Alois
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Alois, Bio-Bauer und Pflanzenkiller

Wanderer und Naturliebhaber sind oft geschockt wenn sie sehen, wie ich als Bio-Bauer in meiner Natur-Bio-Alpweide „wunderschöne gelbe Blumen“ ausreiße. Das Unverständnis darüber offenbart mir immer wieder, wie wenig sich Verbraucher mit Pflanzenschutz auskennen.

Vielleicht wundern sie sich ja auch, dass ausgerechnet ich als Bio-Bauer mit so einem gefährlichen Thema wie Pflanzenschutz anfange. Wo Sie doch bestimmt bei „Bio“ die Bilder von einer heilen Welt im Kopf haben. Und bei Pflanzenschutz kommen Ihnen Bilder von Chemie und Giftspritze hoch.

Dann nehme ich Sie mit zu der „schönen gelben Blume“, die ihnen die Bedeutung von Pflanzenschutz für uns Menschen ein wenig offenbaren wird.

Jakobs-Kreuzkraut

Bei dieser gelben Blume handelt es sich im das hochtoxische Jakobs-Kreuzkraut. Ich trage beim Ausreißen sogar bei größter Hitze Handschuhe und ein Shirt mit langen Ärmeln, weil das Gift über die bloße Haut wirkt. Ich lasse die ausgerissene Pflanze niemals auf der Weide liegen, sondern stopfe sie in einen Sack. Denn wenn die Weidetiere die trockene Pflanze fressen, ist der natürliche Bitterstoff weg, der sie sonst vom Fressen abhält. Ich nehme sie sogar mühevoll mit nach Hause, um sie in der Müllverbrennung zu entsorgen. Das Gift baut sich nämlich biologisch nicht ab. Es lagert sich in der Leber ein, auch beim Mensch, und ab einer gewissen Konzentration im Körper ist es für jede Kreatur absolut tödlich. Deshalb darf ich es auch nicht kompostieren.

Abtransport des ausgerissenen Kreuzkraut mit meinem Quad.

Abtransport des ausgerissenen Kreuzkraut mit meinem Quad.

Sie sehen also, dass der Pflanzenschutz, also das „töten“ der Pflanze, dem Schutz meiner Weidetiere dient und im weitesten Sinne sogar dem Schutz der Naturliebhaber auf meiner Weide. Ich bin Bio-Bauer und darf deshalb kein Spritzmittel einsetzen. Also muss ich die Pflanzen von Hand ausreißen, was deutlich mühevoller ist.  Und hoffentlich erkennen sie jetzt auch, dass Bio-Landwirtschaft deutlich mehr Aufwand ist, denn solche Unkräuter kennen keinen Unterschied „bio – konventionell“. Weil im Bio-Landbau mehr Aufwand gemacht wird, müssen die Produkte auch teurer sein.

Natur überquert Grenzen

Aber es kommt noch besser. Die Natur hört nicht an meiner Grundstücksgrenze auf. Ich reiße also das Kreuzkraut aus und auf anderen „schicken Öko-Naturflächen“,  (oft mit staatlich bezuschusstem spätem Schnittzeitpunkt) blüht das gelbe Ungeheuer und reift ab. Dann wehen die Samen wieder zu mir auf mein Feld herüber.

Naja, der soll jetzt nicht so jammern, werden sie vielleicht jetzt denken. „Dann red‘ doch halt mal mit deinem Nachbarn, wenn es dich stört“ wollen Sie mir zurufen? Da haben Sie durchaus recht,  wir müssen reden. Aber nicht nur mit dem Nachbarn, sondern durchaus mit Ihnen.

Traum von der natürlichen Idylle

Denn das Kreuzkraut ist symptomatisch für den Traum der natürlichen Idylle. Es breitet sich überall seit Jahren stark aus. Und das (natürliche) Gift trifft uns alle. Es gelangt in die Nahrungskette, es wird ja nicht abgebaut. Auch die Biene mag die schönen gelben Blumen und fliegt das Gift direkt in den Honig. Wie es mit Milch und Fleisch aussieht wird grad eifrig erforscht. Wäre doch echt doof, wenn dann bei den Bio-Kühen von der Weide das Kreuzkraut-Gift nachgewiesen würde.
Damit ständen die Bauern dann bestimmt wieder allein da, so wie es einst meinem Kollegen im Nachbardorf bei BSE ging. Dann hast du als Landwirt aber so richtig die A..Karte. Nennt man Verursacherprinzip. Wem was nachgewiesen wird, der haftet.

Und damit Ihr begreift, dass das überall ein Problem ist, kann ich den Bogen geradewegs vom Allgäu bis nach Schleswig-Holstein spannen. Der dortige Landwirtschaftsminister (grün) rief schon letztes Jahr zum verstärkten Kampf gegen das Jakobs-Kreuzkraut auf. Aber mit verschärften Kontrollen des Honigs oder der Lebensmittel ist ja wohl nicht getan. Solche Probleme ohne Scheuklappen an der Wurzel anzugehen, das ist mein Anliegen.

Unverkrampfter Umgang mit Pflanzenschutz

Und da gehört für mich auch der unverkrampfte Umgang mit dem Thema Pflanzenschutz dazu. Weil ich mir nämlich allein schon wegen dieser Scheiße überlegt habe, Bio wieder hinzuschmeißen. Mir kommt halt doch manchmal der Gedanke, dass die Unkrautspritze vielleicht das effektivere Mittel wäre.

