Bauer Willi, Thies
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28. Mai 2030

Wieder ein Gastbeitrag von Thies, der in die Zukunft geschaut hat. Man merkt schon, dass er wesentlich jünger ist als ich 🙂 . Ob die Zukunft wirklich so aussehen wird? Dann sitze ich vermutlich noch mehr vor dem Computer. Aber vielleicht habe ich 2030 ja auch schon „ins Gras gebissen“…

(Was Thies nicht weiß: am 28. Mai habe ich Namenstag 🙂 )

Die Basisstation mit Solarzelle am Feldrand hat über Nacht den Akku aufgeladen. Der Roboter rollt langsam in das Feld hinein. Am Vortag hat die Boniturdrohne einige Stelle im Feld markiert: Einige Unkräuter, die verspätet gekeimt sind, Weizenpflanzen, die eine ungewöhnliche Blattfärbung zeigen, und ein großes Loch im Bestand. Die effizienteste Route, um die auffälligen Stellen im Feld zu finden, wurde bereits am Vortag berechnet.

Zuerst kommt der Roboter bei den Unkräutern an. Analyse der Blattform, der Größe, der Blattfarbe und sofort steht die Art fest. Sollte dieses Unkraut aussamen, wird es im nächsten Jahr den Ertrag mindern. Die Pflanze wird mit einem Metallbolzen in den Boden gedrückt. Hätte es sich um ein Unkraut mit starkem Wurzelsystem gehandelt, wäre ein hochwirksames Herbizid mit einer Injektionsnadel direkt in die Pflanze gespritzt worden. Seitdem der Roboter die Unkräuter bekämpft, ist der Herbizidaufwand auf dem Betrieb verschwindend gering. Die nächste Unkrautpflanze wird zwar noch zur Blüte kommen, aber vor dem Winter keine Samen mehr bilden. Sie wird den Ertrag der umstehenden Weizenpflanzen nicht mehr verringern. Das Unkraut wird vom Roboter stehen gelassen, weil es sehr attraktiv für eine Vielzahl nützlicher Insekten ist.

Der Roboter kommt an den verfärbten Weizenpflanzen an. Er analysiert Farbe und Form der Pflanze. Alle Anzeichen deuten auf einen Nährstoffmangel hin. Die Daten aus den Vorjahren belegen, dass der Nährstoff in den letzten Jahren an dieser Stelle des Feldes nur reduziert gedüngt wurde und die Daten zu den Bodeneigenschaften belegen eine verringerte Nährstoffverfügbarkeit. Allerdings würde eine Nachdüngung zu diesem späten Zeitpunkt den Ertrag der Pflanze nicht mehr absichern. Die Position im Feld wird für die nächste Saison zur Düngung vorgemerkt und das zentrale Betriebsleitungssystem des Hofes merkt die Düngermengen bereits beim Landhandel vor. Gekauft wird der Dünger automatisch bei einer günstigen Preismeldung der Börse.

Die nächste Weizenpflanze weicht in den Symptomen ab. Eine Virusinfektion der Pflanze liegt vor. Die Wetterberichte der nächsten Tage und der Bewuchs um das Feld machen einen Blattlausbefall wahrscheinlich. Damit die Blattläuse den Virus aus der infizierten Pflanze nicht weiterverbreiten, zerkleinert der Roboter die Weizenpflanze vorsorglich. Eine Pflanzenprobe zur Analyse wird vom Roboter zurückgehalten, um den Virus genauer zu bestimmen. Falls es Weizensorten am Markt gibt, die gegen diesen Virus resistent sind, werden diese im nächsten Jahr auf den benachbarten Flächen ausgesät. Das zentrale Betriebsleitungssystem merkt das Saatgut vor.

Der Roboter erreicht die letzte, markierte Position. Die Weizenpflanzen sind auf mehreren Quadratmetern stark beschädigt und niedergetrampelt. Die Spuren in der Erde werden vom Roboter als Wildschweinspuren erkannt. Sofort wird für alle Felder im Umfeld für die Nacht eine Drohne vom Hof angefordert. Sie ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet und wird in den nächsten Nächten die Felder patrouillieren. Sollte sie eine Wildschweinrotte in den Feldern erspähen, wird sie diese mit Blinklichtern und imitierten Jagdterrier-Lauten in Richtung eines Wildackers treiben.

