Bauer Willi
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Wonnemonat Mai – eher nicht

Während unsere Mitbürger sich über den täglichen Wetterbericht „Weiterhin sonnig und warm“ freuen, weil schon Anfang Juni das Strandbad geöffnet hat und gut besucht ist, stellt sich die Situation für einige Landwirte vollkommen anders dar:

In vielen Teilen Deutschlands, vor allem im Osten und Norden, aber stellenweise auch im Süden ist es seit Wochen viel zu trocken. Die alte Bauernweisheit „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass“ trifft daher in diesem Jahr voll zu, leider im umgekehrten Sinne. Bei der Wintergerste, die meist erst Anfang Juli geerntet werden sollte, ist schon von Notreife die Rede. Notreife bedeutet, dass das Getreide schon soweit vertrocknet ist, dass selbst jetzt einsetzender Regen nicht mehr helfen würde. Entsprechend klein sind die Körner oder die Ähre bleibt sogar ganz leer. Dann würde der Mähdrescher im wahrsten Sinne des Wortes „nur leeres Stroh dreschen“.

https://www.presseportal.de/pm/6949/3963348

Wer sich für die konkreten Zahlen interessiert, findet hier auch eine regionale Aufteilung für Winterraps. Der Trend dürfte aber auch für Getreide gelten.

https://www.presseportal.de/download/document/493574-2018-26rt-tabellenvierteernteschaetzungfinal.pdf

Und es trifft nicht nur Deutschland, sondern auch die Ackerbauregionen in Dänemark, Polen und Südschweden. An einzelnen Wetterstationen war der Monat nicht nur der wärmste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, sondern der wärmste Monat überhaupt und übertrifft damit auch die typischen Sommermonate.

Gerade die norddeutschen Landwirte trifft es besonders hart, weil dort der sehr nasse Herbst und Winter schon dazu geführt hatte, dass die typische Wintersaaten wie Raps und Weizen nicht in den Boden kamen.

Dass die Preise für Getreide an der Börse steigen, kann bereits eine Auswirkung dieser Prognose sein. Aber auch der Wechselkurs Euro/Dollar, steigende Rohölpreise und ein Tweet von Donald Trump kann Einfluß nehmen.

https://www.kaack-terminhandel.de/de/matif-weizen.html

Zur Region Rheinland: wir hatten in den letzten Wochen immer wieder, zum Teil heftige Gewitter. Wir haben darüber berichtet. Von daher ist die Situation hier nicht so angespannt. Aber das kann sich noch ändern. Wie der Ertrag tatsächlich ausfällt, zeigt sich erst, wenn der Mähdrescher fährt. Und bis dahin kann noch viel passieren. Für den Moment bin ich allerdings dankbar und zufrieden.

Neben den Diskussionen um Artensterben, Agrarpolitik und Umweltschutz wollte ich nur mal wieder den Fokus auf die ganz normalen Dinge des Lebens lenken…

Euer Bauer Willi

 

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10 Kommentare

  1. Elfriede Grünling sagt

    Auch bei uns in Österreich ist es zu trocken
    . Gewitter gibt es in Gegenden wo sie Starkregen auch nicht brauchen können. Ich verstehe die Preisvariationen nicht. Eigentlich müsste es eine Bauernbörse geben, die im Namen der und für Bauern in ganz Europa arbeiten würden. So könnte man den Handel wieder in seine Schranken weisen, die nur mit Billigstpreisen arbeiten wollen und uns alle gegenseitig Ausspielen.

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  2. Farming04 sagt

    In der eifel ist die Situation ähnlich Sommergerste ist bereits beim zweiten knoten zweite N gabe schenken wir uns daher dritte psm behandlung wurde durch den jetzt zuspät eintreffenden regen auch noch nötig mehr kosten und weniger gewinn.

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  3. Obstbäuerin sagt

    Ich sehe die vertrockneten Felder jeden Tag und daneben der prächtig gedeihende Mais, der durch den Starkregen letztes Wochenende einen großen Satz gemacht hat. Bei uns hat der heftige Regen fast die Hälfte der Erdbeeren zermatscht. Es ist abzusehen, dass diese Kultur den Tomaten und Gurken ins Folien- oder Gewächshaus folgt. Die Kosten lassen sich bei diesen Verlusten im Freiland nicht mehr decken.

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  4. Ich wohne hier im Süden von Holstein. Bin grade dabei, neue Pfähle für unsere Hengstpaddocks zu setzen.

    Ich hab in fast 1,5 Meter Tiefe nur Staubtrockenen Boden gefunden.

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  5. Lieschen Müller sagt

    Ich wollte schon nachfragen. Ich guck immer mal bei Wetterkontor nach den Daten der einzelnen Stationen in Deutschland, und da fiel auf, dass es z.B. in der Uckermark seit 8 Wochen nicht geregnet hat. Dazu warm und windig.
    In Schweden sind sogar Waldbrände ausgebrochen, Anfang Juni!

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      • Lieschen Müller sagt

        Danke, aber etwas schwierig zu verstehen für den Laien. Was für Informationen zieht denn ein Landwirt aus so einem Diagramm? Wann er bewässern muss?

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Kann nur für mich sprechen,

          mir nützt die Bodenfeuchte von Freiburg nichts, auch nicht die von Freudenstadt, weil die ganz andere Bedingungen haben.

          Freudenstadt hat ca. 2000 mm, mein Ort ca. 950 mm und 15 km weiter in der Oberrheinebene gibt es ein kleines Gebiet, die haben 1200 mm, warum das so ist, ist selbst den Fachleuten ein Rätsel.

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        • Bauer Willi sagt

          @Lieschen Müller
          Damit die Pflanzen ungestört wachsen können, ist eine Nutzbare Feldkapazität (ist der Wasservorrat im Boden) über 60% recht gut. Sieht man im Diagramm unten, wo es farblich dargestellt ist.
          Wenn es weniger ist, hat die Pflanze mehr Aufwand, um an das Wasser zu kommen. Entscheidend ist das vor allem in den obersten 30 cm. Wenn es da unter 30% ist, hat die Pflanze richtig Stress und wenn der Zustand länger anhält, beginnt sie zu vertrocknen. Wenn jemand bewässern kann, kann er dem entgegenwirken. Aber hier im Rheinland haben nur wenige Landwirte die Möglichkeit. Allerdings kann unser Boden auch sehr viel Wasser speichern.
          Bauer Willi

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    • Inga sagt

      Ja Lieschen Müller,

      sind da nicht jedes Jahr mit zu trockenen Verhältnissen zu rechnen?
      gibt es nicht Leute,
      die diese Gegend mit

      Gottes Streusandbüchse

      betiteln?

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