Bauer Willi
Kommentare 25

Das rote Projekt konkret – Die Linke

Auf ihrer Internet-Seite stellt die Partei „Die Linke“ ihre Thesen zum Umbau des Agrarbereiches vor. Hier der Link zum Original-Dokument:

http://www.plan-b-mitmachen.de/wp-content/uploads/2013/06/130515-PlanB-V2-II-Projekt-Agrar.pdf

Ich habe mir dieses Dokument mal durchgelesen und mit einigen Kommentaren und Fragen versehen.

  • Beim sozial-ökologischen Umbau der Agrarwirtschaft geht es nicht um eine romantische Nische, sondern um eine Verbindung zwischen neuen Erkenntnissen und Rückbesinnung auf tradiertes Wissen und auf Erfahrungen, welche Bäuerinnen und Bauern seit Jahrtausenden gesammelt und damit die enorme kulturelle und agrobiodiverse Vielfalt geschaffen und erhalten haben. Landwirtschaft muss wieder multifunktional werden. Neben der Lebensmittelproduktion gehören zur Multifunktionalität auch gesellschaftliche Ziele (Gesundheit, Tradition, Kultur), der Umweltschutz (Boden, Wasser, biologische Vielfalt) und die Wirtschaftlichkeit (Einkommen, Handel, Energie).

Gefällt mir erst einmal sehr gut. Vor allem die Begriffe Tradition, Kultur und Wirtschaftlichkeit.

  • Es muss eine wirtschaftliche Situation geschaffen werden, in der eine sozial gerechte und umweltschonende Produktion betriebswirtschaftlicher wird als die aktuelle umweltschädigende Produktion. Die Reduzierung externer Betriebsmittel kann mit einem Mehrbedarf an Arbeitskräften verbunden sein. Zumindest ist dies im Ökolandbau der Fall (durchschnittlich arbeiten im Ökolandbau 0,9 Arbeitskräfte pro 100 Hektar mehr als im konventionellen Landbau). Nicht alle Höfe müssen »bio« werden, aber alle Betriebe sollten den systemaren Ansatz eines geschlossenen Betriebskreislaufes anstreben. In der stärkeren Ökologisierung der konventionellen Betriebe einerseits und der Umstellung auf die Ökoproduktion andererseits liegt die agrarpolitische Zukunft. Beides ist finanziell zur unterstützen.

Holla die Waldfee. Jetzt sind wir aber ganz schnell bei Öko gelandet. Immerhin „darf“ es noch weiterhin konventionelle Betriebe geben. Umstellung auf Öko wird aber heute schon gefördert, soll es da etwa mehr geben?

  • Nötig ist eine umfassende Eiweißstrategie, welche Züchtung, Anbau und Verarbeitung umfasst.

Ja, das kenne ich schon. Wir haben in Deutschland heute 80.000 Hektar Soja, Ackerbohnen und Lupinen. Der Anbau ist seit Jahren konstant. Woran das wohl liegt. Und wie soll bitte die Eiweißstrategie aussehen? Etwas konkreter darf es schon sein.

  • Direkte und indirekte Agrarexportsubventionen müssen dauerhaft abgeschafft werden. Die Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland ist zu verbieten. Mindestens dreigliedrige Fruchtfolgen und die Förderung von Landschaftselementen sind verbindlich vorzuschreiben, Agrarumweltmaßnahmen zu stärken.

Verbieten, verbindlich vorschreiben, abschaffen, müssen. Alles keine Begriffe, die mir als Bauer gefallen. Erinnert irgendwie an Planwirtschaft. Und wieder wenig konkret.

  • Regionalsiegel sind einzuführen und durch die Verbesserung der regionalen Verarbeitungsmöglichkeitenzu unterstützen. „Regionalität“ sollte in den Schulen genauso, wie gesunde Ernährung und kulinarische Erlebnisse gelehrt werden.

Das Regionalfenster gibt es schon. Den „Ernährungsunterricht“ schreibt auch jede Partei von der anderen ab. Wie wollt ihr bitte regionale Verarbeitungs- möglichkeiten fördern. Gibt es demnächst wieder in jedem Landkreis eine Molkerei?

