Allgemein, Bauer Willi
Kommentare 58

Entschuldigung lieber Verbraucher

Nachbars Zaun

Da bin ich mit meinem Brief „Lieber Verbraucher“ vielleicht doch etwas über das Ziel hinausgeschossen. Aber es gibt Tage, da bekommt man nur schlechte Nachrichten und gestern war so einer. Mein Frust über die niedrigen Erlöse und die steigenden haben mein Nervenkostüm halt arg strapaziert.

Bin auch Verbraucher

Und irgendwo bin ich ja auch Verbraucher. Wenn ich bei einem dieser großen Discounter, egal ob der mit A oder der mit L als Anfangsbuchstaben, in der Non-Food-Abteilung eine Gartenschere für 3,99 € sehe, greife ich auch zu. Ich will ja auch billig. Obwohl ich genau weiß, dass die nicht viel taugt. Aber das scheint so ein Reflex zu sein. Und ich weiß auch, dass die wahrscheinlich in Asien gefertigt wurde, wo von gesetzlichem Mindestlohn keine Rede sein kann. Trotzdem falle auch ich immer wieder darauf rein.

Zusammenhänge

Auch ich habe halt von vielen Dingen keine Ahnung. Doch wenn ich darüber aufgeklärt würde, würde ich wahrscheinlich anders handeln. Bei Kleidung z.B. mache ich das. Weil hier jeder aufgeklärte Bundesbürger wissen müsste, dass man für 3 € kein T-Shirt produzieren kann, wenn nicht andere darunter leiden. Aber so geht es uns mit unseren Produkten halt auch. Für 1 Cent pro kg Kartoffeln kann kein Bauer produzieren. Und wenn das Tiefkühl-Hähnchen 2,49 € kostet, darf man nicht entsetzt sein, wenn die Tiere in großen Einheiten gehalten werden. Ein Bio-Suppenhuhn kostet nun mal so zwischen 12 und 18 € und die braucht der Bio-Bauer auch, um die Kosten zu decken. Artgerechte Tierhaltung beginnt bei euren Einkaufsgewohnheiten, in eurem Portemonnaie. Und bei den pflanzlichen Produkten ist es nicht anders. Der Weg vom Kopf zur Geldbörse scheint sehr lang zu sein…

Wegwerfen

Wir sind eine Wegwerf-Gesellschaft und da nehme ich mich auch nicht von aus. Ich will halt auch als Landwirt („Bauer“) modisch gekleidet sein und nicht auf den ersten Blick als rückständig gelten. Ich habe auch kein „normales“ Handy mehr sondern natürlich ein Smartphone. Zu Weihnachten gab´s noch ein Tablet obendrauf. Brauche ich nicht wirklich, aber „man geht ja mit der Zeit“. Dumme Bauern gab´s gestern. Oder heute noch bei RTL in dieser ominösen Kuppelsendung „Bauer sucht Frau“. Ich finde es halt unsagbar schade, dass meine Produkte, die nicht umsonst LEBENSMITTEL heißen, auch in diesen Sog hineinkommen, nichts mehr wert sind. Was ich gut finde, ist die Internet-Seite www.zugutfuerdietonne.de weil da nicht nur aufgeklärt wird sondern auch brauchbare Tipps zur Vermeidung gegeben werden.

Kleingedruckt

Das Kleingedruckte auf der Packung: da bleibe ich bei meiner Meinung, weil ich selber nicht anders bin. Egal ob bei Lebensmittel oder sonstigen Produkte: ich lese auch nicht alles durch, was da drauf steht. Mit einer Ausnahme. Der Beipackzettel auf Medikamenten. Aber das hat Gründe. Und die bleiben privat.

Zum Schluss noch einmal mein Wunsch: Kauft unsere Produkte. Kauft sie frisch und werft nicht so viel weg. Unsere Produkte sind gut, werden aufwendig kontrolliert und wurden mit Vernunft, ja mit Liebe produziert. Sie sind ihr Geld wert. (Auweia, klingt jetzt aber verdammt nach Marketing, oder?)

Euer Bauer Willi
(Aufrufe 13.820 gesamt, 1 heute)

58 Kommentare

  1. kanitvastan sagt

    ich bin der meinung, um die große masse an verbrauchern zum umdenken zu bewegen, ist doch eigentlich ganz einfach…..

    fleisch, welcher art auch immer, sollte nur auf verlangen des verbrauchers verkauft werden. und wenn dies heißen würde, zu einem bauernhof zu fahren um zu kaufen.

    bauern zu biobauern verpflichten um die massentierhaltung einzudämmen.

    allemal besser….
    für unsere tiere -für unsere umwelt -für uns und unsere gesundheit.

    für manch einen wirkt das blauäugig gedacht oder starker tobak, aber die
    einfachsten dinge haben es in sich.

    wenn da nicht die raffgier (von jedem) wäre.

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  2. Jans Bureg sagt

    Es tut mir wirklich leid, aber ich kann das Gejammere nicht mehr hören.
    Kein anderes Wirtschaftsunternehmen greift dermaßen selbstverständlich und tief in die Kassen der EU,
    Aber das wird von Euch Bauern gerne verschwiegen.
    Seid doch mal ehrlich und sagt uns den Preis mit den Subventionen.
    Wenn Ihr zu doofe seid euch zu organisieren, dann macht das doch bitte
    nicht zu unserem Problem.

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    • bauerhans sagt

      wir fordern nix,sondern sind wirtschaftlich gezwungen, gelder zu beantragen,weil wir die cross compliance richtlinien einhalten müssen,die mit ziemlichen aufwand verbunden sind. übrigens bekommen andere wirtschaftsunternehmen auch gelder.

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      • Detlef Otto sagt

        Es ist erstaunlich für was es alles Geld gibt. Was die Verbraucher so zahlen ist ihnen vermutlich mehrheitlich nur teilweise bekannt.

        Cross Compliance relevante Zahlungen:

        Direktzahlungen:
        ——————————————————
        Basisprämie Greeningprämie
        Umverteilungsprämie
        Junglandwirteprämie

        Rückerstattung Haushaltsdisziplin.
        ——————————————————-
        Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raumes:
        Ausgleichszahlungen für aus naturbedingten oder anderen Gründen benachteiligte Gebiete
        Ökologischer/biologischer Landbau
        Zahlungen im Rahmen von Natura 2000 und im Zusammenhang mit der Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrah-menrichtlinie)
        Zahlungen für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen,
        Zahlungen für Tierschutzmaßnahmen
        Aufforstung und Anlage von Wäldern
        Einrichtung von Agrarforstsystemen sowie
        Zahlungen für Waldumwelt- und klimadienstleistungen und Erhaltung der Wälder.
        Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen (Anmerkung: Hier gelten die Cross-Compliance-Regelungen drei Kalenderjahre ab dem 1. Januar, der auf die erste Zahlung folgt.).
        Die wichtigsten Durchführungsbestimmungen zu den Cross-Compliance-Verpflichtungen ergeben sich aus der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 640/20142 und der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 809/201

        Das war eine Kopie aus folgendem verlinkten Beitrag
        http://www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/pdf/cc-infobroschuere.pdf

        1+
  3. Detlef Otto sagt

    (Zitat Bauer Willi:] …. Artgerechte Tierhaltung beginnt bei euren Einkaufsgewohnheiten …. [Zitat Ende]

    Ich dachte bisher artgerechte Tierhaltung beginnt beim Tierhalter.

    Diese Meinung von Bauer Willi entlarvt, dass nicht artgerechte Tierhaltung in kauf genommen wird, nur um Geld zu verdienen.

    Es sollte vom Gesetzgeber schärfer gegen nicht artgerechte Tierhaltung vorgegangen werden. Dann können die Betriebe, die ordentlich arbeiten, auch „artgerechte“ Preise verlangen. Dadurch verringert sich der mengenmäßige Absatz erheblich, das Vieh und der Verbraucher hätten es allerdings besser.

    Der Landwirt oder der Tierhalter ist nicht per Definition ein edler Mensch.

