Bauer Willi
Kommentare 35

Wohin mit Bio-Getreide und Bio-Schweinen?

Es ist kaum bekannt und wird auch nicht thematisiert: Der Absatz von Bio-Getreide wird immer mehr zu einem Problem.

https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/2019/08/interview-lbv-praesident-wendorff-schlechter-absatz-bio-getreide.html

Doch was für Getreide gilt, bahnt sich auch im Markt für Bio-Schweinefleisch an.

https://www.br.de/nachrichten/bayern/zu-geringe-nachfrage-nach-bio-schweinefleisch,RPzUATs

Übrigens sind die Verhältnisse auch im Nachbarland Österreich nicht anders.  Ein Blick auf die Lagerbestände bei Getreide (Seite 6 oben) belegt das. Bisher hatte man viel nach Deutschland und die Schweiz exportiert.

https://www.ama.at/getattachment/c963c669-370b-4e2a-8588-213975623c68/MB_07_2019.pdf

Hier der Bericht eines Bio-Bauern aus der Schweiz: https://www.landfreund.ch/betriebsleitung/riegel-schieben-bei-bio-11805618.html

Es sieht so aus, dass die „Goldenen Zeiten“ für Bio-Bauern erst einmal vorbei sind. Wenn es sie denn jemals gab… Bauern, die an eine Umstellung denken, sollten sich zumindest vorher sehr gut mit der Vermarktung beschäftigen. Produzieren ist einfacher.

Euer Bauer Willi

 

(Aufrufe 8.136 gesamt, 4 heute)

35 Kommentare

  1. firedragon sagt

    Wir bauen unter anderem Körnermais für die menschliche Ernährung an.
    Die Maismühle liegt um die Ecke. Wir haben mit dem Chef gesprochen und angefragt, ob er Bedarf an Biomais hat… nein, der Markt ist voll, es wird nichts mehr benötigt.
    So viel dazu, Umstellung auf Bio sei das Allheilmittel.

    2+
  2. o. w. sagt

    Wenn ich meine Frau richtig verstanden habe, ist in der Zeit der Reformen in der VR China den Bauern ein Teil des enteignetes Land zum ausreichenden Anbau für ihre Ernährung als quasi Eigentum gegeben worden.
    Meine Frau wurde mit 18 drei Jahre zu Bauern in den Reisbau geschickt mit einem Projekt „Jugendliche lernen auf dem Lande“, zusammen mit den ganzen anderen Wissenschaftlerkindern wohnend, deren Eltern in das Stahl-und Kohlegebiet in die Mandschurei geholt wurden und die auch ein halbes Jahr keine Schule mehr hatten und später nicht studieren konnten, wie ihre oft beiden Eltern aus Schanghai.
    Sie wurden erzogen zur Handarbeit und am Lernen von anderem Wissen gehindert
    Sie sah sich mit ihrem älteren Bruder 1979 mit 22 Jahren die beruflichen Möglichkeiten in der ersten Sonderentwicklungszone in Schenzen bei Hongkong an, wo sie später in der Textilbranche fast bis 1998 bis zu unserer Heirat blieb.
    Sie meint, dass der Reis damals für den Export bestimmt war.

