Bauer Willi
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Die große Nässe…

Ich habe einen guten Freund in der Nähe von Fehmarn gebeten, mir mal zu schreiben, wie es in Norddeutschland zur Zeit (Dezember 2017) aussieht. Hier sein Zustandsbericht. Und noch ein paar andere Gedanken…

Übrigens ist in den Medien davon nichts zu lesen. Da lauten die Überschriften nach wie vor Glyphosat und Insektensterben.

„Von Extrem-Wetterlagen sind nicht nur die Landwirte betroffen, auch der Urlauber im Land zwischen den Meeren, der Kleingärtner, der Vermieter und Anbieter von Ferienwohnungen und Campingplatz bekommen „schlechtes Wetter“ zu spüren. Und wenn die Alt-Vorderen einem sagen, solch ein schlechtes Wetter, was sich über 5 Monate hinzieht – mit wenig Sonnenschein, niedrigen Temperaturen, vielen Tagen mit bedecktem Himmel und jeden zweiten Tag Regen – hätten sie auch noch nicht erlebt, dann ist man als Landwirt nicht alleine. Eigentlich ist für viele Berufskollegen das Land zwischen den Meeren der Inbegriff von gutem Boden mit den höchsten Erträgen. In weiten Teilen stimmt das auch, aber in diesem Jahr ist alles anders.

Die großen Überschwemmungen aus Niedersachsen im Frühsommer wurden zur Kenntnis genommen, aber bald sollte sich das Bild auch in Schleswig-Holstein ändern. Mit Beginn der Getreide-Ernte setzte der Regen ein, das war Mitte Juli und es gibt Landstriche, dort steht/liegt noch heute die Ernte im Wasser. Auch Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben faulen in vielen Landesteilen vor sich hin und bringen dem Landwirt keinen Erlös!

Das nicht ernten können ist die eine Seite der Medaille, aber es konnte zum Teil auch keine Saat in den Boden gebracht werden und dann wird das Ausmaß dieser Wetterextreme erst richtig sichtbar. Hier wird nicht von einem Dorf oder einem Kreis gesprochen, nein ganz Norddeutschland ist betroffen, aber das Leiden der Betriebe hört ja keiner, die Regale in den Supermärkten sind trotzdem voll und die Lebensmittelkonzerne unterbieten sich weiterhin. Rohstoffe gibt es WELTWEIT.

In Schleswig-Holstein geht man davon aus, dass von 200.000 ha Winterweizen Fläche nur die Hälfte, also 100.000 ha ausgesät werden konnten. Die Pflanzen leiden unter der Dauernässe. Gleiches gilt für Winterraps und die Gerste, gelbe Pflanzen wo man hinguckt. Wer möchte denn gerne im Wasser stehen, davon werden die Hände auch ganz schrumpelig, siehe beim Abwaschen.

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Die Felder stehen also unter Wasser, in der Marsch läuft das Wasser nicht in die Nordsee ab, weil die Sieltore bei Sturm nicht geöffnet werden können und immer neuer Regen geht nieder. Die zerfahrenen Felder bräuchten eigentliche eine „Kur“, damit sie wieder Früchte tragen können

Jetzt müsste eigentlich sofort die große Trockenheit (kalte Luft, Frost und Wind) einsetzen, damit die Böden sich bis zur Märzaussaat einigermaßen erholen, aber wer garantiert einem das? Der Einkommensverlust ist unausweichlich, Sommergetreide hat nicht den Ertrag wie Wintergetreide. Nehmen wir mal an, das Sommergetreide kann im März gesät werden, dann ist der Aufwand zur Gesunderhaltung der Pflanze etwas geringer, das ist ein klarer Vorteil, aber schon die Ernte von Sommergetreide bringt wieder einen zeitlichen Nachteil, weil die Ernte erst Mitte Ende August stattfindet. Wir können das Blatt drehen und wenden es ist und bleibt ein sch…. Jahr und das Kommende wird nicht rosiger.

KLAR, selbst schuld sagt da der eifrige Naturschützer und Sessel-Ökologe, die Landwirtschaft schaufelt sich selbst das eigene Grab!