    4+
  4. Eberhard Tils sagt

    Lieber Willi,
    Dein Artikel hat natürlich jede Menge Emotionen ausgelöst. Ich bin es wirklich müde, immer wieder solche „Oh wie furchtbar“-Artikel zu lesen. Langsam dämmert es mir, dass es den Schreibern dieser „Brüll-„, „Oh wie furchtbar“-, „Ich weiss es einfach immer besser“, oder „Ich bin und darf der Oberlehrer sein“-Artikel überhaupt nicht um eine reale Reflektion der angesprochenen Situation/Problemstellung geht sondern die Schreiber wollen sich oftmals als Wutbürger gebärden und darstellen (Was die „Stuttgart 21er“ können, kann und will ich auch). Mir ist es ehrlich völlig egal, ob es jetzt um den erhobene Zeigefinger der abgehobenen, jungfräulich und unschuldig weiss gewaschenen Ökos geht oder den mühsam beherrschten hochgereckten Wut-Zeigefinger (das können die vom IS übrigens echt besser, da müsst ihr noch lernen) oder die pseudo-gesellschaftlich-wirtschaftlich vorgetragenen Beiträge geht. Sofern man zumindest über ein mäßig gut ausgebildetes Allgemeniwissen verfügt, ist die vorgetragene Argumentationskette oftmals so furchtbar einfach durchschaubar, das tut schon weh. Es ist ganz furchtbar einfach: Wenn man keine ansprechende, preiswerte Produkte für diesen Markt anbieten kann wird man sich über kurz oder lang vom Anbieten dieser Produkte zurückziehen müssen. Ich finde es nur eine Anmassung, dass oftmals versucht wird, den Leser so dermassen zu verhöhnen. Die Abhängigkeiten und Auswirkungen national wie international beim Kauf der jeweiligen Produkte, die man kauft sind mit etwas Nachdenken durchaus zu ermessen und abzuwägen. Man ist selbst verantwortlich für sein Tun und seine Folgen. Ich denke, ich brauche übrigens auch keine Joyce Meyer, die mir im TV mit grossen Gebärden erklärt, was und wie ich meinen christlichen Glauben zu praktizieren habe. Kurz erwähnt sei, dass auch eine große Anzahl deutscher Bauern (konventionelle und vor allem Ökos) auf den verschiedenen Steuerhinterziehungs-CDs (vor allem auch in der letzten „Swiss-Leaks“ Aktion) zu finden sind. Einige haben sogar sich größere Landstriche auf Korsika gekauft (vielleicht in Zukunft mit Häuschen als Altersruhesitz). Die Vermögenssituation (ohne Steurhinterziehung) der deutschen Bauern ist problemlos auszuwerten und gut darstellbar (das sprengt den Rahmen aber völlig). Zum Schluss ein Erlebnis von diesem Spätsommer mit einem Bauern in meiner Umgebung. Ich war mit Freunden Fahrradfahren auf Radwegen an Feldern entlang. Uns fiel ein Bauer auf, der nicht nur am Freitag, sondern auch am direkt folgenden Samstag ein Feld ausgiebig mit Gülle düngte. Die Menge war eindeutig zuviel, es war schon eine „Patschwiese“ geworden und die Gülle floss deutlich erkennbar in den Bach nebenan. Der Traktor kam kaum durch den aufgeweichten Boden durch (sehr tiefe Furchen durch seine Reifen). Wir legten unsere Fahrräder auf den Boden und sprachen den Bauern auf diese Sache an. Als Reaktion verfolgte uns der Bauer mit seinem Traktor zunächst und schaufelete dann (weil wir uns wohl in drei verschiedene Richtungen „verdrückten“) unsere Fahrräder mit Erde zu. Danach entfernte er sich. Ich hoffe sehr, dass sie solche „Entgleisungen“ in ihrem Verband zur Sprache bringen und wie es sich gehört mit Standesregeln ahnden werden. Mal sehen was die Ermittlungen bringen, immerhin waren wir zu dritt. Ich rufe ihnen dennoch ein „Ihnen einen schönen Tag“ zu (Und wenn Morgen die Welt untergeht, werde ich noch ein Apfelbäumchen pflanzen und meine schulden bezahlen … ). Mit freundlichen Grüssen Eberhard Tils

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    • Bauer Willi sagt

      Lieber Herr Tils,
      ich muss auf keinen Verband hören und werde auch nichts an meinen Verband weitergeben. Das mit den Fahrrädern finde ich nur peinlich und armselig. Ich habe lediglich meiner Wut Ausdruck verliehen und mich nachher dafür entschuldigt. Das wollen Sie aber überhaupt nicht wissen und haben Sie wahrscheinlich auch nicht gelesen. Und all die anderen „braven“ Artikel auch nicht. Pflegen Sie also weiter Ihre Vorurteilen. Ich habe mittlerweile über 400 Kommentare gelesen und Antworten darauf geschrieben. Ihrer gehört in die Kategorie: nicht ärgern nur wundern. Habe heute mit unserem Sohn zwei Kirschbäume gepflanzt…
      Bauer Willi

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  5. Holger sagt

    Lieber Bauer Willi,

    ja, das etwas zu starker Tobak, den Die da abgelassen haben. Natürlich geht es um Lebensmittel und nicht um „Dinge des Spaß- und Zeitvertreibs“. Aber der Reihe nach. Es geht hier meiner Meinung nach um die Katze, die sich in den Schwanz beißt. Wir sind alle auf billig getrimmt (außer den paar Prozent, denen der Preis wirklich egal ist), zum Teil weil wir müssen, zum Teil weil wir Angst haben, mehr zu zahlen als jemand anderes. Mit dem Rabattgesetzt fiel die letzte Scheu, alle glaubten, sie müssen jetzt jeden Preis verhandeln, weil er ja wie auf Basaren so kalkuliert wurde, dass ein Rabatt eingerechnet war. Und warum sollte jemand mehr für ein Gerät, Lebensmittel oder Leistung bezahlen als der Kunde vor ihm? Eben. Sie haben selbst zugegeben, sich die Gartenschere für 3,49 zu kaufen, obwohl Sie wissen, dass die Schrott ist. Doch nicht nur das. Damit unterstützen Sie auch die Politik der Discounter im Bereich Personal, Löhne, Zahlen etc. Es wird erwartet, dass der Laden sauber ist, die Regale eingeräumt, die Ware verfügbar und die Kassen nicht so voll sind. Welche Politik dahinter steht, ist vielen zwar bewusst, ihnen aber ebenso egal.
    Oft sehe ich, wie eine Gruppe von Mädels aus dem hier ansässigen Primark rauslaufen und ihre Einkaufszettel vergleichen. Gewinner ist diejenige, die am meisten gekauft und am wenigsten bezahlt hat. Wo die Sachen hergestellt wurden, unter welchen Bedingungen, was die Verkäufer im Laden verdienen – alles uninteressant.
    Da greift dann eins zum anderen. Die Leute im Handel verdienen schlecht. Es gibt fast nur noch Verkäufer (wenn überhaupt) und keine Einzelhandelskaufleute mehr. Warum? Verkäufer brauche ich weniger bezahlen. Friseure haben noch nie viel Geld verdient, auch andere Berufsgruppen knuspern unter der Hälfte des durchschnittlichen Nettoeinkommens herum und kommen so gerade über die Runden. In dem Strudel des ständigen Verzichts kommen dann Verbraucherschützer oder „Experten“ die denjenigen dann sagen „Wenn du halt das Einkommen hast, na dann gibt es halt kein frisches Fleisch für dich, weil das zu teuer ist. Gute Ware hat halt seinen Preis.“ Aber das sehen die Leute dann bei ihrer Arbeit nicht gewürdigt. „Wo wird denn meine Arbeit entsprechend gewürdigt?“ höre ich von einigen Berufsgruppen immer. Das heisst, die arbeiten hart für ein paar Kröten, sollen aber auf alles mögliche verzichten? Dafür rackern die dann 170 Stunden im Monat? Das bekommen Sie niemanden erklärt.

    Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, dass gerade diese Gruppe dann sagt „Nö, ich verzichte auf dies, auf das, auf Urlaub, auf einen schönes Auto, auf ein bestimmtes Smartphone, ich habe einen kleinen Fernseher und einen alten PC. Aber ich möchte Schnitzel essen, mal ein Hühnchen, mal Kartoffeln, mal Nudeln etc. Da hört dann das Verständnis auf. Zumal es überall angeboten wird.

    Wo also ansetzen? Theoretisch müsste aufgrund unternehmerischer Verantwortung die volkswirtschaftliche Größe „Arbeit“ entsprechend mit der Größe „Kapital“ ausgeglichen werden, sprich weniger große Gewinne und Überschüsse, höhere Löhne. Ich gehe jede Wette ein, wenn die Mehrheit mehr Geld im Portemonnaie hat und das Gefühl, die eigene Arbeit wird entsprechend gewürdigt, dann gäbe sie auch mehr Geld aus, Konsumforschungen zeigen dies ständig. Da ist es dann auch egal, ob ein ganzes Hühnchen 2,49 oder 6,99 kostet, was sind schon die paar Kröten, wenn ich dafür gute Qualität habe?

