Alois
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Die Kontrolle des Kontrolleur’s

Hier ist der Alois. Vor wenigen Tagen hatte ich meine jährliche „Bio-Betriebsprüfung“. Eigentlich nichts Aufregendes, eher jährliche Routine. Dachte ich…

Doch dann wurde es spannend. Mein Kontrolleur informierte mich gleich bei der Begrüßung, dass er noch hohen Besuch erwartete: Und zwar eine Prüferin von der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft aus München, welche seine Betriebskontrolle live überprüft! „Macht mir doch nichts aus“, dachte ich zuerst. Doch als die Prüferin dann ankam, war mein Prüfer doch deutlich angespannter. Die Folgen waren logisch. Der Prüfer nahm es recht genau.

Nachdem der Basis-Papierkram (Betriebsdaten-Check) durch war, ging es raus zum Betriebs- und Feldrundgang. Noch nie wurden alle drei Feldstücke am Hof abgelaufen. Aber diesmal schon. Und der Prüfer stellte ständig Fragen und machte sich Notizen. Bei einem Feldstück steht ganz Nahe an der Grundstücksgrenze ein Stadel. Prompt kam die Frage, ob dieser Stadel mir gehört? Als ich verneinte schaute er auf dem Luftbild nach, ob dieser nicht doch auf meinem Grund steht. Dann der nächste Schuppen und wieder diesselbe Prozedur. Als wir schließlich wieder den Hof erreichten, hatte seine Frage endlich Erfolg. Der „Pferdestadel“ gehört mir und ich durfte ihn zur Begutachtung aufsperren. Wir haben ja 4 Pferde auf dem Hof. Für diese Pferde hatte sich bisher noch nie ein Bio-Prüfer richtig interessiert. Diesmal bekam ich die eindeutige Ansage, dass die Pferde „prüfungsrelevant“ seien. Die Prüferin kannte sich mit der Materie sehr gut aus und erklärte mir freundlich und detailliert, warum das so ist. Dazu gäbe sogar ein Gerichtsurteil, auf dessen zitieren ich dann doch gern verzichtete, zumal mir der Sachverhalt logisch vorkam und die Pferde bei einem sparsamen Bauer, wie bei mir, eh keine teuren „Leckerlis“ bekommen, deren Inhaltsstoffe möglicherweise den Bio-Richtlinien widersprechen würden.

Aber dafür wagte sich der mutige Prüfer sogleich in die Pferdebox um die Selbsttränken zu überprüfen. Prompt fand er heraus, dass die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu gering sei. Doch zu meinem Erstaunen winkte die Prüfer-Prüferin ab, mit dem Hinweis, dass die Pferde wohl keinen Durst hätten. Das würde schon passen. Bei den Ställen interessieren die Prüfer ganz besonders die Maße. Und da kam die Bemerkung, dass der Stallplan in seinen Unterlagen nicht auf dem neuesten Stand sei. Ich versprach ihm einen neuen Plan zu zeichnen. Der letzte Knackpunkt waren dann die Tiefstreuboxen, wo er zuwenig frisches Stroh ausmachte. Wobei wir dann geradewegs in einer anregenden Diskussion zum Thema Tierwohl landeten. Weil ich der Meinung war, dass ein kurzer Prüferbesuch doch überhaupt nicht beurteilen könne, ob der Bauer mit seinen Tieren gut umgehe, was für mich unbedingt zum Tierwohl dazu gehört. Mir wurde von Beiden zwar nicht direkt widersprochen, doch meine Prüfer-Prüferin erklärte mir, dass sie die harten Fakten überprüfen müssten. Mein Hinweis, dass es keine Vorschrift mit XX Strohhalmen je Quadratmeter gibt, war sicher unklug, wie eine Reklamation beim Schliedsrichter bei einer Ermessensentscheidung. Folglich steht der Lapsus jetzt im Prüfungsbericht.

Aber egal. Zur finalen Abschlußrunde unterhielten wir uns noch prächtig über alle möglichen Themen, während der Prüfer mit seinem mobilem High-tech-Scanner alle vorgelegten Dokumente digitalisierte (inlusive dem neu gezeichnetem Hofplan). Ich merkte sehr gut, dass sich nun auch der Prüfer wieder „entspannte“. Er „schenkte“ mir sogar noch 1 Stunde Kontrollzeit, die ich sonst hätte bezahlen müssen (so eine Prüfer-Prüfung frisst doch auch Zeit).

