Bauer Willi
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Stickstoffmanagement – Eine wissenschaftliche Sicht

In den letzten Wochen ist sehr viel über Nitrat gesprochen worden. Ina Körner, die ich auf einem Kongress in Hamburg kennengelernt habe, und die an der TU Hamburg am Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz arbeitet (Gruppe Bioressourcen-Management) beleuchtet das Thema mal von der wissenschaftlichen Seite.

Weil es viele Fußnoten und Tabellen im Text gibt (ist ja Wissenschaft!) habe ich den Artikel als pdf-Datei gewählt. Wäre sonst sehr kompliziert für mich geworden.

Stickstoffmanagement und Technik Ina Körner

Viel Spaß beim Lesen.

Bauer Willi

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62 Kommentare

  1. bauerhans sagt

    Frontal 21 heute18.Februar 21.00

    kühe,gülle,viel nitrat und der arme wasserwerker!
    das ZDF ist aber verdammt spät dran.

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    • Thomas Apfel sagt

      Habe ich auch gesehen. Das war Vogels Retourkutsche auf die Veranstaltung mit Johanna Mandelkow. Das konnte so nicht stehenbleiben. Wahrscheinlich muss der Aschaffenburger Wasserheini die 50 mio für seine Nitrat-Beseitigungsanlage rechtfertigen.

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  2. Heinrich Steggemann sagt

    Die Vision wird zur Realität. Rund 90 Landwirte nehmen im Kreis Borken aktuell eine Gemeinschaftsanlage zur Güllevollaufbereitung und Wertstofferzeugung für die chemische Industrie und oder die Mineraldüngerherstellung in Betrieb. Aktuell läuft die Anlage ( Jahreskapazität rund 200 000 to) noch in Teillast bis die leider bei solchen innovativen Projekten auftretenden Kinderkrankheiten abgestellt sind. Die vorgeschaltete Biogasanlage und die nachgeschalteten Verbrennungsöfen liefern den nötigen Strom und die Wärme für die Strippung und die anderen Verfahrensschritte allein aus dem Energiegehalt der angelieferten Dickgülle. Nach ersten Erfahrungen muss bei Vollastbetrieb wohl keine Energie von aussen zugeführt werden, höchstwahrscheinlich entsteht sogar ein Energieüberschuss, der bei Einspeisung oder Nutzung bei Nachbarfirmen dem Dieselverbrauch bei der Anlieferung CO2 mässig gegengerechnet werden könnte.
    Seit rund 20 Jahren geben wir von unserem Sauenbetrieb die sehr phosphorhaltige Schwimm und Sinkschicht über die Güllebörse an Ackerbaubetriebe ab, um unsere betriebliche Nährstoffbilanz einzuhalten. Je mehr Betriebe in dieses Verfahren eingestiegen sind, um so schwieriger wurde es für die Vermittler, diese unterzubringen. Aus diesem Grund habe ich mich mit Risikokapital an der Anlage beteiligt, um mir Anlieferungsrechte zu sichern. Die auf unserem Betrieb verbleibende Dünngülle ( Stickstoff / Kali und wenig Phosphor) wird fast ausschliesslich per Schleppschlauch in mehreren Teilgaben in die wachsenden Kulturen gefahren. Bis vorletztes Jahr haben wir noch kleine Mengen leichtlöslichen Phosphorunterfussdünger im Mais eingesetzt. Dieser wurde in 2019 erfolgreich durch einen Mikronährstoffunterfussdünger ersetzt, der das Bodenleben im Bereich des Saatkorn zur Phosphormobilisierung aus dem Bodenvorat anregt. Aktuell wird noch ein kleiner Teil des Stickstoffdüngebedarfs über Zukaufmineraldünger mit Schwefelanteil abgedeckt. Projekte für die nächsten Jahre sind die Verringerung der Ammoniakabgasungen aus der Gülle bereits im Stall durch verschiedenste Güllezusätze ( Mahne seit längerem Versuche bei der Landwirtschaftskammer zu diesem Thema an in Anlehnung an die ersten Messergebnisse der Interessengemeinschaft gesunde Gülle). Die Schwefelversorgung soll mit Elementarschwefel + Bor abgedeckt werden. Durch bewusste Förderung eines vielfältigen Bodenlebens in Kombination mit biologisch stabilisierter Dünngülle mit den richtigen Nährstoffverhältnissen ist es mein Ziel in ein paar Jahren gänzlich auf Sticksoff aus dem Haberboschverfahren verzichten zu können, aber gleichzeitig zusätzlichen Stickstoff für Humusaufbau und CO2 Bindung über die Ansiedlung von luftstickstoffbindenden Bakterien in den Wurzelrhizosphären bereitzustellen.

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  3. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin Herr Seevers, sie haben sich ja hier im Blog bei Willi in den letzten Wochen zu einer Art “ Blogführer“ entwickelt. Da kommt man schnell zu der Meinung ,dass nur ihre Beiträge zielführend sind !
    Anderes Thema, wie ich Willi kenne, möchte er in seinem Blog keine Beiträge zu politischen Themen, die keinen Bezug zur Landwirtschaft haben.
    Er ist der Blog-Chef und entscheidet was geht und was nicht. Wird von mir akzeptiert.
    Damit ist das Kapitel „Thüringen“ hier im Blog für mich beendet.