 

Sie halten dieses Szenario für utopische Zukunftsmusik? Viele Felder in Deutschland wurden schon mit Agrar-Drohnen überflogen und noch vor dem Jahr 2020 soll der erste, vollautonome Roboter vermarktet werden, der Unkräuter in Maisfeldern mit einem Metallbolzen in den Boden drückt.

Euer Thies

(Aufrufe 900 gesamt, 1 heute)
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26 Kommentare

  1. Paulus sagt

    Was in der analogen Welt nicht umsetzbar war, ermöglicht jetzt bzw. in Zukunft die Digitalisierung. Die großen Agrar- und IT-Konzerne bilden Konsortien und führen alle verfügbaren Innovationen der unterschiedlichsten Disziplinen zusammen. Zielvorstellung der Strategieabteilungen ist die exklusive Kontrolle über eine möglichst große Anzahl der weltweiten Ackerflächen. Monsanto/Bayer, John Deere und Google (nur so als Beispiel) werden gemeinsam als Systemanbieter auftreten und mit Komplettlösungen, incl. einer eigenen Bank aufwarten. Über die Fruchtfolge und ob eine Umstellung von konventionell auf ökologisch oder umgekehrt erfolgt, entscheiden Algorithmen. Infos können am PC eingeholt werden, individuelle Eingriffe sind jedoch nicht möglich. Dokumentationen, Abrechnungen, etc., erledigt wie schon seit vielen Jahren, ein Rechenzentrum irgendwo, meinetwegen in Manila, aber immerhin stundenaktuell.
    Das Ganze wird wohl darin gipfeln, dass für die Systembereitstellung zeitlich limitierte Nutzungslizenzen vergeben werden, denen man nach der ersten kostengünstigen Fruchtfolgenperiode nicht mehr entrinnen kann. Die jährliche Verlängerung der Lizenz wird per Smartphone gebucht. Jeder „Landzurverfügungsteller“ hat einen 28 stelligen Code mit Zahlen, Groß- und Kleinbuchstaben sowie Sonderzeichen. Bei Falscheingabe erfolgt die Meldung „Das System antwortet nicht.“ Nach 3-maliger Falscheingabe wird die Kommunikation automatisch beendet. Und dann kannst du mal bei einer Hotline in Indien anrufen.
    Good evening Sir, what is your code please?
    Spinnerei oder Utopie? Mitnichten.
    Über die Frage ob der Kommunismus mehr Eigentumsrechte abgeschafft hat, als der Kapitalismus mit der Digitalisierung dazu in der Lage ist, wird in Philosophenkreisen noch diskutiert.
    Ein Nachsatz an den lieben Willi: Wir sind so ungefähr gleichaltrig. Was mir als Student (FB Maschbau) noch als Utopie erschien, war für mich so ca. 10-15 Jahre später schon uralter Adel. Insofern ahne ich als wirklich technikaffiner Mensch nichts Gutes.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Paulus, die Technik wird sich nicht aufhalten lassen. Aber es kommt darauf an, was wir daraus machen. Meiner Meinung nach ist es das alte Selbstbild von uns Bauern, wonach wir für’s Produzieren zuständig sind (und für sonst nichts), das uns in die Abhängigkeit führt. Thies malt hier auch die Produktion in der Zukunft. Dass mit Web 4.0 auch eine richtig verzahnte „Solidarische Landwirtschaft“ entstehen könnte, das wird wenig beachtet. Und die Industrie wird das entwickeln und anbieten, wo sich baldmöglichst ein „Return of Invest“ erwarten lässt.
      Wenn nichts Gutes dabei rauskommt, dann liegt es daran, dass man das Gute dabei nicht sucht, sondern weitermacht wie bisher: immer mehr, immer billiger, immer schneller.
      Hier habe ich schon mal vor einiger Zeit meine Gedanken dazu formuliert: http://www.netzlandwirt.de/was-ist-ein-moderner-landwirt/

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      • Paulus sagt

        Hallo Alois, ich habe den Artikel in deinem Blog sehr aufmerksam gelesen und gehe weitgehend mit deinen Auffassungen konform.
        Was die sogen. solidarische Landwirtschaft betrifft hege ich so meine Zweifel. Die großen Player, Industrie und LEH dürften daran wohl kaum interessiert sein. Also haken wir die schon mal ab und betrachten es als alternative Möglichkeit.
        Aber – begibt man sich mit der SoLaWi nicht von einer Galeerenbank auf die andere? Egal mit welcher Rechtsform. Mit sagen wir mal 100 Anteilseignern, habe ich gleichzeitig 100 „Anspruchsteller“ unterschiedlicher Prägung. Allein bei dem Gedanken wird mir schwindelig.
        Vielleicht kann ein Landwirt der dieses Modell praktiziert mal etwas dazu sagen.