Mein Fazit: Es gibt keine freien Bauern mehr – und auch keine freien Prüfer! Und jeder Prüfer ist auch nur ein Mensch. Was wir gemeinsam haben ist, dass wir alle irgendwie in unseren Systemen funktionieren müssen. Der Bauer beantragt und der Prüfer kontrolliert. Und damit alles mit rechten Dingen zugeht, wird der Prüfer auch wieder kontrolliert. Ob die Prüfer-Prüfer wieder kontrtolliert werden, weiß ich nicht. Wahrscheinlich auch. Der gute alte Lenin würde sich freuen, wenn er das hätte noch erleben können. Weil sein (kommunistischer) Spruch „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser“ sich auch im Kapitalismus durchgesetzt hat…

Euer Alois

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80 Kommentare

  1. Corinna sagt

    Ein Lob an Alois und dessen lobenswerte Praxis, ein Lob an den Prüfer, der ja auch alles richtig gemcht hat und ein Lob an die Prüfer-Prüferin, die sich nicht alleine auf Aussagen des Geprüften verlassen hat und relaxt war, wo es Sinn machte. So stell ich mir das ganze vor. Danke.

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  2. AdT sagt

    „Es geht mehr um den Umfang und die Sinnhaftigkeit bestimmter Kontrollen. Allerdings nicht nur in der Landwirtschaft…“ (Bauer Willi)

    Nicht erkennbar. Welche denn? Dann kann man die zu kontrollierenden Gesichtspunkte ja benennen. Das wäre konstruktiv (oder soll die Strohmenge je m2 und die Fließgeschwindigkeit in ml/s doch messbar geregelt werden??).

    Alles andere ist nur Stimmungsmache und bedeutet, einem libertären und somit scheinliberalen Freiheitsbegriff das Wort zu, der Freiheit mit Befreiung von so ziemlich allen Regularien gleichsetzt – außer es geht um Regularien, die andere einzuhalten haben.

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    • Brötchen sagt

      adt für fliessgeschwindigkeit gibt es beim Schwein eindeutige Regelungen. ist auch einfach zu messen. Uhr und Gefäße.

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      • AdT sagt

        Ich bin durchaus ein Freund klarer Regeln. Bereichsspezifische Regelwerke sind wie ein Nachschlagewerk und Checkliste, die Sicherheit gibt und den Anwalt und das Gericht vermeiden können. Damit kann so manche Streitigkeit mit Behörden und Vertragspartnern im Keim erstickt werden. Ohne klare Regeln müssen Analogien gezogen, Gerichtsurteile gesucht und ausgewertet werden. Das ist für den Laien aufwändig bis unmöglich und auch für den Rechtsberater zeitaufwändig (Kosten!).

        Klare sachgebietsbezogene Regeln, die teure Rechtsberatung ersparen, schaffen zudem Waffengleichheit zwischen finanziell unterschiedlich ausgestatteten Parteien.

        Das sind wesentliche Aspekte, die oft vergessen werden, wenn die Anzahl verbindlicher Regeln kritiklos mit Unübersichtlichkeit/Unsicherheit gleichgesetzt wird. *)

        *) Diese Ausführungen beziehen sich nicht auf das Steuerrecht. 😉

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        • Brötchen sagt

          adt aus Tierschutzsicht ist zollstocktierschutz natürlich manchmal kontraproduktiv. z.b. die luxvorgaben u. beschäftigungsmaterial sind dafür gute Bsp. die schwammigen Vorgaben bezüglich kastenstand das Gegenteil.

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          • AdT sagt

            Wodurch kann denn ein Mindestmaß an Platz ersetzt werden? Durch weniger Platz und weniger Licht?

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            • Brötchen sagt

              @adt Platz ist unstreitig und schon immer geregelt gewesen. wenn die bucht gut strukturiert ist, dann hilft mehr Platz auch nichts. zumal das System an sich (Lüftung, Entmistung usw.) immer auf eine belegdichte ausgelegt ist, auch die baurechtliche Genehmigung. wenn Schweine schlafen sind die lichtvorgaben Stress. erste ruhephase ist vormittags, also ist da volle Pulle Licht, nicht notwendig. wäre bei einer zeitl. Regelung schwer zu kontrollieren, also hat man reingeschrieben 8 h volle Pulle Licht. Wer gut baut hat ja sowieso eine gute natürliche ausleuchtung. wenn es warm wird aber wiederum auch nicht so gewünscht. heute gibt es recht gute schattennetze. habe ich bei meinem gewächshaus und funktioniert gut.