Es gibt nicht wenige Leute, die der Meinung sind, das Problem sei durch die gewollte Öko-Extensivierung erst richtig entstanden. Auch ich habe jahrelang vom Staat für verspäteten Schnittzeitpunkt Belohnungsgeld (nennt man in Bayern wunderschön KULAP-Prämie) bekommen. Dass dadurch das Kreuzkraut blühen und aussamen kann, hatte niemand auf dem Schirm. Ich auch nicht. (Aber dafür habe ich jetzt die A-Karte) Es war also wieder mal gut gemeint, aber eben nicht langfristig gut gemacht. Da sieht man, was die Politik mit der gewollten Ökologisierung uns Landwirten einbringen kann. Als Bio-Bauer bleibt mir dann nur:  mühsam ausreißen oder ausstechen. Am besten, die ganze Familie hilft mit. Drum heißt es ja Familienbetrieb 😉

Pflanzenschutz macht es günstiger

Aber ich habe meinen Humor immer noch: Drum mach ich mal den Vorschlag, dass die grüne Agrarwende doch gleich den chemischen Pflanzenschutz ganz verbieten sollte. Das wäre doch DIE Idee, oder? Hunderttausende dürfen dann zum Ausreißen oder Hacken der Unkräuter auf die Felder kommen.  Die Frage ist nur, wer das dann bezahlt? Ihr Verbraucher mit höheren Preisen?

Wohl kaum, denn wenn es bei uns zu teuer wird, karrt der globale Handel wieder was Günstigeres aus dem Ausland rein. Wenn ich  beim Discounter sehe, dass die EU-Bio-Ware manchmal nur knapp teurer ist (5-10%) als konventionelle Ware, dann frage ich mich schon, wie das geht? Oder ob da nicht vielleicht „Beschiss“ dabei ist? Obwohl: der ägyptische Bio-Karotten-Anbauer bekommt ja wahrscheinlich keine 8,50 € Mindestlohn in der Stunde, oder?

Also, liebe Verbraucher, ich wollte Euch mit meiner „Blumenstory“ den Pflanzenschutz nur mal aus  einer anderen Perspektive zeigen. (den Satz habe ich bei  Willi geklaut). Ganz wertfrei, ohne Ideologie, nur zum Nachdenken…

Euer Alois aus dem Allgäu

 

Hier noch ein paar Links. Für Euch Verbraucher, weil die Blume auch in eure Gärten kommt. Und wegen der Verwechslungsgefahr, z.B. mit Rucola.

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41 Kommentare

  1. Johannes Küppers sagt

    Ich schreibs mal hier rein,passt irgendwie.Ein Spruch kam mir in Gedanken als die
    ELAN Unterlagen kamen,und sich wunderbare Dinge in Sachen Landwirtschaft und
    Verwaltung auftaten.

    „Farming looks mighty easy when your plow is a pencil and you`re a thousand miles
    from the corn field“

    D.Eisenhower

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  2. Schweinebauer Piet sagt

    Sauenbetriebe haben nach Jahren mit starken Fusariendruck häufig Fruchtbarkeitsprobleme, auch beim Einsatz von gespritztem Getreide. Diesen Punk sollten wir hier unbedingt diskutieren, auch in Hinblick darauf, dass manchmal schwangeren Frauen empfohlen wird sich mit Bio-Produkten zu ernähren.

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    • Schweinebauer Piet sagt

      Guten Morgen, hier eine Anmerkung, ich habe nämlich vergessen zu erwähnen, dass der Pilzbefall beim nicht gespritzten deutlich höher ist, wie man an nicht gespritzten Stellen sehen kann.

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      • JosefHo sagt

        Lieber Schweinebauer Piet,
        bevor das Biobashing von oben herab, wieder losgeht, sollten Sie wissen dass der Getreidanbau im Ökolandbau etwas anders funktuiniert als bloßes nicht- spritzen.
        Es hängt mit Faktoren wie Fruchtfolge und Pflanzenernährung zusammen, dass eben trotz ausgebliebener Fungizid Maßnahme kein Pilzdruck im beispielsweise Weizen herrscht.
        Bevor sie generell zum Rundumschlag ausholen, bitte ich dies zu berücksichtigen, es ist nur fair.

        MfG. JosefHo

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        • Schweinenauer Piet sagt

          Hallo JosefHo.
          dann klären Sie mich bitte auf, wie im Bioanbau gegen Fusarien vorgegangen wird oder was getan wird, um sie zu vermeiden.

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        • Bauer Willi sagt

          Lieber Josef
          die Frage vom Schweinebauer interessiert auch mich fachlich sehr. Ich finde Bio-Landwirtschaft sehr spannend und eine andere Form der Nahrungs-mittelproduktion. Deshalb sollten solche fachlichen Fragen auch ehrlich beantwortet werden. Alois hat in seinem Beitrag ja gezeigt, dass es nicht auf jedes Problem eine einfache Lösung gibt. Alois, der Bio-Bauer und ich, der Konventionelle, beweisen ja, dass friedliche Koexistenz möglich ist.
          Bauer Willi