    Es ist aber abwegig, sich da Hoffnungen zu machen, da Konzerne nur erfolgreich sind, wenn sie eben hohen Gewinn machen, jedes Jahr mehr und trotzdem sich so schön rechnen, dass zwar keine Steuern zahlen, aber für die Aktionäre was abfällt. Von daher haben wir uns entschieden für eine Welt, in der eben ein komplettes Suppenhuhn für 1,49 zu kaufen ist, auch wenn wir alle wissen, dass es aus Massentierhaltung kommt. Wir kaufen Kleidung, die für ein paar Cent in Indien genäht wurde, weil wir wissen, dass die teureren Labels es auch nicht anders herstellen. Wir kaufen Smartphones, die bei foxcon gebaut wurden, in dem Wissen, dass dort furchtbare Bedingungen herrschen, aber egal welches Gerät wir kaufen, es wird einfach am Band nebenan gefertigt. Wir kaufen im Internet, weil uns Einzelhändler lästig sind. Und wenn wir im Geschäft sind, wollen wir perfekte Beratung, guten Service und genau das, was wir suchen. Ansonsten kommen wir mit „Im Internet gibt es das aber günstiger“. Das halten wir für normal und damit haben wir uns abgefunden. Entweder es geht also ein ordentlicher Schwung in eine andere Richtung oder wir machen weiter wie bisher. Und bei der Trägheit der Masse glaube ich eher an letzteres

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    • barbara blum sagt

      hallo lieber bauer willi und biobauer andreas!
      ich bin sehr berührt und froh, welche öffentliche diskussion – nach Ihrem zutreffenden und stilistisch wundervollem appell, bauer willi – sich hier endlich einmal entfaltet!!
      .. und hoffe zu gern, dass die einschätzung von biobauer andreas unten zutrifft, wenn er sagt, dass die agrarwende von unten kommen wird!! meine einschätzung aufgrund längerer erfahrung ist nämlich, dass sich „von offizieller Seite“ (und das sind ganz schön viele menschen in entscheidenden jobs) nichts verändern wird und man von dort keine veränderung der negativen entwicklung – sei es Ihre wirtschaftliche situation, bauer willi, oder die der tiere und pflanzen im feld – erwarten darf, so traurig und zum verzweifeln es auch ist.
      ich möchte ihnen, bauer willi, liebend gern mut machen… für einen umstieg hin zum ökolandwirt wie biobauer andreas. da kann ich zwar nicht aus eigener erfahrung reden, und „nur“ meinen beifall dann ganz laut klatschen für Ihren mut zu risiko und zu veränderung – leider weiß ich aus eigener erfahrung (job), wie es unserer natur in den ackerlandschaften geht, welche arten gerade hier bei uns im rheinland aussterben. und es geht nicht um schuldzuweisungen – die zwänge des konventionellen landwirtschaftssystems sind leider bekannt.

      genau deshalb möchte ich Ihnen gaaanz viiiel mut machen für eine naturverträgliche und unsere natürlichen lebensgrundlagen respektierende landwirtschaft… damit Ihnen Ihr hof und Ihr land in einem guten zustand lange erhalten bleibt, damit Sie für uns alle gesunde lebensmittel ohne chemie zu einem den aufwand respektierenden preis produzieren können (den ja inzwischen viele menschen bereit sind zu zahlen) – und wir alle mit den uns hier lebenden tieren im einklang existieren können. bitte rechnen Sie nochmal, vielleicht mal zusammen mit biobauer andreas?
      es braucht wieder respekt – für arbeit, für die natur – ihn gilt es wiederzuentdecken in diesen zeiten!
      in dem sinne – danke 🙂

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      • Hallo Frau Blum

        schön wäre es wenn es im Biobereich so wäre wie Sie sich das so vorsztellen.
        Der Wandel zur Erzeugung um fast jeden Preis incl. Gewinnmaximierung und Flächenausdehnung um jeden Preis hat auch hier begonnen da dort Geld zu machen ist.
        Die Idealisten der ersten Stunde sind fast alle verschwunden oder nur noch ganz vereinzelt zu finden.
        Wenn ich die Ausnahmen (bis 50% Futterzukauf aus konventioneller Erzeugung) oder Mistzukauf von konv. Betriebe sehe und die Lasche Selbstkontrolle der Biobranche habe ich den Glauben daran verloren.
        MFG
        alfs

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  6. Michaele Körner sagt

    Lieber Bauer Willi,
    ich habe den Brief gelesen, aber erst gar nicht die Entschuldigung. Ganz einfach, weil ich (Verbraucher) ganz und gar nicht finde, dass Sie über das Ziel hinaus geschossen sind. Solange wir Menschen uns nicht über die Konsequenzen unseres Handelns und Wollens Gedanken machen, wird sich nichts ändern. Alles hat mindestens zwei wenn nicht mehr Seiten. Qualität und Nachhaltigkeit ist das, was wir alle wollen. Und das gibt es nicht umsonst. Vielleicht aber kann es günstiger werden, wenn der Konkurrenzdruck mit „Masse statt Klasse“ geringer wird. Wenn ich an die sinkenden Fleischpreise dank der bekannten Konzerne denken, wird mir richtig schlecht. WIe in allen anderen Bereichen auch begleitet mich ein Leitsatz bei Billigware: Irgendwer zahlt immer.
    Bitte lassen Sie sich nicht entmutigen. Wir brauchen Bauern und wir brauchen sie hier und wir brauchen sie engagiert.
    Vielen Dank für Ihre Arbeit.
    Herzlicher Gruß
    Michaele Körner

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  7. Ich war auch nicht böse, und ich verstehe Dich auch. Ich versuche schon, regional einzukaufen und nehme auch höhere Preise an (wir sind zB Kunde bei Mitter’s Ökokiste). Leider muß ich auch hin und wieder auf Fertiggerichte zurückgreifen (denn ich arbeite auch öfter so lange, daß ich keine Zeit zum Kochen habe und froh bin, wenn ich zum Schlafen komme). Manchmal weiß ich zwischen den Supermarktregalen auch nicht unbedingt, ob das, was da jetzt angeboten wird, auch wirklich Saison hat. Manches kann ja auch länger gelagert werden, anderes nicht, aber da bin ich leider kein Experte.

    Und wenn einem der Staat nicht so viel abzwacken würde, dann müßte ich auch noch weniger auf den Preis schauen (sei es bei Lebensmitteln oder anderen Produkten – Gartenschere brauche ich mangels Garten nicht, aber es gibt ja genügend anderes Zeug, was man so braucht). Will mich natürlich immer informieren und nur Produkte kaufen, die Nachhaltig und fair entstanden sind, aber das ist auch nicht immer so leicht und braucht Recherche-Zeit.

    Durch Firmen wie Mitters hoffe ich, meinen Beitrag zu leisten, bin aber auch anderen Möglichkeiten aufgeschlossen.

    Beste Grüße und alles Gute, Martin.

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  8. Bauer Willi sagt

    Lieber Herr Mack
    zu Punkt 1: Ja, ich habe den Betrieb geerbt und seitdem z.B. in Gebäude einen sechsstelligen Betrag investieren MÜSSEN, weil die Dachstühle einzustürzen drohten. Hätte ich auch was anderes mit machen können. Gerne verpachte ich Ihnen 1 Hektar Land für einen dreistelligen Betrag pro Jahr. Dann können Sie sich selbst versorgen. Ist nicht zynisch gemeint.
    zu Punkt 2: wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich keine zerstörte Natur. Ich sehe auf meinen Acker, ein kleines Waldstück (siehe auch „Lieber Nachbar“) und Wiesen.
    Bauer Willi

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  9. andreas mack sagt

    vele bauern haben

    – land und haus geerbt = zahlen keine miete und können sich mit dem land größtenteils selbstversorgen

    ich zahle jeden monat viel miete und land hat auch niemand mit mir geteilt. jeder mensch hat ein grundrecht auf ein stück land zum leben und anbauen, aber niemand teilt land, weil viel zu selbstverliebt

    viele bauern

    – zerstören umwelt in großen maßstab (siehe nur noch maisfelder, riesige grünflächen = keine intakte Natur mehr ). meine lebensqualität in zerstörter umwelt ist stark beeintächtigt.
    das interessiert viele bauern nicht

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    • Andreas Fendt sagt

      Andreas Mack,
      Du hast wenigstens was zur Miete gefunden. Ich stamme aus der Stadt und wollte konkret etwas für eine andere Landwirtschaft tun, wollte Biobauer werden.

      Ich habe jahrelang vergeblich versucht einen Hof zu pachten, von dem man leben kann, das war unmöglich. Letztlich habe ich einen ganz kleinen Hof auf 900m mit schlechten Böden kaufen können, für 350.000 Euro und das ohne geerbt zu haben.

