Bauer Willi
Kommentare 31

ZK Landwirtschaft: keine faulen Kompromisse

Nicht alle halten die Zukunftskommission Landwirtschaft für den Stein der Weisen. So auch Alfons Balmann, Direktor am IAMO in Leipzig.

https://www.agrarzeitung.de/nachrichten/politik/zukunftskommission-landwirtschaft-balmann-warnt-vor-faulen-kompromissen-100869?

Er merkt an, „dass sich viele der von der Zukunftskommission formulierten Erwartungen kaum erfüllen lassen und sich einige der Kompromisse als ‚faul‘ erweisen“.

Im Abschlussbericht der ZKL sind laut Balmann grundlegende Zielkonflikte wie die zwischen Tier- und Klimaschutz oder zwischen Grundwasserschutz und Ernährungssicherung nicht thematisiert. Damit bleibe die Frage ungelöst, ob sich die Zielkonflikte eher im Rahmen einer ökologischen Agrarwende oder durch eine nachhaltige Intensivierung lösen ließen. Schließlich hält der Wissenschaftler der Zukunftskommission vor, sie zeichne ein wirklichkeitsfremdes Bild der Gesellschaft.

Alfons Balmann ist auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

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31 Kommentare

  1. Smarti sagt

    Deutschland realisiert sehr langsam, aber sicher was passiert, wie ein einziger Putin fast die ganze Welt mit ein bisschen Gas, Getreide und Atom in Angst und Schrecken versetzen kann.
    Deutschland realisiert auch, dass Länder ohne funktionierende Landwirtschaft, aus welchen Gründen auch immer, vor Hunger und Bürgerkrieg bedroht wird. Es werden Millionen Menschen sterben, weil man sich auf “Andere” verlassen hat.
    “Schwarzer Humor” : Aus diesem Grund tut Deutschland das Einzig Richtige 🙂 nämlich Alles, auch die eigene, trotz aller Widrigkeiten der letzten Jahre noch einigermassen funktionierende, Landwirtschaft zu Tode zu reiten.
    Das Selbstmordgen der Menschheit ist die Dekadenz.

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  2. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    1000ha Betrieb geht hier in Westfalen bei den “Blaublütern”,meist läufts hier auf 300-350ha hinaus,das waren früher mal um 20 Einzelbetriebe.
    Das Bewirtschaften solcher Kleinstrukturen ist immer wieder eine Herausforderung.

  3. Jürgen Donhauser sagt

    Ein ehemals namhafter Vertreter des LSV – Deutschland klopfte sich damals nach Veröffentlichung der Abschlusserklärung der ZKL stolz auf die Schulter. “Man ist inzwischen fast mit allen NGO-Vertretern per “Du” und ist sich deren Unterstützung zukünftig sicher…….” – na da kann man doch schon mal kleine Zugeständnisse machen (Eingeständnis: 100 Mrd. Umweltschäden/Jahr durch die LW).
    Aber Willi, du hast doch empfohlen nicht weiter über die ZKL zu sprechen, denn da erinnert sich in ein paar Wochen sowieso niemand mehr daran? Die Politik ignoriert sie, dann sollten wir es auch tun!

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    • Dirk Andresen sagt

      Ich halte die Zukunftskommission nach wie vor für absolut richtig ! Erwartungen und Bedingungen wurden formuliert.
      Die wesentliche Gelingungsbedingung ist die Finanzierung und dieses ist in dem Bericht festgehalten!

      • Bauer Willi sagt

        @Dirk
        Und was ist, wenn die Gelingungsbedingung Finanzierung überlesen und ignoriert wird? So ergeht es doch gerade der Borchert-Kommission.

        Gerade die Schweinehalter warten seit Amtsantritt von C. Ö. auf Signale aus dem BMEL. Außer Sprechblasen wird da gerade nichts produziert.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Ja, die Erwartung, dass eine andere Landwirtschaft die irgendwie von irgendwem errechneten Schäden von angeblich 90 Milliarden durch Änderung der Wirtschaftsweise, zu kompensieren habe.
        Der Zins dafür darf nun von der Agrarbranche durch Zunahme der Gängelung und durch Umwandlung des Geistes erbracht werden, niemals wird es einen finanziellen Ausgleich geben. Darauf Wette ich. Danke dafür!