    Heute 9.8.19 auf S.B(usiness)3 importiert China Schweinefleisch 66% mehr als letztes Jahr steht in der Global Times , 65% mehr Rindfleisch. 400-500 t kommen mit dem Zug aus Kasakhstan jeden Monat. Später aus der Ukraine und Weißrussland noch dazu. Auch Russland liefert bereits Gerste statt wie früher Frankreich.
    Bei der Meldung der Shanghai Daily fragte ich mich vor Jahren, was es wohl bedeute für die US Bauern, wenn Ministerpräsident Li oder dessen Vorgänger ankündigte:“ Wir werden nicht immer Flugzeuge und Soja abnehmen“.
    In den vielen von Reporter im TV befragten US Wirtschaftsfachleuten, meinte eine Wirtschaftsverbandsvorsitzende, dass die US Regierung die richtigen Fragen
    verhandele im Streit um die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen und allein der US Präsident die Entscheidungsmacht habe auf ihrer Seite.
    Jetzt sind im TV US Bauern zu sehen, deren Lager gefüllt blieben, wo sie im letzten Jahr fast geleert waren und ein farbiger Bauer hat mit einer alten Drillmaschine gekaufte Hanfsamen ausgesät und hofft, er könne die Nachfrage nach Narkotika gemindertem oder freiem Hanf kurzfristig als Geschäft aufnehmen.
    Die Bauern in Schenzen im Süden, auf deren Eigentum Fabriken gebaut wurden, spielten am liebsten untereinander Brettspiele und mochten ihre Freizeit voll genießen. Die Probleme ihrer Landmädchen und Frauen versuchte meine Frau in der Fabrik anzuhören, zu verstehen und zu vermitteln. Da ist Menschlichkeit bei der Umstellung im Arbeitsleben ganz wichtig.
    Jetzt ist sie auch bei Menschenrechtlern aus deren eigenem Recht vermutlich als „Ausbeuterin“ auf der Angeklagten Seite. Die Ankläger sind die „Guten“, obwohl sie nur die Stimmung machen und keine gute Zukunft schaffen können.
    Die Firma gibt es unter neuen Besitzern, die auch zukünftig für Sicherheit im Alter sorgen, auch für Frauen.
    In Schanghai ist es ganz anders.
    Sie sagt, dass die wohlhabend gewordenen ländlichen Familien in Häusern wohnen, die viel Wert sind. In ihren großem Gärten für Gemüseanbau sehe ich hochwachsende Perlhirsen, Mais, Schwammgurken und subtropisches Obst abends und Feiertagen arbeiten sie, während Neubesitzer Gärtner anstellen.
    Eine Frau lief gestern stolz mit ihrer Hacke an den Wartenden an der Bushaltestelle vorbei.
    Sie werden noch wohlhabender dabei auf Gartenbauniveau , mit Dünger und Chemie, nicht wie früher, wo die Nachttöpfe morgens früh eingesammelt wurden für die Felder.
    Ohne Rücksicht im Umgang mit die Natur geht es nicht, auch auf die Bäume, die wegen der Anwendung von Herbiziden auf den unkrautfreien Beeten, die nur wenige, kleine Blätter haben und nicht beschatten, schon eingegangen sind und nur kahle Zweige tragen.
    Unkrauthacken wollen sie nicht; vielleicht hat keiner eine Hacke dafür angeschafft.
    Einer müsste damit anfangen!

    0
  3. Thomas Apfel sagt

    Ergänzend ein paar Fakten zum Öko-Markt in Deutschland:
    (Quelle AMI „Marktbilanz Öko-Landbau 2018)

    Der Absatz von Öko-Brot stagniert seit 5 Jahren (2013 73,4 Tt und 2017 73,4 Tt)

    Der Absatz von Öko-Fleisch hat in 5 Jahren um 26 % zugenommen, was auf die starken Zuwächse bei Rind- (Milch) und Geflügelfleisch (Eier) zurückzuführen ist.

    Eiweißfutter wird zu 51 % importiert (je etwa 35 Tt Eigenerzeugung und 36 Tt Import)

    Der Gemüseabsatz hat 2013-17 um 21 % zugenommen. Die Zunahme kommt annähernd zu 100 % aus Importen (Gurken, Tomaten, Exoten). Die Freilandproduktion in Deutschland stagniert.
    Die Importquote bei Bio-Gemüse liegt bei 58 % (der Menge)

    Der Bio- Kartoffelabsatz ist leicht rückläufig. ( von 81 Tt 2013 auf 73 Tt 2017)
    Die Importquote liegt bei 31 %.

    Zuwächse beim Obst gehen ebenfalls fast vollständig auf Importware zurück.
    Der Apfelabsatz stagniert seit 10 Jahren bei einer Importquote von ca.. 30 %.

    Das sind die Zahlen und Fakten, die man sich zu Gemüte führen muss um seine Marktchanchen zu prüfen. Da nütz aufbauendes Gelaber in der Praxis wenig oder nichts, hier zählen nur die harten Fakten.

    8+
  4. Eckehard Niemann sagt

    ZUR KENNTNIS:

    Kommentar zur Situation des Ökolandbaus
    von Carsten Niemann, Vorsitzender des Fachausschusses „Ökologischer Landbau“ im Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V.

    Werte Berufskolleginnen und Kollegen,
    zurzeit erreichen mich viele Fragen zur Situation des Ökolandbaus.

    Es herrscht gerade unter den Umstellern aber auch bei etablierten Betrieben die Sorge der Marktüberschwemmung, mit all ihren negativen Folgen. Eine besonders unrühmliche Rolle nahm dabei die Pressemitteilung des Bauernbundes von Jochen
    Dettmer ein; schlecht recherchiert, Situationen verkennend, Angst schürend. Das hat meines Erachtens nach nichts mit guter Verbandspolitik zu tun. Daher freut es mich, hier die durchaus differenzierte Situation im Ökolandbau zu beschreiben.

