Bauer Willi
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Böses Soja!?

In politischen Diskussionen wird häufig der Begriff der nationalen Eiweißstrategie erwähnt. Ich habe mich deshalb wieder einmal mit Soja beschäftigt und ein paar Zahlen zusammengetragen, die mir interessant erschienen.

Futtermittel

2010/11 wurden in der EU rund 247 Mio. t Futtermittel eingesetzt. Den mit Abstand größten Anteil stellt dabei mit 68% Getreide dar, das in der Regel in Europa erzeugt wurde. Gleiches gilt auch für andere Produkte wie Rübenschnitzel, Weizenkleie, Raps- oder Sonnenblumenschrot. Lediglich Sojaschrot wurde importiert. Dessen Anteil an allen Futtermitteln betrug 12,6%.

Eiweiß

Im Gegensatz zu Futtergetreide, das meist nur einen Proteingehalt von 11,5% hat, haben Sojabohnen mit 36% einen sehr hohen Proteingehalt. Heimische Leguminosen liegen mit rund 22% darunter. Somit trägt Sojaschrot mit 37% zur europäischen Eiweißversorgung bei.

Lysin

Lysin ist eine essentielle Aminosäure, die vom Schwein oder Huhn nicht selbst generiert werden kann und in Futterrationen oft den knappen Faktor darstellt. Der Bedarf ist in den letzten Jahren nahezu konstant. Rechnet man mit den Standardwerten für Lysin so trägt Getreide mit rund 32%, Soja (reich an Lysin) jedoch zu mehr als 50% des europäischen Bedarfs bei. Heimische Leguminosen spielen mit etwas über 2% keine wesentliche Rolle.

Können wir in Europa genügend eigenes Eiweiß produzieren?

Die unterschiedlichen Eiweißgehalte der verschiedenen Kulturen zeigen die Schwierigkeit. Der Ertrag von Sojabohnen in Brasilien und Erbsen in Europa liegen mit +/- 3 t/ha in etwa auf gleicher Höhe. Somit werden in Brasilien 1,08 t/ha Eiweiß erzeugt, in Europa mit Erbsen aber lediglich 0,66 t/ha. Folglich müssten in Europa 1,6 ha Erbsen angebaut werden, um einen Hektar Sojabohnen in Brasilien zu ersetzen. Eine Ausdehnung europäischer Leguminosen verdrängt aber andere Kulturen. Dies wird in der Regel Weizen sein, der in Europa einen rund doppelt so hohen Ertrag als in Südamerika erzielt. Somit müssten andere Regionen rund die doppelte Ackerfläche mit Weizen bestellen, um den Ausfall von europäischen Weizen zu ersetzen. Dieser Weizen würde auch dort bisherige Kulturen verdrängen.

Diese Daten machen deutlich, dass es Sinn macht, die Kulturen dort anzubauen, wo das Ertragspotential optimal ausgeschöpft wird. Der Verzicht auf die bisherige Spezialisierung führt zu einer weniger effizienten Nutzung der knappen Ressource an Ackerland weltweit. Europa ist eine Gunstregion für Getreide und Raps, Nord- und Südamerika für Soja und Mais. Diskussionen um nationale oder auch europäische Eiweißstrategien erwecken Erwartungen in Richtung Selbstversorgung, die nicht erfüllt werden können und macht die Flächennutzung ineffizienter. Dies kann sich die Welt angesichts wachsender Bevölkerung und sich ändernder Ernährungsgewohnheiten wohl kaum leisten.

Statt populistischer Aussagen würde eine nüchterne Betrachtung der Fakten der Diskussion um den Import von Soja sehr gut tun. Eine gewisse Grundkenntnis pflanzenbaulicher Gegebenheiten in Europa und Übersee wäre auch nicht schädlich.

