Bauer Willi
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Brasilien Tag 1

Sind pünktlich um 6 Uhr Ortszeit nach 12 Stunden Flug in Sao Paulo gelandet. Daniel stand am Ausgang, nach einer Stunde alle im Bus und los gehts. Sao Paulo hat 15 Mio. Einwohner und da dauert es eine Weile, bis man aus der Stadt raus ist.

Erste Station: eine Genossenschaft mit 11.000 Mitgliedern!! Wenn ich es richtig erinnere, bauen die Mitglieder dieser Genossenschaft rund 1.000.000 ha Soja an! Es entsteht eine längere Diskussion um die Zahlungsmodalitäten. Viele Landwirte bezahlen den Bezug von Betriebsmitteln mit dem Verkauf von Erntegütern. Also bargeldlos. Ganz verstanden habe ich es ehrlicherweise nicht.

Weiterfahrt zu einem Betrieb, der 3.000 ha Zuckerrohr anbaut. Wir lassen uns über die gesamte Produktion von Zuckerrohr aufklären. Nach der Pflanzung kann das Zuckerrohr rund 5 bis 7 mal geerntet werden. Danach folgt Soja und Mais. Der Maschinenpark ist recht übersichtlich, den größten Teil nehmen Vollernter (Preis 250.000 €) und LKW´s ein. Zuckerrohr wird von April bis November geerntet. (Alle Angaben nur in Kurzform, sonst würde es zu lang)

Mittagessen in einem “Kilo-Restaurant”. Das heißt so, weil man das Essen danach bezahlt, was man auf dem Teller hat, nicht nach dem was der Gast wiegt…

Am Nachmittag eine hochinteressante Führung durch das führende Institut für Zuckerrohrforschung CTC. Es ist privat, wird von der Zuckerrohrindustrie finanziert und ist super ausgestattet. Geforscht wird an der Bekämpfung diverser Insekten (Motten und deren Larven) und an einem weiteren Ertragsanstieg. Gentechnik spielt dabei eine große Rolle. Auf die Frage, wie “die Gesellschaft” darauf reagiert ein gewisses Unverständnis für die Frage. Das sagt eigentlich alles. Nahezu der gesamte Anbau von Soja und Mais in Brasilien wird mit gentechnisch veränderten Pflanzen praktiziert. Erste Resistenzen gegen Glyphosat treten auf. Das war auch zu erwarten.

Sitze jetzt im Hotel “Royal Tulip” in einem kleineren Städtchen, dass etwa 1950 von Holländern besiedelt wurde.

Weil die Nacht unruhig war, sind wir jetzt alle richtig müde und freuen uns auf ein Bett. Vorher noch Abendessen um 19.30 Uhr Ortszeit, also 23:30 Uhr in der Heimat.

Wenn das Internet mitspielt, morgen mehr. Sicher ist das nicht….

(Aufrufe 2.410 gesamt, 1 heute)

18 Kommentare

  1. Frank sagt

    “Viele Landwirte bezahlen den Bezug von Betriebsmitteln mit dem Verkauf von Erntegütern. Also bargeldlos. Ganz verstanden habe ich es ehrlicherweise nicht.”

    Da versteh ich nicht so ganz, was daran unverständlich ist. Bargeldlos heißt ja nicht, dass die Sachebene 1:1 abgewickelt wird (X Tonnen Dünger gegen Y Tonnen Soja, wobei auch das geht) und keine Clearingstelle Konten führt.

    • Thomas Bröcker sagt

      Das ist eher ein Zeichen davon, dass die Landwirte (die das so machen) nicht das Geld haben, die Produktion zu bezahlen und das vom Handel/Großhändler/von der Genossenschaft vorfinanziert wird. Es ist in den USA oft eine Art der Vorfinanzierung, die sich “eingespielt” hat, wenn ein par schlechte Jahre davor lagen. Meist ein Zeichen davon, dass der Landwirt als “Restgeldempfängen” oft der Angesch…ene” ist. In der Regel sind diese Vorfinanzierungen mit saftigen Zinsaufschlägen verbunden. “Bargeldlos ist das sowieso oder rennt dort oder hier noch jemand mit Geldbündeln zum Landhändler ????

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      • Arnold Krämer sagt

        Das gibt es auch in D, dass Geld und Ware nicht getrennt werden. In der Regel bedeutet das Abhängigkeit. Das ist insbesondere in der Tierhaltung problematisch, weil neben dem meist höheren Zinsaufschlag durch den Handel auch noch schlechtere Tierqualitäten geliefert werden (können). Und das Ausgangsmaterial wie Ferkel, Kalb, Küken (weist immer eine gewisse Variabilität auf) macht grundsätzlich immer erfahrungsgemäßig mindestens “die halbe Miete” aus. Der Rest ist dann Futter, Stall, Management etc.

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  2. Burkhard Schön sagt

    Als ich in 1980 Jahren da mal für ne längere Zeit war, herrschte Hyperinflation von daher wahrscheinlich noch die Bezahlung mit Ernteprodukten.

    • Burkhard Schön sagt

      Noch mal kurz zur Erklärung es war zu der Zeit ein Risiko Geld auf der Bank zu haben, bei einer Inflation von teilweise 20 % pro Monat. Deshalb wurde alles in Sacos gerechnet. Wenn man deutsches Bargeld oder auch Dollars hatte war man der King. In den Zeitung stand damals immer der offizielle Wechselkurs und der Schwarzmarktkurs (cambio parallelo (o.ä.)).