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        • Reinhard Seevers sagt

          Die Öffentlichkeit, die Medien haben die sog. Externalitäten schon schön verinnerlicht und einige Journalisten sehen die Lösung natürlich ausschließlich beim Erzeuger….der unten stehende Artikel-Auszug ist aus der FAZ, nicht aus der TAZ!🤢

          Aus der FAZ vom 4.2.22, Dennis Rickert
          ….”
          „Es ist besser, dort einzugreifen, wo die Probleme entstehen: direkt beim Erzeuger.“
          Zunächst lässt sich festhalten, dass viele landwirtschaftliche Lebensmittel wirklich zu günstig sind, nämlich immer dann, wenn der Preis nicht die wahren Kosten des Produktes widerspiegelt. Der Ökonom spricht hier von sogenannten Externalitäten, die nicht in der finalen Kostenrechnung auftauchen. Bei Lebensmitteln sind das beispielsweise Umweltauswirkungen (Güllebelastung, Klimaeffekt), ein Mangel an Tierwohl (Platzmangel, Krankheit), Rückstände von Antibiotika und Pestiziden in der Nahrung, aber auch schlechte Arbeitsbedingungen.
          Mindestpreise im Lebensmitteleinzelhandel lösen das Problem dieser Externalitäten nicht. Zum einen böte ein solch drastischer Markteingriff keine Gewähr dafür, dass landwirtschaftliche Gewinne und Nachhaltigkeit steigen, wie oben erläutert. Zum anderen schalten Mindestpreise den Wettbewerb im Einzelhandel aus, was Händler in ihrer unternehmerischen Freiheit einschränkt. Anders als Özdemir sagt, ist es beispielsweise vollkommen legitim, den Verkaufspreis für Fleisch zu senken, um Kunden in den Laden zu locken, wenn Einkaufs- und Produktionspreise die wahren Kosten des Produktes widerspiegeln. Bei fixem Einkaufs- und Produktionspreis ist ein geringer Handelspreis sogar gewinnsteigernd für den Bauern, da mehr Einheiten verkauft werden.

          Es gibt demnach weitaus bessere In¬strumente als Mindestpreise im Einzelhandel. Politische Entscheidungsträger sollten vier Dinge sicherstellen:
          Erstens, dass zu wahren ökonomischen Kosten produziert wird, indem strengere Vorschriften für die Produktion von Lebensmitteln erlassen werden, beispielsweise in Bezug auf das Tierwohl und den Einsatz von Antibiotika. Tierhaltungen, die im Konflikt mit dem fest im Grundgesetz verankerten Tierwohl stehen, sollten verboten werden. Dass Fleisch der Haltungsformen 1 und 2 weiter verkauft werden darf, ist vielleicht die größte „Sauerei“, wurde aber von allen Parteien in der Vergangenheit unterstützt.
          Zweitens, dass sich die Preisspanne zwischen nachhaltigen und weniger nachhaltigen Produkten verringert. Das kann erreicht werden, indem nachhaltig produzierende Betriebe stärker subventioniert werden. Außerdem müssen die Milliarden an EU-Flächensubventionen für konventionelle Landwirtschaft, die Umweltverschmutzung aktiv belohnen, gestrichen werden. Dadurch verteuern sich konventionelle Produkte, und die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten steigt, was wiederum Anreize für Produzenten schafft, mehr in Nachhaltigkeit zu investieren.
          Drittens, dass Konsumenten mehr Information zu Produktionsabläufen bekommen. Dazu sollten Labels etabliert werden, auf denen der Konsument stärker über die Art der Tierhaltung und Einsatz von Pestiziden aufgeklärt wird. Viele Menschen sind bereit, mehr Geld auszugeben, wenn sie wissen, dass das Geld sicher in Nachhaltigkeit investiert wird.
          Viertens, dass faire Handelspraktiken eingehalten werden. Marktmächtige Händler, die unter Verdacht stehen, ihre Marktmacht zu missbrauchen, sollten stärker kontrolliert werden. Hilfreich sind auch langfristige Verträge für Landwirte und Versicherungen gegen Produktionsausfall, wie es zum Beispiel im französischen Egalim-Gesetz geregelt ist.
          Da dieses Maßnahmenpaket sicher zu einem Anstieg der Endverbraucherpreise führen wird, sollten einkommensschwache Haushalte bezuschusst werden, damit sie sich qualitativ hochwertige Lebensmittel leisten können. Eine Möglichkeit, das reale Haushaltseinkommen zu erhöhen und gleichzeitig gesunde Ernährung zu gewährleisten, ist die Ausgabe von Konsumgutscheinen, die an gewisse Nachhaltigkeitskriterien gebunden sind….”