Euer Bauer Willi

 

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85 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Wenn wir uns über Gensoja hier streiten , sollten wir erst einmal feststellen wie es dazu kam.
    Hier ein Versuch. Korrektur erwünscht ! In Europa haben wir ein Sortenschutzgesetz. Der
    Züchter ist also geschützt mit seiner Sorte vor dem Gesetz. Wenn einLandwirt in Deutschland von seiner z. B. Weizenernte dann wieder Saatgut herstellt , muß er über die
    Saatguttreuhandanstalt die sogenannte Nachbaugebühr entrichten. Diese erhält dann der
    Weizenzüchter . Damit hat er dann Geld für weitere Züchtungsarbeit. Das ist aber nur hier so. In anderen Teilen der Welt gibt es kein Sortenschutzgesetz. Hier nimmt jeder das was er kostenlos kriegen kann. So kann natürlich kein Züchter leben. Deshalb ersann man die Gentechnik um über das Lizenzrecht seine Sorte wie z.B. ein Maschinenpatent schützen zulassen und zwar weltweit. Alle speziellen Eigenschaften einer z.B.Sojasorte sind
    so geschützt. Auch läßt sich das Saatgut nur einmal , also ohne Nachbau, verwenden. Dies
    ist natürlich nicht imSinne von Greenpaese und Co ! Man meint , daß die Farmer der Welt dann von Monsanto und Co. abhängig gemacht werden ! Ist das wirklich so, oder hilft
    es das Hungerproblem oder auch den chem. Pflanznschutz zu reduzieren ? Ich erinnere an
    die blind geborenen Kinder in Asien , wegen Vitaminmangel !

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  2. Bauer Willi beschreibt die Zusammenhänge sehr gut. Sojabohnen sind eine Eiweißpflanze mit Öl als Nebenprodukt (Anteil Schrot/Öl 80/20). Raps ist eine Ölpflanze mit Eiweiß als Nebenprodukt (60/40). Dennoch hat Rapsschrot in Deutschland mengenmäßig Sojaschrot in der Fütterung überholt. Eine gute Etnwicklung. Und das Pflanzenöl (egal ob Raps oder Sojaöl) kann in erster Linie als Lebensmittel und bei Bedarf und vorhandenen Mengen als Biokraftstoff verwendet werden. Beim Anbau von Leguminosen fehlt der Ölertrag komplett und der Eiweißertrag je Hektar ist geringer.

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  3. Rufer aus der Wüste sagt

    Das Sojaschrot ist doch nur ein Nebenprodukt aus der Oelgewinnung. Was wird denn mit dem Hauptprodukt, dem Sojaoel gemacht?
    Wird das nicht als erneuerbare Energie genutzt?
    Irgendwie alles schon komisch. da holzt man Waelder ab, pflanzt Bohnen anpflanzen an damit man damit dan Oel erzeugen dann das man in den Autos oder in den Kraftwerken verbrennt.

    Gegen die Fuetterung von Sojaschrot ist doch nichts einzuwenden. Das Abholzen und genmanipulieren und sich in die Abhaengigkeit von Konzernen zu begeben ist das verwerfliche dabei..

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    • Das ist doch nur ein Scheinargument dubioser Befürworter einer global-modernen Landwirtschaft. Selbstverständlich wäre der Sojaanbau ohne die Möglichkeit das „Nebenprodukt“ Extraktionsschrot teuer zu verwerten insgesamt unwirtschaftlich.

      Das Argument die Sojafütterung sei nicht die Ursache für Sojaanbau ist dämlich.

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      • Rufer aus der Wüste sagt

        Das ist eine Interessante Aussage:

        „Selbstverständlich wäre der Sojaanbau ohne die Möglichkeit das „Nebenprodukt“ Extraktionsschrot teuer zu verwerten insgesamt unwirtschaftlich.“

        Ist es das wirklich?

        Einen anderen wichtigen Punkt hat man in dieser Liste auch noch vergessen und zwar das fuettern von Essensresten und anderen Produkten aus der Gastwirtschaft oder Kantinen.
        Jahrelang hat man das gemacht und es hat niemand interessiert was dort drin ist.

        Tiermehl + die Reste aus der Gastwirtschaft. Waere interessant zu wissen wieviel Tonnen importiertes Soja man sich damit einsparen koennte. Wenn man naemlich liest was man alles so wegschmeist dann produziert man ja fast nur fuer die Muelltonnen. Man importiert genmanipuliertes Soja, fuettert damit die Viecher damit man spaeter 30 % davon in die Muelltonne schmeist.

        Und ich sag noch dazu alles politisch gewollt im Zeichen von Globalisierung.

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        • bauerhans sagt

          sojaöl wird für die ernährung von mensch und tier verwendet,weniger zur energiegewinnung.
          sojaschrot ist die günstigste eiweissquelle,dies gibt.
          essensreste landen wohl überwiegend in biogasanlagen und nicht in der schweinefütterung,weil schweinepest damit übertragen werden kann.
          tiermehl ist wohl wieder in der fütterung zugelassen.