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          • JosefHo sagt

            Hallo Piet, hallo Willi,
            der Biobauer steht einem Fusarienbefall erstmal nahezu machtlos gegenüber, mir ist keine Möglichkeit bekannt hierauf zu reagieren.
            Trotzdem stellen Ährenfusarien im Ökolandbau nahezu kein Problem da.
            Das hängt mit der, sagen wir mal, etwas defensiveren Kulturführung zusammen.
            Im Ökolandbau wird ja auf wässerlöslichen, stark nitrifizierten Stickstoff verzichtet, das hat eine sehr große Auswirkung auf die Pflanzengesundheit der Kultur, die Eintrittspforten der Pilze bleiben geschlossen, und ein Bestandskleinklima welches Pilze fördert ist auch weniger vorhanden.
            Die Pflanzenfarbe, die oftmals als ein „gesundes sattes grün“ zieht Pilze eher an als das „magere“ Grün der Bioflächen.
            Das ganze bedeutet natürlich auch, dass der dt Ertrag bei den Biobauern deutlich niedriger ist, beim Weizen ist die Differenz so hoch, wie bei keiner anderen Kultur.
            Aber die Maßnahmenintensität ist auch nirgendwo so unterschiedlich.
            Ich hoffe es war hilfreich,
            mit freundlichen Grüßen,
            JosefHo

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            • Thorsten S sagt

              Ihre Aussage mag vielleicht auf Mehltau zutreffen,
              bei Fusarium spielt das Wetter eine wichtige Rolle, wie natürlich auch die Vorfrucht und die Sorte.
              Und das magere Pflanzen weniger Pilzkrankheiten bekommen wage ich sehr zu bezweifeln, denn viele Krankheiten haben erst eine Chance, wenn die Pflanze eh schon geschwächt ist.
              Eine ausgewogene Nährstoffversorgung ist die beste Vorsorge gegen Krankheiten.

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            • Weserwirt sagt

              Magere Pflanzen mit hellgrünen Blättern sind kein Nährboden für Parasiten wie Pilzkrankheiten. Denn die Schadpilze leben ja von den Nährstoffen, von Zucker und Eiweißbausteinen in den Zellen. Sattes Grün heisst nun mal voller Tisch in diesem Sinne. Daher gehen Infektionen oft sehr schnell, wenn auch das Wetter dazu passt. Da muss der Bauer sozusagen auf der Lauer liegen, um rechtzeitig mit der Spritze dazwischen zu gehen und die rasante Ausbreitung stoppen.
              Weserwirt

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  3. Pingback: Alois, Bio-Bauer und Pflanzenkiller | food-monitor – Informationsdienst für Ernährung

  4. Rufer aus der Wüste sagt

    War dieses Kraut in frueheren Zeiten nicht auch schon mal ein Heilkraut?
    Man muss wieder lernen mit der Natur und nicht gegen die Natur zu arbeiten. Aber sollte ein Maehverbot das Wachstum dieser Pflanze beschleunigen dann muss man hald flexible sein und frueher maehen. Oder Gesetze anedern weil sie sich im nachhinein als Mist herausgestellt haben.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Aha, dann soll ich also das nächste mal mit meinen ausgerissenen Jakobskraut-Stengeln auf den Wochenmarkt fahren und es als Heilkraut feil bieten.
      Oder noch besser, ich mach einen Internet-Vertrieb. Vorher aber werde ich meinen Hof abgeben, damit ich den nicht bei den sicher folgenden Regressforderungen verliere.
      Hab mal gegoogelt: Ich finde tatsächlich Heil-Empfehlungen, aber auch die Warnungen vor Leberschäden bei Daueranwendung.
      In Durach, ca. 10 km von mir entfernt ist vor ein paar Jahren wirklich ein Altbauer am Genuß von Kreuzkraut-Tee gestorben.

      Alois

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      • Rufer aus der Wüste sagt

        Was willst du hoeren? Den totalen Kampf gegen das Unkraut auf dem Feld? Alle chemischen Geschütze Feuer frei ohne Ruecksicht auf Verluste?

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        • Thorsten S sagt

          Menschen sind an Unkräutern erkrankt oder gar gestorben.
          Unkräuter sind auch aus ackerbaulicher Sicht ein Problem, denn sie untergraben die Fruchfolgewirkung.
          Durch die Verwandtschaft mit Kulturpflanzen werden Krankheiten, Schädlinge und Nematoden gefördert, wenn man die Unkräuter nicht beseitigt.
          In unseren Breitengraden ist das Unkraut für die höchsten Ertragsverluste verantwortlich. Belässt man dauerhaft immer wieder Unkräuter auf dem Feld und die Saaten aus wird das Problem immer größer. An dem Problem sind schon so einige Biobetriebe gescheitert.

          Wer meint man sollte Unkraut tolerieren, der sollte sein Wissen aufarbeiten oder zu mindest keinen Ackerbau betreiben.

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  5. weserwirt sagt

    Lieber Bauer Alois,
    das Thema ist gut und aktuell. Aber um mit dem Jakobskreuzkraut den chemischen Pflanzenschutz zu erklären, muss man schon einige Klimmzüge machen. Klimmzug 1: Das Unkraut kommt auf gepflegten Weiden nur selten vor, es bevorzugt weniger genutzte Areale wie Brachen. Wenn du deine Weiden in Ordnung hältst, sollte es kein großes Problem sein. Klimmzug 2: Eine Pflanze ausreißen, ist das ein „Töten“? Bauern fördern gute und bekämpfen schlechte Pflanzen, so einfach ist das und das war schon immer so. Klimmzug 3: Ein „mühseliger Kampf“ gegen die Ideologie Bio, Förderprogramme und für chemischen Pflanzenschutz? Da muss ich tief durchatmen. Ist das nicht eine Nummer zu hoch. – Also lass es vielleicht so enden: Womit sich Landwirte alles beschäftigen müssen, mit Tierernährung, Botanik, Weidepflege. Sie müssen flexibel und gut informiert sein. Und dann entscheiden. Abwarten hilft nicht und ist (lebens-) gefährlich. Das ist für mich die große Anerkennung und Wertschätzung für die ganze Zunft, die sich mit so vielen Dingen herum schlagen muss. Respekt!
    Weserwirt (aus dem Weserbergland)