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Nach dem Krieg war das genau so.

        1947 bauten meine Eltern einen neuen Stall

        Handwerker kamen nur wenn es was zu Futtern gab.
        Baumaterial nur gegen Speck , oder Schnaps.

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  3. Reinhold Bonfig sagt

    Diese Art der bargeldlosen Zahlung war nach meiner Beobachtung bis in die 1970er Jahre durchaus üblich. Lediglich die Überschüsse wurden ausgezahlt. Die Preise für Betriebsmittel und Erntegut waren im Vorfeld nicht transparent. Die Bauern haben geliefert und geholt, das Raiffeisen-Lagerhaus hat abgerechnet. Das störte mich als Redakteur der dlz Ende der 1970er dermaßen, dass ich die Serie Preisspiegel und “Ich habe gekauft” initiiert und fortgeführt habe, solange ich bei der dlz beschäftigt war. Diese Serien standen immer in der Kritik des Handels. Bei den Hersteller war die Meinung zwiespältig. Ein Hersteller von Traktoren, Hermann Fendt, sah das positiv und bemerkte: “Jetzt weiß ich, was die Baywa an meinen Traktoren verdient”. Leider meldeten nur die Landwirte mit kleineren Flächen die Preise, wie ich bei einer Auswertung feststellen musste. Als ich einen Landwirt, der in seinem Dorf als “Leit-Landwirt” aufgrund seiner Größe galt, darauf ansprach, warum er nicht seine Preise melde, sagt er mir: “Warum soll ich sie melden. Ich habe sowieso bessere Preise als die gemeldeten”. Ich meinte, eben drum. Dennoch meldete er die Preise nicht, trotz guten Kontakts zu mir. Soviel zur Solidarität unter Landwirten, vor allem denen, die schon mehr hatten als andere und dadurch Vorteile beim Kauf von Betriebsmitteln. Mich interessierte, wie das in Brasilien sich darstellt. Sind dort im Vorfeld die Preise für Betriebsmittel und Erntegut bekannt? Oder besteht hier ein “Grundvertrauen” in die Lieferanten und Abnehmer oder ist es Abhängigkeit. Wahrscheinlich besichtigen Sie mehr große Vorzeigebetriebe, die solche Probleme nicht haben. Mich interessierte, wie die Masse der Kleinbauern lebt, arbeitet und was sie verdienen, außerdem mehr über die Struktur der Landwirtschaft in Brasilien. Ich freute mich, wenn ich noch mehr Interessantes von Ihrer Reise erfahren dürfte.

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    • Arnold Krämer sagt

      EIN Problem des Agrarsektors ist die große Transparenz, die auch dazu führt, a) dass Gewinne/Vorteile zwischen Landwirten schnell wegkonkurriert werden b) der Handel/ die aufnehmende Hand auch einen guten Überblick über die Kostenstrruktur und -höhe der Landwirte hat und u.a. auch deshalb alle Subventionen schnell einpreist.

      Den Vorteil der enormen Transparenz im Agrarsektor haben Handel und Verbraucher, weniger die Landwirte.

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      • Reinhold S. Bonfig sagt

        Wie recht Sie haben! Einkaufsgemeinschaften wären eine Lösung. Sie werden jedoch unterlaufen, weil Landwirte es nicht gewohnt sind, konsequent über eine solche zu kaufen. Außerdem fordert es eine vorausschauende Planung. Ich erinnere mich, dass ein Raiffeisen-Lagerhaus auf eine Einkaufsgemeinschaft so reagiert hat: Preis der Einkaufsgemeinschaft plus 5 % und Du kannst jederzeit das Betriebsmittel in jeder Menge abholen. Sorry, Willi, das gehört hier nicht zu Ihren Brasilien-Berichten. Ich wollte nur auf Herrn Krämer antworten.

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        • Arnold Krämer sagt

          Die Einkaufsgemeinschaften z.B. für Futtermittel müssen dann ausschreiben und regelmäßig Qualitätskontrollen durchführen. Im Nordwesten durchaus geläufig.

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  4. Johannes K. sagt

    Eine Frage hätte ich auch. Hier wird immer so getan, als ob der Wald nur des Sojas wegen fällt. Wie sieht es mit einer Fruchtfolge dort aus? Hier kann ich ja auch nicht Bohnen nach Bohnen anbauen.

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    • Bauer Willi sagt

      Wir sind aktuell in der Region Sao Paulo. Morgen geht es nach Matto Grosso. In beiden Regionen gibt es so gut wie keinen Regenwald.
      Das Abbrennen ist verboten! Die Kontrolle schwierig.
      Die Frage gebe ich aber weiter und schreibe auf jeden Fall noch was dazu

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  5. Manuela Held sagt

    Toller Reisebericht, so haben die daheimgebliebenen auch was von der Reise 😀👍

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  6. Arnold Krämer sagt

    Willi, frag bitte im Laufe der Reise (da wo es passt) nach, wo Braslilianer D noch als vorbildlich wahrnehmen.
    Das ist ja die typische politische Argumentation hier, wenn es um Sonderwege bei Energie, Klima etc. geht, weil man zugibt, daß der Anteil D an den Problemen dieser Welt zwar gering ist, aber hofft, durch vorbildliches politisches Handeln Breitenwirkung weltweit entfalten zu können.

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