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    • Ein Privatier sagt

      Off Topic

      @Der Brandenburgbauer
      Vorgestern hatten Sie u.a. über „Haltung“ geschrieben:
      „(…) Aber was hier gelaufen ist, sollte auch uns Landwirte nicht egal sein.
      Da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, da sollte man Haltung zeigen.
      Für mich wurde hier politisch eine Brandmauer eingestürtz. (…)“

      Leider haben Sie mir weder gestern noch vorgestern geantwortet, weswegen ich mich selbst zum Thema „Haltung“ und „Brandmauer“ aufklären musste.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Schie%C3%9Fbefehl

      „Stärker anzuerziehen ist der unversöhnliche Haß auf den Imperialismus, seine Söldner und alle antisozialistischen Elemente. Die Haltung zum Grenzverletzer als Feind des Sozialismus und jedes Grenzsoldaten ist konsequent zu entwickeln.“

      Für mich ist dieses Thema damit auch beendet.
      Ich hoffe, dass wir uns verstehen.

      Mit unsolidarischen Grüßen
      Ein Privatier

      PS
      1989
      Chris Gueffroy

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  4. Paulus sagt

    Wurde der Gastbeitrag für „Bauer Willi“ zwischenzeitlich geringfügig geändert oder irre ich mich? Ich meine, dass ich heute Vormittag beim Diagonallesen am Anfang etwas anderes vorgefunden habe. Egal!
    Alles in Allem ein schöner Aufsatz, freundlich gesagt populärwissenschaftlich und vorzugsweise im Konjunktiv gehalten. Jaja, man könnte dies, man könnte das und man könnte jenes …
    Am besten gefällt mir der letzte Satz dieser Frau. Hat sie jetzt eine Kolumne für die Zeit geschrieben oder war das wissenschaftlich gemeint?
    Bauer Willi bekommt eine Urkunde, in Anerkennung seiner Bemühungen pseudowissenschaftliche Texte als wissenschaftlich unter das Volk zu bringen.

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    • firedragon sagt

      Grins, Dir gefällt der letze Satz Paulus…ich bin da beim Lesen ins Straucheln geraten.
      Habe ihn ein zweites Mal gelesen und den Zusammenhang leider nicht finden können.
      Vielleicht ist das, das neue „mit freundlichen Grüßen“…

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  5. Ein Privatier sagt

    „Der Bürger kann auch helfen: mit Freude und Respekt auch Regionales essen, auf ein gesundes Gewicht achten und Verständnis für Entsorgungsgebühren zeigen.“

    Das atmet einen autoritären Geist, der tief in das persönliche Leben eines jeden Individuums eingreifen will, weil er einem scheinbar übergeordneten Zwang folgt.


    „Das Problem des unausgewogenen N-Kreislaufs ist seit langem auch in der deutschen Politik bekannt.“
    Das simple Bild von der Natur im Gleichgewicht ist der heilige Gral im Denken der Grünen, bei dem der unfreudig despektierliche Mensch den Störfaktor darstellt, der die Balkenwaage unserer Mutter Natur aus dem Gleichgewicht bringt und durch sein Sosein die Erde in die Extinktion zwingt.


    „Das Problemdes unausgewogenen N-Kreislaufsist seit langem auch in der deutschen Politik bekannt. Es wurde dort leider nicht ernst genommen. Vermutlich liegt das auch an der Komplexität des N-Kreislaufes, welcher schwer zu durchschauen ist, denn die N-Verbindungen wandeln sich ständig ineinander um: (…) 2019 gelangte das Stickstoff-Thema durch die Strafandrohungen aus Brüssel in den Fokus der Öffentlichkeit und der Politik. Das Agrarpaket war eine Konsequenz mit dem Ansatz weniger N auf Böden zuzulassen, was sicherlich früher oder später die NO3–Konzentrationen im Grundwasser reduzieren würde.“

    Offensichtlich ist die Politik in Brüssel die erwachsene, weil „Komplexität“ durchschauende, während der „deutschen Politik“ und „Öffentlichkeit“ erst mittels „Strafandrohungen aus Brüssel“ die infantile Ignoranz ausgetrieben werden musste.


    „Die Frage ist nun „Wie bekommt man das Nitrat aus dem Grundwasser, ohne Landwirte in den Ruin zu treiben?“. Erhöhte NO3–Konzentrationen in einem Teil des Grundwassers müssen als gesellschaftliches Problem betrachtet werden.“

    Wieso lautet die Frage nicht: Könnte es sein, dass die Schädlichkeit des NO3 stark überschätzt wurde?

    Glaubt man Udo Pollmer und den Wissenschaftlern auf die er sich bezieht, dann wurde und wird die Schädlichkeit von NO3 sehr stark überschätzt.


    “ Die Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion für die Gesellschaft ist eine enorme Aufgabe, welche mit zunehmender Weltbevölkerung und problematischeren klimatischen Bedingungen nicht einfacher wird. Auf diese Aufgabe müssen sich die Landwirte weiterhin konzentrieren.“

    Tja, da werden die „Landwirte“ wohl freitags konzentriert hüpfen und über die zunehmende Weltbevölkerung meditieren müssen.

    https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/die-erde-wird-gruener/
    „(…) Denn der steigende CO2-Gehalt der Atmosphäre wirkt wie ein Wachstumsverstärker auf die Vegetation. Eine Auswertung von Satellitenaufnahmen belegt, dass die Pflanzendecke auf einem Großteil der Landflächen dadurch üppiger geworden ist. Die Zunahme an grüner Biomasse entspricht einem grünen Kontinent, doppelt so groß wie die USA.Das Kohlendioxid der Luft ist nicht nur ein Treibhausgas, das das Weltklima anheizt, es ist auch ein wichtiger Rohstoff für die Vegetation.(…)“

    Homo homini lupus

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    • Reinhard Seevers sagt

      Die Ähnlichkeit der Kommunikation von Privatier und Suhr ist frappierend…..