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          • Arnold Krämer sagt

            Warum so kompliziert: Das Ordnungsrecht wird EU-weit tier- und umweltgerecht ausgestaltet. Dann sinken die externen Kosten einheitlich. Gleichzeitig wird ein wirksamer EU-Außensschutz eingerichtet.

            Wenn beides nicht passiert, wird die deutsche landw. Urproduktion “zerlegt”, weil dann die landw. Rohstoffe und Lebensmittel überwiegend aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland kommen. So einfach ist das.

            Und wieder wäre ein Stück Realwirtschaft in D “abgewickelt”.
            Was glaubt man denn, wovon die ganzen Importe an Energie, Lebensmitteln, sonstigen Industrie-Rohstoffe demnächst bezahlt werden sollen?

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            • Reinhard Seevers sagt

              Wie kann der Schwachmat eigentlich aus dem Tierwohl eine Externalität errechnen? Wenn ein Schwein nach gesetzlichem Standard gehalten wird, verursacht es höhere Externalitäten, als ein Schwein, dass nach Tierwohl 4 gehalten wird?
              Für wie blöd hält der die Menschen? Oder anders gefragt, in wessen Auftrag ist der zur Verblödung des Volkes unterwegs?

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      • Arnold Krämer sagt

        Herr Andresen, die Erwartungen sind doch längst bekannt! Auch die Auswirkungen und Konsequenzen! Nur die Politik (auch die Verbandspolitik) geht nicht ehrlich mit den Bauern und den Verbrauchern um. Aber vielleicht sind die obersten Akteure in Berlin und Brüssel auch nicht in der Lage, den Menschen die Dinge vernünftig zu erklären. Und die Medienwelt kommt wegen ihrer weltverbesserischen Absichten dem eigentlichen Auftrag auch nicht nach.

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  4. Reinhard Seevers sagt

    “Oder, z.B., für hier lebende Afrikaner müssen wir Produkte aus Afrika importieren.”

    Alles schon da, der russische Lebensmittelladen, der polnische Lebensmittelladen, der türkische Lebensmittelladen, der asiatische Lebensmittelladen….den Import organisieren die schon sehr gut selbst.
    Leider ist die Migration und der Import der gewohnten Lebensmittel Teil des Klimawandels, auch wenn man das nicht so richtig auf dem Schirm hat.

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    • Inga sagt

      Die sollen das essen, was es hier gibt:
      Dem Mannheimer Bülent Ceylansein sein Papa ist Türk und der muß auch Schweinefleisch essen, was anderes kocht ihm seine Frau nicht!

      Aber hier wächst auch Hirse für die Afrikaner!
      Wenn wir Rosen aus Kenia brauchen, dann können die auch Nahrungsmittel von dort einführen.

  5. evo.... sagt

    Vielmehr müssten die Potentiale zur Verbindung von Ernährungssicherheit mit Umwelt-, Klima- und Tierschutzzielen vor allem innerhalb der Landwirtschaft und Wertschöpfungskette erschlossen werden. AgE

    Der Artikel gefällt mir ganz gut. Vor allem der letzte Satz:

    In eine ZKL gehören nur Bauern. Da muss man sich überlegen, wie man beim LEH die Food-Theken in die Hand bekommt.