    1+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Weserwirt,
      soviele Klimmzüge brauchts nicht.
      1) Meine Weiden sind Alpweiden und Bergwiesen, die seit jeher extensiv sind.
      2) Gut gepflegt bedeuted, dass man das Unkraut auch auf dem Schirm hat. Ich habe es selbst im Beitrag geschrieben, dass ich auch jahrelang Kulap für späten Schnittzeitpunkt genommen habe. Bei einer Bergwiese sogar 1.August. Dadurch wurde das „Verblühen“ und aussamen leider auch gefördert. Hier http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/notizbuch/wasserkreuzkraut-100.html kannst Du die Sprüche bei der zuständigen Naturschutzbehörde sogar in der Presse nachlesen,

      … das wird jetzt alles über den Haufen geschmissen werden, also was machen wir da damit?“

      Dasselbe bei der (staatlich geförderten) Streuwiesenpflege, wo auf einmal die hochgelobten Bio-Streue-Häckselballen nicht mehr verkaufsfähig sind. Statt dessen wird lieber teures Strohmehl (das weit gekarrt werden muss) eingesetzt.
      3) Mühselig ist das alles. Nicht nur das eigentliche Aussreissen, sondern, dass die weitreichende Problematik sehr wenig wahrgenommen wird.
      Ich werde dieses Jahr mal im Juli Bilder machen, wo an den Rändern der intensiv genutzten Wiesen alles gelb ist. Es wird halt nur noch das gemäht, was mit dem Schlepper erreicht wird.
      Und ja, mir ist es auch wichtig die ganze Thematik Pflanzenschutz auch ins Bewusstsein der Verbraucher zu bekommen.
      Wie im Artikel „Gefährliche Sprache“ von Willi gezeigt wurde, sind da eingeschliffene Bilder in den Köpfen.
      „Pflanzenschutz“ das ist chemie, das ist gefährlich, das ist nicht OK.
      Ich könnte mich totlachen, wenn ich in die Gärten schaue, wo die stolzen Besitzer „eigenes Bio“ hochziehen und ich die Dosen und Kanister aus dem Baumarkt sehe, die die unbedarften „Selber-Bio-Gärtner“ da ohne Sachkenntnis einsetzen.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois

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    • Bauer Willi sagt

      Lieber Weserwirt
      jetzt musst Du noch mal tief durchatmen und ein paar Klimmzüge machen. Ein weiteres Beispiel ist der 4-Korn-Babybrei von Alnatura. Nachzulesen unter „Lebensmittelwarnungen“ Bestimme Chargen müssen zurückgerufen werden, weil sich darin Tropanalkaloide (wie im Atropin) befinden, die aus Stechapfel und Bilsenkraut stammen, dass im Biogetreide zur Samenreife gelangt und mit in den Mähdrescher gekommen ist. Nichts gegen Bionahrung und Alnatura. Soll nur zeigen, dass es mit „in Ordnung halten“ allein nicht gehalten ist. Und Alnatura schreibt in der Begründung selbst, dass diese Unkräuter im konventionellen Anbau durch Herbizide bekämpfbar sind. Was übrigens so auch nicht stimmt, da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass die in Zuckerrüben auch auftreten können, weil sie erst keimen, wenn die „normale“ Unkrautbekämpfung schon durch ist. Dann muss ich auch, wie Alois, mit Handschuhen und langen Ärmeln bei Sommerhitze los. Mit der Familie (siehe Alois: Familienbetrieb) 🙂
      Bauer Willi

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      • Andrea D. sagt

        Herr Wohlfahrt und Herr Bauer Willi, der vernünftiger Beitrag von Weserwirt wird von Ihnen einfach nur zerredet (zerschrieben).

        Ich kann Weserwirt nur zustimmen, das Verhindern von Senecio jacobaea hat in erster Linie mit kenntnisreicher Weidepflege zu tun. Wer sein Grünland im Blick hat, wird mit dem Auftreten dieser alten heimischen Pflanze (Kennart der Weidelgras-Weißkleeweide, häufige Verbreitung in NRW) umgehen können.

        Dann aber wird mit Bergwiesen und Alpweiden oder speziellen Ackerbaubauproblemen argumentiert.

        Und das Ganze nur mit dem Ziel, mal eben wieder die Pflanzenschutzkeule zu schwingen.
        Meine Herren, ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie Pflanzenschutzmittel verharmlosen wollen. Pflanzenschutzmittel sind chemische, toxisch wirkende Produkte, die auf Flora und Fauna wirken sollen. Die Wirkungsweisen kritisch zu sehen, sollte erlaubt sein. Wäre es anders, gäbe keine Auflagen für die Anwender (Verpflichtender Spritzen-TÜV, Fortbildung Pflanzenschutzausbringung etc) sicherlich nicht.