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    • brouss sagt

      Insgesamt gibt es auch mehr Regen, weil bei höheren Temperaturen mehr Wasser aus den div. Oberflächen verdampft und das wieder als Regen runterkommt.
      Nach Dr. Peter Adel (auf achgut.de) lieg die Dürre in Europa an den Windrädern.

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      • Ein Privatier sagt

        Das mit der durch Windräder verursachten Dürre hatte ich hier kürzlich auch aufs Tapet gebracht, was aber mit einiger Skepsis aufgenommen wurde.

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  6. Christian Bothe sagt

    Nur mal so Frau Körner, schon in der DDR wurde Schweinegülle aus diversen Mastanlagen dekantiert und einem Betrieb zur Kompostierung zur Verfügung gestellt. Dieser hatte die Technologie dazu und stellte den Kompost diversen Gärtnereien zur Verfügung. Man hat sogar die Feststoffe der Schweinegülle verfüttert, gemischt mit getreidehaltigen Strohpellets oder siliert mit Maissilage an Mastbullen,und das unter veterinärmedizinischer Kontrolle. Übrigens werden diese Sekundärfutterstoffe auch heute noch nach dem Rostocker FBS mit 290g TS, 21g vRP /OS und 47% VE bewertet.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Die Geschichten sind alle bekannt…..ist aber doch für die derzeitige Diskussion um Nitrat und gesellschaftlicher Anerkennung bestimmter Handlungsweisen nicht hilfreich. Es gibt in der Lausitz einen Schweinemastbetrieb mit 61.000 Tieren…..das war und ist so. Das ist aber kein Maßstab für gar nichts. Und auch die Fütterung mit Hühnerkot (war ja auch alltäglich) wäre semi-optimal in der Dsikussion um Nachhaltigkeit, Bio, Nitrat, Gesundheit, bäuerliche Landwirtschft etc. in der derzeitigen Gesellschaft, denke ich.

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      • Christian Bothe sagt

        @Seevers,sehe ich etwas anders insbesondere was die Nachhaltigkeit und Nitratbelastung an bestimmten Standorten betrifft.Da ich ja selbst 10000MS gemanagt habe,kann ich das sehr gut beurteilen.Übrigens der Einsatz von Schweinegülle,Geflügelexremente,Trester,Molke,Küchenabfälle waren nicht alltäglich und lediglich eine Ergänzung des Futterfonds aufgrund des Fehlens von SES etc. in bestimmten Perioden.Ich hoffe Sie kein Problem mit der Großanlage in der Lausitz?Wir sollten es aber dabei belassen,weil es ja nicht zum Thema direkt gehört.Wollte nur noch einiges richtig stellen H.Seevers.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Herr Bothe, ich kann das alles verstehen….unsere Gesellschaft ist aber wohl kaum geneigt, eine Nachhaltigkeit in der Form zu akzeptieren, dass man sog.Sekundärfuttertstoffe in der Tierfütterung einsetzt, insbesondere solche wie Gülle oder Exkremente anderer Art.
          Über Molke oder Trester muss man wohl nicht streiten, das ist nichts unlauteres.
          Unsere Gesellschaft diskutiert schließlich die Verfütterung pflanzlichen Eiweißes versus Verbrauch für den Menschen…

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  7. Moin,

    unten drunter steht:
    „Die Informationen und Ansichten dieses Berichtes liegen gänzlich in der Verantwortlichkeit des Autors und reflektieren nicht die offizielle Meinung der TUHH bzw. der Förderorganisationen der Projekte.“

    ad hominem Rhetorik:
    Wenn ich es richtig gelesen habe, arbeitet sie auch an Themen wie Biorefinery und Co., energetische Nutzung von organischem Material, im Volksmund Verheizen von Lebensmitteln. Auch an White Biotechnology ist sie dran, unter anderem steckt darin auch ein Verfahren, wie man mit Bakterien aus organischer Substanz Kraftstoff erzeugen kann usw. Faktisch: Die Wissenschaft soll’s richten.

    Eine vermeintliche Wissenschaftlerin philosophiert über Welternährung und Co. und stellt Zusammenhänge her, die man durchaus kritisch sehen muß. Nun ja, auch Wissenschaftler haben ihre politischen Lager und sind keine Universalgelehrten.

    Wie oft hört man diese dämliche Aussage – immer mehr Essen für immer mehr Menschen?
    Ist es in der Natur nicht so, daß ERST das Nahrungsangebot steigt, DANN die Nachwuchszahlen? Aber argumentativ wird von Befürwortern des weiterso immer das Ganze umgedreht; es müßte schon heute niemand Hunger leiden, wenn wir denn wollten!

    Umgekehrt gefragt: Wie verläuft es demographisch in Ländern wie Deutschland und Japan? Wohlstand für alle, und schwupps müßte niemand mehr zig Kinder zeugen, die die eigene Altersvorsorge gewährleisten, jeder wollte sich selbst verwirklichen.

    …..