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        • Sabine sagt

          Das kommt ganz darauf an, an wen Du die Anteile verkaufst und welche Rechte genau erworben werden. Die „Hof-oder Kuh-Aktien“, die ich bisher gesehen habe, waren eher Genussscheine, die in Naturalien ausgezahlt wurden. Dies ist, finde ich, eine gute und leider nur selten genutzte Möglichkeit Kapital zu generieren und gleichzeitig eine mittel bis langfristige Kundenbindung zu erreichen.
          Sicher muss man die Kunden auch richtig ansprechen und ihnen auch einen Mehrwert präsentieren, aber grundsätzlich sind Genussscheine stimmlos. Ich sehe hier eigentlich eher das Problemchen, dass viele Betriebsleiter sich nicht auch als Verkäufer betätigen möchten. Wenn ich aber Geld vom – mehr oder weniger dämlichen- Konsumenten haben möchte, muss ich mich halt auch son bisschen an den ranschmeißen.

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        • Martin Gork sagt

          Mit der SoLawi ist es wie im Fitnessstudio, am Anfang hat man Visionen und Motivation, nach 3 Wochen macht es dann keinen Spaß mehr.
          Eine sehr gute Geschäftsidee in Gruoßstadtnähe, denn meist verkauft man etwas, was niemals real wird, die Idee ist besser wie Biolandwirtschaft.

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          • Sabine sagt

            Es muss nicht um Solawi gehen, sondern einfach um eine Finanzierungsmöglichkeit, die nicht an Finanzdienstleister gebunden ist, die ja bekanntlich nicht schlecht von ihrem Service leben.

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  2. Friedrich sagt

    Was da beschrieben wird , geht über Landwirtschaft 4,0 hinnaus, wird aber kommen. Kann allen jüngeren Landwirten nur raten , sich mit dieser Materie zu befassen. Ohne EDV-Kenntnisse
    wird das Bauersein in Zukunft nichts. Um langsam in die Drohnentechnologie zu kommen , haben wir uns im letzten Jahr schon eine höherwertige Drohne gekauft. So kann man heute schon die Ackerflächen abfliegen und den Stand der Feldfrüchte begutachten. Auch sollten sich alle mit der GPS-Technik befassen. Wir haben das seid vier Jahren und wollen es heute nicht mehr missen.

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      • Zenzi sagt

        Im Unterschied zur Landwirtschaft kommen bei der Autoindustrie auch die Zulieferteile und Rohstoffe aus dem Ausland. Ich meine, man sollte die Produktionen im Vergleich nicht vermischen. Schätze du bist ein Landwirt der weiterhin auf Wachstum setzt?

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      • Stadtmensch sagt

        Etwas Off Topic zwar, aber als kleiner Nachtrag zum Thema „Kleiner Mann“ und linke Antworten durchaus geeignet:
        Zitat:
        „Wie Schiffe auf hoher See begegneten sich jüngst zwei Nachrichten auf dem Medien-Meer: Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten werden in Kürze mit mehr als einer Milliarde Euro Dividende aus ihrem BMW-Besitz überschüttet. Und: In brave Kameras erzählt die Arbeitsministerin Nahles von einer „verfestigten Ungleichheit bei den Vermögen“. Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besäßen mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens. Ein Tuten hallte über das Wasser. Dann fuhr das eine Schiff in diese, das andere in jene Richtung. Als hätten sie nichts miteinander zu tun.“
        http://www.rationalgalerie.de/home/der-schulz-effekt-und-der-quandt-effekt.html

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        • Paulus sagt

          Du hast etwas unterschlagen: Das eine Schiff fährt mit 30 Knoten während das andere so vor sich hindümpelt. Und nein, ich bin kein Linker.