        Wie sagt Herr Wohlfahrt:
        „Wenn Ideologie das Wissen ersetzt, dann wird es ungemütlich, manchmal sogar gefährlich.“
        Wissensvermittlung sieht für mich anders aus! Sorry, soviel Blödsinn habe ich lange nicht mehr gelesen:
        „Im Prinzip ist das mühselige Ausreissen oder Ausstechen doch auch ein Synonym für unseren mühseligen Kampf gegen diese Ideologie. Mal schauen, ob wir ihn gewinnen?“

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        • Alois Wohlfahrt sagt

          Oha Frau D,
          und ich werde den Eindruck nicht los, dass Sie teil der von mir angesprochenen Ideologie sind, sonst würden sie nicht so darauf abfahren.
          Aber der Reihe nach:
          Ich wiederspreche gar nicht, dass eine mangelnde Pflege das Problem verursacht oder verschärft hat. Ich weise aber auf den Zusammenhang hin, dass diese Extensivierung (oder nennen wir es Verschlechterung der Pflege) großflächig staatlich gefördert wurde. Die Erkenntnis setzt sich derzeit bei vielen durch, doch bleibt Ratlosigkeit zurück. Im Unterschied zu ihrem theoretischen Wissen, habe ich nämlich ein praktisches Problem.
          Und Pflanzenschutzmittel als mögliche Alternative zu sehen ist noch lange keine Verniedlichung.
          Ich habe allerdings bewusst in meinem Beitrag auf den Zusammenhang der billigen Produktion mithilfe von Pflanzenschutzmittel hingewiesen.
          Mir ist das nämlich als Bio-Bauer wichtig, dass die Verbraucher auch den Zusammenhang erkennen, warum Bio mehr kosten muss.
          Oder andersrum, wer es immer noch billiger will, der gibt auch das Recht ab sich über Pflanzenschutzmittel aufzuregen.

          Herzliche Grüße aus dem Allgäu
          Alois

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          • Andrea D. sagt

            Hallo Herr Wohlfahrt,
            wie kommen Sie darauf, dass ich auf die von Ihnen angesprochene Ideologie „abfahre“? Selbst wenn das der Fall wäre, sollten Sie in der Lage sein, mit konträren Meinungen umgehen zu können.
            Ihre Argumentation pro Bio ist scheinheilig und Ihr letzter Satz steht nicht im Kontext zum Thema.
            Wie ist Ihre Aussage zu verstehen, dass die Extensivierung die „Verschlechterung der Grünlandpflege“ bedeutet? Das würde ich gerne mal genauer erfahren.

            Es ist fachlich nicht korrekt zu behaupten, das vermehrte Auftreten von Kreuzkraut sei die Folge mangelnden Einsatzes von Herbiziden.
            Oder haben Sie Erkenntnisse, die diese These belegen?
            Das ist doch ein wenig simpel gedacht – vielleicht trifft dies in Alpregionen zu – mag ja sein.
            Warum das Gejammer, Herr Wohlfahrt, es hält Sie doch nichts und niemand davon ab, dort diese unliebsamen Pflanzen chemisch – statt manuell zu bekämpfen (Entschuldigung, mir fällt gerade kein anderer Fachbegriff für diesen Vorgang ein).

            Ich grüße Sie!

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            • Landwirt Franz sagt

              Hallo zusammen,
              ich bin Bio Bauer, und ich habe noch nie, ( das sag ich jetzt auch nicht nur so) ein JKreuzkraut herausgerissen, ganz einfach, weil bei mir keines wächst.
              Es steht und Fällt mit dem Grünlandmanagement, ganz egal ob konv. oder Bio. es gibt ein paar Regeln, vermeidung von Überweidung, frühe Beweidung, harmonisches Verhältnis von Horsbildenen- und Verzweigungstypen, Ober- und Untergräsern usw. usw,
              Es ist viel mehr die Flächenansprache, die dafür ausschlaggebend ist.
              Das späte mähen, welches Alois soll, ziehlt doch in erster Linie auf bodenbrütende Vögel ab, und dies ist wiederum ein ganz anderes Kapitel!

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Hallo Franz,
              Bio ist nur im Bezug auf mögliche Bekämpfungsverfahren relevant. Da kann ich halt nicht sprizten. Ich war mir vor ein paar Jahren auch sicher, dass das Kreuzkraut kein Problem für mich ist. Ich bin durch eine Pferdebeitzerin darauf aufmerksam gemacht worden, weil sie in meinem Bergwiesenheu Kreuzkrautblüten entdeckt hat.
              Im Jahr darauf haben wir dann bewusst hingeschaut. Wenn Du keines hast, dann gratulier ich Dir.
              Ber seit der Entdeckung dem habe ich das auf dem Schirm und bin eigentlich geschockt, wie viel davon überall steht.
              Viele sind auch überhaupt nicht sensibilisiert auf das Thema. Rinder vertragen noch relativ viel Kreuzkraut. Pferde sind da schon deutlich empfindlicher.

              Alois

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            • Bauer Willi sagt

              hallo Andrea
              als Ackerbauer habe ich die Erfahrung gemacht, dass mein Zwischenfruchtanbau, der ja pflanzenbaulich sehr sinnvoll ist, mir definitiv Unkräuter „beschert“ hat, die ich vorher nicht kannte. Wir haben Untersuchungen von Saatgut gemacht, in dem Stechapfel und eine sehr hoch wachsende Distelart gefunden wurde. Das Saatgut stammte aus Ungarn. Auch die Saatgutreinigung hat diese Samen nicht herausgenommen. Dies ist nur ein weiteres Beispiel, dass eine pflanzenbaulich sinnvolle Maßnahme dazu führt, das ich anschließend Probleme habe, die ich ohne nicht gehabt hätte. Und so sollte Alois verstanden werden: hätte er der staatlich gewollten und finanziellen geförderten Extensivierung nicht zugestimmt, hätte er unter Umständen jetzt das Problem nicht. Da er Bio-Bauer ist, steht er jetzt aber mit dem Problem alleine da. Das ist die Aussage des Artikels und das darf doch auch gesagt werden. Im übrigen müssen sich auch Bio-Bauern dem Spritzen-TÜV unterwerfen und auch Bio-Bauern müssen den Sachkundenachweis ablegen. Nachzulesen in dem Artikel „In Freude und Dankbarkeit“, der im Archiv zu finden ist. Und noch etwas: wir wollen den Dialog, deshalb polarisieren wir manchmal bewusst. Das führt zu sehr interessanten Diskussionen. Wie diese hier auch. Wenn der Verbraucher (der ist unsere Zielgruppe) dabei erfährt, dass die Dinge so einfach nicht sind wie sie auf den ersten Blick erscheinen, wäre das Ziel erreicht.
              Bauer Willi