    Emissionen bei Ausbringung von Gülle hat man übrigens auch massiv mit Prallteller und Co., wenn das alles durch die Luft fliegt. „Fun“ Fact: Flüssiger Wirtschaftsdünger ist besser für konservierende Bodenbearbeitung (Regenwürmer etc.), Fester Wirtschaftsdünger hat eine höhere Bodenpersistenz, wird nachhaltiger in Humus umgewandelt, zum Beispiel Gülle mit Stroheinmengung. Wie der Mist, denn man früher im eigene Garten beim Umbuddeln in den Boden gebracht hat.

    …..

    Schon jetzt gibt es Verfahren, die das Wasser aus der Gülle ziehen, siehe Weltec mit dem Verfahren Kumac in Vechta (liegt im so genannten Schweinegürtel in Niedersachsen).
    https://www.weltec-biopower.de/technologie/kumac-aufbereitung.html

    Hier im PDF: https://www.weltec-biopower.de/fileadmin/user_upload/weltec/08_Infocenter/Prospekte/deutsch/Produktinfo_Kumac_deutsch_Nov18.pdf

    …..

    Richtig ist, daß Landwirtschaft eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Statt Bauernmilliarde lieber ein Nährstoffnetzwerk, aber nicht regional, sondern bundesweit. Laut Landwirt müßte dieser für „Gülletourismus“ aktuell rund 15 €/m³ zahlen, was zirka zwei Mastschweinen entspricht. Ebenfalls laut Aussage dieses Landwirtes hätte er mal lieber mehr Kuh (Kali), an anderer Stelle lieber Schwein (Phosphat), wenn ich das richtig verstanden habe, würde sich gern Mineraldünger zum Ausgleich sparen. Wieder nur über das Nitrat zu diskutieren, ist daneben. Ebenso wenig die Spitze gegen Verbraucher von wegen Konsumverhalten, als hätte das Freiwilligkeitsprinzip je geholfen, da muß jemand bei Marge und Erzeugerpreis auf die Finger hauen, denn auch wenn der Verbraucher mehr zahlt, kommt das nie zwingend unten an. Von der abnehmenden Kaufkraft ganz zu schweigen – Niedriglohnland Deutschland. Siehe auch versteckte Preiserhöhungen etc., der Verbraucher wird ebenfalls am Nasenring durch die Arena geführt.

    …..

    Düngemittelverordnung kritisieren, aber bitte richtig! Grundwasserkörper und Natur allgemein halten sich nicht an Landes- oder Hofgrenzen. Auch vergißt man gern den Faktor Zeit, es braucht ein bißchen, bis Nährstoffe und damit auch Überschüsse den Weg ins Grundwasser gefunden haben. Wenn einer Mist baut, werden alle dort angesiedelten Betriebe es kompensieren müssen. Einen Tropfen Tinte aus ’nem Wasserglas zu holen, ist nicht so einfach.

    Konzepte wie das mit dem Auslauf bei Geflügelbetrieben sind auch zu hinterfragen. Was bringt all die Fläche, wenn Tiere nicht weiter als 25m vom Auslauf weg sind mangels Unterstellmöglichkeiten, dort alles kahlpicken, die Erosion deutlich erhöhen und punktuell mit ihren Ausscheidungen den Boden überlasten?

    Oder warum kein GPS für Agrarfahrzeuge wie bei Fernfahrern. O-Ton Landwirt: Sein Nachbar fährt lieber mehrmals bequem mit der Gülle um den Hof als zu seinen Pachtflächen in 20-30 km Entfernung. Bilanziell paßt es mit Blick auf die Gesamtfläche, punktuell ist es schädlich.

    Aber mal sachlich: Laut Verordnung bei mehr als 4% Humusanteil pauschal 20kg/ha weniger Nitrat. 5kg Nitrat entsprechen ca. 1m³ Gülle entspricht zum Beispiel 2 Mastschweinen. Also pro Hektar die Gülle von 8 Schweinen weniger. Bei – sagen wir – 30 ha wären das 240 Tiere, deren Fäkalien man anderweitig entsorgen müßte. Daß manche Tierhalter das doof finden mit Blick auch auf nicht-flächengebundene Tierhaltung, ist klar. Wobei man womöglich eher den Grenzwert von Phosphat oder Kali (bei Kühen) reißt?!

    Ganz zu schweigen von der Bedeutung der Ernährung. Emissionen sind maßgeblich davon abhängig, was man für Futtermittel anbietet.

    Also übersetzt: Wenn man wenig Humus hat, wo Nährstoffe (und auch Wasser nebenbei) schneller versickern, muß und darf mehr von oben gegüllt werden? Aber wenn es doch schneller versickert und nicht von Humus gebunden wird, ist das dann nicht noch schlechter fürs Grundwasser? Also haben wir eine Verordnung, die aktiven Humusaufbau verhindert, wenn man viel loswerden will, damit die höchste Ausbringung an Nährstoffen erlaubt, wenn es am wenigsten gepuffert wird? Herzlichen Glückwunsch! Von den zerstörerischen Eigenschaften von zu viel Dünger auf Humus ganz zu schweigen.

    …..

    Die Autorin wirkt wie jemand von der FDP, der das weiterso rechtfertigt, am System selbst nichts ändern möchte, auf Technologie schwört und diese dann querfinanzieren lassen möchte von Verbrauchern von wegen Bürgerbeteiligung, nennt sich Sozialisieren der Kosten. Man könnte auch sagen: Warum wird ein Teil der Agrarsubventionen nicht in ein Nährstoffnetzwerk gesteckt, von dem alle profitieren statt wie aktuell die Großbetriebe nach Fläche, die den Löwenanteil einstreichen? Denn schon heute Zahlen Verbraucher fleißig, der Fördertopf für die Landwirtschaft nimmt den bei weitem größten Anteil des EU-Haushaltes ein.