    Da muss man sich überlegen, wie man “Giftfirmen” wie Danone, Nestle,…. raus drängen kann.

    Da muss man Ernährungsforschung ankurbeln. Das ist -mMn- eine Riesenchance für die LW. Eine Frage ist, wie viele Höfe kann man retten. Die andere Frage ist, wie viel Geld wir aufs Land heraus bekommen. Und das wäre für mich die wichtigere Frage, weil mit mehr Geld auf dem Land kann man auch mehr Höfe retten.

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    • Reinhard Seevers sagt

      “Da muss man Ernährungsforschung ankurbeln. Das ist -mMn- eine Riesenchance für die LW”

      Versteh ich nicht. Was soll das konkret sein, und wem soll das wann helfen?

      • Inga sagt

        Ernährungsforschung nennt man Ökotrophologie!

        Die Aufklärung darüber müßte man betreiben, ist so wichtig wie die Aufklärung der Ökologie.
        Hat man beides in den 70igern auch gemacht.
        Rausgekommen sind viele Besserwisser und Ernährungsfehler.

        Aber Interessierte würden sich so eine Ernährungsampel oder andere Hinweise schon wünschen.

        So könnte man beim LEH die Food-Theken in die Bauern-Hand bekommen, um ehrliche Nahrungsmittel anzubieten, die dann die “Giftfirmen” wie Danone, Nestle,…. raus drängen kann.

        Denn die verpanschen unsere ehrlichen Lebensmittelrohstoffe nach ihren Gutdünken und vertreiben sie Weltweit. Wie auch das Wasser!

        An jedem Rohstoff kann man verdienen.
        Der Verbraucher ist egal!
        Deswegen muß der Verbraucher Aufgeklärt werden, bzw. man müßte das zum Zeitgeist machen..

  6. Ludwig sagt

    “Träume sind Schäume” , so ein hier übliches Sprichwort. Genauso ist das in der ZKL. Da wird nach Mainstream gehandelt und die wenigen , die eine andere Sicht der Dinge von sich geben, ausgegrenzt. Das ist auch in der Öffentlichkeit so. Hier wird nach guten und nicht guten Demos unterschieden. Eine öffentliche Diskussion um den richtigen Weg findet hier nicht mehr statt. Dadurch werden große Teile unserer Gesellschaft ausgegrenzt und das von den obersten Politikvertretern. Verträge werden von denen gebrochen und selbst die Richterschaft teilweise so eingesetzt , um politische Ziele umzusetzen. Selbst bei ARD und ZDF kann ich keine ausgewogene Berichterstattung mehr erkennen , also schaut man auch in die alternativen Medien und wenn man überall nur 50% glaubt , dann kommt man aus meiner Sicht der Wahrheit schon näher . Auch unsere Nachbarländer wundern sich über unsere deutschen Wunderwege , die aus meiner Sicht in die Sackgasse führen.

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  7. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Merkwürdig,die Leute,die die Bauern endlich an die Kandarre legen wollen,ohne über deren wirtschaftliche Zukunft nachzudenken,wollen auch in den “totalen Krieg” gegen Putin ziehen.
    Haben die eigentlich “nen Rad ab”!

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    • Wilfried Stranz sagt

      “..wollt ihr den totalen Krieg, wollt ihr ..” ?? – gibt es tatsächlich Parallelen zu dieser entsetzlichen Zeit, vielleicht auch zu 1914 vor dem Ausbruch des Infernos als ‘man’ sich keine realistischen Vorstellungen industrialisierter Tötungsmaschinerie machte. Leichtfertiges Dauer-und Zwischen-Geplappere (von Lanz, Will .. bis hin zu allzuvielen “Grünen”-Politiker*Innen”) empfinde ich als brandgefährlich. Vielleicht nähern wir uns ein Stück der Realität mit der Frage: “Wem nützt letztlich dieser Krieg und Wirtschaftskrieg “? Sicherlich nicht den in diesem Land und anderen Ländern hart arbeitenden Menschen. Sonderbar: ich sehne mich ein wenig nach den Merkel-Scholz-Zeiten zurück.