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            • bauerhans sagt

              „wenn die bucht gut strukturiert ist, dann hilft mehr Platz auch nichts“

              heute nachmittag gerade erlebt,dass eine 22er ferkelgruppe(45kg)im stall „packen gespielt“ hatte und eins unter die räder gekommen war.
              das quiekte nochmal und als ichs raus zog ,wars tot,tot getrammpelt.
              das kommt zum glück sehr selten vor.

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          • Thomas Müller sagt

            Erinnert mich an Leute die sagen, ich kann zwar finanziell nichts bieten aber sehr viel Liebe und Zuwendung. Als ob Liebe/Zuwendung und Geld sich ausschließen. Wichtig ist beides zB für Elternschaft (Geld im Sinne von solider Existenzgrundlage, nicht unbedingt Reichtümern).

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Ich stimme Dir zu, dass klare Regeln besser sind als Ermessensentscheidungen. In Punkto der Pferdehaltung begrüße ich somit das Machtwort der Prüfer-Prüferin. Alle Prüfer vorher hatten keine klaren Vorstellungen dazu. Aber diese Expertin händigte mir sogar ein eindeutiges Merkblatt der LfL zu dem Thema aus.

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    • Bauer Willi sagt

      @Adt
      nur ein Beispiel: Ein Nachbar musste nach der letzten Prüfung ein Schild am Hoftor anbringen: „Vor Betreten des Hofes beim Betriebsleiter melden“.
      Ich finde solche Regelungen kontraproduktiv und auch relativ schwachsinnig. Ich möchte, dass jeder auf meinen Hof kommen kann und das ist meine freie Entscheidung. Ich möchte mir etwas, dass nicht meinem persönlichen Willen entspricht und dessen Sinn mir nicht einleuchtet, nicht von einem Prüfer diktieren lassen. Jedenfalls nicht bei diesem Beispiel.
      Ich finde Deinen Begriff von Scheinliberalität überzogen. Und wenn Du meinst, dass ich damit Stimmung machen will, verstehe ich das auch nicht.

      Übrigens: Wenn der Nachbar bei der Nachkontrolle das Schild nicht aufgehängt hat, muss er mit Sanktionen rechnen.
      Bauer Willi

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      • AdT sagt

        Das hört sich jetzt wirklich seltsam an. Ich erlebe in Behörden zumeist sehr verständige Menschen, auch wenn dort natürlich immer wieder Fehler gemacht werden (wer macht das nicht) oder Vorschriften zu kulant ausgelegt werden, weil man eine Betriebsansiedlung/-erweiterung haben möchte. Mich würde interessieren, was der Hintergrund dieser Regelung ist. Mit diesen Verbandsprüfungen, QS und so, kenne ich mich nicht aus, das scheint so eine spezielle Landwirtschaftssache zu sein. Vielleicht geht es da recht semiprofessionell zu, weil es keiner so gern macht und dort nur halbgare Maßnahmen ergriffen werden können, damit den zahlenden Mitgliedern Aktivität vorgeheuchelt wird, diese aber nicht verschreckt werden sollen? Das wäre in der Tat ein sehr jämmerliches Unterfangen. Unsinniges würde ich mir nicht gefallen lassen. Ich bin aber auch in keinem Verband, in dem ich mich irgendwelchen Kontrollen unterworfen habe. Ich kenne, offen gestanden, derartige „Sachzwänge“ nicht.