  • Der Flächenverbrauch durch Siedlungen, Ausgleichsflächen oder Verkehrsrouten ist radikal zu reduzieren. Da dieses Ziel seit Jahrzenten gefordert, aber nicht wirklich erreicht wird, muss über wirkungsvollere Gesetze nachgedacht werden. … Neuversiegelungen sind nur zu genehmigen, wenn sie verpflichtend mit einer Entsiegelung einhergehen.

Dann denkt mal weiter über wirkungsvolle Gesetze nach. Als Bauer finde ich diesen Ansatz natürlich sehr gut, aber der findet sich halt auch bei jeder Partei.

  • Eine effektiv wirksame Stickstoffüberschussabgabe sollte eingeführt werden. Damit wird den Agrarbetrieben ein Anreiz zur Reduzierung externer Betriebsmittel und zum Schutz der Gewässer gegeben.

Mit einer Strafabgabe wird ein Anreiz gegeben? Interessant!

  • Ein risikoorientiertes Abgabesystem für Pflanzenschutzmittel, welches gleichzeitig an Minderungsziele gekoppelt wäre, könnte einen umweltschonenderen Pflanzenschutz unterstützen. Die dadurch gewonnen Mittel sollten in bessere Beratung zum umweltschonenden Pflanzenschutz und zu Anbaumethoden, die Wildkräuter und Schädlinge zu unterdrücken helfen, reinvestiert werden.

Noch eine Strafabgabe. Die dabei gewonnenen Mittel in bessere Beratung investieren? Leute, ich habe Landwirtschaft studiert, ich bin doch nicht blöd. Und dann immer „könnte, sollte“.

  • Direktvermarktung und landwirtschaftliche Kooperationen tragen zur Unabhängigkeit bei und sind daher zu unterstützen (z.B. Erzeuger- und Vermarktungsgemeinschaften).

Wo lebt ihr denn? Gibt es doch schon alles und das schon seit sehr langer Zeit.

Mein Fazit: Der gesamte Text des „Roten Projektes“ ist nicht nur unsortiert geschrieben, sondern ansonsten eine Aneinanderreihung von Schlagworten, die man jeden Tag in der Zeitung lesen kann. Keine überzeugende Werbung, diese Partei zu wählen.

(Aufrufe 713 gesamt, 1 heute)

25 Kommentare

  1. Danke für die vielen interessanten Kommentare und Hinweise zum Agrarteil der Broschüre PLAN B, deren Mitautor ich bin. Wegen der Kürze wurden etliche Ideen nur erwähnt und nicht weiter konkretisiert. Schlagworte sind manchmal wichtig zu nennen, befriedigen diejenigen, die mehr Ahnung von einem Thema haben, in der Regel aber nicht. Das geht mir auch so, ist aber Teil von Politik und Öffentlichkeitsarbeit.

    Nun liegt im Rahmen des PLAN B KONKRET jedoch eine ausführliche Broschüre zur Bodenpolitik vor, die bei Interesse hier gelesen werden kann:

    http://dokumente.linksfraktion.net/download/150611-plan-b-a5-agrar-boden-web.pdf

    Hinweise und Kritik gerne an christian.rehmer@linksfraktion.de

    2+

    • Bauer Willi sagt

      Lieber Herr Rehmer
      jetzt habe ich mich auch durch dieses Dokument hindurch „geackert“. Leider nichts Neues.
      Unser Betrieb ist seit Menschengedenken Mitglied in einer Genossenschaft, die seit 1905 besteht und 1.200 Mitglieder hat. Ich bin seit 8 Jahren eines von drei Vorstandsmitglieder. Höhere Preise für unsere Mitglieder konnte ich jedoch noch nie aushandeln, da gelten die Regeln des Marktes. Seit über 10 Jahren bin ich Mitglied in einem Maschinenring (550 Mitglieder) . In Ecuador war ich auch schon zweimal, im Dokument wird ja erwähnt, wie gering die Erfolge dort sind. Die ein oder andere Forderung kann ich sogar nachvollziehen, was mir vollkommen fehlt (nicht nur bei Ihrer Partei) ist der Ansatz, WIE sie diese Forderung in Taten umsetzen wollen. Zu SoLaWi habe ich mich schon an anderer Stelle geäußert, und nicht negativ. Es gibt derzeit in Deutschland 180 (einhundertachtzig) SoLaWi-Betriebe (von 285.000). Trotzdem Danke, dass Sie sich zu Wort gemeldet haben. Herr Tauber von der CDU war auch schon hier 🙂
      Bauer Willi