FALSCH, sage ich, denn wir verbliebenen Landwirte erfüllen  nur den einen Auftrag: die Mitbürger und Mitmenschen des Planeten mit Lebensmitteln zu versorgen, weil sich die meisten von der Urproduktion verabschiedet haben und lieber sicheres und mehr Geld in der Industrie und im Dienstleistungssektor verdienen möchten. Auch wenn „früher alles besser war“, waren früher (60 Jahre zurück) nur 3 Mrd. Menschen zu versorgen. Heute leben fast 8 Mrd. Menschen auf dem Planeten.

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Zurück zum Wetter. Das Lebensmittel auf den Feldern verderben und nicht geerntet werden können, hat früher zu Hungersnöten geführt. Wer erinnert sich, jemals gehungert zu haben?? Nur die Älteren unter den Lesern vielleicht.

Heute ist regional einkaufen ja total in. Aber was ist, wenn in der Region nichts wächst, bzw. wie in diesem Jahr nicht geerntet werden kann? Dann müssten die Lebensmittel eigentlich teurer werden. Werden sie aber nicht. Weil regional auf einmal keine Rolle mehr spielt.

Was passiert mit den LANDWIRTEN, den FAMILIEN und den KINDERN, die keine Erlöse erzielen und somit auch kein Geld zur Verfügung haben, welches ihnen den Lebensunterhalt sichert? Kennt unsere heutige Gesellschaft noch das Wort Empathie?

Liebe Nichtlandwirte, die diese Gedanken lesen und doch noch  ein wenig Empathie empfinden, die Situation ist vereinzelt existenzbedrohend für ihre Mitmenschen/den Landwirt mit seiner Familie. Die Sorgen der Landwirte und ihren Familien sind berechtigt und schwerwiegend und sollten jetzt nicht noch mit Hetzkampagnen seitens der NGOs und Politik belastet werden. Hilfe von der Politik auch eher nicht zu erwarten.

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Eigentlich wollte ich nur den Wasserstandbericht aus Schleswig-Holstein, wie er sich in Stadt, Land und Fluss zur Zeit präsentiert, durchgeben, aber ein paar Nebensätze durften nicht fehlen.

Ein paar Fotos lassen die Situation nur erahnen. Was sich aber klar und deutlich im Kalender abzeichnet: In ein paar Tagen ist unwiderruflich Weihnachten und egal wo Sie sind, was Sie tun, ich wünsche Ihnen und Euch ein paar ruhige Stunden, Gesundheit und Frieden (kann auch der kleine Frieden im sozialen Umfeld sein).“

 

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86 Kommentare

  1. Sandra Harms sagt

    ich kann mich dem nur anschliessen, hier in der lüneburgerheide/wendland schauts nicht anders aus, nur hatten wir das ganze noch ne nummer verschärft, wir hatten um den 20 mai bereits 2 gewitter mit starkregen binnen weniger stunden, da ging schon einiges zu grunde an rüben,mais und kartoffeln, weiter gings mit regelmäßigen niederschlägen bis in die 2 juli hälte, da hatten wir 2 tage dauerregen, und ein weiteres gewitter mit sturm und starkregen, dementsprechend war nichts mehr befahrbar, weiterer regen folgte und sorgt im august dafür das einiges an getreide nicht vom acker gekommen ist, weiter gings in der kartoffel ernte auch da immer wider regen, und weiter gings bei den rüben genauso, die nordzucker uelzen drosselte ein paar tage lang sogar die verarbeitung…. die beiden sturmtiefs im herbs sorgten für weiteren regen… und das setzt sich bisher immer so fort, eine wetteränderung ist nicht in sicht….
    fragt man die alten, so bekommt man zu hören, wir hatten schon immer mal wider das es eine jahreszeit gab wo es mal extrem nass war, aber das sich das über 7 monate zieht, hat noch niemand erlebt…. normalerweise sind wir beregnungsgebiet aber dieses jahr haben viele nicht einen tropfen beregnet…. das ist mir mit meinen 29 jahren so auch nicht bekannt, beregnet wurde immer, mal mehr, mal weniger, aber ganz ohne, das ist mir auch neu…

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    • Bei uns in der Schweiz auch. Wir haben im Herbst den Regen herbei gesehnt! Bei der Wasserversorgung kamen schon erste Klagen, dass weniger Wasser laufe als im Hitzesommer 2003 🙁

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    • die Trockenheit war von November 2016 bis August 2017, im September gabs einigermaßen NS, was aber für die allermeisten Kulturen zu spät war. Der Unterboden ist immer noch trocken.

