Bauer Willi
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Wenig Wasser…

…ist derzeit im Rhein. Das Bild stammt vom 16. August diesen Jahres und ich kann mich nicht daran erinnern, den Rhein jemals so niedrig gesehen zu haben. Aber was hat das mit der Landwirtschaft zu  tun?

Nun, mit Landwirtschaft eher weniger, mit unserer Lebensmittelversorgung schon sehr viel. Deutschland wird in diesem Jahr seit langer Zeit wieder zum Importland für Getreide und andere Früchte werden. Grob geschätzt fehlen 6 Mio. Tonnen, die nach Deutschland gebracht werden. Das meiste davon kommt über die Häfen und wenn das stimmt, was ich gehört habe, ist der Hafen Brake bis zum Juni 2019 ausgebucht! Neben Weizen wird dort Mais angelandet, der dann von dort umgeladen und mit Binnenschiffen zu den Mühlen am Rhein transportiert wird. Bei Niedrigwasser können die Schiffe aber meist nur die Hälfte oder weniger laden. Die Schiffer bekommen dafür aber einen „Niedrigwasser-Zuschlag“, so dass sich die finanziellen Einbußen in Grenzen halten. Diese Zuschläge sind vertraglich vereinbart, machen aber die Frachten teurer.

Es gab Jahre mit Trockenheit, in denen die Schifffahrt vorübergehend eingestellt werden musste. Noch ist es nicht so weit, aber wenn es denn so käme, kommen als Transportmittel nur die Bahn oder der LKW in Frage. Ob die Logistik darauf eingerichtet ist?

Und dann noch was für alle, die darüber schimpfen, dass wir bisher Getreide exportiert haben: so schnell kann es gehen, dass wir selbst auf Importe angewiesen sind. Afrika bekommt jetzt nichts mehr von uns. Ob die Menschen dort sich darüber freuen? Ich weiß nicht…denkt mal drüber nach…

Euer Bauer Willi

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13 Kommentare

  1. Nauert Hans-Albert sagt

    Die Weltbevölkerung vermehrt sich immer weiter und das Ackerland wird immer weniger. Darum braucht es Nahrungsmittel mit hohen Erträgen. Deshalb sind immer mehr Bio Erzeugnisse, die wenicer Ertrag bringen, aber viel mehr Ackerland verbrauchen, wie von Grünen und NGO,s gefortert, ein Irrweg.

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  2. Alexander Borchert sagt

    Also ich verstehe die Kommentare nicht mehr. Die Dürre macht das Beste, was es gibt. Sie reduziert wirksam die Mengen. Je mehr wir importieren müssen, desto besser. Dadurch steigt die Bedeutung der Landwirtschaft. Nur dadurch wird der Bauer als lebensnotwendig wahrgenommen. Das will doch fast jeder hier im Blogg. Oder??
    Mich würde mal interessieren, was passieren würde, wenn SZ, FAZ, Spiegel online,…. schreiben müssten: „Aufgrund der Dürre könnte Brot und Butter knapp werden.“
    Was würde das auslösen? Was meint Ihr?

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  3. Obstbäuerin sagt

    Damit stellt sich auch die Frage, ob in Afrika wertvolles Ackerland für die Produktion von Chrysanthemen, die für die Herstellung des Bio-Insektizids Pyrethrum benötigt werden, für die Produktion von Nahrungsmitteln blockiert werden darf, nur weil wir uns in Deutschland oder Europa eine Produktionsweise gönnen, die nur funktioniert, wenn diese Mittel zur Verfügung stehen? Bei einer Verknappung des Angebots an Nahrungsmitteln muss alles auf den Prüfstand.

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    • Stadtmensch sagt

      Das liest sich jetzt wieder so, als wäre der Ökologische Landbau mit seinem Anteil von knapp 15% an der gesamten Anbaufläche in D, der alleinge Anwender von Insektiziden mit dem o.g. Ausgangsstoff. Außerdem sind die Wachstumsbedingungen für Chrysanthemen wohl ziemlich exklusiv und dürften kaum eine Flächenkonkurrenz zum Nahrungsmittelanbau darstellen. Es kann nicht nur Exportweltmeister geben, sonst müssen die Importweltmeister ständig „gerettet“ werden.

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      • Obstbäuerin sagt

        Da haben Sie recht, Stadtmensch, auch wir verwenden dieses Mittel. Nur unseres wird industriell hergestellt und verbraucht kein Ackerland. Chemisch gesehen ist es das Gleiche. Beide Mittel bringen Insekten um, die in der Obstproduktion schädlich sind. Für 100 g Wirkstoff werden 100 kg Chrysanthemenblüten benötigt. So ganz wenig Fläche ist das wohl nicht, wenn man bedenkt was so eine Blüte wiegt.