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        • Bauer Willi sagt

          @Adt
          da sind wir uns ja Gott sei Dank einig. Ich kenne die Begründung nicht. Der Betrieb hat auch kein Vieh, dann hätte ich sogar noch ein gewisses Verständnis dafür. Der Betrieb ist auch in keinem besonderen Verband (außer Bauernverband), der das fordern würde. Die Hofgebäude stehen seit 200 Jahren, die Nachbarn wohnen dort seit Jahrzehnten und schütteln nur den Kopf. (und halten sich natürlich nicht an diese Regelung).
          Ich selbst habe Audits (ISO 9002) erlebt, wo mir der Prüfer den Sinn einer „Abweichung“ nicht erklären konnte. Ich sollte aber Verständnis dafür aufbringen, dass er ja nicht das dritte Mal in Folge 100 Punkte vergeben könnte. Das hat mir als Begründung aber nicht gereicht. Die „Abweichung“ wurde trotzdem zu Protokoll genommen, wir haben 98 Punkte bekommen. Damit kann ich leben, ärgern tut es mich trotzdem.
          Bauer Willi

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          • AdT sagt

            @ Bauer Willi

            „…wo mir der Prüfer den Sinn einer„Abweichung“ nicht erklären konnte.“

            Er wusste nicht, was er tat. Ja, so etwas ist in der Tat ärgerlich.

            Wer fordert die ISO 9002, die Genossenschaft und deren Abnehmer?

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            • Bauer Willi sagt

              @AdT
              Die Forderungen nach Audits und anderen Kontrollen kommt immer von außen. Oder hast Du schon mal selbst eine Forderung aufgestellt, Dich zu kontrollieren? Ist doch wohl eher selten. 🙂

              Es ist ja richtig, dass die Einhaltung von Gesetzen kontrolliert wird. Aber es darf m.E nicht sein, dass man der Willkür des Prüfers ausgeliefert ist und er neue Regelungen „erfindet“. Ich habe ein solches Hofschild bei anderen Betrieben bisher nicht gesehen. Zum Glück. Wie also kommt der Prüfer bei meinem Nachbarn dazu, ein solches zu fordern? Und das ist ja nur ein Beispiel.
              Bauer Willi

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            • AdT sagt

              Deswegen frage ich ja, wer die Anwendung der ISO 9002 fordert. Das war keine rhetorische Frage. Vielleicht eine dumme Frage, weil es nur der Abnehmer sein kann.

              Nee, Willkür darf natürlich nicht sein. Vielleicht hat sich der gute Mann auch einfach vorschnell auf einen dämlichen „Lösungsvorschlag“ irgendeines Sachbearbeiters eingelassen. Ich will das nicht kleinreden und die Verantwortlichkeit vertauschen, ich kenne den Sachverhalt und die Personen nicht und kann daher nur in alle Richtungen „assoziieren“.

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            • Bauer Willi sagt

              War mir klar, dass das keine rhetorische Frage war. Meine Frage zurück: kaufst Du ein Produkt eher, wenn es ein Label trägt? Ist auch so ein Thema. Denn für jedes Label gibt es wieder eine eigene Kontrolle, was auch logisch ist. Aber welchem Label kann man trauen? Und ich meine jetzt nicht nur landwirtschaftliche Produkte.
              Bauer Willi

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            • AdT sagt

              Ehrlich gesagt, habe ich noch nie auf Labels geachtet, außer auf Labels im Sinne von Marken, aber da nicht bei Lebensmitteln. Einschränkung: Hier und da habe ich beim Kaffee zu fair trade gegriffen – wenn im Supermarkt/Discounter verfügbar. Das war dann zugleich auch nicht so ein Balance-/mild-Gedöns. Und: Wenn ich mal Fleischersatzprodukte kaufe (selten), dann möglichst nicht von den Fleischunternehmen. Ich empfehle Berief aus dem Westfälischen. Am Wochende kaufe ich mein Brot, Obst und Gemüse auf dem Markt in der Nähe, um die Bio-Tierhaltung der dort vertretenen Tiere zu unterstützen. Aber ich binvom Thema abgekommen. 😉

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  3. AdT sagt

    Das Ob und Ausmaß der Normentreue steht in Abhängigkeit mit dem empfundenen Entdeckungsrisiko, dieses mit der Kontrolldichte, und der Strafdrohung/-durchsetzung. Unabhängig davon, ob Kommunismus, Liberalismus oder soziale Marktwirtschaft herrscht. Wissen eigentlich alle Eltern, Lehrer und Hundehalter.

    Kommunismus ohne Leistungsanreiz für die eigene Tasche führt zum Überwachungsstaat, weil man meint, die Leistung durch mehr Überwachung steigern zu können. Marktwirtschaft ohne Kontrolle mag zwar keinen Gesetzesdschungel hervorbringen, führt aber zum Gesetz des Dschungels.

    Bio ist doch sogar freiwillig, oder doch nicht?

