Bauer Willi
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Lösungen müssen her…

Nachdem ich am Sonntag das Koalitionspapier der GroKo „zerlegt“ habe, habe ich gestern meine Mutlosigkeit zum Ausdruck gebracht. Ich hatte gerade meine „Depri-Phase“ wie sie wohl jeder mal hat. Prompt bin ich dafür wieder kritisiert worden. Ich würde die Bauern in die Opferrolle drängen und selbst jammern.

Ja, da ist was dran.  Jammern ist bequem und anderen die Verantwortung zuschieben einfach. Das ist menschlich und da nehme ich mich nicht aus. Andererseits bin ich ständig unterwegs, um meine Berufskollegen mit meinem Vortrag „Mehr Mut zur kreativen Kommunikation“ aufzumuntern,  gerade aus dieser Opferrolle herauszukommen und sich selbst in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen. Es ist zwar nur ein kleiner Baustein, aber immerhin „bewege“ ich mich. Im wörtlichen Sinne. Gerade bin ich aus Augsburg zurückgekommen, davor war ich in Zeven (Niedersachsen), dem Westerwald und Fehmarn. Nächste Woche bin ich in Bayern, danach in Ober-Österreich. Ist nicht gerade vergnügungs-steuerpflichtig.  Und was machen derzeit die Kritiker?

Der Vortrag dauert eine Stunde, danach sind viele begeistert von dem „Querdenken“, der etwas anderen Perspektive. Ob es was bewirkt? Das kann ich nicht beurteilen. Verhaltensänderungen herbeizuführen ist nämlich schwierig, vor allem, wenn es einen selbst betrifft. 🙂 Es von anderen zu erwarten: siehe oben.

Weil wir derzeit Dauerfrost haben (super!!! Hilft uns Bauern sehr!) hab ich mich wieder vor den PC gesetzt und  mal geschaut, was so an konkreten Vorschlägen von den eher kritischen Organisationen zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 gesagt wird. Es hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll euch nur mal zeigen, wie die Meinungsvielfalt ist und wie konkret die einzelnen Vorschläge sind. Da ist durchaus der ein oder andere interessante Ansatz dabei. Das, was ich als wesentlich angesehen habe, habe ich kommentiert. Kann aber jeder gerne anders sehen. Mein persönliches Fazit findet ihr ganz zum Schluss. In den nächsten Tagen will ich auch mal eigene, vielleicht ganz andere Vorschläge formulieren. Ich denke noch…

 

  • Stellungnahme des Bund deutscher Milchviehhalter (BDM)

http://bdm-verband.org/html/dms/dateien/Dokumente_PDF/BDM_GAP_Eckpunkte_Papier_Sept_2017.pdf

Nach den vielen Seiten Analyse kommen dann die wesentlichen Punkte

  • Marktkrisen-Management-Konzept festschreiben
  • Agrargelder erhalten durch die Honorierung konkret zu benennender Leistungen
  • Mehraufwand muss werthaltig sein: Leistung muss sich lohnen
  • Umsetzungsreihenfolge beachten

Klingt alles etwas theoretisch und ist meines Erachtens auch wenig konkret. Wer soll was wann und wie machen?  Was mir gut gefallen hat, ist der Satz „Die Landwirte brauchen insgesamt mehr Wertschöpfung, die ganz überwiegend über den Markt generiert werden können“. Wer würde dem nicht zustimmen? Bleibt nur die Frage, wie das erreicht werden soll.

  • Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)

http://www.abl-ev.de/uploads/media/AbL_Punktesystem_-_Agrarpolitik_auf_Qualit%C3%A4t_ausrichten__Auflage_2_web-1.pdf

Das Papier des AbL ist schon sehr viel konkreter. Hier wird der Ansatz „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ sowohl für den Tierhalter als auch für Flächenbewirtschaftung relativ genau erläutert, auch wenn ich nicht jeden Punkt davon teile. Anhand eines Punktesystems werden auch vier verschiedene Beispielrechnungen durchgeführt. Für meinen Fall, den mittleren Ackerbaubetrieb würde sich, wenn ich die genannten Bedingungen erfülle, ein minimales Plus an Zahlungen ergeben. Für den Großbetrieb mit 2.000 ha würden sich die Zahlungen nahezu halbieren.  Die Begeisterung wird sich also hier sehr Grenzen halten.

  • Stellungnahme Landwirtschaftsministerium MV („Backhaus-Papier“)

https://www.regierung-mv.de/serviceassistent/_php/download.php?datei_id=1595326

Hier wird eine Grundprämie von 100 €/ha gezahlt, Betriebe unter 50 ha bekommen einen degressiv gestaffelte Zusatzprämie. Für Junglandwirte gibt es einen Zuschlag, ebenso eine Prämie pro Tier. Für Blühflächen, Schonstreifen und Gewässerrandstreifen liegen die Beträge zwischen 800 und 900 €. Nicht schlecht, sagt der Specht. Vielleicht mache ich nur noch Blühflächen…. 🙂 . Das Konzept ist ausbaufähig und diskussionswürdig.

  • Stellungnahme des Bundesverbandes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):

https://www.boelw.de/fileadmin/media/pdf/Themen/Agrarpolitik/170810_BOELW_Positionspapier_GAP_2020.pdf

In einem Nachhaltigkeitsmodell sollen 60% als Entgelt für Umwelt, Klima, Tier (EUKT) für regional angepasste Maßnahmen an den Landwirt gezahlt werden. 27,5% bleiben als Basisprämie. Und ja, bis 100% fehlt noch was. Wie das verwendet wird, habe ich nicht so richtig kapiert. Kann aber an mir liegen. Wirkliche Details zum Nachhaltigkeitsmodell fehlen mir allerdings. Von daher etwas schwach und mir zu wenig konkret. Geht besser.

  • Stellungnahme des NABU:

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/landwirtschaft/agrarreform2021/index.html

Das ist eigentlich kein konkreter Vorschlag, sondern eine wenig konkrete Aneinanderreihung von „blumigen“ Bemerkungen:

  • Fair – für Landwirte, Steuerzahler und künftige Generationen
  • Naturverträglich – für die Artenvielfalt und eine saubere Umwelt
  • Gesund – für gute Lebensmittel und das Wohlbefinden aller Menschen
  • Global verantwortungsvoll – für das Klima und die nachhaltige Entwicklung weltweit

Und dann folgt der Verweis darauf, dass „die Politik“ handeln muss, also wieder die anderen. Es wird ein Naturschutzfonds (logisch, ist ja der NABU) gefordert und ein Investitionsfonds, der vor allem für die Umstellung auf Öko-Landbau und Regionalvermarktung gedacht ist. In meinen Augen die schwächste Vorstellung.