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  4. Friedrich sagt

    In den vergangenen Jahren hatten wir rd. 47 Mill. Tonnen Getreide geerntet. Jetzt sollen es rd. 36 Mill. Tonnen sein. Genaueres werden wir morgen von der ML Klöckner hören. Wir haben immer so rd 5 Mill. Getreide exportiert. Bleibt ein Import von rd. 6 Mill. Tonnen. Das kann aber noch mehr werden , da davon auszugehen ist , daß der z.Zt. stehende Körnermais für das Rindvieh gehäckselt wird. Man wird sehen. Der Importhafen Brake kann bis zur neuen Ernte 2019 rd. 2 Mill. Tonnen annehmen. Der Hamburger Exportgetreideterminal wird erstmalig zum Importhafen. Die Importmengen sind aber begrenzt. Geschätzte 500000 Tonnen. Bleiben also 3,5 Mill. Tonnen Importgetreide über. Diese müßen per LKW, Schiff oder mit der Bahn herangeschafft werden. Die Bahn setzt Ganzzüge ein mit geschätzten 40 Woggons mit rd. 27 Tonnen, also rd. 1100 Tonnen/Zug. Nur Rumänien hat noch Getreide über, daß mit dem Zug/Schiff zu bekommen ist. Aber wieviele Züge oder Schiffe müßen da fahren ? Von mir immer geforderte anzulegende Vorräte sind nicht vorhanden. Eine fatale Situation. Wenn der Klimawandel weiter voranschreitet ,werden die Ernten kleiner werden und der Import zur Dauersituation. Deutschland kann zahlen , aber was heißt das für die armen Länder ?

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    • Lieschen Müller sagt

      Man muss das als Ganzes abwarten. Was ist denn mit Kartoffeln? Wieviel von dem Getreide geht denn in die menschliche Ernährung? Wieviel davon geht als Mehl oder Backware wieder in den Export? Diese Aufbackware, oder die ganzen Bäckermischungen werden doch auch wieder exportiert. Das verschiebt sich jetzt alles ein bißchen.

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    • Paulus sagt

      Um eine Vorstellung für Größenordnungen zu bekommen: Für den Seetransport von ca. 6,0 Mio. t Getreide benötigt man ca. 100 Schüttgutfrachter der Schiffsgröße Panamax. Einschl. Treibstoff, Frischwasser etc. gerechnet, sind es aufgrund max. Zuladung ein paar mehr. Das ist nun wirklich keine dramatische Größe.
      Die Lagerkapazität der Terminals ist nicht gleichbedeutend mit dem möglichen bzw. tatsächlichen Umschlag, der sich über bestimmte Zeiträume verteilt. Insofern wird hier wahrscheinlich mit nicht korrekten Zahlen operiert oder auch Äpfel mit Birnen verglichen.
      Immerhin hat Deutschland (lt. Statista) in den vergangen Jahren eine deutlich größere Menge an Weizen exportiert, auf welchen Transportwegen auch immer, ohne an logistische Grenzen zu stoßen. Was in der einen Richtung möglich ist, sollte in durchaus kleinerem Maßstab auch in der anderen möglich sein. Das dürften die Logistiker schon in den Griff bekommen.
      Die Schifffahrt auf dem Rhein wurde nach meiner Wahrnehmung (ohne Recherche) übrigens schon öfter aufgrund von Hochwasser als durch Niedrigwasser behindert bzw. eingestellt.

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  5. Ehemaliger Landwirt sagt

    „“Und dann noch was für alle, die darüber schimpfen, dass wir bisher Getreide exportiert haben: so schnell kann es gehen, dass wir selbst auf Importe angewiesen sind. Afrika bekommt jetzt nichts mehr von uns. Ob die Menschen dort sich darüber freuen? Ich weiß nicht…denkt mal drüber nach…“

    Die Menschen dort werden jetzt mehr für das Essen bezahlen müssen, auch der Bauer dort wird auch keinen höheren Preis bekommen, weil die Bevölkerung kein Geld hat.

    Schuld an dieser Misere wird wohl der EU Bauer, sicherlich der deutsche Bauer sein, weil seine Getreidelager leer sind und jetzt nicht nach Afrika liefern kann.

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  6. Moin Willi,

    laut den Pegelstatistiken soll zumindest bei Köln der Rhein 2003 noch wesentlich niedriger gewesen sein. Wenn ichs jetzt richtig im Kopf habe, 0,81 statt jetzt um die 1,14 rum.

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    • Bauer Willi sagt

      Kann gut sein. ich erinnere mich, dass die Schifffahrt schon mal wegen Niedrigwasser eingestellt wurde. Kann in 2003 gewesen sein. Das kann aber noch kommen.
      Bauer Willi

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      • Stimmt, die Wetterprognosen sehen derzeit schlecht aus. Hier oben im Norden wurde gestern eine Elbfähre eingestellt, die seit der Wende immer fahren konnte.

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