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Ja, mein Bio ist freiwillig. Und ich stelle es auch nicht in Frage. Die Bio-Kontrolle ist Teil des Qualitätsmanagement. Ich schildere diese Prüfung deshalb, weil ich einen Einblick geben will in die Realität des Kontrollierens, die nicht nur bei Bio so praktiziert wird. Z.B. auch mit Cross-Compliance. Wir Landwirte nehmen öffentliche Gelder und akzeptieren damit auch die Kontrolle. Das darf, und das soll der Verbraucher auch wissen. Ich bin auch nicht unzufrieden mit dieser Kontrolle und habe mich auch nie von den Prüfern in irgendeiner Weise gegängelt gefühlt. Jeder macht hier seinen Job. Ich als Landwirt genauso, wie der Kontrolleur. In diesem System bedingen wir uns sogar gegenseitig.

      2+
    • Mark sagt

      „Das Ob und Ausmaß der Normentreue steht in Abhängigkeit mit dem empfundenen Entdeckungsrisiko,“
      Das stimmt nur bedingt. In erster Linie ist die Normentreue abhängig von der Sinnhaftigkeit der Norm. Erfahrungsgemäß steht eine Normeninflation im reziproken Verhältnis zu deren Sinnhaftigkeit!

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      • AdT sagt

        Die empfundene Sinnhaftigkeit mag eine Rolle spielen. In erster Linie ist die Normentreue von der Sinnhaftigkeit der Norm aber nur dann anhängig, wenn die Normentreue einem unmittelbar oder auf absehbare Zeit nützt (do ut des), eben auch im Sinne von Vermeidung von Nachteilen einschließlich Ahndungen.

        Nach Deiner Ansicht müssten die meisten Autofahrer Rettungsgassen und das Verbot, auf abgehenden Fahrstreifen rechts zu überholen, für absoluten Schwachsinn halten, auf den man nur scheißen kann. Oder das Verbot, Rotzfahnen und anderen Müll aus dem Fenster zu werfen, damit der Schnött nicht in der Türverkleidung hängt. Hier wäre mal eine rigorose Verkehrserziehung sinnvoller als die übertretenen Regeln abzuschaffen, weil sie momentan kaum eingehalten werden.

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        • Mark sagt

          „Nach Deiner Ansicht müssten die meisten Autofahrer Rettungsgassen und das Verbot, auf abgehenden Fahrstreifen rechts zu überholen, für Schwachsinn halten, auf den man nur scheißen kann. Oder das Verbot, Rotzfahnen und anderen Müll aus dem Fenster zu werfen.“
          Wo habe ich denn einen solchen Schwachsinn behauptet??? Manchmal geht wohl Deine juristisch-vegane Phantasie mit Dir durch …

          4+
          • AdT sagt

            Ich habe Dir nicht unterstellt, dass Du das behauptet hättest. Diese Implikation weise ich deutlich zurück!

            Ich habe Deine Aussage „In erster Linie ist die Normentreue abhängig von der Sinnhaftigkeit der Norm“ u.a. am Beispiel Rettungsgasse überprüft: Einfache Regelung, deren Sinn sich unmittelbar erschließen sollte, aber trotzdem allgemeine Missachtung.

            Wenn vegan-juristische Phantasie bedeuten soll, dass man sich keinen naiven Illusionen hingibt, bin ich einverstanden. Ernährung ist auch so ein Beispiel dafür, dass Wunsch (Sinn und Verstand) und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Alle sind gegen Massentierhaltung, die meisten davon aber trotzdem Massenfleischesser, und einige von denen haben sogar „Die Macht des Verbrauchers“ gelesen und für überzeugend befunden. Aber hier tut sich was, langsam aber stetig, trotz Bauer Willi… 😉

            2+
            • Mark sagt

              Um bei dem von Dir vorgegeben Thema Verkehr zu bleiben, die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt sich bei mir bei den mit Haltbarkeitsdatum versehenen KFZ-Verbandskästen, welche nach Ablauf durch einen neuen ersetzt werden müssen (bei Verstoß ist Busssgeld fällig). Folge: es werden massenhaft beste, originalverpackte Verbandskästen weggeworfen……

              Zum Thema Massentierhaltung: ich habe diesen Winter dazu eine Umfrage auf einer Skihütte in Südtirol gemacht. Bei Jagatee und Schinken-Hirtenmakkaroni war kein einziger gegen Massentierhaltung…..