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          • Rufer aus der Wüste sagt

            Da habe ich aber einmal etwas anderes gelesen das in Nordamerika hauptsaechlich Sojaoel als nachwachsender Rohstoff genutzt wird. In Europa dazu den Raps.
            Schau das ist schon ein Fehler Essensreste in die Biogasanlage zu kippen. Eigentlich sollte man so haushalten das man gar nichts wegschmeissen muss.
            Wieviele Gastwirtschaften hatten frueher Schweine die die Essensreste gefressen haben? Und wieviele sind da an Schweinepest erkrankt?

            Das ganze Futtersystem ist nur noch auf dieses genmanipulierte Soja aus Suedamerika ausgerichtet. Das ist das verwerfliche das ich die Ernaehrung einer Nation in die Haende geldgieriger Konzerne lege.
            Es sollte Ziel eines Landes sein sich so weit wie moeglich selbst zu ernaehren. Und alles was fehlt kann man importieren oder man muss sich ueber die Essgewohnheiten sich vielleicht wirklich Gedanken machen. Das ist doch Irsinn das man soviel Lebensmittel wegschmeist. Man koennte meinen man fuettert Schweine nur zu dem Grund damit das Soja aus Suedamerika verkauft werden kann und man nachher den Rest in die Biogasanlagen entsorgt. Und wer zahlt den ganzen Mist? Der Verbraucher. Und als Dank bekommt er Mittel die gar nicht mehr den Begriff „Lebens-Mittel“ verdienen.

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          • Rufer aus der Wüste sagt

            Sanfra Schobel:

            Was waere wenn man die Essensreste vorher kocht? Jedes Kg Gensoja das man damit einsparen kann ist es wert sich darueber Gedanken zu machen. Wenn ich den Namen „Grossbritannien“ lese dann frage ich mich gleich was dort schon wieder falsch gelaufen ist. Seit wieviel Jahren wurde Tiermehl in Deutschland eingesetzt? 80 Jahre ohne Probleme. Und nur auf die Fehler der Englaender hin wurde das gesunde, nachhaltige deutsche Tiermehl verboten und das genverseuchte Zeug aus Suedamerika importiert um den Eiweissmangel auszugleichen. Jetzt soll mir einer noch sagen das dies zufaellig passiert ist. In der Politik gibt es keine Zufaelle. Alles ist geplant.

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            • Sandra Schobel sagt

              lieber Rufer,
              vielleicht hilft dir ja folgende Anleitung weiter…
              http://www.schindluder.net/4910/schindluder-hilft-die-aluhut-bauanleitung-fuer-den-weltverschwoerungspraktiker-von-heute/

              es gab auch in D Seuchenausbrüche aufgrund von Verfütterung von Essensresten, sowas ist ja nicht nur auf GB begrenzt. Habe das als Beispiel genommen, weil ich die brennenden Kadaverberge immer noch vor Augen habe… 🙁

              Das Verbot von Tiermehl kam damals zur rechten Zeit, heute sind wir weiter, BSE ist nicht mehr existent und die EU sollte sich Gedanken darüber machen, es wenigstens wieder für Schweine und Geflügel als sort of Allesfresser freizugeben.

              Zur Verfütterung von Essensresten:
              Ich bin mir nicht sicher, ob sich das Erhitzen wirtschaftlich lohnen würde, es würde das Ganze doch ne Ecke teurer machen. Bei den derzeitigen Erlösen sehe ich das problematisch.
              Weiterer Nachteil von Essensresten ist, dass du keine definierte Nährstoffangabe machen kannst. Wenn du gute Leistungen bei Zunahme oder Milchleistung erzielen willst/musst, kannst du dich nicht auf irgendwas Undefiniertes verlassen…

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            • Andreas Schmid sagt

              Zu meinen Schulzeiten hat es geheisen, dass die Engländer und die Schweizer das Tiermehl nicht genügend abkochen. Dort ist das BSE durchgekommen. In Bayern, wo auch ein unnatürlich hoher BSE Anteil war, ist das billigere Tiermehl aus Tschechien an die Kälber verfüttert worden. Ich sehe aber bei guter Behandlung des Tiermehles kein Problem in der Verfütterung, da alle Krankheitserreger abgetötet werden. Worüber man sich streiten kann, ist, ob es moralisch gut ist, Tiere an nicht fleischfressende Tiere zu verfüttern, bzw. Rinder an Rinder zu verfüttern.