      0

  2. Lieber Willi,
    hier machst Du es Dir aber zu einfach…
    Am Anfang bist Du noch angetan und dann bemängelst Du zu wenig Konkretes und keine Reihenfolge…
    Ja, das mag sein. Konkretes müsste man eben suchen, sei es in Programmen oder Anträgen in den Parlamenten.

    Ich geh mal davon aus, dass Du die Neoliberalen der FastDreiProzent Partei ausklammerst, von denen kam eh noch nie was Lesenswertes zur Agrarpolitik, dann wars das jetzt.

    Und dann stell ich fest, alles ähnelt sich verdächtig mit einem Unterschied: einzig die Linken kann ich nicht an ihren Taten messen, denn sie hatten noch nie im Bund Regierungsmitverantwortung. Daher glaube ich der anderen schwarz-rot-grünen Suppe schon mal gar nichts, die hätte es ja längst machen können. Sie hatten und oder haben ja was zu bestimmen. Das war auch sinngemäss meine Antwort auf die Reaktion des CDU General(sekretärs) Tauber auf Deine Fragen.

    Das ist der Grund warum ich die LINKEN wähle, ich möchte denen die Chance geben zu beweisen, dass sie es ernst meinen und die anderen, zumindest bei den identischen Punkten, dann auch drängen, es umzusetzen. Von daher bin ich ein Fan von Rot-Rot-Grün im BUND.

    Deiner inhaltlichen Kritik kann ich auch nicht zustimmen. Wenn strengere Gesetze zu Umwelt wegen Nitrat im Grundwasser etc. erlassen werden, ist es doch selbstverständlich und allgemein üblich, dass wer sich nicht daran hält bestraft wird. Das sind Bussgelder bzw. heute die dämlichen CC Kürzungen, die aber ein Stasi der Landwirtschaftämter voraussetzt und (Satelliten-)überwachung der Bauern. Es kann doch dem Staat *sorry* scheissegal sein, ob ich nun Roggen oder Dinkel auf Schlag xy anbaue, es geht ihn nix an! Wenn ich mich aber beim gemeinsamen Antrag mal irre, werde ich sanktioniert. Das ist mehr DDR als alles was die Linken vorschlagen!

    Und als Direktvermarkter sage ich: „ja, warum nicht Direktvermakrtung mehr fördern“ Versuch mal einen Liter selbsterzeugter Milch auf dem Wochenmarkt zu verkaufen und Du erfährst, hierzulande wird das nicht gefördert, sondern verhindert. Die Lobby der Lebensmittelkonzerne und Handelsriesen ist eben zahlungskräftig!

    2+

  3. Da teile ich Willis Einschätzungen sogar weitestgehend.
    Etwas tatsächlich funktionierendes UND revolutionär Neues finde ich da auch nicht!
    Obwohl mir „Links“ an sich schon symphatisch ist… (s.u.)

    Positiv: Da steht nichts von Enteignung u Zwangskollektivierung… 😉
    …manch Landwirts-Kollegen äussern solche Befürchtungen zu Wahlkampfzeiten…

    Den Ansatz mit der Bodenversiegelung finde ich persönlich gut. Wobei ja auch heute schon umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen bei sowas erfolgen müssen.
    Da „Bauland moken“ in meiner Ecke hier „Bauernsport“ ist, schätze 66% meiner Kollegen generieren so regelmässig sechs- bis siebenstellige „Nebeneinnahmen“, dürften man mit DEM entgegen laufenden Forderungen, bei den so ums Ländlich/Landwirtschaftliche besorgte Kollegen allerdings „anecken“… 😛

    ABER….