              1+
            • fingerphilosoph sagt

              Vegan-juristische Phantasie ist naive Illusion, weil sie offenbar davon ausgeht, mit Gesetzen, Normen und Regeln Widerspruchsfreiheit herstellen zu können. Doch die Wirklichkeit ist nicht eindeutig, sondern eine Art Vexierbild.

              Symbiose ist in der Natur gleichzeitig immer auch Ausbeutung, Zusammenarbeit immer auch Konkurrenz. Das Miteinander immer auch ein Gegeneinander. Es ist nie nur das Eine oder das Andere.

              Entsprechend interpretiert der Bauer Massentierhaltung als Symbiose, während der vegane Stadtmensch sie als Ausbeutung interpretiert.

              Gesetze, Normen und Regeln versuchen, den Widerspruch aufzulösen, was aber nicht gelingen kann, weil der Widerspruch in der Wirklichkeit selbst verankert ist. Bzw. dort ist es ja gar kein Widerspruch. Dieser entsteht erst durch den Versuch, die Wirklichkeit in eindeutige Begrifflichkeiten zu fassen.

              Bei diesem Versuch, das Unmögliche trotzdem möglich zu machen, kommt es in der Folge zu einer exponenziell steigenden Flut von Gesetzen und Vorschriften, die in ihrer Fülle schließlich nicht mehr durchschaubar sind und die sich auch in sich widersprechen.

              2+
            • AdT sagt

              @Fingerphilisoph
              Du schreiben alles Mögliche. Mit meiner (liberalen) Auffassung hat das nichts zu tun. Du gibst auf Stichworte nur irgendwelche Assoziation zum Besten, ohne je konkret zu werden.

              „Allgemeine Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unheil anzurichten.“ Goethe

              Interessant wird es erst (für mich), wenn man sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzt.

              Im Übrigen habe ich NIE gesagt, man müsste vegan mit juristischen Mitteln, gar mit Zwang, durchsetzen!

              1+
            • fingerphilosoph sagt

              Erwartest Du etwa, dass ich mich auf solche Diskussionen wie Du sie im Folgeartikel „Für jeden erhältlich …“ über Flufenacet, Metosulam und Glyphosat führst, einlasse?

              Du verlierst Dich für jeden ersichtlich in Texten und Begrifflichkeiten, die nicht mit der uns umgebenden materiellen Wirklichkeit identisch sind. Mir scheint, Du verwechselst Gebrauchsanleitungen und Gesetze mit der durch unsere Wahrnehmungsorgane erfahrbaren Welt.

              Allgemeine Begriffe und große Dünkel mögen entsetzliches Unheil anrichten, Korinthenkackerei aber genauso. Nur den Wald und nicht die einzelnen Bäume zu sehen, geht genauso fehl wie nur die einzelnen Bäume und nicht auch den Wald zu sehen.

              Sich endlos in konkreten Details zu verlieren und dabei vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen, bringt es eben auch nicht. Das richtige Maß macht’s.

              2+
            • AdT sagt

              Es ging um die Frage, ob Bauern benachteiligt oder ungerecht behandelt werden, weil ein Mittel (Permaclean) für Haus- und Kleingärten zugelassen ist, aber für die Landwirtschaft nicht. Es war eine aggressive, aber produktive Diskussion, für mich mit dem Ergebnis (trotz oder wegen einer Fehlannahme von mir in einem Punkt): Eine Benachteiligung durch Zulassungsbehörden kann schon deshalb nicht vorliegen, weil der Hersteller von Permaclean gar keine Zulassung für die Landwirtschaft beantragt hatte und es wohl keine sinnvolle Verwendung in der Landwirtschaft gibt.

              Emotionen, das was unser Leben stark prägt, sind abhängig von technischen und rechtlichen Sachfragen. Und technische, rechtliche Sachfragen können falsch, unscharf, unvollständig – zu undetailliert – dargestellt werden, um Emotionen zu schüren.