  • Mein persönliches Fazit:

Alle Stellungnahmen haben gemeinsam, dass die EU-Zahlungen in der Höhe in etwa beibehalten aber anders verteilt werden. Sie so auszugestalten, dass sie an bestimmte Leistungen geknüpft werden, hat den Charme, dass sie so nicht direkt an einen Verpächter weitergereicht werden können. Denn der erbringt ja selbst keine Leistung. (außer auf dem Sofa zu sitzen). Dasg Geld soll ja schließlich bei denen ankommen, die die Arbeit machen. Wenn dann für Natur-, Umwelt-, und Tierwohl richtig hohe Beträge zur Auszahlung kommen, kann man diesen verschiedenen Modellen aus meiner Sicht schon etwas abgewinnen.

Wir müssen ja nicht unbedingt Lebensmittel produzieren….Und wenn bunte Blumen mehr bringen, warum nicht? Wir Bauern können alles! Nur nicht umsonst!

Aber am besten lest ihr euch die verschiedenen Papiere mal alle in vollem Wortlaut durch. Könnte aber was dauern…

Die Positionen des deutschen Bauernverbandes findet ihr hier: http://www.bauernverband.de/

Bis die Tage

Eure Bauer Willi

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83 Kommentare

  1. Peter sagt

    @Mark Rössler. Das ist so nicht ganz richtig! Dieser Konzentrationsprozess läuft seid dem 08.02.1956, zuerst freiwillig und dann mit Zwang. Der Zwang war politisch und wirtschaftlich gesteuert und ist heute wieder topaktuell. Die damals entstandenen Agrarunternehmen gibt es heute noch, leider durch falsche Berater und auch Politik nicht in einer wünschenswerten Entwicklung. Aber dort arbeiten immer noch Bauern, welche Miteigentümer sind und Ihr Land per Pachtvertrag einbringen. Und diese Bauern werden als Großkonzerne von den „anderen Bauern“ angefeindet, von der Politik benachteiligt (Umschichtung der Förderung zugunsten kleinerer Betriebe…) und von NGO`s regelrecht bekämpft! Vielleicht wird dort mal abgeschaut, wie effizient und unter Marktbedingungen gewirtschaftet wird. Es muss daran gearbeitet werden, dass auch diese Bauern wieder ein auskömmliches Einkommen haben.

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  2. Friedrich sagt

    @Mark Rössler. Alles richtig was du da sagst . Passt aber nicht mit den Forderungen aus Politik und Gesellschaft zusammen. Unter diesen Rahmenbedingungen funktioniert das aber nicht. Wenn wir bereit sind ganze Landstriche ohne Landwirtschaft zu haben , dann ok. Soll aber nicht sein. Dafür müßen Lösungen gefunden werden. Wir haben schon eine Kooperation und werden uns mit der nächsten Generation wieder erheblich erweitern, aber sollen wir unsere Grünland-,Moor-,Berggebiete aufgeben ? Das würde dann alles Wald . Ist aber auch nicht gewollt. Unsere Politik ist einfach sch…… . Es fehlen einfach Perspektiven für die Generationsnachfolge. In den Bauernfamilien wird schließlich in Generationen entschieden. Jeder Hof der aufgibt ist ein Schlag gegen Gesellschaft , Umwelt , Biodiversität usw..

    1+

    • Mark Rössler sagt

      Kooperationen und Betriebszusammenschlüsse sind ja keine Hofaufgaben sondern eine Weiterentwicklung.
      Auch in den Bergregionen ein machbarer Weg, nur müssen das die Betriebsleiter auch wollen und zusammen arbeiten können, da harpert es bei sehr, sehr vielen Landwirten.

      Auf der anderen Seite werden diese Kooperationen natürlich durch dieses „bäuerliche Landwirtschaft“ geträume torpediert.

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  3. Kirsten Wosnitza sagt

    Hallo Willi
    ich versuche es also noch mal

    1. es ist momentan doch so, dass erste Aufschläge und noch keine vollständigen Konzepte vorgelegt werden. Mit dem Schwerpunkt auf die jeweiligen Fachgebiete. Die DVL hat ihr Punktesystem vorgelegt, die abl hat es quasi übernommen und etwas ergänzt. Die DVL hat den Tierbereich gar nicht berücksichtigt. Das wäre auch unseriös, da dies nicht ihr Fachgebiet ist. Und so hat sich der BDM erst mal um die Milch gekümmert, unter
    http://bdm-verband.org/html/ und dann unter Konzeptpapier Milchmarkt Krisenmanagement einzusehen und zwar im Detail.

    2. Den anderen Schwerpunkt des BDM Papiers hast Du nicht kommentiert. Einen Umbau der GAP. Was denkst Du darüber?

    3. Du hast das Papier des Bauernverbandes aufgeführt, aber im Gegensatz zu allen anderen Papieren unkommentiert gelassen. Was denkst Du über das Papier?

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Kirsten
      zu 1. Das Krisenmanagement Milch habe ich mir angesehen. Das ist in der Tat sehr detailliert und durchdacht. Ich habe aber nicht alles verstanden, weil ich da nicht so der Fachmann bin.
      zu 2. Da kommt morgen ein ungewöhnlicher Vorschlag von mir. Habe ich mir selbst ausgedacht.
      zu 3. Ich habe tatsächlich kein zusammenhängendes Papier des DBV gefunden. Darum konnte ich da nichts kommentieren. Aber die Richtung ist ja klar: An den zwei Säulen nicht viel ändern, ansonsten Weltmarkt und Exporte. Wenn Du mein Papier morgen gelesen hast, weißt Du was ich davon halte.
      Bauer Willi

      1+

  4. Friedrich sagt

    Alles tolle Vorschläge , aber die Höfe brauchen Geld. Z.Zt. sind fast alle Agrarpreise im freien Fall. In diesem Jahr werden in Deutschland viele , sicherlich über 10.000 Höfe schließen müßen. In Frankreich schwebt auch eine Pleitewelle durchs Land , wie auch in allen anderen EU-Ländern. Es muß doch endlich mal kapiert werden , daß dieses Agrar-Systhem nicht funktioniert. In der Landwirtschaft werden über Jahre schon keine Unternehmergewinne erwirtschaftet. Das wäre so , als wenn eine GMBH in der Industrie ständig Verluste produziert. Das kann auch nicht gut gehen. Die Eu-Beamten haben alle versagt. Deutschland hat sowieso nur ein Interesse an der Industrie , sonst würde es hier auch andere Entscheidungen geben. Wie kann es denn sein , daß die Wirtschaft brummt und die Landwirtschaft in diesem Lande hinten runter fällt ?