    DAS KERNPROBLEM unter dessen Druck aktuell auch die Landwirtschaft zermahlen wird, heisst heute: Vermögensverteilung und die Zinseszinserwartung(!) dazu!

    Wer selber nicht vermögend ist und so wenigstens über durchschnittliche Zinseinnahmen (zusätzlich zu einer durchschnittlichen Arbeit) verfügen kann (bzw seine Arbeit entsprechend besser vermarkten kann) DER ZAHLT DRAUF!
    Der zahlt (mindestens indirekt bei jdm Produktkauf eingepreist) Zinsen für die Vermögenden ohne den entsprechenden Geldrückfluss bei sich selber. Der Druck steigt… (Geld-)Kreislaufstörung….
    Man müsste Reiche verstärkt animieren ihren Reichtum auszugeben, ihn jemand anderen (viele andere!) verdienen lassen! Nicht immer weiter verzinseszinst anlegen… Das führt am Ende (dem kommen wir näher… das spüren wir aktuell zunehmend…) in die Katastrophe…

    Mal (als Bsp) „Schuldgeldsystem“ (gibts Gutes von Dirk Müller dazu) und „Gradido“(Alternativentwurf) googlen oder youtuben.

    Auch anerkannt seriöse Persönlichkeiten der Öffentlichkeit wie Prof Harald Lesch, äussern schon dementsprechende Kritik an unserem heutigen Finanz-/Wirtschaftssystem!

    Nochmal: DA sehe ich viele auch unserer lw Probleme (Effiziensdruck, fehlende Kaufkraft in den unteren Schichten)!

    DAS Thema (obwohl DAS Thema unserer Zeit – eben viele heutige Verwerfungen sind daraus begründet!) fassen aber selbst die Linken nicht wirklich scharf an! Schade…. :-/

    2+

  4. Immer diese Eiweißstrategie. Kommt wohl beim Wahlvolk gut an und darf in keinem Parteiprogramm fehlen.
    Mein Vorschlag für die Zukunft: Man könnte doch auch eine nationale Textilienstrategie fordern, oder? Die Produktion und die Weiterverarbeitung der Fasern sind hierzulande doch dramatisch zurückgegangen in den letzten 50 Jahren. Was liegen da doch für grandiose Chancen für die Landwirtschaft: Die Wolle der Schafe bekommt wieder einen wirklichen Wert und die Fruchtfolgen könnten mit Flachs und Hanf aufgelockert werden. Möglicherweise gibt es sogar Chancen bei Pelzen?

    3+

  5. Ludwig Wreesmann sagt

    regionale Molkerein
    schön und gut in der Fläche könnte man das vielleicht ja noch hin bekommen. Aber wo soll die denn bitte schön in Berlin oder Düsseldorf stehen? Und vor allem – Wo sollen denn die zugehörigen Kühe weiden? Etwa vor dem Kanzleramt oder Schloss Bellvue?

    0

  6. In diesem ganzen blumigen Konglomerat von Vorschlägen kann man keine einzige Betriebswirtschaftliche Analyse herauslesen…also ein Rohrkrepierer wie alles was „Links“ von sich gibt! Es gibt kein einziges links orientiertes Land wo dieses System auch nur ansatzweise funktioniert. Kuba, Venezuela, die ehemalige DDR, das heutige Russland und nicht zuletzt das durch die Agrarindustrie vergiftete Argentinien. Russland kann sich auch nur durch „Back Yard Farming“ durch den Winter retten…Also mit was will sich „links“ beweisen? Mit einem Frontalangriff auf Konzerne wie Monsanto und gleich noch der ganzen Nahrungsmittelindustrie? Nicht doch… Man kann es auch Staatsbankrott nennen, noch bevor das erste Pflänzchen spriest!!!