    Niemand traut sich, sich mit dem Markt anzulegen, da verwundern die Beißreflexe gegen Verbraucher, NGOs und Ökos allgemein nicht, nach unten tritt sich’s einfacher, so wirkt es manchmal 🙁 Besonders nachdem ich gestern wiederholt vor der Angst vor Auslistung lesen mußte auf Seiten der Erzeuger. Eigentlich hätte man dafür den Bauernverband und die Politik … eigentlich.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Eigentlich Herr Suhr, eigentlich ist ihr Elaborat nicht lesbar, für mich jedenfalls völlig durcheinander. Eine Aufreihung von Halbwissen mit angedeuten irgendwie gearteten Konsequenzen und einem merkwürdigem Verhältnis zwischen Korrelationen und Kausalitäten…einfach merkwürdig. Und der Frau Dr. eine Absicht zu unterstellen ist schon hahnebüchen. Es sind Gedanken, die auf Ergebnissen fußen, mehr nicht. Sie ist keine Politikerin und damit auch nicht an den Hebeln des Ordnungsrechts.

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      • Ein Privatier sagt

        Herr Seevers, kennen Sie eigentlich den Witz von dem Geisterfahrer auf der Autobahn, der behauptet, dass ihm Hunderte Geisterfahrer entgegenkommen?

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  8. Brötchen sagt

    Tut mir leid die Frau ist total praxisfremd und agiert aus dem Status “ ich habe die lizenz zum Gelddrucken“

    Nordhausen mit mehreren tausend Sauen hatte in den Achtzigern schon einen grosse Güllezentrifuge und haus düsse in den Neunzigern eine Bürstenschnecke.
    Seit dem sind die Transportmöglichkeiten besser geworden. Größere und leichtere Fässer, Abgabebehälter am Feldrand. Versetzt fahrende Gespanne. Zur Zeit ist im kommen verschlauchung, wo der Behälter am Feldrand steht und der Schlauch kann über weite Entfernungen gezogen werden.

    Das ist das eine, das andere ist, es gibt nur in wenigen Gebieten ein Überschuss Problem. Mit der geplanten Steuer wird der Export und ie Produktion extrem einbrechen. Die Verarbeitung wird pleite gehen. Dann wird es noch weniger Tiere geben als es heute noch gibt.

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    • Thomas Apfel sagt

      Die Frau Prof. Dr. habil Körner hat unter anderem zu Prozessen der Stickstoffumwandlung promoviert (sehr interessante Arbeit), denkt aber „abfallwirtschaftlich“. Interessant ist doch aber vor allem, dass hier eine Wissenschaftlerin nicht erstmal den Frame „Massentierhaltung muss weg“ bedient sondern offensichtlich (wie ich auch) davon ausgeht, dass die moderne effektive Tierhaltung erhalten bleibt. Das ist doch schon mal ein vernünftiger Ansatz.

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      • Brötchen sagt

        Ich dachte, das ist eine Bachelorearbeit.

        Ich habe noch Mal nachgedacht, die gülleseparierung wurde wegen der biogasanlagen aufgegeben.
        Nordhausen hatte zu der Zeit eine riesige Zentrifuge und auch eine Biogasanlage.

        Im Studium war damals gülleseparierung schon ein Thema. Haben wir alles hin und her gerechnet.

        Die Zentrifuge braucht Unmengen an Energie. Die Bürstenschnecke geht nur mit Rindermist, weil die TS höher liegt.

        Alles alte hüte, wie gesagt.

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        • Reinhard Seevers sagt

          BETEBE hat seit mehreren Jahren eine Vakuumseparierung in der Pipeline, die sowohl Energiesparend, als auch hoch auflösend arbeitet, im Mikrometerbereich. Diese Verfahren sind mit den Volumenbasierten Separatoren wirklich nicht vergleichbar. Damit wird Schweinegülle separiert, die damals noch als Separierungsunwürdig galt.

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          • Brötchen sagt

            Na dann wird sich das ja durchsetzen.
            Aber denke Mal rein praktisch, du machst einen Riesenaufwand und du musst die Flüssigphase wieder extra lagern und auch ausbringen, ob ich dann nun die 6 % als Feststoff habe? Ganz grosses Kino.

            Zumal die Flüssigkeit sich besser verteilt und besser auf dem Acker wirkt. Und sich die Ausbringungszeiträume weiter verengen werden.

            Normalerweise gibt es gar keine “ Gülleüberschüsse“ es werden solche Tierhaltungen nicht mehr so einfach genehmigt.
            Im Osten sind wir eher im defizit.

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            • Reinhard Seevers sagt

              Ob sich irgendetwas durchsetzt oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Die Firmen haben doch nicht umsonst die Füße still gehalten und ihre Produkte in der Schublade gelassen. Es lohnte sich schlicht nicht, weil der Druck auf die Landwirtschaft und damit die Nachfrage einfach nicht gegegeben war.
              Im Süden der Republik will man keine Gülleausbringung mit Schleppschlauchtechnik, weil es für den Einzelbetrieb zu teuer ist. Im Norden ist es seit Jahren normal und häufig überbetrieblich organisiert, auch im Osten. Es hat alles auch mit Strukturen und Politik zu tun.
              Und ja, es gibt insgesamt zu wenig organischen Dünger, und er ist einfach falsch verteilt. Wenn man endlich die ideologische abnehmen würde und die Bauern machen lassen würde, würde es klappen können.
              Vorgaben sind gut, Kontrolle auch, aber gesellschaftlicher Druck und politische Unfähigkeit hindern vernünftige Lösungen.