    10+

    • Mark Rössler sagt

      Daher gibt es in der Industrie ein Konzentrationsprozess, nennt man auch Strukturwandel, somit bleiben wirtschaftliche Zweige bestehen.
      Und die Landwirtschaft sollte sich damit auf Dauer auch anfreunden,
      größere Betriebsgemeinschaften entstehen hier seit 20 Jahren, die sind in der Regel die wirtschaftlichsten Betriebe.
      Viele Landwirte gönnen ihrem Nachbarn die Butter nicht auf dem Brot, die sind natürlich auch nicht in der Lage sich zusammen zu schließen.

      1+

    • Lieschen Müller sagt

      Du sagst, die Agrarpreise sind im freien Fall und ihr Bauern berichtet, die Bodenpreise werden immer höher. Da stimmt doch ganz gewaltig was nicht!

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  5. bauerhans sagt

    SPEKULATION

    die cdu übernimmt wohl das ressort landwirtschaft.
    wird julia klöckner landwirtschaftsministerin……………

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  6. Kirsten Wosnitza sagt

    Willi ich habe bereits geantwortet . Die Antwort erscheint nicht obwohl sogar eine doppelte Sendung angezeigt wurde? ??

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    • Bauer Willi sagt

      Das ist ein Fall für Alois. 🙁 Heute morgen war der Facebook-Importer daneben, es werden die Profile nicht mehr angezeigt. Scheint irgendwie der Wurm drin zu sein.
      Bauer Willi

      1+

  7. Lieber Bauer Willi,

    ja, Lösungen müssen her!

    Jedes der von dir aufgeführten Papiere erhebt für sich den Anspruch auf Vollständigkeit. Das bedeutet, dass jeder Verband bzw. jeder Verein Recht haben will und die alleinige Weisheit für sich beansprucht. Du könntest da jetzt noch unzählige weitere Papiere verlinken und würdest damit das Problem noch weiter verdeutlichen: Es gibt nicht DIE Lösung. So vielfältig und unterschiedlich wie die Landwirtschaft und ihre Betriebe sind, so schwer ist es auch, DIE Lösung für alle politisch umzusetzen.

    Der kommende Koalitionsvertrag zeigt (sofern die Inhalte, die bereits veröffentlicht wurden, tatsächlich so enthalten sind) dieses Spannungsfeld. Wir, und damit meine ich uns Bauern, fühlen uns als die Opfer. Wir sollen verantwortlich sein für die Umweltverschmutzung, den Nitrateintrag ins Gewässer, die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln … deshalb will man uns deutsche Landwirte maßregeln, indem man uns die Bewirtschaftung vorschreibt.

    Die Glyphosat-Debatte zeigt doch die Schizophrenie: Ohne die Alternative zu kennen, will man jetzt dieses Mittel verbieten. Warum? Es ist, und wir wissen das, die Grundlage für vernünftige Minimalbodenbearbeitung. Und wie sinnvoll das mit Blick auf Bodenfruchtbarkeit, CO2-Speicherung und Humusbildung ist, wissen wir alle. Ähnlich die Debatte ums Tierwohllabel. Dass ein staatliches Tierwohllabel die Lösung ist, glaube ich persönlich nicht. Denn es konkurriert schon jetzt mit den Labels der LEHs. Und für das Ziel, tatsächlich MEHR Platz und MEHR Wohlergehen, brauchen wir nicht mehr Labels, sondern mehr Geld.

    Das zeigt: Die anderen (Politiker, NGOs etc.) sehen uns als Täter: als Tierquäler und Umweltvergifter. Dass diese Annahme Nonsens ist, ist sogar den meisten Verbrauchern klar. Vor allem denen, die ihre Ernährung reflektieren und schon jetzt bereit sind, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben. Denn was hätten denn die Landwirte davon? Nachhaltiges Generationendenken setzt einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen voraus, und nur gesunde Tiere sind auch leistungsfähig.

    Aus diesem Spannungsfeld herauszukommen, ist trotzdem nicht einfach. Die Medien brauchen Schlagzeilen und wir Landwirte sind nur noch eine kleine Gruppe in der Gesellschaft. Wir sind so stark in die Betriebe eingebunden, dass vielen schlichtweg die Zeit fehlt für aktive Öffentlichkeitsarbeit. Ich bin unglaublich dankbar für deine Öffentlichkeitsarbeit, lieber Bauer Willi. Landwirte wie du haben mir immer Mut gemacht und mir das Gefühl gegeben, dass auch mein Engagement richtig ist und sich lohnt. Ich bin mir sicher, dass da draußen ganz viele junge Leute sind, denen es ähnlich geht wie mir.
    Mach bitte weiter. Und lass weiter versuchen, darauf hinzuarbeiten, dass alle zusammenstehen. Gemeinsam in eine Richtung, mit dem Ziel, dass auch unsere Kinder und Enkel noch Landwirtschaft betreiben können. Die Herausforderungen sind gigantisch. Neben dem gesellschaftlichen Spannungsfeld steht nämlich die noch größere Herausforderung schon im Flur: die Digitalisierung.

    Beste Grüße
    Carina Konrad

    Diplom-Agraringenieurin (FH)
    Mitglied des Deutschen Bundestages

    3+

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Carina,
      sitze gerade an einem Text zum „Umbau der Landwirtschaft“. Aber ganz anders, als alle denken. Wahrscheinlich wirst Du mich für verrückt erklären. Es ist halt ein völlig anderer Denkansatz als alle bisherigen. Du darfst gespannt sein…
      Bauer Willi

      2+

    • G. Scheips sagt

      Erst wenn auf dem letzten Hof das Licht erloschen ist, wissen alle was sie verloren haben, aber dann ist es zu spät.