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  2. Alexander Borchert sagt

    Es ist wirklich bedauerlich, wenn man als Bauer seine Ernte verrotten sieht. Ich hoffe, dass es für die schwierigen finanziellen Situationen günstige (staatliche) Überbrückungskredite gibt.
    Doch jetzt schon eine Katastrophe in 2018 zu sehen, ist zu früh. Es wird sicher anders als geplant, aber kein weiss wie es ausgeht.
    Trotzdem muss jeder Betriebsleiter, der diese Katastrophe übersteht, seine Schlüsse ziehen. Landwirtschaft ist bleibt nur zu maximal 60% planbar. Der Rest muss über Riskovorsorge abgemildert werden. 6 Monate Lagerdauer für Gülle ist auf Dauer zu wenig. Heu und Strohvorräte tun nicht weh. Leerstehende Scheunen ehemaliger Berufskollegen gibt es auch. Ziel muss sein, dass im Mai noch 4-6 Monate Grassilage als Vorrat da sind. Diese Vorsorgemaßnahmen sichern das Überleben eines Betriebes besser ab, als der nächste Wachstumsschritt. Diese „kleinen“ Investitionen dienen der Beruhigung der Nerven der gesamten Betriebsleiterfamilie.
    Ich wünsche allen Wassergeschädigten trotzdem eine schöne Weihnachtszeit. Es kommt sicher wieder anders und Gott sei Dank oft besser als wir befürchten.

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  3. Altbauer Jochen sagt

    Ja, man steht fast resignierend vor diesen Regenmengen.
    Hilft aber alles nichts ,da muss man durch !
    Als zugehöriger zur Generation Ü70 bin ich noch in einer
    regionalen Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Wasser-
    Rahmenrichtlinie tätig.(In S-H so gehandhabt)
    In dem umfangreichen Themenkatalog zu Erreichung des
    „guten ökologischen Zustands“ bzw. Potentials der Gewässer
    (Fließgewässer, Seen, Küstengewässer und Grundwasser ! )
    ist ein Teilaspekt auch „diffuse Einträge aus der Landwirtschaft“.
    Gewässerrandstreifen, Abstandsreglungen für PSM und Dünger
    werden möglicherweise noch erweitert.
    Sogenannte „schonende Gewässerunterhaltung“
    verlangsamt den Abfluss der Wassermengen.
    Neben den Ernteerschwernissen und Verlusten kommt da
    auch noch etwas auf uns Bauern zu.
    Wir versuchen in der Arbeitsgruppe vernünftige Regelungen
    und Maßnahmen zu erreichen um die Landbewirtschaftung
    nicht unmöglich zu machen.

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  4. Egal wo man hinkommt überall das gleiche Bild nasse Äcker. Gar nicht gut und das ist nicht nur für Landwirte ein Problem auch die Tierwelt hat bestimmt ein riesen Problem damit wenn Ihnen der Bau vollläuft bei z.B. Mäusen Karnickel uä.

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  5. Heimatliebe sagt

    Die Nässe ist eine Folge der Eingriffe in die Natur, vor allem in das Wetter (Stichwort Chemtrails, aber auch massive Baumfällungen, Abholzungen der Wälder und dadurch veränderte Großwetterlagen usw. ) es ist ein Geschehen mit vielen sich ergänzenden Ursachen. Das ändern könne alleine der politische Wille der Herrschenden. Die jedoch geben alles dem Mammon preis. Es gibt nur eine Rettung: die Hinwendung zu natürlichen, lebensnahen und patriotischen Werten und das fordern einer europaweiten patriotischen Wende. Tretet dem patriotischen Widerstand bei! Tut etwas zur Rettung unseres Landes und unserer Kultur.

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    • Bauer Willi sagt

      Das ändern können nur alle Menschen, Sie persönlich auch. Von den Eingriffen in die Natur profitieren Sie auch. Es auf die Politik zu schieben ist doch sehr einfach. Dann muss man sich selbst nicht ändern.
      Bauer Willi

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    • Schon wieder ein Weltuntergangsprophet mit der Aufforderung zur Weltenrettung. Irgend wann glaub ichs auch noch …

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    • Sophus sagt

      Was sind diese Chemtrails? Woodoo Dampf am Himmel? Die Zusammensetzung konnte mir noch keiner erklären!