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Hallo Frau D,
              ich habe nirgends behauptet, die Vermehrung von Kreuzkraut sei die Folge von mangelndem Herbizideinsatz.
              Kreuzkraut vermehrt sich, indem es blühen kann. Intensive Mähweidenutzung lässt Kreuzkraut eigentlich nicht aufkommen. Extensivierungsprämien mit spätem Schnittzeitpunkt, weniger Schnitte, weniger Düngung sind die Faktoren.
              Ich jammere nicht, ich stelle Zusammenhänge da. Mein Betrieb ist seit 1994 Bio. Ich werfe das nicht einfach so über Bord. Und im Bio-Betrieb wird kein chemischer Pflanzenschutz betrieben.
              AW

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            • Andrea D. sagt

              Guten Tag Bauer Willi und Alois Wohlfahrt!

              Leider kann ich Ihre Argumentation wieder einmal nicht nachvollziehen:
              1. Verunreinigtes Saatgut führt dazu, dass der Zwischenfruchtanbau nicht funktioniert??? Das stellt eine pflanzenbaulich sinnvolle Maßnahme in Frage? Wäre es nicht sinnvoll, erst einmal dem Lieferanten des Saatgutes auf die Füße zu treten, anstatt eigenartige Schlüsse zu ziehen?
              2. Nämlich den, dass die Extensivierungsprogramme für die Vermehrung des Kreuzkrautes verantwortlich sind?
              Wie kommen Sie zu der Behauptung, dass extensives Grünland zu spät und nicht intensiv genutzt wird?
              Ich kann auch nicht glauben, dass Biobauer Wohlfahrt alleine mit dem Problem dasteht, denn er ist ja einem Bio-Verband angeschlossen, dem er jedes Jahr ordentlich Beiträge zahlt. Dieser sollte sich dann auch mit derartigen Problemen beschäftigten. Und wenn Alois gerne Biobauer bleiben möchte, dann muss er sich wohl oder überl irgendwie der Problematik stellen.
              Oder aber, er kann als Extensivierer – was ist er denn nun eigentlich, der Alois ?- einen Antrag bei der zuständigen LW – Behörde stellen, die dann eine Bekämpfungsmaßnahme genehmigt.

              3. Da es sich m. E. bei dem unliebsamen Kreuzkrautaufkommen nicht um ein monokausales Problem handelt, stelle ich mir noch andere Fragen:
              Könnte nicht auch die zunehmende, nicht immer vorbildlich geführte Hobby-Pferdehaltung mit einer nicht optimalen Weideführung für die Vermehrung des Krautes verantwortlich sein?
              Oder die Straßenränder, Bahnschienen etc, die oft gelb von Kreuzkraut sind, weil die Kommunen sparen und seltener mähen bzw. chemisch dagegen vorgehen? Wissen wir mit welchem Saatgut bei den Kommunen gearbeitet wird?
              Wäre doch auch mal ein Gedanke, oder?

              Gruß
              AD

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Liebe Frau D.

              Ein Grund warum sie möglicherweise meine Argumentation nicht nachvollziehen, liegt evtl. daran, weil sie die Texte nicht aufmerksam lesen.
              Zumindest legt dies mir Ihre Frage nahe, „…was ist er denn nun eigentlich, der Alois ?“
              Sobald sie nämlich die Überschrift lesen, sollte die Frage ob ich Extensivierer oder Bio-Landwirt bin, überflüssig sein.
              Und ich stehe nicht allein mit dem Problem da, auch da findet sich im Beitrag ein sehr aufschlußreicher Link von einer Sendung des Bayrischen Rundfunks.http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/notizbuch/wasserkreuzkraut-100.html. Sie können sich sicher sein, dass der BR darüber berichtet, weil es ein zunehmendes Problem ist. Und in diesem Bericht gibt es einen Abschnitt „Die Crux mit dem Naturschutz“ wo genau auf diese Thematik (Extensivierung, später Schnitt, staatliche Förderung durch Naturschutzprogramme) eingegangen wird.
              Ich bitte Sie lesen sie diesen Bericht und den Abschnitt! Bevor Sie wieder die „Nicht-nachvollziehbar-Karte“ spielen.
              Daß auch Hobby-Pferdehaltung, Straßenbahnschienen etc. eine Rolle spielen, da stimme ich Ihnen zu.
              Ich kenne auch Hobby-Pferdehalter die von „idyllischer heiler Biowelt“ begeistert waren, bis ihre geliebten Pferde Probleme bekommen haben.
              Auch ein Grund warum ich mir als Bio-Bauer die Freiheit nehme das Thema Pflanzenschutz hier zu diskutieren.
              AW

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            • Thorsten S sagt

              Naturschutzprogramme sind jedem Fehler erhaben…

              Viele der Naturschutzprogramme in Deutschland sind mit Fehlern behaftet, das steht doch wohl außer Frage.
              Es gibt nicht nur die Probleme mit Unkräutern, sondern auch mit Veränderung der Zusammensetzung, als Leidtragender einer Naturschutzwiese kann ich nur Nachteile an den Vorschriften sehen. Nach 20 Jahren ist das ein Stück Unland, wo nicht mal mehr Rehe ihr Futter aufnehmen.
              In anderen Naturschutzgebieten hat man festgestellt, dass es zum Artenrückgang kam.