    0

  7. Rufer aus der Wüste sagt

    Die Linke, so weh mir das tut zu sagen sind die einzigen die Alternativen heute aufzeigen.

    Mir scheint es die einzigen die ein wenig an den Arbeiter oder den Verbraucher denken und das auch aussprechen.

    Die anderen haben zwar schoene Listen, handeln aber ganz anderst wie es im Parteiprogramm steht.

    1+

  8. Michael sagt

    Letztendlich fordert die Linke das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Und warum nicht in jedem Landkreis eine Molkerei? Warum nicht regionale Weiterverarbeitung und die dazugehörige Vermarktung? Die Landwirtschaft jammert über den Preisdruck durch die Großkonzerne und stützt diese gleichzeitig. Was soll das werden?
    Stickstoffüberschussabgabe? Warum nicht? Wer zu viel Gülle produziert, muss eben schauen, wie er die wieder loswird. Gülle könnte hochwertiger Dünger sein, aber man kauft lieber bei der Industrie. Sonst wird das nichts mit dem Preisdruck.
    Manchmal habe ich das Gefühl, die Landwirte vor dem WK 2 waren alles Deppen und nur die jetzige Landwirtschaft mit viel Chemie hat den Stein der Weisen gefunden. Man sieht es an den ausgelaugten Böden, an immer mehr Problemunkräutern, an der industrialisierten Landschaft und der zugehörigen Bodenerosion.
    Der Preis für den überbordenden Reichtum der Landwirte. Oder wer verdient daran?

    5+

    • Bauer Willi sagt

      Lieber Michael
      Die kleinen Dorfmolkereien haben alle dicht gemacht, weil sie dem Marktdruck nach immer niedrigeren Preisen nicht mehr standhalten konnten. Gleiches gilt für die regionale Vermarktung, die Hofläden oder einige Selbstvermarkter einmal ausgenommen.
      „Gülle könnte hochwertiger Dünger sein“. Das ist er, viele meiner Berufskollegen und ich auch düngen mit Gülle, zudem dieser auch preiswerter ist als mineralischer. In meinem Betrieb liegen die Nährstoff-Gehaltsklassen alle bei C oder höher, da ist nichts mit ausgelaugten Böden.
      Und auch der Humusgehalt steigt! Problemunkräuter kenne ich nicht, Bodenerosion auch nicht, da wir vorwiegend in Mulchsaat arbeiten.
      Von meinen 40 ha erlöse ich 23.000 €, hinzu kommen staatliche Transferzahlungen von 12.800 €. Nachzulesen im Internet. Die gehen aber als Steuern gleich wieder raus. Das ist mein „überbordernder Reichtum“.
      Ja, wir fahren einen (1) Schlepper. Das ist dann wohl die industrialisierte Landwirtschaft. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg bei der Pflege Deiner Vorurteile. Alternativ kannst Du Dir aber auch den ein oder anderen der mittlerweile über 130 Beiträge in diesem Blog durchlesen.
      Bauer Willi

      4+

      • Rufer aus der Wüste sagt

        Ja so schaut es beim Willi aus der kein eigenes Vieh hat.
        Nur wie schaut es wo anderst aus?

        0

      • Andreas Fendt sagt

        Willi, jetzt enttäuscht Du mich aber, Du tischt diesselbe Lügengeschichte zweimal auf! Ich hatte Dir das letzte Mal vorgerechnet, dass es nicht stimmt, dass Du die Agrarprämien sofort wieder als Steuern abführen musst. Hier nochmal:
        Einkommen 23000 + 12800 Prämien zusammen bei Verheiratet gibt eine Steuerlast von 4385 € und nicht 12800€
        Wenn Du eine Steuerlast von 12800 € hättest, musst Du hohe ausserlandwirtschaftliches Einkommen haben, ingesamt ca. 63000 Euro (davon 27.200 aus anderen „Quellen“) und das ist weit mehr als der Durchschnittsdeutsche verdient und somit gar kein Grund über irgendwas zu jammern.