    Wir haben es nicht mit einem Markt oder einem Problem zu tun. Wir haben drei Bereiche zu betrachten:

    1. Der etablierte, auf über 10 Mrd. € gewachsene Biomarkt für anerkannte Bio-Ware – nach der Umstellung. Hier haben wir einen stabilen Markt, der nicht von der Schwemme an Umstellungsgetreide in die Tiefe gerissen wurde oder wird, da die Produkte gebraucht und verkauft werden. Die jetzt zu verzeichnenden Preis-bewegungen sind völlig normal am Bio-Markt. Zum Beispiel Preise ab Station Ldw.:
    • Leicht fallend: Bio-A-Weizen von 40 – 42 € auf 36 – 38 € oder Futtergerste von 32 auf 28 €
    • Stabil: Hafer um 36 €, Dinkel 45 €
    • Steigend: Bio-Kartoffeln von 50 auf 62 €
    Lediglich der Bio-Roggen steckt in einer Krise, da die gute Bio-Roggen Ernte ’19 kaum Käufer findet. Aber hier müssen wir Bio-Bauern uns leider an die eigene Nase fassen, inkl. der Autor. Wir haben uns nach der Ernte 2018 verzockt! In der Ernte ’18, bis in den September des gleichen Jahres, wurde mit dem Argument „schlechteste
    Dürreernte ever“ auf extreme Preise spekuliert und nicht verkauft. Die Mühlen glaubten an die Nichtverfügbarkeit dt. Ware und haben sich bis Anschluss Ernte ’19 mit baltischer und kanadischer Ware eingedeckt. Das merkten die dt. Bio Bauern viel zu spät und seitdem steht der Markt. Das hat nichts mit Umstellern oder zu hoher Ökoförderung zu tun!

    2. Die Bio-Markt Stärke: Wie leistungsfähig der kleine Bio-Markt geworden ist, war während der letzten Umstellungswelle 2015/2016 im Milchbereich zu sehen. Auch dort hatten wir zwei Jahre große Umstellerzahlen, die aber mit Verkaufswachstums-Raten von bis zu 50 %(!) im Markt bei gleichbleibenden Preisen untergebracht werden konnten. Maßnahmen, die das ermöglichten, waren eine gute und durch den BÖLW als Branchendachverband moderierte Branchenkommunikation, Wartelisten in den Molkereien und Austausch von Importware durch dt. Ware, Auflage von Neuprodukten durch die Molkereien usw.

    Ich war in der Zeit selbst Verbandsvorsitzender und habe unseren Betrieben nur gesagt: Ich weiß nicht, ob es klappt, aber wir als Bio-Branche haben zum ersten Mal die Chance es hinzubekommen, da unser Markt eine kritische Schwelle überschritten hat. Es hat geklappt. In den Umstellungswellen davor haben wir in jeder Welle mindestens ein Jahr gelitten, aber der Bio-Markt und die dahinterstehenden Verbraucher haben sich immer wieder weiter nach oben entwickelt. Das wird auch dieses Mal so sein, denn das Umweltbewusstsein wird nicht geringer.

    3. Die aktuelle Umstellungswelle: Da gibt es nichts zu beschönigen – der Drops ist für die Ernte ’19 gelutscht. Aber man muss die Gründe verstehen, um nicht zu verzweifeln. Wir haben in ’17 und ’18 bei einer bisherigen Bio-Fläche von ca. 50.000 ha eine Steigerung von 34.000 ha gehabt. Und diese gesamte Fläche darf nur ein „U-Bio-Monoprodukt“ produzieren, nämlich Bio-Umstellungsfuttergetreide. Und dieses darf laut dt. Verbandsrichtlinien nur zu 1/3 dem Bio-Futter beigemischt werden. D.h. hier ist eine derartige Marktübersättigung gegeben, die diesen extremen, schmerzhaften Preisverfall bedingt. Erschwerend kommt die Vielzahl der neuen Akteure hinzu, die bislang keine konzeptionelle Kommunikation ermöglichen.
    Beispielideen: Überlagerung oder Export, vielleicht auch mit dem Handel ein „EU-Umstellungs-Bio-Brot“ beim Discounter? Aber für solche Ideen braucht man Ruhe, Zeit und die richtigen Handelspartner.