      Dass viele grosse konv. Betriebe unsere Natur und Kulturlandschaft zerstören, das stimme ich Dir zu, nur tun sie das oft alternativlos. D.h. die politischen Rahmenbedingungen erlauben es nicht nur, sondern fordern es.

      Warum gibt es Maiswüsten? Weil damals rot-grün mit dem EEG unbedingt möglichst viele Biogasanlagen wollte. Ursprünglich um Gülle von Kühen oder Schweinen in Strom zu veredeln eine gute Idee nur das Gesetz war eben stümperhaft. Heute wandern in viehlosen Anlagen grosse Mengen Mais, Getreide etc.

      Zuletzt: schau auf http://www.ackerhelden.de das kannst Du „fertiges“ Land pachten und dich selbst versorgen.

      Biobauern, solidarische Landwirtschaft, Betriebsgemeinschaften, Urban farming usw. wir werden immer mehr und es kommt die Agrarwende von unten! Etwas Optimismus brauchen wir alle.

      ein Gruss von Biobauer Andreas

      Suche ich jetzt mal Praktikanten, ist oft die erste Frage, was verdiene ich? Wie soll ich grosse Löhne zahlen bei meinen Kreditraten?

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  10. Margret Woltering sagt

    Hallo Willi,
    dein Beitrag hat mir gefallen.Nur in dieser Deutlichkeit können wir uns Landwirte noch Gehör verschaffen.Ständig neue Gängeleien durch die Politik.Ich fühle mich von unseren Verbandsvertretern total verlassen.Zivilcourage ist bei ihnen nicht angesagt.Bin froh darüber, dass endlich klare Worte gesprochen werden , die auch jeder versteht.
    Wir müssen noch viele wachrütteln. Der Zeitpunkt ist da.
    Weiter so und vielen Dank !
    Margret

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  11. Peter Friedel sagt

    Lieber Willi,

    wie recht du doch hast. Und ich finde auch, dass eine Entschuldigung hier nicht nötig ist. Alle, die sich nicht so verhalten, brauchen sich ja nicht angesprochen zu fühlen!

    Nur weiter so!

    Alles Gute weiterhin und herzlichen Dank für den so treffend formulierten Artikel!

    2+
  12. HaJo sagt

    Hallo Willi,

    klar, auch ich war ein wenig sauer über die Pauschalierungen in deinem vorigen Beitrag. Denn ich fand mich da nun wirklich nicht wieder.
    Auf der anderen Seite hast du – leider – nur zu Recht. Wir alle – und da schließe ich mich nun wirklich mit ein – sind nicht so perfekt, immer und überall vor schnellen Entscheidungen, Lockangeboten etc. gefeit zu sein.
    Eine Entschuldigung aber, die halte ich tatsächlich für unnötig. Wer des Lesens kundig ist, der wird doch wohl verstanden haben, was du da anprangerst und dass du es zu Recht tust! Ich bin der Überzeugung, es bedarf ständiger, wiederholter Erinnerungen und Anstöße, um unser Verhalten möglichst oft mit unserem Verstand – so er einigermaßen vernünftig tickt – in Einklag zu bringen. Dazu hast du beigetragen.
    Dafür meinen herzlichen Dank!

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  13. E. Hofmann sagt

    hallo und guten Abend. Frage: wer versorgt und kultiviert eigentlich all das Land, wenn es mal keine Landwirte mehr gibt? Und wenn, wer zahlt das dann?

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  14. Cremers Manfred sagt

    Tach zusammen!
    Ich Manfred Cremers bin selbst (noch) Bauer, ja dies meine ich leider Ernst. Einst war die Produktion und Vermarktung von Kartoffeln das Hauptgeschäft, welches ich auch so von meinem Vater übernommen hatte. (Dies war 1987) Heute kann ich von dieser einstigen guten Einnahmequelle nicht mehr leben, unter anderem auch, weil ich zu meinen Lieferzeiten an den Endverbraucher (an der Haustüre) niemanden mehr antreffe! Dies liegt natürlich daran, daß es die normale Hausfrau nicht mehr gibt. Kaum ein Mann kann mit seinem Einkommen alleine eine Fam. ernähren – Dies heißt für mich jedoch nicht das die Frau prinzipiell an den Herd gehört, nein dort allein wäre wohl heute nicht mehr zeitgemäß.
    Aber dies soll wohl kaum das Thema hier sein. Ehr rege ich mich über manche Kundenkommentar auf so zB. beklagte sich ein Kunde (tatsächlich kein Scherz) bei Lidl und Aldi sind die Kartoffeln billiger als bei dir, dort kosten sie nur…. ich antwortete dann kaufe sie doch dort. Kunde-Dann muss ich sie aber da extra holen. Ich erwiederte darum komme ich ja bis an deine Türe. Kunde-Ja aber kannst du mir sie nicht etwas billiger lassen
    Nein erwiderte ich dann kaufe sie dort. Doch die darauf folgende Antwort lies mich aus den Latschen kippen….. Nein die von denen schmecken nicht!
    Die Kartoffelerzeugerpreise sind dieses Jahr natürlich extrem gering, doch leider kann ich mit meinem kleinen Geschäft an der Haustüre nicht davon profitieren. Bauer Willi hat hier wirklich nicht übertrieben, auch wenn es hier Experten gibt die behaupten dies sei bei Hergottskartoffeln halt so! Nein, das ist Quatsch leider ist momentan kaum eine Bewegung auf dem Markt.selbst die „Reka-Fax“ Notierung ist nicht durchzusetzen, man muß fast betteln um Kartoffeln an den Mann zu kriegen. War ist jedoch, das Veredelungsprodukte, wie z.B Schälkartoffel immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dies lässt sich aber auch nicht überall durchsetzen, jedoch greift die Gastronomie immer mehr zu solchen Produkten allein um Lohnkosten zu sparen.
    Aber auch in der Milchproduktion sehe ich momentan einen Scheideweg. Viele meiner Nachbarn haben ihren Betrieb aus Altersgründen zu gemacht andere Nachbarbetriebe verdoppeln gerade durch Neubauten ihre Milchviehaltung. Auch auf meinem Betrieb hatten vor mehr als 40 Jahren noch Kühe gestanden es waren so etwa 10 Schwarzbunte, es wurde eine Jahresleistung im Stalldurchschnit von etwa 3800kg/Milchkuh erzielt. Heute liegen wir ca. bei 9000kg die Anzahl der Kühe hat sich Bundesweit sogar noch vergrössert! Das die Quotenregelung jetzt wegfällt macht es vielleicht langfristig gerechter, wenn allein der Preis den Markt regelt, aber erst mal kommt dieses Jahr für viele Milchproduzenten ein Desaster. In meiner Nachbarschaft stehen bestimmt doppelt so viele wie früher…. Ja wo soll der Milchpreis hin? Die ganzen Preisverhältnisse unserer Lebensmittel im Vergleich zu anderen Konsumgütern und Arbeitslöhnen ist aus dem Ruder gelaufen. und wenn wir Deutschen Bauern mit unseren Erzeugnissen zu teuer werden werden diese notfalls vernichtet und der Grosshandel mit den Discountern greift auf billige Überseeprodukte. Teilweise rieche ich das Thiabendazol wenn ich durch diese Läden gehe und mir manche Sachen unter die Nase halte. Ich mache hier an dieser Stelle auch Schluss mit meinem Kommentar er ist leider zum Lesen schon viel zu lang, obwohl ich noch so viel zu sagen/schreiben hätte. Gruss Manfred

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  15. Hubert sagt

    weniger produzieren dann stimmen auch wieder die Preise

    Ställe mit 400 Kühen die im Moment wie wild gebaut sind schuld am Milchpreis und nicht der Verbaucher

    hätten wir noch landw wie vor 30Jahren, 10 Eier würden 2€ kosten !