              Denn es hängt für den Einzelnen, für Gruppen, die Gesellschaft, vieles ab von Sachfragen, oder es kann so getan werden, als hinge vieles davon ab. Der heutige Artikel von Bauer Willi bringt ein thematisch passendes Beispiel dafür, dass Unkenntnis von etwas zu schlechteren Ergebnissen und zu Verarsche führt (Bayer vermarktet nun Roundup ohne Glyphosat, also eine toxischere Variante als diejenige mit Glyphosat). Ich könnte gravierende Beispiele dafür anführen, was aus einem naturalistischen und biologistischen Weltbild folgt, wie Du ihm anscheinend anhängst. Eine Gesellschaft funktioniert ohne tieferes Verständnis und Verstehenwollen des Gegenübers und dessen Belangen, vermeintlichen Details, auf Dauer nicht.

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            • Brötchen sagt

              @adt danke für die gut durchdachte Antwort an den Philosophen. steckt viel drin, was man weiter diskutieren könnte.

              1+
            • “Eine Gesellschaft funktioniert ohne tieferes Verständnis und Verstehenwollen des Gegenübers und dessen Belangen, vermeintlichen Details, auf Dauer nicht.“

              EINE Gesellschaft funktioniert auf Dauer nicht, weil sie eben nicht “ohne tieferes Verständnis und Verstehenwollen des Gegenübers und dessen Belangen, vermeintlichen Details“ aufgebaut ist, sondern sich durch Ausbeutung so lange wie möglich zu erhalten gedenkt.

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            • Mark sagt

              @AdT
              „Emotionen, das was unser Leben stark prägt, sind abhängig von technischen und rechtlichen Sachfragen.“ Ob man diesen Satz so stehen lassen kann müsste unser Philosoph mal prüfen, für mich ist er nicht nachvollziehbar.

              Die entscheidende Frage gestern war eigentlich, ob es korrekt sein kann, offensichtlich Sachunkundigen ein solches Mittel zur Verfügung zu stellen. Landwirte müssen, völlig zurecht, in Besitz eines Sachkundenachweises und eines TÜV-geprüften Ausbringgerätes sein. Die Sachunkundigen verschütten das Zeugs teilweise mit der Gießkanne. Da wird mit zweierlei Mass gemessen.

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            • AdT sagt

              @ Brötchen: Das freut mich.

              @ Guido Vobig: Dann warten Sie mit dem Verständnis und Verstehenwollen solange, bis wir die Gesellschaft haben, die Ihnen das ermöglicht und Ihnen auch sonst genau passt.

              @ Mark:
              Das mit dem Sachkundenachweis klang auch an, dazu habe ich den Vergleich mit dem Personenbeförderungsschein für Taxifahrer, dem Gesundheitsnachweis für Berufsköche und der Eintragung in die Handwerkerrolle für Berufshandwerker gebracht.

              Die Hauptaussage sehe ich aber im Beklagen vermeintlicher Ungerechtigkeit: „Für jeden erhältlich – für Landwirte nicht“. Wenn es Bauer Willi um den Gebrauch im Garten ohne Sachkundenachweis gegangen wäre, hätte man auch darauf abstellen können, dass viele PSM zugleich für die berufliche und die Anwendung im Garten zugelassen sind, und nicht nur ein einzelnes NUR für den Garten. Das machte mehr SInn.

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  4. Altbauer Jochen sagt

    Perfektionismus dreht allen die Luft ab.
    Vollkommenheit gibt es nirgendwo. Es wäre vernünftig,
    Schwächen und Fehler mit gesundem Menschenverstand zu betrachten
    ihre Relevanz richtig einzuschätzen und zu Verbesserungen zu kommen.
    Kontrolleure müssen ja auch etwas finden ,sonst würden
    sie sich selbst erübrigen, -das geht ja gar nicht-
    jeder kämpft um seinen Arbeitsplatz !
    Ich besinne mich auf das ,was einst einen Bauern kennzeichnete, Freiheit in seinen Entscheidungen, Selbstverantwortung für Nutzen / Schaden
    aus den Folgen seines Handelns. Statt dessen Reglementierung, Gängelung,Bestrafung bei Unfolgsamkeit, das gibt’s nicht mal mehr im Kindergarten ! Wo sind wir bloß hingekommen !