      4+

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Die Kinder der Bauern sind es noch, die Arbeiten in der Industrie und machen den Betrieb noch nebenbei.
          Bei den Enkeln steht Freizeit weiter oben.

          0

    • Kirsten Wosnitza sagt

      Ich würde von einer Politikerin die Entscheidungen zu treffen hat erwarten dass Sie die Papiere genau lesen und nicht frei interpretieren. Es ist eine Behauptung von Ihnen ohne Grundlage, dass jeder Verband die alleinige Weisheit für sich beansprucht. Zb sind am Pa pier der Plattform der Verbände sehr viele verschiedene Verbände gemeinsam beteiligt. Das wäre nicht so wenn Sie mit Ihrer Behauptung recht hätten.

      Bleibt zu hoffen das Sie sich noch besser informieren bevor Sie in dem Bereich eine Entscheidung treffen.

      9+

    • Paulus sagt

      Sehr geehrte Frau Konrad,
      als Dipl.-Ing. einer anderen Disziplin muss ich sie in Sachen, der von Ihnen auf ihrer Homepage präferierten Digitalisierung leider enttäuschen.
      Die Digitalisierung wird an der ursprünglichen bzw. bis heute weitgehend praktizierten Art der LW nichts ändern, wirklich Garnichts. Mit Algorythmen bringe ich weder das Getreide zum Wachsen noch bekomme ich, trivial ausgedrückt damit die Schweine fett. Auf natürliche Vorgänge kann ich mich allenfalls im Sinne der Ressourcenschonung und marginaler Mehrerträge mittels digitaler Hilfe einstellen. Mehr ist bis heute nicht drin.
      Aber – es werden Dienstleister auf den Plan treten, deren Geschäftsmodell den Vorstellungen der bäuerlichen LW zuwider läuft. In die Wertschöpfungskette werden sich im Sinne 4.0 konzerngebundene Geschäftsfremde einklinken. Die Ertrags- und Kostenrisiken werden indes bei denen hängen bleiben, die schon heute die Gekniffenen sind. Warum nur versucht ihr immer noch den Leuten Sand in die Augen zu streuen?

      Bis Westerwelle war ich übrigens Mitglied ihrer Partei und nun ja, gewählt habe ich euch auch.

      2+

    • Andreas Müller sagt

      Oh, die Freiheitsliebenden der FDP um Bauer Willi melden mal wieder zum Schulterschluss –

      zum Glück sind sie nicht Teil der Regierung (die Freiheit haben sie sich genommen)

      4+

        • Andreas Müller sagt

          Ich halte es eher mit „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ als mit der FDP Divise „wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.“

          0

  8. Übersicht und Vergleich der Positionen ist ein sehr guter Ansatz, herzlichen Dank für die Mühe, Willi! Mich überrascht auch nicht, dass viele Vorschläge oder Forderungen wenig konkret sind oder einfach nur andere Vergütungs- oder Beihilfesysteme darstellen.
    Insgesamt fehlt mir da der Mut zum großen Wurf, den ich am ehesten noch Willi zutraue.

    Ihr solltet überhaupt nicht mehr beim Staat die Hand aufhalten, sondern von Euren Erzeugnissen leben können. Wenn sich die EU 100 % Selbstversorgung mit Agrarrohstoffen und Grundnahrungsmitteln auferlegen würde, hätte die Landwirtschaft gut zu tun und bessere Erzeugerpreise. Wir brauchen keine Futtermittelimporte und kein Dumpingrindfleisch. Jeder soll gerne argentinisches Steak, Zuchtlachs, chinesische Hunde oder sonstwas essen dürfen, aber es muss richtig teuer sein! Es gibt kein Menschenrecht auf billigen Luxus und Verschwendung.
    Bei allen Verbänden fehlt mir die klare, unmißverständliche und längst überfällige Forderung nach europäischem Außenschutz und einem echten Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik, der den Interessen der Umwelt und der Landwirte dienen würde. Das wäre eine großartige Aufgabe für die europäische Politik. Der europäischen Einigung würde neues Leben eingehaucht, wenn der EU-Haushalt aus EU-Einfuhrzöllen finanziert würde statt aus Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Querdenker aller Farben, vereinigt Euch!

    4+

  9. Ehrlich gesagt, kann ich mit der Haltung „Wir Bauern können alles. Nur nicht umsonst“ nichts anfangen. Denn das heißt nichts anderes, als dass Bauern käuflich sind. Vor Menschen, die sich von anderen Menschen kaufen lassen, habe ich keinen Respekt.

    Bis vor einiger Zeit habe ich gedacht, dass Bauern eher die mit dem Rückgrat sind. Diejenigen, die trotz aller Widrigkeiten und Gegenwind ihr Ding durchziehen. Diejenigen, die mit beiden Füßen in der Realität stehen. Diejenigen, die „Eigensinn“ im besten Sinne des Wortes beweisen. Diejenigen, von denen man was lernen kann. Schade, wenn es nicht so sein sollte. Und gut, wenn wenigstens in den Kommentaren bei einigen so was wie dieser „Eigensinn“ doch sichtbar wird.

    Ich selber möchte mich mit dem, was ich tue, identifizieren können. Ich möchte auf das was ich tue, stolz sein können, oder zumindest damit zufrieden. Ich verstehe das, was ich sage und wie ich handele als Ausdruck meiner selbst. Deshalb möchte ich weder Befehls- noch Subventionsempfänger sein. Ich will nicht zulassen, dass Geld die Identität überwiegt, dass ich für Geld also etwas tue, was ich nicht auch freiwillig und aus eigenem Antrieb tun würde. Identität ist mir wichtiger als Geld. Und diese Identität muss ich auch nicht hinter einer „Marke“ verstecken, die ja doch nichts anderes als ein Etikett ist, das vom Inhalt ablenkt.

