Bauer Willi
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Das brachte die Ernte…

Ich habe euch ja vor ein paar Tagen versprochen, die Zahlen der Weizenernte 2017 zu bringen. Und jetzt nicht die Welt-Weizenernte, sondern die von unserem Betrieb. 🙂

Die Buchstaben A bis G sind unsere verschiedenen Parzellen, die Zahlen darunter der Weizen-Ertrag in Tonnen pro Hektar. Über den Säulen habe ich die Saattermine angegeben, denn in diesem Jahr hatte dieser Faktor zumindest bei uns einen besonders großen Einfluss. Die Parzelle G wurde aber auch deshalb erst im Dezember gesät, weil die Gemeinde dort ein Rohr verlegt hat und deshalb die Einsaat erst erfolgen konnte, als der Graben wieder verfüllt war.

Auch auf die Qualität hatte der Saattermin einen Einfluß: Von den Parzellen A bis C haben wir Brotweizen geerntet, die restlichen Parzellen brachten nur Futterweizen, weil vor allem das Hektoliter-Gewicht zu niedrig war. (Logisch, daher auch der niedrigere Ertrag) Der Eiweißgehalt hingegen war bei diesen Partien extrem hoch, in der Spitze sogar 16%. (Konzentrationseffekt) Normal wäre es bei uns so um die 12,5 bis 13%. Zum Glück waren die Parzellen A bis C unsere größten Flächen, so dass sich im (gewichteten) Mittel aller ein Ertrag von 8,85 t/ha errechnet, wovon 75% Brotweizen und 25% Futterweizen sind.

In einem normalen Jahr ernten wir hier an unserem Standort so um die 10 t/ha Brotweizen. Wenn ich jetzt mit einem Durchschnittspreis für Weizen über mehrere Jahre rechne, so ergibt sich in einem normalen Jahr ein (zu versteuernder) Gewinn von rund 400 €/ha. In diesem Jahr sind es aufgrund des niedrigeren Ertrages und des Anteils an Futterweizen lediglich rund 200 €/ha. Wir werden also in diesem Jahr in unserem Betrieb etwas kleinere Brötchen backen müssen.

Und trotzdem bin ich zufrieden! Nach der extremen Trockenheit hatte ich mit noch niedrigeren Erträgen und schlechteren Qualitäten gerechnet. Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Meine Berufskollegen in Nord- und Ostdeutschland müssen ja immer noch um ihre Ernte bangen. Denen wünsche ich eine stabile Hochdrucklage mit viel Sonne, Wind und Temperaturen von 25 Grad.

Euer Bauer Willi

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19 Kommentare

  1. Lieschen Müller sagt

    Danke für die ausführlichen Informationen, sehr interessant. Und weitergehend: wirst du nun nächstes (dieses) Jahr etwas anders machen?

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    • Lieschen Müller sagt

      Gibt es bitte noch eine Antwort, oder ist schon wieder alles im Grundrauschen untergegangen?

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  2. Thea S sagt

    Vielleicht dumme Frage: alle Parzellen haben die gleiche Bodenqualität und Mikroklima?

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    • Bauer Willi sagt

      Keine dumme Frage. Die Parzellen liegen alle in einem Umkreis von maximal 3 km um unseren Hof. Von daher ist das Klima (und auch das Wetter) überall gleich gewesen. Die Bodenqualität schwankt auch nur um etwa 5 Bodenpunkte. (Eine Bewertung, die schon vor über 70 Jahren vorgenommen wurde) Wir haben hier sehr guten (Löß-)Boden mit etwa 90 Bodenpunkten. Von daher können wir diesen Faktor auch relativ gut ausschließen. Auch die Sortenwahl spielten in diesem Jahr keine entscheidende Rolle. Es ist halt der Saattermin, der sich aber auch von der Vorfrucht ableitet: Ein Teil der Zuckerrüben wurde erst spät geerntet und deshalb wurde der Weizen auch später gesät. Kann aber nächstes Jahr auch wieder anders sein…
      Bauer Willi

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  3. Christian Sattler sagt

    ..immer wieder toll zu lesen und immer wieder bin ich beeindruckt, das du im Erntestreß die Zeit und Kraft dazu hast. Weiter so!

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    • Bauer Willi sagt

      1. Die Ernte ist ja vorbei…
      2. Mein Vater pflegte immer zu sagen: „Der Tag hat 24 Stunden und wenn das nicht reicht, nehmen wir noch die Nacht dazu“ 🙂
      Bauer Willi

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Früher hatte eine Schicht 12 Stunden, da hat ein Arbeiter 2 Schichten nacheinnander gearbeitet, da er in der Mittagstunde auch gearbeitet hat, meint er er hätte an dem Tag 25 Stunden gearbeitet. Da kannste mit deinen 24 Stunden daheim bleiben. 😉

        2+

  4. Peer sagt

    Wo bekomme ich als Kunde den Weizen zu diesem Preis? Das volle Korn kostet mich 1,16 bis 2,50 Euro das Kilo! Und das ist noch nicht das Brot, das ich uns daraus backe.

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Peer,
      gerne verkaufe ich Dir meinen Weizen zum Schnäppchenpreis von 99 Cent. Aber nur, weil Du es bist. Gegenüber dem aktuellen Preis von 15 Cent ist da sogar eine kleine Marge für mich drin.
      Und jetzt im Ernst: frage mal bei einem Bauern in der Nachbarschaft nach. Im Hofladen wird es auch nicht für 15 Cent angeboten, weil es vorher noch gereinigt werden muss. Direkt aus dem Mähdrescher könnten noch kleine Strohreste drin sein. Ist aber reine Rohfaser und könnte daher sogar noch diätetisch wirksam sein 🙂
      Bauer Willi

      4+

  5. Die Ergebnisse decken sich mit jahrelangen Erfahrungen. Bei einer frühen Saat ist der Weizen in seinem Entwicklungsstadium der Trockenheit voraus.
    Aber ein mehr an Herbizide und Fungizide ist dem Mehrertrag gegen zu rechnen…………

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    • Bauer Willi sagt

      Für die Fachfrau:
      Wir haben aufgrund der Hitze und Trockenheit eine Fungizidspritzung weniger machen müssen und die Läusebekämpfung war auch nicht nötig. Unabhängig vom Saattermin. Hat uns Kosten gespart, aber die bösen Chemiekonzerne jammern…
      Bauer Willi

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      • Zenzi sagt

        Willi „Wir haben aufgrund der Hitze und Trockenheit eine Fungizidspritzung weniger machen müssen und die Läusebekämpfung war auch nicht nötig. Unabhängig vom Saattermin. Hat uns Kosten gespart, aber die bösen Chemiekonzerne jammern“…
        und die Spritzmittelkritiker freuen sich. Bist ja wirklich nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Es hat dramatischer gewirkt damals beim „Trockenheits-Stress Thema“ so als würde deine gesamte Ernte schon in der Totreife nur noch Körnerlos als Mumie rumstehen…

        1+

        • Bauer Willi sagt

          Zenzi, 30 km weiter südlich ist man nicht so glimpflich davon gekommen. Da liegt mancher Betriebsschnitt bei 5 t/ha. Das ist die Hälfte (!) von normal

          Und ganz ehrlich: ich kann nicht erklären, wie die Pflanzen das hinbekommen haben. Und das nach 40 Jahren Ackerbau…
          Bauer Willi

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  6. Das ist ja noch ganz ordentlich. Wir ernten zwischen den Schauern hier zwischen 5 und 9 t /ha . Die Böden konnten wir dieses Jahr von der Straße aus bonitieren. Der Juni war einfach zu trocken.

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