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      • Reinhard Seevers sagt

        “Wem nützt letztlich dieser Krieg und Wirtschaftskrieg “?

        Berechtigte Frage….klare Antwort: In jedem Fall der amerikanischen Rüstungsindustrie. Alle europäischen Länder haben in den letzten Woche groß bei ihnen eingekauft….der alte Schrott wird jetzt in der Ukraine entsorgt (inkl. des russischen) und dann wird hoch modern mit amerikanischen und türkischen Waffen aufgebaut. Am Ende muss die Ukraine wieder aufgebaut werden, was den großen Finanzierern hilft. Alles hat seinen Sinn, sogar das Sterben von Menschen.

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  8. Mark sagt

    Leider befindet sich der vollständige Text hinter der Bezahlschranke, so dass mir nur die Info´s aus dem Begleittext zur Verfügung stehen. Diesen kann man zustimmen, wurden sie doch auch schon ausführlich hier im Blog diskutiert.
    Die ZKL hat sich in ihrer eigenen Blase eingeigelt, hat Narrative gegenüber der Landwirtschaft, ohne dass es erlaubt war diese in Frage zu stellen, manifestiert und weitere Narrative hinzugefügt. Das ganze Konstrukt steht auf tönernen Füssen, das der Kritik aus dem Lager unabhängig denkender Agrarier mit Hilfe überheblicher Arroganz möglicher Weise eine weile standhält, wissenschaftlicher Kritik möglicher Weise eben nicht. Daher ist Balmann zumindest dafür zu danken, dass er, soweit aus dem Text erkennbar, sich nicht dem schnöden ZKL-Mainstreamgedöns anschliesst.

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  9. Arnold Krämer sagt

    Professor Balmann ist der einzige namhafte, mir bekannte Agrarökonom, der dem Mainstream öffentlich widerspricht und auf die Ungereimtheiten und Probleme der ganzen Agrarwende-Diskussionen eingeht. Seine kritische Distanz zu dem, was seine Berufskollegen so „produzieren“, resultiert sicherlich auch aus seiner Herkunft von einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb im Emsland und der damit verbundenen Bodenhaftung.

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      • evo.... sagt

        Der Agrar-Handel muss sich den Genen der Leute anpassen. Ich habe mir das dieser Tage bei unseren Profi-Fußballern wieder gedacht:

        Die hatten einen Portugiesen verpflichtet, der dann hier enttäuscht hat und jetzt ,zurück in Portugal , Champions-Liga spielt. Wenn man einen so einen Mann nach Deutschland holt, dann muss man ihn auch hier so füttern wie in Portugal. Wenn man den Bio-Nudeln vollstopft, schmeißt das erst mal seinen Stoffwechsel durcheinander und dann fehlt die Leistung. Da ist schon der “Klimawandel” eine Belastung.

        Oder, z.B., für hier lebende Afrikaner müssen wir Produkte aus Afrika importieren.

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    • Markus Kempen sagt

      Soweit ich die Positionen von Alfons Balmann kenne, ist er ein großer Befürworter des “Wachsen oder Weichen”. In dem Artikel steht auch: “Balmann sieht die vielfach geringen Betriebsgrößen als wesentlichen Faktor für Einkommensdefizite in der Landwirtschaft.” Er ist mit Sicherheit ein Befürworter effizienter Produktionsmethoden. Allerdings sollten Betriebe, die nicht effizient Produzieren und/oder nicht genügend Einkommen erwirtschaften, besser heute als morgen die “Tore für immer schließen”. Ich weiß nicht ob dieser Focus auf die Effizienz den kleinen und mittleren Betrieben im Westen Deutschlands eine Zukunftsperspektive bieten kann. Von 10 100ha Betrieben müssten 9 aufhören, damit ein wirklich effizienter 1000ha Betrieb über bleibt.