        1+

        • gerade flächenarme Betriebe reichen ihre „Prämien“ 1zu1 an die Verpächter durch. Im Gegenzug dürfen sie die ganzen (bürokratischen) Auflagen erfüllen, die keinem Landwirt Freude machen…

          1+

          • Andreas Fendt sagt

            Das ist zwar richtig, aber bei Willis Steueraussage auch nicht bedacht. Bezahlte Pachten mindern den Betriebsgewinn und somit auch die Steuerlast. Das Problem hoher Pachten sind ja wohl +/- Nischen in der Landwirtschaft, wie Biogas, mit denen sich so viel verdienen lässt, dass man die Pacht zahlen kann. Oder wie hier an der Schweizer Grenze, idiotische Regelungen, das Schweizer mit Sitz dort, hier Flächen pachten dürfen EU Prämien dafür kassieren, zollfrei zu sich importieren und mit viel höheren Schweizer Preisen satte Gewinne machen und jede Pacht zahlen können. Abhilfe durch CDU oder Grüne = NULL! Oder noch besser: sie kaufen gleich ganze Höfe auf, demnächst dürften ein paar pleite gegangene konv. grosse Milchhöfe günstig zu haben sein…

            1+

          • Michael Haagen sagt

            Und wenn ich ein flächenarmer Betrieb bin, muss ich auf Gedeih und Verderb zupachten? Oder suche ich mir nicht vielleicht doch eine Nische, die zu meiner Fläche passt und der Verpächter soll seinen Acker selbst umgraben?

            1+

        • Bauer Willi sagt

          Andreas
          Sorry, du hast Recht. Aber auch bei rund 32.000 € kann man nicht von überbordendem Reichtum sprechen, so wie Michael es vorrechnet. Als vernünftiger Unternehmer wird man einen Teil davon auch noch in Rücklagen stecken, um schlechtere Jahre auszugleichen.
          Bauer Willi

          1+

      • Michael Haagen sagt

        Die kleinen Dorfmolkereien haben dicht gemacht, weil sie Weltmarkt spielen wollten. Sicherlich kann eine kleine Molkerei nicht bei den Großen mitspielen. Aber gibt es da nicht vielleicht Nischen, die erfolgreich besetzt werden können? Nischen, die für Großmolkereien uninteressant sind?

        Ich bin aus dem Produktionsgartenbau. Wenn ich, wie vor wenigen Wochen, an einem Maisfeld vorbeifahre und sehe, wie der Humus bei Regen ausgeschwemmt wird, dann nenne ich das einfach Bodenerosion. Und das fällt mir bei vielen Feldern auf.
        Ich habe vor kurzem einen Beitrag auf Bayern 2 gehört. Dort hat ein Landwirt die Gülle separiert. Damit macht er Überkopfdüngung, etc. Der Landwirt war nebenbei auch für eine Begrenzung der Gülle pro Fläche.
        Es kann nicht sein, dass in manchen Regionen riesige Rinderbetriebe entstehen und die Gülle dann ewig weit durch die Gegend gekarrt wird. Die Futtermittel werden aus Amerika importiert, etc. Hat das noch etwas mit Landwirtschaft im herkömmlichen Sinne zu tun? Ich kann den Verbraucher verstehen, dass er das nicht akzeptiert und auch nicht mit seinen Steuern finanzieren will.
        Wenn ich nicht Betriebe in meinem Umfeld kennen würde, die mehrere Schlepper betreiben, dann würde ich mich dazu nicht äußern. Da wird gepachtet, was nur so geht und schon rollen die großen Varios und was weiß ich nicht.
        Unsere Flächenstruktur und die Feldgrößen in Mittelfranken sind weit weg von den Flächen in Meck-Pom oder Polen.
        Weiter zu „industrialisierten Landwirtschaft“ 20 000 Schweine, 5 000 Rinder sind wohl kein Familienbetrieb, oder?
        Und das mit dem „überbordendem Reichtum“ – solltest vielleicht den 2. Satz auch mit lesen: „Oder wer verdient daran?“
        Seid Ihr stolz darauf, den Maschinenhändler, die Chemieriesen, die Saatgutkonzerne, etc. mit Geld zu füttern? Oder war da nicht was mit „Urproduktion“?
        Ich bediene gerne meine Vorurteile, weil ich gerne etwas um die Ecke denke. Oder wie viele Beweise braucht ihr noch, um festzustellen, dass das was ihr gerade betreibt, nicht funktioniert? Oder funktioniert es doch und die Jammerorgien sind nur zum Spaß?