    Allerdings darf man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass für die ersten zwei Umstellungsjahre eine deutlich höhere Bio-Förderung kommt. Auch diese stand groß in der Kritik, jetzt wird sie vielen Betrieben helfen. Hier wäre eine vorzeitige Auszahlung eine große Möglichkeit der Politik den Umstellern zu helfen. Dies sollte sich auch unser Verband auf die Agenda setzen.

    Zum Schluss noch ein Wort zur allgemeinen Situation: Ich habe es in über 30 Berufsjahren noch nie für so wichtig gehalten, etwas für unsere Umwelt zu tun. Wenn ich sehe, was da draußen passiert, egal ob Dürre oder der erste Gletscher aufgelutscht ist, ob Greta oder der Eisbär. Die Situation ist ernst. Und da streiten wir über eine Mittelverteilung mit Argumenten aus dem kalten konventionell-gegen-bio Bauernkrieg?

    Ökologische Landwirtschaft ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode zur Reduzierung vieler Probleme, sie hat und wird weiterhin vielen Betrieben eine Perspektive geben. Darüber hinaus kommt jeder Euro in den Bioprogrammen
    ’19 und fortlaufend einem konventionellen Kollegen zu Gute. Mir nicht, ich habe meine Förderung. Mal drüber nachdenken.

    Mit besten Wünschen
    Carsten Niemann

    10+
    • Obstbäuerin sagt

      Für die konventionellen Bauern wird die Situation noch ernster, wenn die Mittel, die durch verschiedene Aspekte reduziert, in großem Maßstab auf den kleinen (8 % ?) Öko-Sektor umverteilt werden. Immer noch wird von Bio-Seite und der NGO`s samt Grünen kommuniziert, dass nach der Umstellung mit einem geminderten Ertrag von 80 % zu rechnen ist. Das mag für den einen oder anderen speziellen Fall möglich sein aber im Durchschnitt werden nicht einmal 50 % erreicht. Inzwischen haben wir gelernt, Herr Niemann, dass Wissenschaft oder deren Auslegung ein windiges Geschäft sein kann. Siehe nächsten Blogbeitrag.

      5+
    • bauerhans sagt

      „Ökologische Landwirtschaft ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode zur Reduzierung vieler Probleme“

      wirft aber auch neue probleme auf.
      benötigt mehr arbeit,mehr fläche,um den gleichen ertrag zu erzielen.
      die eingesetzten spritzmittel (schwefel,natürliche insektizide) haben nebenwirkungen.
      benötigt mehr finanzielle unterstützung.

      9+
    • Elisabeth Ertl sagt

      Herr Niemann, in Österreich haben wir bald 30% Biolandwirtschaft, aber nur 10% des Konsums ist bio. Und das zeugt von vergleichsweise hohem Umweltbewusstsein der Bevölkerung! Ohne Export würde es nicht gehen.
      Der Fleischkonsum der Österreicher aber ist im internationalen Vergleich hoch und im letzten Jahr sogar wieder leicht gestiegen. Nun planen die Grünen bei uns 100% Bio in 10 Jahren – als europäische Vorreiter. Wenn aber jemand darauf hinweist, dass Bio weniger Ertrag bedeutet, dass also bei derzeit 90% Selbstversorgungsrate der EU flächendeckende Biolandwirtschaft ohne problematische Mehrimporte nur möglich ist, wenn – sagen wir es offen – Lebensmittel rationiert werden, dann wird das von unseren Grünen vehement bestritten. Jeder könne weiter frei konsumieren nach seinem Geschmack, man müsse nur den Bauern Druck machen bzw. die finanziellen Mittel entsprechend umschichten. Und eine solche Politik finde ich unverantwortlich.

      14+
    • Thomas Apfel sagt

      Der „Bauernkrieg“ ist weder kalt noch Konvi gegen Bio, sondern eher umgekehrt. Der „Bio-Bauernkrieger“ lässt diesen Krieg unter wohlwollender Beobachtung über Medien, BÖLW und NGO´s führen . Von der Seite der modernen Landwirtschaft gab es bislang keine unfairen Angriffe auf die Öko-Landwirtschaft, umgekehrt alle Tage.