    Deshalb verstehe ich die in dem Artikel dargestellte Einstellung echt nicht. Was heißt das denn? Wenn der Geldgeber (Verbraucher) es will, dann schmeißt der Bauer Glyphosat aufs Feld. Wenn der Verbraucher dagegen ist, gut, dann lässt der Bauer es eben. Wenn der Verbraucher billig will, macht der Bauer auf Massentierhaltung. Wenn der Verbraucher Tierwohl will, macht der Bauer eben auf Tierwohl. Wenn der Verbraucher Hörner und Schwänze will, dann lässt man den Kühen die Hörner und den Schweinen die Schwänze dran. Wenn der Verbraucher lila Kühe will, dann malt der Bauer seine Kühe eben lila an, oder was? Und wenn der Verbraucher Disney will, dann macht der Bauer eben auf Disney. Aber hallo! Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein, oder?

    Ich finde es übrigens unter aller Kanone, dass Tierwohl ein Produkt sein soll, das man kaufen kann, als wäre es Seife. Ich denke, der Mensch hat so was wie einen Vertrag mit dem Nutztier. Wenn er dem Nutztier schon die Freiheit und das Leben nimmt, dann ist der Mensch im Gegenzug dazu verpflichtet, wenigstens gut für das Tier zu sorgen. Wenn Tierwohl nun tatsächlich ein käufliches Produkt wird, ist das in meinen Augen die Bankrotterklärung der Bauern, denn das ist gleichbedeutend mit dem Eingeständnis, dass sie ihre Tiere eben tatsächlich nicht gut behandelt haben, auch wenn sie anderes behaupten. Sondern dass sie den Druck, der geldtechnisch oder wie auch immer auf sie selbst ausgeübt wird, an die Tiere weitergegeben haben. Das Tierwohl-Label ist eine prima Methode, um sich vollkommen unglaubwürdig zu machen. Und an dem Punkt sinkt dann mein Respekt gar ins Bodenlose.

    3+

    • Philip sagt

      Man kann die Vorwürfe machen, wenn die Bauern in einer stärkeren Position als derzeit wären. Sind sie aber nicht.
      Vielmehr sinkt ständig deren Anzahl, Ansehen und Einkommen – was steigt ist das Misstrauen und die Arbeit (z.B steigende Dokumentationspflichten).
      In so einer Situation zu fordern, dass Bauern einfach weiter „ihr Ding durchziehen“ und quasi die Debatte bestimmen sollen, ist realitätsfremd.

      Bislang war der akzeptierte Grundsatz, dass Bauern kostengünstig und nachhaltig möglichst viel Nahrungsmittel produzieren sollten, und dafür, sagen wir, mittelprächtig entlohnt werden.
      Dies scheint sich im Moment zu wandeln, zumindest kommen solcherlei Punkte in der Debatte nicht mehr vor.
      Vielleicht sind Wortmeldungen dieser Art einfach nur der hilflose Versuch zu ergründen welche Tiefe solche (anscheinend) breitgesellschaftliche Forderungen auf Dauer haben.

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    • Bauer Willi sagt

      Jeder möchte für seine erbrachte Leistung fair entlohnt werden. Jeder. Somit ist jeder „käuflich“. Wenn ich eine höhere Leistung erbringe, soll die auch höher entlohnt werden. Oder spinne ich jetzt?
      Bauer Willi

      3+

      • Andreas Müller sagt

        Es geht um Ehre und Ethik.

        Es soll Leute geben, die niemals bei einem Unternehmen arbeiten möchten, dass Atomkraftwerke plant, baut oder betreibt, …..oder Betreiber einer Mastanlage sein wollen… oder in einem Unternehmen für chemische Pflanzenschutzmittel neue PSM vermarkten… oder bei Coca Cola arbeiten oder einen Puff betreiben wollen.

        Kann ich verstehen

        4+

          • Andreas Müller sagt

            waren die Ersteller der Liste Bauern mit Aluhut?

            Diese Seite existiert nicht mehr und die TU Berlin ist nicht die Quelle der Liste

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Auch wenn diese Seite nicht mehr bei der Tu Berlin existiert, es gab sie.

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            • Andreas Müller sagt

              http://www.math.tu-berlin.de/iuk/forschungsrechnerbereich/forschungsrechnerbereich/

              „Der Forschungsrechnerbereich des Institutes für Mathematik umfasst die Rechentechnik der Arbeitsgruppen und Forschungsprojekte des Institutes einschließlich der EDV in der Verwaltung und den Sekretariaten. Die Technik dieses Rechnernetzes steht überwiegend den Mitarbeitern und Gästen des Institutes für Mathematik zur Verfügung.“

              Welcher verwirrte Professor soll dieses Dokument geschrieben haben? Der Agrarmathematiklehrstuhlinhaber : )

              3+

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Hat man ihnen eine Arbeitsplatz angeboten?
              Sie bleiben eh bei ihren Ziegen.

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            • Andreas Müller sagt

              Ehemaliger, ich bin doch nicht der rausgemobbte Ziegenbiobauer : )

              es gibt noch mehr kritische Menschen und Kunden da draussen

              1+

          • Mark Rössler sagt

            Im Endeffekt muss man jedes Unternehmen als „Kunde“ von Monsanto bezeichnen, das mit auf landwirtschaftlichen Flächen erzeugte Produkte vertreibt.
            Die Biobetriebe oder Verbände könnte man auch mit einbeziehen.

            Gemüse, Baumwolle, Soja, Mais…
            Das Produktspektrum ist nun mal breit gefächert.

            Und ich gebe Herrn Müller ausnahmsweise Recht, die Liste ist unterm Aluhut gemalt worden und unsinnig.

            2+

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Nahezu jeder Mensch kauft etwas, wo Monanto dahintersteckt
              und damit meine ich nicht Lebensmittel, die von Äckern stammen, bei deren PSM von Monsanto verwendet wurden.

              Wenn sie jedoch meinen, die Liste ist unsinnig, dann kleben sie sich an die Fersen von Herrn Müller, damit retten sie sicherlich die Zukunft ihren Betriebes.

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            • Mark Rössler sagt

              Ebenso können Sie Bayer, DowAgro und und und da auflisten…
              Kommt im Endeffekt immer genau die gleiche Liste bei raus.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Bayer habe ich ja genannt
              wenn sie darauf bestehen nehme ich DowAgro, Sygnta, Norvatis, Eli Lilli oder auch BASF, die Hilfsstoffe an die Pharmaindustrie liefert.