        0

        • Bauer Willi sagt

          Hallo Herr Haagen
          vielen Dank für Ihre „wertfreie“ Zustandsbeschreibung. Und jetzt noch die Lösung, aus Ihrer Sicht. Ich kenne sie und habe sie schon in anderen Artikeln beschrieben. Gut, können Sie nicht alle lesen. Bin jetzt gespannt, was Sie vorschlagen. Soll ja ein Dialog sein.
          Bauer Willi

          0

          • Michael Haagen sagt

            Die Lösung aus meiner Sicht gibt es nicht. Es gibt viele Lösungen, die jeweils auf den entsprechenden Betrieb und das Umfeld zugeschnitten sind. Das sieht in NRW anders aus, als z. B. in Oberbayern.
            Nur ein Beispiel: In unserer Region macht ein Landwirt jetzt Haselnüsse. Eine Nische. Sicher, wenn jetzt alle Betriebe auch Nüsse produzieren, war es wieder für die Tonne. Allerdings ist der Betrieb, der jetzt produziert im Wissen voraus. Dies kann er nutzen.
            Mit Mais habe ich so mein Problem, weil es auch einfach viel Futter für die Biogasanlagen ist. Da gibt es einfach das Problem der Erosion. Sei es durch Wind, oder auch Regen. Es gibt Alternativen. Doch die werden nicht genutzt. Schaut doch in die Fläche, welche Futtermöglichkeiten die Insekten noch haben? Ich vergleiche das mit den Möglichkeiten aus meiner Kindheit. Da ist es durchaus auch die Aufgabe der Landwirtschaft, diese Möglichkeiten zu erhalten. Warum macht man kein Heu mehr, sondern nur noch Silage?
            Warum kann ich kein, oder nur mit erheblichem Aufwand, Weiderind kaufen? Sicher, aus Südamerika importiert. Aber ist das Regional, nutzt das der heimischen Landwirtschaft?
            Der größte Teil der Landwirte (und ich kenne einige davon), produziert für den Billigmarkt. Warum schwenkt man nicht um und verkauft Qualität. Weiderind, Freilandschwein, etc.?
            Nein, das funktioniert auch nicht bei allen Landwirten. Wo wir aber wieder bei der Nische sind. Und bei meinem Satz zur Einleitung. Lösung=Individuell für jeden Betrieb.
            Es geht, wenn man will.
            Wenn jeder Landwirt die Kraft nutzt, die er zum jammern und klagen aufwendet und sich Gedanken macht. Einfach mit offenen Augen durch gute Läden laufen. Einfach eine der vielen „Landhauszeitschriften“ blättern. Etwas Kreativität walten lassen. Es würde deutlich mehr nutzen, als irgendwelche 3 Personen-Demos vor dem Aldi.

            0

    • bauerhans sagt

      „Und warum nicht in jedem Landkreis eine Molkerei?“

      hatten wir früher,aber die produzierte zu teuer!

      “ Die Landwirtschaft jammert über den Preisdruck durch die Großkonzerne und stützt diese gleichzeitig. Was soll das werden?“

      der einzelne landwirt kann nur für seinen betrieb entscheiden und das hiess bisher meistens,aufstocken der produktion,um kostendegression zu erreichen.

      „Wer zu viel Gülle produziert, muss eben schauen, wie er die wieder loswird. “

      das wird schon lange erfolgreich praktiziert,dass gülle an andere betriebe abgegeben wird.