      5+
  5. Elisabeth Ertl sagt

    Passend zum Thema: eine Auseinandersetzung zwischen einem Schweinebauernvertreter und dem Spitzenkandidaten einer Tierschutzpartei: https://www.puls4.com/Wahlkampf-LIVE/Videos/Ganze-Folgen/Wahlkampf-LIVE-Die-Wahlarena-mit-Peter-Pilz
    Leider wurde die Diskussion von der Moderatorin abgebrochen, wo es erst richtig spannend geworden wäre: nämlich, wie kriegt man die von der Bevölkerung gewünschten Tierschutzstandards hin unter den Bedingungen der Billigfleischkonkurrenz aus dem Ausland.

    0
  6. Friedrich sagt

    Nichts ist besser gegen „Hohe Preise“ als „Hohe Preise“. Gegen diese Marktgesetze kann keiner etwas tun , außer man wirtschaftet in einer Nische , wie mal die ersten Biodirektvermarkter. Diese Zeit ist jetzt mit steigender Menge vorbei und das Hamsterrad beginnt jetzt auch im Segment Bio an zu laufen. Schade , daß unsere Politik mit der wahnsinnigen Förderung und medialer Unterstützung diese Nische für die kleineren Betriebe auf Grenzstandorten kaputt gemacht hat. Ein großer Teil dieser , ja gewünschten Betriebe wird jetzt von den eigenen grünen Ideologen fertig gemacht. Der Staat ist eben ein grausiger Unternehmer. Nur der Markt mit „Sozialer Marktwirtschaft“ kann für die Zukunft unseres Gemeinwesens der Weg sein , aber das müßen noch sehr viele Leute lernen, denn zwischen Traum und Wirklichkeit ist eine große Lücke.

    21+
  7. Die Bioflächen werden je Hektar ca. doppelt so hoch gefördert wie konventionell und ernten, sind wir großzügig, ca. 50 %, dann wird das kg Biogetreide viermal so hoch subventioniert wie konventionelles,wenn sie nun mit „Robustrasse“ der Biobetriebe (mehr kg Futter je kg Fleisch) mit einheimischen Eiweiß wie Bohnen und Erbnsen ( ungünstige Aminosäurenstruktur) ohne künstliche Aminosäuren auf gentechnsicher Basis in deutlich ungeschützteren Ställen Biofleisch erzeugen, dann ist die Subvention je kg Biofleisch irgendwo bei 20 € je kg! Dabei haben wir aber vergessen, dass Biobetrieb ja auch noch deutlich höhere Zuschüsse zum Stallbau bekommen und bei Verpachtungen bevorzugt werden und und und…..dann kostet das kg z.B. BioEdelteil im Lebennmittelhandel 28 € das kg! Ohne die zusätzlichen Subventionen wäre der Preis bei 45 €+ X je kg! Ich habe mit dem Geschäftsführer eines Schlachthofes gesprochen der die Bioschine deutlich zurückfährt, Mästern die Verträge gekündigt hat, weil der Mutterkonzern aus der Schweiz eine Gewinnwarnung herausgeben mußte und alle Verlustbringer beendet werden!

    Statistiken belegen, dass im Schnitt Konsumenten mit deutlich höheren Einkommen Bioprodukte kaufen, wollen wir das Essen der Reichen und Schönen höher Subventionieren als das der armen Kinder in Deutschland (etwa 4,4 Millionen Kinder in Deutschland sind nach Schätzungen des Deutschen Kinderschutzbundes von Armut betroffen – etwa 1,4 Millionen mehr als bisher ) ,

    Bio ist nachweislich nicht gesünder, schmeckt nicht besser bei Blindverkostung und über Nachhaltigkeit streiten sich die Gelehrten je nachdem welchen Ansatz man hat. (kann ich gerne weiter ausführen, ist abendfüllend…)