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            • bauerhans sagt

              für den einzelnen mastbetrieb wäre es zu teuer,essensreste aufzubereiten,in der biogasanlage ist das günstiger.
              wie gesagt,es ist aus seuchenhygienischen gründen verboten,essensreste zu verfüttern.

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          • Rufer aus der Wüste sagt

            bauerhans:

            Fuer mich ist das traurig wenn die Behandlung einheimischer Essensreste teurer ist als der Import von Soja aus Suedamerika. Jeder Qm der dort nicht gerodet wird fuer diesen Anbau ist ein Gewinn fuer die Bevoelkerung dort.

            Nur wie war es denn fruher? Da hat jeder Gasthof ein paar Schweine gehalten und dort wurden die Essensreste verfuettert. Was soll da schlecht dabei sein? Die Schweine wurden an Ort und Stelle geschlachtet und kamen so wieder in den Kreislauf der Gastwirtschaft und der Kreis hat sich geschlossen. Aber das schlachten wurde erschwert mit Hindernissen und Vorschriften das sich das auch nicht mehr rechnet.

            Aber heute muss alles nur noch groesser und noch groesser sein und da kann man sollche Risiken wie eben Essensreste nicht hineinkalkulieren. Also importiert man lieber das genmanipulierte Soja.
            Also mir waeren Essensreste lieber im Schweinefutter als genmanipuliertes Soja aus Suedamerika.

            Ja gute Nacht Deutschland kann ich da nur sagen.

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  4. Friedrich sagt

    Der weltweite Zuwachs an Soja kommt von der Nachfrage aus China. China hat erst 1995/96
    begonnen Soja einzuführen. Das hat sich bis heute auf rd. 80 Millionen Tonnen je Jahr gesteigert. Der Import von Soja nach Europa ist seit Jahren konstant und liegt bei rd.12/13
    Millionen Tonnen/Jahr. Die NGO`S behaupten immer , daß wir den Afrikanern das Eiweiß
    wegessen, stimmt deshalb nicht , weil in Afrika kein Soja angebaut wird. Auch die Transport-
    kosten spielen keine große Rolle. Ein Container von China nach Hamburg zu bringen kostet
    genausoviel wie ein Container von Hamburg nach Stuttgart. Das Hungerproblem kriegen wir
    nur über mehr Bildung und weltweite Zusammenarbeit hin. Wir sollten uns von den NGO`S nicht für dumm verkaufen lassen. Geht mal in deren Homepage. Da steht gleich
    auf der ersten Seite der Weg zur Spende ! Das sind Wirtschaftsunternehmen in Sachen
    Angst . Warum ist denn einer der Gründer z. B. von Greenpaese ausgetreten, weil er für
    die Gentechnik ist und nicht verstehen kann , daß man verhindert bestimmte Dinge in die Pflanzen zu bauen , um die Blindheit von Neugeborenen zu verhindern.

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    • Stadtmensch sagt

      Es mag sein, dass viele Argumente der NGO aus wissenschaftlicher und ethischer Sicht umstritten sind.
      Es gibt aber nicht immer die eine Wahrheit. Auch die Wissenschaft muss regelmäßig nach einiger Zeit frühere Irrtümer eingestehen. Bis vor kurzem glaubte ich auch, VW würde effiziente, schadstoffarme PKW entwickeln. Ohne Gegenöffentlichkeit gibt es in Zeiten, wo alle durcheinander kreischen keine konstruktive Debatte. Und dass die Debatte (sagen wir mal bzgl. Landwirtschaft)
      konstruktiv ist, würde ich mal einfach so behaupten.

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      • Sandra Schobel sagt

        Stadtmensch,
        das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun, wie du es auch, wahrscheinlich gar nicht bewusst, geschrieben hast.
        Das eine ist Wissenschaft, das kann man an Hand von Studien, Veröffentlichungen, definierte Methoden etc. nachvollziehen (es sei denn, es ist Quantenphysik ;o) ), das andere ist der Glaube.
        Wir glauben vieles oder wollen auch vieles glauben, weil es uns einfach besser in den Kram passt und wir manche eigenen Verhaltensmuster damit rechtfertigen können..