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              • Brötchen sagt

                Reinhard Preise ?

                Ich bin ja nicht dagegen, ich kann mir bloß nicht vorstellen, das sowas wirtschaftlich ist und schon gar nicht für eine kleine Bude.

                Und wegen der Verteilung, das wird sich durch Ordnungsrecht ganz einfach regeln, tut mir leid für Niedersachsen, aber ist ja so gewollt.
                3 Mrd Wertschöpfung puff weg..

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          • Brötchen sagt

            Wir hatten Mal so ein Membransystem Testanlage 1m3 aufgebaut, war ständig verstopft und das ging damit nur sehr langsam. Flüssigmist ist ein sehr spezieller Stoff, das unterschätzen viele.
            Meines Erachtens liegt die Zukunft in Systemen, die sehr geringen techn. und Energieaufwand haben. Da ja die Preise noch weiter steigen werden.
            Alles was Aufwand bedeutet wird sterben.

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            • Reinhard Seevers sagt

              „Alles was Aufwand bedeutet wird sterben.“
              Eben, und alles, was sich rechnet, wird gemacht.
              Die Separation kann direkt in die Gülleleitung zwischen Stall und Behälter geschaltet werden und scheidet kontinuierlich die Feststoffe ab, kleine Mengen 24h, 365d…..
              Natürlich benötigt man sowohl einen Flüssigkeitsbehälter, als auch ein Feststofflager, so what.

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              • Brötchen sagt

                Wo ist der Vorteil, wenn die Flüssigphase wie Gülle behandelt werden muss?
                Wir sollten das Dachwasser wie Gülle behandeln. So denken die Behörden teilweise.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  Genau Brötchen, das wird häufig auch so betrachtet:
                  gem. §54 WHG (Wasserhaushaltsgesetz) heißt es:
                  Abwasser ist
                  1. das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte Wasser und das bei Trockenwetter damit zusammen abfließende Wasser (Schmutzwasser) sowie
                  2. das von Niederschläagen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen gesammelt abfließende Wasser (Niederschlagswasser)

                  Damit wird in Niedersachsen u.a. das Niederschlagswasser landw. Hofflächen als belastetes Abwasser und damit zur Vorreinigung pflichtig angesehen…

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                • Brötchen sagt

                  Naja dann geben wir nur noch geld für sowas aus und im Stall haben wir für nichts mehr geld. das ist die schöne neue Zukunft, ich freue mich drauf.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Man kann die Separierung der letzten Jahrzehnte nicht mit der Separation der heutigen Generation vergleichen. Außerdem muss die Gesetzgebung mitspielen und die Werte für N/P/K aus der Separation anerkennen und bewerten lassen. Das war bisher nur sehr beschränkt möglich.
      Die Veredlungsregion wird das Problem für sich lösen, sofern man sie lässt. Es gibt Einflussgrößen aus der Region, die historisch und persönlich mit der Landwirtschaft und der Gegend verwurzelt sind, die machen einen gewissen Druck auf die Politik, z.B. Krone.
      Eine Betrachtung, wie von Frau Dr. angesprochen, also dort handeln, wo es angesagt ist und kein Gießkannenprinzip, wird diejenigen zwingen zu handeln, die es betrifft. Wenn man endlich aus der Pauschalverurteilung rauskommt, das ist Grundbedingung für die Akzeptanz in Politik und Gesellschaft.

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  9. Reinhard Seevers sagt

    https://www.3-n.info/

    Das 3n – Kompetenzzentrum sitzt mitten in der Intensivregion und beschäftigt sich seit längerer Zeit um die Problematik in der Region…..die Veredler werden sich das Heft des Handelns nicht aus den Händen nehmen lassen.

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    • Thomas Apfel sagt

      „…und das ist gut so“, um mal einen bekannten Berliner Politiker zu zitieren.

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  10. Wolfgang Sappl sagt

    Also reden wir von Jauche und „Festmist“. Ich frage mich echt was diese Eingriffe des Staates soll, da kommt nur ….. raus. Biologische Verfahren, wie Kompostierung etc. ist in der technisch gewollten Förderwelt kein Ansatz, da würde zuviel Geld auf den landwirtschaftlichen Betrieben erfolgen. Man kann sich mal die kommunalen Kompostierwerke anschauen, was das für eine Qualität ist, macht man auch nur einmal……

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    • Thomas Apfel sagt

      Die mögliche Wertschöpfung und auch die Förderung für solche (z.B. Kompostier-) Projekte
      müssen bei den Landwirtschaftsbetrieben bleiben! Flächendeckend sind hochtechnisierte Lösungen bei der Problematik auch gar nicht erforderlich. Es ist ein bisschen wie bei der Landtechnik: Es gibt kaum noch einfache und preiswerte Lösungen. Der Hang zur „Übertechnisierung“ hat der Landmaschinenindustrie viel Geld in die Taschen gespült. Auch das ist ein wesentlicher Grund für stagnierende Nettowertschöpfung je Hektar. Die Kostensteigerungen für technische Lösungen sind deutlich überproportional gegenüber anderen Kostenfaktoren.