              Die Frage war ja dahingehend, ob Herr Müller auch nicht in einer Firma arbeiten würde, die neben PSM auch Medikamente herstellt.

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            • Mark Rössler sagt

              Herr Müller arbeitet ehrenamtlich, vermute ich 😉

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      • @Bauer Willi

        Käuflich ist jemand, der gegen Bezahlung eine Arbeit macht, hinter der er eigentlich gar nicht steht, die er gar nicht tun will, die er für überflüssig oder lächerlich hält oder die er selber nicht für gut befindet. Käuflich ist einer, der sagt, es ist mir völlig wurscht, was ich mache, Hauptsache, es klingelt im Geldbeutel.

        Wenn ein Bauer, der mir erzählt hat, dass Blühstreifen eigentlich Quatsch sind, weil sie die Artenvielfalt gar nicht erhöhen, dafür aber eine Menge mehr Unkräuter und Schädlinge in den Acker bringen, die wiederum mit mehr Herbiziden und Insektiziden aus dem Acker eliminiert werden müssen, dann auf einmal doch Blühstreifen rund um seinen Acker pflanzt, bloß weil es Geld vom Staat dafür gibt, dann ist ein solcher Bauer käuflich.

        Wenn ein Bauer, der mir erzählt hat, dass Schwanzkupieren beim Schwein notwendig ist, weil Schwanzbeißen genetisch bedingt ist und nur auf diese Weise Verletzungen verhindert werden können, den Schweinen auf einmal die Schwänze lässt, bloß weil es dafür Geld vom Staat gibt, dann ist dieser Bauer käuflich.

        Wenn ein Bauer, der mir erzählt, dass ein Schwein viel Platz braucht, weil es Schlaf-, Futter- und Pissplatz getrennt hält, dieses Wissen aus Kostengründen auf einmal ignoriert und soviel Schweine auf der Fläche hält, dass diese Trennung nicht mehr möglich ist, dann ist dieser Bauer käuflich.

        Man kann Arbeit, Leistungen, Produkte auch verkaufen, ohne selber käuflich zu sein. Das ist dann der Fall, wenn jemand nein sagt, sobald er etwas tun soll, hinter dem er selber nicht steht. Solche Menschen gibt es. Somit ist nicht jeder „käuflich“. Und eigentlich wär’s schön, wenn es gar keiner wäre.

        1+

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          >>Wenn ein Bauer, der mir erzählt hat, dass Blühstreifen eigentlich Quatsch sind, weil sie die Artenvielfalt gar nicht erhöhen, dafür aber eine Menge mehr Unkräuter und Schädlinge in den Acker bringen, die wiederum mit mehr Herbiziden und Insektiziden aus dem Acker eliminiert werden müssen, dann auf einmal doch Blühstreifen rund um seinen Acker pflanzt, bloß weil es Geld vom Staat dafür gibt, dann ist ein solcher Bauer käuflich.<<

          Wenn der Bauer Blühstreifen aussäht, ist er ein guter Bauer, macht er das nicht, wird er von vielen böse beschimpft.

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        • Brötchen sagt

          @ Fingerphilosoph Sie haben schon Recht. ich komm jetzt mal mit Philosophie, wenn die ganze Gesellschaft so „tickt“, wieso sollen die LW bessere Menschen sein? machen sie mal einen kleinen Exkurs zur Medizin, ich wäre gespannt.

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    • Kirsten Wosnitza sagt

      Da ist was dran. Abereits War es so gemeint? Geht es nicht vielmehr darum dass Leistung einen Gegenwert über das gute Gefühl hinaus braucht?

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  10. Lieber Bauer Willi, ich möchte an dieser Stelle DANKE sagen für dein Engagement und das wir daran teilhaben dürfen. Veränderung an uns selbst – wie von dir geschrieben ist das SCHWERSTE. Sonnige Grüße von der Ostsee. Telse Halske

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  11. Alois Wohlfahrt sagt

    Anonymous Facebook-Kommentare!
    Seit heute früh kommen die Facebook-Kommentare nur mehr als „Anonymous“ bei uns im Blog an. Da hat Facebook wohl den Zugriff eingeschränkt.
    Mal sehen, ob wir das wieder hinbekommen. Habe schon andere Importer getestet, aber bei denen ist das genauso. Vielleicht hat ja jemand einen Vorschlag für mich?
    Alois

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  12. Bauer Willi sagt

    Hallo Kirsten
    Dein Link geht auf die Homepage und da habe ich auch das Positionspapier her. (unter „Standpunkte“). Oder welches andere Papier meinst Du?
    Mit konkret meine ich das, was Backhaus und AbL gemacht haben. Sie zeigen genau auf, wie Änderungen der GAP beim einzelnen Landwirten ankommen. Im wesentlichen eine Umverteilung von 1. in die 2. Säule und konkreter Benennung von Zahlungsströmen. Auf eurer Seite finde ich einen Satz wie: „Bei der Ausgestaltung der GMO müssen daher Instrumentarien geschaffen werden, die vor allem die Wiederherstellung eines globalen Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage ermöglichen können“. Ein globales Gleichgewicht wiederherstellen? Das soll mit der GMO erreicht werden? Da darf man doch mal fragen, wie das gehen soll. Vorschläge finde ich keine.
    Und weiter. „Der Erhalt regionaler Wirtschaftskreisläufe, von Arbeitsplätzen im vor und
    nachgelagerten Bereich und auf den Höfen, muss bei der Berechnung der Agrargelder berücksichtigt werden.“ Klingt gut, aber wie denn? In welcher Höhe und an wenn?
    „gezielte Honorierung von konkret zu benennenden Leistungen der Landwirtschaft“.Was sind nun die konkret zu benennenden Leistungen? Da sind andere deutlicher und konkreter.
    Das ihr euch Gedanken um die Milchviehhalter macht, ist verständlich und in Ordnung. Allerdings ist die GAP für alle Landwirte gedacht.
    Meine Vorschläge kommen noch. Nur Geduld. Soll ja was vernünftiges bei rauskommen. Ich kenne andere, die sich mit ihrem Artikel auch Zeit lassen 🙂
    Bauer Willi

    1+

  13. Astrid sagt

    „Die Landwirtschaft braucht mehr Wertschöpfung … “

    Das Problem ist, wir alle wollen eine Landwirtschaft die keine Tiere misshandelt und weder die Pflanzen noch den Boden oder die Natur kaputt macht.