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    • Chemtrail?

      Sorry, aber bei dem Wort hab ich aufgehört weiterzulesen. Wie kann dieser Stuss sich eigentlich immer noch halten?

      Vielleicht sollte ich die Hoffnung doch aufgeben, dass die Leute mal etwas wie Intelligenz besitzen…

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  6. Ja da ist wirklich sauviel Wasser. Bei uns in der Pfalz ist jetzt auch nass. Aber alle Rüben schon auf Haufen. Und WIR brauchen das Wasser. Letzte 2 Winter waren viel zu trocken. Die Quellen haben sehr wenig Wasser. Schickst halt den Regen zu uns bis Ende Februar.

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  7. Dank des internationalen Handels kennt man keine Warenknappheit mehr und Wetterkapriolen werden durch Importe ausgeglichen. Somit tut sich auch nichts an den Erzeugerpreisen, eigentlich unverständlich oder?

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  8. Friedrich sagt

    Habe gerade im Marktbericht gelesen , daß in der EU 200. 000 ha weniger Weizen angebaut werden , aber die Erntemenge 2018 in der EU stabil bleibt. So die EU-Kommision. Die merken erst die Katastrophe in Norddeutschland in einem Jahr . So bleiben die Weizenpreise schön niedrig und die Spekulanten machen mal wieder Kasse. Meine Berufskollegen in S-H berichten mir nur von rd. 20 – 30% Weizeneinsaat – nicht mehr !!, also nicht 100.000 ha sondern erheblich weniger Einsaat. Ruckzuck fehlt in Norddeutschland eine Mill. Tonnen Getreide in der Ernte 2018. Das wird jetzt manch einem Bauern das Genick brechen.
    Früher hätte es eine Hungersnot gegeben , doch durch die internationale Logistik merkt diesen Mengenverlust keiner. Da werden dann mal Ganzzüge aus Ungarn, Rumänien usw. gen Norden gefahren und die Lücke geschlossen. Dieses kaotische Wetter wird auch zum Abbau der Viehbestände führen, denn Grundfutter fehlt teilweise und die Gülleausbringung geht von der Befahrbarkeit der Flächen nicht. Es werden schon Entsorgungskosten von 20 – 25 Euro/m3 Gülle genannt. Die Lage ist äußerst angespannt.

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  9. Empathie ist ja gut und schön, aber was kann ich als Verbraucher dafür wenn das Wetter Scheisse ist? Am Klimawandel haben ALLE schuld, auch Landwirte. Jeder trägt wissentlich oder unwissentlich seinen Beitrag dazu bei, manchmal ohne Alternative, aber es bleibt trotzdem so.
    Verdichtung der Böden, Gülle in Massen, Monokulturen, kaum Fruchtwechsel und selten Erholungspausen für die Böden sind zwar nicht der Grund für schlechtes Wetter, aber helfen auch nicht gerade bei den Folgen.
    Ich hab im heimischen Garten auch Probleme mit diesem Mistwetter, statt Feldsalat wachsen Pilze im Beet 🙁 Wenn man sich gerne zum Teil selbst versorgen will ist das auch großer Mist. Natürlich bin ich nicht abhängig davon, deshalb tun mir die Landwirte auch leid…Aber wie gesagt, was soll ich machen?

    3+

    • Die Vorwürfe sind natürlich nicht pauschal zu verstehen, nicht überall ist es so und nicht jeder Landwirt verhält sich so. Aber von der Hand zu weisen sind diese Vorwürfe nicht, ich wohne auf dem Land, ich bekomme es live mit und erlebe die Veränderungen

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    • Diese Bemerkung hatten Sie sich sparen können. Ob eine Tüte Salat oder eine zukünftige Ernte am Ende steht, die eine Existenz sichert, ist doch ein schlechter Vergleich.

      1+

    • Bauer Ernst sagt

      Klimawandel gab es schon immer .Vor 100 Millionen Jahren, war der Erdboden hier unter mir 72 m tiefer gelegen. Es gab noch keine Nordsee und England war per Fuß zu erreichen. Irgendwann ist hier 64 Meter Sand aufgeschüttet worden. (Gletscher?) Dann schmolzen auch noch die Pole und wechselten? Südpol da wo nun Nordpol ist? Ansonsten wären wohl keine Palmenreste in Grönland gefunden. Gewaltige Sturmfluten schwemmten große Teile von SH und Ostfriesland weg und genau hierher. 8 Meter hab ich davon unter mir.