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  11. Reinhard Seevers sagt

    Der Beitrag zeigt sachbezogen die Problematik und eine pragmatische Lösung auf. Das wollen die Politiker aber nicht, sie sehen ausschließlich die Lösung im Umbau der Landwirtschaft und haben Angst, dass sich die böse Massentierhaltung sich manifestiert……

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  12. Reinhard Seevers sagt

    Die Firmen stehen seit Jahren in den Startlöchern mit vorh. Technologien. Es fehlte der Druck auf dem Kessel, der die Betriebe dazu zwang die Anlagen zu kaufen. Die Separierung wird für die Veredlungsregion eine mögliche Alternative sein. Das macht die Inhaltsstoffe transportwürdig.
    Leider sind wieder der Bürger und die Politik als Bremser unterwegs, um ihre Vorurteile zu pflegen.

    https://www.topagrar.com/panorama/news/niedersachsen-proteste-gegen-guelle-aufbereitungsanlage-11697392.html

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  13. bauerhans sagt

    wenn ich an unseren Bauhof denke,der seit jahren defizitär arbeitet,kann ich mir nicht vorstellen,dass solch ein „Stickstoffreduzierungsbetrieb“ auf kommunaler ebene wirtschaftlich funktionieren würde.

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  14. Thomas Apfel sagt

    Ein richtiges Fazit kann ich für mich nach dem ersten Durchlesen nicht ziehen. Man merkt auf alle Fälle, dass die Autorin aus der Abfallwirtschaft kommt. Die Probleme werden nüchtern betrachtet und versucht technisch zu lösen. Rein bilanziell erscheinen mir die Werte von 0,5 mio t N im Abwassser das Gesamtproblem nicht abzubilden. Es fehlt der in „Menschenmasse“ und deren Erhaltung verbaute Anteil, also Hauptzweck und Ziel der Landwirtschaft. Interessant ist die Zahl von 18 % der Messstellen, die über 50 mg Nitrat liegen. Dies sind i.d.R. oberflächennahe Messstellen und sagen nichts über den Zustand der Grundwasserkörper darunter aus, zeigen aber, dass das Problem relativ einfach und eng räumlich einzugrenzen ist.
    Der vorgeschlagene Abfallwirtschaftliche Ansatz ist mir zu sehr von der Betrachtung des organischen Düngers als „Abfall“ geprägt. Wenn Prozesse in solche kommunalen Systeme delegiert werden, wird das in aller Regel sehr teuer. Hört sich jedenfalls alles nach sehr hohen Kosten an.
    Technische Lösungen wie beschrieben könnten sicherlich für ganz große Betriebe eine Lösung sein. Ansonsten sehe ich die Lösung schon im Sinne der Bodenfruchtbarkeit auf 2 Schienen:
    Kompostierung mit Zusatz von Stroh, Holzspänen u.Ä. statt „Herbstverklappung“ auf dem Acker (um es mal zugespitzt zu formulieren).
    Oder man lässt das in Zukunft, so weit es geht wieder die Tiere selbst erledigen, über Festmist- und Einstreu-Systeme.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Festmistsysteme werden keine Lösung bringen. Da muss man ja nur zurück in die Vergangenheit, um zu sehen, welche Probleme mit dem Mist verbunden waren und sind. Die Kompostierung funktioniert auch nur bedingt. Die kommunalen Komposter haben riesige Probleme ihren mit Plastik verseuchten Mist loszuwerden, und die angebliche Keimabtötung funktioniert auch nicht. Femde Kräuter finden sich inzwischen überall, wo Kompost ausgebracht wird, obwohl dies eigentlich nicht sein sollte.

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      • Brötchen sagt

        Reinhard wir werden wohl die festmistsysteme weiterentwickeln müssen. Du hast Recht, damit sind viele Probleme verbunden. Für die direkte Tierhaltung aber von Vorteil. Flüssigmist ist effektiver und technisch gut gelöst, dass ist richtig.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Viel Spaß mit Strahlenpilzen und Co……
          Und wenn die Ernten gering ausfallen, karren wir eben Stroh durch die Republik, immerhin.
          Im Moment bauen etliche Sauenställe auf Stroh, auch in großen Größenordnungen für BIO oder Naturland. Ich wünsche allen nur das Beste, aber ich habe wirklich Bauchschmerzen ob der langfristgen Entlohnung der Arbeit, der großen hygienischen Herausforderungen und der ackerbaulichen Verwertung. Nein, ich glaube nicht an die Vergangenheit, auch wenn die Gesellschaft es wünscht oder fordert.

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          • Thomas Apfel sagt

            Sehe ich nicht ganz so Reinhard. Ich bin allerdings weder Stallbauexperte wie Du, noch Tierhalter. Trotzdem sind die Argumente für Gülle vor allem technologischer Natur und da ist ja auch nichts gegen einzuwenden. Auf der anderen Seite ist die gute Wirkung von Stallmist insbesondere von Stapelmist oder MC-kompostiertem Mist (entspricht in der Stoffumsetzung ungefähr dem alten Tiefstallmist) auf Erhalt von Bodenfruchtbarkeit altes bäuerliches Wissen und durch zahlreiche Langzeitstudien belegt. die doch relativ intensive Salzdurchwaschung der modernen Düngung zerstört auf Dauer die Pufferfähigkeit des Unterbodens. Dem kann man ganz vereinfacht gesagt entgegenwirken, indem zum Beispiel ein Teil der Gülle/Gärreste betriebsintern wieder mit Lignin haltigen Stoffen kompostiert wird. Da positive monetäre Auswirkungen aus dieser Erhaltung von Bodenfruchtbarkeit kurzfristig nicht zu erwarten sind, sollte dieses Verfahren, an Stelle des Ansatzes „Dezentrale Abfallentsorgung“ über ein hochbürokratisches System, angegangen werden.