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    • Neimoa sagt

      Guten abend,

      theoretisch ist das ein guter Ansatz.
      Das Problem daran ist das man bei einer sehr geringen Gewinnspanne, die mann im Moment sowohl bei Milch als auch bei Eiern hat, eine gewisse Menge produzieren muss um davon leben zu können.

      mfG

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      • Neimoa sagt

        Noch ein kleiner Nachtrag:
        Der Selbstversorgungsgrad bei Eiern liegt heute bei ca 70%, dieser hat sich seit 30 Jahren kaum verändert.

        mfG

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    • Eiko sagt

      Das sagst du so einfach… ok ob jeder 400 Kühe melken sollte ist natürlich die Frage die auch die Landwirte spaltet..
      Es ist nur so das die Gewinnspanne pro Einheit sagen wir mal Liter Milch immer kleiner wird, folglich muss man um den selben Standard zu halten mehr Einheiten Produzieren. Der zweite Punkt ist das alles in den letzten Jahren teurer geworden ist. Die Kosten für Lebenshaltung sind auch gestiegen, natürlich auch der Lebensstandard… das Beispiel was sehr war, war mit den Landwirtskindern und dem Smartphone. Die Kinder möchten genau so gerne ein Smartphone wie andere auch. Das alles kostet Geld und das gibt nun mal in unserer heutigen Zeit den Ton an. Lg

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      • Eiko sagt

        kKeine Anmerkung: Ich wollte damit nur aufzeigen das man nur um das selbe zu verdienen und diesen guten Lebensstihl zu halten automatisch mitziehen „muss“ lg

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        • Eiko sagt

          Ohh habe grade bemerkt das ich beim Tippen mit dem Handy etwas zu schnell war, ich bitte dies zu entschuldigen 😀

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    • Adrian sagt

      Herr Hubert,

      sie vergessen hier eine Sache. Bei ihrem Argument spielen auf die Angebots/Nachfrage Theorie ab, d.h. wenn das Angebot bei gleicher Nachfrage sinkt steigen die Preise. Aber wer sagt denn, dass wenn die Bauern in Deutschland weniger produzieren, die in den Niederlanden, etc, es ihnen gleich tun? Leider ist der Markt nie losgelöst.
      Gleichzeitig muss man Ihnen recht geben, dass man bei manchen Erzeugnissen, durch Subventionen ein zu hohes Angebot über Jahre hinweg aufgebaut hat. Da hätte man vorsichtiger agieren sollen.

      LG
      Adrian

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  16. Steffi sagt

    Lieber Willi, da hast du ja was schönes angerichtet! 😉 so so viele Kommentare von denen ich längst nicht alle gelesen haben.
    Aber eines muss hier mal gesagt werden: Du musst dich hier wohl für gar nix entschuldigen. Ich habe mich nicht angegriffen gefühlt. Du hast deine Meinung und Gefühle geäußert, hast sicherlich mit dem was du sagst recht und doch gibt es immer zwei Seiten…wie z.B. die Familien die sich Bio tatsächlich nicht leisten können. Mich hat dein Brief zum nachdenken angeregt….sicherlich werde ich auch künftig nicht immer drauf achten was ich im Supermarkt kaufe, aber ab und zu wirst du mir in den Sinn kommen und in diesen Momenten werde ich es besser machen als bisher und auch mal den Euro mehr ausgeben.

    1+
  17. Jens sagt

    Hallo Bauer Willi,

    persönlich werde ich diese Entschuldigung nicht akzeptieren, denn du mußt und sollst dich für nichts entschuldigen.
    Entschuldigen müssen sich die Lobbyisten und Marktdiktierer. Meist ist es doch so, daß der Verbraucher meist von den großen Ketten verarscht wird und der Bauer als Sklave dieser Politik mißbraucht und benutzt wird.
    Alle wollen nur die fette Kohle machen. Der Bauer bleibt auf der Strecke. Um seinen Hof bewirtschaften bzw. den Beruf ausüben kann, muß er fast jeden Preis akzeptieren. Sonst kann er gleich Insolvenz anmelden.
    Viele Verbraucher bedenken nicht, das gesundheitliches am Besten ist, regional und vor
    allem den Jahreszeiten entsprechenden zu essen. Dies kann man aber nur von solchen Produzenten wie dem Bauer Willi.
    Was nützt mir jetzt schon zum Beispiel Spargel aus Peru oder sonst von einem Land, der nicht schmeckt, vertrocknet und die Qualität auch miserabel ist.

    Hallo ihr Verbraucher da draußen, hört auf nur nach der Mentalität “ Geiz ist Geil “ zu kaufen. Ihr tut euch und den Produzenten keine gefallen damit. Qualität hat seinen Preis und schmeckt auch noch dazu. Nicht alles was auch schön ausschaut schmeckt.

    Hallo ihr Verantwortlichen bei Lidl, Aldi, REWE und Co. hört auf uns Verbraucher mit dem Billigscheiß zu vergiften, nur das euer Gewinn stimmt und ihr euer Salär pro Jahr wieder gestiegen ist.
    Die Qualität wird bei euch von Obst und Gemüse immer schlechter. Ist ja auch kein Wunder. Was ihr den Bauer bezahlt ist zu wenig um davon überhaupt noch produzieren und leben zu können.
    Ich bin gern bereit mehr Geld zu bezahlen, wenn Obst und Gemüse wieder so schmeckt, wie es vom Namen her auch ist.

    Es muß mehr solche Menschen wie Bauer Willi geben und es muß noch Verbraucher geben, die den Handelsriesen endlich mal zeigen, …..So nicht mehr……

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  18. Wolfgang Böhme sagt

    Hallo Willi und alle anderen!

    Gut das hier eine schöne Diskussion in Gang gekommen ist.
    Bauer Willi hat Recht, er kann von seinen erwirtschafteten Erträgen nicht mehr leben!
    Nur k e i n e r denkt beim Einkauf darüber nach, mich eingeschlossen.
    Wir alle müssen umdenken beim Einkauf von Lebensmitteln sonst ist der Tag nicht mehr fern wo wir nur noch industriell gefertigte Nahrung (Fertiggerichte) vorgesetzt bekommen und das will sicher niemand.
    Ich achte ab sofort darauf das ich keine Lebensmittel mehr kaufe die einen langen Transportweg hinter sich haben: im Winter Erdbeeren aus Südafriika braucht kein Mensch wenn es Äpfel aus dem alten Land gibt.

    Damit sollten wir alle anfangen, denn ohne unsere Landwirte sehen wir verdammt arm aus.

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  19. Danyel sagt

    Lieber Landwirt Willi,

    ich habe Deinen offenen Brief (oder Auszüge davon) beim Stern gelesen. Und ich finde, Du hast mit allen Punkten Recht. Kein Grund, sich für irgendwas zu entschuldigen.

    Ich mache gewiss nicht alles richtig, aber inzwischen achte ich sehr darauf, welche Produkte in meinem Einkaufskorb landen. Und selbst wenn BIO drauf steht, habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen weil ich genau genommen nicht genug darüber weiß.

    Ihr Landwirte seid unsere Versorger. Und wenn ich ein vernünftiges Lebensmittel zu mir nehmen möchte, muss ich verdammt noch mal dafür bezahlen. Das prominenteste Beispiel hierfür ist wohl Fleisch. Ich höre ihn schon, den „armen“ Teil der Bevölkerung: „Wir können uns teures Fleisch nicht leisten“.

    Wisst Ihr was? Das ist Käse! Ich bin zwar nicht wohlhabend, verdiene aber genug Geld, um mir keine Sorgen machen zu müssen. Ich könnte mir jeden Tag teures Fleisch leisten. Aber ich mache es nicht. Weil es nicht sein muss! Bratkartoffeln schmecken auch ohne Speck. Nudeln kann man super mit Öl und Kräutern oder Tomatensosse zubereiten. Und wenn ich ein Stück Fleisch auf dem Teller haben will, muss es nicht 500 Gramm wiegen. Es dürfen auch gerne mal 150 Gramm sein. Hauptsache, das Tier hat vor seiner Schlachtung ein würdiges Leben geführt und wurde nicht präventiv mit Antibiotika vollgepumpt.

    Wir können das alle. Nur wollen die meisten nicht. Wir könnten alle mit Leichtigkeit mehr an unsere Landwirte zahlen, damit sie uns bessere Nahrung produzieren können. Wir müssten nur mit der Völlerei aufhören und mit der Denkweise „lieber zu viel als zu wenig“. Wir müssen auch nicht jeden Tag Fleisch auf dem Teller haben. Wir wollen das, aber wir müssen nicht!

    Ich könnte noch ewig so weiter schreiben, aber meine Arbeit hat gerade Prio.

    Nur noch zum Abschluss: Danke Bauer Willi, für den offenen Brief. Das ganze Thema muss sehr viel weiter verbreitet werden, bis es auch den letzten Großstädter erreicht hat. Wir müssen allesamt viel mehr aufeinander Acht geben und Rücksicht nehmen. Wir alle!

    Danke!

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    • Bauer Willi sagt

      Du triffst den Nagel auf den Kopf! Danke Danyel.
      Zwischen Können und Wollen klafft die Lücke.
      Bauer Willi

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  20. Lara sagt

    Lieber Bauer Willi,

    ich fand deinen Artikel berechtigt und gut. Und ich fand es auch gut eine gewisse Emotionalität und Ärger darin zu spüren, das hat es sehr authentisch gemacht.