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  10. Wir sind z.Zt. im Emsland … überall Äcker, die regelrecht unter Wasser stehen und es steht noch viel Mais, der nicht geerntet werden konnte… In unserer Mittelgebirgs-Heimat kennen wir diesen Zustand kaum, und wenn wir es hier nicht selbst gesehen hätten, wüßten wir auch nichts davon. Vielen Dank Bauer Willi für diesen Zustandsbericht!

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  11. Aufklärer sagt

    Soso. Unternehmen haben also nicht nur pralle Jahre?
    Ach, so, hätte keiner drauf kommen können.

    Nein im Ernst. Die Lage für die Betroffenen Familien tut mir leid. Das das Wetter Kapriolen schlägt ist aber seit Jahrtausenden im Gewerbe bekannt. Wohl dem, der damit gerechnet hat und Rücklagen bildete und sich klar war, das ein Unternehmer, der in guten Jahren keine mehr bilden kann, bereits mit dem Rücken zur Wand steht und nicht erst dann, wenn die Substanz des Betriebes aufgezehrt wird.

    Wenn es keine Versicherungen gibt, wieso eigentlich nicht eine Standes-Schutz-Versicherung? Landwirte helfen Landwirten? Dafür ein Verein und eine Stiftung gegründet, ein paar willige Mitstreiter und Organisatoren gesucht und künftig Hilfsleistungen in gemeinsamer Anstrengung gegenseitig zuschieben. Klingt zu einfach? Ist es warscheinlich auch. Aber irgendetwas in der Art könnte es geben. Die Zunft der Landwirte muss eben einfallsreich sein um Jahre zu überstehen, in denen es nicht üppig wächst. War doch schon immer so.

    Das was heute an Einbrüchen stattfindet ist vergleichsweise mäßig. Auch Landwirte hatten in früheren Zeiten wenn die Ernten großflächig ausblieben ein Problem. Deshalb ist es wohl gut und richtig und wichtig das die globalisierte Nahrungsmittelwirtschaft zu einem Ausgleich zwischen Überfluss und Mangel führt. Leider wird das durch Kaufkraftmängel konterkariert, aber immerhin funktioniert das Modell so gut, das ca. drei mal soviel Menschen ernährt werden können als vor 125 Jahren.

    Ist das Klimawandel? Wohl kaum. Wetter ist erstmal nur Wetter. Extremphänomene mögen etwas zunehmen, aber nicht jede Wetterwillkür ist gleich Klimawandel. Auf dem Teppich bleiben.
    Veränderungen sind noch kein Weltuntergang. Anpassung ist gefragt!
    ___

    Das die Zeitungen voll sind mit überkritischem Propagandaschrott liegt an der Echokammer des Journalismus. Die überwiegende Herkunft des gemeinen Journalisten ist das rot-grüne-bürgerliche Millieu zwischen Esoterik und Homöopathie, Vollkornbrot, Frischkornbrei und feministischer Gruppensitzung. Da wird halt gegen „unerträgliche Landwirtschaft“ Stimmung gemacht – warscheinlich nennt sich das „Kampf gegen die patriachale-Landwirtschaft“ 🙂 Klar, das in diesem Feindbild dann der Ausbeuter-Mann und Kapitalist der Böse ist, der die Natur vergewaltigt mit Glyphosat und sie zwingt Ernte zu geben … Oder so ähnlich. Wer weiß schon wie diese Journalisten wirklich ticken? …(Pardon JournalistInnen – oder ist das jetzt „journalistische Personen?) *chrchr
    Bei so einer Beschreibung wird auch klar, wieso selbst gestandene politische Analyse in die Hose geht wenn es um Landwirtschaft geht: Das Narrativ des Storytellings in diesem Bereich ist so stark und umfassend aufgestellt, das viele politische und soziale Bewegungen zusammen agitieren.