    Das genau macht die derzeitige Landwirtschaft aber.

    In der Tierwirtschaft, die sich Landwirtschaft nennt, werden keine Tiere gehalten, sondern ausgebeutet. Ausbeutung ist Gewalt, ein Verbrechen, in diesem Fall ein legales Verbrechen.

    Also sollten wir das ändern, statt jede Form der Gewalt festzuhalten, weil sie bezahlt wird.

    1+

    • Mark Rössler sagt

      Wildtiere auch gleich abschaffen, die „zerstören“ die Natur, knabbern an Jungpflanzen und überdüngen ohne jegliche Rücksicht.
      Wo eine Rotte Wildschweine durchgezogen ist, dort sieht es aus wie nach einem Bombeneinschlag.

      Astrid, Astrid…
      Der natürliche Kreislauf FrüchteTiere muss dringend aufrecht erhalten werden, eigentlich muss der in Deutschland wieder mehr Beachtung finden und mehr Tiere gehalten werden.

      1+

      • Massentierhaltung ist ja gerade kein Kreislauf. Je mehr Tiere, desto mehr Ackerbau und Nährstoffabfuhr aus den Böden in die Kanalisation. Mir sträuben sich immer die Nackenhaare, wenn Bauern bar jeder Logik zu argumentieren versuchen. Sie sind doch nicht der Bauernverband SH oder PollmerAlfs!

        9+

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Jetzt sind sie derjenige, der bar jeder Logik argumentiert. Nährstoffabfuhr von den Böden in die Kanalisation gibt es nicht, nur über Menschen, wenn sie aber meinen, die dürfen nicht mehr in die Toilette ihre Notdurft verrichten, dann teilen sie es denen mit, auf mein Gelände dürfen die jedoch nicht Pinkeln und Kacken, wegen Hormonen und Multi resistenten Keimen.
          Mein Grund und Boden bleibt sauber!!!!!!!!!!!!!!!!!

          2+

          • …über Menschen, genau so war es gemeint. Dabei habe ich durchaus berücksichtigt, dass ein Teil der Nährstoffe als Gülle aufgefangen und dem Acker zurückgeführt wird. Aber dieser Teil der Nährstoffe kommt der menschlichen Ernährung nicht zugute. Zudem werden die Nährstoffe in der Gülle nicht dorthin zurückgeführt, wo sie aus dem Boden abgeführt wurden, sondern in den Tierhaltungshochburgen oder nahebei ausgebracht. Anscheinend kommt man in den Regionen mit geringem Viehbesatz wie dem Rheinland sehr gut mit wenig und ohne Gülle aus.

            Ich glaube, vom Stoffkreislauf her schneidet Biogaserzeugung gut ab, weil ein sehr großer Teil der pflanzenverfügbaren Nährstoffe im Gärsubstrat verbleibt, welches dann unmittelbar auf dem Acker ausgebracht werden kann und sofort pflanzenverfügbar ist, ohne dass vorher eine Kompostierung erfolgen müsste.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Die Nährstoffe der Nutztiere werden immer Äckern zugeführt, nicht nur ein Teil. Somit werden sie wieder der Menschlichen Ernährung und der Tierlichen. Es ist richtig, dass nicht alles auf die Äcker zurückgeführt wird, zb die Nährstoffe in den Importierten Futtermitteln.

              Gülle ist wein wertvoller Dünger, bei viehlosen Betrieben wird die Entnahme der Nährstoffe über Mineraldünger ausgeglichen.

              Egal ob Veganer, oder Onivoren, die Nährstoffe sind nach der Kläranlage unwiederbringlich verloren, weil Chemie und Medikamentenrückstände eine Verwendung des Klärschlammes unmöglich macht

              2+

            • „Gülle ist wein wertvoller Dünger, bei viehlosen Betrieben wird die Entnahme der Nährstoffe über Mineraldünger ausgeglichen.“

              Ökologisch ist nicht die betriebliche Stoffstrombilanz (viehlos/mit Vieh) entscheidend, sondern die betriebsübergreifende. Eine primärkonsumptiv ackerbaubasierte nahrhafte Ernährung (vegan, auf Getreide- und Leguminosenbasis) ist immer ressourcenschonender als eine sekundärkonsumptiv ackerbaubasierte (Fleisch, Eier, Milch), da sie weniger Fläche, PSM und Dünger, ob mineralisch oder organisch, beansprucht.

              0

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Wollen sie jetzt den Verbraucher vorschreiben, was er zu essen hat?

              So ähnlich wäre es, wenn man dem Autofahrer erzählen würde, das Auto wäre umweltschädlich, er solle darauf verzichten.

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    • bauerhans sagt

      „Das Problem ist, wir alle wollen eine Landwirtschaft die keine Tiere misshandelt und weder die Pflanzen noch den Boden oder die Natur kaputt macht.“

      verbal schon,aber lebensmittel müssen gut und günstig sein,wie man in den geschäftsberichten der verbrauchermärkte nachlesen kann.

      2+

      • Inga sagt

        Ja, da muß Astrid auf dem eigenen Anwesen Ziegen halten und melken lernen.
        Und zwar mit der Hand.

        Eine Maschine lohnt sich ja nicht und kostet zu viel Strom und CO²

        Weiß sie auch wie man Ziegen füttert und wie man das Futter anbaut? Und wo man Grund und Boden dazu her bekommt, wenn sie kein eigenes hat?

        1+

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Von Luft und Liebe allein, kann man bekanntlich nicht leben,
      vermutlich hat man die Läuse am Salatstock auch mit einem Insektizid bekämpft, also Vergiftet, wenn nicht hat man die Läuse beim Waschen des Salates ertränkt und in die Kanalisation entsorgt.

      Wie kann die Astrid das ethnisch verkraften, oder sind Läuse keine Tiere?

      Wenn für mich eine Sau geschlachtet wird ist das ein Drama, für die Sau verzichte ich gerne auf den Salat und rette mehreren Läusen das Leben.

      0

      • Dann lebt also die Sau von Luft und Liebe, Ehemaliger? Daher sind sie wohl so rosa.