    Ich selbst bin nicht auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, aber in einem kleinen Dorf und in einer ehemaligen Landwirtsfamilie großgeworden. Das Thema „Wertigkeit der Lebensmittel“ und auch Wissen über Zusammenhänge finde ich sehr, sehr wichtig.
    Inzwischen habe ich als Pädagogin unter anderem auch in der Umweltbildung auf einem Bauernhof gearbeitet und es wurde sehr deutlich, dass viele Eltern und vor allem Kinder überhaupt kein Gespür für die Zusammenhänge haben und dafür, wo deren Essen eigentlich herkommt, dass man, ob ein Stück Fleisch zu bekommen zunächst eine Kuh oder ein Schwein groß füttern muss, oder für ein Brot ein Feld bestellen, Getreide anbauen usw. usw.. Der Horizont vieler in Bezug auf Lebensmittel endet inzwischen leider an der Ladentheke. Ich denke es geht darum wieder diese ganz einfachen Dinge klar zu machen! Vielleicht ist es viel verlangt, zusätzlich zu allem Anderen, aber ihr Landwirte solltet euch überlegen, wie ihr euch auch ein Stück weit öffnen könnt, Abläufe sichtbar machen, Zusammenhänge klar machen. Wenn das Verständnis und das Wissen wächst, wächst damit auch wieder die Anerkennung gegenüber euren Produkten.

    Beste Grüße

    0
  21. Nancy Ann Ritschl sagt

    Hallo,

    ich möchte noch mal als Verbraucherin einen anderen Aspekt in diese Diskussion bringen. Als Kind wurde ich zu einem verantwortungsbewussten Gebrauch von Lebensmitteln erzogen, wir hatten einen eigenen Garten, von dem wir das ganze Jahr gelebt haben. Es wurde eingeweckt, Marmeladen und Gelees gekocht, Äpfel eingelagert – welche ich als Kind im Winter gehasst habe, weil die so krumpelig waren, ich kenne mich mit Wirsing, Steckrübe, Rotkohl usw. aus und koche auch nach dem Saisonkalender. Inzwischen lebe ich in einer Großstadt in einem Vorort mit der Mehrzahl an nicht gerade reichen Menschen. Was mir hier auffällt, ist das es dieses Angebot nicht mehr in den Einkaufsläden frisch zu kaufen gibt, der Wirsing ist welk, der Rosenkohl auch, der Salat genauso, frische Kräuter liegen verwahrlost und gammelig im Wasser herum. Das macht mich wirklich traurig, denn mir ist es vollkommen schnuppe, wie etwas gewachsen ist, ob gerade oder krumm, ob mit schlechten Stellen. Aber dieses vitaminlose Zeugs, wo man dreiviertel von wirklich nicht mehr verwerten kann, das finde ich wirklich schlimm. Das andere Problem ist immer, dass ich als Verbraucherin immer einen ganzen Kopf Wirsing oder ähnliches kaufen soll, gerade in den kleinen Haushalten ist das einfach zuviel und einfrieren kann ich es auch nicht, weil ich nur ein kleines TK-Fach habe. Zum Markt komme ich nur sehr schlecht, weil das nicht zu meinen Arbeitszeiten passt, was ich immer nicht verstehen kann, warum ein Markt nur für Menschen da zu sein scheint, die morgens nicht arbeiten müssen oder schon im Rentenalter sind. Ich kenne noch den Milchmann, die Eierfrau und den Kartoffelmann, die von Haus zu Haus fuhren. Wenn ich heute die Fairmilch bei mir in den Läden suche, finde ich sie nicht. Ich würde gerne den Milchbauern ihren verdienten Preis bezahlen, kann ich aber nicht, weil sie aus dem Sortiment genommen wurde. Da kann ich nur die Arla Heumilch kaufen, wo ich auch weiß, dass dies nicht korrekt ist. Ich hab kein Auto, nur ein Fahrrad, ich esse kein Fleisch und kein Fisch, ich kaufe saisonal, wenn auch leider nicht immer regional, ich habe kein Smartphone, hab nur zwei Paar Schuhe, zwei Hosen und bezahle einer Vermieter- und Energieheuschrecke viel zu viel Geld, um überhaupt noch wohnen zu dürfen. Ein schönes Beispiel der totalen Verschwendung habe ich noch, in meinem Betrieb gab es eine Feier mit Catering, also Fingerfood. Der Abfall dieses Caterings hat die Menge der verzehrbahren Lebensmittel weit überstiegen. Aber die Leute waren alle voll aus dem Häuschen, wie hübsch es doch angerichtet ist mit all den Plastikspiessen und Papierförmchen – ein Spie0 mit einem Mozzarellakügelchen und einer Cocktailtomate plus einer Olive lag in einem Schälchen mit fünf Maiskörnern und einem Salatblatt. Die fünf Maiskörner und das Salatblatt wanderten in den Müll, dies multipliziert auf sechzig Personen. Zwei Jahre zuvor hatte ich die Wahnsinnsidee ein veganes Büffet anzubieten, dies wird mir bis heute noch nachgetragen, aber bei dem Büffet gab es null Müll. Tja…

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  22. Lieber Bauer Willi,
    Dankeschön für deine beiden beiträge. Der erste hat mich berührt,deine gefühle sind für mich nachvollziehbar

    Ich glaube das die Landwirte und Landwirtinnen aus ihrer“Bauernopferrolle“ heraus treten sollten. Dein Beitrag und Dialog ist ein Schritt der dazu führt
    Ich mach mir schon lange Gedanken zur Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und bin draufgekommen es gibt nicht eine richtige Lösung, nur viele Möglichkeiten. Verantwortliches handeln kombiniert mit wissen. Deshalb finde ich deine Beiträge und die Kommentare lehrreich. Ich bin Verbraucherin und bemühe mich verantwortlich einzukaufen, und habe auch immer noch Probleme bei der Kleidung, Energie, Auswärts Essen…
    Ich wünsche uns ein verantwortlich handeln jeder in seinem Möglichkeitsbereich. Ach ja und genussvolle Stunden mit guten „Lebens“- mitteln + wissen darüber.
    Liebe Grüße an dich Bauer Willi und allen Mitdenker -/innen.
    Ulrike

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  23. carmen sagt

    Lieber Bauer Willi, heut morgen haben mein Schatz und ich darüber gesprochen wo FairTraid beginnt und wie das wohl mit den deutschen bzw europäischen Erzeugern ist…
    Wir kaufen eine Mischung aus Bioregional, konventionell regional auf dem Wochenmarkt oder Direktverkauf + Bananen u ab und zu Obst das hier nicht zu haben ist. Aber es ist schwierig, oft umständlich und manchmal fast unmöglich (zB wenn man länger als bis 17 uhr arbeitet oder samstags arbeitet.

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  24. Christina sagt

    Lieber Bauer Willi, ich find’s richtig gut, dass Dir der Kragen so weithin vernehmlich geplatzt ist. Die harte Arbeit, die niedrigen Preise, die ständige Hetze. Logo, dass es knallt. Außerdem hast Du Wahres ausgesprochen.

    Und ich find’s gut, dass Du Dich so nett entschuldigt hast. Wir sind als Verbraucher alle Pappnasen. Und es gibt halt auch in diesem reichen Land genug Menschen, für die unsere preiswerten Lebensmittel ein Segen sind.

    Auf alle Fälle: Vielen Dank Dir und Deinen Kollegen für’s leckere Essen! Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Ihr uns jeden Tag satt macht!

    1+
  25. Matthias sagt

    Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler und will da auch gar nicht „mithalten“ können. Ich finde es nur schade, wenn heute in einem „guten Jahr“ nicht einfach ein paar Euro mehr übrig bleiben, die dann in einem schlechteren Jahr helfen können. Jede schlechte Ernte ist eine Katastrophe und jede gute Ernte inzwischen auch…..
    Es ist mir auch ein Rätsel, warum Spekulanten das Wirtschaftsgeschehen bestimmen: wenn ein börsennotierter Konzern in 2013 einen gewinn von 1 Milliarde Euro macht und in 2014 „nur“ noch 950 Millionen – dann werden Untergangsszenarien angestimmt und der Börsenkurs bricht ein….. dabei geht es dem Konzern nach wie vor blendend…..