    Zuviel Gerede – wie immer – vom

    Aufklärer

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  12. Kirsten Wosnitza sagt

    Noch nicht lange her da haben sich landwirtschaftliche Verbände über 9 Monate lagerpflicht lustig gemacht

    2+

  13. man sollte in die Aequatorregion schaun und aufnehmen was dort „la Nina“ und „el Nino“ für ein Wetterchaos anrichten und der Atlantik durch die Erwärmung Wasser in die Atmosphäre abgibt, das irgendwo mit der Nordströmung wieder runter muss. Sich immer wieder wegzuducken und „weiter wie getan“ dürfte in Zukunft schwieriger werden.

    1+

    • Ich glaube die Bauern sind doch die ersten die dem Klimawandel entgegen wirken.
      Windkraft, PV, Biogas alles aktive Aktionen zum Klimaschutz. Sowie Jahr für Jahr die Kohlenstoffbindung auf den Feldern. Wird leider zu selten gewürdigt

      5+

    • Ein Bauer kann aber noch so viel Greening betreiben wenn ihm die Industrie genau das Gegenteil zwischen die Beine wirft. Da haben wir aktuelle Fälle wie der Abgasskandal von VW und wie damit vor dem Verbraucher umgegangen wird, wo diese Unternehmen nur an einem Interessiert sind, das Shareholder Value zu befriedigen, damit es sich für ein paar wenige Manager, Politiker mit dazu, auf dem Konto rechnet. Kyoto hört sich toll an und…? Dieses herumlamentieren von Schadstoffreduzierungen ist doch lachhaft… 10 vor 12 Uhr ist gleich längst nach 12 Uhr und wenn der Bauer sich dagegen nicht organisiert wird sich Jahr an Jahr reihen wo Ernte zum russischen Roulette wird! Landwirtschaft zwischen Sahara und Hochwasser wird nur noch dem Handel Profite bringen! Sichere Ernte dürfte nur noch unter Glas, Humuslos und befreit von Witterungseinflüssen eine sichere Zukunft haben.

      3+

    • Melf Melfsen Hektarweise Lebensmittel anbauen um die nachher als „Biogas“ zu verarbeiten ist für mich als Bäuerin eine ziemlich fragwürdige Geschichte

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wenn für Energie mehr bezahlt wird als für Lebensmittel das ist für Mich fragwürdig.😡

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  14. Nicht nur in Norddeutschland sind die Böden gesättigt und alles was drauf regnet, bleibt einfach oben drauf liegen. Hatten wir so in der Form hier im Süden auch noch nicht. Megakacke natürlich bei der Tierhaltung! Bei uns steht seit Wochen alles unter Schlamm und Wasser. Kein Spaß für Mensch (wir können wenigstens Stiefel anziehen) und Tier.

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  15. Auch in Ostfriesland sind die Wasserstände extrem. Die meisten Flächen nicht bestellt und was besät wurde sieht sehr fraglich aus. Nasse Jahre haben wir alle schon erlebt, aber so ein Extrem noch nicht. Mein Schwiegervater hat das in 65 Jahre als Landwirt noch nicht erlebt.
    Es macht mir schon Angst -der Klimawandel und was bringt er mit.
    Und noch mehr Angst macht mir der Umgang mit der Landwirtschaft in Deutschland.

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  16. Das ist schon alles sehr frustrierend. Ich wünsche allen Betroffenen starke Nerven. Ein Breittreten dieser Katastrophe in den öffentlichen Medien würde meiner Meinung nach aber nicht gut ausgehen. Der größte Teil der Bevölkerung kann den wirtschaftlichen Schaden und die Auswirkungen auf die nächsten Jahre nicht einordnen. Die Politik ist hier aber dringend gefordert. Die Verluste sind nicht in einem Jahr auszugleichen. Andere Branchen berufen sich hier oft auf höhere Gewalt. Wir Landwirte brauchen für solche Fälle dringend eine Absicherungsmöglichkeit. Diese Wetterextreme werden weiter zunehmen. Eine Hagel/ Starkwindversicherung reicht da nicht.

