      Interessant, erklären Sie doch einmal den rückständigen Landwirten wie Ihrer Meinung nach, die Saattechnik mit PSM und Düngemitteleinsatz zusammen hängen, wenn es doch einen Unterschied “jenseits von gut und böse” gibt?!

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  10. Frikadellen piet 45 sagt

    guten Morgen das sind ja tolle Eindrücke was sie noch nicht mit dem Handy gefunden habe die Fotos aber ich suche nachher mal auf den Laptop hast du auch schon mal ganz ganz viele Ford auf einmal gesehen und davon ein Bild gemacht das würde mich interessieren weiterhin wünsche ich euch sehr viel tolle Erfahrung und tolle Erlebnisse und ich freue mich weiterhin über die Berichte

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  11. Thomas Bröcker sagt

    Ich glaube, dass die Eindrücke ein weiterer Schritt sind, die Welt zu verstehen. Das Bild, das wir hier sonst geliefert bekommen ist von der Angst- und Mitleidsindustrie bestimmt (Greenpiss und andere Umwelt- und “Entwicklungshilfe” Organisationen.) Es ist ein einseitiger Blick aus der “alten Welt” der ehemaligen Kolonialisten.
    Es scheint ja auch ein Ziel der Zusammenarbeit von Mercosur-Staaten zu sein, das Potential aus Südamerika zur Ernährungssicherung in China und Asien zu gewährleisten. Europa ist da eher ein Nebenschauplatz – zumal Europa sich ohne Probleme allein ernähren kann.
    Es sind schlussendlich immer Zahlen, die man braucht um Zusammenhänge und Dimensionen besser einordnen zu können. Ich hoffe, ihr bringt genug Zahlen für eine intensive Diskussion mit. Danke für die bisherigen Einblicke.

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    • Sandra Kuhn sagt

      Es ist immer ein subjektives Bild, das vermittelt wird, wenn man geführt unterwegs ist. Und nein, Südamerika trägt nicht aus menschenfreundlichkeit zur Ernährung in China bei. Die Chinesen stecken dort durchaus mit Hintergedanken Geld hinein. Das Problem des Landgrabbings gab’s vor vielen vielen Jahren schon in Afrika. Viele Länder dort haben das Geld für Infrastruktur aus China dankend angenommen. Und einige haben mittlerweile gemerkt, worauf sie sich eingelassen haben. Diese Erkenntnis wird auch irgendwann in Brasilien kommen. Spätestens dann, wenn die Farmen von Chinesen betrieben werden. Ja, wir können uns ohne die Chinesen ernähren. Und der Rest? Während Corona wurde die massive Abhängigkeit von China sicht- und spürbar. Und jetzt? Schon alles wieder vergessen. Alles wieder “viiiel zu teuer!”. Vor kurzem waren 3 Experten bei Lanz. Als Lanz dann zur Schlussrunde meinte, dass sich Europa ja gar keine Sorgen machen müsse, weil wir für China so ein grosser Absatzmarkt seien, haben alle drei gelacht. Europa geht China am Allerwertesten vorbei. Die haben andere Märkte, eben zB Brasilien und andere südamerikanische Staaten. Dazu noch ganz Afrika, das Europa längst verloren hat. Ich bin sicher, die Brasilianer werden irgendwann den Moment verfluchen, in dem sie die Chinesen geholt haben. Dann ist es aber vermutlich zu spät.

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      • Frank sagt

        Und was hat “der Westen” uneigennützig für Brasilien getan? Je nach Stimmung auf die Präsidenten geschimpft oder gehofft (gern sogar zeitversetzt beides bzgl. der gleichen Person)
        Was hat unsere Entwicklungshilfe in der Welt bewirkt? Was hilft Klohäuschen-Planung a la Baerbock?

        Die Chinesen betreiben ihre Politik ganz klar nutzenorientriert, Nutzen primär für sich und ja: Wer zahlt schafft an. Das bedingt aber auch, dass die von ihnen bezahlten Projekt laufen müssen, um Nutzen daraus zu ziehen. Unser Geld wird dagegen bei Ausreichung gleich abgeschrieben und materielles Erfolgsdenken ist verpönt.

        Was das Landgrabbing angeht, das besorgen die Brasilianer größtenteils untereinander. Vielleicht besucht Bauer Willi ja auch noch einen von den Großen, denen das zugerechnet wird.
        z.B. Agronegócio Estrondo (3.000 nicht Hektar sondern km ²)

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        • Heinrich sagt

          Das was die Chinesen heute machen, ist moderner Kolonialismus. Ohne militärische Gewalt, mit Einverständnis der Kolonisierten, vorallem Nachhaltig.

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