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  26. Willi Kremer-Schillings sagt

    Lieber Jochen
    An dir wäre Wirtschaftswissenschaftler verloren gegangen. Wenn da nicht ein paar Dinge zurechtgerückt werden müssten.
    1. Hast Du schon mal einen Kartoffelacker im nächsten Jahr gesehen, wenn die Kartoffeln nicht geerntet wurden? Weißt Du was da wächst, wenn man auf diesem Acker z.B. Weizen einsät. Richtig: Kartoffeln, und zwar in Massen. Weil das 60 t/ha Pflanzkartoffeln entspricht statt der üblichen 2 t/ha. Also wird jeder vernünftige Landwirt alles tun, um die vom Acker zu bekommen. Kann ich dir beweisen.
    2. Die Biogasanlagen (oder auch Tierhalter) hier in unserer Region nehmen die Kartoffeln nicht mal geschenkt, selbst wenn man sie auf eigene Kosten dorthin fährt. Weil weder die Anlage noch die Kühe soviel Stärke verdauen können. Kann ich dir beweisen.
    3. Ja, er hat für einen Teil der Menge einen Vorkontrakt abgeschlossen zu einem Preis, der gerade noch so interessant erschien. Die „Herrgottskartoffeln“ hat er aber auch geerntet, in´s Lager gefahren, belüftet und wieder ausgelagert. Also hat er mehr als nur die Kosten für den höheren Nährstoffentzug. Im Mittel über Kontraktware und Übermenge bleibt aber ein Minus. Kann ich dir beweisen. Und er ist noch „dankbar“ dass ihm die Mengen überhaupt abgenommen wurden…

    Ich hoffe, dass Du meine – sachlich vorgebrachten – Argumente teilst. Wenn nicht, kannst Du Dich gerne noch mal dazu äußern. Vom Dialog profitieren immer beide!
    Bauer Willi

    4. Ihm

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    • Jochen Böhrer sagt

      das „Nichternten“ als Option hatte ich nicht vorgeschlagen. Aber OK.. ich hatte bei den höheren Kosten die geringfügig höheren Erntekosten durch evtl langsameres Fahren unterschlagen. Die häufigere Bunkerentleerung verbuche ich unter „Transport“. Aber die Option wäre soooo abwegig nicht gewesen. Zumindest bei mir hier hätte man in 4 von 5 Jahren davon ausgehen können, dass die Kartoffeln sicher erfrieren. Ausgerechnet letztes Jahr war das nicht der Fall. Wir wissen aber auch beide, dass auch bei sachgemäßer Ernte massig keimfähige kleine Kartoffeln auf dem Feld verbleiben.
      Zu der Wertigkeit von Kartoffeln in Biogasanlagen habe ich eine andere Meinung und andere Untersuchungen.. aber das würde hier zu weit führen. Und ich sehe auch, dass wir in Sachen Markt und Marktumgang keinen Konsens finden werden. Nur soviel: Er ist schon mit dem Einlagern in die Spekulation gegangen. Er hat schon zu DEM Zeitpunkt gewußt, dass es überreichlich Kartoffeln gibt. Schon zu DEM Zeitpunkt wurde freie Ware nur zu einem Bruchteil des Geldes vermarktet, das er durch seinen Vertrag bekam. Andersrum konnte sich auch der Abnehmer in den Arsch beißen, dass er die teure Vertragsware abnehmen mußte. Ich denke, dass du kontroverse Meinungen zum gleichen Sachverhalt akzeptierst und ich finde es jetzt auch gut, wenn wir unsere Kontroversen hier öffentlich austragen. Der Verbraucher darf gerne wissen, dass es den Königsweg nicht gibt. Dafür aber unterschiedlichste Philosophien.

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      • Willi Kremer-Schillings sagt

        Jochen, Freundschaft. Ich finde unseren Disput auch gut, weil er alle weiterbringt, besonders die, die es lesen.
        Nur noch ein Einwand: hier bei uns will kein Biogaser die Kartoffeln auch nicht geschenkt haben. Wenn Du zu viel reinpackst, sedimentiert die Stärke am Boden und du kannst den Fermenter ausbaggern. Habe ich selber gesehen, glaub´s mir. Wünsche Dir ein schönes Wochenende
        Bauer Willi

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        • Jessica Maier sagt

          Hallo Willi,

          gibt es denn wirklich keine andere Möglichkeit, wie dein Kollege die Kartoffeln anders sinnvoll hätte verkaufen können? Nicht außervertraglich, für diesen Witz von Preis? Ich kann mir schon vorstellen, dass das mit dem Biogas und dem Tierfutter in solchen Massen nicht funktioniert, aber es muss doch eine Lösung geben, wie man den Mehrertrag besser nutzen kann …

          Ich kann leider keinen guten Vorschlag machen, ich setze mich erst seit einer knappen Stunde intensiv damit auseinander und lese mir hier alle Kommentare durch, wobei ich sagen muss, dass mich dein erster Brief bisher am meisten bewegt hat (der übrigens keine Entschuldigung gebraucht hätte, immerhin hast du ja Recht, und der aggressive, dringende Unterton erreicht die Leute viel eher als sachliche Argumente). Ich muss zugeben, dass ich beim Einkaufen meistens „nur“ an die Tiere gedacht habe, viel weniger an die Pflanzen … Zumindest was den auf-die-Tiere-achten-Teil betrifft bin ich ziemlich stolz auf mich, weil ich (obwohl ich noch in der Ausbildung bin und dementsprechend wenig verdiene) zum Beispiel nur Freilandeier kaufe und sogar Milch aus der Region und sehr selten Fleisch – aber wenn, dann nicht im Supermarkt, sondern vom Metzger nebenan, der gutes Fleisch aus der nahen Umgebung anbietet.

          Es tut mir leid, dass ich bisher nicht auch auf die pflanzlichen Produkte geachtet habe, und es tut mir leid, dass ich nicht versprechen kann, von nun an einwandfrei einzukaufen, da mir dafür an allen Ecken und Enden das Geld fehlt… und ja, ein bisschen Geld leg ich mir auch für Freizeit auf die Seite, aber so ist das halt im Leben – man muss es LEBEN, was soll man denn sonst auf dieser schönen großen Welt?! Zumindest werde ich mich ab sofort anstrengen, mindestens saisonal einzukaufen und, wenn sich die Gelegenheit bietet, auch regional!

          Liebe Grüße, Jessi

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          • Bauer Willi sagt

            Liebe Jessi
            Du musst dich für nichts entschuldigen. Was mich unheimlich freut: du setzt dich mit dem Thema auseinander und denkst drüber nach. Das ist der Sinn der „Verbraucherbeschimpfung“. Ich bin auch kein Heiliger.
            Bauer Willi

            0
  27. Jochen Böhrer sagt

    Willi, nachdem Du jetzt gerade soviel Selbstkritik zeigst, kann ich es Dir ja schreiben: Dein Kartoffelbeispiel war ein ganz ganz schlechtes. Weil Dein Nachbar offensichtlich seinen Job nicht versteht. Du hast von Kartoffeln AUSSERHALB des Vertrages geschrieben. Das heißt soviel: Dein Nachbar hatte einen Vertrag.. und der war wohl auch preislich interessant.. sonst wäre ihn dein Nachbar auch nicht eingegangen. Und viele Gemüsefirmen machen genau das, was auch für die Zukunft der Milch der richtige Weg wäre.. eine aktive Mengensteuerung durch den Abnehmer anhand der eigenen Absatzprognosen. Wenn Dein Nachbar dann soviele Kartoffeln über Vetrag hat, so sind das sogenannte „Herrgottskartoffeln“. Kartoffeln, die ihm quasi zu den geplanten durch hohe Erträge fast geschenkt wurden. Einzige zusätzliche Kosten waren der höhere Düngerentzug und mehr Transportaufwand. Der Rohstoffpreis spielt in der Pommesproduktion nicht die große Rolle.. ob die jetzt 1 cent kosten oder 20. Die verarbeitungskosten sind wesentlich höher. Aber wenn ein Landwirt so töricht ist, und seine Übermengen andient wäre man ja blöd, mehr zu bezahlen als der Landwirt akzeptiert. Und scheinbar hat er den 1 cent auch akzeptiert. Und das ist ein gutes Zeichen dass er den Markt nicht verstanden hat. Pommes werden deshalb nicht mehr verkauft.. die nächstjährige Vertragsmenge zu guten Preisen wird (aktive Mengensteuerung!!!!) entsprechend gekürzt. Fazit.. Dein Nachbar hat dazu beigetragen, seinen eigenen Markt kaputt zu machen. Hätte er sie kompostiert oder an eine Biogasanlage geliefert wäre 10 mal Gescheiter gewesen. Selbst wenn er sie einem Biogaser geschenkt hätte, wäre er im Endeffekt besser gefahren, weil es nächstes Jahr höhere Vertragsmengen gäbe. Es gibt viele Machenschaften der abnehmenden Hand, die man anprangern kann. Aber DIESES Beispiel taugt nicht dazu.