        Zu der Wissenschaft zählen die Daten, die Willi uns geliefert hat. Inhaltsstoffe kann man sehr gut und zuverlässig chemisch nachweisen und ein bisschen rechnen um das ins richtige Verhältnis zu setzen, bekommen schlaue Leute auch hin – meins wäre das nicht ;o)

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        • Stadtmensch sagt

          Also wenn ich an etwas glaube, dann an die Arithmetik. Diese „Religion“ hilft mir sehr dabei, um die Runden zu kommen.

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    • lieber „Gast“, vielen Dank für den Link, aber was wollen Sie uns damit sagen? Dass Sie Willis Artikel, der zum größten Teil von Arbeitsteilung und Spezialisierung handelt und deren VORZÜGLICHKEIT für die Welt-Volkswirtschaft nicht verstanden haben, weil Sie glauben, Europa lebe auf einer Insel und dürfe durchaus Ananas, Kaffee, Tee und Kakao importieren, aber bitte keine Produkte exportieren, die in europäischer Gunstlage produziert werden (Milch, Käse, Wurst, Fleisch?) Nehmen Sie einfach Ihre Scheuklappen ab und denken Sie global. Klima macht vor europäischen Grenzen nicht hält. Die Klimaschutzziele wären leicht zu erreichen, wenn wir die Länder entlasten, die über eine wesentlich ungünstigere Produktionsfaktorausstattung verfügen, als wir, z.B. die arabischen Länder. Dort Milchfarmen aufzubauen hat mit Ressourcen Effizienz nicht zu tun.

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      • Stadtmensch sagt

        Im Artikel steht doch nur, dass wir hier in unserer Gunstlage ein bisschen weniger Rindfleisch und Milchprodukte essen sollten und dass die Produzenten das geschätzte Optimierungspotential von 50% heben sollen. Dann bräuchten wir auch keine Soja Monokultur in anderen Ländern unterstützen, die vielen der dort lebenden Menschen ihre Lebensgrundlage raubt und Wald und Boden zerstört.
        Dort haben sie nämlich noch nicht begriffen, dass man Boden nicht wie ein Pflanzsubstrat behandeln darf. Außerdem finde ich es in Anbetracht der Erkenntnisse, die hierzulande (wissenschaftlich bestätigt) bis zum Justus Liebig zurück reichen, seltsam, dass man einer landwirtschaftlichen Produktionsweise das Wort redet, die das ganze Gegenteil einer Kreislaufwirtschaft ist. Oder verschiffen wir die Gülle zurück zu den Futtermittellieferanten?

        2+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Glauben sie eigentlich, dass wenn in Deutschland weniger Fleisch gegessen wird, dass dadurch die Welt gerettet wird?
          Kreislaufwirtschaft funktioniert nur in Selbstversorgenden Höfen. Das was wir beide an Mineralien im Essen zu uns nehmen, verschwindet in unseren Kläranlagen und dann im Verbrennungsofen.

          2+
          • Stadtmensch sagt

            Was ich glaube steht oben und das Problem mit den Kläranlagen hab ich weiter unten indirekt benannt. Natürlich will ich die Welt retten – macht ja sonst keiner.

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      • Liebe „Ina“, manche haben den Sinn des Links und den Zusammenhang verstanden, andere nicht, denen ist mit ohne viele Worte nicht zu helfen und diese grosse Mühe mir hier zu geben, wäre Perlen vor die Säue werfen…

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        • Bauer Willi sagt

          Lieber Gast, ich gehöre zu den „Auserwählten“ die Deinen Link verstanden haben. Ich überlege gerade, was passiert, wenn Europa seinen Fleischverzehr halbiert. Ist ein durchaus interessanter Denkansatz…
          Bauer Willi

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  5. Brigitta Blume sagt

    Man sollte auch nicht vergessen, daß die artgerechte Fütterung von Huhn und Schwein bei uns immer noch verboten ist und die Zugabe von Lysin und Methionin in Reinform inzwischen Standard bei den normalen Betrieben (bei Bio verboten).