    10+
  8. James Taylor sagt

    Der Markt fuer handwerklich erstklassig erzeugte Waren, ich nenne das immer Bauernmanufaktur, ist nicht gross, was aber nicht daran liegt, dass nur wenige Menschen das kaufen wollen, sondern es ist preislich vergleichbar mit handgemachten Schuhen, also jenseits der finanziellen Moeglichkeiten der Mehrheit der Konsumenten.
    Biomassenware im Supermarkt ist nicht „Demeter“ oder besser. Ein „echtes Brot“, also ein innerhalb von zwei Tagen mit Ruhephasen und ohne Zusatzchemie erzeugtes Brot kostet mich umgerechnet etwa 12 Euro. Schinken von natuerlich lebenden Schweinen, die dieses Leben mindestens 15 Monate geniessen durften, oder Gemuese der Sorten, die allein auf Geschmack und nicht auf Haltbarkeit, Resistenz oder Aussehen gezuechtet wurde, macht im Rahmen eines Wochenendeinkaufes eine Geldsumme aus, die dem Ruestungsetat eines Entwicklungslandes entspricht. Da wird die Zahl der Abnehmer/Konsumenten klein.
    Ausserdem uebersteigen die Mengen, die eine Bauernmanufaktur erzeugen kann, nicht die Groesse, die ein Hofladen oder ein Feinkostgeschaeft abnimmt. Die irrigen Vorstellungen von gerade von der Hochschule abgegangenen Betriebswirten in den Einkaufsabteilungen der Handelskonzerne, die mit dem Mantra aufgewachsen sind, dass lineare Rabatte beim Einkauf von Lebensmitteln etwas mit dem Alltag zu tun haben, verstaerken diese Fehlentwicklung noch. Biomassenware ist eben ein Widerspruch in sich. Auch deshalb stockt der Markt fuer diese Produkte.

    10+
    • Paulus sagt

      Irrtum Mr. Taylor, handgemachte englische Schuhe halten bei mir mind. 25 Jahre, wenn ich diese pflege und ab und zu mal bei einem fachkundigen Schuster neu besohlen lasse. Diese Produkte besitzen für mich einen nachvollziehbaren Mehrwert, zumal die Klassiker keiner Mode unterworfen sind. Bei Hemden aus der Jermyn Street ist es nicht anders.
      Bis zum heutigen Tag konnte mir jedoch niemand erklären, welcher Mehrwert den z.T. exorbitant hohen Preis irgendwelcher Bioprodukte rechtfertigt.
      Ernährungsphysiologisch sind die nach Aussagen mir bekannter Verbraucher-organisationen und Ökotrophologen nicht wertvoller als konventionell erzeugte Produkte, und mit Demeter-Esoterik darf man mir schon gar nicht kommen.
      Was das von ihnen aufgeführte Brot betrifft, sprechen wir von handwerklich aufwändigen Backverfahren, die je nach Sicht der Konsumenten einen Mehrwert darstellen. Bei den Erzeugnissen werden aber sie keinen Unterschied feststellen, ob das Getreide konventionell erzeugt wurde oder ob dort bei Neumond 25 Jungfrauen durch die Reihen getanzt sind.

      19+
      • Elisabeth Ertl sagt

        Naja, zum Kauf von Bio gehört schon auch Idealismus. Eine gepflegte traditionelle Alm ist ein Ort maximaler Biodiversität. Wenn ich da bei einem entsprechenden Direktvermarkter Milch oder Fleisch kaufe, dann verhindere ich damit, dass dort auch schon Kraftfutter hinaufgekarrt und mit Gülle überdüngt wird, oder dass die Flächen aufgelassen und somit der Produktion von Lebensmitteln vollends entzogen werden in einer Welt knapper werdender Ressourcen, noch dazu, wo in diesen Höhen nicht einmal der Wald wirtschaftlich nutzbar ist, von der Verarmung der Biodiversität und der Gefahr von Desertifizierung einmal ganz abgesehen. Und Milch von Bergkräutern schmeckt auch wirklich besser.
        Das darf einem schon etwas wert sein. Ich kaufe bei unseren vielen lokalen Direktvermarktern nicht ausschließlich bio, ich hab da meine eigenen Kriterien. Aber im Supermarkt tu ich es immer noch – nicht weil ich sicher wäre, dass das gesünder ist, nicht einmal, dass es überhaupt bio ist und nicht irgendein Nepp, sondern als Statement, dass ich zu jenen gehöre, die prinzipiell bereit sind, mehr zu zahlen, wenn ich weiß wofür.

        3+
      • James Taylor sagt

        Wie waere die Antwort „Geschmack“?
        Das ist subjektiv, ich weiss, und wenn Sie beispielsweise Raucher waeren, koennten Sie den Unterschied zwischen einem Abwaschtuch und einem Demeter-Schnitzel gar nicht schmecken, weil die Rezeptoren verkuemmert sind.
        Uebrigens, ich backe grundsaetzlich und ausschliesslich mit dem Mehl aus Getreide, das bei Neumond von 25 Jungfrauen tanzend geerntet wird. Ist viel besser fuer die Libido.