    5+
  5. Friedrich sagt

    Ja , so ist das mit den Kontrollen. Wir sind nicht zu weit von Hannover weg. Das hat den Nachteil , daß wir in den letzten 13 Jahren 55 mal kontrolliert wurden, denn die Prüfer müßen nur je nach Institution bis zu 20% der Höfe/Jahr prüfen, also möglichst in der Nähe , daß spart Zeit und man hat die Vorgabe erfüllt. Die Kosten für die Kontrollen betragen lt.einer Fachzeitschrift fast 2000 Euro/Berieb/Jahr. Auch wenn der Prüfer nicht kommt. Bei 275.000 Betrieben zzgl. Pferdebetriebe , Gewerbebetriebe, Biogasanlagen, also rd. 300.000 Betriebe x 2000 Euro = 600.000 Mill. Euro/Jahr. Dazu kommen für die kontrollierten Betriebe noch die zusätzlichen Beratungskosten um überhaupt alle Gesetze umzusetzen zu können. Von den Investitionskosten , wie Stallumbau, Maschinen , sowie die Zeit für die Dokumentation garnicht erst zu sprechen. Das ganze geht in die Mrd. Euro/Jahr. Dabei muß man wissen , daß damit kein Einkommen erzielt wird, sondern Geld , Freizeit und Freiheit verloren geht. Nachfolgende Organisationen haben bei mir geprüft: Tiergesundheitsamt, Landesamt für Verbraucherschutz, Veterinäramt, Q+S, ISO
    9000, CC-Kontrollen von derLandwirtschaftskammer.Fast alle Kontrollen ziehen eine Rechnung nach sich . Die Dokumentation ,täglich eine Stunde , ist leider für die Ablage und später für den Papierkorb, denn das läßt sich nicht alles nachkontrollieren.Vor zwei Jahren wurde unsere Greeningfläche nachgemessen und ein Erdhaufen von 60 m2 rausgemessen , den wir nicht angegeben hatten. Das war das Ergebnis von zwei Prüfern an einem Tag. Teilweise finden die wochenlang keine Flächendifferenzen , da bis zu 2% erlaubt ist. Alle Flächen in Deutschland sind kastermäßig erfasst, aber das glaubt man nicht. All diesen Wahnsinn haben die EU und speziell hier in Deutschland die GRÜNEN nochmals verschärft. Das ist totale Kontrolle wie in einer Diktatur. Kein Wunder , daß hier neue Parteien auf die Bildfläche kommen.

    8+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      >>.Vor zwei Jahren wurde unsere Greeningfläche nachgemessen und ein Erdhaufen von 60 m2 rausgemessen , den wir nicht angegeben hatten.<<

      He,he, 60 m2 ist eine Haufen Zeugs in Südbaden wurde ein Kanalisationsschacht nicht herausgemessen, der in der Wiese war. 🙁

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  6. bauerhans sagt

    es kommt auf die prüfer an, sind alles nur emotionale wesen.
    männer sehen es lockerer,frauen sind genauer.
    einer hatte private probleme,wie ich zufällig heraus fand,da hatte ich interveniert,wurde aber sofort zurecht gewiesen,dass das ergebnis fest steht, ich eine neue überprüfung auf meine eigenen kosten beantragen könne.
    einem leitenden mitarbeiter konnte ich das problem erklären und das protokoll wurde geändert.

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  7. Mark sagt

    Hatten die Prüfer keinen Luxmeter dabei um die Lichtverhältnisse im Stall zu messen? Und kein Luftanalysegerät zur Messung der Methan- und Ammoniakgehalte im Stall? Wurden die Pferdeboxen nicht mit einem Lasermessgerät vermessen, ob sie denn auch der Tierhaltungsverordnung entsprechen? Wurden keine Futter- und Boodenproben gezogen? Und was war mit Deinen Moggele? Wurden Harnproben gezogen? Wurde Dein Weidetagebuch kontrolliert? Bestandregister fristgerecht und vollständig geführt? Was war mit der Alpe, wurde die nicht begangen? Fragen über Fragen? Alois, ich glaube Du hattest nochmal großes Glück, beim nächsten mal wird die Schlinge zugezogen!

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Der Prüfer hat sich genau im Kontext mit den Richtlinien bewegt. Da gibt es eine Kontrollliste und diese hat er abgearbeitet. Ich fühlte mich in keiner Weise schikaniert. Da er selbst parallel nun geprüft wurde, hatte er wenig Spielraum. Ich glaube, dass diese Art Kontrollen auch den Prüfern keine besondere Freude bereiten. Sie gehören wohl im Rahmen des Qualitätsmanagement dazu.

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