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  17. Kirsten Wosnitza sagt

    Welche Folgen das einseitige Streben nach Kostenfuhrerschaft

    Haben kann, das wird vielen Berufskollegen in diesem Jahr schmerzlich klar. In Schleswig Holstein gibt es schon lange kein Investitionsfòrderprogramm mehr wie in anderen Bundesländern ublich. Beratungsempfehlungen bewirkten auf Betrieben vor alkem die Steigerung der Kuhzahl. Oft aber eben nicht die Erstellung ausreichenden lagerplatzes für Silage und Gulle. Nach 2 Jahren Milch Krise und bevorstehendem Preis Rückgang steht so mancher Betrieb vor einem riesigen Problem. Wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Milch Erzeugung ist nicht möglich mit Kostenfuhrerschaft bei Milchpulver auf dem Weltmark.t eigentlich weiß das jeder. Und dennoch weigern sich Molkereien und das Bundeslandwirtschaftsministerium umgehend zu handeln. Zum Schaden der Milchviehhalter denen die finanziellen Mittel zur Schaffung von Lagerplatz fehlen werden.

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    • bauerhans sagt

      „Beratungsempfehlungen bewirkten auf Betrieben vor allem die Steigerung der Kuhzahl.“

      absolut nicht!
      das entscheidet nur der betriebsleiter,die betriebsleiterfamilie!

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      • Ottmar Ilchmann sagt

        Beratung, Ausbildung, Fachpresse, Molkereien, Berufsverband weisen aber alle in Richtung Wachstum. Richtig ist, dass am Ende die Betriebsleiterfamilie entscheidet und auch die Folgen erleidet. Die anderen Beteiligten machen sich dann alle einen schlanken Fuß.

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  18. Ottmar Ilchmann sagt

    Im Nordwesten Niedersachsens bietet sich ein ähnliches Bild. Kartoffeln und Mais sind auf einigen Flächen immer noch nicht geerntet, das wird wohl auch nichts mehr. Der letzte Grasschnitt steht noch auf den Wiesen, dort besteht jetzt die Gefahr, dass die Grasnarbe über Winter extrem geschädigt wird. Viele Äcker sind bei der Ernte übel zugerichtet worden, Strukturschäden sind absehbar. Eine Herbstbestellung konnte vielerorts nicht stattfinden, und auch die Bestellung im nächsten Frühjahr wird sehr schwierig. Hinzu kommt noch, dass für viele Kollegen die Gülleausbringung seit Monaten unmöglich war, die Lager sind zum Überlaufen voll. Gestern hat die Landesregierung mit einem Erlass reagiert, der provisorische Lagerung und in genehmigten Ausnahmefällen auch Ausbringung in der Sperrzeit erlaubt. Das nützt aber nichts, wenn die Flächen nicht befahrbar sind! Immerhin hat dieser Erlass heute einige Medien angeregt zu berichten, so dass die Nässeproblemtik langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt.

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    • Karin Bröll sagt

      Süddeutsche Zeitung – der Landwirt, der diese Zeilen schrieb, kommt aus Schleswig-Holstein! Okay, ist auch regional, wenn man global denkt oder wie jemand man sagte: Düsseldorf liegt auch an der Ostsee, wenn der Globus klein genug ist.

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    • Ja, eine wirkliich tolle Überschrift! Gülle-Krise! Da weiß ich doch schon wieder, wie das interpretiert wird! Übrigens warte ich immer noch auf Ihren Gastartikel..

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    • Für den gastarrikel möchte ich mir die notwendige Zeit nehmen können. Ich halte ihr Angebot für ernsthaft und möchte dem gerecht werden.
      Und ja. Ganz viele tierhalter befinden sich in einer Gülle Krise. Die Nerven liegen blank.
      Es macht allerdings mehr Sinn über den Inhalt des Artikels zu reden – oder?

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  19. Ich kann das aus Nordostniedersachsen nur bestätigen. Wir haben seit Monaten Wasser auf den Feldern stehen, es trocknet gar nicht mehr ab. Bei uns im Haus schimmelt es nun, weil es das zweite feuchtnasse Jahr in Folge ist. (Wir haben einen Bachlauf vor der Tür.) Die Kartoffeln unserer Biobauern sind teurer geworden, zumal die Ernte miserabel ausgefallen ist.

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  20. Lieschen Müller sagt

    Es tut mir leid, dass es dieses Jahr so schief geht. Und ich finde es auch komisch, dass jetzt in der Presse nur das Gülleproblem auftaucht, aber nichts von allem anderen aufgezählt wird.
    Ich finde aber die Forderung, dass jetzt eine Hungersnot ausbrechen oder wenigstens alle anderen leiden sollen, falsch. Richtig wäre die Forderung, den Betroffenen eine Art Grundeinkommen bzw. eine Art Schlechtwettergeld zu zahlen. Die Bauarbeiter müssen dafür in eine Versicherung einzahlen.