        1+
  9. Walter Parthon sagt

    Pfirsiche aus Spanien, Marillen aus Italien, Birnen aus Argentinien oder Südafrika. Alles am heutigen Tag gesehen und fotografiert. Natürlich alles BIO, Natur pur und heimatbewusst. Wer’s glaubt, wird selig. Mit der Klimawandelneurose wird gutes und zugleich schmutziges Geld verdient. Fleisch aus heimischer Landwirtschaft ist wegen der CO2 Bilanz mittlerweile verpönt, Obst und Gemüse – 1000te Kilometer eingeflogen – hingegen politisch korrekt. So werden Konsumenten verarscht, hinters Licht geführt, in Wahrheit betrogen, deren Gewissen beruhigt! Die Konzerne reiben sich die Hände, machen fette Gewinne, der Bürger zahlt, die Umwelt leidet, unsere heimische Landwirtschaft an den Rand des Ruins gebracht. Vegetarier-Tage amtlich verordnet, als fadenscheinige Maßnahme gegen den prophezeiten Klimawandel. Die Heuchelei kennt keine Grenzen und solange sich Deppen finden, die der Lebensmittelindustrie täglich in die Falle tappen, wird sich auch nichts ändern.

    32+
    • James Taylor sagt

      „Bio“ ist so etwas wie der moderne Ablasshandel, stimmt.
      Sie haben vollkommen recht, die Konsumenten werden hinter die Fichte gefuehrt, … aber, und das darf nicht verschwiegen werden, sie wollen das auch genau so. Ist ja auch sehr einfach fuer das Gewissen, hier ein nicht nachpruefbares Label als reine Theorie einer Entstehungsgeschichte, dort 10ct fuer den Bruderhahn. Gewissen darf auch nicht zu viel kosten, sagt der Mensch. Der Anschein allein reicht vielen schon.

      22+
  10. Ottmar Ilchmann sagt

    „Bauern, …, sollten sich zumindest vorher sehr gut mit der Vermarktung beschäftigen. Produzieren ist einfacher.“ Sehr gute Maxime, Willi, und auch für konventionelle Kollegen sehr zu beherzigen: Sei es, dass man Millionen investieren will, um noch mehr Milch in einen überlaufenden Milchmarkt zu liefern, sei es, dass man sich als Zuckerrübenanbauer Hoffnungen auf die Chancen des Weltmarktes macht, oder dass man als Schweinemäster munter drauflos produziert, damit Tönnies und Konsorten China mit Schweineteilen fluten können.

    3+
    • Christian Bothe sagt

      Da sind die Konvis eben den Bioproduzenten weit voraus. Nur weil es momentan „in“ ist auf Bio umzustellen, war und ist ein Fehler zumal es ernährungsphysiologisch keinen Unterschied zwischen den Erzeugnissen gibt.Der LEH ordnet das Ganze nur als Produktlinie ein und es kann jederzeit ausgelistet werden. Da nützen auch die Aussagen von vom neuen Messias der Grünen nichts, wenn er sagt: „..wir brauchen eine andere LW“. Effektivität und industriemäßige Produktion sind gefragt und da liegen die Schweinemäster genau richtig und die Preise stimmen momentan. Nur die industriemäßige Produktion im konventionellen und eben auch im Biobereich werden positive Deckungsbeiträge erwirtschaften können und auch Subventionen vermindern können.

      7+
  11. Es ist tröstlich das sich konv. Betriebe große Sorgen um den Biomarkt machen vor allem weil man die Märkte ja selbst im „ Griff hat“

    2+
    • Lieber RR bei politischen Plänen von 30% der Betriebe und der Fläche auf Öko MUSS sich jeder konventionelle Betrieb damit beschäftigen. Interessanterweise fehlen hier noch die Darstellungen im Milch und Rindfleisch. Träumereien, Hirngespinsten und ökonomischen Irrsinn kann sich kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr erlauben – egal ob konventionell oder öko.

      3+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Mein lieber RR,
      ich glaube weniger dass sich die konv. Betriebe Sorgen um die Bios machen,
      die geben nur Hinweise, dass weitere Umstellungen nicht zielführend sind.
      Das sind alles komplizierte Zusammenhänge, die dem Außenstehenden nicht geläufig sind.

      9+
  12. Brötchen sagt

    Übrigens der im BR Beitrag gezeigte Betrieb kann nie Bio sein, da der stinknormalen Spaltenboden im Auslauf hat. Sowas ist nicht mal im Stall erlaubt.
    Falls das doch Bio sein soll, dann ist das zu hinterfragen.