    5+
    • Walter Parthon sagt

      Lysin und Methionin wird im Futterkalk zur artgerechte Fütterung von Huhn und Schwein gefüttert, und ist nicht verboten. Ohne diese Zusätze müsste noch mehr Soja verfüttert werden ohne Mangelernährung zu haben
      Verbreiten Sie doch hier nicht solche Lügen

      1+
  6. Gernot sagt

    Lieber Bauer Willi,

    danke für die sehr gute Aufklärung.
    Bitte erkläre auch auf welchen Flächen in Brasilien das Soja angebaut wird.
    Da der weltweite Bedarf an Soja ja steigt muss gerade Brasilien ja irgendwie neue Flächen für Soja erschliessen.
    Gerüchteweise wird hierzu massiv Raubbau am Regenwald also an der Lunge der Welt getrieben.
    Wäre es nicht überlegenswert, statt des erhöhten Einführen von Sojaschrotes darüber nachzudenken weniger dafür bewusster Fleisch zu konsumieren und andere wertvolle heimische Eiweißquellen (Erbsen, Bohnen, Linsen, Buchweizen) zu nutzen.
    Bevor ich jetzt wieder niederkenüppelt werde, ich rede nicht von vegetarischer oder veganer Lebensweise sondern von vermindertem Fleischkonsum.

    2+
    • Brigitta Blume sagt

      Verminderten Fleischkonsum können wir uns aus ökologischer Sicht nicht leisten: es wird jetzt schon zu 50% Kunstdünger eingesetzt.

      1+
      • Stadtmensch sagt

        Ja leider. Das haben wir nun von unserem Fortschritt. Wir schaffen es zwar, Bakteriengene in Pflanzen einzubauen aber eine vernünftige Kreislaufwirtschaft bekommen wir nicht hin.

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      • Gernot sagt

        Liegt es wirklich daran, dass wir zuwenig organischen Dünger haben, oder daran, dass wir konzentrierte Viehzucht Gebiete haben und dort den Boden überdüngen, während in Gebieten, die hauptsächlich Ackerbau betreiben, dieser Dünger fehlt?

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        • Sandra Schobel sagt

          Die Gülle wird ja schon durch die Gegend gefahren, dass sie dort landet, wo es sie sonst nicht gibt – große Ackerflächen im Osten, Bördegebiete.

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      • ja da ist es wieder: der … (vom Admin gelöscht) Spruch man könne Dünger irgendwie vermehren indem man Tiere hält. Der liebe Gott lässt kein Phosphor und Kali in Mastställe regnen, auch wenn das Frau Blume gerne indirekt behauptet.

        Was immer hinten rauskommt, wird vorne reingeschoben und dann könnte man das auch viel effektiver direkt auf den Acker bringen als über Gülle. Bei Gülle finden Ausbringverluste (in die Luft, in Gewässer, ins Grundwasser statt) und beim Entzug, nämlich Fleisch wird ein Grossteil der Mineralien nicht rückgeführt, nicht nur das was der Mensch ist, sondern Schlachtabfälle, besonders die phosphatreichen Knochen gehen zu 95% nicht zurück in den Kreislauf. Fazit: tierhaltende Landwirtschaft ist grösserer Raubbau im Vergleich zu reinem Pflanzenbau.

        1+
        • Stadtmensch sagt

          @Andreas: schimpf doch nicht gleich wieder so!
          Sämtliche Stoffwechselendprodukte, also von Nutztier und Mensch, (die ja letztendlich vom Verzehr der Feldfrüchte stammen) müssen auch wieder aufs Feld bzw. auf die Weide. Auch alle Knochen. Das System ist aber auch dann nicht geschlossen, weil wir ja alles vom Tier verarbeiten (Leder, Gelatine).
          Dann kommt noch die Vergärung in Biogasanlagen (Kohlenstoffentzug).
          Die Masse aller Nutztiere weltweit, übersteigt die Masse aller Menschen um das 10fache.

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          • „müssen“ … ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt…
            das mag vielleicht Frau Blume tun, ich bin Praktiker und schaue mir an, was passiert tatsächlich täglich in der Landwirtschaft und da wird kaum was rückgeführt… (vom Admin gelöscht)

            Die effektivste Landwirtschaft ist und bleibt jene ohne Monogastrier zur Mast. (Auf Dauergründland mit Wiederkäuern schaut es schon anders aus)