              Das Problem an diesem vermeindlichem Naturschutz ist die fehlende Einsicht, der Behörden. Die Idee mag ja gut gewesen sein, nur muss man auch eingestehen wenn genau das Gegenteil erreicht wurde, das passiert leider in Deutschland nicht.
              Hinzu kommt, dass man meist an die EU gebunden ist, da ist es nicht so einfach die Flächen wieder umzuwandeln.
              Die Unfehlbarkeit von Naturschutz, Naturprogrammen darf hierzulande ja nicht angezweifelt werden, ansonsten hat man sofort ein Schar von Gegnern…Die einem Unfähigkeit vorwerfen.

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            • Monika sagt

              „Oder die Straßenränder, Bahnschienen etc, die oft gelb von Kreuzkraut sind, weil die Kommunen sparen und seltener mähen bzw. chemisch dagegen vorgehen? Wissen wir mit welchem Saatgut bei den Kommunen gearbeitet wird?“

              Hier möchte ich als Botanikerin den Blick auf die Unterscheidung mehrerer ähnlich aussehender, für den Laien verwechselbarer, bei uns wild wachsender Kreuzkrautarten lenken. Sie sind sich in ihrer ungesunden Wirkung ähnlich, aber haben unterschiedliche Standorte und Verbreitung, so dass man erst genauer nachschauen (lassen) sollte, bevor unnötige Ängste oder Bekämpfungsmaßnahmen auftreten.
              So wird das auf frischen bis mäßig trockenen Standorten weit verbreitete Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea) in der Tat durch mangelnde Wiesenpflege gefördert. Es ist zweijährig (die Pflanze stirbt nach der Blüte im 2. Wuchsjahr ab), kann bei später Mahd reichlich blühen und Samen bilden, die dann in einer (z. B. durch Mäuse, Maulwürfe) lückigen Vegetationsnarbe zahlreich keimen können. Ähnliche Arten mit geringerer Verbreitung (wenigstens in NRW) sind das Raukenblättrige Greiskraut (Senecio erucifolius – eher trockenes Grasland) sowie das Spreizende und das Wasser-Greiskraut (Senecio erraticus, S. aquaticus – in feuchtem bis nassem Grünland). An Straßenrändern und Gleisen findet man meist Kilometer weit das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) oder das Frühlings-Greiskraut. Ersteres ist eine mehrjährige Staude und verträgt keine Mahd – daher ist es auch keine Wiesenpflanze. Beide bevorzugen trocken-warme Ruderalstandorte und es besteht nicht die Gefahr, dass sie dauerhaft ins Grünland einwandern. Wenn es aber um wiesenähnliche Böschungen oder Randstreifen von Straßen und Gleisanlagen geht: Dort hat sich durch reduzierte Pflege (Herbizide sind dort heute i. d. R. verboten) das Jakobsgreiskraut stark vermehrt. Wegen der bekannten Probleme ist Senecio jacobaea nicht (mehr?) in Saatmischungen enthalten. Höchstens als Saatgutverunreinigung oder unbeabsichtigte Verbreitung mit Mähgeräten/Mahdgut kann der Mensch Flächen damit infizieren. Weil aber das Jakobsgreiskraut (und seine Verwandten) ohnehin viele flugfähige Samen hat und sich leicht ausbreitet, haben wir es nötigenfalls mechanisch oder chemisch zurückzudrängen und ein geeignetes Flächenmanagement zu konzipieren. Den Bauhöfen und Straßenmeistereien ist die Thematik nicht unbekannt, aber sie müssen heute mit weniger Personal mehr Streckenkilometer abdecken als noch vor einigen Jahrzehnten. Den Wunsch nach einem früheren oder zusätzlichen Schnitt können sie nicht immer erfüllen, aber man sollte im Einzelfall anfragen. Wer dann aber z. B. seine Pferdeweide in Straßennähe noch voller Jakobsreiskraut stehen hat, wird natürlich darauf verwiesen erst mal bei sich selbst mit der Beseitigung der Pflanzen zu beginnen.
              Und nach dieser „Botaniklehreinheit“ noch die Anmerkung, dass ein attraktiver Schmetterling, der Blutbär (Tyria jacobaeae) das Jakobskreuzkraut als Futterpflanze für seine nicht minder attraktiven Raupen benötigt. Außerdem sollen Wildkaninchen Jakobskreuzkraut unbeschadet und nicht ungern fressen, so dass man ihre lokalen Rückgänge auch als möglichen Grund für die Zunahme dieser Pflanzenart vermutet.
              Wir sehen auch hier: Es ist nicht einfach mit der Natur – pauschale Schwarz-Weiß-Argumentation (Kategorisierung in Nützlinge und Schädlinge) kann pragmatisch sein. Jedoch sollte für die gewünschte / geforderte biologische Vielfalt („Mitwelt“) neben dem für unser Überleben Notwendigen etwas übrig lassen (wieviel? – das muss an anderer Stelle thematisiert werden).
              MD