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  3. Zenzi sagt

    Der Einsatz von „Analysemaschinen“ ist sicher sinnvoll. Per Flugzeug / Drohne und Kameras werden z.B Aufnahmen der Felder oben gemacht. Über den Bewuchs kann auf die Nährstoffe geschlossen werden. Oder wie hier das Thema der Bodenerosion, ein Beispiel aus Bayern, heute in Faszination Wissen: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/faszination-wissen/erosion-landwirtschaft-ueberschwemmung-video-100.html

    Die exakte Landschaftsvermessung per GPS macht die ehrenamtliche Arbeit der altgedienten „Feldgeschworenen“ und für das Katasteramt einfacher.

    Beispiele gibt es viele, so ist ein Melkroboter mit automatischer Futtergabe an die gechipten Kühe ja auch ein Faszinosum, wenngleich das auch nur für die größten Milchkuhhalter erschwinglich sein dürfte.

    Ein Roboter der „das Blatt-Unkraut in den Boden drückt“ halte ich aber für ein Zukunfts-Märchen. Dafür gäbe es ja jetzt schon die Regenwürmer…

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    • bauerhans sagt

      „Die exakte Landschaftsvermessung per GPS macht die ehrenamtliche Arbeit der altgedienten „Feldgeschworenen“ und für das Katasteramt einfacher.“

      leider wird viel per fernerkundung über satellit erledigt und da kommt „nur mist bei raus“

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    • Martin Gork sagt

      Regenwürmer beseitigen Unkraut?
      Vermutlich erst dann, wenn man es mit einem Herbizid abgespritzt hat und es für den Regenwurm in nutzbare Masse verwandelt wurde. Wachsendes Grünzeugs wird eher wenig bis gar nicht von Regenwürmern angerührt.
      Woher wissen Zenzi Regenwürmer eigentlich ob es sich um Unkraut handelt und nicht um ein Gemüsepflänzchen?

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    • Martin Gork sagt

      Zenzi, Sie fordern doch sonst immer die intensive Bodenbearbeitung, weil Glyphosat ja laut öffentlich rechtlichen Sendern die Menschheit umbringt?

      Welche Alternative und wie wollen Sie eine besser Infiltration von Wasser und Erosionsschutz bekommen, wenn nicht durch extensive Bodenbearbeitung?
      2 Jahrzehnte, bis zum Medienrummel um Glyphosat, hat die Öffentlichkeit weniger maschinelle Bearbeitung befordert, heute interessiert das nicht mehr wirklich…

      Sie sollten sich schon entscheiden, was Sie wollen!

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      • Zenzi sagt

        Ach, hallo Martin, 2 Sätze von dir und schon wieder Unterstellungen, und die Einforderung von Lösungsmöglichkeiten als solle ich hier auch noch die Probleme der Lw wuppen. Das ist für mich keine Basis zur Diskussion.

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  4. Lieschen Müller sagt

    Der erste Satz ist falsch: über Nacht aufgeladen, das geht nicht! Da brauchst du eine Pufferbatterie. Andersrum ist es doch besser: nachts die Bodenroboter arbeiten lassen (der muss nichts „sehen“) und tagsüber aufladen lassen.

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  5. bauerhans sagt

    tolle fantasie!
    an der FH OSNABRÜCK beschäftigen die sich speziell mit diesem thema.

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  6. Ich bekomme Hühnerhaut, wenn ich daran denke, die Natur den Maschinen zu überlassen, wir Menschen sind doch auch ein Stück Natur….
    Ganz abwegig ist dieses Zenario aber nicht…..

    Gruß Klaus Weber

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    • Gephard sagt

      Kommt das der ursprünglichen Landwirtschaft nicht sogar näher, als noch gezielt und von Hand gegen Unkraut vorgegangen wurde? Ob die Ökobilanz solcher Maschinen gegen derzeitige Methoden anstinken kann, muss sich dann wohl noch zeigen.

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    • Martin Gork sagt

      Überlässt der Mensch nicht schon alles der Technik?
      Informationen zur Landwirtschaft kommen nicht mehr von den Höfen, sondern von Facebook und Youtube, in den seltensten Fällen von Landwirten selbst, denen glaubt man ja nicht…

      Landwirtschaft soll anscheinend so aussehen wie in Bilderbüchern, das wäre ja „Natur“, die es aber nie gegeben hat, Landwirtschaft ist Kultivierung.

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