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        • bauerhans sagt

          menschenhaltung ist wesentlich schlimmer für unseren planeten als tierhaltung……

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        • Gast, natürlich lässt der liebe Gott kein Phosphor in Mastställe regnen, er hat aber die Tiere so ausgestattet, dass Sie Phytinphosphor aus Produkten, die nicht der menschlichen Ernährung zugeführt werden, besser veredeln, als der Mensch. Klar, wir könnten diesen pfl. Ressourcen auch auf chemischem Weg das Phosphor entziehen und dem Kreislauf zuführen. Das aber wäre Ressourcenverschwendung. Dann doch lieber die Veredlung über den Tierdarm

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          • Liebe „Ina“, manche haben den Phosphorkreislauf bei veganer Ernährung versus Monogastrier verstanden, andere nicht, denen ist mit ohne viele Worte nicht zu helfen und diese grosse Mühe mir hier zu geben, wäre Perlen vor die Säue werfen…

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    • Gernot sagt

      Liebe Landwirte,

      wie bitte sollen wir mit Euch diskutieren?
      Ich habe einfach eine Frage gestellt/These aufgeworfen.
      Sofort beginnt hier wieder das Vegetarier/Veganer bashing, dies obwohl ich klargestellt habe, dass es mir nicht um Vegitarismus geht.
      Es wird die Hypothese aufgestellt, wir brauchen MEHR Viehzucht um überhaupt Gemüse/Getreide anbauen zu können, und wenn solches hinterfragt wird diese Hinterfragung ins lächerliche gezogen.

      Lieber Bauer Willi,

      ich denke Sie haben es gut gemeint mit dieser Seite, aber ein Dialog, kann wird und soll hier anscheinend nicht stattfinden.
      Ich für meine Person gebe jedenfalls auf.

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      • Bauer Willi sagt

        Hallo Gernot
        ich kann (leider!) nicht 24 Stunden am PC sitzen und auf jeden Blödsinn, der hier verzapft wird, mit einer wissenschaftliche fundierten Antwort aufwarten. Allerdings kann ich auch kein Vegetarier-Bashing feststellen. Es gehört eine gehörige Portion Toleranz dazu, die Argumente der Gegenseite auszuhalten. Ich bemühe mich weiter, den Dialog offen zu halten.
        Bauer Willi

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    • Schweinebauer Piet sagt

      Ist es denn wirklich so, dass in Regionen, wo der Regenwald steht, Soja angebaut werden kann?

      So weit ich weiß hat Soja ganz andere klimatische Bedingungen. Die ganze Diskussion um Glyphosat ist auch mehr irreführend. Jetzt wurde es auch im Bier nachgewiesen, man muss aber wohl über 1000 Liter am Tag trinken. Also ich bin für Soja – Prost!

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        • Schweinebauer Piet sagt

          Ich weiß nicht, ob das so richtig ist. Der Regenwald ist mehr im Norden Brasiliens und Soja wird im Süden angebaut. In vielen Zeitungen wird auch geschrieben, dass wir unsere Tiere quälen. ….

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        • Stephan Becker sagt

          Es steht im Artikel drin, dass hauptsächlich in Mato Grosso, am südlichen Rand des Amazonasgebiets/des Regenwalds, gerodet wird:

          Der Löwenanteil der jüngsten Rodungen entfiel auf den Bundesstaat Mato Grosso im Süden des Amazonasgebiets.

          Allerdings ist der Artikel von Mai 2011, d.h. fast fünf Jahre alt. Zwischendurch oder danach gab es das sogenannte Soja-Moratorium. Der Kahlschlag ging deutlich zurück. Aber mindestens letztes Jahr hat er wieder stark zugenommen. In einem Artikel von letztem Jahr habe ich gelesen, dass geschätzt 10.000 Quadratkilometer oder 1 Mio. Hektar im Amazonasgebiet (Brasilien?) gerodet wurden.
          Die Staatspräsidentin Frau Rousseff hat letztes Jahr Obama versprochen, dass bis 2030 12 Mio. Hektar wieder aufgeforstet würden:

          Brazil aims to curb deforestation as part of climate pledge
          As part of its plan, announced during Brazilian President Dilma Rousseff’s visit to the White House, Brazil is vowing by 2030 to restore and reforest 12 million hectares — an area roughly the size of Pennsylvania.
          Quelle: Pbs.org

          Aber das sind pro Jahr „nur“ 0,8 Mio. Hektar und damit weniger als letztes Jahr vermutlich gerodet wurde.
          Aus einer Quelle bei der Weltbank weiß ich, dass der Hauptgrund für die Rodungen des Regenwaldes das Holz ist. Diese Aussage ist allerdings auch schon mindestens siebeneinhalb Jahre alt. Ansonsten wird auch noch für Rinderhaltung, Straßen, Goldminen, sonstige Bodenschätze oder Staudämme (Belo Monte – der dann, von seiner Leistung her, sechstgrößte Staudamm der Welt!) abgeholzt.