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  21. „Nein ganz Norddeutschland ist betroffen“ Ich weiss ja nicht was du unter Norddeutschland verstehst, aber ganz Norddeutschland ist übertrieben!

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  22. Lieber Willi, in Mecklenburg-Vorpommern großflächig die gleiche Situation. Das Z-Saatgut steht in der Scheune, Sommergetreide ist kaum zu bekommen und die Unsicherheit, wenn man nun schnell Saatgut bestellt, ob man das im Frühjahr in den Boden bekommt, kommt noch dazu.
    Ein guter Grünlandschnitt war zu ernten; seitdem Land unter.
    Unsere jährlichen 600 mm Niederschlag hatten wir Ende September erreicht, Liegen jetzt bei 950. Mit 135 mm der niederschlagsreichste Oktober seit 1872.

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    • Ich hab es gesehen. War vor zwei Wochen in der Nähe von Schwerin. Es tut einem als Bauern schon weh, wenn man das sieht. Von den Menschen dahinter gar nicht zu reden…

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    • Hier in Ostfriesland sind es 1318 Liter und es regnet immer noch! Die Weizen Bestellung ist kaum geschehen und das was gesäht worden ist, ist größtenteils Abgesoffen

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  23. Wie funktioniert das eigentlich, wenn man so große Ernteausfälle hat? Wovon lebt man als Bauer dann? Gibt es dafür Versicherungen? Oder muss das vorher Ersparte dann herhalten?

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    • Die Iren sind damals verschmachtet, als deren Kartoffeln verfault sind. Im Grunde geht’s dem Bauern ähnlich, kann sich nur durch aufbrauchen von ersparten oder aufschiebe von Investitionen oder durch Kredite über Wasser halten.

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    • Leider sind bei vielen Betrieben kaum noch Rücklagen vorhanden und viele Investitionen werden schon lange geschoben. Gerade auch bei Tierhaltenden Betrieben, wo vielleich noch große Investitionen abgezahlt werden müssen. Für viele Betriebe wird es an die Substanz gehen.

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    • Hallo Frank, es klingt wieder so doof.. aber was will man anderes machen? Sämtliche Produktionskosten sind ja schon angefallen. Bei manchen dienen die Marktfrüchte auch zur Liquiditätsunterstützung der Veredlung. Noch so ein Jahr und der ein oder andere wird das wohl nicht überstehen 🙄

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    • Die wenigsten haben Rücklagen, die meisten Maschinen auf dem Hof sind noch nicht bezahlt, geschweige denn der neue Laufstall für die Kühe. Und es ist ja nicht nur das Geld, es fehlt das Futter…. Wenn Du sonst 800 Ballen Silage hast und dann nur 300 weil zwei mal Gras schneiden wegfällt wird es schon eng. Wir haben ein Jahr mal 5 Euro für einen kleinen ballen Heu bezahlt, der sonst 2 kostet, weil die ernte so verregnet war.. Im Raiffeisenmarkt gab es kein Leinstreu mehr, kein Roggenstrohmehl, und selbst Hobelspäne zum einstreuen der Boxen war Wochen ausverkauft 😓

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  24. Es ist alles abgesoffen dort oben Regen, Regen und nochmal Regen. Wer Tiere hält, zb Pensionspferde, kann sich äußerst glücklich schätzen wenn er dies Jahr ausreichend Heu und Stroh bekommen konnte! An einen zweiten Schnitt war kaum zu denken und Stroh ist von eher schlechter Qualität. Das wird kein leichtes Jahr werden 2018..

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    • Bei uns im Stall haben wir einen Strich gezogen und das Stroh abgeschafft. Wer nicht auf Spänen stehen will, muss ab sofort Miscanthus nehmen, auch als Schina-Schilf bekannt.

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  25. Leider wird dieser gut geschriebene Artikel wohl fast ausschließlich Landwirte und deren Umfeld erreichen. Die Medienlandschaft ist zu vielfältig und der Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Ernährung ist nicht mehr präsent. Schlagzeilen über diverse Missstände und die oftmals fehlende „Integration“ der Landwirte in die Mitte der Gesellschaft haben diese Entwicklung gefördert.

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