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  28. Hallo Willi!

    Das ist eine nette Entschuldigung, aber ich denke, so richtig böse war dir gar keiner. Und der neueste Beitrag ist ja wieder mal gut! Es ist immer ratsam sich – wenigstens ab und zu – an die eigene Nase zu fassen, statt sich an derselben herumführen zu lassen. Niemand ist perfekt, weder im Leben noch bei der Arbeit oder beim Einkauf.

    In einem unterscheiden wir uns aber doch: ich kaufe niemals billige Gartenscheren und auch keine teuren, weil ich nämlich zwei linke Hände hab mit zehn Daumen dran. Deswegen wäre aus mir auch leider nie ein brauchbarer Bauer geworden.
    Viele Grüße aus dem Odenwald!

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    • Michael Gosch sagt

      Hallo 🙂
      Meiner Meinung bedarf es keinerlei Entschuldigung .
      Ich fand den Brief sehr treffend in seiner leicht aggressiven
      und überspitzen Schreibweise .
      Leise Töne hört man nicht
      und es entspricht doch der Realität .
      Rückwirkend kann man so einen Klageschrift immer
      kritisch überdenken .
      Wichtig ist es aber , so ein komplexes Thema immer und immer wieder
      dem Verbraucher auf den Essenstisch zu ballern um ihn sensibler
      für die Problematik zu machen .
      Deutsche Gurken sucht man doch im Supermarkt vergebens
      und neben den spanischen Gurken befindet sich auch gleich die Bioabteilung .
      Wieso heisst es nicht einfach Ali-Bi-O Abteilung ?
      Ich kann mich doch auch nicht über die Arbeitsbedingungen in Bangladesch
      aufregen und mir jeden Monat Billigkleidung beim Discounter kaufen .
      Wir wissen doch im Prinzip Alles !
      Es handelt sich doch nicht um ein Geheimwissen .
      Der Konsument kann etwas ändern .
      Man muss in nur immer wieder wachrütteln aus seiner Lethargie
      Man kann seine Verantwortung doch nicht ständig an die Politik abgeben
      und sich für sein Gewissen alle 4 Jahre mit einem Kreuz auf dem Stimmzettel
      die Absolution erschleichen .
      Ich erinnere mich noch sehr gut an die Milchkrise .
      Da haben Bauern in ihre Verzweiflung ihre Milchkühe erschossen
      weil sie nicht mehr in der Lage waren von ihrer Arbeit zu leben .
      Alle waren aufgebracht und betroffen .
      Der Deutsche ist generell immer schnell betroffen !
      Aber deshalb 20 Cent mehr für einen Liter Milch bezahlen ?
      Hühnerfarmen ?
      Die armen gequälten Tiere .
      Das ist doch ein unhaltbarer Zustand für die armen Tiere .
      Nur hört das deutsche Mitleid und der Tierschutz spätestens beim Eierkauf wieder auf .
      Man kann nicht alles richtig machen .
      Aber wenn man wissentlich Dinge nicht ändert – die man mit kleinem Aufwand ändern könnte
      ist doch schon sehr arrogant und dumm .
      Für Freizeit – Autos und Vergnügen ist dem Deutschen nicht zu teuer .
      Aber wenn es um Nachhaltigkeit geht , dann wird sich fast immer fürs eigene Portemonnaie entschieden .
      Man kann nicht immer alles richtig machen .
      Aber man sollte versuchen so wenig falsch zumachen , wie jedem Einzelnen möglich ist .

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      • Jochen Böhrer sagt

        Nana.. übertreiben wollen wir nicht.. näh..
        „Ihre Milchkühe erschossen aus Verzweiflung“
        Das war vielleicht gut gemeint.. aber mit solch pathetischem Blödsinn ist keinem Bauer geholfen.

        Und wenn es heutzutage gequälte Hühner gibt, dann liegt es DARAN,. dass nach dem Käfigverbot die tiergerechteste Haltungsform (ausgestaltete Kleingruppenkäfige) von unseren Ideologen hierzulande nicht erlaubt wurde.

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    • Myrtha Nerina Wolf sagt

      Lieber Willi.
      Danke für Dein Beitrag für die Aufklärung!
      Ich empfinde mitleid für Dich und den Deinen wenn ich Dein Brief lese aber ich möchte Dir volgendes sagen:
      es gibt auch Menschen die sehr wohl bewusst und sehr Gefühlsvoll mit unsere Erde umgehen, immer wieder neue Wege einschlägen um des erhaltens von Qualität statt Quantität! Menschen die sehr wohl bewusst die Bauern in ihre Nähe unterstützen und sehr wohl wissen was für eine wichtige Arbeit ihr für uns alle leistet, wissen das Qualitäts Essen nicht abhängig ist vom Äusseren erscheinen und das Qualität auch wichtig ist für uns Menschen. Qualität in dem Sinne, das es so Natur gerecht wie möglich hergestellt ist. Produktion und Nachhaltigkeit ist nicht einfach zu durchschauen aber es gibt Menschen die immer noch eine Natürliche Verbindung zu dieser Erde haben und die viel investieren um bei zu tragen das unsere Erde nicht leiden muss. Das wir alle nicht leiden müssen! Es gibt Menschen wie ich die sehr wohl sich angesprochen fühlen von deinem Schreiben und nicht gleichgültig weiterleben sondern dies zu Herze nehmen und das beste tuen im kleinen um somit im grossen etwas zu verändern! Die auch sehr wohl wissen das sie nicht die Mehrheit sind aber doch nicht aufgeben!
      Herzlich Grüsst Dich Myrtha

      0
    • buntehose sagt

      Hallo Bauer Willi,

      ich finde die Entschuldigung überflüssig. Nur weil sich ein paar Deppen auf den Schlips getreten fühlen, wenn ihnen jemand die Wahrheit sagt, beginnt ein Shitstorm und das arme Schwein, das mal Tacheles geredet hat, wird oder sieht sich gezwungen zurückzurudern.
      Danke für den Brief „Liebe Verbraucher“!
      CU
      Uwe

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      • Bauer Willi sagt

        Hallo buntehose

        Nein, ich rudere nicht zurück. Sitze gerade am nächsten Artikel! Da kommt noch was…
        Ich freue mich sogar über den Shitstorm! Nur so haben wir Landwirte Gelegenheit mit dem Verbraucher in einen Dialog zu kommen.

        Bauer Willi

        0
        • Annette Christophory sagt

          Super Herr Willi,
          dann freue ich mich schon auf den nächsten Beitrag. Wäre wünschenswert wenn
          der Verbraucher aufwacht und mal merkt welchen Mist er Tag für Tag in sich hineinstopft. Nichts gutes aber schön billig. Ich bin gern bereit mehr im Laden zu bezahlen, wenn ich weiß das es auch beim Landwirt/Produzenten ankommt und nicht im Handel steckenbleibt.
          Alles Gute und weiter so.
          Beste Grüße Annette Christophory

          0
    • Jonathan sagt

      Hallo miteinander. Als Sohn eines Milchviehlandwirtes der alles aus eigener Kraft mmithilfe uns Kindern stämmt bin ich genau deiner Meinung. Sowohl Wolli als auch Thomas. Ich habe mit 16 Abitur und wollte medizin und mathe studieren. Dennoch werde ich voraussichtlich unsern Hof übernehmen. Aus HERZBLUT. Ist es nicht das was uns Landwirte über Wasser hält? Und der grosse Unterschied zwischen in Bangladesh produzierter Textilware und deutscher Milch: über die billigen arbeiter in bangladesh wird wirklich diskutiert und das kommt auch an die Öffentlichkeit. Bauern können immer leicht in einEck gedrängt werden: wenn ich nur daran denke das Bauer schon ein Schimpfwort unter jugendlichen ist.. erschreckend.. und ohne das gutzuheißen. In china sind die leite froh um die arbeit und ihr lebensstandart ist wesentlich geringer sie brauchen niht so viel. Sicher ist es nicht gerecht aber dort gibt es auch leute die dagegen arbeiten. Ich finde erst einmal zu Hause für ordnung sorgen.. denn in deutschland läuft viel falsch nicht nur bei uns landwirten und wie mit uns umgesprungen wird. Und jetzt kommt Pegida und macht auf vieles aufmerksam und sie werden sofort ins rechte eck gedrängt (ich merke ich schweife ab). Zum schluss noch eins: Ich finde nicht der verbraucher ist schuld. Die fehlende Lobby der Landwirtschaft ist es die es unmöglich macht etwas zu ändern. Und die gilt es herzustellen von Uns !

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