      „und nur die jetzige Landwirtschaft mit viel Chemie hat den Stein der Weisen gefunden. Man sieht es an den ausgelaugten Böden, an immer mehr Problemunkräutern, an der industrialisierten Landschaft und der zugehörigen Bodenerosion.“

      die erträge waren noch nie so hoch wie heute,es gibt weder ausgelaugte böden,noch flächendeckend bodenerosion,auch ist mir der begriff „industrialisierte landschaft“ nicht geläufig.
      problemunkräuter gibts tatsächlich,wo fehler im management des betriebes gemacht wurden.

      4+

      • Michael Haagen sagt

        Warum nicht in jedem Landkreis eine Molkerei?
        „hatten wir früher,aber die produzierte zu teuer!“ – kenne ich noch als Genossenschaften. Was sucht Ihr? Die eierlegende Wollmilchsau?
        Es ist mir klar, dass eine kleine Molkerei nicht so kostengünstig produzieren kann, wie eine Großmolkerei. ABER! Wer produziert was und wo wird es verkauft?

        „der einzelne landwirt kann nur für seinen betrieb entscheiden und das hiess bisher meistens,aufstocken der produktion,um kostendegression zu erreichen.“
        Lebt jeder Landwirt wohl in seinem eigenen Kosmos? Also bitte! Der Milchpreis wird seit Jahren bemängelt. Und was passiert? Es wird mehr Milch produziert. Stimmt! Da ist jeder Landwirt für sich verantwortlich! Aber auch nur der und bestimmt nicht der Verbraucher oder die Politik. Wenn ich Bäcker bin und in meinem Ort sind schon 10 Bäcker und wir kaufen alle bei der Bäko die gleiche Backmischung, können wir eben nur noch über den Preis verkaufen. Oder jeder besetzt eine gewisse Nische. Aber es nutzt mit 100%iger Sicherheit nichts, wenn alle anfangen, noch mehr gleiche Brote mit der gleichen Backmischung zu verkaufen.

        Thema Gülle: Da gibt es in der Presse aber auch andere Berichte. Auch wenn die nicht für den Landwirt ausfallen. Es gibt aber auch Ansätze, dass eben nur gewisse Großvieheinheiten pro Hektar erlaubt sind. Da regelt der Staat eben genauso, wie er bei den Gewerbebetrieben auch regelt.

        Die Erträge waren noch nie so hoch wie heute. Aber auch die Betriebskosten – sprich Maschinenkosten, Saatgutkosten, etc. nicht. Was nutzt es, wenn ich gigantische Erträge vom Acker fahre und die gleich weiter an den Landmaschinenhändler, die Chemieindustrie, die Saatgutindustrie, bzw. die Bank überweise?
        Ja Bauernhans. Das mag aus der Sicht des Bauern schon so sein, ist aber auch ein bisschen Bauernschlau.

        0

    • Mr Tom sagt

      „Letztendlich fordert die Linke das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte“

      Bis jetzt fordern irgendwie alle drei Parteien unterm Strich dasselbe – das grüne Gewissen darf in keinem Parteiprogramm mehr fehlen.
      Wenn sich alle so einig sind, warum wird Bio nicht einfach verordnet?
      Könnte es sein, dass man Schiß davor hat unsere sichere Nahrungsmittelversorgung aufs Spiel zu setzen?
      Wir haben genügend Brandherde vor unserer Haustüre, welche sich zum Flächenbrand ausweiten können – dass belegen schon alleine die steigenden Rüstungsausgaben.
      Dein erwähnter WK2 liegt 70 Jahre zurück, was sind schon 70 Jahre?? Das ist nichts, nicht mal ein Fliegenschiß auf dem Zeitstrahl der Weltgeschichte.
      Diese Selbstverständlichkeit, mit der wir davon ausgehen, dass anscheinend für immer und ewig alles vom Himmel fällt finde ich einfach nur widerlich.
      Wenn ein Feiertagswochenende vor der Türe steht, wird Einkaufen gefahren, als stünde eine Hungersnot vor der Türe.
      Ich würde die Szenen gerne sehen, wenn alle Supermärkte nur für eine Woche geschlossen wären und dann wieder öffnen!

      0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.