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              keine Sorge Monika, ich lasse genug übrig, ich schaffe es von Hand bestimmt nicht das Kreuzkraut auszurotten. 😉
              Du hast schon recht. „Leben und leben lassen“ bringt uns am weitesten.
              Alois

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    • Monika sagt

      Hier möchte ich mich nur kurz „rechthaberisch“ einklinken und die rhetorische Frage „Eine Pflanze ausreißen, ist das ein ‚Töten‘?“ mit „Ja“ beantworten – einfach, weil unser Denken oft nicht so weit reicht und deshalb dieses Faktum verschwiegen wird. Als heterotrophe Organismen brauchen wir nicht nur Tiere, Pflanzen und eventuell Pilze zum Essen, sondern bei der Beschaffung unserer Nahrung werden auch andere Lebewesen direkt oder indirekt getötet. Das war schon immer so, und auch bei Tieren ist es so – z. B. beim Wildschwein, das den Boden aufbricht, um Mäuse, Engerlinge oder schmackhafte Pflanzenteile zu fressen und durch diese „brutale“ Methode andere Pflanzen oder Kleintiere zum Absterben bringen kann. Aber es gehört auch zum Wesen der Natur, dass solche „Löcher“ schnell wieder zuwachsen und andere Organismen davon profitieren.
      Das will ich hier nicht vertiefen und nur beiläufig erwähnen, dass im Bundesnaturschutzgesetz (§§ 5, 14 Abs. 2, 44 Abs. 5) klar gestellt wird, dass die Landwirtschaft im Rahmen der guten fachlichen Praxis für die Erhaltung der Kultur- und Erholungslandschaft eine besondere Bedeutung hat, dass landwirtschaftliches Handeln (in der heutigen Flächendimension nicht mit Wildschweinen vergleichbar) keinen naturschutzrechtlichen Eingriff darstellt und dass das Töten besonders geschützter wildlebender Arten bei der landwirtschaftlichen Arbeit meist nicht gegen die naturschutzrechtlichen Verbote verstößt (die komplizierten Zusatzregelungen erspare ich Ihnen hier).
      Ich sehe das nicht religiös oder esoterisch, sondern philosophisch, und wenn ich z. B. bei der Gartenarbeit, bei landschaftspflegerischen Tätigkeiten oder bei der Jagd bestimmte Pflanzen oder Tiere töte, ist das bewusstes und meist beabsichtigtes Handeln. Mit diesem Kommentar möchte ich dazu anregen, unser menschliches Gehirn zur Reflexion unseres Handelns intensiv zu gebrauchen und Wildschweine (oder andere glückliche Kulturfolger), wenn nicht zum Essen, dann als Denkanstoß, aber nicht als Denkvorbild zu gebrauchen.

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  6. Matthias W. sagt

    Hallo Alois,
    ein ernst zu nehmendes Problem, was den meisten Menschen (auch mir) nicht bewußt ist!

    Im Getreidebau ist ja z.B. das Mutterkorn (als Pilz) bekannt und kann auch dort großen Ärger verursachen. Läßt sich aber anbaubedingt und durch gutes Sieben auf Bruchteile reduzieren, so daß die Wirkung im Mehl verloren gehen (kann).

    Das sieht bei Deinem „Teufelskraut“ ja schwieriger aus. Gibt es keine Alternativen, als das mühsame Ausreißen? Herzlichen Glückwunsch…!

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    • Marko sagt

      Hallo Matthias,
      klar gibt es da Alternativen.
      Zum Beispiel Verzicht auf den 3. oder gar 4. Grünschnitt für die winterliche Futtergewinnung. (Passiert in den Sommermonaten, wenn das Jakobskraut in Erscheinung tritt)
      Tiere auf der Weide meiden diese Pflanze.
      Ist sie allerdings vermischt im Heu oder in der Silage, hat das Nutztier natürlich wenig Chancen zu selektieren.

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    • Thorsten S sagt

      Mutterkorn lässt sich bis heute auch nicht durch Fungizide verhindern.
      Da stehen Bio- und Konventionellebetriebe vor dem gleichen Problem.

      Fusarien lassen sich im Getreide, aber in einem sehr engen Zeitfenster, durch Fungizide bekämpfen oder minimieren.

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  7. Daniel Immich sagt

    Danke für den Artikel! In der Diskussion ob Bio/Konventionell wird seit Jahren soviel Ideologie betrieben, und noch schlimmer, von Leuten die einfach keine Ahnung haben, das man machmal gar nicht soviel kotzen kann wie man möchte. Ganz gefährlich wirds eben wenn sich dann mit einem gefährlichen, halb garen Wissen zu allem und jedem geäußert wird was bei 3 nicht auf dem Baum ist. Es gibt nichts schlimmeres in meinem Augen, als wenn Fakten verdreht werden und Aussagen getroffen werden die schlichtweg sinnloser Schwachsinn sind!
    Nochmals danke für den Artikel

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Herr Immich,
      vielen Dank für den Kommentar.
      Die Ideologie ist etwas was mich auch schon lange stört, siehe http://www.netzlandwirt.de/mut-zur-grenzerfahrung/.
      Wenn Ideologie das Wissen ersetzt, dann wird es ungemütlich, manchmal sogar gefährlich.
      Das Problem bei so etwas wie dem Kreuzkraut ist, dass niemand sofort (Tod) umfällt, wenn ein Fehler gemacht wird.
      Im Prinzip ist das mühselige Ausreissen oder Ausstechen doch auch ein Synonym für unseren mühseligen Kampf gegen diese Ideologie. Mal schauen, ob wir ihn gewinnen?

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois

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