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      • Arnold Krämer sagt

        Balmann beschreibt die ökonomischen Zusammenhänge, nicht mehr und nicht weniger:
        1. Wer mit landw. Urproduktion ausreichend Einkommen erzielen will/muss, braucht niedrige Stückkosten, um bei niedrigen (in der Vergangenheit real sinkenden) Erzeugerpreisen überhaupt Stückgewinne zu erzielen. Und dann müssen ja auch entsprechende Stückzahlen erreicht werden.
        2. Einkommen ist Entlohnung für den Boden, die Arbeit, das eingesetzte Kapital. Wer z.B. mit wenig Eigentumsfläche und mit viel Fremdkapital wirtschaftet/wirtschaften will/muss) muss vorab immer erst einmal viel Geld für andere (die Banken, die Verpächter) verdienen. Wenn dann auch noch die Pachtpreise überhöht sind, (also nicht aus dem Bodenertrag erwirtschaftet werden können, sondern aus Viehhaltung etc. quersubventioniert werden müssen) hängt alles (sehr viel) am Arbeitseinkommen der Familie.
        3. Produktionseffizienz (z. B. viel Milch je Kuh, viele Ferkel/Sau) muss u.a. ergänzt werden durch Kostendegression beim Kapital und bei der Arbeit. Das ist möglich im Familienbetrieb mit z. B. 400 Sauen oder 150 Kühen, wenn in der Außenwirtschaft der Lohnunternehmer oder Maschinenring genutzt wird. Die meisten teuren Spezial-Maschinen mit ihrer extrem großen Arbeitsleistung können weder auf 100 noch auf 200 ha im westdeutschen Familienbetrieb kostengünstig eingesetzt werden.
        4. Die Entwicklung in der bisherigen Richtung ist Folge des autonomen technischen Fortschritts, dem man sich als einzelner Landwirt nicht entziehen kann/konnte.
        5. Mit 100 ha kann man sehr wohl ausreichende Gewinne erzielen, abhängig von der Produktionsrichtung, der Produktions- und Markteffizienz, den Eigentumsverhältnissen. (Wem gehören die Produktionsfaktoren, denn die Faktoransprüche = Einkommen, sind Bestandteil der Stückkosten)
        6. Ein 1000 ha-Betrieb ist nicht per se effizient. Bestimmte Größendegressionseffekte bei den Kosten sind nur eine (kleine? größere?) notwendige Bedingung für Wirtschaftlichkeit. Da muss aber viel mehr zusammenkommen, insbesondere wenn viel Zinsen, hohe Pachten und viel Fremdlöhne vorab erwirtschaftet werden müssen, bevor Geld ins Portemonnaie des Landwirts fließen kann.
        7. Das Wachsen hat bei einem 3000 ha-Betrieb im Osten zwangsläufig einen anderen Charakter als bei einem 50 ha-Betrieb im Westen. Da der technische Fortschritt immer kleiner ausfällt, hilft er auch immer weniger bei der Senkung von Stückkosten. Wachsen heißt Lernen in all seinen Varianten. Wer nicht wächst in diesem Sinne muss auch zukünftig weichen.

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        • Reinhard Seevers sagt

          ‘Wer nicht wächst in diesem Sinne muss auch zukünftig weichen.”

          So isses! Es sei denn, jemand erfindet ein neues besseres Wirtschaftsmodell, dem dann die globale Ökonomie folgt.
          Das Herumdoktern und die bürokratische Gängelung hebeln den Markt jedenfalls nicht aus.