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            • Reinhard Seevers sagt

              Wie sagte ein Kollege von mir dereinst: Mist ist Scheiße in Einwickelpapier….
              Die Zukunft wird wohl Systemen gehören, die z.B. in der Schweinehaltung bereits im Stall den Urin vom Kot trennen. Dadurch wird die Ammoniakbildung erheblich reduziert und die beiden Phasen können unabhängig voneinander bestmöglich verwertet werden.
              Die Holländer hatten vor Jahren Spaltenböden für die Milchviehhaltung entwickelt, die das erreichen ssollten, funktionierte aber nicht….und wurde bei uns auch nicht anerkannt, weil nicht untersucht.
              Bodenfruchtbarkeit mit Gülle und Stroh geht auch, das können die Bauern.

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              • Thomas Apfel sagt

                Da würde ich widersprechen: dauerhafte Bodenfruchtbarkeit mit Gülle und Stroh separat (häckseln und einarbeiten) ist nicht dasselbe wie Mist. Das Stroh wird hinsichtlich des Lignin- und Zellulose- Anteils an der Oberfläche pilzlich abgebaut (Da gibt es wunderbare Aufnahmen, die die riesigen Pilzmyzele über Rotfilter sichtbar machen). Die Nährstoffe bleiben, der Dauerhumuseffekt ist dahin.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  Evtl. sollten das die Profis im Ackerbau hier diskutieren, ich bin da raus!

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            • Brötchen sagt

              Pass Mal auf, wenn die Mistlager auch noch abgedeckt werden müssen.

              Die Zwischen- Phasen also dicker als Gülle, aber noch kein richtiger Mist sind auch sehr schwierig zu händeln und da musst du auch wieder auffangen. Nach der Massgabe, als wäre es ein hochtoxisches Gift. Jedes kleines Fitzelchen, es ja auch die 10 g Stickstoff vom Dach böse böse…

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              • Reinhard Seevers sagt

                Du wirst lachen, es gibt Genehmigungsbehörden, die verlangen, das Niederschlagswasser von Schweineställen vorzureinigen, weil der Staub aus den Abluftschächten belastet sei….

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      • firedragon sagt

        Guten Morgen Herr Seevers,

        was landet in den Kompostieranlagen?
        Alles, was der meist private Hausbiomüll so hergibt.
        An anderer Stelle hatte ich bereits davon abgeraten, Kompost aus solchen Anlagen auf landwirtschaftliche NF auszubringen.

        Welche Probleme gibt es beim Festmistverfahren?

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        • Reinhard Seevers sagt

          Ich stelle mir gerade vor, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (hier besonders Fungizide) reduziert oder gar verboten wird und die Pilze wunderschön das Getriede = Stroh befallen und das Fusarium oder Aktinomykose in die Schweineställe transportiert. Schweine reagieren besonders auf Schimmelpilze. Da reicht 1mg/kg Futter um die Sau umzubringen oder Geschwülste am Gesäuge zu verursachen.

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            • Thomas Apfel sagt

              Das ist ein gutes Argument hinsichtlich der Tiergesundheit, aber nicht in Bezug auf die Bodenfruchtbarkeit. Und ich finde schon, dass man die reine Position der Verteidigung des Bekannten zumindestens hypothetisch verlassen muss, wenn denn was Neues dabei herauskommen soll.

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                • Ostbauer sagt

                  Hat nur ein Problem: organische Düngung zur Strohrotte nach der Ernte ist leider verboten!

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                • knuffel61 sagt

                  Glaube ich nicht ganz, der abgelagerte Mist ist gegen über vom Vorteil, da den Humus gleich mitbringt in Form von Bodenleben. Die Wirtschaftsflächen die nur mit Mist und geringen Mengen Jauche gedüngt werden ist deutlich besser beim verkraften von Starkregen und Trockenheit. Wiesen mit mehrfachen Gülle gaben sind sehr steril in bezug auf klein Lebewesen. Insekten werden regelrecht weg geätzt.

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          • bauerhans sagt

            es wird sicherlich einschränkungen hinsichtlich pflanzenschutz geben,aber letztlich wird die vernunft siegen,weil ja oberstes ziel war,ist und sein wird,die ernährung günstig zu sichern.

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            • Reinhard Seevers sagt

              …“ aber letztlich wird die vernunft siegen…“

              Seit gestern in Erfurt und Washington zweifle ich am Begriff „Vernunft“… 🙁

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              • Christian Bothe sagt

                @Seevers,das mit Erfurt müssen Sie mir als Thüringer bei Gelegenheit mal erklären.

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      • Thomas Apfel sagt

        Ich meine auch nicht „Fremdkompostierung“ sondern Betriebsinterne Lösungen mit betriebsinternen Materialien. Dass solche Lösungen prinzipiell möglich sind, kann man nachlesen. Die Harzhochschule in Wernigerode hat das Thema mal bearbeitet.
        „Verfahrensentwicklung zur gezielten Effizienzsteigerung der stofflichen Biomassenutzung durch mokrobielle Carbonisierung“ (MC-Carbo). 2012-2014.
        Aus den Daten ist eine Dissertation entstanden die 2016 an der BTU Cottbus eingereicht wurde (Claus Robert Wonschik).

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