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    • Bauer Willi sagt

      Den Artikel zu heimischen Eiweissquellen findest du im Archiv. Leider finanziell absolut uninteressant. Eiweiss muss ja billig sein.

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  7. christian sagt

    konsequenterweise muss man dann auch die (über)subventionierten Biogasanlagen hinterfragen, die wertvolle Fläche für die (öko)Energieproduktion verwenden, va. in Deutschand wo ja ansonsten der Mais auch nicht so stark angebaut werden würde. Wie öko diese Strom-Wäremeerzeugng ist, ist ja auch zu hinterfragen.
    Die internationale Erzeugung nach Gunstlagen ist ja sinnvoll, aber die Transportkosten spiegeln nicht die wirklichen Kosten wieder. Würden diese wirklich eingepreist werden, dann würde die regionale Erzeugung so mancher Früchte auch etwas anders aussehen.

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    • würde man die völlig ineffektive Ackerflächenverschwendung über Agrargas halbieren und keine tierischen Produkte für den Export erzeugen bräuchten wir NULL Sojaimporte. Willi hat mir immer noch nicht geantwortet, ob es nicht sinnvoller wäre anstatt Zuckerrüben Soja hier anzubauen und stattdessen Rohrzucker zu importieren.

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      • Stadtmensch sagt

        Rohrzucker (und vielleicht auch Rübenzucker) ist aus ökologischer Sicht eher suboptimal.
        Energieeinsatz für die Zuckergewinnung. Zumindest bei Rohrzucker und seine Auswirkungen auf den Boden und die Entwaldung gibts interessante Kapitel in Radkau: Natur und Macht.
        Dieses ganze Zuckergefresse ist neumodischer Kram und hat nur Schaden angerichtet.

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        • es geht nicht um den Grundsatz Zucker ja – nein. Sondern um den direkten Vergleich heimischer Rübenzucker + Importsoja Importrohrzucker + heimisches Soja.

          Meines Wissens brauchen Zuckerüben viel Pflanzenschutz und Dünger, Zuckerrohr eher nicht. Indiz ist Kuba, wo es weder PSM noch Dünger in grossen Mengen gibt und immer noch Zuckerrohr wächst.

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          • Stadtmensch sagt

            Ja stimmt, es geht um Soja. Da sieht es so aus, als wäre der heimische Sojaanbau auf dem Vormarsch: proplanta.de/Agrar-News/Sojaanbau-Deutschland

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          • Philip sagt

            „Zuckerrohr eher nicht“
            Das stimmt nicht. Wenn man eine Pflanze die grosse Mengen Zucker enthält in einer warmen und manchmal feuchten Gegend anbaut, wird es Insekten und Pilze geben, die die Pflanze befallen.

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            • da müsste man in warmen Ländern den Chemieeinsatz von Zuckerrohr und Soja vergleichen und dabei kommt Zucker sicher besser weg, wie gesagt Cuba! Soja wird dort kaum angebaut, warum wohl?

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      • bauerhans sagt

        für rüben kann man ackerbohnen anbauen,soja muss noch züchterisch bearbeitet werden,um im norden ertrag zu machen.
        rüben sind aber wohl für biogas interessant,zur zuckerherstellung weniger,weil die fabriken durchweg niedrige preise anbieten,die sich nur bei höchsterträgen über 80to pro ha rechnen.

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      • Bauer Willi sagt

        Ich war zwei Tage unterwegs. Du kennst die Erträge von Soja in Deutschland und den kalorischen Gehalt. Du kennst auch die Erträge von Zuckerrüben (bei mit 80 t/ha * 17,5% Zuckergehalt) und damit deren kalorischen Gehalt. Welche Kulturen ist also im Vergleich sinnvoller zum Anbau? Prinzipiell können wir alle agrarischen Rohstoffe importieren, weil es irgendjemand auf der Welt immer noch billiger kann als wir. Ich werde mich aber bei Zeiten um eine angemessene Antwort bemühen, auch wenn es „Perlen vor die Säue“ geworfen bedeutet.
        Bauer Willi

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