        Außerdem: Wer sagt, dass Veganer nicht zwischen Tierarten scharfkantig unterscheiden dürften? Wohl eher Antiveganer. Die meisten Insekten sind bloße Roboter, zeigen in Versuchen keine Hinweise auf Schmerzen, kein Vermeideverhalten nach Reizen, die schmerzhaft sein könnten.

        Aber wie eingangs angedeutet: Letzlich werden für die übliche vegane Ernährung auf Getreide- und Hülsenfrüchtebasis weniger Pflanzen beansprucht als für die übliche Mischkost. Damit auch weniger PSM, Mineral- und organischer Dünger benötigt. Es müssen weniger Mäuse und Kitze geschreddert werden, die wahrscheinlich über Schmerzempfinden verfügen.

        Für ein kleines bisschen mehr Luft und Liebe auf dieser Welt… 🙂

        0

  14. Die Papiere habe ich selbst vorher gelesen und bin zum gleich Fazit gekommen. Im Hintergrund laufen Gespräche mit WHES Teilnehmern, Veranstaltern und Sympathisanten (ich denke auch bei dir).

    Ergebnis ist bisher. Das bei den Gegner dir Frage der Nahrungsmittelsicherheit (Versorgung) meist ausgeblendet wird. (Kann ich verstehen bei vollen Regalen)

    Für die NGOs sollen wir vorallem Natur und die Umwelt schützen. Da muss ein Grund Legende umdenken statt finden. Zuerst Nahrungsmittelnproduzieren und dann können wir uns um den Rest kümmern. Anders rum geht es nur mit weniger Mäulern….

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    • Na ja. Ich habe gerade einen Artikel in Vorbereitung, der das genau anders herum anpackt. Nahrungsmittel-sicherheit interessiert doch niemandd mehr. Der Artikel ist vom Ansatz her schon schräg, soll aber zum Nachdenken anregen. Bleibe gespannt. Vielleicht morgen.

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  15. Dein Satz: „Wir Bauern können alles! Nur nicht umsonst! “
    Wäre doch ein neuer Leitsatz (neudeutsch: Slogan), unter dem dann immer neue Beispiele aufgeführt werden, wie z.B. Schweine auf Stroh, Hühner im Freilauf usw.
    Vielleicht auch mit einem Hinweis auf die Mehrkosten ….

    1+

  16. Gutes Fazit, und das „Jammern“ hatte ich nicht weiter beachtet, weil ich es für eine kleine, vorübergehende Phase gehalten habe
    Ich finde einen anderen Ansatz wichtiger und erfolgversprechender:
    Laut Ur-BWL gibt es die drei grundlegenden Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital. Jeder davon sollte in der Lage sein, ein auskömmliches Einkommen zu erwirtschaften. Landwirte setzen in der Regel alle drei parallel ein, und es reicht trotzdem nicht wirklich und sie bleiben abhängig von Direktzahlungen. Was läuft da grundsätzlich schief?
    Sind es nicht die Landwirte selbst, die das unternehmerisch lösen müssen? Eine neue Verteilung der Gelder ändert m. E. nichts daran.
    Ich bin selbständig und beziehe keinerlei Beihilfen oder Transferleistungen in meiner Branche.
    Solange die VerANTWORTung „irgendwem da oben“ übertragen wird und ich quasi keine eigenen EntSCHEIDungen mehr treffe, ist es vordergründig zwar leichter, macht auf Dauer aber eben abhängig von Entscheidungen, die nicht in meinem Sinne getroffen werden. Dazu ist der Mensch zu egoistisch.
    Ein „Reset“ der Agrarpolitik wäre sicher gut, das würde auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft vieles endlich wieder mal „auf die Füße“ stellen. (Stichwort Steuerpolitik).
    Dazu möchte ich gerne aktiv beitragen und arbeite auch bereits daran mit Workshops und Vorträgen in der Agrar-, aber auch in anderen Branchen.

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    • bauerhans sagt

      bauern produzieren unelastisch unflexible produkte!
      das funktioniert schon seit FRIEDERICH DEM GROSSEN nur mit unterstützung des staates.

      1+

      • Inga sagt

        Ja,
        dann sind wir Bauern eben (halb)staatlich, eben vom Staat abhängig, ein Spielball von ihm?

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  17. Lieber Willi, ich weiß wie viel Energie es kostet, sich für andere aufzuopfern. Deswegen kann ich es auch ganz gut nachvollziehen, dass manchmal einfach der Pessimismus übergreift. Mach weiter so, viel Kraft dabei! Lg Hannes
    PS.: wo in Oberösterreich bist du?

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  18. Kirsten Wosnitza sagt

    Hallo Willi,

    damit es einfacher ist, in den Positionen des BDM das konkrete zu finden, hier derr link, der die Position der Milchviehhalter zur GMO in der GAP konkretisiert http://bdm-verband.org/html/. Unter BDM Konzeptpapier findest Du die Vorschläge im Detail. Da wir ein Verband speziel für Milchviehhalter sind, haben wir uns verständlicherweise auf diesen Teil konzentriert. Ein Punktesystem wie vom DVL vorgeschlagen, ergänzt um die Tierhaltung, wäre durchaus zu diskutieren, ist aber für uns nur die Ergänzung was die öffentlichen Leistungen für öffentliche Gelder betrifft.

    Wo sind wir da Deiner Meinung nach in unserem Bereich „Milch“ nicht konkret genug? Ich will Deine Kritik gerne aufgreifen und daran weiter arbeiten.

    Meine Frage an Dich – wo sind Deine konkreten Vorschläge zur GAP? Und warum gibst Du hier zwar kritische Kommentare zu den „alternativen“ Verbänden ab, lässt aber die Vorschläge des Bauernverbandes ganz kommentarlos am Ende stehen?

    Bin gespannt auf Deine Vorschläge, Kirsten

    0

  19. »Jammern ist bequem und anderen die Verantwortung zuschieben einfach.«

    Witzig wär, wenn’s nicht so traurig wär, dass das gewöhnlich von Leuten kommt, die ständig über die Qualität von Lebensmitteln jammern und den Bauern die Verantwortung zuschieben, allerhöchste Bioqualität zu Diskontpreisen zu produzieren zu haben.

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