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        • Markus Kempen sagt

          Ich verstehe viele Kommentare von Landwirten in den sozialen Medien so, dass es ein anliegen ist möglichst viele Landwirtschaftliche Betriebe zu erhalten. Die Argumentation von Alfons Balmann bzw. die von ihnen angeführten Punkte sind richtig und in sich schlüssig. Ich würde noch ergänzen, dass (kleine) Betriebe auch versuchen können sich eine “Nische” zu besetzen, wenn sie die Kostenführerschaft nicht erreichen können. Im Ergebnis erfüllt der “wirtschafts-liberale” Ansatz aber nicht den (Herzens-)Wunsch etlicher Landwirte, dass “jeder der Landwirt bleiben will, dass auch bleiben kann” (Glaube so oder ähnlich hat ein LSV Vertreter das mal formuliert). Wenn es das Ziel sein soll “Betrieb zu erhalten”, muss man in der Tat ein neues “Wirtschaftsmodell” erfinden. Eine ZKL wäre da nur der Anfang, der definiert welche Ziele (Umwelt, Tierwohl, Einkommen, Finanzierung) dieses (noch nicht erfundene) Wirtschaftsmodell unter einen Hut bekommen soll. Ich persönlich möchte mich nicht darauf verlassen, das Ende eines Prozesses der mit der ZKL beginnt, ein Wirtschaftsmodell entsteht, dass “jeden Betrieb rettet”. (Da versuche ich es lieber in der Nische). Ich würde diesen Weg aber auch nicht als Irrweg abtun, da marktorientierte Entwicklung der letzten 20 Jahre den allermeisten Betrieben keine Perspektive für die nächsten 20 Jahre bietet. Ob die Gesellschaft aber wirklich bereit ist, die Landwirtschaft so zu unterstützen, das die Struktur auf den Dörfern erhalten bleibt, ist unklar. Wenn überhaupt, wird die Gesellschaft aber nur eine irgendwie entsprechend den Zielformulierungen der ZKL transformierte Landwirtschat unterstützen. Wer auf den Markt setzt braucht keine ZKL, muss auch mit den Schattenseiten des Marktes leben können.

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          • Reinhard Seevers sagt

            Das Irre ist doch, dass Landwirtschaft und deren Produktionsmittel, deren Voraussetzungen aufgrund von Klima und Boden, so unterschiedlich verteilt sind, dass es schon hier schwierig ist, eine einheitliche Gesetzgebung überzustülpen. Nun kommen noch unzählige andere Bedingungen hinzu, die sich die Gesellschaft wünscht, die Politik ausdenkt oder der Markt erfordert. Nimmt man noch die Betriebsgrößen und Ausrichtungen, deren Diversifizierung und finanzielle Ausstattungen, ihre Lage im Raum (Stadtnah oder Stadtfern), die Ausbildung und das Alter des Betriebsleiters hinzu, dann bekommt man eine leise Ahnung davon, dass eine einheitliche rechtliche und marktorientierte Lösung unmöglich wird.
            An der Regelung der Roten Gebiete kann man es exemplarisch ablesen. Es gibt aber unzählige andere Beispiele,

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            • Stadtmensch sagt

              “dass eine einheitliche rechtliche und marktorientierte Lösung unmöglich wird”

              Wieso? Genau so sieht er aus der freie Markt! Er ist das Ergebnis von Bürotätigkeit. Von bemaltem Papier…endlos!
              Oder denkst du, die 70-Prozent Anteil an “Werten” in Form von Schuldverschreibungen, besicherten Derivaten und andere exotische Finanzprodukte wachsen auf Bäumen?

              Wollen wir darauf verzichten? Auf die schönen Finanzprodukte? Wer soll das organsisieren, dass ein Macher wie Musk seine Freiheit “zu etwas” ausleben kann?

              Alle wollen Kapitalismus und alle sind zufrieden, wenn nur genügend Klopapier im Regal liegt und die Bomben nicht gerade aufs eigene Dach fliegen. Dafür brauchen wir Realisten wie Herrn Balmann, die uns erklären, dass wir hier nichts aber auch gar nichts gestalten können. Dass wir es sein lassen können mit Überlegungen, was alles sein könnte, wenn man mal die trostlose Realität ausblendete.

              Das sollte jetzt kein Plädoyer für dieses ZKL-Konvolut sein. Nur wieder so ein allgemeines Rumgranteln…

            • Arnold Krämer sagt

              Deshalb muss weniger, das Wenige aber sinnvoll geregelt sein. Wie kommen wir dahin, wenn es denn überhaupt politisch konsensfähig wäre?

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