    In BB haben wir ein spezielle Situation.
    Meines Erachtens geht das schon mit Bio, zwingend ist aber ein starker Ausbau der Veredlung auf allen Ebenen. Wurde hier schon oft angesprochen, von vielen.
    Mehr Bio bedeutet, viel mehr Veredlung!!
    Da sind wir nicht mal am Anfang.
    Als zweites muss die Prod. kostenoptimierter werden!
    Da wird noch zuviel verschenkt!

    Für viele Betriebe war Bio eine Option, da die Größe vorhanden war und die Erträge sowieso sehr schlecht. Da lohnt eine starke Intensivierung nicht.
    Wer sehr guten Boden und natürliche Bedingungen hat, wie Bauer Willi braucht darüber eigentlich nicht nachdenken, ausser vielleicht bei Spezialkulturen o.ä.

    Das oben angesprochene ist noch ein langer Weg.

    2+
  13. bauerhans sagt

    ein nebenerwerber und sein nachbar stellten vor 2 jahren um und ich fragte nach dem absatz des getreides.
    kein problem,meinte der nebenerwerber,uns gehts erstmal um die höhere agrarknete!

    4+
    • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

      Die ersten Öko-Euronen erntenden Betriebe haben vorsorglich auch bereits beim Landtechnikhändler des Vertrauens nachgefragt, wie man seine erst jüngst erworbene Technikwunderspritze -ein Invest im hohen fünfstelligen Bereich- für 5 Jahre „einmotten“ könne, um sie anschließend im Bedarfsfall wieder störungsfrei in Betrieb zu nehmen…

      4+
  14. Und Molkereien nehmen auch keine zusätzlichen Biomilchlieferanten mehr auf, da die Absatzmöglichkeiten für Biomilch erschöpft sind. Wohin also mit den zukünftig staatlich erzwungenen Bioprodukten ???

    13+
    • Arnold Krämer sagt

      Unmittelbar erzwungen wird da nichts. Die (verarbeiteten) Bioprodukte werden immer billiger angeboten, weil der Erzeugerpreis sind. Der Ausgleich für den Landwirt erfolgt dann über Prämienzahlungen des Staates. Das kann (wird) auf Dauer die Gesellschaft auch nicht leisten.

      3+
      • „Unmittelbar erzwungen wird da nichts.“ Noch nicht. Feiwilligkeit und Anreizsysteme reichen angeblich nicht. Das uns künftig „regierende Grüne Sektrum“ hat doch eine klare Ansage gemacht: 50% Ökolandbau bis 2025 etc.pp. und das gesetzlich verankert, notfalls auf der Basis dieser Gesetze erzwungen.

        5+
        • Arnold Krämer sagt

          Wenn die Viehbestände in den Ballungszentren der Veredelung nachhaltig ausgedünnt sind, die verschärfte Düngeverordnung umgesetzt ist, noch mehr Wirkstoffe im Pflanzenschutz verboten werden, ist die konventionelle Landwirtschaft auch nicht mehr so ganz weit von den Bedingungen der Bio-Erzeugung entfernt.

          Die Frage ist nur, ob dann bei deutlich verteuerter Agrarproduktion in D die Agrar-Rohstoffe und auch Lebensmittel verstärkt aus dem europäischen oder außereuropäischen Ausland eingeführt werden. Vermutlich schon, weil unter solchen Vorzeichen allgemeine Wirtschaftsentwicklung, Arbeitslosigkeit, verfügbares Einkommen einerseits und Kostenentwicklung in der heimischen Agrarerzeugung andererseits in dieselbe steigende Richtung laufen werden.

          3+
          • Brötchen sagt

            Naja Herr Krämer, mit einem oberflächlichen Blick mag das zutreffen.

            Für die Tierhaltung sind die Ausläufe schon schwierig.
            Futter wäre nur eine Kostenfrage und die Verfügbarkeit bestimmter Nährstoffe. Ohne Aminosäuren ist es mit der DVO auch nicht einfach.

            Für den Pflanzenbau sind das schon noch Welten, außer bei Roggen und Mais vielleicht.

            0
        • brouss sagt

          Dann muss die Politik dazu eine Aufnahmepflicht einführen. Wenn es dann zu viel Bio-Milch gibt, muss der Preis soweit runter, dass sie billiger als konventionelle wird und dann wird sie gekauft werden.

          1+
          • Und dann von der Politik subventionieren lassen, damit der Bauer keinen draufleger macht?
            Oder woe meinst du das, brouss?

            1+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.