Bauer Willi
Kommentare 10

Weltbauerntag

Geht es Ihnen wir mir? Weltbauerntag? Nie gehört. Was ist im world wide web  zu lesen?

Der Weltbauerntag am 1. Juni soll daran erinnern, dass Bauern weltweit für die Erzeugung von Lebensmitteln sorgen. Der Gedenktag wurde im Jahr 2000 bei der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover erstmals ausgerichtet.

Das war´s. Mehr nicht. Es ist also ein Gedenktag. Wird an diesem Tag irgendwo irgendetwas stattfinden? Werden sich die Staats- und Regierungschefs irgendwo treffen und kluge Reden halten? Wohl kaum. Dieser Tag wird vorbeigehen, ohne das jemand groß Notiz davon nimmt. Wie halt bei anderen Gedenktagen auch.

Ich habe mir in Vorbereitung zu diesem Tag mal ein paar Gedanken gemacht, wie es mit der Zukunft der Landwirtschaft bei uns aussehen könnte. Für den globalen Blick fehlt mir einfach die Ahnung. Sind bloß ein paar Überlegungen, ich kann auch vollkommen daneben liegen.

Preise und das Risiko von Investitionen

Niedrige Preise führen in der Regel dazu, dass Betriebe, die nicht wettbewerbsfähig sind, ausscheiden. Das ist nicht nur in der Landwirtschaft so, sondern in allen Branchen. Deren Marktanteile werden von anderen übernommen, die dann größer werden. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe wird weiter abnehmen. Ob man das schlimm findet oder nicht ist eine Frage des Betrachtungswinkels.

Größere Betriebe sind in der Regel effizienter. Doch das ist keine Garantie fürs Überleben, wie man gerade bei der Milch erleben kann. Gerade spezialisierte Betriebe, die vor kurzem investiert haben, um sich für die Zukunft zu rüsten, hängen jetzt am Fliegenfänger der Banken und gehen in die Insolvenz. Was heute bei der Milch passiert, kann morgen auch bei anderen Produktionszweigen passieren. Daher muss jeder für sich selbst entscheiden, welchen Weg er gehen will.

Vermarktung und Marketing

„Verkauft doch eure Produkte selbst“, ist ein oft gehörter und wohlgemeinter Rat. Doch je größer ein Betrieb wird, umso unrealistischer ist der Weg der Selbstvermarktung. Einem Hof mit 200 Kühen hilft auch eine Milchtankstelle am Hoftor nicht aus seinem Dilemma. Nicht einmal dann, wenn das Hoftor in der Nähe einer Großstadt ist. Und für Ackerbauern ist Selbstvermarktung auch keine richtige Lösung, denn wie soll ich 200 t Weizen an den Endkunden bringen? Das sind immerhin 200.000 Kilopackungen. Könnte schwierig werden.

Was helfen würde, wäre der Aufbau einer starken Marke. Die Bergbauernmilch der Berchtesgadener Molkerei macht es vor. Doch dazu gehört auch, die Ware knapp zu halten und auch das macht der Geschäftsführer dieser Molkerei. Und die Geschäftsführerin der Upländer Molkerei auch. Überlieferungen werden mit wenigen Cent abgespeist, damit alle, die sich an die Spielregeln halten, keinen Schaden davontragen.

Nischen

Spezialitäten sind Produkte, die eine spezielle Eigenschaft haben. Dafür ist der Kunde auch bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen und beim Erzeuger bleibt mehr hängen. Getränkeherstelle wissen, wie so etwas funktioniert. Ich sage nur ein Wort: Red Bull. Wasser, Zucker und Marketing, mehr braucht es nicht. Und es funktioniert. Man muss halt die richtige Idee haben. Da sind wir Bauern noch etwas zu traditionell und trauen uns zu wenig. Gilt übrigens auch für Molkereien und Schlachthöfe.

Doch es gibt eine Reihe von Bauern, die diesen Weg gehen. Gerade rund um die Großstädte herum sind tolle Hofläden entstanden, die fast schon an das Angebot eines Supermarktes herankommen und auch Spezialitäten anbieten. Und diese Läden laufen gut, weil der Kunde das Vertrauen in „seinen“ Bauern hat, den er kennt und den er fragen kann, wie er produziert. Neben Lebensmitteln verkauft er also auch ein weiteres, sehr hohes Gut: Vertrauen. Und das ist den Kunden ganz offensichtlich etwas wert.

Bio als Wachstumsmarkt

Ja, der Anteil an Bio-Lebensmittel wird wohl weiter zunehmen, wenn die Einkommensverhältnisse sich nicht wesentlich verschlechtern. Für einen Teil von Landwirten werden sich dort neue Marktchancen auftun. Doch Vorsicht ist angesagt: wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, werden die Preise auch hier unter Druck geraten. Molkereien, die Biomilch verarbeiten, nehmen deshalb auch keine Lieferanten mehr auf. Das ist klug, denn nur so bleibt das Angebot knapp.

Weltbauerntag 2026

In 10 Jahren werden wir nach meiner Einschätzung wenige Betriebe haben, die in großen Einheiten Masse herstellen, die die Ernährung breiter Bevölkerungsschichten sicherstellt. Gleichzeitig wird die Zahl der Betriebe, die mit Spezialitäten und einer eigenen Vermarktungsstrategie arbeiten, zunehmen. Die Kunden sind bereit, einen Mehrpreis zu bezahlen, wenn man ihnen den Mehrwert erklärt. Ohne Mehrwert kein Mehrpreis, so einfach.

Darüber könnt ihr ja mal nachdenken und euren Senf dazugeben…

Euer Bauer Willi

(Aufrufe 799 gesamt, 1 heute)

10 Kommentare

  1. Sonja Kaiser sagt

    Der Direktverkauf für Milch ist für etwas abgelegenere Höfe nur im Hobbybereich machbar. Der Lieferservice aufgrund unzähliger Vorschriften praktisch unmöglich / unbezahlbar. Gelieferte Milch müsste gleich behandelt werden wie „Vorzugsmilch“ ! Oder wird die Milch schlechter in meinem Auto als im Auto meiner ab-Hof-Kunden ?

    1+

    • Rebecca sagt

      Das wäre ein Projekt wo es lohnt politisch Druck zu machen. Milchautomaten in den Städten, oder wenigstens ein Lieferservice wären mit Sicherheit eine erfolgreiche Sache.

      Ich kenne viele die gerne Roh oder auch Vorzugsmilch kaufen würden, aber den Weg scheuen der oft erforderlich ist.

      Die Regeln sind idiotisch. Wenn ich zum Milchautomaten beim Bauern fahre interessiert sich kein Mensch dafür ob und wie ich die Flaschen die ich für Freunde und Bekannte mitbringe abfülle und kühle.
      Während der Bauer beim Ausliefern nicht nur die Kühlkette aufrecht erhalten, sondern einen viel höheren Hygienestandart bieten könnte.

      1+

    • Martin Grube sagt

      Ich habe die Idee gehabt einen Milchautomaten bei uns im Ort im Rehazentrum (300Betten/300Mitarbeiter) 700m vom Hof entfernt aufzustellen. An den Vorschriften scheitert das.

      Freunde von mir haben ne Immobilie zwischen Aldi und Edeka den Hof außerhalb auch dort dürfen Sie Ihre Milch nicht vermarkten.

      Bestimmt kein Zufall diese Regel.

      0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.